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«-scheint täglich M Aurnehmr der So«, mdKeiertage. Viertel« Ehrlich«, ye;ugrprett ohne Bringerlohn und VesteLgeldinKuldas«' «itmuwSrtrl.soMk.

Verantto. Redakteur:

Carl Schütt«; für die Anzeige«:

-.ParreLrr in §»W«.

JA 124.

Zeitung

Fuldaer

Suzeige»: vt« «S fpalttge peMzeüe obet bereit Sau« 15 Pfg. Seklameodiepetttzeil» 25 psg., bei Wiede» Holungen wird entfpt. Rabatt gewährt.

RotationedruSund Verlag der Fuldaer Sk> tiendruckerei tu Fulda Fernsprecher Rr. 9.

Fulda, Samstag den 30. Mai 1908.

35. Jahrgang.

Drittes Mlatt.

* Die Wichtigkeit der Landtagswahl.

Nicht ohne Grund ist die Ansicht allgemein verbreitet, daß die diesmaligen Wahlen von ganz besonderer Wichtigkeit seien. Deshalb mühen sich auch alle Parteien, Möglichst viele Bürger für ihr Programm zu be- geistern. Auch das Zentrum hat tn einem klar und entschieden gehaltenen Aufrufe an die Treue seiner Wähler appelliert. Dieser Appell wird nicht vergeblich sein; nicht nur die alten, treu er- probten Wähler, sondern auch manche andere werden in der jetzigen so unklaren Lage unserer Politik dem Aufrufe des Zentrums ihren Beifall angedeihen lassen.

Es wäre nun nicht schwer, manche auf dem Boden der inneren Politik liegende Grunde anzuführen, unsere Gesinnungsgenossen zu tat­kräftige mH an 6 e In anzutreiben, damit daS Zentrum wenigstens in imponierender Stärke in das Landtagsgebäude in Berlin einziehe. Doch wollen wir Politik heute mal ganz ausschalten und statt dessen ein Blick auf das religiöse Gebiet werfen. Und da behaupten wir klar und bestimmt: Die Existenz eines, starken Zentrums ist eine durch die christlich-religiösen Interessen durchaus gebotene Notwen- d i g k e i t.

Bis zum Ueberdrutz oft hat man uns ver­sichert, kein Mensch denke an Kultur­kampf. — Die Botschaft höre ich Wohl, doch fehlt der Glaube. Daß in den höchsten Spitzen der Regierung keine Kulturkampfgelllste vorhan­den sind, kann man zugeben; aber wie steht es mit den Parteien? Auch für den preußischen Landtag soll, wenn möglich, eine große liberale Parteivereinigung geschaffen werden, deren Kern und Pfadweiser die Nationalliberalen bilden würden. In den Reihen der National­liberalen sitzen die eigentlichen Kulturkämpfer.

Zum Ueberflusse haben sie auf einem Partei­tage in Magdeburg und durch ihre Wahlaufrufe ihren kulturkämpferischen Charakter kundgegeben. Es handelt sich für diese Herren zunächst darum, durch Schaffung einer liberalen Majori­tät unter nationalliberaler Führung, das Schulgebiet vollständig zu erobern, oder, wie es im liberalen Phrasendeutsch heißt, die S ch u l e doll und ganz dem Staate zu über­weisen und zu verhindern, daß sie der Kirche au8p elief ett werde. Ebenso handelt es sich um die Freiheit der Hochschulen von jeglicher Art der „Bevormundung"; auch die theolog­ischen Fakultäten sollen sich vollständiger Lehr­freiheit erfreuen, so daß alle theologischen Rich­tungen in ihnen zu Worte kommen.

Letzteres wird wohl in erster Linie auf die katholischen Bischöfe gemünzt sein. Bekannt­lich ist es den Liberalen ein wahrer Greuel, daß die Dozenten der katholischen Theologie in bezug auf Korrektheit der Lehre den kirchlichen Oberen unterstehen. Neben den katholischen Bischöfen mögen liberalerseits auch die ortho- doxen Aufsichtsorgane der „evange(L Landeskirche" ins Auge gefaßt worden sein.

Die Wünsche der Linksliberalen decken sich dem Wesen nach mit diesen Forderungen der Nationalliberalen; nur in der Form sind die .Linksliberalen entschiedener. Als gemeinsames Ziel aller liberalen Parteigruppen bei der bevorstehenden Landtagswahl kann man die '»Zerstörung der konservativ-kleri­kalen Mehrheit" und Ersetzung derselben durch eine liberale bezeichnen.

