35. Jahrgang
Fulda, Samstag den 80. Mai 1908.
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bai eingeleitete Verfahren wegen Meineids wird ausreichende Gelegenheit geben, alles vorzudrin- aen, was sich über die geschlechtlichen Verirrungen während des ganzen Leben- de- Fürsten auftreiben läßt. Da- gibt einen gewaltigen Sen- fationSprozeß, für den die Aussichten Hardenü viel bester stehen, als für ehren neuen Prozeß m Sachen Moltke. Allerdings wird Harden da- halbe Jahr Gefängnis los werden wollen. Dem Grafen Moltke kann ja auch an bet Bestrafung wenig gelegen sein, nachdem die Verhandlungen vor der Strafkammer für ihn so günstig verlaufen sind. Darum liegt es wohl im Bereiche der Möglichkeit, daß dieser Teil de« Harden'schen Feldzuges, der Kampf mit dem Grafen Mostke, auf dem Wege der Verständigung beigelegt werde. Dieser Wunsch geht nicht au« Interesse an den beteiligten Personen hervor, sondern lediglich auS Erwägung, daß jede Wiederaufrührung des Schmutzes ein schwerer Schaden ist für die guten Sitten in Deutschland und für das Ansehen Deutschlands im Auslande. Der unvermeidlich« Prozeß Eulenburg wirb in dieser Beziehung schon ungeheuer viel Schlimmes leisten.
In Belgien haben die Wahlen, soweit sie die Deputiertenkammer angehen, einen kleinen Verlust der christlich-konservativen RegierungS- Mehrheit mit sich gebracht. Die gegnerische Presse jubelt darüber. Wenn sie sich aber die gewaltigen Anstrengungen vors Auge hält, mit denen die liberalen und sozialistischen Verbündeten bte- sesmal in den Kampf gezogen find, dann ist der Verlust von zwei Mandaten von der „klerikalen" Mehrheit wirklich kaum ein Verlust, zumal bet der Wahl zum Senat die so bitter bekämpfte Re- gierungspartei gar noch einen Gewinn hatte. Am ärgsten find die Liberalen daran. Sie Haden sowohl bei der Deputiertenkammer als auch bei der Senatswahl mehrere Mandate verloren. Wenn sie also über eine „Niederlage des Kleri- kalismus" jubeln, dann ist daS doch wohl nur ein Versuch, sich über ihr eigenes Unglück hintveg zu täuschen.
In Marokko hält es die französische Regte- rung nun tatsächlich für geboten, weiteren Eroberungszügen Einhalt zu tuen. Die französischen Politiker glaubten ganz besonders klug zu handeln, wenn sie sich hinter den alten Sultan Abdul Asis steckten, ihn durch Anleihen unter französisches Kommando brächten und auf diese Weise ein Protektorat herbeiführten, das eines Tages zur Annexion des Landes führen müßte. Durch das Auftreten Mulay Hands und feine großen Erfolge gewann die Situation aber ein anderes Gesicht. Jetzt hat der Abzug Buchta beit Bagdadis und der Einzug Mulay Hasibs in die alle Hauptstadt Fez die letzten Hoffnungen Abdul Asis' gründlich zerstört, und damit ist die Aussicht Frankreichs, auf dem Umwege über ein Protektorat Marokko in eine französische Kolonie zu verwandeln endgültig geschwunden. Tie französische Negierung hat nunmehr Verbindungen mit der Reichsregierung angeknüpft, und der französische Botschafter Eambon und der Staatssekretär im Auswärtigen Amte von Schoen haben Verhandlungen gepflogen, deren Refultat '.st, daß das Schaujagebict allmählich geräumt werden und die Wiederkehr normaler Zustände durch Zurücklassung militärischer Posten gesichert werden soll, die gemeinschaftlich von französischen und marokkanischen Truppen gestellt werden und nach und nach in marokkanische Hände übergehen sollen. . _ r .
