Einzelbild herunterladen
 

ikschetnt ttt-lich «ft Lurnahme Mer $oju. »«d Feiertage, viertel, jährliche» vezllgrprei, ohne vriagerloho »ad VefteLgrldiu Fuldas», »le euswärti 1.5001.

Verontw. Ledakteur: «arlrchStter

Maer

3.K'.«u$‘m wochmbellagi:„IllustrierteSonntagrzeitung"

Zeitung

monatsbenage: „Fuldaer Geschlchtrblätter"

Xnjttgen: Vie ett* fpaltigepetitzeileode» Heren Raum 15 Pfg. Reklamen drepetitzeill U Pf«., bei wieder, tzelungen wird eutspr.

Rabatt gewährt.

»etationrdruckund Verlag -er Fuldaer Ab tleudruckerei hi Fulda

Fernsprecher Rr. 9.

Be==s<

jva 122.

Fulda, Mittwoch den 27. Mai 1908.

35. Jahrgang.

Erstes Mtatt.

Wegen des Feiertags Christi Himmelfahrt wird die nächste Rümmer unserer Zeitung er am Freitag ausgegeben.

Deutscher Reich.

** Keine Krondotation für de« Kaiser. Die »Berliner Zeit am Mittag' hatte da- Ge­rücht ausgebracht, daß beabsichtigt sei, eine Reichr dotation von 10—12 Millionen Mar sür den Kaiser zu verlangen. Bon der ,Nordd. Lllgem. Ztg.' wird diese- Gerächt sür absolut unbegründet erklärt. Da- offiziöse Blatt hätte hier gute Gelegenheit gehabt, auch gleich ein Wort über die Erhöhung der Zivil liste oeS preußischen König- zu sagen. Aber da« Blatt schweigt, und man kann nicht ander-, al- daran- folgern, daß die Erhöhung kommen wird.

= Jesko v. Puttkamer, der „berühmte- frühere Gouverneur von Kamerun, ist am Montag vom Fürsten Bülow empfangen worden.

X Zum Fall Eulenburg reiften eifrige Re. porter jetzt zu melden, daß die Lage für Eulen­burg sich durch die verschiedenen Vernehmungen noch wesentlich verschlechtert hätte. Da- wird daran- gefolgert, daß die TtaatSanwaltschast nach den zahlreichen Vernehmungen, die sie über die Zuverlässigkeit der Starnberger Zeuaen Ernst und Riedel angestellt hatte, an deren Glaubwürdigkeit nunmehr nicht mehr zweifele. Wahrfcheinlich hat man eS bei diesen Meldungen mit Kombinationen Kl tun, die lediglich die Tatsache bestätige«, daß ie Staatsanwaltschaft gegen die Glaubwürdigkeit der beiden Zeugen trotz eifriger Forschungen keine Belege gefunden hat. — Riedel und Fischer Ernst haben übrigen-, waS nebenbei erzählt sei, von einem Düsseldorfer Schauspiel-Unternehmer da- Anerbieten erhalten, gegen ein Monats­gehalt von je 500 Mark als Beamte in seinem Institut einzutreten. (!!) — lieber Eulenburg« Befinden gehen wiederum Nachrichten um, die flrau in grau malen. Es wird mttgetellt, der Fürst leide immer noch an Gicht und befinde sich in begreiflicher Niedergeschlagenheit. Von maß­gebender ärztlicher Sette werde der Meinung Aus­druck gegeben, daß die ursprünglich für die näch­sten Tage in Aussicht genommene UederfÜhrung deS Fürsten Eulenburg in daS Untersuchungs-Ge­fängnis vorläufig ausgeschlossen fei.

ns. Der Kölner Petersprozeß hat einen überraschenden Abschluß gesunden. DaS Schöffen- gericht hatte bekanntlich den Redakteur der,KSln. Ztg.' Brüggemann sreigesprochen und den früheren Gouverneur und jetzigen Redakteur v. Bennigsen reegenBeleidigung deS ehemaligenReichSkommissar- Dr. PeterS zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt. Letzt hat die Strafkammer im BerufungSver- .ähren die Klage wegen Verjährung abge­wiesen. DaS Urteil erging dahin: Dar Ver­fahren gegen Redakteur Gustav Brüggemann wird wegen nicht rechtzeitiger Stellung deS Straf­antrages eingestellt, da« Verfahren gegen Gouverneur a. D. v. Bennigsen wegen Ver­jährung als unzulässig erklärt. Dem Privat­kläger Dr. Karl PeterS werden die gesamten Kosten deS Prozeßverfahrens und die notwendigen Auslagen auferlegt.