Demnach sind die Konservativen und das Z e n t r u m die von den Liberalen in gleicher «1» —■ l ii, ——l—■

Der falsche Erbe.

Roman von Ed. Wagner. .

16] (Nachdruck verboten).

Er blieb stehen, trat dann wieder an den Tisch und setzte sich, indem er fortfuhr:

„Es muß geschehen! Soll ich die besten Chan­cen, die je ein Mann hatte, einer bloßen Senti- lNEEät wegen aufgeben? Nein, niemals. Und H zwischen mir und meinen glänzenden Aussichten stehen.

Nochmals studierte er sorgfältig Guidos Hand­schrift, dann begann er zu schreiben:

„Marseille, am 15. November 18—.

Madame Fanny Brander!

Mit der größten Betrübnis mache ich Ihnen Sie schmerzliche Mitteilung, daß Ferdinand Brau- Lex in der Nacht vom 11. auf den 12. dieses Mo­nats bei einem Schiffbruch an der sizilianischen ftllste ums Leben gekommen und sein Leichnam bis jetzt nicht aufgefunden werden konnte.

Die Einzelheiten will ich Ihnen in folgendem kurz rmtteilen:

Brander war seit einem Jahre mein Freund sttnd Reisegesellschafter, in welcher Eigenschaft er e auch auf einer Tour nach Korsika und Sar- :n begleitete. In Cagliari erhielt ich einen Kries von meinem Vater, Sir Harry Harrington, der mich nach England zurückrief. Diesem Ruf folgend, trat ich sogleich die Rückreise nach der Deimat an, und wir benutzten ein kleines Fahr- um Palermo zu erreichen, von wo aus wir mit dem Dampfschiff nach Marseille fah­ren wollten.

i Anfangs ging die Fahrt gut, und das Wetter War ausgezeichnet; am Abend jedoch erhob sich «n furchtbarer Sturm, Kapitän und Mannschaft ^klor^itz^Müesgeaenwart und so schwebten

Evangelischer Gottesdienst. Bormitlag» 8 Uhl ßetr Superintendent Ruhl, ^«10 Ubt Herr Pfarren Hattendorf, 11 Uhr RinbergotteSbtenft.

Eotterdienstordnung in Kassel.

(Sonntag, 31. Mai.)

■F" Nächsten Sonntag den 31. Mat wird in St. Elisabeth /ilO Uhr feierliche» Amt mit Diako« nhmt gelegentlich der Verabschiedung de» Herrn Dechan­ten Hillen brand von ber ^farrn St. Elisabeth statt» finden. — Vom 1. Juni wird dann die Pfarrei 8t. Elisabeth von Herrn Pfarrverweser Breitung, di» Pfarrei St Familia von Herrn Dechanten Hillen« brand verwaltet werden.

Kastel-Alt. a. Pfarrkirche ad St Elisabeth lFriedrichSplatz 16): 7 Uhr hl Messe mit Austeilung der hl Kommunion, 8 Uhr Militär-Gottesdienst (auch für Zivilpersonen) mit Austeilung der hl Kommunion, 9V, Uhr Hochamt mit Predigt, 11 Uhr Schulmesse mit katechetticher Ansprache, ’/i3 Uhr Andacht mit Segen. Gelegenheit zu beichten vor Sonn- und Festtagen vo« nachmittags ’/»5 Uhr an, an diesen selbst von 6 Uh» morgens an.

b. Pfarrkirche ad St. Farniliam (Kölnisch» Straße 53, nahe beim Hauptbahnhof): 6 Uhr hl. Mess» mit Austeilung der hl. Kommunion, 8 Uhr hl. Messe mit Austeilung der hl. Kommunion, ‘/»IO Uhr Hoch­amt mit Predigt, 11 Uhr hl. Messe, abend» */i8 Uhr Maiandacht mit Segen. — Donner-ta g nachmittag» */i6 Uhr Beichtgelegenheit — Freitag morgen» 7 Uhr Amt zu Ehren des heiligsten Herzen» Jesu mit Austeilung der hl. Kommunion, nachmittag» V«7 Uhr Beichtgelegenheit. — Montag Freitag und EamStag auch um 8 Uhr morgens hl. Messe.

