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Aolatio«,druck«* Verlag der Luldaer LV tlendruckerei in Fulda Fernsprecher Ur. 9.

M 129.

Fulda, Freitag den 5. Juni 1908.

35. Jahrgang.

P2

Der falsche Erbe.

Roman von Ed. Wagner.

(Nachdruck verboten).

Der Wagen war an dem Felsen angekommen sund hielt still. Vitus sprang vom Bock und öff­nete die Tür, indem er sagte:

„Es führt kein Fahrweg auf den Berg. Mr. Gildon; er muß erstiegen werden."'

Gildon machte ein saures Gesicht; er liebte Anstrengungen ebensowenig, wie sein Diener. Da er aber sah, daß sich die Sache nicht mehr ändern ließ, bot er Nelly die Hand und ging mit dieser voran. Die andern folgten.

, «sS sie die Spitze des Berges erreicht hatten, sah sich Nelly nach allen Selten um, in der Er­wartung, ihren unglücklichen Freund, wie am Tage vorher, auf einem Steine sitzend zu finden- doch er war nirgends zu scheu. Sie näherte sich dem Hause, dessen Fenster und Türen offen stan­den und aus denen die Stimme der Frau Vicini, welche bei ihrer Arbeit ein munteres Lied fang, voll und kräftig zu den Ankommenden herüber­drang.

Noch ehe Nelly das Haus erreicht hatte, war sie von Frau Vicini bemerkt worden, die ihr 4or der Tür entgegeneilte.

„Guten Morgen, Signora!" rief sie lächelnd. ^,Jch hatte nlcht erwartet, daß Sie so bald wieder- rammen würden.. Wollen Sie nicht eintreten?"

„Ich danke, nein, Signora!" antwortete Nelly. JWein Vormund ist bei mir — dieser Herr am Rankte des Felsens. Ich sprach gestern ab«ld mit |W »6eifcen unglücklichen Pflegling. Er in- teresslert sich sehr für ihn und ist deshalb mit mir bekommen, um -en jungen Mann zu sehen." , U „oas ist sehr freundlich," sagte Frau Vr- .- fugte sie bedenklich hinzu, „vtel- Icicht m eS nicht recht von mir, wenn ich den jun- £er J.° vielen Fremden zeige, denn der Wjche LlrLarllggopi sagte, wirxnübten feinen

(Srfltes

Das Wahlergebnis.

Am Schlüsse der letzten Tagung waren die Parteien in folgender Stärke vertreten: Konser­vative 144, Frerkonservative 64, Nationalliberale 76, Freisinnige Volkspartei 24, Freisinnige Ver­einigung 9, Zentrum 96, Polen 13, bei keiner die­ser Parteien 7 — 433 Mandate. Durch die Neu- Einteilung einzelner Wahlbezirke ist die Zahl der Mandate für die kommende Legislaturperiode um zehn auf 443 erhöht worden.

Was die Ge w i n n e und V e r l u st e der ein­zelnen Parteien betrifft, so läßt sich, soweit zu Übersehen, die Summe der Wahlnachrichten kurz so ziehen:

Zentrum überraschend gute Erfolge. Konservative auf dem alten Stande, Nationalliberale stark geschädigt. Freisinnige in Berlin halb vernichtet, anderwärts mit einem blauen Auge davon ge­kommen, Polen verstärkt, Sozialdemo­kraten nun auch endlich im Landtag vertre­ten, Nationalkatholiken glänzend her­eingefallen.

Im großen und ganzen sind die Verschiebun­gen nicht so bedeutend, daß eine wesentliche Aende- derung in der Zusammensetzung des Abgeord- netenhauses bei den bisherigen Parteien sich er­geben wird. Also: Gesamtergebnis: Im Abge- ondnetenhause bleibf's beim Alten I Höchstens haß mit der Sozialdemokratie ein neuer Ton in daS ruhige preußische Parlament einzieht..

