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35. Jahrqanq

Fulda, Mittwoch den 3. Juni 1908.

JW 127

Sweires L^cltt

ittopa. Set

Bd. 1:

Luzeigen: Vie «im spaltigepetitzeUeoder deren Haum lö pfg. Reklamen dlepetttzeil« 25 Pfg., bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Rotationrdruckun» Verlag der Fuldaer Lk. tienbruderei in Kulda Zernfprecher Nr. 4.

Da ging der Lippl auf wie ein Krapfen im heißen Schmalz:

„SBaSl" schrie er, „für euch dickgründige Bergerbauern ist überhaupt jedes Weiter schade, das aber sag' ich dir, tvenn ich einmal da droben in den Wolken zu schaffen Hütt', ein Wetter würd' ich machen, daß ihr vor lauter Wunder Augen und Maul nicht mehr zubringeu tätet; das Korn mußte über den Dächern zusammenwachseu!"

Und richtig ist es geschehe»; der Batzen-Lippl hat einmal da droben schaffen dürfen, er ist Wet- terherr geworden, zivar nicht in Wirklichkeit, aber im Traume.

Der Batzen-Lippl hat geträumt — und Träume hatte der Lippl alleweil gescheite — der heilige Petrus habe ihn hinaufgeführt in das große, schöne Wolkenschloß droben über dem Wetter- steine, und alle Gewalt über Wolken und Wetter sei ihm übergeben worden. — Das hat den Lippl gefreut. — Da droben war es wunderschön, und eine Aussicht gab es über das halbe Tirol uni) hinaus bis nach Bayern. Da waren auch viele prächtige Maschinen, eine große, schöne Uhr, und viele hundert Nebelmandlen und Wolkenknechte standen dem Lippl zu Diensten. Da fing der Lippl an zu regieren. Zuerst wurden die Dienste ausgeteilt. Die einen von den Nebelmandlen mußten das Firmament kehren und putzen, die anderen mußten die Sonne aushängen, wieder andere mußten den Mond anzünden und bei der Nachtzeit die Sterne schneuzen (Sternschnuppen); die Wolkenknechte mutzten Wolken schieben, Blas- balg treten, Hagelkugerln gießen usw. Aber kei­ner durste etwas unternehmen, wenn nicht der Lippl ausdrücklich den Befehl erteilte. Das gab ein lustiges Regiment.

Gleich ließ der Lippl ein klirrendes Hagel­wetter auf die Tschandmarktner niederfahren.

Die großen sc^varzen Wolken liefe er dann in Kroatenland hinunterführen, die Sonne mußte Wester gegen die Schattenseite herübergeschoben werden; über die Sonnenseüe liefe er alle Tage einen klatschenden Platzregen hinuntergießen

sogenannten Hohen Wand hundert Meter in die Tiefe gestürzt. Sie war sofort tot.

• 600 000 Kronen Schulden. Rechts anwalt und Iustizrat Peschardt in Kopenhagen meldete mit 600 000 Kronen Passiva seinen Konkurs an und stellte sich selbst der Polizei mit der Angabe. Betrügereien in Höhe von etwa 400 000 Kronen begangen zu haben. Er wurde sofort verhaftet.

* Eine unbekannte Dame wurde bewußtlos in einer Strafee Londons gefunden. Es sind Hun­derte von Personen im Hospital gewesen mit der Absicht, festzustellen, wer die Kranke ist, aber bis- her fehlt jede Spur über die Persönlichkeit der Patientin. Seit ihrer Aufnahme im Hospital hat die Kranke nicht ein Wort gesprochen. Tie Hospitalbehörde hat sich mit dem deutschen Konsul in Verbindung gesetzt, weil die Kranke^ eine deutsche Zeitung bei sich trug. Die Aerzte äußer­ten die Ansicht, daß die Kranke sechs Monate M ihrem augenblicklichen Zustande bleiben könne.