Wffk" Mit dem ersten Juni sind die Verwaltungen der beiden Pfarreien St. Elisabeth und St Famill« vollständig getrennt. Die Gläubigen haben Be­stellungen zu Taufen, Kopulationen, Begräbniffe und Versehgängen nur noch bei dem Pfarramt, in beste«. Bezirk sie wohnen, zu machen. Gesuche um Bescheinig, gungen von Taufen, Trauungen und Todesfällen sind für die beiden Bezirke ausschließlich an daS Pfarramt St. Elisabeth (Friedrichsplatz 16) zu richten, da all» Pfarrbücher dorthin abgeliesert sind und für Sankt Familia solche erst vom 1. April 1908 geführt werden. Aufgebote, die von auswärtigen Pfarrämtern komme«,; müssen Straße und Hausnummer der frühere« Wohnung enthalten, da eine Anzahl Straßen unte# die beiden Pfarreien geteilt sind. In zweifelhafte« Fällen ist der Brief an daS Pfarramt St. Elisabeth zu senden, da dies den größten Bezirk umfaßt und di» älteste Pfarrei ist. s

Kassel-Wehlheiden. Pfarrkirche ad Sanel Mariam (Rosenkranzkirche am Marktplatz): 8 Uh»' Frühmesse, 10 Uhr Hochamt und Predigt, nachmittag» 2 Uhr Christenlehre, Andacht und Segen. Gelegenheit zur hl. Beichte vor Sonn- und Festtagen nachmittag» 5 Uhr, an diesen selbst morgen- 7 Uhr. Werktag» ‘/«8 Uhr hl. Messe; abends 8 Uhr Maiandacht >

Kastcl-Rothenditmold. (Vellmarsche Straße.) Morgens 8 Uhr Frühmesse, 10 Uhr Hochamt mit Predigt, 2 Uhr Segensandacht. Gelegenheit zu beichte« vor Sonn- und Feiertagen 5 Uhr nachmittags, an diesen selbst ’/»7 Uhr morgen». An Wochentagen l/*8 Uh» hl. Messe. j

Kastel-Bettenhansen (Stiststraße 27.) 9 Uhr Hoch­amt und Predigt, nachmittags 2 Uhr Christenlehre und Andacht N

Reklamen- und Anzeigenteil.

Ihrige

Guido Harrington.'

don lebenden Arbeiter eingerichteten Instituts werden zu Pfingsten dieses Jahres 50 Düsseldor­fer und 50 Duisburger Arbeiter England be­

Jn Tiö-

gen entsprechende Zeitung zu gründen. -- den anderen Bistümern bereitet man die zesankatholikentage ebenfalls bereits vor.

* Neuer deutscher Besuch in England. Einladung eines für die im Südosten von

Auf Lon-

Aur dem Nachbargebiet.

• Schmalkalden, 29. Mai 1908. Einen unfrei­willigen Ritt auf einem Rehbock machte dieser Tage ein Junge aus dem Orte Floh. Auf einer Wiese nahe dem Walde spielten eine An­zahl Kinder, als plötzlich ein Rehbock aus dem Walde über die Wiese stürmte und dabei einem Jungen zwischen die Beine lief. Dieser wurde von dem Tier in die Höhe gehoben und glitt auf dessen Rücken. Nur eine kurze Strecke dauerte der Ritt, dann rutschte der Knabe herunter, wäh­rend der Bock in mächtigen Sprüngen dem Walde wieder zueilte.

* Erfurt, 26. Mai 1908. Auf der Strecke Er­furt-Langensalza wurde in vergangener Nacht von dem 11 Uhr 10 Min. in Erfurt abfahrenden Zuge zwischen Elxleben und Witterda ein führerloses Geschirr überfahren. Das Pferd wurde ge- tötel und der Wagen zertrümmert. Der Eifen- bahnzng erlitt keinen Schaden.

derzeit, sollten Sie Hilfe nötig haben, sich an mich zu wende». Es wird mir zur besonderen Befne- digung gereichen, Brander's Verwandten in um» fasseitdster Weise behilflich zu sein.

Schließlich empfangen Sie die Versicherung meiner innigsten Teilnahme, meine liebe Ma­dame Brander. Mit Ihnen weint tiefbetrubt der

Ausland.

