M 120.
Fulda, Montag den 25. Mai 1908.
35. Jahrgang.
Zweites WKrtt
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nett ersten Schülern Lehrstunden gegeben haben soll' und man schätzt sein Alter auf nicht weniger als 2500 •paijre. Der Stamm hat einen Umfang von 10 Metern, die Zweige werden noch jetzt in ledenl Frühjahr von frischem Laube grün, aber man hat einige der größten Aeste mit Stangen stutzen muffen.
_ Tr?i™,?,nOerft“lftmeUe "Venus von Milo". Englische Blatter berichten aus Athen von einem in der Provinz Lakonien gemachten Funde, der m archäologischen Kreisen großes Aufsehen macht und geeignet erscheint, die Frage nach dem ur- sprünglichen Aussehen der berühmten Aphrodite- Statue des Louvre zu lösen. Der Fund besteht nach dieser Meldung in einer unverstümmelten Terrakotta-Statuette, die genau der Gestalt -er Göttin im Louvre-Museum entspricht. Die Statuette stellt die Göttin, in der rechten Hand einen Spiegel, mit der Linken das bis an die Hüften
| hinabgeglittene Gewand haltend, dar.
— Daß verheiratete Männer bedeutend älter werden als Junggesellen, und -aß letztere viel eher Krankheiten ausgesetzt find, als die im Ehe- loch Seufzenden hat ein deutscher Gelehrter an Hand eines eingehenden Studiums der Kranken- hauslisten und der Versicherungsgesellschaften fest- gestellt. Nach seiner Aufzeichnung werden Jung- gesellen rn alteren Jahren meist magen- und
8ui>em find die Fälle von Irrsinn im
lebigkeft das Standesamt.
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* Ein Opfer der Tollwut. Aus New-York wird gemeldet: Der Fabrikbesitzer Marsh war vollständig gesund, als er am vorigen Samstag plötzlich eigentümliche Krampfzustände verspürte, brennender Durst, Unfähigkeit zu trinken und Muskelzuckungen folgten. Am Montag stellte der Arzt fest, daß Marsh vor sechs Wochen die Wunden seines Schoßhundes verbunden hatte, der ihm dankbar die Hand leckte. Vierzehn Tage darauf mrißte der Hund erschossen werden, da er Marshs Stenographin beißen wollte. Der Arzt fuhr mit Marsh sofort zum Pasteur-Institut, dort wurde ihm nach der Untersuchung erklärt, er leide an Tollwut, zu einer Kur sei es aber zu spät. In Paris werde jetzt zwar ein Serum hergestellt, mit dem man so vorgeschrittene Fälle zu heilen hoffe, es könne aber für Marsh nicht mehr recht- zertig beschafft werden. Marsh fragte ruhig: »Wre lange habe ich noch zu leben, Doktor?" Wheeler antwortete: „Vielleicht drei Tage." Marsh fuhr darauf in seine Fabrik, schickte alle Arbeiter, die mit dem Hunde in Berührung gekommen waren, ins Pasteur-Institut und hielt eme letzte Sitzung als Vorsitzender des Verwaltungsrats der Gesellschaft ab, wobei er sein be- dorstehendes Ende ankündete. Marsh nahm dann Abschied ckon ihnen, setzte zu Hause mit seinem Rechtsanwalt sein Testament auf und sagte danach ferner Familie Lebewohl. Am Montag abend legte er sich, Dienstag morgen unterhielt er sich noch mit seiner tiefbetrübten Familie. Gegen Abend konnte er keinerlei flüssige oder feste Nahrung mehr zu sich nehmen oder seine Gedanken sammeln. Am Mittwoch traten heftige Konvulsionen, em, er wurde mit Opium betäubt, erwachte noch einmal mittags, verfiel wieder in schreckliche Krampfe und verschied in der Betäubung durch Opiate. Seitdem sind sowohl Miß Thompson wie der «ohn Marsh's, der den Hund ebenfalls
)-( Die Arztfrage bei den Krankenkassen soll durch eine Konferenz, die auf den 11. Juni im Reichsamte des Innern einberufen worden ist, gründlich beraten werden, damit die endlosen Unannehmlichkeiten, die sich aus den bisherigen Rechtszuständen ergaben, bei der Verschmelzung der Arbeiter-Gesetzgebung ausgeschaltet werden können. Zu dieser Konferenz hat man aus den Vertretungen der Aerzte zwei Richtungen einge« laßen, nämlich die Gegner und die Freunde der fteien Aerztewahl; dann hat man Vertreter von Krankenkassen eingeladen und außerdem berufene i Sachverständige.
