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Carl Schütte; für die Anzeigen:
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M 123.
Fulda, Freilaq den 29. Mai 1908.
35. Jahrqanq.
3weises .dtatt.
X Die Bedeutung der Landtagswahl.
In weiten Kreisen der Bevölkerung mißt man der Arbeit des Landtags im Vergleich zu der des Reichstags eine untergeordnete Bedeutung bei. Die Reichstagsverhandlungen werden im großen und ganzen von der Bevölkerung viel lieber gelesen als die Verhandlungen deS Land» tags. Dies erklärt sich einmal aus der Zusammensetzung des Reichstages und auf der anderen Seite aus der gesetzgeberischen Zuständig- keit des Reichstags. Hier ist es namentlich die Sozialpolitik, die das Interesse und die Aufmerksamkeit weitester Kreise auf den Reichstag lenkt. Die materiellen Interessen pflegen eben den Menschen am engsten zu berühren und der Kreis dieser Jnlereffen ist im Reiche zweifellos ein weiterer als im Einzellande.
Ein beträchtlicher Teil der Jnteresfelostgkeit, mit der manche Kreise unseres Volkes dem'Landtag gegenüberstehen. erklärt sich aber daraus, daß in vielen Kreisen eine völlige Unklarheit über die Aufgaben deS Landtags besteht. Man stößt auch oft in gebildeten Kreisen in dieser Beziehung auf eine befremdende Unkenntnis. Eine Verschwommenheit der Vorstellung hat immer eine Interessenlosigkeit zur Folge. Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, eine staatsrechtliche Darstellung von den Kompetenzen des Reichs und der Einzelparlamente zu geben. Worauf es uns ankommt, ist die Absicht und der Versuch, zu zeigen, daß das preußische Abge- ordnetenhaus von jedem Staatsbürger dieselbe Beachtung beansprucht wie der Reichstag, und daß daher der Wähler das gleiche Interesse an seiner Zusammensetzung hat wie beim Reichstag.
Wir greifen für heute nur einen Punkt heraus. Seitdem im Reichstag der Block geschaffen worden ist, hat der Liberalismus in Preußen nicht geruht, die Uebertragung der Blockpolitik vom Reiche auf Preußen zu fordern. Das Bestreben geht dahin, auch in Preußen das Zentrum „kalt zu stellen". Diese Versuche sind nicht neu, sie datieren Jahrzehnte zurück, aber sie haben sich, seitdem der Liberalismus im Reiche zu einer höheren Bedeutung gekommen ist, verdoppelt und verdreifacht. Aus eigener Kraft hat der Libera- lismuS sein Ziel nicht zu erreichen vermocht, nun heißt's mit Bezug aus Bülow: Samiel hilf, und je mehr Samiel im Reiche den Liberalismus notwendig hat, um so mehr wird er in Preußen ihm willfährig sein und sein müssen.
Gelingt es aber dem Liberalismus, dre Mehrheitsbildung aus Zentrum und Konservativen im preußischen Abgeordnetenhause unmöglich zu machen, so tritt mit diesem Moment in Preußen auf dem Gebiet der Kirchen- und Schulpolitik ein vollständiger Systemwechfel ein, ein Systemwechsel, bei welchem die christliche Weltanschauung in ihrem Einfluß auf das öffentliche Leben völlig gehemmt und namentlich der Katholizismus eine scharfe Bekämpfung erfahren wird.
DaS ist keine willkürliche Schwarzseherei, sondern eine unabweisbare Konsequenz der liberalen Politik. Aber wie stimmt e< denn hiermit, daß beispielsweise in der letzten Session die Verhandlungen zum Kuliusetat so friedlich
Kleines Feuilleton.
— Venu! im größte» Glanze. Am 30. Mai erreicht Venus, der Abendstern, den größten Glanz. In einem Fernrohre erkennt inan sofort ihre sichel- sörmige Gestatt, die dem abnehmenden iSlonbe kurz nach dem letzten Viertel völlig gleicht; daS Licht der Venus ist jedoch so außerordentlich blendend, daß man bei Anwendung eines kräftigeren Instrumentes entweder ein schwaches Tämpsglas (sogen. Venusglas) benutzen, oder noch bei Tageshelle beobachten muß. Venus ist in diesen Tagen volle 69 mal Heller als der schöne Fixstern ,Wega" in der Leier, und noch 18 mal Heller als .Sixtus"; sie ist überhaupt nächst dem Monde das hellste Gestirn der ganzen Himmel». Unweit des Abendsterne» weilen übrigens Ende Mai und während der ersten Junchälstr noch drei andere große Planeten: Merkur, MarS und Neptun, ja auch der Jupiter thront ziemlich nahe östlich neben ihm.
