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FuldSx Domerstaa den 4. Juni 1908.
35. Jahrgang.
Erstes Hilatt
Deutscher Reich.
□ Deutschland und Rußland.
Di« radikale „Daily NewS" in London verbreitete die Behauptung, zwischen Deutschland und Rußland sei im vorigen Jahr« ein geheimer Vertrag abgeschlossen worden. Dieser Vertrag sei bei dem Zusammentreffen d«S Kaiser» und des Zaren im August 1907 vor Swine» münde zustande gekommen. Dadurch habe Ruß» anb sich verpflichtet, eine neue Ostseeflotte zu »auen. Im Falle die deutsche Flotte in der Nordes sich schlagen muffe, würde Rußland die Unan- astbarkeit der deutschen Osffeekiiste garantieren. Dafür habe Deutschland sich verpflichtet, der Befestigung der unmittelbar gegenüber Schweden in der Ostsee liegenden russischen A l a n d 8 i n- sein keinen Widerspruch zu erheben. Durch diesen Vertag habe, so behauptet das englische Blatt, Deutschland eine Annäherung zwischen England und Rußland zu verhindern gesucht. — Diese Auslassung trägt den Stempel der Erfindung an der Stirn. Gerade in diesen Tagen hat es sich gezeigt, daß zwischen Deutschland und Schweden eine sehr enge Freundschaft besteht, die enger lst, als die Beziehungen Schwedens zu irgend einem anderen Sanbe. Die Befestigung der Alandsinseln durch Rußland wäre für Schweden geradezu verhängnisvoll. Infolgedessen könnte selbstverständlich die deutsche Regierung keinerlei derartige Verträge mit Rußland abschlreßen und aufrecht erhalten.
Im Gegensätze zu Lieser Meldung der „Daily News" wissen Wiener Zeitungskorrespondenten, unter denen viele auf dem Gebiete der Gewissenlosigkeit jeden Rekord spielend halten, von einer Mißstimmung zwischen Rußland und Deutschland zu melden. Auf ruffischcr Seite herrsche eine starke Mißstimung gegen Deutschland wegen der Haltung Deutschlands in der Orientpolitik. Rußland fühle sich beunruhigt über die Art des deutschen Vorgehens bei der Bagdadbahn und über die Haltung Deuffchland» in der mazedonischen Angelegenheit. Deutschland habe der Türkei in der mazedonischen Frage und in dem energischen Vorgehen gegenüber der Insel SamoS den Rücken gestärkt. Einem Wiener Blatte, Las über diese Räubergeschichte Auskünfte eingezogen hat, werden die ganzen Gerüchte von einer „in hervorragender Stellung befindlichen Persönlichkeit" für unrichtig erklärt. Es bestehe das beste Verhältnis zwischen dem Kaiser und dem Zaren. Die russische Preffe sei zwar sehr deutschfeindlich, aber sie habe keinen Einfluß auf die Haltung des Zaren.
Daß die ruffische Preffe seit langem einen ungemein gehässigen Ton gegen Deutschland anschlägt, ist bekannt. Die gegenwärtige russische Regierung ist sich nicht recht im Klaren darüber, auf welche Seite sie sich schlagen soll. Sie läßt die Dinge sich entwickeln. Die Gerüchte über Verstimmungen sind daher wahr und sind nicht wahr, je nachdem man die Bedeutung der Leutsch- feindlichen Partei am Zarenhofe abschätzt.
* Die bestohlene Kriegswerft.
Die Aufdeckung der Unlerschleise auf der kaiserlichen Schiffswerft in Kiel, über die wir schon wiederholt berichtet haben, nimmt jetzt einen geradezu verblüffenden Umfang an. Die Untersuchung wird von einem der ge- wiegtesten Berliner Kriminalkommissare geleitet. Der Wert der veruntreuten Waren wird bereits auf Millionen geschätzt.
