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Hul-aer W Zeitung

z.pa^tLtt"in^lva. wochenbellage: „Illustrierte Sonntagrzettung"

m<mdsMiage: „Fuldaer GeschichtrbMer"

tUfrtut WRI »urnahmr der $ff.Oh und Feiertag«. Viertel, jährlicher vezugrprek, ohne vringerloh« und VesteLgeldinZuldaso« toit auswärts bsomt

verautw. Redakteur:

«arl Schütter

Jte «• spalttge Petitzeile oder dereu Raum lS psg. ReNamendrepetitzeUr 25 Pfg., bei wieder Holungen wirb tntfpfi Rabatt gewährt

»»tationrdrucku'ch Verlag der Fuldaer Ich» tieubruckerei in Fulda

Fernsprecher Nr.»

Fulda, Freitag den 5. Jrmi 1908.

M 129.

35. Jahrgang.

Zweites 'MLatt

was anderes zu erwarten sei, lag auf der Hand. Für die Herren bedeutet eS ja schon eine „Pro­vokation^, daß die Katholiken überhaupt noch zu existieren wagen!

Deutsches Reich.

* Die wahre Bedeutung de» „neuen Drei- lundes". In der Liverpooler „Post* gibt ein der englischen Regierung nahestehender Parlamenta­rier von den Zwecken LeS „neuen Dreibundes" eine recht beachtenswerte Darstellung. Der 58er- fasser sagt, die törichte Streiterei in den Zeitun­gen, ob das „Einvernehmen" ein Bündnis für den Frieden oder für den Kriegsfall sei, könne nur als eine Unterhaltung der fernstehenden Kreise angesehen werden. Wahr sei, daß Eng­land nie wieder ein allgemeines Schutz- und Lrutzbündnis schließen werde. DaS Bündnis mit Japan empfinde heute ganz England als eine lästige Fessel. Man habe dabei Verpflichtungen übernommen, deren Entwickelungen damals gar snicht übersehen werden konnten. Mit Frankreich unb Rußland dagegen habe England eine ge­meinschaftliche Politik begonnen, welche bestimmte Zwecke verfolge. Das „Einvernehmen" sei also die Politik gegenseitiger Unterstützung, , wobei sich jeder Teilnehmer verpflichte, dem an­dern materiellen und moralischen Beistand zu Leisten. Eine Kriegsgefahr liege in einem sol­chen Zusammenschluß keineswegs; denn heute > werden Bündnisse geschlossen, um sich gegen Kriege zu sichern. Gegen wen sich das „Einver­nehmen" richtet, wisse jedermann. Fast sämtliche Staaten und Völker Europas fühlten sich durch .die Weltmachtspoliti k Deutschland- beengt. Deshalb sei die Entente zwischen Pa­ris, London und Petersburg überall so freudig begrüßt worden ,und in kurzer Zeit werde die- selbe noch zahlreiche weitere Teilhaber gewinnen. Diese neue Politik brauche nur etwas Zerrt; dann ftocrbe sie die unbluti ge Niederwerf­ung der deutschen Wsltpolitik errei­chen.

* „Sunden des Militarismus." Wir haben Zie Darstellung des früheren Obersten Gädke über den Fall eines verabschiedeten Kapitäns z. S. /$Ber ger erwähnt. Die „Post" schild«t nun den Fall ganz anders. Danach war der Kapitän z. S. ' Berger, der im Rufe eines außergewöhnlich tüch­tigen Offiziers stand, infolge persönlichen Un- 'glückes in seiner Familie so nervös und reizbar geworden, daß er den richtigen Maßstab für die Beurteilung von Personen und Verhältnisien völlig verlor. Das äußerte sich in zahllosen Be- fö^verden, die er, oft über die nichtigsten Dinge, anhängig machte. Lange Zeit hat man diesem Verhalten gegenüber ein Auge zugedrückt und ihn in Anbetracht seiner bisherigen ungewöhnlich gu- ften Leistungen milder behandelt, als es bei einem anderen Offizier der Fall gewesen wäre. Schließ­lich aber wurde die Verabschiedung Bergers un- - vermeidlich, und die von der „Post" befragte Per» fönlichkeit, die die Entwickelung der Angelegen­heit von ihren ersten Anfängen bis zu ihrem Ende verfolgt hat, ist der Meinung, daß es gar- nicht anders kommen konnte. Im weiteren Ver­laufe der Sache beantragte der Kapitän z. S. Berger eine ehrengerichtliche Untersuchung gegen sich- Das Ehrengericht fand statt und entschied .gegen ihn.