Stimmen gibt, als dem einfachen Mann, würden wir zweifellos schlechter abschneiden. Unsere engere Heimat macht eine rühmliche Aus- nähme, aber sonst sehen wir doch vielfach, daß die „besseren" Katholiken, jene, die Geld haben, gern Eptratänzchen machen; die Geschichte des Nationalkatholizismus vom Beginn des Reiches an erbringt dafür genügend Belege. Es ist auch häufig beklagt worden, baß Katboliken, sobald sie zu Besitz kommen, gerne den „Liberalen" spielen und fick auf die Seite des nationalliberalen Misch­masch schlagen. Berücksichtigt man das, dann wird man unschwer erkennen, daß das Plnralsystem für uns einen Nachteil bringen wird. Möglicherweise ist dieser Nachteil gering, weil in unseren Hoch­burgen auch ein kleiner Nachteil nicht schadet. In zweifelbasten Kreisen aber, wo wir nur mit ge­ringer Mehrheit siegen, wird uns durch das Mehr- stimmenwablrecht ein erheblicher Schaden zuge­fügt werden.

— Von den reichsten Gutsbesitzern in Deutsch- land marschiert der Kaiser Wilhelm an erster Stelle. Er besitzt nicht weniger als 52 Schlösser und schlofeartige Grundstücke, zu denen insgesamt 83 Güter gehören. Was dies« jährlich einbringert, ist natürlich schwankend, immerhin ergeben sie einen ganz beträchtlichen „Zuschuß" zu der Zivil­liste, die der Kaiser als Köniz von Preußen er­hält. Die Wälder und Felder usw. üer 83 kaiser­lichen Güter umfassen 98748 Hektar, das find 987 Quadratkilometer, eine Fläche, die nur um ein geringes kleiner ist, als des Fürstentum Waldeck. Dem Kaiser zunächst folgt der Fürst von Pletz. Er besitzt 75 Güter mit 51 Quadratkilometer @e- samtumfang, hiernach kommt der Herzog von Ujeft Dieser besitzt 52 Güter mit 39 Quadrat­kilometer Umfang. Der Herzog von Ratibor ver­fügt über 51 Güter mit 33 Quadratkilometer Um­fang, der König von Sachsen hat „nur" 50 Güter mit 31 Quadratkilometer Umfang

usw. Auch einen Spatz wollte sich der Lippl er­lauben; die Leute sollten merken, daß da droben jetzt ein anderes Regiment herrsche. Vierzehn Tage lang befahl et, den Mond schwarz anzustrei- chen; vierzehn Tage lang sollte eine Mondfin­sternis sein.

Endlich, nach langer Zeit, stieg der Lippl von seinem Wolkenschlosse wieder einmal zur Erde nieder, um zu hören, was die Leute vom Wetter reden. Drunten beim Krügl-Wirt da saßen die Bauern beisammen. Der Lippl setzte sich auch hin­ein und fing an, über das Wetter zu diskutieren. Da ging es nun los:

„3dj bin jetzt 80 Jahre alt", sagte der Korb­flicker, „aber ein solches Hundewetter ist mir nie vorgekommen I"

„Alles ist verhunzt und verpatzt heuer", ent­gegnete der Sputz-Jaggl; „der Roggen trägt nicht Körner, sondern Krautsamen!"

„Die Aepfel schauen aus wie der 23ören- zncker!"

„Die Kappisblätter sind ganz weiß, und über­all ist ein Gesicht darauf mit langen Ohren; es gleicht dem Batzen-Lippl!"

„Und Erdäpfel hat man heuer gar keine setzen können, weil nie ein rechter Schein gewesen ist!"

„Drunten in Urigarn und draußen im Reich haben sie gar fein Wetter, wie's in der Zeitung steht, und Leut' und Vieh müssen fterbeitl" — „Ja, ja, es ist alles verkehrt und verdreht; die Bienen bringen keinen rechwn Honig; das Ding in den Fladen drinnen schaut aus wie gestockte Milch! Wenn es so fortgeht, kommt bald der Antichrist!"

So ging es hin und her, der Batzen-Lippl aber riß Augen und Mund auf und leerte ein Seidel um das andere; davon bekam er mehr als genug. Mit Mühe erreichte er nach stundenlangem Her- umtappen wieder sein Wolkenschloß.

Da schaute es erst aus! ES war 9 Uhr in der Früh; die Sonne war noch nicht ausgehängt, die Wolken liefen i)raufeen auf dem Firmament her­um wie rasend, und es blitzte und krachte wie

oben behandelten Rich-ung hin im deutschen Flotten- verein aefehlt wurde, war in allererster Lnne Schuld des (SetieralS Keim. Deshalb war fern Ausscheiden au8 der Stelle, ju der ihn ein fast uner­klärlicher Mißgriff der Lettung berufen hatte, not­wendig geworden."