Für das Zentrum ist der 3. Juni ein Freudentag. Es hat sich nicht nur in seiner alten Stärke behauptet, sondern hocherfreuliche Gewinne zu verzeichnen. Ein Mandat in Op­peln und ein Mandat in Ratibor hat es auf Grund des Kompromisses mit den Polen an diese ob getreten. Die zwei Mandate sind als Verlust äu buchen. Dafür erobert das Zentrum an­scheinend im Osten fünf Mandate, Tarno- witz, Zabrza, Kattowitz, Pleß, Rytnik, außer­dem hat es die beiden neuen Mandate Essen-Stadt und Essen-Land erobert. Außerdem ist es an einer Reihe von Stichwahlen beteiligt, so an drei Stellen im rheinisch-westfä- lischen Industriegebiet. Es ist also alle Aussicht vorhanden, daß das Zentrum über 100 Mandate erlangen wird.

Fester nach jedemStürm, steht un­ser Zentrumsturml

Dank gebührt den treuen Zentrumswählern, dank den Wahlmännern, dank den Vertrauens­männern; denn schon sprachen unsere Gegner vom Zerfall des Zentrums und nun da marschiert es als Sieger aus der Wahl hervor! Wie man fehl, bekommt der Hafer der Opposition dem Zentrum ausgezeichnet.

Der zweite charakteristische Moment der Wah­len ist die Erhaltung des konservati­ven Besitzstandes. Nach den bisherigen Meldun­gen haben die Konservativen, abgesehen von Ober-, schiessen, nur zwei Mandate an Liberale verloren, dafür ihnen eins abgenommen; ihren Verlust können sie daher mit Unterstützung des Zentrums und der Polen in Stichwahlen ausgleichen und wir hoffen, daß dies geschehen wird. So viel steht heute schon fest, daß die alte „konserva­tiv-klerikale Mehrheit" bestechen blei­ben wird, ja daß sie noch gestärkt ist.

Unter den Leidtragenden marschieren zuerst die Nationalliberalen auf, sie hofften auf hohen Erfolg und sie gewannen höchstens zwei Mandate, verlieren sicher 6 Sitze. Das ist der liberale Aufschwung, von dem man in ihrer Presse so viel gelesen hat. Es zeigt sich, daß die Natio-

nalliberalen selbst im „Geldsack" nicht mehr fest sitzen und daß der Kern de» Block angefault ist. Der Kreil, in welchem Baffer mann für den Reichstag gewählt wurde, ging den Nationallibe­ralen verloren; Baffermann, der von Mannheim über Jena zum Durchfall nach Karlsruhe wan­derte, dann in Frankfurt a. O. durchkam, worauf man ihm den Stuhl vor die Türe fetzte, fand in Hoyerswerda Unterschlupf und nun jagt man dort schon für den Landtag seine Freunde hinaus; er selbst kann nachfolgen. — Außerordentlich schmerzlich betroffen ist der Liberalismus durch die Doppelniederlage in Essen-Stadt und Es- sen-Land. Die „Köln. Ztg." stimmt darüber ein laute« Wehgeschrei an.

Dem Freisinn haben die Wöhler mit Wucherzinsen heimgezahlt, was er im Laufe der letzten 1U Jahren an den Volksrechten gesündigt hat. Wohl war damit zu rechnen, daß die So­zialdemokratie dieseSmal im 11. Wahlkreise Ber­lin« siegen könne; daS war aber nur eine schwache Mög Weit, wahrscheinlich war es nicht. Wie jetzt feftzustehen scheint, hat die Sozialdemo­kratie in Berlin allein 5 Mandat e von

12 erobert, und dabei teilweise mit einer Ueber- macht, die nur durch ein geschlossenes Eintreten weiter Wählermassen der ersten Klasse für die Sozialdemokratie zustande kommen konnte. Am 8. Juni ist e» unerbittlich klar geworden, daß der Freisinn durch feine Blockwirtschaft die Freundschaft des größten Teiles seiner Anhänger tn Berlin verscherzt hat. Die Feststellung de» WahlergebnisieS auS vier von den Berliner Wahlbezirken macht allerdings noch größere SchwieMstMten, weil vielfach die Parteizugehö­rigkeit ^^Wahlmänner von der einen und an­dern Seite verschieden angegeben wird. Daher wurde die Dahl der gewählten Sozialdemokraten in allen bisherigen Meldungen verschieden an- gegegeben.

