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Rotationrdruckmck Verlag der Fuldaer Ak» ürndruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.

35. Jahrqanq.

Fulda, Samstag den 6. Juni 1908.

JV3 130.

Erstes Mtatt.

Wegen des hl. Pfingstfestes wird die nächste Nummer unserer Zeitung erst am Dienstag auSgegeben,

t Pfingsten.

Das Angesicht der Erde soll erneuert teer bin durch den heiligen Geist, der zu Pfingsten gesandt ist. Diese Prophezeiung des Festspruches hat sich bewahrheitet; denn das Christentum hat tatsäch­lich die Welt von Grund aus umgestaltet. Der christliche Geist ist der Vater der Kultur, deren sich jetzt di« Erde erfreut. Auch die „Modernen", die sich vom Christentum emanzipieren und eS übertrumpfen und bekämpfen wollen, stehen auf dem Baden der vom Christentum geschaffenen Kultur und verdanken das geistige Rüstzeug dem­selben Vater, gegen den sie zu Felde ziehen. Es acht im Kulturleben ähnlich, wie im Famllien- loben: die groß gewordenen Kinder bleiben nicht alle treue Haussöhne, sondern werden vom Trieb der Selbständigkeit und Eigenmächtigkeit befal­len; die einen begnügen sich mit der friedlichen Trennung vom Elternhause, die andern verfallen m Feindschaft und Kampf mit Vater und Mutter.

In der physischen Entwickelung ist der Tod der große Schlichter und Ordner, der dem nach- folgeirden Geschlecht freie Bahn schasst. Der christ- siche Geist und die christliche Kirche sind unsterb­liche Eltern, die dauernd mit ihren Kulturkindern Zusammenleben und möglichst zusammen wirken müßen. Und die Weltgeschichte zeigt. Laß trotz oller Wirren, welche aus Leu Emanzipations- bestrÄungen der weltlichen Kulturelemente her­vorgehen, endlich wieder daS Ewige und Heilige triumphiert und das Christentum die Seele der .menschlichen Bildung und Gesittung bleibt.

Allerdings wird auf Erden keine Vollendung, keine Ruhe der Vollkommenheit erzielt. Erst im jenseits ist und bleibt alles so, tote es sein soll. Hier auf Erden muß fortwährend gestrebt und oerungen, gearbestet und gekämpft werden. Auch die Kirche auf Erden nennt sich die kämpfende. Die verheißene Erneuerung des Angesichtes der Erde kommt also auch vor dem jüngsten Tage (licht zum vollen Abschluffe, sondern bildet eine ortdauernde Tätigkeit, die der hl. Geist mit menschlichen Hilfskräften teilt. Immer von neuem muß Las Angesicht der Erde erneuert werden — gegenüber den jeweiligen Gebrechen und Verir­rungen der Zeitaller. Der neue Sauerteig des Christentums, den der Apostel Paulus so schon verkündete, sollte nicht einmal oder zweimal, wir­ken, sondern fortwährend mit ungeschwächter Kraft das Mehl Les menschlichen Wissens und Könnens zum schönen, nahrhaften Brote gestalten. Darum heißt es auch, daß der hl. Geist „alle Tage bis an's Ende der Welt" bei uns bleiben soll. Das Pfingsttoerk soll alle Tage fortgesetzt werden, so lange die Menschheit hier auf Erden lebt und strebt. Alle Tage soll es wie Pfingsten fein für Lio Gutgesinnte»; alle Tage müssen sie ihr Herz öffnen dem guten Geistes und alle Tage muffen sic Ju ihrem bescheidenen Teile mitarbeiten an em Gottesreich auf Erden, zu dem damals der

Grund gelegt worden ist.

Mit dem Jammern oder Schelten über den schlechten Welt- ober Zeitgeist ist es nicht getan. Gearbeitet muß werden für die gute Sache. Gearbeitet zunächst in der Vervollkommnung des eigenen Ich, das bei unbefangener Prüfung so sehr noch der wahrhaft christlichen Durchsäue- tur.fi bedarf. Gearbeitet für die Vervollkomm­nung der christlichen Familie, die ein Träger für die Gegenwart und eine Hülfsquelle für die

Zukunft bildet. Und dann nntgestrebt und mit­gerungen im öffentlichen Leben, auf allen Gebieten, auch in der Stille und wo erst in spä­terer Zett die Früchte reifen werden.

