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35. Jahrgang.

Fulda, SamStag den 23. Mai 1908.

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ittodtf tatHtwH 8nsnat)mt ber So ja« xnö Feiertag«, viertel- jährlicher vezngrprei, atz« vrtngrrlohn and vestellgeldinZüldaso« wiraniwärtil-SoMt.

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Monatrbeüager „Fuldaer GeschichtZblAt^ Fernsprecher UtJL*

Feindinnen des Zentrum- bekannt haben. In Einverständnis mit der Verlammluna bat dir Schriftstellerin Maria Lischnewska, Die früher in Spandau DolkSschustedrerin war, dort aber mti ihren überfreien Ansichten auf allen mäq- ltchen Gebieten nicht bestehen konnte, für dir be- vorstehenven preußischen Landtagswahlen pro» gramuuaiiche Leitsätze ausgestellt, deren wichtigster Nipp uno klar .Lahmlegung de« Zentrum« und Verständigung mit den K"nservaiiven' fordert. Weiter begeisterte man sich für .Bildung eine« liberalen Block- von Baflermann btv Naumann mit regelmäßigen Konferenzen zur Ausgleichung der Fraktionsunterfchiede und zur Stärkung de« liberalen Gedankens".

J Darmstadt, 22. Mai 1908. Die zweite Kammer nahm heute die Regierung«»Vorlage betr. die Errichtung einer Fürsorge» Kaffe für die Beamten in Landgemeinden in der vom Fmanz-Ausichufse vorgeschlagenen Fassung an. Verschiedene Versuch«, die Versicherung aus alle Gemeindebeamten ohne Ausnahme und auch auf die Bürgermeister mit weniger als 900 Mk. Stelleneinkommen au-zudehnen, scheiterte an der kategorischen Erklärung der Regierung, daß im Falle der Annahme der Abänderung« • Anträge daS Schicksal der Gesetzesvorlage besiegelt sei. Die Vorlage bedeutet einen ersreulichen sozialpolitischen Fortschritt und bildet daS einzige grSi-ere gesetz» geberitche Werk, das in dieser im allgemeinen wenig fruchtbaren Legislaturperiode zustande ge­kommen ist. Die zweite Kammer wird am Di-ns- tag die Nebenbahn-Vorlage beraten, welche bekanntlich der Provinz Oberhefsen eine wertvolle Bereicherung ihres BahnnetzeS um 3 neue ^Neben­bahnen bringt. Nach einem bei der Budget-Be­ratung gefaßten Beschlüsse wird sich an diese Be­ratung eine allgemeine Eisenbahn-Debatte an­schließen, in welcher die Abgeordneten ihre Zahl­reichen Bahnschmerzen zum Ausdruck bringen wer­den. Es wird dabei zweifellos auch die preu­ßische Eisenbahn-Politik zur Sprache kommen, die in Hessen nach wie vor auf großen Widerstand stößt. In der Bevölkerung und auch im Landtage wird beständig Klage darüber ge­führt, daß der preußische Eisenbahn-Fiskus sich in Bezug auf drn Ausbau deS Nebenbahn-Netzes lediglich von fiskalischen Beweggründen leiten und die volkswirtschaftlichen Gückstchten dabei in den Hintergrund treten läßt. Von den drei in die neue Nebenbahn-Vorlage aufgenommenen Bahn« knien wird nur eine, AlSfeld-Hersfeld, in die preuß -Hess. Eifenb.-Gemeinschaft übernommen. Im Landtage wurde dies damst wohl mit Recht begründet, daß an dieser Linie, die zum großen Teil preußisches Gebiet berührt, Preußen in her­vorragendem Maße interessiert ist. Ein weiteres Bahnprojekt, das bisher noch nicht spruchreif geworden ist, dürfte in Bälde gleichfalls von Preußen gebaut werden, die durch daS Ried führende Linie Gustavsburg—TrebuS—Goddelgu. Wie verlautet, ist es nunmehr nach langjährigen Bemühungen den von der Hess. Ludwig?- bahn übernommenen Beamten der preußifch- hesfischm Eisenbahngemeinschaft gelungen, die Zustimmung deS preußischen Ministers der öffentlichen Arbeiten zu einer weiteren Ermäßigung der diesen Beamten auferlegten BeitragSpflicht zur Pensionskaffe zu erlangen. Der Minister soll seine Zustimmung dazu gegeben haben, daß die jährlichen Beiträge zur Pensionskaffe fortan von 5 aus 81/* Prozent ermäßigt werden.

