MaerW Zeitung
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Botationedrnckund Verlag der Fuldaer 2» tiendruckerri in Fulda Fernsprecher Nr. 9.
•M 127.
Fulda, Mittwoch den 3. Juni 19()8.
35. Iahrqanq.
Erstes Matt.
0 So geht es nicht mehr weiter, mit dem HakatismuS nämlich. In der Ostmark vollzieht sich gegenwärtig eine politische Wendung, die im ganzen Reiche beachtet werden nuß; mit dem HakatismuS geht eS rückwärts.
Die letzten Kraftanstrengungen machte er beim Vereinsgesetz und der Enteignungsvorlage. Sie fielen äußerlich zu seinen Gunsten auS, aber innerlich war damit der Bogen überspannt; er muß brechen und er wird brechen; dafür sorgt jetzt schon die neuerstandene ZentrumSorgam- saüon. An dem ZentrumSgedanken wird die Ostmark genesen und daS Gift des HakaliSmuS durch ihn auSgetrieben werden. Diese Heber- zeugung von der völligen UnhaUbarkeit der Heu- liaen Situation hat man auch in den Kreisen der Regierung. Man wagt eS nicht, daS En teig nu ngSgesetzdurchzu führen. Man muß fich einmal an die nervöse Hast erinnern, womit dieses Gesetz durchgepeitscht worden ist; man muß fich vor Augen halten, wie es damals nicht schnell genug gehen konnte. Jetzt aber geschieht gar nichts, um das Gesetz ins Leben treten zu laffen; es ist nicht einmal die im Gesetze vorgesehene Kommission gebildet worden, noch weniger aber fand eine Enteignung statt. Warum nach der Eile diese Verzögerung?
Man fürchtet sich vor der Handhabung dieses zweischneidigen Schwertes; man weiß, daß in den Reihen be8 polnischen Volkes tiefe Erbitterung herrscht und daß bei der Anwendung dieses Gesetzes gar leicht ein Unglück geschehen könnte. Es ist nicht auSzudenken, welche verhängnisvolle Folgen es haben kann, wenn ein polnischer Bauer von seinem Hofe vertrieben wird. Vielleicht rofitbett die Dinge, die dann kommen, dem gewiß fest im Sattel sitzenden Reichskanzler den Hals brechen. Er hat zwar formell gesiegt; er hatte eine Mehrheit in beiben Häusern; man hat ihm auch eifrig gratuliert, aber jetzt sitzt er fest mit seiner ganzen Ost- markenpolitik und kann nicht vorwärts und nicht rückwärts. Cr ist zweifelsohne über die Stimmung ebenso gut unterrichtet wie wir und weiß, was bei der Ausführung dieses Gesetzes bevor» <W, und daher läßt er es unausgeführt weil kein Termin der Inkrafttretens gewinnt ist, kann er das tun. Aber alle Wett lagt sich: warum Gesetze machen, von denen man später selber Angst bekommt?
Der HakatismuS mit feinem wirtschaftlichen Kampfe schadet dem Deutschtum. Firmen auS Krakau und Warschau kaufen nichts mehr bei uns ein; sie lehnen ostentativ deutsche Waren ab. Die Ostseebäder veröden. Das schöne Zoppot hatte jahrelang Tausende von polnischen Bade- Säften, die sehr viel Geld dort ließen; setzt aber ommen sie nicht mehr und erklären offen, daß die Polenpolittk sie fernhält, daß sie lieber inS Gebirge oder nach Belgien und Holland gehen, als nach Preußen. Und im Inland herrscht ein gegenseitiger Boykott und ein Krieg bis aujS Meffer. Man erlebt die unglaublichsten Vorkommnisse; wenn ein deutscher Geschäftsmann zu einem Polen ins Haus geht, so hat er sofort materiellen Nachteil zu befürchten; die deutschen Kunden schneiden ihn. Es ist der Krieg mit allen seinen Opfern, der die Ostmark vernichtet;
Der falsche (Erbe.
Roman von Ed. Wagner.
20] (Nachdruck verboten).