* Die Befestigung von Helgoland ist be- sonder- in der Äudgetkommisfion deS Reichstages Gegenstand eingehender Debatten gewesen. Wie nunmehr bekannt wird, sollen für die Befestigung der Insel im Laufe der nächsten Jahre 32 Milli­onen Mark auSgeqeben werden, davon allein 30 Millionen Mark für einen Torpedohafcn. — Angesichts dieser Summe ist eS verständlich, daß in der Budgetkommi fion die Frage aufgeworfen werden konnte, ob eS nicht besser sei, die Insel, zu deren Festigkett Fachleute kein großes Vertrauen haben, „in die Luft-, da« heißt inSMeerzusprengen, um zu verhüten, daß sich gegebenenfalls bei einem Seekriege die Engländer darauf fest-' fetzen.

(*) Der Handelsminister über die Mädchen- er^iehung. Im Seifern der Kaiserin ist am DrenStag die König!. Handels- und Gewerbe­schule für Mädchen in Potsdam eingeweiht worden. Dabei hat der preußische Handels- Minister Dr. Delbrück eine Rede gehalten, in der er sich über die Ausbildung der heran- wachsendenschulentlaftenen weiblichen Jugend folgendermaßen ausgesprochen hat: „Die Mög­lichkeit, sich im Haushalte zu betätigen und tn der Familie zu arbeiten, geht für die jungen Mädchen reetter Kreise immer mehr zurück, und die Notwendigkeit, außerhalb der Familie Arbeit zu suchen, steigt dauernd. In dem Maße, wie die Arbeit im House schwindet, so schwindet die Erziehung für daS HauS. Viele Mädchen, die heute einen Hausstand gründen, können keinen Hausstand führen, weil sie diese Arbeit nicht gewöhnt find. Für die schulentlassene männliche Jugend sorgen mit steigendem Nachdruck die Gesetzgebung des Staates und die Kommunen. Für da« weibliche Ge­schlecht haben die Frauen und Mädchen die Sache selbst in die Hand genommen, und gerade die Größe ihrer Erfolge nötigt den Staat, die Leitung in seiner Hand zu behalten. Zwar ist der Staat nicht in der Lage, ein allgemeiner Träger der­artiger Schuleinrichtungen zu werden, wohl aber ist eS seine Pflicht, anspornend und vorbildlich in dieser Sache m wirken."

□ Ein merkwürdiges Anschwellen der polnischen Sprache ergibt sich au« der amtlichen Statistik für die letzten Jahre. Im Jahre 1891, also vor 17 Jahren gab es in Preußen 494 585 Volksschüler, die nur polnisch sprachen; im Jahre 1906, also nach 15 Jahren war diese Zahl aus 671845 angewachsen. Auf den ersten Blick önnte man glauben, e8 hätten infolge des Schul- ireikS usw. zahlreiche Kinder die polnische als di« einzig von ihnen gesprochene Sprache ange­geben, um die preußische Regierung zu ärgern. Gegen diese Vermutung aber spricht der Umstand, da< in der Zeit von 1891 bi- 1907 die Zahl der polnisch- und deu'schsprechenden Kinder von 76 642 auf 142769 gestiegen ist. Man mag es also nehmen, rote man will, auf jeden Fall ist n diesen 1 5 Jahren, die in der Hauptsache mit der Tätigkeit der BnsiedelungSkommifsion zu- ammenfallen, die Zahl berStaatsbürger, die die polnische Sprache sprechen, um V* Million gewachsen. So also sehen die Er- olge unserer Polenpolitik auf sprachlichem Ge- riete auS. Es ist allerdings nicht anzunehmen, daß diese Tatsache eine Äenderung der preußi- chen Polenpolitik herbeisühren wird. Sie wird vielleicht die Angst vor den Polen nur noch ver­mehren.