* Koburg, 22. Mai 1908. Heute fanden die Wahlmänner wahlen für den Landtag statt. Die Wahl sämtlicher elf bürgerlichen Kandidaten ist gesichert.

* Dresden, 22. Mai 1908. Die W ah l- rechtSdeputation hat heute die Einführung des Reich Stags Wahlrecht« für die Zweite Kammer abgelehnt.

* Marierrburg, 22. Mai 1908. Der Kaiser traf heute vormittag hier ein und besichtigte die RenovierungSarbeiten.

Zu den tandtagzwahlen.

* Der Provinzialvorstand der Westfälischen Zentrumspartei erließ an dis Vorsitzenden der Wahlkreis- und KreiS-KomUeeS folgendes Rund­schreiben: „Ein in der Sitzung deS Provinzial- Komitees vom 14. Mai d. I. zum Ausdruck ge­brachter Wunsch gibt dem Vorstände Anlaß zu einem nochmaligen Hinweis auf die bringende Notwendigkeit, eine recht starke Beteiligung an den bevorstehenden LandtagS-llrwahlen mit allen Mitteln anzustreben. In den einzelnen Wahlbezirken kann daS Ergebnis von wenigen Stimmen abhängen. Durch den höheren Ver­dienst und die schärfere Heranziehung der Ar­beiter auf Grund deS § 23 deS Einkommen­steuergesetzes wird eine erhebliche Verschiebung in den einzelnen Klassen eintreten und der Ein- fluß der Sozialdemokratie auch in der zweüen Klasse ein größerer werden. I« allen Wahl- kreisen, selbst den aussichtslosen, soll man mög­lichst viele Wahlmänner durchzubringen suchen; dadurch wird es in vielen Fällen mög- lich werden, zugunsten eines dem Zentrum ge- nehmeren Kandidaten den Ausschlag zu geben; Wahlenthaltung kann bei der Abgeordnetenwahl, wz «s zweckmäßig erscheint, jmmer noch prokla­

Ptr KMHrojcß vordem Reichsgericht,

ns. Leipzig, W. Mai 1908.

Vor dem Reichsgericht wurde heute üb« Me Revision in dem Prozeß Moltke-Harden verhan­delt. Harden war bekanntlich durch da« Urte# des Berliner Landesgerichts am 8. Januar 19J6 wegen Beleidigung des Grafen v. Moltke zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Geg« dieses Urteil hat Hardens Rechtsbeistand, Justin» rat Bernstein, Revision eingelegt, die nicht weni­ger als 54 Punkte enthält. Vor allem wirt Sarin die Unzulässigkeit de» ganzen neu­en Verfahren» gerügt, durch da« da« Pri­vatklageverfahren beendet, und da« landgericht­liche Verfahren gegen Harden herbeigeführt wo» den fei. Justizrat Bern st «in stützt in bet heutigen Verhandlung sich hauptsächlich auf di» fen Punkt zur Begründung der Revision. Nack- dem Reichsgerichtsrat Dr. Wiebe eine Darstel­lung der voraufgegangenen Hardenprvzesse unt der Revisionsgründe wiedergegeben hat, gebt Justizrat Bernstein auf die Frage der Zulässigkeit des staatsanwaltlicken Eingreifen» in den Gan- der Verhandlung ein. Eine sichere Entscheidung der Frage sei nirgends, insbesondere nicht in» Gesetz, unzweideutig zu finden. Wissenschaft und Theorie hätten sich aber für die in bet Revision niedergelegten Auffassung erklärt. Die Staats­anwaltschaft habe nicht da» Recht, daS Gericht «» einem bestimmten Vorgehen zu nötigen. Dm Sprüche des Gericht» müßten gelten, di» ft« anß legalem Wege aufgehoben seien. — Diesen Aus­führungen tritt OberreichScmwalt Richter ent­gegen. Er gibt einen kurzen lleberblick über derk Verlauf des richterlichen Verfahren». Da« Reichs­gericht habe sich prinzipiell auf den DtandpunlH gestellt, daß, nachdem der Staatsanwalt in das Verfahren eingetreten wäre, da« bisherige Ver­fahren ausgelöscht werde, und das weitere Ver­fahren, in der Form eines neuen Strafverfah­rens erster Instanz erfolgen müsse. Da« Reichs­gericht stehe also auf dem Standpunkt, daß daß alte Verfahren ausgelöscht werde, um für das neue Verfahren Raum zu schaffen. Der Reichs­anwalt komme zu -em Schluß, daß bet Beschluß der Strafkammer rechtskräftig sei und eine cm» dere Rechtshängigkeit überhaupt nicht in Fraas kommen könne. Justizrat Sello, -er Verteidi­ger bei Nebenklägers Moltke erklärt, -aß er btit Ausführungen des OberreichSanwalt» nicht« hin­zuzufügen habe. Justizrat Bernstein ist bet Ansicht, man müsse den Standpunkt, daß bai frühere Verfahren vom höchsten Gerichtshof niÄ zu prüfen sei, verlassen, nachdem da» anaekoch- reue Urteil sich mit vielem Verfahren beschäftigt habe. Das Reichsgericht habe also die Grundlaatz des angefochtenen Urteils zu prüfen. Ls soll nicht ein Eingreifen in die Rechtsphäre anderer Ge­richte vornehmen, sondern e» solle nur nicht un­beachtet lassen, was ein anderes Gericht schon ent­schieden habe: Es kann -och nicht richtig seich daß ein Angeklagter von dem Beleidigt«: ber-i folgt werden kann, und nachdem da» Verfahre« des Beleidigten zu Ende gekommen ist, noch vonl Staatsanwalt weiter verfolgt werden kann. Je-« Strafsache muß auf geradem ununterbrochen«» Wege abgewickelt werden. Referent Reichs go- richtsrat Dr. Wiebe gibt sodann die wesent­lichen Gesichtspunkte an, von denen au» die Straf­kammer zu ihrem Urteil gegen Harden gelangte um der Prüfung der materiellen und prozessualen Prüfung eine Grundlage zu geben. Es werde« an der Hand der Revisionsschrift die formelle« und materiellen Rügen nmheinander vorgetrags« und von zehn zu zehn besonders behandelt. Ern« breiten Raum nimmt die Erörterung über Nichtvereidigung von vier bereits entlassen ge­wesenen Zeugen an. .Das Gericht hatte rm Lauf« der Verhandlung bekanntlich beschlossen, mehrer, Zeugen, darunter den Haushofmeister und Ren­danten des Fürsten Eulenburg, Göritz, zu entlas«