„Vor allen Dingen möchte ich ein würdiges Glied der menschlichen Gesellschaft sein", sprach fte leidenschaftlich, den Kopf stolz zurückwecfenv. Meine Erziehung war so, daß ich die Mode und bas Vergnügen als das höchste im Leben ansehen mußte; aber dieses hat mich nie wirklich befriedigt. Bei allem Luxus hat mir stets etwas gefehlt, ohne daß ich gewußt hätte, was es war. Jetzt habe ich erkannt, daß cs mir an nützlicher Beschäftigung fehlte; ich habe erkannt, wie kost- bar das Leben, wie unschätzbar die volle Geisteskraft des Menschen ist, die ich besitze, aber nicht zu gebrauchen verstand, wie sie der Mensch gebrauchen soll."
„Nun, was soll das alles?" fragte Gildon sarkastisch. „Wollen Sie etwa eine Nonne »erben und fich hinter den Klostermauern begraben Laffen? Oder wollen Sie eine barmherzige Schwester werden und Kranke pflegen?"
Nelly schenkte diesen Worten keine Beachtung; mit ernstem Blick und mit ernster Stimme fuhr sie fort:
„Ich habe mich nur mit meinen eigenen Sorgen beschäftigt, habe die Verfolgungen, denen ich ausgesetzt war, die Angst, die ich ausgestanden, für das Schlimmste auf Erden gehalten."
„Es freut mich, daß Sie vernünftig werden", sagte Mr. Gildon. „Sie sehen also em, daß ich Sie doch nicht so schlecht behandelt habe, wie Sie sonst glaubten?"
„Meine Meinung über Sie bleibt dieselbe", erwiderte Nelly bestimmt; „ss ist nur meine Meinung über mich selbst, welche sich verändert hat. Ich habe entdeckt, was es bedeutet, die unschätzbare Gabe des Lebens und der Geisteskraft M besitzen —"
der Krieg muten im Frieden. Ist das eine gesunde Politik und ist eS Aufgabe deS Staates, den Krieg zu erhalten? Nein und abermals nein: Frieden muß er gebenI Aber die Ost- markenpolitik ist der Krieg. -
Eine gründliche Umkehr muß erfolgen. DaS hat daS Zentrum erkannt und darum fetzt eS jetzt mit Recht ein. Die Verständigung mit den Polen ist die Attacke, die den wankenden HakatismuS niederreiten wird. Wenn «st deutsche und polnische Katholiken zusammen arbeiten, und daS wird und muß geschehen, dann ist die jetzige Polenpolitik vernichtet, und dem Zentrum fällt die ehrenvolle Ausgabe zu, ihr den Todesstoß zu geben. Als Katholiken, als deutsche Bürg« und als Zentrumsleute begrüßen wir dieses Wahlabkommen, daS eine Reihe von Vorteilen für Staat und Kirche bringen wird. Die lebhaften Angstrufe der Gegner beweisen dies; bish« hat d« HakatiS- muS durch feinen Lärm die deutschen Katholiken eingeichüchtert und teilweise entmutigt, ob« daS schwindet nun. Neues Leben zeigt sich und die Rute ist schon gebunden, die den HakaliSmuS aus der Ostmark treiben wird.
Deutsches Reich.
(*) Eine unveröffentlichte Kaiser rede? Der sozialdemokratische .Vorwärts" behauptet, dn Kais« habe am Montag nach der Parade bei der Ueberreichung der Säkularfahnenbänd« an daS 2. Garderegiment zu Fuß und an das 1. Bataillon des Älexander-Regiments eine längere Ansprache gerichtet, die, obwohl sie abgelesen wurde, bet Oefsentlichkeit vorenthalten werde. — Man wird gespannt sein können darauf, waS die Offiziösen dazu sagen werden. Eine Jtaiferrebe, die abgelefen, aber nicht veröffentlicht wird, »«dient allerdings Jntereffe.