Die Gegner des Christentum« find mit zähem Eifer bestrebt, das Angesicht der Erde nach ihrer Art, im Gegensatz zum Geiste der ewigen Wahr­heit und Gerechtigkeit, zu „erneuern". Wenn nur alle, die sich Chrfften nennen, denselben Mut, den- selben Eifer, dieselbe Ausdauer beweisen tooll- tenl — Pfingsten soll uns nicht bloß ein Fest der Freude sein, sondern mtt einem ernsten Anlauf zur Selbsterkenntnis, zur Aufmunterung der christlichen Pflichttreue und Tatkraft ein gekettet werden. Erst wenn wir wahrhaft guten Willens find,' können wir voll ftaher Hoffnung unter den Pfingstmaien wandeln, und uns freuen in der sicheren Zuversicht, daß die Pforten der Hölle nicht überwältigen werden, waS zu Pfingsten be­gründet worden ist, und stolz fein auf untere Mitgliedschaft in der größten, ältesten, erhaben- sten und heiligsten Gemeinschaft, die der Erdball anfzuweisen hat.

Wohl dem, der in Len rechten Weinberg be­rufen worden ist; aber wohl ihm nur dann, wen» er redlich arbeitet im Weinberge des GeistesI

Deutscher Reich.

* Der Kaiser wird dem König von S chwe- den im August einen Gegenbesuch machen.

= Tie Kaisermanöver scheinen in diesem Jahre besonders glänzend zu werden. Nach den Meldungen lothringischer Blätter werden daran die Könige von Sachsen und Württemberg, die Großherzige von Hessen und Baden, ferner auch der König von Italien teilnehmen.

* Der Staatssekretär des Reichsjnstizamtes Dr. Nieberding gedenkt von seinem Poften, den er 15 Jahre lang begleitet hat, zurückzutre­ten. Er hat Las 70. Lebensjahr überschrittet und ist seit längerer Zeit augenleidend. Die Zeit seines Abschiedes ist noch nicht genau bezeichnet, doch wird sie vor dem Zusammentritt des Reichs­tags im Oktober liegen.

* Ta« Ehrengericht gegen den Grafen Hohe- na«. Die Nachricht, das ehrengerichtliche Ver­fahren gegen Len Grasen Wilhelm Hohenau sei wegen Mangels an Beweisen eingestellt worden, wird jetzt als unzutreffend bezeichnet. Der Spruch LS Ehrengerichts ist gefällt und unterliegt z. Z. der Bestätigung durch den Kaiser. Das Ge­richt toll den sch ä r f st e n Spruch, den die ehrengerichtlichen Vorschriften zulassen, gefällt haben.

g. Eine folgenschwere Verleumdung. Im Juli de« vorigen JahreS wurde dem katholischen Pfarrer Leinen von Orscholz, Diözese Trier, plötzlich die Lokalschulinspektion entzogen und die Erteilung des schulplanmäßigen ReltgionZ- Unterrichts verboten. Was war geschehen? Nie­mand wußte es, und ohne irgendeine, doch sonst jedem Beschuldigten gegenübrr übliche Unter­suchung und Anhörung wurde der Pfarrer ge­maßregelt. Nun stellte sich plötzlich heraus, daß der mtt dem Pfarrer verfeindete Ortsvorsteher von einem lothringischen Geistlichen, der kurz vorher bei dem Pfarier zu Besuch getvesen war, gehört haben wollte, Leinen hätte u. a. gesagt, er hasse alle Preußen, beim Kaiser ange­fangen, von Bülow bis auf den letzten Mann u. dgl. Trotzdem der lothringische Geistliche so- fort vor dem Metzer Generalvikariat erklärte, daß diese Aeußerungen nicht gefallen seien, wurde die Maßregelung der Regierung, die einzig und

allein auf einer dies bezüglichen Denunnation de« OrtSvorsteherS beruhte, nicht rückgängig gemacht, ytun macht da« bischöfliche General- vikarial von Trier folgende« bekannt: „Nachdem der genannte Pfarrer Lombard schon am 21. Oktober v. I. vor dem dtschöfltchen General- vikariol zu Metz zu Protokoll erklätt hatte, daß diese Aeußerungen seitens deS Pfarrers Leinen tatsächlich nicht gefallen seien, hat er bei ieiner am 6. d. M. vor dem bischöflichen Generalvikariat in Metz erfolgten eidlichen Vernehmung weiterhin folgende Erklärung zu Protokoll gegeben:

„3<f) erkläre hiermit eidlich, daß im Juli 1907 bei meiner Anwesenheit in Orscholz Herr Pfarrer Leinen mir gegenüber niemals gesagt hat: „Ich Haffe alle Preußen, beim Kaiser angefangen, von Bülow biS zu letzten Mann'. Ferner hat er auch nicht gesagt: „Ich kann die Preußen nicht leiden'. Er hat auch keine andere ähnliche Aus­drücke gebraucht und stch tn keiner Weise als unpatriotisch gezeigt.'

Offenbar kann damit die Sache nicht erledigt sein. Wenn die Trierer Regierung nicht von selbst ihren Fehler, daß sie auf einseitigen Be­richt deS OrtSvorsteherS hin eine solch schwere Maßregelung verhängt hat, wieder gut macht durch Wiederanstellung des Pfarrers, dann haben die Abgeordneten die' Pflicht, die Angelegenheit im Abgeordnetenhause zur Sprache zu bringen. Außerdem b.dürfe es einer Untersuchung, wie der Ottsvorsteher Sauerwein dazu kam, eine solche Anklage gegen den Pfarrer Leinen einznreichen.

):( Die Eroberung des Ovambolandes im Norden von Deutsch-Südwestafrtka macht der Kolonialverwaltung große Sorgen. Die Ovambos sind bekanntlich ein unabhängiger Stamm von außerordentlicher Macht, von dem zirka 150 l Oo Köpfe auf deutschem Gebiete wohnen. Jetzt sucht man ihn seiner Selbständigkeit zu be­rauben, um die Kolonie vor einem etwaigen Ausstande zu behüten. Seit dem Hererokriege ist immer wieder die Forderung aufgetaucht, die Kolonialverwaltung solle die Ovambos mit Waffengewalt unterwerfen. Der Gouverneur von Schuckmann hat sich diesem Ansinnen stets ablehnend verhallen, und auch der frühere Gou­verneur Leutwein, der die langen Jahre hindurch :n Südwestafrika geweilt hat, warnt entschreden davor. Jetzt versucht man die Unterwerfung auf andere Weise. Der Gouverneur hat den Haupt- mann Franke dorthin entsandt. Cr soll mit einigen Ovambohäuptern in friedlicherWeise Fühlung nehmen. Er reist ohne größere mili­tärische Begleitung.

* Darmstadt, 5. Juni 1908. Die Zweite Kammer befaßte sich mit der finanziellen Lage deS Hostheaters und einem Gesuch der Hof- mufiker um Besserung ihrer Lage. Das HauS etflörle eS für die Sache der Stadt Darmstadt, einen höheren Zuschuß zu dem Theater zu leisten. Es folgten nochAenderuugenoesHandeskammer­ze setzes hinsichtlich der Bertretungsbefugnis und der Wahlperioden. Das HauS vertagt e sich sodann bis zum 16. Juni.

* Schwerin, 5. Juni 1908. Die mecklenbur­gische Negierung hat sich angesichts der Beschlüsse des Landtages (vergl. das 2. Blatt) dahin ent­schieden, in erneute Verhandlungen über den Ausbau der Verfassung auf stän­discher Grundlage einzutreten und erst fin Herbst einen neuen Entwurf über die Verfaffungsände- ntng vorzulegen.

Der falsche (Erbe.

Roman von Ed. Wagner.

r23] (Nachdruck verboten).

Dabei löste er die Binde, nahm vorsichtig den Verband ab und legte dadurch die Wunde bloß.

Harrington zuckte leise, hielt aber geduldig auS. Nelly bedeckte ihr Gesicht mit beiden Hän­den und Gildon schauderte bei diesem entsetzlichen Anblick.