* Nürnberg, 3. Juni 1908. Eine Versamm­lung des Zweigvereins Nürnberg des ©bange- li scheu Bundes beschloß nach der „Augsb. Abdztg.", eine Resolution gegen die Ausdehn­ung der Fronleichnamsprozession in Nürnberg, die eine „Provokation gegenüber der protestantischen Mehrheit" darstelle, beim Magi- strat einzureichen. — Daß von der bekannten In- toleranz der Herren vom Evangelischen Bund et-

volkswirtschaftlicher und Soziales.

' • Sewerkschaft und Kultur. In der Zeit- K „Dokumente deS Fortschrittes" führte Ed.

lebt in einem Artikel interessante Zahlen über die Erfolge her Gewerkschaften im Jahre 1906 an. Wir nennen die Ausführungen inter­essant, weil hier zahlenmäßig d« Klasienkampf gewiss« Leute eine treffliche Widerlegung erfährt. An Lohnerhöhungen waren im genannten Jahre zu verzeichnen: 1. Durch Angriffsstreiks für 154 258 Personen 14880 000 <*• 2. Durch Ver­handlungen ohne Kampf für 491 878 Personen 84 000 000 <M. Desgleichen wurde an Arbeits­zeitverkürzung erzielt: 1. Durch Angriffsstreiks für 75646 Personen 11600000 Stunden; 2. Durch Verhandlungen ohne Kampf für 255 534 Personen 87 100 000 Stunden. Diese Zahlen re­den Bände. Beweisen sie doch tote richtig die An­sicht und Taktik ist, nur im äußersten Falle zum offenen Kampf zu greifen.

Aus dem Nachbargebiet.

* Bebra, 8. Juni 1908. Die Leiche des Lei Lifpenhaufen überfahrenen und arg ver­stümmelten Mannes ist jetzt festgestellt worden als die des Dienstknechts Moog aus Wei» tero&e. M. hatte sich am Himmelfahrtstage, nachdem er eine größere Lohnzahlung erhalten hatte, entfernt, und ist dann nicht wieder nach Hause zurückgekehrt. Von dem (Selbe hatte er noch 2 in ber Tasche, auch die Uhr fand sich noch vor. Ob Selbstmord od« ein VerbrechK vorliegt, wird die Untersuchung ergeben.

* Kirchhain, 3. Juni 1908. Auf dem gestern hier abgehaltenen Rindviehmarkte waren 325 Stuck Großvieh und 124 Kälber aufgestellt. Der Handel ging bei hohen Preisen flott. Der Schweiuemarkt war mit zirka 400 Läufern und Ferkeln befahren. Der Handel blieb bei hohen Preisen flau.

* Homberg, 3. Juni 1908. Ein junger Mann aus einem Nachbarorte hat sich und seine Ange­hörigen durch einen unüberlegtenStreich in schweres Leid gebracht. Als Marinesoldat ber Besatzungstruppen in Kiautschou beteiligte er sich an einer militärischen Revolte und ließ sich Un­reifen, einen Vorgesetzten ins Meer zu stürzen. Dies« wurde zwar gerettet, doch dem jungen Mann brachte fein Leichtsinn eine siebenjährige Festunasstrafe ein.

* Marburg, 4. Juni 1908. Der Privatdozent an der hiesigen Universitäts-Augenklinik, Dr. Krauß, wird demnächst den hiesigen Kreis berei­fen, um statistifche Unterlagen dafür zu sammeln, in welchem Umfange dieägyptischeAugen- krankbeit verbreitet ist.

* WreSbaden, 8. Juni 1908. Der etwa 33 Jahre alte praktische Arzt Dr. Karl Baas aus Bechtheim bei WormS gebürtig, brachte sich im Wartesaal deS hiesigen Hauptbahnhofs einen R e- volverschuß in die rechte Schläfe bei. Er wurde schwer verletzt in daS städtische Kranken- haus gebracht. Baas war in einer hiesigen Au­genheilanstalt au gestellt. DaS Motiv zur Tat ist unbekannt. — Im städtischen Krankenhause soll­ten dem wegen Rheumatismus dort untergebrach­ten Dienstmädchen Katharina Jogg zwei Zähne ausgezogen werden. Das Mädchen wurde zu die­sem Kvecke chloroformiert, wachte aus der Narkose aber nicht mehr auf und starb.