0 Verlängerung der Dienstzeit in derMarine. In den Äreiien der Floltenfront, namentlich in den Kreisen der führenden Admirale ist man d« Ansicht, daß die dreijährige Dienstzeit bet Matrosen nicht mehr ausreicht; man wünscht hi« btingenb die Dienstzeit v on 3V, Jahren, damit die Mannschaften vier Manöver mitmachen können. England hat viel mehr langbediente Mannschaften als wir. Schiffe bauen ist nicht schwer, Schiffe bemannen ab« sehr; gerade die Mannschaftsfrage wird jetzt kitzlich. Wenn wir große Schiffe bauen, müssen wir auf die Aus- bilbung der Matrosen den höchsten Wert legen. Sollte ab« die Dienstzeit verlängert werden, dann mflffen im Heere entsprechende Ersparnisse Sicht w«den; eS muß dann besonders der e-Urlaub gesetzlich geregelt werden; damit die Landwirtschaft genügend Arbeitskräfte hat.
* Das schwedische Königspaar ist gefi«n abend 11 Uhr nach herzlicher Verabschiedung vom Kaiser und d« Kaiserin abgereift, vor- h« hatte groß« Zapfenstreich im Lustgarten stattgefunden. Ungeheure Menfchenmafsen wohnten dem Schauspiel bei, welchem das Kaiserpaar und das Königspaar vom Balkon des Pfeiler- saales auS zusahen.
— Der Kolonial - Sekretär Dernburg ist am Dienstag in Kapstadt eingetroffen und dort von dem Premierminister empfangen worden.
* lieber das Schicksal der Fahrkartrnsteu« läßt sich die „Köln. Ztg." aus Berlin melden: „Ueber die Abschaffung, Abänderung oder Bei-
„So, das haben Sie nun zweimal gesagt!" unterbrach sie Gildon lachend, aber innerlich doch ärgerlich, denn er wußte nicht, wie er Nelly's ernste Stimmung deuten sollte. „Haben Sie vielleicht ausfindig gemacht, daß Sie Talent für die Bühne besitzen? Oder — das Schrecklichste alles Schrecklichen — fühlen Sie sich berufen zu einer Mission als Predigerin für die Frauenmanzi- pation?"
„Ich wünsche weder Schauspielerin noch Lehrerin zu fein", entgegnete das Mädchen betrübt „Ich wünsche nur ein ehrliches, wahres Mädchen zu fein und die Gaben, mit welchen die Vorsehung mich ausgerüstet hat, nutzbringend zu verwerten, die Welt für mich selbst besser und andere Menschen durch den Umgang mit mir edler, treu« und rein zu machen, ich wünsche meiner eigenen Seele und meiner eigenen Natur treu zu sein."
„Das klingt sehr hochfliegend", bemerkte ihr Vormund; «ich muß jedoch gestehen, daß Sie mir in Ihrer anderen Stimmung besser gefallen, Nelly. Der lachende übermütige kleine Witzbold, die zürnende junge Dame, der desperate entschlossene Flüchtling — dies alles ist vorzuziehen dieser in Sack und Asche gekleideten Büßerin. Ich fühle mich sehr geschmeichelt, daß Sie mich zu Ihrem Vertrauten machen. Wenn wir aber nun zugeben, daß Sie schlecht und nichtsnutzig find — — was bann? Wie denken Sie dann die Sache zu ändern?"
„Dadurch, daß ich in irgend einer Weise Gutes tue, daß ich für andere lebe!"
-Bahl Ihr ganzes Leben ist nichts als ein langes, ununterbrochenes Wohltun gewesen. Sie haben das Bettelvolk stets ermutigt zu immer neuen Attentaten auf Ihre Börse. Dies können Sie also nicht meinen, wenn Sie für andere leben wollen. Es ist aber wahr, daß Sie gegen mich manchmal ein kleiner Kobold gewesen sind. Wollen Sie Ihr Benehmen gegen mich ändern?"