zuvor abgegebenen schriftlichen OrQArung in einer ae» ’ mtflen Zwangslage befunden. »Sie hatten die schriftlich« (kfiArung auf Dringen einflußreicher ' Anhänger der flentrumlpartet in Billigheim abgegeben, 1 die melften wohl, ohne tu wissen, welcher Gebrauch ' von der Grvärung gemacht werden sollte. Gin Wider. ■ ruf dies« schriftlichen Erklärung bei der eidlichen Ver­nehmung wäre natürlich für jeden mttschweren nach­teiligen Folgen tu gesellschaftlicher wie wirtschaft, licher Beziehung verknüpft gewesen. Anders eilt tonnten sie damit rechnen, daß ej unmöglich sei, eine etwaig« Verletzung der EideSpfttcht nachzuweisen.-

Nach diesen sehr merkwürdigen Darlegungen meint ber Staatsanwalt, daß das Wahlergebnis allerding» gefälscht wäre, wenn man die eid­lichen Aussagen der 25 Zentrumswähler als rich­tig betrachte. Es stünde aber nicht fest, wie ge­fälscht wurde und wer gefälscht habe. ES fehle die Grundlage, anzunehmen, oder einige Mitglie­der, oder ein Mitglied desselben das Wahlresul­tat gefälscht haben. Der Wahlausschußvorsitzende könne auch keine Fälschungen begangen haben, da er zeitweise nicht anwesend gewesen und von der Gegenpartei scharf überwacht worden sei. Ein Zeuge wolle alkrdings etwas bemerkt haben, doch sei dieser kurzsichtig l Angesichts dieser Sachlage fehle jede Unterlage, die Anklage gegen den einen ober anderen oder gegen sämtliche Beschuldigten zu erheben. — Hiezu bemerkt das Speyerer Zen­trumsblatt, die „Pf. Ztg.":