Literarisches.
„Ist die Hühnerhaltung gewinnbringend?4' wm >?oh. Schilling. 80 -j. Verlag von G. Soltau rn Flensburg.
Das Büchlein enthält in leichtverständlicher «seife alles Wissenswerte über gewinnbringende Huhnerhaltung resp. -zücht und bringt eine aus- whrliche Abrechnung darüber, wie schon 10 Hen- Hf,n' run^e£. gewöhnlichen Verhältnissen, einen labrlrckren Reingewinn von 50 M leicht bringen tonnen. Unter anderem lehrt es auch, tote der größtmöglichste Eiergewinn, besonders auch wäh- rend der Wrnterzeit, zu erzielen ist.
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Deutsches Reich.
(*) Reichskanzler Fürst Bülow macht äugen« olicklich der Presse eine große Verbeugung. Im September ist in Berlin der internationale dreß-Kongreß, auf dem für gewöhnlich alle möglichen und unmöglichen Leute zusammeukom- men, die mit der Presse nichts zu tun haben. Suloro hat sich in das Ehren-Komitee aufnehmen vssen.
* Der Blockreichstag wurde bei Schluß der Reichstagsseffion in den Überschwänglichsten Tönen gelobt, er hat ja sogar hinterdrein noch eine gute Note von allerhöchster Stelle erhalten. Von dieser Beurteilung sticht grell die Auffassung ab, welche sich jetzt im ,Reichsbotew Über die Leistung des Blockreichstags gellend macht Es heißt in diesem dem Block treu ergebenen Blatt jetzt, daß der Reichstag seine Arbeiten mit denen deS Landtags nicht vergleichen könne, daß er mit Ach und Krach unter dem Druck des Reichs- kanzlerS das Vereins- und Börsengesetz zustande gebracht habe, sich aber für die Lösung der Finanzfrage völlig unfähig erwiesen habe. DaS klingt anders, als man es neulich hören I konnte.
Vermischtes.
* Eilt einzigartiges Jubiläum beging Johanna Gilhaus, die seit 75 Jahren ununterbrochen der Familie deS Kaufmanns Karl Meyer in Osnabrück ihre Dienste gewidmet hat. Der jetzt erblindeten Greisin wurde bereits vor einigen Jahren das Bürgerrecht ehrenhalber verliehen.
* Eine internationale Vereinigung für Krebsforschung ist am Samstag in Berlin begründet worden.
* Der Blitz schlug bei Trier in eine Gruppe von Arbeitern und Arbeiterinnen der Weindomäne Serrig, die hinter einem Bretterverschläge Schutz vor dem Gewitter gesucht hatten; 2 Mädchen wurden getötet und 2 Männer verletzt.