Die neueren Ermittelungen zeigen, wie die »Berliner Morgenpost' mitteilt, daß schon vor vielen Jahren Veruntreuungen stattgefunden haben, bet denen der jetzt verhaftete Magazin- direktor Heinrich beteiligt ist. Dieser steht seit 54 Jahren im Dienste der Werft. Bei seinem 50jährige« Dienstjubiläum erhielt er den Roten Adlerorden dritter Klaffe. Er gibt nur die Straftaten zu, die bereits verjährt find, ist aber auch bei den neueren beteiligt Seit Jahren war er Erpressungen au-geseht die zwei Mitwifler, ein jetzt verstorbener zwangsweise petitionierter Magazinverwalter Bauer und besten Sohn, ein Kaufmann Bauer aus Wilhelmshaven, gegen chn verübten. Briefe, die diese 6rpn ffungen beweisen, und Postabschnitte, nach denen Heinrich Geld über Geld geschickt hat, bis zu 1000 Mark im Monat, wurden bei Heinrich und dem ebenfalls verhafteten und nach Kiel gebrachten Bauer beschlagnahmt
Der Hauptabnehmer der ungetreuen Beamten war der Kaufmann Frankenthal au- Kiel, ein Mann, dessen VermLgen auf 5—6 Millionen Mark geschätzt wird, und der mehrere Ehrenämter befleißet Frankenthal, der ebenfalls festgenommen wurde, betrieb eine Alteifenhandlung. Er kaufte von der Werft alles Altmaterial, auch laue und Del, täglich etwa 10—12 Waggons. Durch seine Verbindung mit dem Magazindirektor und den Magazinverwaltern aber, die wohl alle seine Schuldner waren, er- reichte er es, daß die Waggon-, die für ihn die Werst verließen, mit 600 Zentnern beloben, aber nur 250 Zentner, die sie laben sollten, be« rechnet würben. Die Waggons waren mitunter so überlaben, daß sie auf dem Wege nach demGüterbahnhos zusammenbrachen. Franken- thal bezahlte dann ohne Einwand die Strafe für das verbotene Ueberlaben. Auf dem Güterbahnhof wurden aus einer Wagenladung immer zwei gemacht. An die Werst zahlte der Abnehmer nur daS, waS er nach ordnungsmäßiger Anweisung bekam. Jedesmal aber, wenn große Ladungen hinauSgegantzen waren, sandte et abends einen Boten mit besonderem Geld in einem Umschlag an Heinrich. Dieses Geld wurde nirgends gebucht. ES war der Preis für di« Ueberladung.
Um wievtel die Werft geschädigt ist, läßt sich immer noch nicht sagen. Zu ihren Gunsten hat der Berliner Kriminalkommiffar bei Frankenthal eine Million und bei Heinrich und anderen etwa eine halbe Million Mark beschlagnahmt. Mehr ist bei Frankenthal nicht zu haben, well alles andere seiner Frau gehört. Augen- blicklich wird eine etwaige Beteiligung von Dorarbeitern usw. untersucht. Weitere Verhaftungen dürsten beoorstehen.
* Kein Besuch des Kaisers in England. Die Londoner ,Daily Mail' teilt mit, daß sie von maßgebender Stelle in Berlin ersucht worben ist, mitzuteilen, baß der Kaiser in biefem Iahte nicht nach England kommen wird. Be- kanntlich versprach der Kaiser im Vorjahr einen zweiten Besuch in England für diesen Herbst, und ebenso steht fest, daß auf der Insel Wight bereits Vorbereitungen für seinen Besuch getroffen wurden. Es heißt, daß der englische Jachtklub auch eine Zusage vom Kaiser zur Teilnahme an der Regattawoche in Cowes erhalten hatte. Die ,Daily Mail' bringt diese Aenderung des kaiser
liche» Retlsvrogramms in Zusammenhang mit den» Besuch des Königs in Rußland.