Die Aus'ührunqen stlmmen; aber man darf wenig Hoffnung haben, daß sie von irgend­welchem Eindruck auf die An bänger Keims fein würden. Dre Anhänger Keims sehen im Gegen- teil frohgemut m tue Zukunft und werden es in Danzi, nicht an „ 5eibftbemufetiem" fehlen laffen.

* Wie Generäle verabschiedet werden. Metz- rere Blätter aus der Provinz Schleswig-Holstein haben pikante Einzelheiten über die Plötzliche Ver­abschiedung des Generals v. Bock und Pol ach gebracht Danach läge die Ursache in Borkomm- nissen bei einemPferdehandel, an dem ein sehr hoher Offizier beteiligt gewesen ser, des- sei, Vater Mitglied des Herrenhauses ist. Ter Spruch des hierüber einberufenen Ehrengerichts habe ungünstig für jenen Offizier gelautet, feine Bestätigung fei von General v. Bock beantragt, vom Kaiser aber verweigert worden mit dem Hm- zufügen, daß der Kaiser einer Abänderung des Spruchs entgegensehe. General v. Bock habe bei seiner ursprünglichen Auffassung beharrt und bald darauf zu seiner völligen lieber- rasckmng in der „Köln. Ztg." ein Telegramm ge­lesen, wonach er seinen Abschied eingereicht habe. Ihm selber war von dieser Absicht bisher nichts bekannt. Jedenfalls soll sein erst nach diesem Telegramm geschriebenes Abschiedsgesuch kein freiwilliges gewesen sein. — Wenn die Mitteilung zutreffend ist, bemerkt dazu Oberst Gädtke tin „Berl. Tagebl.", so würde sie aufs neue em Be­weis für die Abhängigkeit der Ehrengerichte lie­fern, die in allen Dingen nur die Flöte sind, die vom Militärkabinett geblasen wird. _ Wer dem­gegenüber eine selbständige Flöte blasen will, er­hält umgehend die seidene Schnur.

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wie auswärts 1.50 mt M verantw. Redakteur: tf ■

Larl Schütte;

ÄÄ w-ch-nb°nag-- „Illustrierte SonntagsjeiW

vermischtes.

* Kaiserlicher Gnadenakt. Ter Zinngießer August Wiesner aus Regensburg, der wegen drei­maliger Fahnenflucht vor zwei Jahren vom deut­schen Marine-Kriegsgericht in Wilhelmshaven zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, ist jetzt infolge guter Führung durch kaiserlichen Gnadenakt aus der Strafanstalt Celle entlassen worden. Dem nun 50jährigen Manne wurden von der Strafe drei Jahre erlassen.

* Ein Loblied auf den deutschen Postdienst. Der brasilianische Generalleutnant Ferreira, der mehrere Jahre in Deutschland geweilt hat, hielt in Rio de Janeiro einen Vortrag über den deut- scheu Postdienst, den er nach feinen Beobachtungen in anderen Ländern als den vollkommensten der ganzen Welt bezeichnete und dem brasilianischeii als Muster empfahl.

* Schwerer Automobiluufall. Bei Mörs (Rhld.) rannte ein mit sechs Personen besetztes Automobil gegen einen Baum. Vier Personen wurden lebensgefährlich, die beiden anderen leicht verletzt.

* EinPartiewagktt, der mit Ausflüglers dicht besetzt war, passierte' oberhalb Troisdorf lRhld.) eine offene Wegefchranke, als ein Schnellzug heranbraufte. Der Zugführer gab Gegendampf, und der Kutscher des Kremsers trieb die Pferde zur größten Eile. Der Kremser gelangte um Haaresbreite an der Lokomotive vorbei.

• Todessturz in den Bergen. Von drei Da­men, die in Tirol eine Bergbesteigung unter­nahmen, um Blumen zu suchen, und sich dabei verstiegen, ist eine, die 21jährige Tochter eines Innsbrucker Beamten, Marie Widmann, von der

B. 19D7. 8«. .

Grundkarte,Hich-Stattst.,deSdeutschen Reich eS.