Außer in Berlin haben die Sozialdemo­kraten noch in L i n de n bei Hannover ein Mandat erobert, vielleicht auch Schöneberg bei Berlin. In Stichwahl kommen sie im Obertau­nuskreis Frankfurt a. M.-Land und in Kiel Völlig vergeblich war der Ansturm der Sozialde­mokratie auf die Zentrumssitze. In den inbu- strieellen Wahlkreisen des Westens, in denen sie über breite Wählermassen verfügt, hat nicht sie, sondern da« Zentrum sich als der gefährlichere Gegner der Nationalliberalen erwiesen. Immer­hin find die Erfolge der Sozialdemokratie in einigen Kreisen beachtenswert, ,so in Dortmund- Land, wo st« zwischen Zentrum und National- liberalen den Ausschlag geben werden.

T^ls Wahlabkommen des Zentrunis mit den Polen hat einen durchschlagenden Er­folg gehabt; in Oberschlesien gewannen beide Teile und jagten die Kulturkämpfer und Haka- tisten hinaus; ganz Oberschlesien gehört jetzt dem Zenttum und den Polen; im Rheinland und Westfalen siegte das Zentrum teils durch die Unterstützung der Polen, teils kam es dadurch in die Stichwahl; in Westpreußen hat sich ein er­freulicher Ansatz gebildet, der für die Zukunft weitere Erfolge erwarten läßt. Es ist voraus zu sehen, daß das Kompromiß bei den Reichstags­wahlen in noch ganz anderem Umfange Erfolg haben wird: Da werden die Hakatisten in der Ostmark tote faule Aepfel von den Bäumen fal­len und mindestens 6 Mandate verlieren.

♦ ♦

Das Wolff'sche Telegraphenbureau teilt mit: Bis gestern abend 7 Uhr waren 382 Resultate bekannt. Davon entfallen auf Konservative 121, Freikonservative 55, Nationalliberale 59, Frei­sinnige Volkspartei 20, Freisinnige Vereinigung?, Zentrum 95, Polen 14, Sozialdemokraten 6, bei feiner Partei 5. Stichwahlen sind in 20 Wahl­

kreisen erforderlich. Es fehlen noch 26 Wahlbe­zirke mit 42 Abgeordneten.

Festzustellen bleibt noch, daß in der Nacht nach der Wahl weder vor dem ReichSkanzlerpalai« noch vor dem König!. Schloß in Berlin Demon­strationen stattfanden und auch keine An- sprachen gehalten wurden. Natürlich, durch die Dahl ist die Blockpolitik verurteilt, die Opposition hat gesiegt!

* Hamm. Endergebnis: Gewählt sind 184 nationalliberale Wahlmänner (Kandidat der bishe­rige Abg. Jnnghenn), 26 freisinnige, 83 für den Bund der Landwirte und 68 sozialdemokratisch«. 26 enger« Wahlen sind notwendig. Allo voraus­sichtlich Stichwahl zwischen Natlib. und Soz.

* Dtepholz-Syke. Minister a.D. v. PodbielSki ist unterlegen. Die Wahl deS bisherigen natio­nalliberalen Abg. Mcyer ist gesichert.

* Unterwesterwaldkreis-Dillkrei». Bis jetzt bekannt- Für Dr. Lohmann (ntl.) 127, v. R löten (B. d. L.) 94, Eckard (tonf.) 20, Zentrum 15, ungewiß 3 Wahl­männer. Bei 359 Wahlmännern beträgt die abso­lute Mehrheit 130. AuSgang also ungewiß. (Bis­her ttationaflibetaL)

♦ HeUigeustadt-WorbiS. Die Wahl der Zentrums­kandidaten Tourneau und Im walle gesichert. Der offizielle Zentrumskandidat, der bisherige Abg. v. Etrvmbeck ist also von der Mehrheit der Zen- trumSwähler auSgeschaltet worden. Jmwalle hatte bi» 1903 schon fast zwei Jahrzehnte diesen WablkreiS vertreten und war bei der letzten Wahl durch Tourneau verdrängt worden, v. Stromdeck hat durch seine Haltung in Kolonialsragen, wobei er in entscheidenden Abstimmungen nicht mit seiner Partei ging, sein Mandat eingebüßt.