— liebet dir Fledermäuse als Hausgenossen schreibt der bekannte Zoolog« Dr. Kurt Floericke in der Monatsschrift „Kosmos" u. a.: Eine Fledermaus im Zimmer? Huh! wird sich man- dter denken. Nun, ich kann versichern, daß es äußerst artige und liebenswürdige Tierchen sind, und dabei hervorragend intelligent, so daß der nähere Umgang mit ihnen dem Tierfreunde tatsächlich viel Vergnügen gewährt. Tabei werden dir Tierchen überraschend zahm. Als Student besaß ich zwei Mopsfledermäuse, bti sich ganz Von selbst zum freien Aus- und Einfliegen gewohnt hatten. Abends huschten sie zum geoff- neten Fenster hinaus in die benachbarten Gärten, betrieben dort die Jnsektenjagd und kehrten frei- i’iuja wieder ins Zimmer zurück, wo sie ihren Mlafplatz auf einem Büchergestell hatten und
verlaufen sind? Das war berechnete Taktik des Liberalismus! Man wollte eben nicht unmittelbar vor den Wahlen seine Karlen aufdecken, man wollte das katholische Volk in Sicherheit wiegen, als ob der konfessionelle Friede und speziell der Katholizismus nicht bedroht sei, weil man aus der Kulturkampfzeit sich bewußt ist, daß das katholische Volk mit seinem Glauben nicht spaßen läßt. Nur in den Wahlausrufen hat man seine Absichten, wenn auch etwas verschleiert, ausdecken müssen, im Wahlkampfe ober hat man nach Möglichkeit alles ängstlich vermieden, was geeignet gewesen wäre, die konsessionelle Frage in bie Wahlbewegung hineinzutragen.
Aber dadurch lassen wir uns nicht täuschen; wir wissen, wohin der Kurs zielt und wir reiften auch, wohm er geht, wenn nicht das katholische Volk auf seinem Posten ist. Darum heißt es jetzt bei den Wahlen für uns, mit aller Energie dahin zu wirken, daß das Abgeordnetenhaus nicht eine Zusammensetzung erfährt, welche den liberalen Weizen zur Reife bringt. Fallen die Wahlen im Sinne des Liberalismus aus, so wird er nach den Wahlen uns Katholiken ein ganz anderes Gesicht zeigen als jetzt; aber dann ist es für 5 Jahre zu spät! Daher, Wähler, seid aus dem Posten; haltet unser christliches Banner hoch und unsere Feinde beißen — auf Granit!
Deutsches Keich
4 Das Kronprinzeupaar war am Dienstag abend beim Oberpräfidenten von Schorleniec auf Schloß Lieser an der Mosel. Von dort fuhr die Kronprinzessin am Mittwoch im Automobil nach Trier und dann im Salonwagen weiter nach Baden-Baden, während der Kronpriirz sich zu einem achttägigen Aufenthalt an Bord der Schlachtflotte nach Wilhelmshaven begab.
O Fürst Karl von Urach hat. wie gemeldet, i dem württembergischen Landesverbände des deut-' schen Flottenvereins mitgeteilt, daß er I wegen regelmäßiger längerer überseeischer Ab- ! Wesenheit den Vorsitz niederlege. Fürst Karl ist ; katholisch und zwar ein treuer Katholik; er reist: sehr viel und zwar schon seit Jahren. Wenn er das Protektorat niederlegt, so hat er seine guten Gründe. Bekanntlich war der württembergische Landesverband der einzige süddeutsche Verband, der für General Keim und gegen die fürstlichen dotektoren sich stellte. — Am körnenden Sonntag wird das neue Präsidium in Danzig gewählt werden.
— Der Zentralverband der Kohlenhändler Deutschlands hat soeben seine 6. Generalversammlung in Berlin beendet. Die Generalver- sammlung beschloß u. a. eine scharfe Resolution gegen die Beteiligung der Beamten an K o n- fumbeteinen.
* Das Ende der Festung Magdeburg steht bevor. Die Stadt hat, nach der „Voss. Ztg." mit den beteiligten Ministerien einen Vertrag geschlossen, wonach sie den Rest der Festungswerke, dir sog. Westfront und Turm von. Preußen für V/4 Million Mark erwirbt, um das Gelände der Bebauung zu erschließen. Nur die Zitadelle bleibt erhalten.
