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JA ILO.
Fulda, Montag den 25. Mai 1908.
35. Jahrgang.
Erstes Matt
Zu den tandtagswahlen
steuer veranlagt ist, in der zweiten Klaffe wählt.
DaS Urteil im Moltke-Hardenprozeß ist heute.
„Dies find Ihre Sinar Reisegepäck befindet sich i
— Der evangelisch>soziale Kongreß wird vom 9. bis 11. Juni tn Dessau tagen. Man will sich beschäftigen mit der wirtschaftlichen Not der schulentlassenen Jugend, ferner mit der gemeinnützigen Rechtsauskunft und anderem.
* Hamburg, 23. Mai 1908. Die Hamburger Bürgerschaft, deffen Mehrheit sich gern „liberal* nennen hört, hat alle Anträge der Sozialdemokraten und einer liberalen Gruppe auf AuSschal- tung der NachteiledeS R eich S vere inSgefetzeS, soweit es eine weitgehende Einschränkung der bürgerlichen Freiheit bedeutet, abgelehnt.
noch seine Bedeutung, und nichts als Heuchelei und Schaumschlägerei ist es von den volkSparteilichen Führern, wenn sie den Glauben zu erwecken suchen, als sei es ihnen Ernst mit der Erkämpfung des Reichstagswahlrechts in Preußen." (Lebhafte Zustimmung.)
Die Aussichten in dem Kreise Wilmersdorf sind gut; das Zentrum tritt dort für die Sozialliberalen ein. Diese haben sich gegen jedes Ausnahmegesetz und für die Freiheit der Religions- Übung ausgesprochen.
„Dies find Ihre Zimmer Miß Wilkins. Ihr Reisegepäck befindet sich in dem Toilettezimmer. In einer Stunde wird das Essen auf dem Tische sein."
Damit zog sie sich zurück.
Deutsches Reich.
'-V- Die neuen Reichssteuern. Da» Bukett neuer Reichssteuern, daS der StaatSsektrtäe Sydorn im Herbst dem Reichstage überreichen will, soll beresiS im Sommer der allgemeinen Begutachtung preisgegeben werden. SBte mitge-
DttHardtNMkß vor dem Reichsgericht,
ns. Leip zig, 24. Mai 1908.
Verteidigung werden in dem neuen Prozesse wahrscheinlich nicht mehr die Tonart anschlagen, mit btt sie vor der Strafkammer da» erstemal ausgetreten sind. Auch die Aussagen der Frau v. Elbe dürste« nunmehr wieder in ein anderes Licht gerückt werde«. Man kann sich da wieder auf einen netten Skandal- Prozeß gefaßt machen.
stro, der ebenfalls nach Palermo zurück wollte, über die Felsen hinab an den Strand und wenige Minuten später flogen sie in einem kleinen Kahne auf dem leise schwankenden Meere dahin.
IV.
Guido Harrington findet eine Freundin
An der sizilianischen Küste, etwa 4 Meilen von Palermo und zwei Meilen von dem Hause Tomaso Cicini's entfernt, lag eine kleine, reizende Billa, genannt Billa Bella Bista. Sie lag auf einer fruchtbaren Terrasse des Monte Pelle- grino, mit der Front nach dem Meere, und war auf beiden Seiten, sowie nach rückwärts, umgeben von einem kleinen Wäldchen von Orangen- und Mandelbäumen.
Dies war die Billa, welche Roderich Gildon zu seinem Winteraufenthalte gemietet hatte.
Die Sonne neigte sich zum Untergang, als der Wagen mit den neuen Bewohnern der Billa durch die schattige Allee fuhr und sich dem Hause näherte. Nelly lehnte in einer Ecke; in ihrem schönen, engelreinen Gesicht lag ein Zug von Schwermut und ihre dunklen Augen waren voller Besorgnis.
„Das ist ein sehr einsamer Platz I" sagte sie mit Bitterkeit.