* Nemscheid-Lennep-Lolingen. 637 Wahlmänner für die vereinigten Liberalen und 393 sozialdemo- krattsche Wahlmänner. Die Wiederwahl der bis- herigm Abgg. Dr. Friedberg (ntl.), Dr. Gottschalk (ntl.) und Eickhoff (Vp.) gesichert.

* Bochum. Zentrum 3,35, Liberal 397, Sozial­demokrat 110. Wahlmännerstichwahlen haben statt­zufinden 87. Stichwahl zwischen Zentrum und Liberal sicher.

* Olpe-Meschede. Die Wahl deS Zentrums­kandidaten, Regierungsrat Klocke-Treysa, ist zweifellos. Daran ändert die Agitation des Herrn Fusangel für seine Kandidatur schwerlich etwas.

* Sschwege. Nach neueren Feststellungen: Wend- landt (ntl.) 166, für v. Christen (ft.) 155. Diesen Wahlkreis haben also die Nationallideralen erobert. Bisher freikonservativ.

Deutsches Reich-

----- Die Hochseeflotte hat ihre Nordsee- Übungen beendet; sie ist soeben in Kiel ein« getroffen und dort vor Anker gegangen.

* Die Ausführung des Ansiedelungsgesetzes. Wie der,®eimania' berichtet wird, hat in letzter Zeit daS Landratsamt im Kreise Sch wetz auch in Fällen, wo eS sich um Wiederaufbau eines durch Feuer zerstörten Wohngebäudes handelte — also um keine Neuansiedlung — den Bau- konsens auf Grund des AnsiedlungSgesetzes von 1904 nur unter der Bedingung erteilt, daß das neue Gebäude genau so wie das alte, insbe­sondere auch auf derselben Stelle errichtet und ebenso groß wie das alte Gebäude erbaut werde. U. a. bannte dem Kätner Beilin in der Ortschaft Michelau das Wohngebäude nebst an« lregenden Stallraum ab. Ewa Ausgangs März hat Bettin dem Landratsamt in Schwetz eine Bauzeichnung überreicht und um Erteilung des Baukonsenses gebeten. DurchBescheid vom 23.'April

Freund in vollkommener Ruhe und Zurückgezo­genheit halten. Die Aufregung des Besuchs so vie­ler Fremden möchte ihm schaden — könnte ihn wild machen, Sie verstehen, Signora; und nun ist er so sanft wie ein Lamm!"

, „Ich werbe in Zukunft immer allein kommen Signora," entgegnete Nelly; „aber Sie werden es mir nicht abschlagen, ihn uns heute sehen zu lassen. Wo ist er?"

In diesem Augenblick, noch ehe die Frau ant­worten konnte, kam Guido langsamen Schrittes um die Eck» des Hauses.

Gerade als Nelly ihn erblickte, erhob er seine Augen; sogleich wich der trübe Blick derselben einem freudigen Aufleuchten, feine Lippen verzo­gen sich zu einem schwachen Lächeln und eS war, als trete eine leichte Röte auf feine bleichen Wan­gen. ES unterliegt feinem Zweifel, daß er das Mädchen wieder erkannte. Er näherte sich dersel­ben und sagte mit schwacher, aber wohltönender Stimme, indem er sich leicht vor ihr verbeugte:

„Sind Sie wiedergekommen, schöne Lady, um nun hi« zu bleiben."

Inzwischen war Gildon berangetreten und hatte die Worte des jungen Mannes gehört.

„Hm!" sagte er; „er sieht nicht ans wie ein Blödsinniger, auch spricht er nicht wie ein Blöd­sinniger. Laßt mich einmal mit ihr reden."

Er trat näher an den jungen Mann heran; bet seine Augen auf ihn richtete, und indem er Eses tat, fdtoanb alle Freude und aller Glanz aus seinem Gesicht.