* Ger«, 8. Juni 1908. Vorgestern abend e r- r an k beim Baden an unerlaubter Stelle

ttt der Elster der 12 Jahre alte Sohn deS Flei- schermeisterS Schenke. ES ist dies der drrtte Sohn ber Familie Schcr.be, der durch ehien Hn» glücksfall den Tod «litten hat.

* Mühlhausen L Th„ 4. Juni 1908. Eme ISgliebrige Kommission aus Vertretern derver- schiedensten Behörben unternahm eine dreitägige Bereifung bei Eich-selbe», um Mittel zu besten wirtschaftlicher Hebung zu suchen. ES wurde beschlossen, den eichsfeldischen Landwirt mehr wie bisher zur Viehhaltung anzure- gen, damit er den unrentablen Körnerbau fallen läßt. Die Separation soll, wo nötig, auf Kosten de« Staates tatträfig gefördert werden. Beson­deres Gewicht wurde ferner auf die Aufforstung b« Oedländereien, sowie der landwirtschaftlich nicht rationell zu verwertenden Grundstücke ge­legt In KüllstM soll eine Gemeindedauerweide von staatswegen angelegt werden. Weit« wurde die Frage d« Wasserleitung der Höhendörf« einer eingehenden Erörterung unterzogen und die Dringlichkeit bet Hilfe allgemein anerkannt

* Jlmnau, 8. Juni 1908. Auf der Straße von Ilmenau nach Arnstadt wurde der Maurer Mämpel aus Angelroda plötzlich, wie er sagte, vom Schüttelfrost befallen, der sich auch auf daS Gesicht übertrug und die sofortige Erblin­dung des armen ManneS herteisiihrte. Der im Alt« von nah«u 60 Jahren stehende Mann, der niemals augenleibenb gewesen ist, wurde später von einem anderen Arbeit« aufgefunbn und in seine Wohnung gebracht.

* Erfurt, 4. Juni 1908. Ein Bürger, der nebenbei Hundezüchter ist, bemerkte auf ber Straße zwei junge Leute, von denen einer einen jungen KriegShund aus dem Arme trug. Es kam zum Koarfabschluß und btt Herr zahlte für den Wauwau 3 Mark. Zu Hause angekommen er­fuhr der Käufer, daß kurz zuvor au» seinem Hundezwinger das Hündchen gestohlen worden war. Er hatte somit seinen eigenen Hund gekauft. Von dem Spitzbuben hat man noch keine Spur. ।

vermischtes.

* Der Polizeimeister von Kamerun. In Schle­sien erregt eine Kbpenickiade große Heiterkeit. Dort hat ein Schwinbl« namens Leuchter in der Uniform eines Schutztrupplers die Ein­wohnerschaft de» Städtchens Freiburg mo­natelang düpiert. Infolge fernes vornehmen Auftretens war er von allen Kreisen in ausfälli­ger Weise geehrt worden. DaS war umsomehr der Fall, als bekannt wurde, daß dem jungen Deutsch-Afrikaner eine glänzende Karriere be- schieden fei, denn in einer Zeitung des Ortes war zu lesen, daß Leucht« zum „Polizeimeister von Kamerun" ernannt worden sei. Die betreffende Mitteilung war ber Rebaktion jenes Blattes tele­graphisch aus Berlin zugegangen unb trug offen­sichtlich amtlichen Charakter, umsomehr als sie mit „D. R. K. A." unterzeichnet war. Eine An­frage bei bem Herrn „Polizeimeister" bestätigte, daß das Telegramm vom Deutschen Reichskolo­nialamt aufgegeben fei. Bald erschien auch Beruh­ter in ber ausfälligen Uniform eines Polizeimei­sters von Kamerun; auch ein breites schwarz- weißes OrdenSbanb zierte seine Brust. Einige Zeitungen b«ichteten mit Stolz von bem berühm­ten Sohne seiner Daterstabt; Leuchter bewegte sich in den besten Kreisen und erzählte mit üb«- zeugendem Elfer von den Ruhmestaten, die er in fernen Weltteilen vollbracht und die ihm jene Orden und Auszeichnungen „aus Allerhöchst« Hand" eingebracht hätten. Er verlobte sich sogar mit d« Tochter eines angesehenen Freiburger Industriellen. Selbstverständlich genoß der „Po­lizeimeister" unumschränkten Kredit, den er auch

weidlich ausnlltzte. Seine Glä'.rbiger^'hl ist nicht g«ing. Jetzt ist jedoch, nachdem man sich im «o- ronialamt erkundigt hatte, da- Kartenhaus zu» sammengebrochen und d« Schwindler flüchtig geworden. Da» angebliche amtliche Telegramm war gefälscht. Der Betrüger wurde inzwischen in Liegnitz verhaftet.