* Die nicht veröffentlichte Rede deS Kaisers. Wie die »Bert. N. Nachr.' behaupten, hat der Kaiser nicht nach der Parade, sondern nach einer Felddienstübung in Döderitz eine längere Ansprache gehalten, die sich mit wichtige« Fragen der Truppenansbildung und der Schlagfertigkeit in bet Armee beschäftigte. Bei dem vertraulichen Charaster derartiger Ausführungen fei eS völlig auSgefchloffen, daß sie in irgend welcher Form der Deffentlidjfeit unterbreitet werde.
'( Die Reichs • Finanzreform soll nunmehr in oaS Gebiet der Beratungen mit bestimmten Grundlagen geusncmen fein. Eine Berliner Kor- relpoadevz will rüsten, der ReichS-Schatzfekretär Dr. Sydow habe einen Entwurf aa^ear» beitet unu woüe ihn zunächst im preußischen Staatsministerium durcharbeiten lasten. Neber Einzelheiten des Entwurfes behaupte; hte Korrespondenz zu wissen: „Es wirb eine aicherorbent- lich hohe Summe hierzu geforbert werben müssen, unb man wirb sich mit bem Gedanken vertraut machen müssen, daß um die Besteuerung von Branntwein, Tabak und Bier nicht herumzukommen ist. Ebenso dürsten die Erbschaften noch in höherem Maße als bisher als Einnahme- quelle für Staatseinnahmen herangezogen werden." — Daß Preußens Ministerium ein Reichsgeletz vor seiner Vorlegung beim Bundesrate oder Reichstag durchzuarbeiten hat, wird in ben anderen Bundesstaaten wieder berechtigtes Aufsehen erregen. — Am Mittwoch unb Donnerstag nach Pfingsten finbet in Berlin eine Konferenz der Blockführer mit dem Reichs-Schatzsekrelär und dem Reichskanzler über die Steuerreform statt; da am andern Tage die Marinereise beginnt, so sind alle Btocksührer in Berlin anwesend.
/. Zu den Ko'ten der letzten Reichstags- Wahl hat nicht nur der Reichskanzler 30 000 Mark beigesteuert, auch Staatssekretär Dernst urg leistete einen sehr hohen Beitrag.
* Darmstadt, 3. Juni 1908. Die Zweite Kammer beschäftigte sich seit zwei Tagen mit Eisenbahnfragen, insbesondere veranlaßt durch eine Schrift des Eisenbahn-Direktors Grooß- Darmstadt, worin das Wachsen der hessischen Eisenbahnfchuld in der Betriebsgemeinschaft auf Grund von Jahresberichten, Voranschlägen und Statistiken ungünstig beurteilt wird.
* Dresden, 3. Juni. Zweite Kammer. Der Kultusminister Dr. Beck erklärte die kürzlich ausgesprochene Meinung deS nationalliberalen Abg. Dr. Vogel: in Sachsen beständen stillschweigend geduldete, aber gesetzlich verbotene Niederlassungen von katholischen Orden und Kongregationen, als unzutreffend. Die darüber angestellten Untersuchungen hätten daS bestätigt. Dr. Vogel wollte eS natürlich besser wissen, er entgegnete, was der Kultusminister nicht als Niederlaffung an sehe, seien solche nach dem Urteil hervorragender Kirchenrechlslehrer. Dann meinte et noch unter dem Beifall ferner liberalen Freunde, die Aufrechterhaltung der sächsischen gesetzlichen Bestimmungen gegen die Niederlaffung katholischer Orden und Kongregationen fei heute umsomehr wünschenswert, als der „Ultra» monlcmismus" besondere Anstrengungen mache, die Geistesfteihest zu unterdrücken.
Ausland.
• Kolonialsekretär Dernburg erfreut sich f* Kapstadt einer sehr wohlwollenden Ausnahme festen« der Bevölkerung. Bei den Begrüßungen bet Preffe klingt bas materielle Interesse überall burch. So schreiben die ^kape-TimeS': „Selbst vom beschränkten Standpunkt deS eigenen Interesses auS gereicht eS unS in jeder Beziehung zu« Vorteil, daß die an unseren Grenzen liegenden Gebiete gut regierte und von mächtigen unb blühenden Bevölkerungen bewohnte Staaten sind.