A Er versteht- nicht mehr! Der alte Barde be« Freisinn- Albert Träger hat soeben seinen 88. Geburtstag gefeiert. Bei der Gelegenheit hat er sich auch wieder auf feinen Pegasu« geschwungen und gedichtet. Er entlockte feiner Seiet folgende Klänge: „Laß uns denn die Alten bleiben. Drängt auch Neue- um un- her. Dieser Tage wirte- Treiben, Wit verstehen'- fast nicht mehr, WaS und wie reit stets geroeien. Sind wir weiter ohne Scheu, Daß auf unferm Stein zu lesen: Selber blieben sie sich treu!* — Daß Träger die Situation nicht mehr versteht, ist zu begreifen; wer sich heute von den Freisin­nigen selber treu bleiben will, bet muß sich eine andere politische Unterkunft suchen.

= Die privaten Handelshochschulen haben vielfach wegen bet GeschäftSgebarung Widerspruch erfahren, und man forderte zum mindesten eine gesetzliche Regelung dieser Betriebe. Der Han- belsminister hatte seinerzeit auch einen solchen Gesetzentwurf in Aussicht gestellt. Jetzt ist man aber von der Regelung der Sache wieder abge­kommen. Die Regierung ist der Ansicht, daß eine gewissenhafte Durchführung der bestehenden Bestimmungen für die Regelung der Materie vollkommen ausreiche.

* Saarabische Arbeiterfreunde. Daß Wohl- fabrtSeinrichtungen saarabischer Großindustrieller dazu auSgebeutet werden, die politische Frei- heit der Arbeiter zu schmälern, beweist ein Vorkommnis in Attenwald. Die Firma Röchling hatte einen Fonds von 10000 Mk. zur Unterstützung ihrer Pensionäre gestiftet. 20 Arbeiter der Kokerei wurden auS diesem Fonds mit Geldunterstühungen bedacht, nur ein 75jähriger Arbeiter, der 48'/- Jahre im Dienste der Familie Röchling gestanden hatte, ging leer aus. Auf seine Anfrage beim Direktor Berwe, warum er übergangen worden sei, wurde ihm der Bescheid zuteil: „(Sie haben bei der letzten ReichStagswahl schwarz gewählt. Der Herr Kommerzienrat Röchling verlangt, daß seine Leute liberal wählen.* Der Direk­tor gab dem Manne noch höhnisch den Bescheid, er solle „zu seinen schwarzen Brüdern gehen, um sich die Unterstützi ng zahlen zu lasten". WaS die Firma also mit ihren Wohlfahrtseinrichtungen bezweckt, ist jonnentlar: nur solche. Arbeiter, welche ihre politische Fr ei heil zu verkaufen bereit sind, haben Unterstützung zu erhalten.

* Bonn, 26. Mai 1908. Das Kron- prinzenpaar fuhr heute vormittag im Auto­mobil durch die Eifel nach Lieser an der Mosel zum Besuch des Oberpräsidenten.

cP Darmstadt, 26. Mai 1908. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer gab eine Vorstellung dH hessischen Detaillistenvereine detr. die Besteuerung der Filialgeschäfte iiu einer längeren Debatte über die Lage deS kaufmännischen Mittelstandes Veranlassung' Seit mehreren Jahren errichten namentlich Frankfurter Geschäfte zahlreiche Filialen in hessischen Städten und Gemeinden, die dem seßhaften und ein« Mimischen Handel empfindliche Konkurrenz be­reiten. Dabei werden die Kommunen in steuer­licher Hinsicht dadurch geschädigt, daß die aus­wärtigen Zentralgeschäste ihren hessischen Filialen zur Umgebung der Besteuerung in Hessen die Waren zum Verkaufspreise in Anrechnung bringen, io daß ein Verdienst der Filialgeschäfte nicht öotliegt und eine Einkommensteuer nicht erhoben I werden kann. Die Abgg. Molthan (Zentrum)j

