Einzelbild herunterladen
 

Erscheint tLglich mit Aurnahm« der So.nt« Md Lriertage. viertel. jShrlichervezllgrpreir ohne vringerloh« und VesteLgeidinZuldaso. Mit auswärt» 1.5001!.

Veravt». Redakteur:

«arl Schütter für di« Anzeigen r Z.parzeler in Kulda.

Maer

Wochentage: „Illustrierte Sonntagszeitung'.

monatrbellage: „Zuldaer Geschichtsblätttt"

»«zeige«: Vie ei» fpaltige Petitzeile »der der«« Hara 15 Pf-, Reklamen deePetitzeÄ 28 Pffl., bei wieder, tzolunge« wird entfpr. Rabatt gewährt.

»otationsdruckund Verlag der Fuldaer Lk> tiendruckerei i« Zuld« Fernsprecher Nr. 9.

Fulda, Frettag dm 29. Mai 1908.

M 123.

35. Jahrgang.

Erstes ’gälatt.

e Zentrirmspolitik im Reichstage.

Mit gewohnter Pünktlichkeit erscheint soeben (Verlag -er Germania, Berlin, C. 2) daS vom Abg. Erzberger seit 5 Jahren verfaßte Buch: „Die Zentrumspolitik im Reichs­tage", daS einen klaren und erschöpfenden Über­blick über den oben verflossenen Tagungsabschnitt des Reichstages bietet. Es gibt kaum eine schwe- bende politische Frage, über die mgn hier nicht erschöpfende Auskunft findet. , Für die gesamte Beurteilung der Zeitgeschichte bietet das Buch eine Menge von Material und hat daher bleibenden Wert

Nach einer kurzen Aufzählung der Arbeiten des Reichstages wird festgestellt, wie trou aller Dringlichkeit und aller Zusagen die Reichsfinanz­reform und die Besoldungsvorlabe nicht erledigt worden sind. Recht interessant liest sich der Ab­schnitt über die Haltung der einzelnen Parteien, über die Entwicklung der Blockkrisis; die wun- dersame parlamentarische Rütliszene ist im Wort­laut mitgeteilt. Interessant ist die Charakterisie- rung der vielen Widersprüche und Umfälle der Blockparteien. So wird aus dem Blocktheater folgende Szene mitgeteilt:

L Lelung in der Kommission. Vereinsgesetz: Freisinn, Zentrum und Sozialdemokraten, teilweise auch ine Nationalliberalen, bemühen sich um ein freiheit­liches Gesetz und lehnen alle konservativen Anträge ab. — Börsengesetz: Rechte und Zentrum wollen btt Schutzbestimmungen deS allen Gesetzes von 1896 auf­rechterhallen und sie noch erhöhen; alle freisinnigen Anträge werden abgelehnt.

2. Lesung in der Kommission: Vereinsgesetz! Die konservativen Anträge werden von den Liberalen angenommen, das Gesetz wird erheblich verschlechtert, 2 AuSnaümegesetze werden angenommen. — Börsen­gesetz: Die Konservativen geben die Beschlüsse der ersten Lesung bis aus untergeordnete Punkte preiS: die liberalen Anträge weroen von ihnen angenommen.

Beratung im Plenum: An den zwischen beiden Teilen abgeschlossenen Kompromissen wird unbedingt sestgehalten.

Der Stellung des Z e n t ru m s ist der 3. Ar­tikel gewidmet und hier wird nachgewiesen, wie die Haltung der Zentrumspartei von Einfluß war bei der Kolonialpolitik, dem Vereinsgesetz und dem Börsengesetz, wie es aber die Hinaus­schiebung der Beamtenvorlage nicht verschuldete. „Diese positive Arbeit des Zentrums kommt man­chen seiner Gegner ungelegen; diese hätten eine blinde Opposition lieber gesehen. Das Zentrum verfolgt auch heute nur dieselbe Politik, die es jederzeit vertreten kann, wenn es wieder an ver­antwortlicher Stelle Mitarbeiten wird. Es kennt aber auch die Kunst des Wartens, wie es sich schon im Kulturkampf gezeigt hat; nichts wäre dem Zentrum unangenehmer, als wenn es zu früh zur Mehrheitsbildung wieder gerufen würde. Erst muß der ganze konfessionelle Hatz der letzten Wahlbeivegung abgeflaut sein, erst muß der ge­samte Paarungsgedanke Schiffbruch gelitten ha­ben, dann erst ist seine Zeit gekomnicn, um eine staatserhaltende, christliche, volkstümliche und ge­rechte Politik zu unterstützen."