„Die Verfügung g-bt zu, daß 25 Leute den er­forderlichen Eid geleistet haben, trotzdem soll nicht mit voller Sicherheit erwiesen sein, daß da» Ergebnis der Wahlhandlung in Billigheim objektiv unrichtig oder verfälscht fei Damit dieser vorher auch in libe­ralen Blättern vertreten« Standpuntt benneftn wird, müssen sich unter den 35 Wählern na­türlich ein« „Reihe von Personen- befinden, „deren Elaudwürdtgkrit schon nach ihrer Persönlichkeit nicht» weniger al» über jeden Zweifel erhaben ist- und einige müssen sich .in einer gewissen Zwangslage befunden- haben. „Sie hatten die schristlrche Erklärung auf Dränge» (I) einflußreicher Anhänger der Zentrums« Partei tn Billigheim abgegeben* und fürchteten die „schweren nachterligen Folgen in gesellschaftlicher wie wirtschaftlicher Beziehung-. Die Mitglieder des Wahl­ausschusses find selbstverständlich ehrenwerte Leute, die anderen, so sagt man in gewissen Kreisen, „katholisches Lumpenpack* 1

Uebrigens ist in dieser aufsehenerregenden Angelegenheit das letzte Wort noch nicht gespro­chen. Es wird sich mit ihr noch die Ober- staatsanwaltschaft zu beschäftigen haben, bei welcher seitens des Zentrums Beschwerde gegen die Verfügung des Landauer Staatsan­walts erhoben worden ist.

— Die Schutztruppe in Deutsch - Südwest­afrika soll im Lause vieses I h:es um weitere 800 Mann vermindert werden. Die Schutz­truppe in Südwestafrika «fordert auch gegenwär­tig noch die ungeheure Ausgabe von 8200 Mark pro Tag, abgesehen von den Gehältern berOsfi- ziere und Beamten, bte diese Ausgabe noch sehr erheblich vermehren.

--- Ein englisch-deutscher Grenzstreit ist auf ber Insel Neuguinea brennend geworden. Auf dieser in ihrem Innern noch gänzlich unrrsorsch- len Insel fbtb bisher noch keine natürlichen Gren- zen gesunden worden. Als eine Folge dessen dars man e8 wohl ansehen, wenn jetzt die Deutschen im Grenzgebiete britische Minenunternehmungen besetzt und die Zahlung einer Lizenzgebühr ver- langt haben. Hoffentlich wird der Zwischenfall gütlich au» der Welt geschasst. Der Fall zeigt übrigen« wieder einmal sehr drastisch, wohin das heutige Kolonial-System führt. Es ist klar, daß e« immer zu Schwierigkeiten kommen muß, wenn die Kolonialmächte Landstriche als ihr Eigentum ansehen, die bis dahin noch nie von einem weißen Fuße betreten worden und deshalb auch den Be- sttzem ganz unbekannt find.

----- Der Ankauf der Walfischbai, deS eng­lischen Hasen« an der Küste von Deutsch-Tüd- westafrika wird von einer konservativen Korrespondenz, die allerding« nicht übermäßig zuverlässig ist, wiederum als eine Absicht Dern- burg« hingestellt. Es wird behauptet, Deru- bürg wolle mit der kapländischen Regierung vev- handeln, jedoch nur Geld sür den Hasen be­zahlen, nicht aber i« die Abtretung des von Eng­land gewünschten TaprivizipselS einwilligen. — In bet Kolonialverwaltung ist nach einer Aus- kunft dort über solche Dernburgschen Pläne nichts bekannt und eS wird betont, daS Reich brauche die Wallstfchbat kaum. — Der Austausch des TaprivizipfelS für die Walfischbai, die für England wenig Bedeutung hat, und die in ab­sehbarer Zeit in englischem Besitz »erfanben muß, wäre allerdings eine Prachtleistung, die rotr denn doch der Regierung nicht zutrauen wolle«. Der Eaprivizipfel verbindet m einer Breite von ungefähr 25 Kilometern und einer Länge von 150 Kilometern die äußerste nordöstliche Spche vo« Deutsch-SüdweMlfrika mit einem Oberlauf de» zu» Osten Afrikas führenden Zambefi. Der £ versperrt ben Engländern den nächsten

;«r portugiesischen Kolonie Angola un vo» Deussch-Südwestafrika, und hindert sie batae, hier bei paffender Gelegenheit Ein­brüche in portugiesisches Gebiet zu machen. ES könnte de« Engländern schon gefallen, diese« für fie so wertvolle Gebiet gegen die Walfischbai einzutauschen.

