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Maer W Zeitung

monatsMiage: „Fuldaer Geschlchtrblätter"

wochmbÄlage: „Illustrierte Sonntag^eltung"

■HS

35. Jahrgang.

Fulda, Frettag den 22. Mai 1908

JV3 118.

«rschedü täglich «tt Aurnahme der So.m» «nd Feiertage, viertel» jährlicher Bezug,preir ohne vringerlohn und Bestellgeld in Fulda so» wiemmvSrtrl.SOMt.

Verantw. Redatteurr Carl Schütter

Uu,eigen: Vie et» spairigepetitzeUeodes deren van« 15 Pf-. veklamtudrepetitzeÜ» 25 Psg^ bei wieder» Holungen wird «ntsM. vastatt gemährt.

votatiouidruckund Verlag der Fuldaer SV tieudruckerei in Fulda Fernsprecher Ur.-.

Zweites HNcrtt.

Deutsches Reich.

Eine „Probe auf das Blocke^empel". DaS Urteil des Oberverwaltungsgenchts in Sachen der Leichenverbrennung hat dargelegt, daß durch Zulassung der Leichenverbrennung ein Bruch in der bestehenden Rechtsordnung ent­stehen würde, der nur durch Abänderung und Ergänzung der Gesetze sich beseitigen ließe. Das Urteil erklärt sogar ein Reichsgesetz, also eine Entscheidung des Reichstags für notwendig. In dieser Hinsicht schreibt das flammenbegeisterte ,Berl. Tageblatt in sehr lehrreicher Weise:

Melleicht wird der Reichstag bemüht werden müssen. Doch wäre das kein Fehler, da die prinzipielle Zustimmung zur Feuerbestattung im ganzen Reich zu­gleich die Einzelstaaten, die bisher sich ablehnend ver­hielten, nötigen würde, der Feuerbestattung in ihren Grenzen gleichfalls Raum zu geben. Es wäre auch eine hübsche Probe auf dasBlockexempel, zu erfahren, ob der deutsche Reichsbürger das Recht haben soll, sich nach seiner Fasson begraben oder ver­brennen zu lassen. Jedenfalls: wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Wir erwarten, daß die preu­ßische Regierung sich weder durch engherzige kirch­lich e Rücksichten, noch durch gesetzliche Spinne­weben daran hindern läßt, der Feuerbestattung Raum zunächst in Preußen und darüber Hinaus im ganzen Reiche zu verschaffen.

Die Bemerkung vom „Blockexempel- ist sehr bezeichnend. Auch auf diesem Gebiete hoffen die Liberalen ihre Ziele mit Hilfe der Block- Politik durchzusetzen. Das heißt: sie rechnen darauf, daß Der Reichskanzler, der sich von ihrer Unterstützung abhängig gemacht hat, die Konservativen veranlagen wird, unter Hintan­setzung ihrer christlichen Grundsätze und Gefühle zum Borspann für die Bestrebungen der „Auf­geklärten", für die allmähliche Entchristlichung des Volkslebens, sich herzugeben. Auch ein Stück Kulturkampf, das neben dem Vorstoß gegen die christliche Jugenderziehung die ernsteste Beachtung verdient. Der Liberalismus darf bei den bevorstehenden Wahlen keine Erfolge erzielen, fönst sind die christ­lichen Interessen auf den verschiedenen Gebieten schwer gesährdet.

.'. Trennung der Geschlechter in der Schule. In der Volksschule arbeitet man tunlichst mit Rccht auf die Trennung der Geschlechter hin; in den mittleren und höheren Schulen will man aber vielfach Knaben und Mädchen jetzt gemein­sam erziehen, wofür man das schöne Wort „Kö- duklion" erfunden hat. Im Jahre 1886 wurden in Preußen von 4833247 Kindern 3512150, also fast 3Z* der Gesamtheit, in gemischten Klaffen unterrichtet. 20 Jahre später saßen von 6164 398 Kindern nur 3 933575, also weniger als V» der Gesamtheit, in gemischten Klaffen. Dagegen stieg die Zahl der in getrennten Knaben- unö Mädchenklaffen unterrichteten Kindern in derselben Zeit von 1326 097 auf 2230823. Die Zahl der getrennten Knaben- und Mädchenklaffen erhöhte sich von 20393 auf 40376, auf dem Lande von 4206 auf 9180. Sie ist in Stadt und Land in 20 Jahren also aus die doppelte Zahl gestiegen, die Zahl der gemischten Klassen dagegen nur um etwa ein Drittel. Gemischte Klaffen gibt es im wesentlichen auf dem Lande und in kleinen Städten. Nur einige größere Städte haben noch durchweg oder

in einer erheblichen Anzahl von Schulen die Vereinigung der Geschlechter beibehalten. Man sieht also, daß in Preußen die Volksschule immer mehr auf eine Trennung der Geschlechter hin- arbeitet und wir halten daS für gut und in der Sache gelegen, schon um daS Mädchen mehr nach seiner späteren Betätigung ausbilden zu können.