Nun folgen in drei großen Abschnitten die Arbeit des Zentrums resp. des Reichstages auf politischem, kirchenpolitischem und wirtschastlichem Gebiete. Im ersten Teil nimmt das Reichs- Vereinsgesetz und seine Beleuchtung einen großen Teil ein; hier findet sich eine der besten Arbeiten über diese Materie. Ter Kampf des Zentrums in den einzelnen Stadien der Ent­stehung dieses Gesetzes wird recht anschaulich ge­schildert. Die wuchtige Rede Gröbers bildet den aKEmMaMcasMi» ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ ir

Der falsche Erbe.

Roman von Ed. Wagner.

16] (Nachdruck verboten).

„Ein trauriges Los, ein solches Leben unter Fremden, fern von seinem Vaterlandes" sagte Nelly. „Wenn Sie es erlauben, Signora Vicini, werde ich manchmal hierher kommen und das traurige Dasein des armen Menschen etwas zu erheitert, suchen. Er scheint Vertrauen äit mir zu haben, und vielleicht gelingt es mir, den Nebel, der seinen Geist umgibt, zu zerstreuen. Ich wohne in der Villa Bella Vista, führe ein müßiges Le­ben, und wenn Sie mir erlauben, den Unglück­lichen zu besuchen, kann ich doch wenigstens etwas Gutes in der Welt tun."

„Der arme Engländer scheint Ihnen sebr zu- «etan zu fein," entgegnete Frau Vicini.' „Es wird ihm wohltun, wenn Sie ihn recht oft be­suchen, und der Himmel wird es Ihnen ver­gelten."

„Ich werde kommen!" sagte Nelly mit einem ernsten, mfileidigen Blick auf Guido. „Ja, ich komme bald wieder!"

Frau Vicini holte einige Früchte aus dem Hause, und nachdem sich Nelly daran gelabt, trat sie den Rückweg an.

Guido folgte ihr und bat, sie möge ihn nicht verlassen. Seine Wärterin, Frau Vicini, aber hielt ihn zurück und erklärte ihm, daß die Dame wiederkommen werde.

Als Nelly am Fuße des Felsens angekommwt war, sah sie sich nochmals um. Da stand wirk­lich der arme Unglückliche und schaute ihr lehn- süchtig nach. Mit Tränen in den Augen wandte sich das Mädchen rasch um und setzte den Heim­weg fort.

„Ich glaube," sagt« Mrs. Jebb etwas beküm­mert, „der Irrsinnige ist sterblich in Sie ver­gebt. Welch ein wunderliches Abenteuert"

Abschluß dieses Teile«. Auch der Abschnitt über die Kolonialpolitik stellt eine glänzende Rechtfertigung der Zentrumspolifik dar.

Die Kapitel über daS H e e r und die F l o t t e enthalten eine Menge von Material; was hier- bei namentlich über das Flottengesetz ausgeführt wird, haben wir noch nirgends mit dieser Klarheit uni) mit diesem Zahlenmaterial gefunden. Da« Finanzwesen bildet den Schluß de» ersten Teiles: Die Gestaltung des Hauptetats 1908, die Herabsetzung der Zuckersteuer und die Verschie­bung der Reichsfinanzreform werden hier mit gr«Vsr Sachkunde behandelt.

Der kirchenpolifische Abschnitt enthält folgende Artikel: Toleranzantra^, Missionstätig, keit in Togo, Freiheit der relrgiösen Vereine, Katholiken und Kriegervereiite, Parität in der Armee, Parität in der Arbeiterversicherung, Wahlboeinflussung und katholische Geistliche, Sonntagsruhe, Kampf gegen die Unsittsichkett. Man sieht daraus, wie dieser Abschnitt allein Ma- terial für eine umfangreiche Rede bietet.