„Es ist genügt“ rief er, sich abwendend. „Ich sehe vollkommen, daß eine Rettung des Unglück­lichen unmöglich ist!“

Der Doktor verband die Wunde wieder und tzlS er damit fertig war, fragte Nelly:

„Sollte wirklich keine Hoffnung für den ar­men jungen Mann vorhanden fein, Herr Doktor? Vor einer Weile sang ich ihm ein Lied vor, er hörte gespannt zu und Tränen kamen in seine Augen."

„Ich kann recht gut begreifen, daß ein rühren- fie§ Lied, von Ihnen gesungen, Signora, selbst n die Augen dieses Unglücklichen Tränen locken tarnt,“ erwiderte der Doktor mit einer galanten Verbeugung. „Aber die Tränen beweisen nichts. Ebenso könnte auch ein Gähnen Tränen erzeu­gen. Sie sind betrübt über das Schicksal Ihres so edel aussehenden Landsmannes, aber da et Ihnen doch nur ein Fremder ist, werden Sie eS ertragen können, wenn ich wiederhole, was ich schon zu Frau Vicini sagte, nämlich, daß nicht die geringste Hoffnung vorhanden ist, daß der arme Blödsinnige jemals wieder in den Besitz »eines richtigen Verstandes kommen wird." . Nelly schauderte, es wahr ihr, als ob jemand »hr «nett Schlag versetzte.

„Er ist, kurz gesagt, ein hoffnungsloser Jrr- ftitntger!“, rief Mr. Gildon mit dumpfer, geifter- Kafter stimme.

L ist so, wie Sie sagten, Signor," bestätigte 8>xr Doktor.

„Es läßt sich somit nichts für den jungen Mann tun," sagte Mr. Gildon; „er muß hier in dieser Einsamkeit bleiben, das ist das beste für ihn; er geht mich ja auch nichts an, mein Interesse für ihn ist nur ein rein menschliches."

„Vitus, bringe den Doktor nach seiner Villa zurück,“ befahl Gildon; „und komme dann mit dem Wagen wieder hierher, um unS abzuholen."

Der Doktor verbeugt« sich vor Nelly und ent­fernte sich. Gildon begleitete ihn bis zu dem Ab­hangs bei Felsens und reichte ihm zum Abschied die Hand, wobei er ein Goldstück in die Hand des Doktors gletten ließ, als Entschädigung für seine Bemühungen.

Gildon blickte dem Wagen eine Weile nach, bann ging er mit gesenktem Haupte, die Hände auf dem Rücken, langsam hin und her.

„So, die Sache ist klar," murmelte er. „O, hätte ich es früher gewußt — doch es ist nun zu spät. Ich will mich nicht belästigen mit der Sorge und Pflege eines Irrsinnigen. — Es ist ein son- herberer Zufall, der uns hier zusammenführte."

Inzwischen hatte Frau Vicini einige Erfrisch­ungen für Nelly gebracht, welche dieselben dankend annahm und versprach, täglich den unglücklichen jungen Mann zu besuchen.

Endlich kam der Wagen zurück und Nelly er­hob sich auf den Ruf ihres Vormundes und schickte stch zum ©eben an. Guido war ebenfalls aufge­standen und bat das Mädchen, zu bleiben. Frau Vicini führte ihn unter freundlichem Zureden in’8 Haus, weil man fürchtete, er möge dem Wa­gen folgen.

Als die kleine Gesellschaft die steile Anhöhe hinabstieg, blieb Gildon plötzlich stehen.

„Einen Augenblick, Nelly," sagte et, Mrs. JÄb und ihrem Sohn einen Wfitr gebend, daß sie vorausgehen sollten. „Der junge Mann da oben ist so gut wie tot. Ich wollte nur wiederholen, was ich Ihnen gestern abend sagte: daß Sie ihn besuchen können, so oft Sie wollen; Sie können ihm Kleinigkeiten, Leckereien oder dergleichen mitnehmen und überhaupt für feinen Komfort

sorgen. Ich werde ihn nie wieder besuchen, ich will nie wieder in fein Gesicht sehen, denn es war mir als blicke ich in ein offenes Grab. Auch wie­derhole ich meinen Befehl, daß Sie in meiner Ge­genwart nicht von ihm sprechen, auch nicht seinen Namen nennen dürfen, daß Sie ihn nicht in meine Nähe bringen oder ihm gar erlauben, nach der Villa zu fommen. Für mich ist er tot."