und Dr. Osann (natlb.) traten für die Be­steuerung der Filialgeschäfte ttn ffnterefte bei Erhaltung eine- steuerkräftigen Mittelstandes ein, ebenso der Abg. Dr. Frenay (Ztr.), der auch int Interesse der Steuer kraft der Gemettiden eint iolche Neuregelung verlangte. Der sozialistische Abg. David hielt die ^Neuregelung nicht für geboten, da eine solche dem Mittelstände al- solcher nicht zugute komme. Die Angelegenheit wird die Kammer in einer ihrer nächsten Sitzungen nochmal- beschäf­tigen. Die Mehrheit de- HaufeS steht mit der Regierung zweifellos auf dem Standpunkte, bei der demnächstigen Verabschiedung der Gemeinde­steuer-Reform eine obligatorische Besteuerung bet Filialgeschälte einzuführen. — Ein Antrag der Sozialdemokraten auf Äenderung der Vorbildung der BolkSschullebrer rief eine längere Debatte hervor. Der Abg. David verlangte Vorbildung der Lehrer in den Realschulen, Einführung de« Französischeu und Englischen in da- Seminar- Studium, Abschaffung deS ReligionS-Unterrichte- auS dem Lehrplan und Ersatz durch da« philo­sophische Studium und schließlich Abschaffung der mit den Seminarien verbundenen Internate. Geh. Rat Dr. Eisenhuth zeigte fich gegenüber zweck­mäßigen und gerechten Neuerungen nicht abge­neigt/ trat aber weitgehenden Wünschen, wie der Botbilbung durch die Realschule und der Ab­schaffung de- Religion- • Unterrichtes, entgegen. Schließlich wurde der Antrag für erledigt erklärt.

• Dresden, 26. Mai 1908. Heute vormit­tag wurde in Gegenwart des Prinzen Johann Georg sowie von Vertretern der Behörden di» Konferenz der Vorstände der deutschen Lande-« vereine vom Roten Kreuz und verwandten Organisationen eröffnet. Generalarzt Dr. Wegner sprach über die Beteiligung des Roten Kreuze« an der Bekämpfung von VolkSfeuchen und bet Kindersterblichkeit. Der kaiserliche Kommissar Fürst zu Solms-Baruth schilderte bann die Tätig­keit der Roten Kreuzvereine in den afrikanischen KolonialkSmpfen. An den Kaiser und die Kaiserin wurden Huldigungstelegramme gesandt.

I Dresden, 25. Mai 1908. In der säch­sischen Wahlrechtsfrage hat sich da« Bild völlig verändert. Die sächsische Regierung glaubt neuerdings wenig Hoffnung zu haben, mit diesem Landtage ein ihr genehmes Wahlrecht zustande zu bringen. Sie wird bestärkt in dieser An­nahme durch die Versuche, an dem mühsam zu- lande gekommenen Kompromiß der Fraktionen wesentliche Aenderungen vorzunehmen. Sie will nun die Wahlrechtsfrage zunächst auf den Herbst vertagen. Dann will sie ihre Vorlage in bei Zweiten Kammer zur Abstimmung bringen lassen und unter Umständen die Kammer auflösen, wenn diese nicht wenigstens dem hauptsächlichsten Grundsätze des Regierung-entwurfes zustimmt.

3u -en Lan-tagswahlen.

Wahlparolen der Zentrumspartei. Der Pro­vinzial« (Landes») Ausschuß der Zentrumspartei im Reg.-Bez. Kassel fordert die ZentrumSwahlmänner auf, bei der am 16. Juni stattfindenden Abgeord­netenwahl ihre Stimme wie folgt abzugeben:

1. JmWahUreis Kirchhain-Frimkeuberg für Herrn Geheinwat Riesch.

2. Im Wahlkreis Marburg für Herrn v. R aeget lein. .

"b. Im Wahlkreis Schlüchtern-Gelnhausen für Herrn Pfarrer Meyenschein.

rreunb gesorgt;

eS für einen fürchte, er wirb bald

~ Guido seufzte und fetzte fich wieder auf den Stein, von dem er sich soeben erhoben hatte.

„Doch nicht wahnsinnig?" fragte Nelly mit Entsetzen.