Die Tätigkeit auf volkswirtschaftlichem Ge­biete hebt an mit dem Börsengesetz und dann schließen sich eine Reihe wirtschaftlicher Ge­setze an. Schließlich folgt die Würdigung der Tätigkeit fürdieeinzelnenStände: Land- wirtschafi, Handwerk, Kaufmannsstand. Privatbe­amte, Arbeiter, Beamte und Arbeiter in Reichs­betrieben. Sehr zu begrüßen ist, daß d'e vorzüg­liche Rede Trimborns über den Mltteistandsan- trag de» Zentrums im Wortlaut mitgcteilt wird; denn sie hat dauernden Wert; sie zeigt am besten, wie sehr da« Zenrum bestrebt ist, für den Mittel­stand einzutreten.

Von den letzten Jahrgängen der .Zentrums­politik" find über 40 000 Stück abgesetzt worden. Das ist Empfehlung genug. Die Schrift ist in allen Buchhandlungen zu haben.

Deutsches Reich.

X DaS Börsengesetz wird in seiner neuen Form am 1. Juni in Kraft treten. Da der Bundesrat darüber Beschluß zu fassen hat, welche Bergwerks- rc. Papiere zum Terminhandel zugelaffen werden sollen, dürfte ein derartiger Beschluß deS Bundesrats in den nächsten Tagen bevorstehen.

---DaS Dreimarkstück wird also kommen. Soeben wird das Gesetz über die Aenderurg deS MünMesens veröffentlccht, das bekanntlich die Einführung des Dreimarkstückes versieht.

(*) Keine Wiederanstellung Puttkamers. Die Audienz des früheren Gouverneurs JeSko v. Puttkamer beim Reichskanzler hatte die Ver­mutung wachgerusen, eS handele sich um die Wiederanstellung dreies wegen seiner amtlichen Tätigkeit so schwer angegriffenen Beamten. Jetzt muß ein offiziöses Blatt die Mitteilung ver­breiten, von einer solchen Absicht sei an maß- gebender Stelle nichts bekannt.

* Helgoland, 28 Mai 1008. Der deutsche Kronprinz traf bei der hier ankernden Schlacht- flotte ein, um am Manöver teilzunehmen.

* Dresden, 27. Mai 1908. Die Zweite Kammer nahm heute die Regierungsvorlage über die Aufbesserung der Beamtenge­hälter an. Der jährliche Mehraufwand beträgt 13 Millionen Mark.

* Karlsruhe, 27. Mai 1908. Bei den Stad tverord netenwahlen dritter Klaffe ge­wannen die Sozialdemokraten sämtliche 18 Mandate mit rund 4700 Stimmen gegen 3300 der vereinigten Konservativen, der Liberalen und des Zentrums, bei 14,000 Wahlberechtigten.

„Du weißt, Margot," antwortete das Mäd­chen, „daß mein Kopf romantischen Ideen nicht besonders zugänglich ist; aber es scheint mir, als ob der junge Mann mir mehr als ein Fremder Wäre. Es kommt mir vor, als ob mein Leben mit dem {einigen in irgend Welchem engen Zu­sammenhänge stünde."

Mit diesen ernsten Gedanken beschäftigt, schritt sie schweigend vorwärts, und neben ihr Mrs. Jebb, ebenfalls sc^veigend, aber mit ganz an- derenGedanken, erfüllt von Besorgnis für ihre Herrin.

V.

Der letzte Bruch mit der Vergangenheit.

Ferdinand Brander war in Marseille ange­kommen und hatte sich in einem Hotel ersten Ran­ges einlogiert. Er sah bleich und angegriffen aus und seine Augen waren unruhig. Es schien, als ob schon jetzt eine gewiße Angst und Qual seine Seele drückte, obwohl sein Benehmen kalt, stolz und herrisch war.

„Ich bin nicht imstande, tjeute weiterzureisen," sagte er, als er sich in dem ihm angetoteienen Zim- wer befand, „darum muß ich es nur oter bequem machen. Ich bin ganz erschöpft; der -Lchiffbruch hat mich mehr angegriffen, als ich dachte. E-, wird eine Woche vergehen, ehe ich wieder ganz der Alte bin, und in meinem Zustande darf ich es nicht wagen, mich zu Harrington Hall ernzu- fuhren. Kann ich mich auch nicht so hübsch und machen, wie Guido es war, so muß ich mich W, w meiner besten Verfassung und in meinem JSX Zubern präsentieren, um einen günstigen EMöruck zu machen."