Gl Gegen die Bergarbeiter scheint sich ein neuer Zechenverband am 22. Januar 1908 gebildet zu haben; der .Vorwärts" ist in der Lage, die bisher geheim gehaltenen Statuten der Oeffeittlichkeit zu Übergeben. Da finden wir u. a.:

«Die Verbandswerke übernehmen folgende Ver­pflichtungen: ,1. Während der Dauer eines Aus­standes auf einem Berbandswerke, und während drei Monaten nach Beendigung deS Ausstandes darf kein Arbeiter dieses vom Ausstande betroffenen Berbands- werkeS angenommen werden; für die gleiche Zeit darf ein vom Ausstande betroffenes Werk keinen Arbeiter von einem anderenBerbandswerke annehmen. 2. Arbeiter, die vereinzelt unter Vertragsbruch die Arbeit auf einem BerbandSwerke niedergelegt haben, dürfen während 6 Monaten von einem anderen Berbandswerke nicht angenommen werden. S. Ist in einem anderen Berabaudezirk ein Ausstand auSgebrochen, so kann der Vorstand mit V» Mehrheit der anwesenden Stimmen beschließen, daß während der Dauer des Ausstandes und während 3 Monate nach der Beendigung des Ausstandes kein Arbeiter aus dem betreffenden Bezirke angelegt wird."

Wir halten dafür, daß diese Statuten den §§ 152 und 153 der Gewerbeordnung wider­sprechen; sie enthalten eine Verrufserklärung. Wenn Arbeiter so etwas tun, schreitet sofort der Staatsanwalt ein; wir hoffen und erwarten, daß der Staatsanwalt auch hier gegen die Arbeit­geber vor geht; denn gleiches Recht für alle muß im Reiche gelten.

Ausland.

* DaS Frauenstimmrecht in England. Der Ministerpräsident Asquith machte einer Ab­ordnung von Anhängerinnen des Frauenstimm­rechts die Mitteilung, daß die Regierung noch vor Schluß der Parlamentstagung umfassende Maßregeln für eine Wahlresorm treffen werde. Er selbst rede dem Frauenstimmrecht nicht das Wort, die Regierung werde jedoch einer Gesetzes­änderung zugunsten des Frauenstimmrechts keinen Widerstand entgegensetzen.

Aus dem Nachbargebrete.

* Roßdorf (Rhön), 20. Mai 1908. Die Frühjahrsbestellung schiebt sich in diesem Jahre so weit hinaus, wie es seit Jahren nicht der Fall war. In den Tälern ist die Saat kaum beendet, in den höheren Lagen der Rhön aber ist noch ein bedeutender Teil der Sommer­früchte zu säen.

* Aus dem Vogelsberg, 20. Mai 1908. In einer recht unangenehmen Lage befin­den sich eben unsere Landwirte. Durch die seitherige ungünstige Witterung ist noch Hafer zu säen, ebenso sind noch die Kartoffeln zu setzen. Die Gerstensaat ist ebenfalls noch zurück und kann wohl erst nächste Woche damit begonen werden. Die Obstbäume fangen jetzt erst an zu blühen und ist auf eine reiche Obsternte zu hoffen, falls die Blüten nicht durch ungünstige Witterung beein­flußt werden.

* Lauterbach, 21. Mai 1908. Nach der letzten statistischen Ausnahme hatte im Großherzogtum

Hessen Rheinhessen mit 268,8 Bewohnern auf einen Quadratkilometer die dichteste und Oberhessen mit 90,27 Menschen die dünnste Bevölkerung. Von den einzelnen Kreisen in den drei hessischen Provinzen hatte natürlich der Kreis Mainz wegen seines städtischen Charak­ters die größte Bevölkerungsdichtigkeit mit 322 Einwohnern auf den Quadratkilometer, am dünnsten war die Bevölkerung im Kreise Lau­terbach, wo auf der genannten Fläche nur 54,5 Bewohner lebten. Im Kreise Friedberg, der einen Flächeninhalt von 573 Quadratkilometer umfaßt, wohnten auf einem Quadratkilometer 129,89 Menschen.