bon Uhde, der Begründer der modernen religiösen Malerei hat am Freitag seinen 60. Geburtstag begangen. Uhde, einer der bedeutend- neu Künstler, zeigte die Originalität seiner Ve- aabung zuerst in dem Gemälde „Lasset die Kind- lein zu mir kommen", das heute im Leipziger Museum hängt. Dieselbe Art haben seine später entUanbenen Gemälde: „Die Jünger in Emaus", „Komm, Herr Jesus, sei unser Gast", das „Tisch- ge^t", der „junge Tobias" und viele andere. Uhde war ursprünglich Offizier und machte als Leutnant den deutsch-französischen Krieg mit. In seinem M Lebensjahre zog Uhde als Rittmeister den Soldatenrock aus, um sich der Malerei, zu der er mit ganzer Seele neigte, zu widmen. j
— Sin 60 Pfund schwere» Kleid. Am Hof- 5« Petersburg wurde im Jahre 1900 das sogen. Boiarenfest gefeiert, das man für das glänzendste ®offep der letzten Jahre überhaupt erklärt. Man
a Jtc$ damals in die farbenprächtige Zeit Iwan» de» schrecklichen zurück und scheut» fein I »itttel, um den sagenhaften Pomp jenes Jahr- hunderts nachzuahmen. Die Hofkavaliere erschie- tren w,e die russischen Großen des MittelallerS Mb.dr« Zarin stellte die Gemahlin des ZE AlexiS Michailowitsch vor. Das Kostüm, das sie Vir jenem Abend trug, muß ein einzigartiges Wunderwerrk gewesen sein. Es war über und Ober mit Edelsteinen bedeckt und hatte infolge- dessen ein Gewicht von 60 Pfund. Zwölf Arbei- terinnen hatten vierzehn Tage allem mit dem Rufnähen der Edelsinne zu tun. Die Zarin hat
„drückende" Gewand nur ein einziges Mal getragen, und auch daS ist wahrhaftig keine kleine wetfiung.
* T»et dickste Baum der Welt befindet sich auf «r Insel ToS an der Küste Klein-Asiens. ES ist Kne uralte Plantane, unter deren Schatten der Vvariinder der antiken Medizin, Hippocrates. fei- >
3u den Lan-tagswahlen.
nn ^.?°^mund, 24. Mai 1908. In einzelnen Wahlbezirken hat die Sozialdemokratie die Parole ausgegeben: Arbeitsruhe am Wahl- tage- Den Anstoß dazu gab der Antrag des Dortmunder Magistrats, daß im Wahlbezirke Dortmund-Stadt Terminwahl angeordnet werde, statt der für Städte Über 50000 Einwohner vor- geschriebenen Fristwahl, bei der den ganzen Tag gewählt werden kann. Der Minister genehmigte diesen Antrag. Daraus gab die Sozialdemo-! tratie tu Versammlungen und in der Presse die ^ro-auf ArbeitSruhe am 8. Juni aus. Die christlichen Arbeiter werden sich voraussichtlich die-er Parole anschließen, da sie bet der Termin- sonst nicht ausüben können.
Lieselbe Parole hat nunmehr auch das Essener ^ualdemokratische Organ für die Wahlbezirke Essen-Stadt und Effen-Land veröffentlicht.
, * Aus Nassau, 24. Mai 19(8. Im Re- gierungsdezirk Wiesbaden, welcher in elf Land- agswahlkreisen zwölf Abgeordnete zu wählen .at, hat das Zentrum in sechs Wahlkreisen ngene Kandidaten aufgestellt. Außer den bis- ■jemen Abgeordneten Dr. Dahlem für Wester- ''urg-unterioesterwald und Kommerzienrat Ca- ^ensip für Limburg, die wieder aufgestellt wurden.
angcfaßt hatte, an denselben Symptomen er« franft
-. - B-im Kaffeeklatsch. „Ah, das ist schön, daß Sie doch noch kommen, Frau LandgerichtSrat — wir waren aber auch brav und haben noch waS übriggelaffan . . .' — „Von mir oder für mich?44
. — Variante. .Die reiche Bankierstochter wird Mir demnächst die Hand sür'S Leben reichen.' — "Na, sagen wir: zum leben!*
- Auf jede« Fall. Kundin: .Sagen Sie 'mal, ueber Freund, rote sagt man eigentlich richtig: Margarrn oder Margarine?* — Kommis: .Ich mu6 immer Butter sagen - sonst schmeißt mich der Chef raus!*
nr * Die Unterstützungsvereine in Frankreich. Aus Rom wird gemeldet, daß der Vatikan von französischen Bischöfen, Oberhäuptern von religiösen Orden und hervorragenden Laienpersonen zahlreiche Telegramme erhalten hat, in denen die unbedingte Zustimmung zu dem Schreiben des Papstes zu dem Verbot der geistlichen Unter st ützungs vereine ausgesprochen wird. Bekanntlich war es die Absicht, der Regierung und der Kammern gewesen, daß das etwa zwanzig Millionen Francs betragende Ver- mögen der früheren Alterspenstonskaffen der Geistlichkeit, das von der Regierung mit Beschlag belegt worden war, den zu gründenden geistlichen Vereinen für gegenseitige Unterstützung iu überweisen. Ferner sollten Stiftungen für Messen, die gleichfalls von der Regierung eingezogen wurden, nicht von den direkten Erben den Unterstützungsvereinen überlassen werden können.