Sektion Eschwege-Eisenach. Halberstadt [1906]. 2 .

Hearn, Lascadio: Jzumo. Franst a.M.1907. 8».

Hct'ner, Alfr.: Grundzüge der Länderkunde. Lerpz. 1907. 8e.

ür Deutschlands Geeinteressen.

Verzeichnis der Neuanjchaffuußen derZasdtsblbliothtk;sMdLim8'atsja!sr19vP.

II. Geschichtliche Hilfswissenschaften, Geo­graphie, Volkskunde, Militärwissenschaft.

Blätter, Hessische, für Volkskunde, hg. i. A. der Vereinigung für hessische Volkskunde. L. 8 — Bd. 6, 1907.

Blätter sür Mün,freunde ... hg. von H. Buchenau. Dresden. 4° — Jahra. 42, 1W7.

Erfahrungen außereuropäischer Krieg» neuester Zeit Hg. vom Großen Generalstabe. II: Aus dem russisch-japanischen Kriege 1—2. B. 1906—7. 8*.

Erzieher des Preußischen HeereS. Hg. von Pelet- Narbonn«. Bo. 1—12. V. 1105—U6. 8°.

Goltz, Frhr. v. d.: Von Roßbach bi» Jeno und Auerstädt. B. 1906. 8°.

Goltz, Frhr. v. d.: Bon Jena bi» Pr. G y l a u.

am jüngsten Tage. Die Rebelmandlen und Wol­kenknechte waren alle durchgegangen, ein solches Regiment ivollten sie sich nicht gefallen lassen. — Der Batzen-Lippl hatte aber auch regiert tote wei­land der König Herodes.

Der Lippl wußte sich nicht zu helfen; er sprang und lief und schrie und lärmte, daß ihm ganze Bächlein Schweife über das Gesicht herunterran- neu . . . Da wachte er auf. — Draußen war es noch Halbdunkel, und es blitzte und krachte, und der Sturm rüttelte an den Fenstern; es war ein Hochgewitter im Anzuge. Lange mußte sich der Lippl besinnen, bis ihm endlich klar wurde, er sei nicht mehr im Wolkenschloß, sondern zu Hause in seinem Bette. Er wischte sich den Angstschweiß aus dem Gesichte und dankte dem lieben Gott, dafe die ganze Wetterherrschaft nur ein böser Traum gewesen. Der Lippl war aber auch voll­kommen bekehrt, und in Zukunst ist 'hm jedes Wetter recht gewesen.

o Znm letzten Male das Dreiklafien- Wahlrecht.

Wenn nicht alles trügt, wählt das preußische Volk heute zum letzten Male auf Grund des Tret- klassenwahlrechts.

Nach den Steuerungen Bülows gelegentlich der Wahlrechtsinterpellation ist mit einiger Si­cherheit anzunehmen, daß die preußische Regie- rung ihre Hand zur Einführung eines Mehr- stimanenwahlrechts bieten wird. Die Frei- sinnigen, die die Einführung des Reichstagswahl­rechts in Preußen gar nicht wollen, weil sie längst den Boden unter den Füßen verloren haben und sich darum auf die Macht ihrer meistens kapitali­stisch interessierten Anhänger stützen wollen, wer­den diese Besttebungen sicher mitmachen. Die Freikonservativen werden auch mit dabei sein, weil sie sich ja heute hin und wieder über die Macht des kleinen Landjunkertums der konserva­tiven Partei ärgern, sich auch wohl gerne etwas fortschrittlich gebärden. Schließlich wird sich von Den Konservativen mindestens ein Teil der Re­gierung löblich unterwerfen. Eine Vorlage dieser Art würde also wahrscheinlich einen Erfolg haben.