Sopha. iOfl bie Glocke und warf sich auf ein ^inÄeHnet erschien.

UdiS ®tMui iU-

Ein großer Teil der Wahlberechtigten hat also nicht adgestimmt. Die „Antiultramontane Ver­einigung" ist für die Sozialdemokratie eingetreten. Dir Sozialdemokratie besitzt jetzt alle 32 Man­date dritter Klaffe.

• Karlsruhe, 27. Mai 1908. Im badischen Landtage wird gegenwärtig über die Schule vor horchest. Im Zusammenhänge mit der Debatte über die Gymnasiolkouvikte. über die schon jüngst berichtet wurde, ist der Antrag eingebracht wor- den, „die großherzogliche Regierung zu ersuchen, die Einrichtung von Staatspensionaten an den Mittelschulen in die Wege zu leiten." Un­terzeichnet ist dieser Antrag von Frühauf, dem freisinnigen Widersacher alles Katholischen, von Lbkircher, Ouenzer und Muser, einem „Demo­kraten", der sich im Landtage hauptsächlich durch seinen Feldzug gegen katholische Gebetbücher „be­rühmt" gemacht hat. Sonderbar: die Herren ha­ben immer gegen Konviktserziehung gewettert — jetzt verlangen sie auf einmal selbst Jnternatser- ziehung durch den Staat! Der Widerspruch ist offenbar, aber er hat seine guten Gründe. Tie Herren wollen nicht d t e Konviktserziehung, son­dern eine bestimmte Konviktserziehung, näm- lief) eine solche in liberal-freigeistigem Sinne. Und zwar sollen nicht die Leute, die In­teresse an einer solchen Erziehung haben, die Ko­sten dafür tragen, sondern der S taat. Also In- stitutionen des Kulturkämpfertums auf Staats­kosten. Die geistlichen Konvikte sind Privat Un­ternehmungen, daher sagte sehr treffend der Zen­trumsabgeordnete Schofer den Urhebern des An­trages: „Bitte gründen Sie auch Wohltätigkeits­stiftungen, damit die Väter, die Ihrer Gesinnung sind, ihre Söhne dort hineinschicken können. Man muß nicht alles dem Staat aufhalsen. Der An­trag wurde abgelehnt. Es stimmten, dagegen das Zentrum und die Konservativen, die überhaupt in der ganzen Debatte eine erfreuliche Ueberein- stimmung zeigten, ferner der rechte Flügel der Nationalliberalen. Dafür stimmten einige Na­tionalliberale, die Linksliberalen und die Sozial­demokraten. Der Antrag war wieder ein Zeichen jenes Strebens, die viel verlästerten katholischen Institutionen nachzuahmen, Wenn man nur könnte. Sturm gelaufen wurde von liberaler Seite auch gegen die konfessionellen Lehrersemi­nare. Indessen erklärte die Regierung, es liege für sie „kein Grund vor, in den tatsächlichen Ver­hältnissen der konfessionellen Lehrerseminare eine Aenderung eintreten zu lassen." Ebenso wurde von der linken Seite des HauseS wieder mal die Abfchaffung des Ne l i g i o n s u n t e r- richts verlangt; doch Waren hierfür auch die Nationalliberalen nicht zu haben. Oder n o ch nicht.

Zn den randiagswahkn.

5 Tie letzte Wahlarbeit.

Wo man fleißig und beharrlich gearbeitet hat, kann man jetzt dem 3. Juni mit Zuversicht ent­gegensetzen. Doch ist noch immersehrviel zu tun. Jetzt ist das Hauptaugenmerk darauf zu richten, daß jeder Wahlberechtigte auch zum Wahllokal gebracht werde. Man gehe also frisch an die letzte Wahlarbeit. Glänzende Versammlungen, rednerische Erfolge sind zwar sehr schön und Wünschenswert, aber die Hauptsache ist und bleibt die hingebende und unausgesetzte Kleinarbeit. Jedes Parteimitglied muß sich als Agitator fühlen und eine Ehre drein setzen, möglichst viele Wähler aufzuklären und unserer Partei zuzuführen. Diese Arbeit fruchtet

„Sonst noch etwas, Sir — Mylord?" fragte der Kellner.