* Streik der Studenten in Oesterreich. Weg-» der Wahrmunb-Affäre traten heute di« Studenten der deuffchen Universität und txx technischen Hochschule in Prag, der deutsche» technischen Hochschule in Brünn und der Uni« oersilät in Graz in den Streik und erzwange» die Einstellung der Vorlesungen. Die freisinnige» Studenten bet tschechischen Hochschulen in Prag unb Brünn machen Miene, sich den deutsche» Studenten anzuschließen. In Wim steht den Streik ebensall- bevor.
* Die Monarchen-Begegnung in Reval. Di« der Arbeiterpartei angehörenden Mitglieder des englischen Unterhauses und einzelne liberale Pav- lamentarier haben die Forderung gestellt, daß bet Besuch König Eduards beim Zaren jede- offiziellen Charakters enttleibet roerbe. Gegenüber diesen Bestrebungen, die auch darauf abzielen, die politische Bedeutung der Monarchen-Zufarnmenkunst herabzudrückm, wird auf russischer Seite alles getan, um den Empfang de» englischen Souveräns so zeremoniell und pomphaft wie möglich z» gestalten. Außer bem Minister der auswärtige» Angelegenheiten, Iswolsky, wird auch der Pro» miermtnifter Stolypin den Zaren begleiten.
Aus Mrche und Schule.
im Fulda, 4. Juni 1908. Morgen, auf Feste des hl. Bonifatius, wird in der Nonnen« kirche um 9 Uhr ein feierliches levitierteS Hoch- amt m Ehren deS hl. Bonifatius abgehalte«.
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Lokales.
Fulda, 4. Juni 1908.
E Papstfeier. Gestern abend waren im Stadk«' Verordneten-Sitzungsfaal die Vorstände der hiesigen katholischen Vereine zusammen gekommen, um in Vereinigung mit dem schon bestehende« engeren Komitee über die Vorbereitung bet Feier Letz goldenen Priesterjubiläum» LeS hl. Vaters Pius X. zu beraten. Den Vorsitz führt« in Abwesenhest Les Herrn Oberbürgermeisters, der auswärts weilt, der stellvertretende Vor« sitzende Herr I. Beigeordneter Aug. Müller. Auch Herr Protonotar Dr. Arenhold wohnte der Ver« sammlung an und übernahm gerne den ihm an« getragenen Ehrenvorsitz. Im übrigen ergänzt« sich LaS Komitee durch die Vorstandsmitglied« der einzelnen Vereine. Auf Wunsch de» Hochw. Herrn Bischofs soll sich die Feier in bescheidene« Grenzen bewegen. Geplant ist für den 29. Jun» eine sogen, akademische Feier im Stadtsaal, an die sich dann ein Gartenfest auf der Terrasse und im unteren Schloßgarten anschließe» soll. Abends wird der Schloßgarten eine farbenprächtige Illumination erhalten. Nachdem man sich für Ausführung dieses Plane» entschieden halte, wurden sofort die verschiedene« Ausschüsse gewählt, die die näheren Vorbereitungen für die Festfeier zu treffen haben. Bel
in
ver falsche Erbe.
Roman von Ed. Wagner.
(Nachdruck verboten).
„Tas ist unmöglich! Aber wenn es so wäre, ginge es mich auch nichts an; der junge Mann würde mich nicht mehr interessieren, als jeder andere Mensch. Ich möchte ihn aber doch einmal sehen — bloß um zu sehen, ob er ihr ähnlich sieht."
„Und wenn das der Fall ist?"
„Wie ich gesagt habe, er geht mich nichts an. Er ist ein Blödsinniger, darum mag er leben und sterben in Frieden. Worum sollten wir ihn von dem Orte, wo er in Ruhe fein trauriges Dasein fristen und beschließen kann, wegzunehmen suchen? — Ein Blödsinniger l O HimmelI"
Wieder stand er auf und ging mit großen Schritten im Zimmer auf und ab.