Durch diese Entwickelung der Dinge haben die Nationalliberalen für die von ihnen verfochtene Idee des Mehrstimmenwahlrechts wieder frischen Wmd in die Segel bekommen. Sie arbeiten rüstig daran, das preußische Volk für diese Idee zu ge­winnen. Interessant ist dabei, wie man dem Zentrum klar zu machen sucht, gerade in fei­nem Interesse müsse es auch für das Mehrstim- menwahlrecht eintreten. Man erzählt da mit rührender Naivität, gleichsam als wolle man sich selber warnen, die Geschichte des belgischen Pluralwahlrechts, das für die Liberalen einen ganz anderen Erfolg hatte, als man es voraus- gesehen hatte, daS anstatt der erhofften liberalen Mehrheit eine Zweidrittelmehrheit der verhaßten Katholiken brachte. Man bekommt da zu lesen: „Zugestandenermaßen war die Hoffnung der Li­beralen, als sie dieses Wahlsystem der klerikalen Mehrheit mehr oder minder gegen deren Willen aufzwangen, die gewesen, dieses Wahlsystem werde ihnen im Staatsleben eine dauernd ausschlag­gebende Stellung geben. Denn man hoffte ebenso bestimmt, den Klerikalen mit Hilfe der Sozialisten die MHrheit zu entreißen, wie man glaubte, daß die Mandatzahl der letzteren immer nur sehr ge­ring bleiben werde. Die Wirklichkeit gestaltete sich aber anders. In der alten Kammer — bis 1893 — hatte 92 klerikalen Mandaten die immerhin stattliche Minderheit von 60 liberalen gegenüber- gestanden, Sozialisten waren nicht gewählt wor­den. Nach den ersten Wahlen nach dem Plural- system — 1894 — zeigte die Kammer folgende Zusammensetzung: 104 Klerikale, 25 Liberale, 23 Sozialisten. 1898 war die Lage so: 112 Klerikale, 28 Sozialisten, 12 Liberale, darunter noch sechs den Sozialisten nahestehende Demokraten. Grau­samer hat sich wohl niemals ein Gesetz gegen sei­nen eigenen Erfinder gewandt!"

Duxch solche verführerische Klänge wird man sich im Zentrum nicht beirren lasten. Das Zen­trum fordert gleiches Wahlrecht für jeder­mann. Das ist eine grundsätzliche Forderung. Durch parteitakttsche Erwägungen, ob dieses Wahlrecht uns größere oder geringere Vorteile bietet, werden wir dadurch nicht beeinflußt. Maß­gebend ist für uns die Frage der Gerechtigkeit, und die fordert gleiches Recht für alle. Uebri» gens liegen die Dinge in Preußen doch wohl an­ders als in Belgien. Bei einem Mehrstünmen- recht, das einzelnen Wählern wegen ihres größe­ren Vermögens oder aus anderen Gründen mehr

Der Batzen-Lippl als Wetterherr.

War der Batzen-Lippl von der Schattenseite sonst ein guter Christ, aber engherzig und klein­mütig war er wie ein Regenwurm und unzu­frieden wie eine Hummelmutter. Namentlich das Wetter konnte ihn nie befriedigen. Wenn die Sonne ihr lachendes Gesicht ein paar Tage der Erde zukehrte, so konnte man den Lippl schon jam- mern hören: „O heilige Zettl Schau, wär' alles fchou dagestanden, und jetzt verbrennt Gras und Strait!" Kaum hatte es angefangen zu reg- ncn' so lamentierte der Lippl: „Schau, schau, bis EÄ 1}nrt c$ au^ “ Ich weife nit, wo

Öie i ^Mfer nur herkommt; die Wurzeln schwemmt es samt und sonders heraus!" Wenn der Himmel mitunter ein finsteres Gesicht zeigte kam der ^.ippl wieder: „O du heiliger St. Fritz! Sieh, wie es da hinten beim Wetterftein grandm ^runterschaut! Ja ja, ich hab' mir's eh gedacht es -erschlagt uns alles! Es ist ganz schade um öen Sanien; man sollte eigentlich gar nichts mehr nnbauenl" Selbst im Winter war dem Lippl das Wetter hinten und vorn nicht recht. Schneite es wenig, so meinte er: „So kurios wie heuer ist's

tue gewesen; haustief gefriert der Boden." Schneite es viel, so lärmte er: „O du lieber Himmel, ein solcher Efelsschneel Der zerdrückt uuch.ia die Erde zu Schnupftabak,, und anders wird s heuer nicht vor Pfingsten!" '

So hatte es der Batzen-Lippl. Winter und Sommer, Frühjahr und Herbst hielt er tagtäglich seine Jammermetten. Einmal nahm der Steiger- Äros den Lippl ins Gebet und meinte:

.Du, Lippl, tu' dich nit versünden mtt unferm heben Herrn! Das Wetter dermacht niemand so gut als der Herrgott; meinst etwa, die Wett ist mt größer als deine Suppenschüssel oder deine Muspfanne? Und du dermachst oa brinn* nit emnuu em rechtes Wetter! Wenn du erst einmal

™. oanze Tirol das Wetter machen müfeteft, eeber?*11^6 mtr cm sauberes Pttchwetter ab­

Jahrbuch für Deutschlands ® eetnteref f en. 3g. 8 für 1906. B. 1906. 8». .