• Schön gesagt. In d« neuen „Preußischen Zeitung" vom 5. Mai wird über die Berlin« Mastviehausstellung berichtet. In dem Bericht heißt ei: „In der Abteilung Schafe fehlt di« Berlin« Verwaltung ganz." Soll das ein Kom­pliment sein? ______

Kur)« Getreide-Wochenbericht bet prelsberichtistelle btt deutschen tandwirtschastsratt vom 26. Mai bis b Juni 1908.

Zu Anfang b« Berichtswoche riefen Klagen über Dürre inRumänien, Ungarn unb im Sü­den Rußlands Beunruhigung hervor und bewirk­ten allenthalben ein weiteres Anziehen der Preise. Eine weitere Stütze sand die feste Stimmung in d« hi« während der ersten Tage herrschenden kühlen und regnerischen Witterung, die bei der zum Teil ohnehin rückständigen Saatenentwickv- lung Besorgnisse wegen einer Verspätung der Ernte «weckte, ein Umstand, der diesmal um so schwer« ins Gewicht fallen würde, als die 83er- sorgung allgemein sehr knapp bemessen ist und die Exportleistungen der überseeischen Bezugs­quellen von Woche zu Woche abnehmen. Daran- erflart ei sich, daß die erwähnten Wettersorgen nicht nur daS Kausinteress« für Herbstlieferung steigerten, sondern auch den Wert der alten Ernt« günstig beeinflußten. Daß ber Getreibehanbel ber Derforgungs frage dauernd feine Aufmerk­samkeit schenkt, beweist d« Umstand, daß trotz in­zwischen niedergegangen« Regen in einem gro­ßen Teil der bedrohten Gebiete und der außer­ordentlich günstigen Witt«ung, die seit einigen Tagen die Entwickelung ter Saaten in Deutsch­land wesentlich gefördert haben dürste, nur ver­hältnismäßig geringe Preisverluste zu verzeich­nen waren, als sich die Käufer, durch bessere Wet­termeldungen veranlaßt, vom Markte zurück« zogen. Auch vermochte das schleppende Waren« geschäst, worüber im ganzen Lande geklagt wird, reine sonderlichen P reis Veränderungen herbeizu­führen, zumal meist nur wenig Ware auf bU Märkte gelangt, unb auch dos Wenige den quali­tativen Anforderungen selten enffpricht. Für Has« hält die Provinz fortgesetzt an ihren For­derungen fest, die aber gegenwärtig roeter im Konsum nach beim Export zu erzielen sind, sodaß daS Geschäft in diesem STrtifel wieder nur sehr geringen Umfang erreichte. Die weiter gestie­genen Forderungen für Mais führten nur ver­einzelt zu Abschlüssen, ba sich der Konsum ableh­nend v«hält. ?

igtamm.

223

218

Has« j

161 (-1 > 178

Roggen (— 4 (- 2

Weizen

8 ) 190

'—4 ) 193

4-1 ) 194

-1 ) 200

176 (— S ) _ ____ 172 (+ 5 l

Frankfurt 217‘M- !>/.) 206 (- 2 ) 177W— 21/«) München 230 (— 2 ) 198 182 (— 9 )

Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Juli 218.26

(- 8.26), Budapest Oktober 176.10 (4- 8.80), Pari» Jrmi 181.90 (- 5.70), Liverpool Juli 169.50, Chicago Juli 188.50 (- 0.50), Roggen: B«lin Juli 193.00 (- 8.50), Hafer: Berlin Jutt 165.00 (— 1.75) Mark, per 1000 Kilogramm.