„Nelly", sprach er nach einer Weile, wir wollen morgen zusammen den Unglücklichen besuchen. Ich muß ihn einmal sehen — nur einmal; aber Sie mögen ihn besuchen, so ost Sie wollen. Nur wollm Sie eins beobachten. Nachdem ich den jungen Mann morgen gesehen, mag ich nichts mehr von ihm hören und sehen; darum hüten Sie sich, seinen Namen in meiner Gegenwart auszusprechen!"
Er machte eine rasche Wendung und verließ das Zimmer, die Tür heftig hinter sich zuwersend.
.„Das ist ein Geheimnis", Lachte Nelly, ebenfalls erregt: „irgend eine dunkle und felffame Geschichte im Leben Mr. Roderich Gildon'sl Aber wo» für ein Geheimnis kann es sein? In welcher Beziehung sollte Ferdinand Brander zu Gildon stehen? UnS warum will dieser niemals seinen Namen hören? Das ist ein sonderbares Rätsel!"
vni.
Ein ärztliches Gutachten.
Am nächsten Morgen nach Lrm Frühstück beorderte Mr. Gildon, den Wagen zu bespannen, und befahl Nelly, sich für die verabredete AuS- fahrt nach Bicini'S Hanfe bereit zu machen. Da» Mädchen eilte die Treppe hinauf in ihr Zimmer, kleidetzi fick mit einer Sorgfalt Eheste 6er be-
„Das ist traurig! Sein Herr ging natürlich (davon und ließ ihn allein zurück?"
„Er ging am nächsten Tage nach Palermo, um mit dem Dampfschiff weiter zu reifen.“
»DaS konnte ich mir Lenken! Diese reichen Zerren bekümmern sich nicht viel um ihre hübschen sersegesellfchafter! Und so sind alle Ihre Wün- barmherzige Schwester zu sein, nur mit Rücksicht auf Len interessanten Irrsinnigen ent- ütanDeiK
pachte an sein trauriges Dasein und an meinen eigenen ungetrübten Geist", sagte Nelly „Ich möchte, diesen armen Menschen öfter be- suchen, um ihm etwas vorzusingen und freundliche Worte mit ihm zu sprechen. So könnte ich vielleicht wenigstens einige seiner trüben Stunden erheitern und somit meine eigenen Gaben »um Wohle eines Menschen verwerten.“
„„Tun Sie das, Nelly, wenn es Ihnen Vergnügen macht' sagte Mr. Gildon in verändertem Tone. ..Nur sehen Sie sich vor, daß dieser Bur» jche sich nicht etwa blödsinnig stellt, um Ihr Mit- seid, zu erregen unb Ihr Herz zu erobern. Mir chemt, es teure bester, wenn er zu seinen Ange» ^ngen geschickt wurde."
„Er hat keine Angehörigen mehr!"
„Das ist traurig!" sagte Gildon nachdenkenL- ,und Loch ist es vielleicht bester, daß er keine Angehörigen hat, dm über sein Schicksal trostlos würden. Wie ist fern Name?"
„Ferdinand Brander."
„Wie?" : '
DerTon, in welchem diese Worte cnrsaestoneu h-ur^n, klang wie ein Ausruf Les Schreckens.
Lerdrnand Brander!“ wiederholte sie.
lprang auf; sein Gesicht war Lzeich, feine Augen starr tM cmsLruMotz vor sich
hin, seine Lippen zitterten und sein ganzer Kör- per war in einer Aufregung, als wäre er nicht mehr Herr seiner Glieder.
„Ferdinand Brander, sagten Sie?“ fragte er mit dumpfer flüsternder Stimme. „Das muß ein Irrtum sein; Las war nicht der Name, den Sie nannten?“
Nelly war erschreckt über die Aufregung ihres Vormundes, doch sie wiederholte, Laß der Name des jungen Engländer Ferdinand Brander war.