.»Ich wüßte nicht, wie ich Ihnen gegenüber mein Benehmen ändern sollte", antwortete Nelly. „Ich dachte nur an die Möglichkeit im mensch-
behaltung der Fahrkartensteuer dürsten irgendwelche Beschlüsie nicht gefaßt werden, ehe man sich darüber klar geworden ist. welche Gestalt der Reichsfinanzreform gegeben werden soll. Die sämtlichen Verkehrsministerien d« deutschen Eisenbahnstaaten find nach den bisherigen Erfahrungen durchweg Gegner einer Fahrkartensteuer und sind es auch früher immer gewesen. Aber man muß. wie an amtlicher Stelle betont wird, bedenken, daß der jährliche Ertrag der Fahrkartensteuer, wenn sich auch die auf sie gesetzten Erwartungen keineswegs erfüllt haben, für den Reichssäckel auf 18—20 Million« zu schätzen ist, und daß daher die Abschaffung der Steuer erst dann ins Auge gefaßt werden könne, wenn die Reichsfinanzreform Ersatz für den Ein- nabmeausfall schaffe. Man weist darauf hin, daß es ein Fehler und ein Mangel bei einer wirklich großzügigen Finanzreform sein würde, wenn nicht die Abschaffung, sondern nur die Abänderung bet Fahrkartensteuer beschlossen würde. Im letzteren Falle würde dann wohl das richtigste fein, um neuerdings Fehlschläge und Fehlwirkung bei der Fahrkartensteuer zu vermeiden, unter Freilassung der Fahrkarten mit einem Fahrpreise von unter zwei Mark, einen durchgehenden, sehr niedrigen Wertstempel auf die Fahrkarten aller K l a f f en zu legen. Sie würde die Abwanderung von einer Fahrklasse in die andere, die die Fahrkartensteuer in ihr« jetzigen Gestalt in großem Umfange mit sich gebracht hat, nicht verursachen." — Das Ergebnis der „Reform" wird alfo fein, daß auch dievierte Klasie mitbesteuert wird. Der Block wird's schon machen.
* Im Spionageprozeh Schiwara wurde gefietn das Urteil gesprochen. Schiwara wurde wegen Verrates und versuchten Verrates zu 12 Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt.
— Amnestie für Fahnenflüchtige. Der Landesausschuß von Elsaß-Lothringen hat die Regierung aufgefordert, sich dafür zu verwenden, daß diejenigen Elsaß-Lolhring«, welche bis zum Jahre 18WO wegen Fahnenflucht rc. bestraft worden sind, die Strafe, soweit fte noch nicht verbüßt fft, erlaßen werde.
.-. Die ostasiatische Expedition ist im letzten Winter vom Abg. Erzberger scharf unter die Lupe genommen worden; er hat namentlich die Geldverschwendunng als geradezu unerhört gekennzeichnet, sowie Verringerung und Zurückziehung d« Truppen gefordert. Er sagte: „Von 1900—1908 einschließlich dieses Etats Hal uns die Expedttwn insgesamt 21)3 Va Millionen Mark ohne ZinS und Zinseszins gekostet. Nahezu 300 Millionen Mark Haden wir also für diese Expedition, unbekümmert um die Ausgaben für Kiautschou mit 110 Millionen Mark, ausgegeben. Gegenüb« dieser hohen Summe kann man nicht sagen, daß wir das Geld von China wieder- «haltm würden, denn die EntschäoigungSschuld beträgt nur 275,165,433 Mark 32 Pfg., und diese Gesamlsumme ist «st bis zum Jahre 1940 rückzahlbar. Die Pensionen, die jetzt schon die Höhe von nahezu 3Vs Millionen Mark erreicht haben, bleiben noch auf eine ganze Reihe von Jahren und belasten das Ordinarium des Etats ganz gewaltig. Diese Pensionslast ist noch lange nicht auf ihrem Höhepunkte angekommen, denn sie wächst von Jahr zu Jahr an. Im Jahre 1908 allein ist eine Zunahme um 401.« «00 Mark vorgesehen — also in einem Jahre beinahe eine Steigerung um eine halbe Million Mark. Der Redner wies darauf hin, wie die
lichen Leben überhaupt, und ich dachte nur daran, was und wie ich werden möchte."