„Er ist allerdings einsam,* entgegnete Gil- don, „aber dennoch werden Sie zugeben, daß er schön ist. Ich hoffe, daß es Ihnen hier gefallen wrrd, da wir den Winter über hier bleiben werden. Ich habe bei meinen Arrangaments besonders auf Ihre Bequemlichkeit Rücksicht genommen und es an nichts fehlen lassen, was Ihnen den Aufenthalt hier angenehm zu machen geeignet wäre. Unser Haushalt ist auch bereits in Ordnung, die Dienerschaft am Platze, unsere Sachen in unfern Zimmern und in einer Stunde werden wir zusammen das Mittagsmahl einnehmen."
Der Wagen war vor dem Hause angekommen und hielt am .Saupktnganae still. Mr. Gildon öffnete den Schlau, ftiea binau» und bot Nellv
Ausland.
* Ministerkrisis in Oesterreich. DaS Korn- l promiß, daS zwischen der österreichischen und ungarischen Regierung in Bezug auf die Erhöhung I der Ofsszierchagen geschloffen wurde, hat zur Anbietung der Demission seitens deS Minister» I deS Auswärtigen und deS Reichskriegs« I Ministers geführt, weil die christlich-sozial« Partei auf der vollen Erfüllung der in den Delegationen gegebenen Versprechungen der beide« I Minister beharrt.
* Im österreichischen Abgeordnetenhaus I wurde am Freitag die Beratung der Dringlich- keilsanträge, betr. Wahlmißbräu che bei den letzten galizischen LandtagSwahle« fortgesetzt. Die ruthenischen Redner machten den Beamten den Vorwurf, die herrschende Partei bei den Wahlen unterstützt zu haben und griffen die altruthenische Partei heftig an, deren Unterstützung durch die herrschende Partei ein Großziehen der russischen Jrredenta bedeute. Hierauf wurde die Verhandlung auf Montag vertagt.
* Die süddeutschen Bürgermeister sind am SamStag im Buckingham-Palast vom König Eduard empfangen worden. Der König hielt eine deutsche Ansprache, in der er auf das ausgezeichnete Wetter hinwieS und die Hoffnung ans'prach, daß alle anderen Umstände des Besuchs damit in Einklang stehen möchten.
* Eine Wahlreform für England hat, wie bereits gemeldet, Premierminister Asqurth neulich in einer Rede angekündigt. Wie man der ,Magdb. Ztg.' meldet, sollen nach AsquithS Wahlreformbill alle Großjährigen da» Wahlrecht erhalten. Eine Diätenzahlung an die Parlamentsmitglieder wird nicht beabsichtigt. Die siebenjährige Legislaturperiode soll deibehal« len werden. — Danach wäre die Einführung deS allgemeinen Wahlrechts geplant. Bisher
ö Fulda, 24. Mai 1908. Für die bevorstehende Wahlmännerwahl am 3. Juni ist die Stadt Fulda in 14 Wahlbezirke eingeteilt worden. Bei der letzten Landtagswahl kam man noch mit 12 Bezirken aus. Als Wahllokale sind bestimmt: für den ersten Wahlbezirk der Stadt- verordneten-SitzungSsaal im Stadtschloß, ferner der Reihe nach daS Kathol. Gesellenhaus, der Lindenhof, daS Ballhaus, die Viktoria, der rote Saal im Orangeriegebäude, daS Waisenhaus, der Badegarten, der Darmstädter Hof, die Hinterburg, das Parkhotel, der Kaiserhof, die Gieselsche Brauerei und für den letzten Wahlbezirk der , y __________,_______________ Bürgerverein. Wahlberechtigt sind im Ganzen
befteuerung. — Vor einigen Tagen hieß eS noch, I 3646 Urwähler. Davon wählen nach der ersten Steuerklasse 90, nach der zweiten 333 und nach der dritten 3223 Personen. Da die Steuer eme8 jeden Wahlbezirke- für sich gedrittelt wird, | kommt es vor, daß in einem Bezirk ein Wähler die erste Klasse allein beherrscht. Auch in den anderen Wahlbezirken sind es naturgemäß nur wenige (die Zahlen bewegen sich zwischen 3—10) die in der ersten Klaffe ihren Einfluß geltend machen können. Wie diesem Wahlsystem in seinem innersten Wesen der Stempel der Ungerechtigkeit aufgedrückt ist, geht auch daraus hervor, daß durch die Drsttelung eines jeden Wahlbezirks für sich in dem einen Wahlbezirk ein Wähler, der mit einer Einkommensteuer von I 80 Mark emgeschätzt ist, in der dritten Klaffe wählt, während in einem anderen Bezirke ein Wähler, der nur mit 12 Mark Einkommen
war zur aktiven wie passiven Wahlberechtigung 21 Lebensjahre und der Besitz eines Hauses, von Land ober die Zahlung von 10 Lstrl. (200 Mk.) jährlicher Miete erforderlich.