Nelly versprach, seine Wünsche zu respektieren und beide setzten darauf ihren Weg fort.

IX.

Branders Ankunft in Harrington Hall.

Drei Tage nach Empfang des Briefes, welchen Brander in Marseille geschrieben, erhielt Sir Harry Harrington ein Telegramm aus Paris, unterzeichnet „Guido Harrington", welches die Ankunft des Reisenden in Gloucester am nächsten Tage gegen mittag meldete, woselbst dieser einen Wagen zu seinem Empfange erwartete.

Eine freudige Aufregung herrschte in jedem Winkel des großen GÄäudes, sobald der Jnhall des Telegramms bekannt geworden war.

Aber auch in der Umgegend und besonders in dem etwa eine Meile von Harrington Hall ent­fernten Dorfe Ardleig, welches zum größten Teile zum herrschaftlichen Gute gehörte, verbreitete sich rasch die Nachricht von der Heimkehr des Erben von Harrington Hall und erregte überall Freude.

War der muntere, fast mutwillige und doch so herzensgute Guido doch bei sämtlichen Pach­tern beliebt gewesen und war man nun begierig, ob das Leben und Reifen in fremden Ländern ihn anders gemacht, oder ob er seinen edlen Sinn, seine Gutherzigkeit und sein einnehmendes Wesen sich bewahrt hatte.

Endlich brach der Tag der erwarteten Ankunft an; eS war ein trüber, unfreundlicher Novem- bermorgen, windig und regnerisch. Die hohen Eichen der langen und breiten Allee schüttelten ihre ehrwürdigen Häupter, wie traurig und un­willig über die sich vorbereitenden Ereraniffe.

Bolksschulnovelle in Württemberg.

a Stuttgart, 5. Juni 1908. Ein SB oll«* schulgesetzentwurf rst von der roflrttenr bergischen Regierung soeben dem Landtage zu- gestellt worden. Der Entwurf sieht eine Ver­längerung der Ausb.ldunarzett der Lehrer von 5 auf 6 Jahre, die Möglichkeit akademische» Studium« und die Errichtung einer besondere- evangelischen Oberschulbehörde für Bezirksfchu!. aufficht und Fachaufsicht im Hauptamt mit einer Prüfung auf Grund akademischen Studium« vor. Die OrtSschulaufsicht wird aller schuttech» nischen Funktionen entkleidet. ES verbleibt ihr nur noch die allgemeine Schnlpflege, für di« der OrtSgeistliche namenS der OrtSschul, behörde die Aufsicht führt. Die Gemeind«, können die Volksschulzeit von 7 auf 8 Iah» auSdebnen. Die Schülerzahl wird herabgesetzt.

* Das Wahlergebnis

liegt noch immer nicht vollständig vor. Nach Mitteilungen, die biS jetzt zusammengelaufe» sind, sind als gewählt anzusehen: 129 Konser­vative, 57 Freikonservative, 59 Nationalliberale, 20 Freisinnige Volkspartei, 7 Freisinnige Ver­einigung, 97 Zentrum, 15 Polen, 6 Sozial­demokraten, 6 bei keiner Partei. Insgesamt sind 21 Stichwahlen erforderlich. Es fehlen noch di« Resultate von 17 Wahlbezirken mit 29 Abgeord­neten. — Die Stichwahlen scheinen hie und da noch Möglichkeit von Ueberrafchungen zu bieten. So soll die Sozialdemokrat^ tn de» Wahlkreis Rixdorf den Sieg noch nicht definttiv in der Hand haben. Die Sozialdemokratie hat zwar bis jetzt 491 Wahlmänner gegenüber 889 der Konservativen, der Freisinnigen und der Nationalliberalen, aber e- find noch 300 Wahl­männer in der Stichwahl zu wählen, von denen die Sozialdemokraten wenigstens 72 hab« müssen. Es ist selbstverständlich, daß der Frei­sinn alles, was an Wahlmannschaften verfügbar rst, nunmehr in diesen Wahlkreis werfen wird.