„Was um des Himmels willen hat Ihnen solche alte Weiberideen in den kleinen Kopf gesetzt, Nelly?" fragte Gildon verwundert und etwas ungeduldig. „Sind Sie in einer Kirche gewesen, oder sind «Sie einem Missionär in die Hände gefallen?"
„Ich will es Ihnen sagen, Mr. Gildon. Auf einem Spaziergänge heute nachmittag begegnete ich einem jungen Manne —"
„Das dachte ich mir!" rief Gildon, sie unterbrechend.
„Er war jung und schön, wie ein Apollo, mit Augen so blau, wie die See da unten am Fuße der Terasse, und mit Haar von der Farbe des Sonnenscheins!"
„Natürlich ist eine Beschreibung, wie sie Verliebte zu machen pflegen!" sagte Gildon, mit dumpfer Stimme, und die Eifersucht flammte in seinen Augen. „Und er war groß und schlank, von stolz« Haltung; er war schön, nobel, liebenswürdig und so weiter?"
„Ja", sagte Nelly einfach.
Gildon starrte sie mit wilden Augen an.
„Und er war gewiß ein Engländer?" fragte er weit«.
„So! Und Sie schämen fich nicht, fo ruhig da zu fitzen und mir Ihren englischen „Apollo" zu beschreiben? Wo bleibt da Ihre weibliche Sittsamkeit, Ihre mädchenhafte Zartheit? Und MeS ist die Art", fügte er zischend hinzu, „wie dieser Vitus seinen Dienst versieht? Aber ich will den Schurken morgen sofort entlasten!"
„Das haben Sie nicht nötig", entgegnete Nelly ruhig. „Vitus hat Ihren Befehl, jede meiner Bewegungen zu beobachten, streng befolgt. Er hat mich nicht einen Augenblick aus den Augen gekästen."
„Ader er hat mir Ihr Zusammentreffen mit dem junaen Engländer nicht berichtet."
Regierung stets Zulagen auf Abberufung d« Truppen gegeben habe, ab« diese nicht einlöfe. Rußland habe nocy 116 Mann daselbst, die Un>on 151, Belgien 31, Deutschland 730 Köpfe. Die Seeverbindung mit Kiauttchou fei so günstig, "aß man stets von hi« aus Truppen nach Peking werfen könne. Für den Schutz des ost- asiatischen Handels gebe Deutschland im Jahr« mindestens 30 Mill. Mk. au8, während d« ganze Handel mit China nur 60 Mill. Mk. betrage. Aus je 4 Mann komme ein Unteroffizi« und auf 22 Gemeine und Gesreite ein Olfin«. ES seien nicht weniger als 5 Aerzte für 689 Mannschaften draußen. Die Mannschaften erhalten KriegSgebührniffe. Dazu aebe es eine Menge von Zulagen. Jeder Ofsizi« erhalte pro Tag 9 Mk. Teuerungszulage, obwohl er aut Kosten deS Reiches verpflegt w«de und der Gemeine erhalte 1 Mk. Teuerungszulage. Ein Oberstleutnant beziehe an Gehalt und Zulagen zusammen 33790 Mk. (Hört! hört!), und davon feien nicht weniger als 31105 Mark pensionsfähig. (Hört! hört !) — Der Block hat sich natürlrch durch diefe Ausführungen nicht beirren lasten, « hat glatt bewilligt; er hat kerne Abstriche gemacht und das Auswärtige Amt wollte von ein« Zurückziehung der Truppen nichiS rotff en. Wie aber geht nun Frankreich vor? Di« ,Frkf. Ztg? (Nr. v. 23. 5. 08) teilt über die Ent- schließungen der Regierung mit:
Bei dem Kriegsbudget ist eine Ersparnis von IV» Mill. Mk. durch die Unterdrückung der Brigade vorgesehen, die feit den Ereigniflen von 1900 in China untergebracht ist. „Indem wir verbuchen, unsere Truppen aus China zurückziuiehrn," Heist es in der Bortage, „beabsichtigt die Regrerung gleichzeitig ihr Bestreben, zu bekunden, militärischen Ausgaben ein Ende zu machen, die nicht mehr unentbehrlich erscheinen, und ihren festen Willen, die Zersplitterung der Anstrengungen zu vermeiden, unsere milttärische Mlion zu koordinieren und unsere Streitkräfte zu vereintgen. Die Regierung dachte überdies, daß China nicht ermangeln werde, unS die berechtigten Entschädigungen zu gewähren, die wir erwarten dürfen und die die Regierung der Republik zu fordern fest entschloffen ist".