* Die englischen Frauenrechtlerinnen sind 1 aus allen ihren Himmeln unsanft herabgefallen. Nach neuerlichen Auslassungen deS Premierministers Asquitte schien es so, als sei die Regierung geneigt, in der Frage deS Frauenstimmrechts Zu- geständniffe zu machen. Zwanzig Frauenrechtlerinnen zogen es gleichwohl vor, bei Asquitte einen bündigen Bescheid einzuholen. Wie groß war aber die Bestürzung der Damen, als ihnen der Premierminister rundweg erklärte: An ein Frauenwahlrecht in England ist einstweilen nidjt zu denken. Die Frauen verübten daraufhin den gewohnten Unfug, so daß sechs von ihnen verhaftet werden mußten. Sie wurden nach dem Polizeigericht gebracht und von diesem zu 1 bi» 3 Wochen Hast verurteilt.
* Schweizer Militärkredite. Wie aus Ber« gemeldet wird, hat der Bundesrat bei der Bun- desverfammlung einen Kredit von 5300000
teilt wird, beabsichtigt Fürst Bülow, noch ehe die politische Sommerruhe einfetzt, die Finanz- Projekte der öffentlichen Diskussion zu unterbreiten. Vorher, und zwar kurz nach Pfingsten, soll eine Besprechung zwischen einzelnen Parlamentariern und den Vertrauensleuten ber Regierung über die Grundzüge der Steuer- resorm stattfinden. Die Ausdehnung der Reichs- erbschaftssteuer auf Kinder und Ehegatten gehört, wie es heißt, nicht zu den Sydowschen Steuerplänen. Bayern und andere Regierungen, Kber Mainlinie, seien zwar für den ÄuS-
iefer Abgabe, würben sich aber im BundeS- rat den Forderungen Preußens, SachsenS und der norddeutschen Staaten fügen, die von einer noch höheren oder mehr ausgedehnten Reichserb- schaftSsteuer ebenso wenig wiffen wollten wie von einer Reichsvermögen- und Reichseinkommen-
sservativ-fretsinniqen Kart eil drei freisinnige Kandidaten entgegenaefteUt werden. In den weitesten liberalen Kreisen mutz e» verurteilt werden, daß in der Aera d«S Kampfe» für da» ReichStagSwahlrecht in Preußen Freisinnige sich von den Konservativen ein Mandat geben lieben, unter der Bedingung, mit den Konservanven gemeinsame Wahlmannskandidaten auf- zustelln» und zwei konservative Wahlrecht»- gegner ,u Abgeordneten Mitzuwählen. Wenn irgendwo, so war vor den Toren Berlin» ein ehrlicher, offener Kampf von Feind gegen Feind am Platze. DaS Kompromiß wird dort den freisinnigen Parteien mehr schaden, alS chnen der Gewinn de» einen auf diese Weise erworbenen Mandat» je nützen könnte! Die Brandfackel ist in die Reihen der Liberalen deS Kreise» hineingeworfen, und wer weiß, ob sie nicht darüber hinau» Unheil anstiftet. Die kompromißfeind- lichen Freisinnigen wurden gezwungen, die Konsequenzen ihreS vom Parteistandpunkt auS korrekten Vorgehens zu ziehen und mit eigenen Kandidaten die Situation so gut wie möglich zu retten*
Noch schärfer gehen natürlich bie Sozialliberalen vor. Dr. Barth führte kürzlich in einer Versammlung in einem Berliner Vororte auS:
„ES ist eine maßlose Ungerechtigkeit, daß man eine große Partei von jeder Stellung im Staate absolut a u »s ch a l t e t. Solange wir nicht dahin gelangt sind, die Reichsverletzung als eine poli- ttsche Sünde zu betrachten, solange werden wir auch zu einer liberalen Gesetzgebung nicht kommen. Unrecht tun, ist schon schlimm, aber Unrecht leiden, ohne ernsthafte Gegenwehr, tft schmachvoll. Tief bedauerlich ist es, weil die liberalen Führer ihre Grundsätze völlig verfahren haben. WaS das schmachvolle Kompromiß in Niederbarnim anlangt, so wissen wir jetzt, daß Fischbeck dabei war, als da» Schachergeschäft zustande kam. (Pfuirufe und Lärm.) Hier hat bie Bolkspartei alles verraten, was ste früher an Prinzipien hatte. (Lärmende Zustimmung.) Angesichts bieser Tatsache ist es unerhört, daß sich diese Partei in Wahlflugblättern noch als Kämpferin für das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht aufspielt. Wenn eine ganze Partei sich derartiges von ihren Führern gefallen läßt, taugt sie selbst nichts. (Lebhafter Beifall.) Das moralrsche Element hat auch in der Politik
Da» Urteil wurde wegen eines Formfehlers aufgehoben. Der Gerichtsvorsitzende hatte nämlich zirka 7 Wochen nach der Verhandlung nachträglich eine Eintragung in das Protokoll gemacht, die zur Aufhebung führen mußte, da der Verteidiger Haidens zufällig davon Kenntnis hatte. — Für Harden bedeutet der Sieg in dieser Form eine Niederlage. Das Reichsgericht hat die Auffassung des Staatsanwaltes, daß er beliebig in jedes Privatklage-Verfahren eingreifen könne, nicht für falsch erklärt. Harden kommt jetzt also wieder vor die Strafkammer, dieselbe, die ihn neulich verurteilt hat. Rechtlich steht er heute vielleicht ungünstiger da als vorher,,------tu.ul w»
in tatsächlicher Beziehung freilich liegen die Franken beantragt für die Erwerterung bet Dinge heute anders, und der Graf Moltk und seine! Artil lerie-Waffenplätze zu Biere und
im Reichsschatzamt sei man sich über bie neuen Steuern noch nicht im klaren; baß auf bie Ausdehnung ber Reichserbschaftssteuer auf Kinder und Gatten verzichtet werben solle, würbe glaub- haft auch schon früher versichert.
* DaS Kronprinzenpaar im Rheinlanbe. Barmen beging am Samstag bie Hundertjahr, feier seiner Stabtwerbung. Das Kronprinzen- paar wohnte ber Feier bei unb nahm auch an der Grundsteinlegung des neuen Rathauses unb der Eröffnung ber Ausstellung für altbergische Jnnenkunst teil. Der Oberbürgermeister Voigt hielt bei der RathauSfeier eine Rebe, in ber er einen Rückblick auf bie Geschichte ber Stabt gab. Er erwähnte, baß mit dem Jahre ber Barmer Jahrhundertfeier bas 100jährige Jubiläum ber preußischen Städteorbnung zusammenfalle. Nach- j dem ber Oberbürgermeister auf bie Bebeutung „ .. „ _____„___
der Selbstverwaltung ber Städte hingewiesen. Die Stabt Fulba hat 81 Wahlmänner zu wurde eine Kapsel mit ber Urkunbe über bie wählen. Auf bie erste Steuerklasse mit 90 Grundsteinlegung und einige Münzen mit dem Wählern, bie zweite mit 33 Wählern und die Bildnis der Kaisers in den Grundstein gelegt, dritte mit 3223 Wählern kommen je 27 Wahl- Bei dem darauffolgenden Festmahl dankte der Die Zahlen reden eine deutliche Sprache urieu Ull t|l 9eilte,
Kronprinz auf einen Trmkspruch deS Oberbürger.I und sollten die Zentrumswähler anfpornen, mi„ {xn„ LLLAf.k»,
weifie.5 ’flt l.n «Snen ®mpf«n8 unb fldu, »«monflraii,, Mann für M-m. an dm Wchb ?