I Die ablehnende Haltung des Papstes beruht darauf, daß die Unterstützangsvereine ebenso wie die Kultusoereine der Kontrolle der Kirche entzogen find. Das päpstliche Schreiben führt aus, daß die betreffenden Vereine eigentlich nur verkappte Kultusvereine feien und kein Mittel hätten, un- ordentliche oder mit der Kirche zerfallene Elemente von sich fernzuhalten. Der Papst habe also, so lew eS ihm tue, feine Zustimmung nicht geben können. Zum Schluß teilt das Schreiben mit, der Papst habe die Mittel hinterlegt, um jährlich 2000 Messen nach den Absichten der Stifter lesen zu^lassen. Die nicht katholische französische Presse hat an den päpstlichen Schreiben wieder sehr viel auszusetzen. Die katholischen Blätter sagen mit gutem Recht, mit materiellen Schlägen könne man der Kirche und ihren Dienern nichts anhabeu, sie ertrage sie geduldig und verjünge sich dabei. Der „Temps" gibt übrigens zu, daß das Argument des Papstes von der Zulassung
kandidierm für St. Goarshausen-Rheingaukreis- Meisenheim Weingutsbesitzer Heß-Rüdesheim, für WieSbaden-(Land)-Höchst Weingutsbesitzer Will). Haenlein-Hochheim und für Oberlaunus-Frank- furt (Land) v. Stumpf-Brentano-Rödelheim. In Frankfurt-Stadt stellte daS Zentrum, wie gemeldet, den Reichslagsabgeordneten Hamecher und den Landgerichtsdirektor Jtschert als Kandidaten auf. Es ist daS erstemal, daß die dortige Zentrumspartei zu den Landtagswahlen eigene Kandidaten aufstellt. Da es hier wahrscheinlich zu einer Stichwahl zwischen den Nationalliberalen und Demokraten kommt, dürfte die Entscheidung bei dem Zentrum und den Sozialdemokraten liegen. Auch in den anderen Bezirken sucht das Zentrum nach Möglichkeit Wahlmänner durchzubringen, um bei der Hauptwahl das Gewicht der Zen- trumsstimmen mit Nachdruck geltend machen zu können. Die beiden seitherigen konservativen Abgg. v. Heimburg für Biedenkopf und Dr. Beckmann für Oberlahn-Usingen sind wieder ausgestellt worden. Außerdem haben die Konservativ en tm DillkreiS-Oberwesterwald in der Person des Landwirts Eckhardt-Neuhütte einen eigenen Kandidaten aufgestellt. — Die Nationalibe- *alen stellten in acht Wahlkreisen Kandidaten auf; bisher hatten sie sechs Mandate. Die Frei- sinnigen haben fünf Kandidaten nominiert. Die Sozialdemokraten endlich haben in allen Bezirken Kandidaten aufgestellt.
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5. «lasse. 15. ZiehungStag. 22. Mai 1908. Nachmittag. Nu» die Gewinne über 240 Mk. find in Klammern beige,. (Ohne Gew-hr. A. St.-«, f. Z.) (Nachdruck verdaten.) 433 b6 607 761 (1000) 1244 563 90 810 2038 97 371 94 810 4096 126 420 93 633 813 62 841 (1000) 4167
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