Kovarick, O.: Feldzeugmeister Benedek und der Krieg 1866. L. 1907. 8». ,

Kämpfe, Die, der deutschen Truppen in Sud- westasrika . . . «earb von der Knegsgesch. Abt. I. des Großen Generalstabes. B. 8°. — H. 6—6, 1907.

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Trabert. W.: Meteorologie und Klimatologie.

L. und Wien 1905. 8*.

Serbe du Brr-.wi-: Studien über den Krieg. Auf Grundlage des deutsch^ranzös. Kriege» 1870/71 Th. III, 4—6. B. 8».

Bertehrsbuch des RböngebirgeS . . .

Beilage: Wegelarle. Bon S. Hvßfeld. Eisenach 1907 8» (Fortsetzung folgt)

Deutscher Reich

O Im Flottenverein ist die Richtung Keim mit größerer Energie an der Arbeit. Bekannt- sich wird am 14 Juni in Danzig eine Haupt- Versammlung abgehalten, die um deswillen allge­meines Interesse beanspruchen darf, weil sie ge- wiffermaßen endgültig über dre ungeteilte Existenz deS Vereins entfefcetben dürste. Der Flotien- verein in feiner bisherigen Gestalt mußte traft der Richtung, die ihm General Keim gab, als eine Institution zur Bekämpfung des Zen- trumS anaeteben werden, was aber klugerweise in den Satzungen des Vereins nicht zum Aus­druck gebracht wurde. Er arbeitete mit ver­decktem Visier. Schon in Kassel war zu er­kennen, daß nach wie vor die Keim' sche Rich - tnng Oberhand behielt, und Danzig wird zeigen, daß sich hierin nicht viel geändert bat. Bereits find die ^Keimlinge" von neuem an der Arbeit. Die Ortsgruppe Mühlheim a. Ruhr deS Deutschen Flottenvereins hat, wie schon be­richtet, ihren Austritt aus dem Teuttchen Flolten­verein erklärt, falls nicht in Danzig das alle Präsidium wiedergewählt und der Verein zu einem nalionalpolttischen erklärt wird, und wie eS heißt, wird sich dieser Resolution noch eine ganze Anzahl anderer Ortsgruppen sowie ganze Verbände anfchließen. So hat jetzt auch der hessische Landesverband folgende Reso­lution deschloffen:

„Wir nehmen mt, daß unsere Mitglieder mit der Stellungnahme ihrer Vertreter m Kassel «mverstanden waren, daß sie auch fernerhin die volle Selbständigkeit und Unabhängigkeit des Deutschen Flottenvereins ge­wahrt wissen wollen, und daß sie den nu5 nicht be­kannt gegebenen Gründen erfolgten Rücktritt unserer bewährten und verehrten Führer mit un3 bedauert haben."

Man kann es verstehen, wenn von gemäßigter Seite auS erneut versucht wird, schon zeitig Oel auf die Fluten der drohenden Erregung zu gießen. Die ,Deutfche Tageszeitung' fährt den „Stürmern und Drängern von der Richtung des Generals Keims" zu Gemüte, daß sie weder die Geschichte, noch die Aufgaben des FlottenvereinS richtig verstanden hätten.

„Ebensowenig darf der Flottenverein sich ein­mischen in den Streit der bürgerlichen Parteien. Die einzelnen Mitglieder der Vereins sind selbstverständiich in ihrem politischen Verhalten genau so frei rote jeder andere Staatsbürger; aber diejenigen Führer der Brr- eiuigung, die sie und ihre Arbeit in erster Linie und an sichtbarster Stelle zu repcäseutierea hatten, dursten sich nicht in scharfen Gegensatz zu einzelnen bürgte- lichen Parteien brmgen. Daß nach dieser wie nach der