Ter afghanische Krreg, den England augenblicklich wegen des Aufstandes bcr Moh- mandS durchziikämpfeu hat, zeigt wieder, wie
vernehmen zwischen Frankreich und England zu einem dauernden Einvernehmen werde, d. h. sich zu einer Allianz, einem Schutz- und Trutz- bündni» verdichten möge.
Die Rüstung für die prLchischsn Land- tag »wählen ist vollzogen; der Schlachttag sicht bevor. In diese» Tagen wird jedermann erst recht klar, welche Schattensellen daS bestehende Wahlrecht hat. Man mag das Wahlrecht anfassen, wo man will, bei der Einteilung der Wahlkreise, bei der indirekten Wahl, bei der Drit- telung der Urwählerkreise, bet der Oeffentlichkeit der Wahl, überall stößt man auf Willkür und Unstimmigkeiten. DaS Zentrum ist gut gerüstet und hofft mit Recht auf einen schönen Erfolg, den es auch durch seine Arbeiten im letzten Land- tage reichlich verdient hat.
Da- Urteil int M o lt ke-Har d en-Pr o- zeß fft vom Reichsgericht aufgehoben worden. Soll es nun zu einer neuen Verhandlung über die angeblichen und wirklichen Geheimnisie deS Hauses Moüke kommen? Haben wir nicht schon genug und übergenug an den zwei borbergegangenen Moltke-Prozessen? Um so mehr, als das Strafverfahren gegen den Fürsten Eulenburg, da» den Kern der ganzen Enthüllungsaktion berührt, für die nächste Zeit bevorftehtl Viermal an derselben Kloake vor versammeltem Volk die Pumpen in Tätigkeit treten zu lassen — da» ist doch eine allzu starke Heimsuchung. Das Reichsgericht hat das Urteil aufgehoben wegen eines Versehen- bei der Prozeßführung und wegen eines kleinen Rechtsirrtums im Urteil. Eine sehr interestante und wichtige Rechtsfrage ist lewer ungelöst geblieben, nämlich die vielbesprochene Frage, ob bei dem nachträglichen Eingreifen der Staatsanwaltschaft chas schwebende Privatklageverfahren in dem bis dahin erreichten Stadium der Berufung roerter geführt werden mußte oder ob es in der ersten Instanz neu begonnen werden durfte. Die Bernfungs- kammer hatte die Einstellung des bisherigen Verfahrens beschlossen und darauf hatte die Strafkammer als erste Instanz verhandelt und entschieden. Der Reichsgerichtssenat scheint nun die Korrektheit dieses Verfahrens zu bezweifeln; aber er sagt, der Angeklagte habe oen zulässigen Einspruch gegen den Einstellungsbeschluß Unterlasten, infolgedessen fei die Sache nicht mehr rechtshängig gewesen und also die Strafkammer erster Instanz zuständig geworden. Es bleibt also in diesem Punkte bei der bisherigen Unklarheit des Rechts. Man sieht, daß das Strafrecht sehr reformbedürftig ist und daß bei der Reich- haltigkeit unserer formellen und materiellen Rechtsvorfchriften auch die gewiegtesten Fachmänner sich gelegentlich versehen können. Dem Angeklagten Harden, der zu sechs Monaten verurteilt war, ist ja jeder Vorteil zu gönnen, wenn man auch mit seiner Art des Vorgehens und erst recht mit der Art seines Verteidigers durchaus nicht einberftanben sein kann. Für den Grafen Moltke ist es eine schwere Heimsuchung, wenn er noch einmal, zum drittenmale, das peinliche Verfahren über sich ergehen lassen muß- Denn eine grausame Folter ist es auch bei dem günstigsten Ausgang. Run ist wohl alle Mit darüber einig, d-aß Graf Moltke eine politisch belanglose Persönlichkeit ist, deren Durchleuchtung mit Röntgenstrahlen kein öffentliches Interesse bietet Harden und fein Verteidiger hatten es ja auch weniger auf den Grafen Moltke, als auf beuJ5 ü r • st en Eulenburg abgesehen. Den Fürsten Eulenburg haben sie ja nun gestellt mittels der nachträglichen Enthüllungen von München. Der Fürst ist in Untersuchungshaft genommen, und
Deutsches Reich.