68 stellten sich dir Preise für inländisches Getreide am letzten Marktag« in Man pro 1000 Kilogr. je nach Qualität wobei da- Mehr (4-) bezw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern 0 beigrfügt ist wie folgt: i

Kleines Feuilleton

, — Aus russischen Gefängnissen. Neulich hat llch selbst die russische Regierung veranlaßt ge- sehen, unerhörte Missetaten einig« ihrer Unter- tiebenen ans Licht zu bringen unb zu bestrafen. Der Oberaufseher des Gefängnisses von Astrachan wurde nebst seinen Gehilfen vor kurzem der Miß- gandlung von Gefangenen angeklagt, schuldig be- funden und verurteilt. In ber eben veröffent­lichten Anklageschrift wimmelt es von Ausdrücken ww „man hatte ihm einen Finger abgehackt", "sem Kopf war gespalten", man prügelte ihn sieben Nachte nacheinander", man prügelte ihn fünfmal in einer Nacht", „man zwang durch an- gedrohte Mißhandlung den Gefangenen, mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen" ufto. Die Hauptschuldigen waren der Gefängnisaufseher F. Schäfer, ein fast stets betrunkener Mensch, sein Neffe A. Schäfer und der Gehilfe des Gefängnis- pufsehtirs, Serebriannikow. Die anderen be­haupten, von den Vorgesetzten zu den Scheußlich- reiten gezwungen worden zu fein. „Die Tränen standen einem in den Augen, aber man mußte iirugeln , sagten sie aus. Mit einem ßeinen- schlauch, der mit Sand gefüllt, beim Schlagen M keine Spuren aus dem Körper zurückläßt, wahrend er die inneren Organe verletzt, mit ein« $toet Finger dicken, einen Meter langen Gummi- peitsche bewaffnet, ging Schäfer Nacht für Nacht fle Zellen der Gefangenen ab, um seine Unter- F”*” SU martern. Denn nichts liebte der Mann

’ebr als geschlagene Gesichter, zerpeitschte Kör- ^,n Anblick von Blut und Tranen. Da- t«rMFm^r Qnv er e§ meisterlich, seine Opfer zu e? ^Ein Malisch auf die Folter zu span- c aus der Anklage: Der

taatKtoalt Igadschonow hatte beim *r S Klage geführt und

?bdt borden, daß er ins

I ^Fracht, werten mußte: Gleich nach ber

o

Entlassung aus dem Hospital wurde er auf Schä­fers Befehl in den sogenannten „dunklen" Karzer gebracht, und um zehn Uhr abends kam zu ihm Schäf« selbst nebst einigen Trabanten ins Kel­lergelaß. Als Agadfchanow «Icklärt^ keinerlei „geheime Verbrechen" begangen zu haben, wur­den ihm der Arrestantenkittel und das Hemd über den Kopf gezogen unb alle anwesen­den Gefängniswärter bearbeiteten ihn mit Gummipeitschen, Eisenstöcken, Schlössern, Re­volverkolben so lange, bis er das Bewußtsein verlor. Dann wurde er mit Wasser begossen unb liegen gelassen. Als er das Bewußtsein wie­der erlangt hatte, vernahm er aus dem Neben- karzer fürchterliches Geschrei und Gestöhne und dazwischchr daS Geräusch von niedersausenden Schlägen. Kurz darauf wurde das Stöhnen lei­ser unb verstummte schließlich. Jetzt wurde ein blutiggeschlagener, offenbar leb­loser Mensch an feiner Tür borbeigetragen, Schäfer ab« tat die Bemerkung: „Ja, öffentliche Reden halten — das können sie, aber Schläge er­tragen können sie nicht." Der Mann hatte wirk­lich den Vorwurf verdient, denn er war tot, ohne seine Schuld zugegeben zu haben. Da der Mann seine Beteiligung an einem Morde trotz aBet Beschuldigung unb trotz des Drängens Schä­fers nidjt hatte ein gestehen wollen, so wurde er stunden lang, und zwar mehrmals in einer Nacht aufs fürchterlichste mißhandelt und bann immer künstlich wieder zu Bewußtsein gebracht. Das Geschrei des Unglücklichen — Iwanow hieß et — au- dem finsteren Keller war so laut, daß nicht nur alle Gefangenen es hörten, sondern auch ber Wächter Jachowlew, der in einem zirka 60 Mater entfernten Hause schlief, geweckt wurde. Als Iwanow der Folt« «legen war, gatt es für Schäfer, die To- desursache zu vertuschen. Dies gelang zu­nächst dem Gefängnisaufseher. Denn selbst der Gefängni-arzt „übersieht" die klaffenden Schä- beltounben und läßt sich von Schäfer einrsden, daß Jwgnow „wahrscheinlich an Lungenkrank­

heit" verstorben fei. Wohl hatten die Gefange­nen einmal den Versuch gemacht, durch Lärm die Aufmerksamkeit deS Publikums auf das Gefäng­nis zu lenken, aber vergeblich. Die Gefängnis- mauern sind dick, unb das einzige Resultat, daS sie erzielten, war eine „blutüberströmte Treppe."