♦ Ei« Katholikentag in den Niederlanden. Die Katholiken der Niederlande halten nicht, wie die Katholiken Deutschlands, einen Katholiken­tag für das ganze Land ab, fonbern jedes der fünf Bistümer veranstaltet eigene Katholikenver­sammlung. In diesen Tagen wurde eine solche in Harlem abgehalten, der mehrere Tausend Män­ner aus verschiedenen Städten und vom Lande anwohnten. Bemerkenswert ist, daß besonders Katholiken der gebildeten Stände zahl­reich vertreten waren. Der Katholikentag wollte heuer nur eine Frage lösen, und zwar die Lek­türe. In den verschiedenen Sitzungen wurden die Volksbiliotheken, Literatur und Kunst, billige Literatur und das Zeitungswesen behandelt. Wie die Verhandlung zeigte, ist auf diesen ver­schiedenen Gebieten bereits viel geleistet; doch muß noch mehr geschehen. Im ganzen Lande gibt es 7 große katholische Zeitungen und viele Wo­chenschriften, doch vermögen diese nicht den Kampf mit der liberalen Presse aufzunehmen. Man will nun darangehen, mehrere Zeitungen zu vereini­gen und eine große, allen modernen Anforderun-

vermischtes.

* Noch ein Nachspiel zum Hauprozetz. Freiherr Johann v. Reitzenstein, der Gatte der im Hau­prozeß als Zeuge vernommenen Baronin v. Nei- tzenstein, veröffentlicht in der Badischen Presse eine öffentliche Erklärung, worin er gegen eine Aenßerung des Staatsanwalts Dr. Bleicher pro­testiert, die dieser im Prozeß Molitor-Herzog fallen ließ. Der Staatsanwalt hatte damals in feinem Plaidoi)er gesagt, der graue Mann aus dem Hau-Drama existiere nur in der Phantasie der Baronin Reihenstein. Herr v. Reitzenstein erblickt in dieser Steigerung eine Beleidigung seiner drei­mal eidlich vernommenen Gattin und will den Staatsanwalt versönlich zur Verantwortung ziehen. Er erklärt: „Zu den vielen mit den Sr-itgcruabungen verbundenen Behelligungen, die meine Frau erdulden mußte, kommt nun noch ihre öffentliche Beleidigung durch den Staatsanwalt, von dem ich als ehemaliger Offizier und hanno­verscher Adelsmann persönlich Rechenschaft for­dern werde."

Weste zu bekämpfenden Gegner; als nächstes Kampfobjekt im Landtage selbst steht im Vorder­gründe die Volksschule.

ES ist also ein Gebot der Selbsterhaltung, daß unsere Gesinnungsgenossen mit allen erlaub­ten Mitteln dahin streben, daß nur Männer von erprobter christlich-religiöser <Se* finnung, entschieden« Anhänger des Zentrums- programmS, au8 der Wahlurne hervorgehen.

Man wird uns vorwerfen, wir zerrten das kon- fefsionelle Moment in die Wahlbewegung hinein. Dieser Vorwurf läßt uns sehr kalt. Das konfes­sionelle Moment ist bereits von liberaler Seite in den Wahlkampf eingeführt worden. Gegen positiv-gläubige Protestanten und Katho­liken soll liberalerseits der Wahlkampf geführt werden. Da ist es ganz selbstverständlich, daß wir uns zur Wehr setzen. Im deutschen Reiche, zumal aber im Staate Preußen ist das konfessionelle Moment, fast in jeder Richtung, auch in bezug auf die parlamentarischen Wahlen, stets scharf gegen uns ausgenutzt worden. In der letzten Zeit noch mehr als ftüher. Will man Beweise, so brauchi man sich nur an den bei den letzten Reichstags­wahlen entfeff eiten furor protestanticus zu er­innern, der nach dem Zeugnisse des Flotten­generals Keim ungemein viel dazu beigetragen Hai, den (protestantischen) „Philister in Thü­ringen aufzurütteln." Will jemand auch ein Bei­spiel aus neuerer Zeit, so empfehlen wir ihm, die Geschichte der Kandidatur des Münsterschen Re­gierungspräsidenten v. Gescher im Wahlkreise Tecklenburg zu studieren. Obschon Herr von Gescher ein G e g n e r des Zentrums und ein aus­gesprochener Freund der Regierungspolitik ist, wurde doch von einem großen Teile der Kreis- eingefeffenen seine Kandidatur beanstandet, weil der Herr Katholik ist.