sein baldig«, Wiederkommm m AuSficht, um siich S-Irrten und ihre Glimmen abzugeben iür I s ? -ntgetcüt wurde, vom Reichsgericht auch bie großen industriellen Unternehmungen in I solche Wahlmänner, bie gesonnen sind, nur einem I aufgehoben und zur anderweitigen Verhandlung und ~ zu geben, der mit Entscheidung an die vorige Instanz zurückgewiesen
“ ‘ , I worden.
großen industriellen Unternehmungen in I solche Wahlmänner, bie gesonnen sind, nur einem Barmen kennen zu lernen. Von Barmen fuhr I Abgeordneten ihre Stimme zu geben, ber mit daS Kronprinzenpaar nach Düsseldorf, wo allen erlaubten Mitteln für baldige Beseiti- ihm im Ständehause da- Hochzeitsgeschenk derjgung dieses elendesten aller Wahl- Provinzen Rheinland und Westfalen in Gestalt Systeme eintritt. Dieses Versprechen hat der eines PrachtbuchwerkeS, betitelt: Silberner Tafel-1 neue Kandidat des Zentrums Herr Amtsge- schmuck deS Kronprinzenpaare- überreicht wurde. I richtsrat Rhiel in Fulba den Vertrauens- Abends wohnte daS Kronprinzenpaar in ber I männern ber Zentrumspartei unb damit seinen Tonhalle einem Festspiel bei, bas Stadt und Wählern gegeben.
Künstlerschaft veranstaltet hatten. Danach war! Die Unzufriedenheit im freisinnigen Beleuchtung der Hauptstraßen der Stadt. Aus I ^°9er wegen dem Wahlabkommen der freism- Sonntag vormittag war Appell bet ehemaligen "igen Volkspartei mit den Konservativen ist im Gardisten auf Rheinland und Westfalen, dann I Wachsen begriffen. Die offiziöse Korrespondenz erfolgte eine Besichtigung der neuen städtischen! öer freisinnigen Vereinigung schreibt: Krankenanstalten. Sonntag nachmittaa fuhr bas I „ «. -Die Dinge tm Wahlkreise Nieder- und Oberbarnim Uronprinzenpaar h. «utouwbte. nnch'vvnn.II
die Hand: diese ließ dieselbe jedoch unbeachtet und sprang behende auf die breiten Stufen des Portals. Mrs. Jebb und ihr Sohn folgten, jedoch etwas bedächtiger, ihrer jungen Herrin.
Gildon führte seine Mündel durch die offene Tür in eine große, prachtvoll ausgestattete Halle, mit Mosaik-Fußboden, untadelhast rein und glatt poliert wie Glas. Gildon öffnete eine Tür und nötigte Nelly in das Empfangszimmer durch einen hohen, weiten Bogen, von dem seidene Gar- dinen in schwere Falten herabhingen, getrennt war.
Mrs. Jebb trat zu ihrer Herrin und flüsterte ihr ins Lchr:
„Das ist ein prächtiges Gebäude: ich hatte erwartet, ein gefängnisartiges Haus zu finden."
Nelly's Blick zeigte, daß sie dasselbe erwartet hatte.
Mr. Gildon näherte sich Nelly ebenfalls und sagte lächelnd:
„Meine Liebe, da Sie nominell Herrin deS Hauses find und ich in jeder Weise Ihr Ansehen zu erhöhen bestrebt bin, will ich die Dienerschaft rufen und Sie derselben vorstellen. Ich will nur noch bemerken, daß wir hier keinen so großen Aufwand machen werden, wie auf unseren Gütern daheim, weshalb ich auch nur drei Leute engagiert habe: einen französischen Koch, eine Sizilianerin für das Hauswesen und einen Kutscher, der ebenfalls ein Sizilianer ist. Mrs. Jebb wird zu Ihrer Bedingung genügen, und ihr Sohn bleibt Ihnen ebenfalls zur Verfügung. Mein Diener, Vitus, wird das Amt eines Kellermeisters und Stewards versehen und überhaupt die Aufsicht über das Ganze führen."