• Wo bleibt die Solidarität der Presse? Bet dem bekannten Journalistenstreik im Reichstag glaubten die Vertreter der deutschen Presse sich mit zwei ungezogenen Journalisten solidarisch erklären zu müßen, welche die Abgg. Gröber und Erzberger unterbrochen hatten. Freilich ging el damals gegen das Zentrum, und die Bekämpfung dieser Partei gehört mit zu den „nationalen Aufgaben." Ganz anders bei der Einweihung der Hohkönigsburg! Die deutsche Presse war ba> bet so schlecht behandelt worden, als sie es — va> dient I Mit Mühe und Not hatte die elsaß-lothringische Presse Einladungskarten erhalten, uttt vom Fuße des Berges aus die Feier,mit anzusehen. Dagegen war die gesamte Par if et Presse, darunter Hetzblätter tote der Petit Pa- risien, durch Herrn Schiff, den Pariser Direktot des Wolfffchen Depeschenbureaus, im Auftrage der deutschen Botschaf_t etngelaßen toorden. — Und so was läßt sich di- deutsche Presse gefallen!
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Wenn man hört, daß ein Mädchen aus einer katholischen Familie Häckel und Buchner liest, bte Propheten des Materialsmns, und daneben noch Ellen Kay, die dm Frauen vom „Schrei nach dem Kinde" und von freier Liebe vorschwärmt, so ergreift einen Angst und Schrecken. Und anderswo werden moderne Romane verschlungen, die de» Geschlechtstrieb auf Backofenhitze treibe» unb das Zartgefühl auf 0 Grad herabdrucken. Was Wunder, wenn c8 da zu traurigen Srnmingen und entsetzlichen Skandalen kommt? Aber auch hier gilt die soeben erwähnte Erztehungsrogel: d.aS Verbot und die Beseitigung schlechter Schriften tut es nickt allein; wenn der Lesetrieb da ist, so muß für gute Bücher gesorgt werden, und zwar nicht'bloß für Erbauungsbücher, sondern für an- rcoende belehrende, unterhaltende Bircher, bte tn die neuzeitlichen Verhältnisse passen und den be- rocktigten Drang nach Fortotldun« und Gemuts- anffrischung befriedigen. Martin Eltern muß es ausdrücklich gesagt werden, daß man für solche Schriften Geld ansgeben darf und soll, ebensogut wie für einen modernen Hut oder eine neue Krawatte. Wenn doch die heillose Ftlzmkeck ge- genilber den guten Büchern endlich zu befetttgen wäre! ... —
Ein dritter Punkt ist daS Anhalten zur A r- beit. Die meisten Ärgernisse gibt es dort, wo die Sprößlinge nichts rechtes zu tun haben. Müßiggang ist aller Laster Anfang. Dieses alte Sprüchlein kann man überall höret, aber man finbet es nicht überall betätigt ®er ferne be- riebtaenbe Beschäftigung hat. stutzt krampfhaft nach «nem Zeitvertreib, und dabei gerat er leicht an einen schlimmen Zeitvertreib,.— erst tn Ge- danken und dann in Werken. Prinzessinnen vom Stande und „Prinzessinnen" der Einbildung .„bekräftigen" sich gern mit Modesachen, Kunstiptele- rei Gesellschaften, Wohllätigkettsbazaren, Lieb- Habertheater, Badereifen und dergleichen. DaS ist alle» Firlefanz, der leere Stunden und feere Stellen in Kopf imb Herz zurmffaßt Es fehlt der solide „Leben-inhalt". Um den Hunger zu stillen, greift man schlieUich noch dem ersten heften oder vielmehr ersten schlechten Brocken, der irgend wie zu fassen ist.
Unter bet ArbeitSlofiakvten leiben nicht bloß
weitreichend die Vorbereitungen sind, die England dort getroffen hat. England hat das ganz« zwischen Afghanistan und Indien liegende Gebirge seit Jahren mit einem großen Wegesystem durchzogen, Magazine angelegt usw. Die Anlage erfolgte in der Absicht, einen russischen Einfall in Indien abzuwehren. Jetzt kommt den Eng- ländern das gegen die Afghanen zugute. Trotzdem wird England deS indischen Besitzes nicht recht froh; die unruhige Stimmung breitet sich von Tag zu Tag weiter auS. .