Pflicht der Zentrumswähler ist, die Stur m- z e i ch e n zu beachten und sich kräftig für den Wahlkampf zu rüsten. Sie müssen ebenso be­geistert, wie bei den letzten Reichstagswahlen, den Kampf aufnehmen und ihren Mann stellen, um der Zentrumspartei ihren alten Besitzstand an Mandaten zu erhalten und zu wahren.

| 372 Pfg.

Chic

4 Pfg.

NI« er den gestohlenen Namen unter den 9rief setzte, atmete er tief auf, indem er sagte:

, So, auch das ist getan, und der arme Guido Harrington selbst könnte die Sache nicht besser gemacht haben. Der Bries ist ganz in Guidos Stil, edel, warm und freigebig. Wie schon ist es doch, wenn man mit den Hundert-Pfundnoten herumwerfen kann, als wenn es Schillinge wä­ren. Der Brief verrät nicht, wo das Unglück sich ereignet hat, und was die Hauptsache ist, sie bin ich los!"

Er saftete den Brief, steckte ihn in ein Au­bert, schloß dasselbe und schrieb darauf die Ad- resse: „Madam« Fanny Brander, München, Bayern."

Er steckte den Brief in die Tasche, nahm seinen Hut und ging hinaus auf die Straße.

„So endet der letzte Akt im Leben Ferdinand Branders. Meine Vergangenheit ist tot und ich habe soeben die letzten Steine auf ihr Grab ge­legt. Ich bin nun wirklich Guido Harrington."

Er schrftt langsam dem Postgebäude zu, gab daselbst die beiden Briefe ab uns ging dann in sein Hotel zurück. In seinem Zimmer angenom­men, gab er sich dem Studium des Tagämches hin. welches zur Durchführung seiner neuen Rolle von der größten Wichtigkeit war.

Er fing auf der ersten Seite an, welche von Guido am Tage des Antritts seines Reisejahres geschrieben war, aber nur die Zeit der Abreise und einige nebensächliche Bemerkung^ enthielt.

Auf der zweiten Seite war das Zusammentreffen Guidos mit Brander in Baden beschrieben, weis terhin befanden sich Bemerkungen und Anspiel«, ungcn auf Sir Harry, die schön« Ella Bamfield/ auf die alte Dienerschaft des Hauses, auf bi» Nachbarn des Hauses und ihre Beziehungen zu, Harrington Hall und seine! Bewohner.

Es waren Notizen und Betrachtungen, tote sie nur ein Mensch von ehrlichem gradem Charak< ter zn schreiben im Stande ist. Brander war, gerührt von der häufigen fteundlichen Erwähn», ung feiner eigenen Person und brach endlich iy die Worte aus:

„Warum mußte er seinen Verstand verlierend. Wenn er noch der alte gute Guido wäre, hätte ich nicht nötig feine Rolle zu spielen, denn et hätte hinreichend für mich gesorgt. Doch nun ist es zu spät!"

Er legte das Buch bei Seite und zog eilt Paket Briese aus der Tasche. Die meisten dieses Briefe, mtt Seewasser getränft und teilweise un­leserlich geworden, waren von Sir Harry, bi» übrigen von Ella. Auch diese studierte er auf­merksam und war bald so bekannt mit den Oert- lichkeiten und Personen zu Harrington Hall, fo«' wie den Ereignissen daselbst, daß er Guidos, Stelle ohne Gefahr vor Entdeckung spielen zu können glaubte.

,Zch könnte den alten ArguS mit seinen Huri«, dort Augen selbst täuschen!" murmelte er bet-, gnügt; „und ich habe es nur mit einem ahnungS- losen, einfachen, allen Baronet und mit einem noch einfacheren Landmädchen zu tun. Jedoch will ich die Schwierigkeiten meines Vorhaben» nicht unterschätzen, sondern so vorsichtig sein, al» ginge ich einem Regiment Spione entgegen.

So verging der Tag und der Abend. Brande- leate sich ft äh zu Bett und schlief so ruhiy, aß wäre fein Gewissen so rem, wie das eine- KigdB, (Fortsetzung folgt.)J

Manoli

RAUCHtA Fl V

Gottesdimftordnung in Fulda.