* Eine Kirchenflucht aus der evangelischen Kirche macht sich vornehmlich in Berlin und in den Vororten gellend. Auf der Kreissynobe Friedrichswerder wurde hervorgehoben, daß die AuStrittsbewegung nachgerade eine chronische geworden sei; es wurde auch der Befürchtung immwiilffiM i ’inii, ' iiiMgnmaamBgaEMKmEmsaai
ich au einem großen Lexikon aufzuhängen pflegten. Auck> die Speckfledermaus, die ich gegenwärtig Pflege, äußert eine geradezu rührende Anhänglichkeit an meine Person und folgt mir durch mehrere Zimmer, wenn ich sie dabei rufe. Dies beweist zugleich, daß ihr Ohr nicht nur für hohe und schrille Töne empfänglich ist, tote Brehm und andere Forscher behaupten, sondern auch für die tieferen Laute der menschlichen Stimme. Ja, sie unterscheidet sogar deutlich deren verschiedene Nuancen und Betonungen. Spreche ich sie sreund- lich au. so spielt sie mit den Ohren wie ehi Pferd, zwinkert vergnüglich mit den kleinen Aeuglein, leckt sich mit der Zunge die Schnauze und läßt ein dehaoliches Schmatzen hören. Fahre ich sie aber hart an, so legt sie die Ohren ängstlich zurück und klettert an der Gardine hinauf. Ihren Name» scheint sie zu kennen, kommt,wenigstens auf Anruf sofort herbei, toeit sie weiß, daß es setzt Mehlwürmer gibt. Sitze ich früh bei Lampenlicht am Schreibtisch, so kann ich mich ihrer kaum erwehren; alle Augenblicke ist sie wieder da, turnt auf dem Schreibtisch herum oder klettert an meinen Beinkleidern empor oder sitzt an der Gardine und bemüht sich, durch lebhafte Kopfdewegungen und schrilles Gezwitscher meine Aufmerksamkeit M erregen und eine Portion Mehlwürmer zu erbetteln. Ihr Appetit ist überhaupt geradezu unheimlich 30 feiste Mehlwürmer werden bequem zu einer Mahlzeit verspeist, und danach kann man ungefähr den großen Nutzen ermessen, den sie durch Vertilgung von Maikäfern und Nacht- schmetterlingen unseren Wäldern und Obstgärten verursawen mögen.
— O weh! Frau: „Meinen Mann können Sie jetzt nicht sprechen, er ist erst um fünf Uhr nach Hause gekommen." — Besuch: „Ach, da schläft er wohl noch?" — Fran: „Nein . . . aber er verantwortet sich gerade!"
Ausdruck gegeben, daß sie jedenfalls zunehmen werde, ro<mn eine wesentlich höhere Kirchensteuer platzqreife. (Sie ist inzwischen in Berlin von 15 Prozent auf 20 Prozent der Einkommensteuer erhöht worden.) — Wenn die Auslritisbewegung so groß ist, io dürste es sich empfehlen, daß die Eoangelisationsqeiellfchaften, die sich auch in Berlin mit besonderem Eifer auf die „Bekehrung" des katholischen Teils in Mischehen werfen, ihre Arbeit mehr auf die eigenen Kreise beschränken. Und auch die Los von Rom-Agi- taloren, die man nach Oesterreich schickt, hätten in Berlin genug zu tun, um dort den Abfall zu verhindern!
□ Aus Deutsch-Südwcstafrika wird gemeldet, von privater Seite sei der Bau verschiedener I rr- dustriebahnen im nördlichen Teile des Schutzgebietes geplant. So solle von der Otavi- bahn aus eine Stichbahn nach Outio gebaut werden. — Dernburg wird am 12. September aus Südwestafrika nach Europa ' zurückkehcen. Zu seiner Reise durch das Innere von Südwestafrika ist im Auftrage des Kolonialamtes ein Automobil nach Deutsch-Südwostafrika geschickt worden. Der Wagen ist besonders geeignet für die Fahrt im tiefen Sande.