Die chinesische Regierung traut den Japanern, die ihre Kämpfe mit den Koreanern durch eine strenge Preßzensur zu verheimlichen gesucht haben, nicht mehr; sie befürchtet, daß bte Japaner bei diesen Kämpfen auch chinesisch« Distrikte in Mitleidenschaft ziehen könnten. Daher schickte sie eine größere Truppenmasse an die koreanische Grenze. — Im Süden, in der Provinz Mnan, steht die Beruhigung bevor; die Aufrührer vermögen, nachdem die Regierungstruppen sich wieder aufgerafft haben, nicht mehr stand zu halten.
AnpMAche SeMaafe
<U) Berlin, 27. Mai 1908.
(Nachdruck verboen.)
In diesem Monat Mai, der nicht gerade .„wunderschön" war, ist wieder einmal eine Prin» -zessin ans einem alten fürstlichen Hause mit einem „Auserwählten ihres Herzens" auf und davon gegangen. Karlsbad und Wien war der Schauplatz deS Liebesromans; in England, dem klassische» Zufluchtsort auffässiger Liebespaare, soll vermutlich eine Heiratsurkunde erzielr werben. Nach berüchtigten Mustern! Böse Beispiele verderben gute Sitten. „Er" war früher Oberleutnant in der österreichischen Armee und wurde nach feinem Abgänge Vertreter einer Automobil- ■ firnur in Karlsbad. Als solcher fuhr er mehrmals die dort weilende Prinzessin.. Das Auto- piobtl passte, wahrend die Insassin sich in den fführet vergaffte. Das würde ja die Oefsent- ichkeit nichts angehen, wenn nur bi« beiden Leutchen im Gleise der fluten Sitte und der häuSü- ä)en Ordnung geblieben wären. Dann hätte eS einige Famllienfzenen gegeben; jetzt ist es zu einem Skandal gekommen, der weithin seine tie- {en dauernden Schatten wirft. Hatten wir denn n bat letzten Jahren nicht schon Skandal genug in den Kreisen hochgestellter Weiblichkeit? Wenn man toiffen will, was sich ziemt, soll man nach dem allen Dichterspruch bei edlen Frauen anfro- gen. DaS scheint veraltet zu fein. Wir müssen rteueebing» grauen, die nach dem Eothaischen Ka- fent« hu den aHerebelften gerechnet werden, als tveltberüchtigte Borkämpferinnen des Unziemlichen anjtaunen. Auch ein Stück von der modernen Emanzipation und Gleichstellung mit dem raänn- »ichea Geschlecht! Wenn jetzt von einer Entführ- hmg die Rede ist, so muß man erst untersuchen, ob tzr sie ober nicht vielmehr sie ihn entführt hat.
Der Bürgerstand Lors auch nicht feine Hände *n Unschuld waschen. Neulich ist ja der Fall Han in warörube noch einmal breitgefreten worden. IXirt fing er auch mit der Flucht deS PärchenS Pn, und dar Eiche der „romantischen "Ehe war Word und Selbstmord.
Wochen-Rundschau.
S! Fulda, 30. Mai 1908.