Sonnlaa, 3). Mai. Dom. 5 imb 6 Uhr HI. Mesien, 7 Pfarramt, nach Eintreffen der Prozession aus der Stadlpfarrei Predigt und Bischöfliches Hoch­amt, 12 Uhr HI. Melle, 4 Uhr Prozession auf den Frauen­berg, 3 48 Uhr Andacht in der Gruft. Heute ist Kollekte für den Bonifatiusverein. — Stadtpfarrkirche. *U6 Uhr hl. Messe und Predigt, <> Uhr hl. Messe, 7 Uhr hl. Messe und Kommunion der christenlehrpflichtigen Jungfrauen, 8 Uhr Prozession zum Grube des hl. Bonifatius, */i9 Uhr HI. Messe, ' s2 Uhr Christenlehre. Die Prozession auf den Frauenberg fällt aus. 3 Uhr Bruderschaft zu Ehren des hl. Erzengels Michael, */i8 Uhr Schluß der Mai­andacht. — Pfarrkirche zum heil. Geiste. 7 Uhr Aus­teilung der hl. Kommunion, 7 Uhr Frühmesse, 8 Uhr ftochaml mit Predigt, b Uhr Andacht mit Segen. — Juugfrauen-Sodalität. 2 Uhr Mutterhaus. — Michaels- kirche. 2 Uhr Bruderschafts-Andacht. — Frauen­berg. Hl. Messen von 5 Uhr (mit Maiandacht) bis 7 Uhr, 8 Uhr Nofenkranzmeffe, 9 Uhr Hochamt, nachmittags 2 Uhr feierliche Vesper, um */»5 Uhr Andacht für die Biliwallfahrt der Dompfarrei.

Freitag, 5. Juni. (Herz-Jesu-Freitag.) Frauen­berg. Um 9 Uhr feierliches Hochamt, nachmittags 2 Uhr feierliche Vesper; 4 Uhr Schlußandachl mit Umgang. -Während dieses Monats wird jeden Abend um V-8 Uhr eine öffentliche Andacht zu Ehren des göttlichen Herzens Jesu vor dem ausgesetzten Allerheiligsten (Sonntags mit kurzer Ansprache) abgehalten.)

wir in der größten Gefahr. In dieser verhäng­nisvollen Lage, wie von einer Vorahnung ergrif­fen, sagte Ferdinand Brander zu mir:

„Wenn mir etwas zustoßen sollte, Harring­ton, so geben Sie Fanny Brander in München Nachricht von meinem Schicksal. Ich fühle mich seltsam beklommen. Vergessen Sie meine letzten Worte nicht.

Es waren wirklich seine letzten Worte, denn in demselben Augenblick wurde das Schiff auf einen Felsen geschleudert, daß es zerbrach und Kapitän, Mannschaft, sowie Brander und ich von den Wellen fortgerifsen wurden.

Etwas später wurde ich ans Ufer gespült und daselbst in bewußtlosem Zu stand von fezilianischen Fischern aufgefunden; diese brachten mich in ihr Haus und suchten die ganze Nacht und den folgen­den Morgen nach den anderen Verunglückten, doch vergebens — von den fünf Personen, welche sich am Bord des Fahrzeuges befunden hatten, bin ich ganz allein gerettet worden.

So schwach und elend ich mich auch fühlte, war es mir doch nicht möglich, mich länger an dem Orte, wo die fürchterliche Katastrophe sich er­eignete, aufzuhalten, weshalb ich am andern Morgen nach Palermo ging und mtt dem nächsten Dampfer nach Marseille fuhr. Vor kaum zwei Stunden kam ich hier an und werde noch heute meine Reise nach England fortsetzen.

Ich weiß nicht, wie Sie mit Ferdinand Bran- der verwandt sind, aber ich weiß, daß Sie sein Schicksal nicht mehr betrauern können, als ich, denn er war mein bester Freund und ich liebte ihn wie einen Bruder. Sein Bild wird in meinem GÄächtnis eingeprägt bleiben bis an mein Ende.

Nun habe ich nur noch eins hinzuzufügen. Ich vermute, daß Sie an Ferdinand Brander eine Stütze berloren haben, darum bitte ich Sie in seinem Namen, die beigefügte Hundert-Pfund- note al- jtot ibm kommend anaunebmen und ie-

suchen. Dieser Besuch gilt als ein Gegenbesuch für die zweimalige Anwesenheit von Mitgliedern deS Browning-Settlement in Düsseldorf und Duisburg in den Jahren 1902 und 1907.