In Frankreich ist es also die Regierung selbst, die eine Verminderung der Ausgaben vorfchlägt.
* Professor Schnitzer soll sich, so berichtet d« München« Korrespondent d« ^Berliner Morgenpost* b« Kurie unterworfen haben. Der Korrespondent b«ichlet: Nach Mitteilungen von informierten kirchlichen Kreisen in München kann auf daS bestimmteste versichert werden, daß sich Professor Schnitzer „acht Tage vor dem heiligen DfterfefP, um mit dem Wortlaut d« Mitteilungen zu sprechen, „demütig unterworfen feine Irrlehren als gläubig« Christ b«eut und flehentlich gebeten hat, ihm das AergerniS, vaS « durch feine Irrlehren gegeben, zu verzeihen". Dies« .Unterwerfung ging ein lang« Schriftwechsel mit dem NuntiuS Frühwirth voraus. Professor Schnitzer ist bekanntlich nach Japan gereift, um dort die Einrichtungen der katholifchen Miffionen zu ftubi«en. Diese Reise hat er, wie die,Morgenpostt weiter berichtet, nicht auf eigenen Wunsch gemacht, sondern sie «folgte auf Anweisung des Vatikans. Wir geben diese Mitteilung, wie wir sie finden. Die Verantwortung für ihre Richtigkeit mflffen wir dem Berlin« Blatte fiberlaffen.
* „Eine neue Razzia wider die Modernisten?* Unter dieser geschmackvollen Ueberschrift schreibt die „Tägl. Rundschau":
„Vielleicht hat er es keines Berichtes wert gehalten."
Mr. Gildon wurde immer verwirrter.
„Ich werde mit dem Burschen sprechen", bemerkte er. Es scheint, daß ich ihm einige weitere Instruktionen geben muß. Doch, um auf unfern vrinzlicheu englischen Apollo zuriickzukommsn", fuhr er mit einem höhnischen Lächeln fort; „besaß er denn jene hohe geistigen Gaben, von denen Sie eben mit so vielem Selbstbewußtsein spräche? Doch warum frage ich? Natürlich hatte er, um Ihren romantischen Stil in der Beschreibung zu adoptieren, einen erhabenen majestätischen Geist."
„Nein, diesen hatte er nicht.«
Mr. Gildon blickte überrascht auf.
„Ihr junger Halbgott war also etwas mangelhaft?" fragte er. „Er war ein junger Stutzer?"
„Nein", sagte Nelly sorgenvoll. „Er war — wie soll ich sagen? — Er hatte seinen Verstand verloren. Er weiß nichts von seiner Vergangenheit — nicht einmal seinen Namen."
Mr. Gildon erschrak.
„Bei Gott!" stammelte er. „Sie meinen doch nicht, daß er blödsinnig ist?"
„Ich möchte ihn nicht gern blödsinnig nennen", erwiderte Nelly mit tiefer, schmerzlicher Stimme. „Ich habe immer gedacht, daß Blödsinn mit Schlechtigkeit und Dummheit bereinigt wäre, und er ist weder schlecht, noch dumm ober albern. Er war ernst und ruhig, seine Stimme war tief und traurig und sein Benehmen was das eines Mannes von Erziehung."
,^urz", spottete Gildon, „er war das Muster von einem Irrsinnigen."
„Die Frau, welche die Pflege und Aufsicht über ihn hat, sagte mir, daß « der Reisegesellschaft« eines reichen Engländers war und daß er bei einem Schiffbruch eine gefährliche Wunde am Kopfe «hatten habe. Der Doktor, ein geschickter Mann, habe gesagt, daß seine Herstellung unmöglich sei. Er sei ein Irrsinniger für immer!" lForttekuna folatl