Dfe Weltlage ist am besten, wenn ntemand von ihr spricht. Augenblicklich aber wird über die hohe Politik viel gebrütet, gerebet «nd geschne- ben. Namentlich hat Lte Ankundtguna der Fahrt des Königs Eduard nach Reval zu einem feierlichen und ausgiebigen Zarenbesi^e getoint wie ein Steinwurf tm Teiche. König gbuart ist der bewährte Minister der Politik im Umher» ziehen; wo er Station macht, da pflegen Bund» nisse emporzuschießen. Man fragt sich, Rußland noch enger, als es durch das mittelasiatische Abkommen geschehen, mit sich und England verketten will. Dazu kommt, daß der Pra- fident der f r anz ös i schen Republik nach London gereist ist und daß amh ein Besuch dieses selben Präsidenten in Rußland tn Aussicht gestellt wird, ja sogar eine Erwiderung dieses 33e> suches durch den Zaren tn Frankreich. Soll dar ben Eintritt Englands in bas russisch-franzo- fische Bündnis, bte Begründung eines tt e u e n Dreibunbes bedeuten? Welche Zwecke konnte diese Fortsetzung der Eduarüschen Bündnisfabri- kasion verfolgen? Es wird gleichzeitig gemeldet, baß Rußlanb ben Rest der mandschurischen Eisenbahn zwischen Charbin und Kwangtschöngffe an Japan verkauft habe; das bedeutet einen weiteren Fortschritt in der Verständigung Rußlands mit Japan, dem hinterasiatischen Bundesgenossen Englands. Die Entlastung in Hinter- asien macht die russische Anternehmungslnst verfügbar für andere Gegenden. Zunächst für Mittelasien, wo neben den afhganischen Wirren die kritischen Vorgänge in Persien die Handhabe für russische und englische Vorstöße bieten können. Viel näher liegt uns ein anderes Feld, baS für gemeinsame Unternehmungen in Betracht kommen konnte: die Türkei und die Hehtei en Balkan st aalen. Seit der Verkündigung des österreichischen Sandschakbahiiplanes ist Rußland von der engeren Gemeinschaft mit Oesterreich abgerückt. Alsbald ist England in die vordere Reihe getreten, und die englische Presse hat nicht versäumt, einen Gegensatz zwischen Deutschland und Oesterreich, als den Beschützern des Sultans, und den übrigen Mächten an die Wand zu malen. Kein Wunder, wenn das Auftauchen einer englisch-russisch-französischen Annäherung die Befürchtung erweckt, baß im Südosten unmittelbar gegen die österreichischen und mittelbar gegen die deutschen Interessen etwas vorgehen könnte. Dazu kommt nun noch die gespannte Lage in Marokko und die daraus sich ergebenden Schwierigkeiten für die Aufrechtsballung des Abkommens von Algeciras. Tas alles muß zum Nachdenken und zur Vorsicht ftini- mcn. Die Ankündigungen, daß König Eduard im Sommer mal über Homburg fahren und dort bei einer nicht mehr ungewöhnlichen. Denkmals- «tthüllung ein paar Stunden bei Kaiser Wilhelm verweilen werde, und daß auch eine Begegnung des Kaisers Wilhelm mit dem Zaren auf der Ostsee bevorstehe, können nicht als vollwichtiger Ausgleich gegenüber de» jetzigen Staatsbesuchen gelten.
Fallitzres wurde in London begeistert ausgenommen. König Eduard äußerte bei einer dem französischen Präsidenten zu Ehren gegebenen Festlichkeiten ben Wunsch, daß das herzliche Ein
Wer Kinder im kritischen Alter zu betreuen hat, kann leicht die Angst bekommen. Auch bte Eltern, bte in der christlichen Erziehung ihres Nachwuchses bas ihrige nach besten Kräften getan haben, find nicht sicher vor dem umherschleichenden Zeitgeist, her die alte Zucht und Sitte zu zersetzen droht. Da heißt es wachsam sein und zugleich klug.
Jawohl, Klugheit gehört dazu, eine gewiße Diplomatie. Mit brüskem Kommando und roher Gewalt ist es nicht getan. Die Eltern oder deren Stellvertreter müssen vor allem darauf sehen, daß sie das Vertrauen der aufgeschossenen Jugend sich erhalten. In den jungen Köpfen darf sich nicht die Ansicht enrniften: die Eltern — das sei der Feind, gegen den man mit List oder Gewalt sich wehren müsse. Sie müssen vielmehr,überzeugt bleiben, auch in den Jahren der Mündigkeit, daß die Eltern ihre heften Freunde und treuesten Berater sind, zu denen man in allen Zweifeln und Nöten die erste Znftucht nehmen mutz. — Große Kinder darf man nicht ebenso behandeln wollen wie kleine. Wenn man die elterliche Autorität in der Sa che retten will, so muß in der F o r m der jeweiligen Entwickelungsstufe des KindeS Rechnung getragen wsden. Wird der Botzen zu straff gespannt, so bricht er.