Gildon musterte ihn sorgfältig vom Kopfe bis zum Fuße. Die schlanke, stattliche Figur, die würdevolle Haltung und das hübsche, edle Gesicht machten einen tiefen Eindruck auf ihn. Er er- tannte sofort daß der Geist bet jungen Mannes tot war; und wie diese Ueberzeugung allmählich unrner mehr zur Gewißheit wurde, in demselben SL erbleichte sein Gesicht und gerieten dessen

*mmer heftiger» Zuckungen. Er teQßbte sich sh,um feine Aufregung vor den übri-

gen Anwesenden zu verbergen; ober schon im nächsten Augenblick suchten sein« Blicks von neuem das Gesicht Guido's und leise murmelte er vor sich hin:

„Wie sehr er sich verändert hat! Und doch besitzt er noch etwas von dem alten Aussehen. Seine Augen, sein Haar, seine Gesichtsformen sind fast dieselben; nur hat die Zett ihm ein festes, bestimmteres Gepräge gegeben. Was für ein prächtiger Mann muß er vor diesem Unglücks­fall gewesen fein! Ich hätte nie gedacht, daß er ein solcher Mann hätte werden können, wie er gewesen sein muß, als er noch im Besitze seines vollen Verstandes war. Er mußte ein Sohn sein, auf den ein Vater stolz fein konnte!"

Er ging einige Schritte abseits und blickte sinnend hinaus auf die ruhige See. Plötzlich aber kehrte er um und näherte sich dem jungen Mann. Eine seltsame Bewegung erschien fein Innerstes ergriffen zu haben.

„Ferdinand!" sagte er mit weicher Stimme, indem er die weiße Hand des Unglücklichen er­faßte.

„Ferdinand!"

Aber Guido zog sanft feine Hand zurück; er verriet n«U durch das geringste Zeichen, daß der Name, mit welchem er angeredet, ihm erinner­lich war.

„Ja. sein Geist ist tot!" seufzte Mr. Gildon und tiefe Besorgnis lag auf seinem Gesichte aus­geprägt „Ich kann den Anblick des Unglücklichen nicht länger ertragen, Nelly. Gehen Sie mit ihm eine kleine Strecke fort, ich möchte noch einige Worte mit Frau Vicini sprechen."

Er trat in« Hau», wohin Frau Vicini schon vorher gegangen, um einige ihrer besten Früchte für ihre Gäste auszusuchen. Nelly erfaßte Har­rington'« Haird und führte ihn mit sich dem Felsabbange zu, woselbst sie sich mtf einen Stein nieder ließen.

Guido Harrington'- Augen ruhten mtf dem Ausdruck der höchsten ßkrebruna auf dem iunaen

schäftigr »vui. uuy von MM.VMck

Während Nelly noch mit ihren Gedanreu be» ifH^to«^n5bertt sich Mr, MM

ist nun die Erteilung de» Baukonsenses, weil bte Ansiedelung mit den Zielen de» AnfiedelunaO» gesetze» von 1886 im Widerspruch stehen rofirbet versagt worden. Auf einen Antrag bei Bettie an den KreiSauSschuß aut Beschlußfassung durch bat Kollegium ist allerdings ein beschränkte» Konsens ekteilt worden und zwar dahin lautend daß Bettin nur da» neue Gebäude so groß nntz auf derselben Stelle bauen dürfe wie da» alte eS war. Bettin wollte nur zwei Wohnunge» eimichten (wie auch daß alte Gebäude hattest nur etwa» größer wollte er die Zimmer baue» und zu der zweiten Wohnung auch einen Küche» raum, welchen da- alte Gebäude allerdings nicht halte. Dieses wirf) nicht gestattet.

* Darmstadt, 4. Juni 1906. In bei Zweiten Kammer führte die Anfrage übe» Versetzung eine- antisemitischen Oberlehrer» von Gießen nach Wonn» zu heftigen De« batten, da die antisemitischen Abgeordnetem hierin eine politische Maßregelung sahen, was von der Regierung bestritten wurde. Die vost dem Abgeordneten Bähr hierbei erhobenen An­schuldigungen gegen den Abgeordneten Gutfleffch und Mitglieder der Regierung wmdm mit EnA rüstnng zurückgewiesen.