„Nein — ja! Bringen Sie mir schnell Schreibmaterial!"

Der Kellner entfernte sich, kehrte aber bald zurück mit der Flasche Bordeaux und dem Schreib­material, stellte beides auf den Tisch und meldete, daß daS Essen sogleich fertig fein werde, worauf er sich wieder entfernte.

Stäuber War so müde, daß er sich nicht regen mochte, deshalb blieb er ausgestreckt auf dem Sopha liegen, bis das Essen vor ihm stand, dann richtete er sich auf, schenkte ein Glas Bordeaux ein unb leerte es bis auf den Grund.

„Ahl das gibt neues Leben," rief er auf­atmend. „Das wird mich stärken zu der Ar- beit, welche ich vor mir Habel Es ist keine an­genehme Sache, solche Briese zu schreiben, wie ich sie notwendig schreiben muß, um mein Werk zu vollenden."

Wiederum zog er die Glocke und befahl dem eintretenden Kellner, das Geschirr fortzuschaffen.

Nachdem er wieder allein War, rückte er einen kleinen Tisch und einen Stuhl an das Fenster und begann seine Arbeit. Zunächst zog er Guido's Tagebuch aus seiner Tasche, Welches in Leder ge­bunden und mit einem kleinen Schloß versehen war, zu dem der Schlüssel an der Uhrkette sich befand. Brander hatte Guido oft das kunst­volle Schloß öffnen und schließen sehen, darum gelang ihm das £)cffnen beim ersten Versuch, und das Tagebuch, welches Guido wie ein Heilig­tum vor den Blicken Fremder — selbst vor denen Branders — bewahrt hatte, lag nun offen vor den Augen des Betrügers.

Sorgfältig studierte Brander Guido s Hand­schrift, und diese nachahmend, began er zu schrei­ben:

„Mein lieber Vater!*

er nach diesen Worten inne und etn

Frostsln durchlief fernen Körper. Nach einen SJeue fuhr er im Schreiben fort ben Empfang

nicht nur für den Tag der Wahl, fondern auch für di« Zukunft, ste kräftigt die Organisation der Partei und ist für ihre Sache ein bleibender Segen.

ES kann noch ungeheuer viel getan werden, wenn Tausende von treuen Händen und Zunge» zusammenwirken.

Unsere Versammlungsredner und die Zen­trumspresse mögen das beste leisten, WaS möglich ist, ste können doch einen großen Teil der Wahl» berechfigten nicht fassen, nämlich die nicht, welch« die Versammlungen meiden und die ZentrumS» blätter nicht lesen. Diese abseits stehenden Wähler müssen durch die Kleinarbeit herangeholt werden. Das ist von ivesentlicher Bedeutung; denn in sehr vielen Wahlkreis«! liegt die Entscheidung bet den unsichern Kantoni­sten. Diejenige Partei, welche die meiste» Schwankenden zu gewinnen und die meistenGIeich- gültigen für sich mobil zu machen weiß, erhält die Mehrheit. Aber auch in den bomben­sichern Wahlkreisen muß die Klein­arbeit eingreifen, damit eine rühmlich« Stimmenzahl für die Partei erzielt werde.

Also müssen wir immer wieder Kleinar­beit predigen.

Die Agitation von Mund, zu Mund — bal ist eine sehr wichtige und heilsame Sache. ES gibt Wähler, die durch verteilte Druckschriften ebensowenig zu fesseln sind, wie durch Versamm» lungsreden. Aber wenn ihnen ein, Kamerad oder ein Bekannter unter vier Augen ein freund­liches Wort der Belehrung und Anregung zu­kommen läßt, so tauen sie auf. Wie leicht ist in dem Umgangskveise gelegentlich ein auf klären der und aufmunternder Zuspruch anzubringen! Man muß nicht zudringlich werden, auch nicht heftig oder gar grob; keine Zänkereien, sondern nut die ruhige und entschiedene Feststellung der maß­gebenden Tatsachen und ein freundliches Wort über die Ehrenpflicht des katholischen Mannes! Im geeigneten Falle gibt man dem Schwanken­den ein Flugblatt, ein Wahlbüchlein, einen pas­senden Zeitungsartikel. Mancher liest mit Auf­merksamkeit, was ihm ein Bekannter freundlich überreicht hat. Natürlich empfiehlt es sich, di« Wähler, an deren Belehrung und Anregung man gearbeitet hat, am Wahltage selbst im Auge zu behalten, zum Wahllokal abzuholen, rc.