4- Ter Regierungsbezirk Kassel

zerfällt in 14 Landtagswahlbezirke mit je eine«" Abgeordneten. Bisher entsandten Liese Kreis« zwei Zentrumsabgeordnete (Fulda und Hünfeld- Gersfeld), fünf Konservative (Hofgeismar, Hom» berg, Gelnhausen, Marburg, Rinteln), z>v« Freikonservative (Kirchhain, Eschwege), drei Na­tionalliberale (Kassel-Stadt, Melsungen, Hanau), und je einen Deutschsozialen (Kassel-Land), unI. SMormparteiler (Hersfeld) ins Abgeordnete«»' haus.

Bei der Wahlmännerwahl am 3. Huni sicher-, ten Zentrum und Konservative ihretzh Besitzstand; letztere gewannen außerdem Kaffes Land-Witzenhausen, und kommen in Hersfeld itt, aussichtsvolle Stichwahl mit der Resormpa» t e i, die dort ihr einziges Mandat zu verteidiget hat. Die Fr eiko nser vat iven sind auf ei» Mandat zurückgedrüngt, sie verloren Eschwege atf die Nationalliberalen. Von ihren bisherigen drei Mandaten haben die Nationalltberale» Hanau nicht im ersten Wahlgange in Sicherheit bringen können, sie sind dort in die Derteidigunß gegenüber dem Bund der Landwirte g» rückt. Die Deutschsozialen find durch Ver­einigung mit den Konservativen in Kaffel-Lan» diesmal ausgefallen.

Tie beiden ZentrnmSwahlkreise Fulda un» Hünfeld find sicherer Besitz dieser Partei. F u l d » entsandte nach dem 1904 erfolgten Tode deS heimrat Goebel den Oberlandesgerichspräs. Spah^ —ü.—. ........-=<

Im Hause selbst war es aber heiter; alle« jubelte in freudiger Aufregung. Die Dieners schäft eilte geschäftig hin und her, gatt es doL hier und da noch einige Vorbereitungen für defl Empfang zu treffen, und manches, WaS in bet Eile und in freudiger Erregtheit verkehrt gemacht war, mußte doppelt gemacht werden.

Sir Harry ging aus einem Zimmer in da« andere, unruhig vor Sehnsucht nach dem AugenL blick, in dem er den geliebten Sohn tn seine ArnH schließen und an fein Herz drücken konnte.

Ella flog die Treppe hinauf und hinab, kam» wissend, was sie tat. Ihre Wangen glühten uni ihre Augen leuchteten, wie di« Sterne in einet falten Winternacht.

Aus allen Gemächern de» Schlosses ftrömU, eine wohltuende Wärme. Vor dem Hause toat' eine Ehrenpforte erbaut, die Halle, das Gesell-; schcftszimmer und der Speisesaal waren mit @ir<’ landen, Tannenzweigen, Epheu- und 9;mitten grünranfen geschmückt. Die besten Pflanzen hatt< Sir Harry aus dem Gewächshause in den Nische» und an den Fenstern aufstellen laffen, so daß die­ses Gemach einem Feensaale glich, lind daritz sah Ella so reizend und bezaubernd aus,, tote man sich eine Prinzessin oder eine Feenkönigin fit einem Märchen vorstellen mag.

„Ich muß mir heute das schönste Kleid auS« suchen," hatte sie gedacht, al» sie in ihrer Garde­robe suchte, „damit ich ihm gefalle!“ und dabei hatte sich die Röte ihrer Wangen erhöht. „Ob et mich wohl leiden mag, oder ob ich ihm tote ein einfaches, unbedeutendes Landmädchen erscheinen werde gegen die! schönen und stolzen Damen, welche er im Auslande gesehen hat? — Es heißt ja, daß Alles vom ersten Eindruck abhängt."

Und dabei suchte sie so eifrig, als hinge ihr Leben von der Wahl einer Farbe ab. Wieder uni wieder nahm sie ein Kleid nach dem andern herab und hing es auch wieder an den Haken.

Cressy, Ella's Mädchen, welche bei ihr stand, und durck ieittoeilw Etnlchattunoev und Bemer-