— Papierene Wagenrad« sind schon lange nichts Neues mehr, haben sich aber sogar an Eisen­bahnwagen derart bewährt, daß man fragen muß, weshalb sie kein« größere Verbreitung gefunden haben. Ihr Erfinder war der amerikanische DampfmaschinenHngenieur Allen, ber die Er­sparnisse vieler Jahre auf die Ausführung seiner Idee verwandte und 1869 endlich mit der Her­stellung von Rädern aus Papier glücklich zustande kam. Schließlich gelang e» AlleuS, den „großen" Pullman dafür zu interessieren, d« 1871 hundert Papierräber für seine Eisenbahnwagen bestellte. Damit war daS Glück Allen- gemacht, denn Pull­man war so befriedigt von den Leistungen d« Räder, daß er eine große Gesellschaft für ihre Herstellung bildete. Mächtig« Fabriken wurden sowohl in dem nach Pullman benannten Orte im Staate Illinois wie auch in Hudson (Staat New- Pork) eingerichtet. Die ersten aus einer gepreß­ten Roggenstrohpappe hergestellten Papierräder, die an einem Pullman-Schlafwagen angebracht wurden, durchliefen fast 500 000 Kilometer, ehe die Radreifen, die. nur wenig über 5 Zentimeter Dicke hatten, abgenutzt waren. Die Radnaben scheinen überhaupt keiner Abnutzung ausgesetzt zu fein, wenn sie nicht ein« ganz besonderen Er­schütterung, wie bei ein« Entgleisung oder einem Zusammenstoß, unterliegen, so daß nur die Rad­kränze von Zeit zu Zeit «gän^t zu werden brauchen.

— Wozu bienen Korkabfälle? Diese Frage beanttoortet der „Kosmos", daS Organ ber gleich­namigen Gesellschaft der Miturfreunde, wie folgt: ES werden gegenwärtig jährlich etwa 6 Milliar­den Flaschenkorke im Gewicht von 500 000 bis 600 0 0 Kilogramm hergestellt, wobei ab« gegen 65 Prozent Kork als Abgang Wegfällen. Da

schroff und entschieden ab.* — „Well Du Karrenspiel« bist?" — „Rein — well er \ Tochter einem Manne, der sein Geld fax Kw spiel verliert, niemals zur Frau ged«» wfaJfapL

unser« Technik und Industrie jedoch längst get lernt hat, auch scheinbar nutz« und tvertlose Ab« fälle zu verwenden, so dienen auch jene Abfällfa und ebenso die bereits gebrauchten Korke zu gar vielen Zwecken. Die dünnen Korkplatten, aut, denen keine Pfropfen geschnttten werden könnens geben ausgezeichnete Einlagesohlen, f«n« bk« nutzt man sie zur Wandverkleidung, zur Unchübl hing von Dampfleitungen und -zylindern und als Gchvinim« (Rettungsringe, Korkwesten^ Schwimmgürtel), endlich zur Herstellung von Kortteppichen und Linoleumbelag, wofür auch alle sonstigen Abfälle und die zerkleinerten alten Pfropfen benutzt werden. DaS in kleine Stuckst geschnittene Material eignet sich gut jur Füllung von Kopfkissen und Matratzen; ferner macht man? auS zerkleinerten allen Korken und Korkabfällest mit Zement als Bindemittel sogen, ßorffteine. die wegen ihr« Leichtigkeit und als schlechte Wärmeleit« ein geschätzter Baumaterial für mancherlei Zwecke geben. Man hat sogar schon' Pflastersteine auS grob gemahlenem Kork, ge« mischt mit Asphalt u. dergl., gefertigt und ir^ England mit günstigem Erfolge erprobt. Die 1860 von dem Engländer Wallon erfundene Lm noleum- eba Korkteppichfabrikation hat sich zuj einem blühenden Industriezweige entwickelt, der feit Jahren auch mit auBgejeidjnetem Erfolge in Deutschland gepflegt wird: da» Linoleum besteht aus ganz fern gemahlenem Korkabfall, der mit oxydiertem Leinöl vermischt auf Juteleinwand aufgetragen wird und eine ausgezeichnete Fuß« boten- unb Wandtekleidung liefert i

tzinein-efaLm. ,Da spiele ich nun seit. Monaten fast täglich Karten mit de» Oterdirekto^ verliere mit Absicht regelmäßig, um mir sein« Gunst ja fkter zu erwerben, und ÄS ich gestern endlich