„Und er ist ein Irrsinniger, sagten Sie?" rief Gitdon in demselben dumpfen Tone.
Nelly bejahte es.
Gildon atmete schwer und stützte sich auf die Lehne seines Seffels. Nelly beobachtete ihn mit Verwunderung!.
„Haben Sie den Namen früher schon gehört?“ fragte sie. „Vielleicht kennen Sie Len jungen Mann?"
Gildon schlug sich heftig an di« Stirn und bemühte sich, seiner Aufregung Herr zu werden.
„Nein, ich kenne ihn nicht“, erwiderte er heftig. „Ich habe den Namen nur einmal gehört, da» ist alles. Der Name fiel mir auf. — Ich kannte einmal eine Perfon namens Brander.“
Er ging unruhig hin und her, und Nelly beobachtete ihn scharf, sie fühlte, daß sie auf ein Geheimnis im Leben ihres Vormundes gestoßen war.
«Hieß die Person, welche Sie kannten, ebenfalls Ferdinand?“ fragte das Mädchen, als Gil- Lon sich wieder in den Lehnstuhl warf.
„Nein, es war eine Frau“, antwortete Gildon ungeduldig. „Aber sie ist nun tot — schon feit bielen Jahren. Sie war von niederer Abkunft, darum kann dieser prinztiche Bursche nicht ihr Sohn sein. Der Name ist wohl nicht ungewöhnlich und die Welt ist voll von Ueberemstimmun- gen."
„Aber wenn nun Lieser junge Mann doch der ®obn jener Frau wäre?" fragte Nelly.
Mr. Gildon wendete sein Gesicht ab, indem er rasch und mit scharfer Stimme xjekr
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absichtigte Besuch nicht einem Geisteskranken, sondern einer Vorstellung an einem königliche« Hofe; dann flog sie die Treppe hinab in di« Halle, wo Mr. Gildon ihrer harrte. Dieser toat nicht wenig erstaunt, das Mädchen in einem so kostbaren Kleide und in ihrem besten Schmu« zu sehen. Fast unwillkürlich entschlüpften ihm di« sarkastischen Worte:
„Sie hatten nicht nötig, solche Sorgfalt anzu« wenden, um sich vor meinen Augen in Ihrer vollsten Schönheit zu präsentieren, denn daß Siss eine so verwogene kleine Kokette sind, um nach der Bewunderung eines armen Blödsinnigen zu schmachten, kann ich mir nicht denken.“
Nelly wurde rot vor Aerger. Ohne zu anf«’ Worten ging sie an ihrem Vormund vorüber unb stieg mit Hülfe des bereifftehenden Gesfrey Jeb8 in den Wagen. Hr folgte MrS. Jebb, welch», sich neben das Mädchen setzte, und den Platz gegenüber nahm Mr. Gildon ein. Vitus setzt« sich auf den Bock neben den Kutscher und Gefsrey sprang auf den Hinteren Sitz. Im nächste», Ausblick rollte der Wagen davon.
Es war eine angenehme Fahrt in der klaren, - milden Morgenluft, durch die kleinen Waldungen, von Orangen- und Mandelbäiniien, dann an dem Gestade entlang, auf der einen Seite dablaue, murmelnde Wasser, auf der anderen Seit« leichte Anhöhen mit Weingärten, fruchtbare Täler und Ebenen.
Mr. Gildon starrte gedankenvoll vor sich hin./ Daß seine Gedanken keine angenehmen toaren, verrieten die Furchen auf seiner Stirn und beg düstere Blick seiner Augen.
„Er muß schlecht geschlafen haben". Lacht- Nelly. „Die, Gegenwart hat nichts beunruhigendes für ihn, also mutz e8 die Vergangen hett sein, welche ihn um den Schlaf gebracht hat. Seine Aufregung gester nabend war ein klarer Beweis, daß Brander ihn mehr intereffierte, altz er zugestehen wollte. In welcher Beziehung kanzt er zn diesem stehen?“