cP Darmstadt, 27. Mai 1908. Die Zweite Kammer beriet heute die N e b e n b a h n v o r- l a g e, die für Oberhefsen drei neue Nebenbahnen bringt Ter Berichterstatter des Finanzausschusses Abg. M o l t h a n leitete die Generaldebatte mit einer längeren Rede ein, in der er die hohe wirtschaftliche Bedeutung der Linien Alsfeld- Hersfeld und Butzbach-Wetzlar hervorhebt. Eine Reihe anderer Redner bringen lokale Wünsche und Bahnschmerzen zum Ausdruck. Abg. Dr. Heidenreich (ntl.) betont die großen wirtschaftlichen Segnungen, welche die prenßisch-hess. Eisenbahngemeinschaft für Hessen gebracht hat. Finanzminister Gnauth geht auf die borge- trogenen Wünsche näher ein und bezeichnet als besonders aiissichtsvoll die Verwirklichung der Bahnproiekte Bensheim-Lindenfels, Höchst i. O- Aschaffenbitrg, Gnstavsbnra-Goddelau und Ham- melbach-Wahlen. Die weitere Beratung wurde nach längerer Debatte auf Freitag vertagt.
* Köln, 27. Mai 1908. Dr. Peters hat gegen den gestrigen Ausgang seines Beleidigungsprozesses gegen die „Köln. Ztg." Revision beim Kölner Oberlaudesgericht eingelegt.
* München, 27. Mai 1938. In Bayern sollen I u g e n d g e r i ch t s h ö f e nicht nur bei den Schöffengerichten, sondern auch bei den Strafkammern eingeführt werden.
Zu den tandtagswahlen.
& Eine nicht freundliche Kennzeichnung der Liberalen enthält folgende Auslassung in der „Deutsch. Tagesztg." (Nr. 240): „Schreiber dieser Zeilen steht in vielen politischen und wirtschaftlichen Fragen auf einem dem konservativen entgegengesetzten Standpunkte. Aber er würde e8 für ein größeres Unglück für Deutschland halten, wenn ein gesinnungs- und skrupelloser Liberalismus ans Ruder käme, al- toenn durch die herrschenden konservativen Parteien die eine oder die andere politische und wirtschaftspolitische Frage falsch entschieden wird. Viel wichtiger, als die politischen Tagesfragen, als die Fragen der materiellen wirtschaftlichen Entwicklung unseres Volkes ist doch seine moralische Gesundheit, und diese würde aufs schwerste gefährdet, wenn die linksstehenden Parteien mit den vielfach ihnen auhängenden unsauberen Eie; menten ans Ruder kämen."
X Wahlrecht und Volksvermehrung. Auf einet1 liberalen Versammlung in Pankow wurde kürzlich das preußische Wahlrecht scharf kritisiert. Da erhob sich ein Herr und erklärte, das Dreiklassen- wahlrecht könne doch nicht so schlecht sein, da sich unter ihm die preußische Bevölkerung um viele Millionen vermehrt habe. Wir bedauern, daß uns unser Gewährsmann den Namen des geistvollen Herrn vorenthält. Wir hätten ihn gern der breitesten Oeffentlichkeit mitgeteilt. Wenn das Dreiklassenparlament noch nicht bestände, es müßte eigens für diesen Herrn geschaffen werden! ,
Reklamen- und Anzeigenteil.
Ich gehe öiirdj einen grasgrünen Md, aber die Vöglein hör ich kaum fingen, da mich ein abscheulicher Husten quält. Die ganze Brust tut mir weh und der Hals ist mir ordentlich roh. Wenn ich nach Hause komme, versuch ich- auch einmal mit Fays ächte» Sodener Mineralpastillen — die sollen ja bei allen Erkältungen, bet Husten und Verschleimung ausgezeichnet wirken. Von anderen Mitteln habe ich übergenug und ich mag sie nicht mehr sehen. — Fays ächte Sodener sind feit beinahe einem Viertel» jahrhundert erpropt gegen alle katarrhalüchen! Erscheinungen des Haßes und der Atmungs-' organe. Die Schachtel kostet nur 85 Pfennig! und man kann sie in jeder Apotheke, Drogeri»'.
1 un" Mineralwasserhandlung haben.
218. Kottigl. yrenft. Klasserrlotterste.
6. Klaffe. 18. Ziehnnzstag. 28. Mai 1908. Vormittag. Nur die Gewinne über 240 Mk. sind in Klammern beiges. (Ohne Gewähr. St St.-«, f. Z.) (Nachdruck verboten )
99 144 327 440 554 677 755 890 98 1098 170 274 628 2068 148 281 469 640 97 921 3083 921 4229 45 34 ! 68 486 6J5 990 6441 578 707 839 65 90 6030 88 (600) 146 63 85 (10001 309 462 (3000) 834 91 993 (600) 7193 274 341 422 51
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