Er ging nach dem Glockenzuge, aber Nelly trat ihm mit einer abwehrenden Bewegung entgegen.
„SS ist nicht nötig, daß Sie den Koch, den Kutscher und dre Haushälterin zusammenrufen,
b e Herrin ihnen vorzustellen,"
^9,SA^r.mi <n^t t^rti}I^etoorfenen Lippen. „Ich ioerbe ihre Bekanntschaft schon aeleaentlich ma
chen. Jetzt würde es mir angenehm sein, wenn ich mich in meine Zimmer zurückziehen könnte." „Wie es Ihnen gefällt," entgegnete Mr. Gildon höflich
Er zog die Glocke, worauf sogleich eine ältere Fvau erschien, mit gelblichem Gesicht, braunen Augen und schwarzem Haar.
„Miß Wilkins", sagte Gildon, „dies ist unsere Haushälterin, welche Ihren Anordnungen Fol» leisten wird. Ihr Sterne ist —"
„Melita," ergänzte die Haushälterin. „Miß WilkinS Komfort wird meine erste Sorge fein."
„Dann bringen Sie mich nach meinem Zimmer". jagte Nelly ruhig.
Die Haushälterin warf einen Blick zu Mr. Gildon und verließ dann das Zimmer, gefolgt von Nelly und Mrs. Jebb. Sie gingen die breite mit kostbaren Teppichen belegte Treppe hinauf und kamen in einen langen Korridor, und Melita öffnete eine Tür mit den Worten:
„Dies ist wirklich ein hübsches Haus, Miß freudig. „Vielleicht hat Mr. Grldon sich bekehrt und seine Heiratsgedau- ken aufgegeben, und bann könnten wir allerdings den »Sinter hier ganz angenehm verleben." m $‘^a ist freilich hübsch," antwortet»
»Er sie kommt mir vor tote ein Gefängnis, liebe Margot."
trat an ein Balkonfenster, welches eine herrliche Aussicht über das Meer gewährte. Dan« besichtigte sie ihre Zimmer, welche mit allem Komfort und mit lvahrhaft verschwenderischem Luxu» auSgestattet waren. An ihr eigenes Schlafzimmer stieß ein kleines Schlafkabinet, welches für MrS. JHb bestimmt war.
(Fortsetzung folgt.)
vn falsche Erbe.
Roman von Ed. Wagner.
12j (Nachdruck oetMen).
Dies geschah, und als Palestro das Geld in srnne Tasche steckte, sagte er leise, aber mit schrecklichem Ernst:
"DaS Leben unseres armen Blödsinnigen bangt nur an einem einzigen Worte von Ihnen, Signor. Ich werde jede Woche an Sre schreiben. Wie soll ich die Briefe adressieren?"
„Adressieren Sie die Briefe an John Burlington, Gloucester, England."
Palcstro schrieb die Adresse in fein Notizbuch, tnbem er sagte: 3 ’
„Ste» ist nicht der Name, den Sie gestern abend als den Ihrigen nannten."
sichert"' K6er “ ’f* unsere Korrespondenz
Nach abermaliger Besprechung des Bündnisses trennten sich die beiden und Brander ging in das Hau», indem er vor sich hinmurmelte:
„Auch diese Gefahr ist beseitigt, ich habe jetzt Nicht» mehr »u fürchten.
Al» er in die Stube kam, fand er Vicini. zu dem er sagte:
„Ich will noch einmal nach meinem Freunde sehen und dann sofort aufbrechen I"
„Wenn es Ihnen recht ist, will ich Sie in meinem Boote nach Palermo fahren, Signor."
„Gut, dann machen Sie sich zur Abfahrt bereit'
Er trat ins Schlafzimmer. Guido war wach «md sah ihn mit müden Augen an.
„Ade, mein Freund!" sagte Brander, Guido's Hand erfassend. „Leben Sie wohl!"
„Gehen Sie fort; ich will allein fein!" sagte Guido abwehrend.
. Brander ging schweigend zurück in die Wohn- Bube und reichte Frau Vicim die Hand zum Ab- «nede: dann etna er mit dem Fisch«: und Stele-