△ Die liberalen Frauen nutzen daS neue ReichSvereinSgesetz mit seine» für die Frauen günstigeren Bestimmungen zur Bllbung einer liberale» Frauenpartei au«. Bor einige« Lagen haben fie in Berlin eine Versammlung abge- Halls, L 1M chj-.KWtn .fi4 «UL unversöhnliche

miert.werden. Luch können zwischen verschiedene» Wahlkreise» Kompromisse abgeschlossen werde», o daß die Wähler nicht nur den eigene» Wahl­kreis im Auge haben dürfen. Die Ehre des Partei erfordert e« ebenso wie bet ben Reichs« tagSwahlen, ein« möglichst groß« Anzahl »oe Stimmen sür ba« Zentrum zu erreichen, ba auch für bi« LandtagSwahlen genau« Statistik fib«| dir für die einzelnen Parteien abgegebene! Stimmen ausgestellt wirb. Möge man daher auf jeb« Weise für eine reg« Wahlbeteiligung wirken." — Die Mahnungen be« Rundschreiben« gelten natürlich nicht nur sür Westfalen. Sie sollt« überall beherzigt werden.

* Da« Wahlkompromitz zwischen Zentrum und Polen in Weftpreutzen besagt nach bet ,Germ.' folgenbe«:

L Zentrum und Voten stellen nirgend» Kandidatur« gegeneinander auf uno unterlassen überhaupt jede gegen» feitiqe Bekämpfung 2. In den Kreisen, in welch« durch gemeinsames Vorgehen Erfolge für da« Zentrum oder die Polen zu erreichen find, werden beide Parket«« sich über di« Kandidaturen einigen. 8. Di« ßettune der Zentrumsfraktion der Provinz und der Kreis« wir» sich mit den zuständigen polnische» Provinzial-Komite«« über da» weitere Borgehen verständigen.

Die Verstänbigung zwischen ber Zentrums partet uno ben Polen, bie sich nunmehr übe, Obeifcklefien, Posen unb Westpreußen erstreckt, ist umso mehr zu begrüßen, al« burch stütze« Zwistigkeiten nur ben Kulturkämpfen« in di» Hänbe gearbeitet worben ist.

r Cochem, 91. Mai 1908. An Stelle des bisherigen Abgeordneten Dr. Rügenberg, der als Doppelmandatar auf eine Wiederwahl verzichtet» hat hier das Zentrum Herrn LandgerichtSdiretto, Jtschert als Kandidaten aufgestellt.

Deutsches Reich.

• Lon einer geplanten Erhöhung bet preu­ßische» Zivilliste wurde vor einiger Zeit beruh- tet. Jetzt wird die Meldung von den „D. Nachr. bestätigt. Da» genannte Blatt, ba« nicht ohne 5Fühlung mit einzelnen Beamtenkreisen ist, et- Lhrt folgende«:

„In Verbindung mit der allgemein«» Erhöhung der Beamtengehälter, bedingt durch di« «nehmend« Verteuerung der Lebenshaltung, soll auch etnt Er­höhung der Bezüge der der Krvn« unterstellte» «tarnten eintreten. Um diesen Mehrbedarf zu decke», toll etne entsprechende Erhöhung der Ztvilltst« d«S König» von Preußen beantragt werden. Utbet diesen Rahmen hinan» dürsten keinerlei Anforderung«» gestellt werben.*

Es erscheint, meint dazu daS „Berl. Tagebl.", Uicht sehr geschickt, die Erhöhung der Zivilliste, bie schon heute über 16 Millionen beträgt, un­mittelbar vor -en Wahlen zur Sprache zu brin­gen. Auch wer der Meinung ist, daß Preußen reich genug ist, um sich den Glanz -er Krone jährlich noch ein paar Millionen mehr kosten zu lassen, -er wird sich doch fragen müssen, ob heute, nicht etwas zu viel auf dem weitläufigen Gebiet -er Repräfentation geleistet wird. In jedem Falle wird es nötig fein, sehr genau zu prüfen, ob die teueren Lebensmittelpreife wirk­lich zu einer Begründung der Erhöhung der Zivillifte ausreichen; man wird nicht minder die Frage aufwerfen müssen, ob diese Konzession an bie Krone nicht auch Konzessionen an die Staatsbürger auf politischem Gebiet zur Voraussetzung hat.