Tie große Wahlarbeit gleicht einem Pump­werk, das ein Reservoir mit Wasser füllt. Di« Kleinarbeit hat die Verteilung dieser Was- sermassen über den ganzen Garten bis zu dem letzten Pflänzchen zu besorgen und dazu können und sollen alle mitwirken, die Kleinen wie di« Großen, und zwar besonders in diesen letzten Tagen!

X Zwischen Zentrum und Polen ist bekannt­lich ein Wahlabkommen getroffen worden, das sich auf Schlesien, Posen, Westpreußen und die rheinisch-westfälischen Jndnstriebezirke be­zieht. In den letzten Jahren War das Verhält­nis zwischen den deutschen und polnischen Katho­liken immer schlechter geworden. Bei den poli­tischen Wahlen standen die Waffenbrüder ans der Kulturkampfzeit einander in bitterer Feindschaft gegenüber. Dieser Zustand war für die Gegner und Feinde aller Katholiken nicht nur ein Gegen­stand Heller Freude, sondern auch für sie von Vor- teil. Freilich, wenn man in diesem Zusammen­hang von deutschen und polnischen Katholiken spricht, so ist das für gewisse Leute ein neuer „Beweis" für den konfessionellen Charakter der Zentrumsparteii. Man braucht sich indes um solche Manöver nicht niehr zu kümmern, nach­dem die mit dem Kampfe gegen das Zentrum innißft, verknüpfte katholiksnfeindliche Hetze $8 tatsächlich so weit gebracht hat, daß das Zentrum,: das prinzipiell und praktisch eine politisch«

des Brieses Sir Harry Harringtons bestätigend, welchen er_ in Cagliari erhallen; dann ging er über zur Schilderung der Reise von Cagliari nach Palermo, beschrieb ausführlich den Sturm und den Schiffbruch, bei welchem die Schiffsmann­schaft ertrunken sei und sein „armer Freund Fer­dinand" eine Gehirnverletzung erlitten habe, welche ihn zum vollständigen und unheilbaren Irrsinnigen gemacht, weshalb er ihn in der Nah« von Palermo habe lassen müssen. WaS ihn selbst betreffe, so sei er voller Wunden unb Quetsch­ungen und so krank, daß er nur langsam sein« Heimreise antreten könne, unzweifelhaft Werbe er aber innerhalb 8 Tagen in Harrington Hall ein» treffen. Bon Paris aus werde er den Tag feiner Ankunft telegraphisch anzeigen.

Nach einigen zärtlichen Worten, in denen er seine Sehnsucht nach seinem Vater, nach seiner Gespielin aus feiner Kindheit und nach der lieben alten Heimat aussprach, unterschrieb er diesen wohldurchdachten Brief mit dem Namenszug „Guido Harrington".

„Ich darf mit Wohl schmeicheln, daß dieser Brief vortrefflich gelungen ist," murmelte er mit wohlgefälligem Lächeln, indem er den Brief fal­tete und versiegelte.

»Ich kenne Guidos Handschrift und Namens- zug genau und möchte darauf schwören, daß jeder diesen Brief als von jenem selbst geschrieben er­kennen wird. So, damit bin ich fertig," fügte er btnau, als er den geschlossenen Brief zur Seit« legte; und nun zu bem anderen."

Dieser andere schien verhältnismäßig viel 'chwieriger zu fein, denn Brander Wurde unruhig, stand auf unb ging aufgeregt im Zimmer auf und ab.

„Armes Geschöpf," murmelte er. „Ich fürchte, der Schlag wird dich töten. Doch ich kann nicht mehr umkehren, e8 ist zu spät; und Weng ich el könnte, so würde ich es doch nicht tiytlN<

(Fortsetzung fotzt.)