»Er ist nicht wahnsinnig — bas heißt nicht tobsüchtig," erklärte Frau Vicini; aber er ist, wie Sie ihn sehen. Er ist sanft wie ein Kind, und so freundlich und ruhig — der arme Engländer! Er spricht fast gar nicht und weiß auch nichts über feine Vergangenheit; er erinnert sich nicht ein­mal seines eigenen Namens!"

»Aber was tut er hier?" fragte Nelly; „und tote kommt er hierher?"

»Das will ich Ihnen erklären," sagte Fran -Jtcmt, und sie erzählte nun die ganze Begeben­heit, von dem Sturm, von dem Auffinden der Verunglückten, von der Generösftät des reichen Freundes ihres Schutzbefohlenen, von den Be­mühungen und dem Gutachten des berühmten Dr. Spezzio — alles mit der größten Weitschwei- jt-greit und mit Berücksichtigung der kleinsten Umstande.

Während der Erzählung hatten sich Nelly's Augen mit Tränen gefüllt; das Schicksal ihres Landsmannes ging ihr zu Herzen.

„Das ist schrecklich I" sagte sie, als Frau Vicini schwieg.

»Ja» es ist schrecklich!" wiederholte diese.

„Haben Sie an seine Verwandten geschrie­ben?" fragte da« Mädchen.

»Er hat keine Verwandten, Signora."

„Wie, er hat keine Verwandten?" fragte das Mädchen verwundert. „Und wer war der andere Engländer?"

Einem plötzlichen Impuls folgend, näherte sie fich dem Gentleman und fragte, ob in dem Hause Erfrischungen zu haben seien.

Der Gentleman, welcher kein anderer, als Guido Harrington war, erhob sich und verbeugte sich mit der ihm angeborenen Höflichkeit, indem et in seiner Muttersprache antwortete:

„Ich weiß nicht!"

Nelly'» Gesicht leuchtete auf vor Freude.

„Sind Sie ein Engländer?" fragte sie hastig. „Pch dachte mir's gleich, als ich Sie sah!" Sie hielt ein und errötete von neuem über ihr unge­stümes Wesen, dann fuhr sie ruhiger fort: „Ent- schuldigen Sie. Ich bin schon seit einigen Mona­ten von England fort und es freut mich ganz außerordentlich, einen meiner Landsleute in die­sem fremden Lande zu finden."

Guido sah sie mit freundlichem Ernst an. Sein schönes Gesicht zeigte jetzt keine Spur von Geistes­störung, nur etwas Melancholisches ,ein tiefer Ernst lag in feinen Zügen. Doch er antwortete nicht auf Nelly's Anrede.

Nelly wandte fich, offenbar beleidigt über das sonderbare Schweigen Guido's zum Fortgehen um; Euido ober erfaßte ihr Kleid und rief mit schmerzerfüllter Stimme:

„Gehen Sie nidjt fort, schöne Lady! Bitte, bleiben Sie hier!"

In diesem Augenblick kam Frau Vicini, welche vom Fenster aus die Fremden gesehen hatte, eilig gelaufen und sagte höflich:

„Wollen Sie nicht ins Haus kommen Sig- nora? Alles, was dasselbe aufzubieten hat, steht zu Signoras Diensten. Entschuldigen Sie, daß 7.eS?^toe Engländer auf Ihre Frage nicht geant-

6»t. Er spricht nur wenig."

r 'st — ist er krank?" stammelte Nelly über- rascht.

^„-")?ak.®Ä9nora|N seufzte Frau Vicini. „Er hat toibetlbare Krankheit da im Kopse! Sie ver- neeenjStawrar und sie zeigte mit dem Finger w Estin,, um ihre Worte begreiflich

zu mqch-n.

Der falsche Erbe.

Roman von Ed. Wagner.

14] (Nachdruck verboten).

DieS war das Häuschen des Fischers Tomaso Vicini und das gegenwärtige Asyl deS verun­glückten Guido Harrington.