O Kulturkampf in Sachsen. - „ ’

Dresden, 4. Juni 1908. Ganz unerwartet kaW es gestern, wie schon kurz berichtet, in der xrodi ten sächsischen Kammer zu einer Art „Kultus kampf"-Debatte. Nach der sächsischen Beti fassungsurkunde und dem Gesetz vom 23. August 1876 dürfen in Sachsen Nieberlassungist katholischer Orden oder Kongrezen tionen nicht geduldet werden. Vor etnk ger Zeit hatte nun der nationallideral§ Abg. Dr. Vogel, anknüpfend an gewisse in de» evangelischen Bevölkerung Sachsens auftretenN Befürchtungen, an die Vermehrung der katholte schen Krankenschwestern und andere Tatsachen, di» Vermutung ausgesprochen, daß jene BesttmmmA gen umgangen würden, und die Regierung um eine Untersuchung gebeten. Kultusminister Dr. Beck gab nun gestern die Erklärung ad, daß diese Befürchtungen und Vermutungen un6»< gründet seien. Zwar sei eS der Regierung bti kamst, daß katholische Schwestern in Dresden tl verschiedenen Straßen in besonderen, einem chrifte lichen Verein gehörigen Häusern unter einer 4D6N rin zusammenwohnen. Hierin erblicke die Siegtet rung jedoch keine Niederlassung tat Sinns des Gesetzes. Das Königreich Sachsest hätte also beruhigt sein können, wenn nicht eil konservativer Kapitolswächter sich nun erhoben hätte; es war der konservative Abgeordnete Behrens, der neue schreckliche Kundj Kunde brachte, die das Klappern aller sächM scheu Gebeine hervorrief; man denke: in Leipzlst sei ein katholischer Geistlicher angestellt, der eim mal bei den Jesuiten studiert hat! iE Dresden habe sogar ein leibhaftiger Jesuit dest Grauen, Schwestern E xerzitten gegeben) Schrecklich! Ebenso toll stürmte der national* liberale Abg. Vogelan: „Von hervorragendest Kirchenrechtslehrern werde ein Zusammentoohnest katholischer Schwestern, wie der in Dresden, alst eine Niederlassung im Sinne deS, sächsischen GX setzes bezeichnet. Hierüber komme man nicht hi«k weg. An der Aufrechterhaltung des Verbotest habe man in Sachsen umsomehr Veranlassung ist einer Zeit, in der der UItramontani8mu» t< Deutschland die Freiheit des Gewissen! zu unterdrücken versuche. Deshalb sei man ist Sachsen gegen katholische Einflüsse sehr empfinN lich. Diesem Empfinden müsse auch die Regt« rung Rechnung tragen. Kultusminister DH

Mädchen und das sanfte Lächeln um seinen Mm« zurück.

Nelly dachte darüber nach, wie sie am beste» das einsame, traurige Leben des Unglücklichen al ihrer Seite erheitern könnte und kam zu ben# Entschluß, mit einem Siebe den Anfang zst machen. -e$-

„Wenn er noch Sinn für Musik zeigt", dachÄ sie, „bann will idj bie Hoffnung auf feine böütflt Genesung noch nicht aufgeben." . ~

Sie begann mit tiefer, lieblicher Stimme M fingen, anfangs schwach, aber allmählich ftarfei# bis die Töne voll und kräftig der Brust entguoÖ len, dabei blickte sie Guido unverwandt an, unt zu beobachten, welche Wirkung ihr Gesang ist ihm erzeugte.

Eine Weile blieb Guido gleichgültig, abef bald wurde er unruhig, sein Auge bekam einest Ausdruck, der immer lebhafter wurde.

War es ,daß er das Lied — eine alte schätz tische Sage — früher gekannt hatte und ei« schwache Erinnerung in ihm auftauchte? £be< war es, daß nur die Macht bet Töne den Nebel, ber seinen Geist umgab, ein wenig zerstreute, uni tote ein Sonnenblick in fein Innere» drangst Guibo beugte sich vorwärts, ei schien, al» ob te mit lebhaftem Interesse dem Gesang« lauschte unb feine Augen füllten sich mit Tränen. -

Nelly's Herz hüpfte vor Freude. ; ;r X

.AH kann nicht glauben, baß er nicht gcrettel toerben kann", dachte sie. „©ein Geist ist gst lähmt, aber nicht ot. Und wenn noch eine iKöar lichkeit vorhanden ist, fo soll et gerettet werden?^

Sobald der letzt« Ton verklungen, war auist ber Eindruck, den ber Gesang auf Guido HaA rington machte, verschwunden. #