(J Reform der Beamtengehälter. Die Vor­lagen übet die Reform ber Beamtengehälter tm Reich unb in Preußen, bie auch eine Neurege, hing be« WohnungSgelbzuschusse«, bet Setm«. gelber unb bie Beseitigung be« kommunalen SteuetprioilegS enthalten werben, sollen in ber Hauptsache fertig gestellt sein. Für ReichS- ^wecke verlangen bie Entwürfe über 76V» Mil­lionen, für bie preußischen Beamten etwa 130 Millionen. Die Entwürfe werden noch nicht veröffentlicht werden. Dem Bundesrat gehen sie erst im Herbst zu, wenn bie Entwürfe betreffend bie Finanz- unb Steuerreform fertig- gestellt find. Wie verschiedene Berliner Blätter wiffen wollen, sollen auch diejenigen Beamten, bie in ber allgemeinen GehaltSreform nicht berück- fichtigt ftnb, für ben Fortfall beS Steuetptivi- leg« in ber Höhe ber mehrzuzahlenden Steuer­beträge entschädigt werben.

* Zum Fall Eulenburg. Der Berliner Untersuchungsrichter Schmidt vernimmt gegen­wärtig tm Münchener Justizpalast eine große Anzahl speziell von Harden neuaufgeführter Zeugen. Darunter befinden fich die sämtlichen früheren Bediensteten deS Fürsten Eulenburg, weiter alle in München wellenden Mitglieder der Liebenberger Tafelrunde. Montag wird eine Besichtigung der sämtlichen vom Fürsten Eulen- bürg in München innegehabten Wohnungen vor­genommen. Gestern und heute erfolgte die Ver­nehmung ber Starnberger Zeugen unb bie Be- fichrigung ber Tatorte. Einzelne Zeugen sollen auch Neues in Sachen Moltke bekundet haben.

X Tie Wahl in Germersheim. Bei der am 19. Januar 1903 im bayerischen Wahlkreise Ger- «nersheim-Bergzabern stattgshabten Land­tagsneuwahl wurden in Billigheim 223 Stimmen abgegeben. Bei der Feststellung deS Wahlergebnisses fanden sich 201 auf den libe­ralen Landtagskandidaten Cronauer und 17 onf den Zentrumskandidaten Zwißler lau- ki.be gültige Wahlzettel vor. Nach Bekannt­werden des Wahlresultats wurde von Anhängern der Zentrumspartei bei Personen, von denen an­genommen wurde, daß fie Zwißler gewählt hät­ten, Umfrage gehalten, ob fie Zwißler gewählt hatten. Auf dieft Weise wurden 25 Personen er­mittelt, die schriftlich bestätigten, Zwiß- fcr gewählt zu haben. Von den 25 Personen, bte diese schriftliche Erklärung abgaben, haben £4 ihr« schriftliche Erklärung unter Eid auf­recht erhalten, während einer fie unter Eid tviderrufen hat. Im Laufe des Ermittelung«- derfahrenS wurde ein weiterer Wähler er­mittelt, der eidlich erhärtete, einen auf Zwißler lautenden gedruckten Wahl^ettel abgegeben zu hoben. Auf dieses Ergebnis hin wurde feiten» >e8 Zentrum» die Wahl des liberalen Abg. Ero- Itauer an g efochten. Die Landauer Staats­anwaltschaft aber leitete ein Ermittelung«, verfahren gegen den Billigheimer Wahlau«- fckuß ein, dem eine Fälschung de« Wahler­gebnisses vorgeworfen worden war. Tin Amt», dichter vernahm die in Betracht kommenden Ze», igen. Das Resultat der Vernehmung wurde der Staatsanwaltschaft mttgeteilt; diese hat nun da« verfahren gegen den genannten Wahlausschuß «in gestellt. Nur mit Kopsschütteln kann Jnan die Gründe lesen, welche die Staatsanwalt. Schaft zu ihrer Verfügung veranlaßten. Wie et- -vähnt, haben 25 Personen unter Eid erklärt, -en Zentrumskandidaten gewählt yt haben. In der staatsanwalsschaftlichen Begründung heißt 'es nun,

«» frage fich, ob ben sämtlich«» ridttchrn Ausfag« 11» unbedingter Glaub« brizumeffen srt. Dlrs« kag« lass« sich nicht ohne weitete« bejahe». . H seien unter 28 Wählern »ine Reihe von Personen, >rrrn Glaubwürdigkett schon nach Ihrer Persönltchkm ficht« weniger all über jeden Zweifel erhaben fet Leiter behauptet der Staatlanwau, die 25 ZentrumS- 1 vähler hätten sich hei ihrer Eidr-ahlkamw Wklae d«