Eine Weite betrachtete Nelly das Haus, dann ließ sie den Blick langsam über die bezaubernd schöne Landschaft schweifen, aber länger ruhte er auf dem alten grauen Monte Pelegrino, auf des­sen unterer Terrasse durch üppiges Grün ein weißes Haus schimmerte — die Billa Bell Vista. Nelly setzte sich auf einen Felsblock und gab sich ganz der stillen Freiide hin über die Schönheiten rings um sie her. Mrs. Jebb setzte fich neben sie und Vitus, der inzwischen ebenfalls den Fel- sen erklommen hatte, warf sich verdrießlich nieder auf da» Gestein. Gcsfrey ging langsam hin und her, innerlich vergnügt über den Aerger deS Er- Seren.

^Jch will in das Haus gehen, um mir eine Erfrischung zu holen," sprach Nelly, das lange Schweigen brechend, denn ich bin sehr durstig. Wirst Tu mit mir gchen, Margot?"

Mit diesen Dorten erhob sie sich und hüpfte feem Hause zu. Doch kaum hatte sie einige Schritte getan. alS sie auch schon wieder stehen blieb und irtne dunkle Röte — ein Zeichen von Verlegenheit ihr Gesicht überzog. In einer Entfernung von kaum zwanzig Schritten sah sie nämlich, auf «n-m Felsen fitzend, einen jungen Rann, mit einem so hübschen Gesicht, wie sie noch niemals ge- sehen zu haben glaubte, und mit Augen, so tief- blau wie der reine Himmel über ihnen und tat klare Wasser da unten; und diese Augen waren auf sie gerichtet — so traurig und sorgenvoll, als Möchten sie sich am liebsten für immer schließen.

‘, Fs ist ein Tourist," dachte das Rädchen. iJBie siederaefchlaaen et aussieht."

»Und er weiß seinen eigenen Namen nicht?" fragte Nelly bewegt. „Wissen Sie ihn?"

,,^a, Signora, es ist ein fremder Name Ferdinand Brand«."

„Ferdinand Brander!" wiederholte Nelly nach­denkend. „Das ist ein deutscher Name, ein sehr einfacher; und doch sieht der junge Mann so vor­nehm, fein und edel aus."

„Das sage ich auch, Signora! Tomase, mein Mann — er heißt Tomaso Vicini und ich The- resia — finden sein Aussehen viel vornehmer al« daS seines Herrn. Aber das ist so in ber Welt: Jener hat Rang und Vermögen und dieser hat die Schönheit."

„Und er hat keinen Vater, keine Mutter, keine Geschwister, keine Braut und keine sonstigen An­gehörigen, welche ihn zu sich in die Heimat neh­men konnten?"

„Nein, Signora!" und no ch mchr, er hat nicht einmal eine Heimat."

Nelly fühlte ihr Herz noch mchr zu dem Un­glücklichen hingezogen; sie erfaßte mit der rechten Hand diejenige Guido's und strich mit der linken fein weiches dunkles Haar, wobei sie vor sich hin- murmelte:

„Armer, armer Verlassener!"

Guido streichelte ihre Hand und wiederholt« leise feine frühere Bitte:

„Schöne Lady, verlassen Sie mich nicht!" _ "*r hat Zuneigung ?u Ihnen gefaßt, Sig- nora. sagte Frau Vicini, welche die englisch ge- Iprod^nea Worte Guido's nicht verstanden hatte. „Er ist gewöhnlich furchtsam vor Fremden; denn sobald er jemanben kommen sieht, zieht er sich in« HauS zurück. Als der Dottor ihn auf gegeben hatte und ihn nicht merij besuchte, fand ich es für ratsam, die Hülfe des Himmels für ihn anzu­rufen. Ich ging mit ihm nach dem Monte Pele­grino und nach der Grotte der heiligen Rosalia; aber e« hat ihm nichts geholfen. Das Schlimmst« ist", fügte sie gedankenvoll hinzu, „daß er, nach bet Äuifage de» Doktors, em langes Leben hab« wird." (St fJp1

„Ein großer englischer Mylord, Signora. Die- ser iimye Mann war sein Reisegesellschafter — J?nr6e’Ln sein Freund WF- r? Mylord« Name war, glaube ich, Harlrngom.

„Er hat großmütig für seinen F aber dieser ißt nicht so viel, daß Vogel genug wäre. Ich fürchte,