Ueverw achung ist nötig; aber sie mutz in solcher Weise erfolgen, daß dec Sprößluig sich nicht verletzt und bedrückt fühlt. Sonst wird er leicht in die Heimlichkeit gedrängt.
Zu überwachen ist zunächst der U m gang. Dabei handeft es sich aber nicht ausschließlich um bei Umgang mit Personen deS anderen Ge- MochtS. Nein, den Grund zur Berwildermitz tm Denken und Fühlen leget meistens bet einem Mädchen bte leuOfinnigen Freundinnen, bei bem Jüngling die frivolen Kameraden. Wenn f» die Frömmigkeit und die Schamhaftigkeit untergrabet ist, Ktnrt findet sich bald ein Vertreter des anderen Geschreis, der von der vollzogenen ^Aufklärung" profitiert. ES genügt aber nicht, den bedenklichen Umgang abzuschnsden. Einen gewisse« Verkehr mit Gfeicholtrigen wollen bte @prö&linge haben. Man muß also dafür sorgen, daß sie brave Jugeudgenoffen findet.
M'mdefteps ebenso wichtig ist die Lektüre.
die armen Leute, welche im Winter die Wärm»« hallen und im Sommer die ParLbänke füllen. Viele Sprößlinge aus hohen und reichern Häufen» geraten aus Arbeitsniangel inS Verderben. Wehe dem, der umherlungert. Ob in Bettellumpen ob« in einer feinen Kluft gefaulenzt und gebummelt wird, — der Schaden für Seele und Leib stellt sich immer ein. Ein wahres Glück, daß wenigstens die männlichen Sprößlinge noch meistens in eine ordentliche Berufsarbeit geschoben werben. Für bas weibliche Geschleä)t war früher bte stramme, vielseitige, fruchtbare und hochgeehrte Hausarbeit ein Jungbrunnen der Gesund» beit, Tugend und Zuftied«ihett. Aber die Zeiten, wo Königinnen spannen und webten, Prinzessinnen wuschen und nähten, Edelfrauen backten und brieten, find dahin. Was früher im Haufq selbst her gestellt wurde, wird jetzt größtenteils „außer dem Hause gemacht", und ben Rest läßt man möglichst durch dienende Geister besorgen. Daher die starke Bewegung, die dem weiblichen Nachwuchs Berufsarbeit schaffen will. Den be» tätigten Kern sollten alle Eltern beachten, auch die wohlhabenden. Denn mag auch das Mädchen es nicht nötig haben, für ihr tägliches Brot zu ar. beiten, so soll sie doch arbeiten, und zwar ernstlich arbeiten, um gesund, brav und glücklich zu bleiben.
Viele Leute klagen über das Maiwetter mit feinem Regen und Hagel, feinen Gewittern und Stürmen, seinen Stürzen auS der Wärme in die Kälte. Ist daS ein erquickender Frühling? Kant» daraus ein gesegneter Sommer und Herbst werden? — Nur mcht gleich verzagen. ES geht ja nach alter Erfahrung im Frühjahr nicht so glatt und sanft ab, wie man es wohl Haden möchte, und schließlich pflogt doch alleS noch leidlich sich zu ordnen. Im Frühling des Lebens gibt es «4 häufig Sturm und Rogen, Gewitter und Frost- schauer. ES geht selten ohne alle uttangerujmen Zwischenfälle und herben Heimsuchungen ab. Da dürfen die Estern und die Freunde nutzt g uh k— «n1rf h»rlteren und auch nny" ote <s>eouu> Sieben Es gckt mit Ausdauer und Klugheit zu schützen und zu pflegen, was noch zu haften tjfc unb bte junge ®oat möglichst heck hinüber zu retten in bte ruhigeren Tage beS reiferen Alter», j
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