* Staffel, 21. Mai 1908. Einern neuen Gaunerkniff ist ein Geschäftsmann in der obersten Gaffe zum Opfer gefallen. Ein unbe­kannter feingekleideter Herr kaufte bei ihm einige Waren und zahlte mit einem 10 Mark-Stück. AIS der Kaufmann später Kaffe machte, bemerkle er, daß er kein 10 Mark-Stück, sondern nur ein übergoldetes 50 Pf ennig-Stück in Zahlung erhalten hatte. — Der Inspekteur der Kriegsschulen, Se. Exzellenz General­leutnant Freiherr v. Med em ist nebst Abjutant hier eingetroffen und hat im „Hotel du Nord" Wohnung genommen. — Durch ausströmen­den Dampf schwer verbrüht wurde in einer hiesigen Brauerei ein Maschinist. Er erlitt schwere Brandwunden an beiden Armen.

* Veckerhagen, 20. Mai 1908. Bekannten und Freunden sucht man hier nach altem Brauch bei Familienfesten einen Schabernack zu spie­len, indem man ihnen einige Speisen oder Ge­tränke wegnimmt und selbst verzehrt, um sie da­durch in Verlegenheit zu setzen. Dieser alte Brauch ist indessen im Laufe der Zeit zum Miß- brauch, die Sitte zur Unsitte geworden. Am ver­gangenen Sonntag wurden bei einen: hiesigen Hochzeitsfeier sämtliche Fleischvorräte, Gemüse^ Weine und Zigarren beiseite gebracht, auch Par­füm und Toiletteseife, Hochzeitsgescheute entwen­det. Die Flaschen und Schüsseln sollen zerschla­gen worden sein. Vor Gericht dürfte ein der­artiges Tun wohl schwerlich noch als Scherz aus­gelegt werden.

* Mainz, 20. Mai 1908. In dem von der Militärverwaltung gepachteten Waldgelände des Mainzer UnioersitätsfondS werden vorerst über 40 Pulvermagazine, Zündungsmaga­zine. und Geschoßmagazine erbaut. In das Waldgebiet wird eine ständige Militärabteilung zur Bewachung dieser Anlagen verlegt werden.

* Darmstadt, 20. Mai 1908. Als erster Fall in der Offenbacher Unterschlagungs­affäre gelangte heute die Anklage gegen den am 20. Juni 1878 in Offenbach geborenen städti­schen Bureaugehülfen Adolf Müller, seither un­bestraft, wegen Unterschlagungen im Amt zur Verhandlung. In der von dem Angeklagten ver­walteten Nebenkasse war ein Defizit von 2800 Mark entdeckt worden, die dann von dem Ange­klagten ersetzt wurden. Das Urteil stellte fest, daß Müller als Beamter ihm anvertraute amt­liche Gelder sich ungeeignet habe, die er sowohl für seine eigene Person und durch Verleihen an Dritte verwendet habe. Die Vermutung sei nicht zurückzuweisen, daß einzelne Beträge auch ohne bewußtes Verschulden Müllers versHvunden sind. Das Urteil lautete auf 6 Monate Gefängnis.

Vermischtes.

* Eine eigenartige Krankheit trat vor zwei Jahren in dem Weserorte Negenborn auf. Sie befiel im Laufe der Zeit nahezu 100 Personen, ihr Ursprung und Charakter konnte aber bis vor

kurzem nicht ermittelt werden; man gab ihr des­halb, da sie in Negenborn auftrat, bei der Be­völkerung den Namen Negenborner Krankheit. Heftige Schmerzen, krampfarti- ger Zustand und mehr oder weniger schnell zu­nehmender körperlicher Verfall waren die Er­scheinungen der Krankheit. Im Januar d. I. suchte nun eine erkrankte Frau im Holzmindener Krankenhause Heilung und dort erkannte man, daß es sich um einen ausgeprägten Fall von Bleiver­giftung handele. Die eingeleitete Untersuchung ergab, daß der Mühlenbesitzer Kraus in Negenborn, bei dem die Familie der Erkrankten ihr Brotkorn hatte mahlen kaffen, seine Mahlsteine mitBlet hatte auSgießen lassen, um schadhafte Stellen auS- zubeffern. Die Untersuchung beschlagnahmten MehleS bestätigt, daß beim Mahlen des Getreides ein Zer­reiben des Bleies erfolgt und Teile davon in* Mehl geraten waren. Ferner wurde bei der Sektion eine- verstorbenen Kindes Bleiablagerungen in den Verdauungsorganen gefunden. Es ist deshalb gegen den Mühlenbesitzer Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben worden, dir in Stadtoldendorf zur Verhandlung kam. Die Strafkammer verur­teilte den Mühlenbefitzer Jfrau? wegen fahrlässiger Körperverletzung und wegen Vergehens gegen daS Nahrungsmittelgesetz zu sechs Wochen Gefängnis.

— Kindermund. Mutter ^nachdem sie eine Fabel vorgelesen): „Siehst du Karlchen, der Löwe fraß den Hammel, weil er unartig gewesen war." — Karlchent „Und wenn er artig gewesen wäre, dann hätten rohe ihn gegessen, nicht wahr, Mamachen 7"

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Ich habe eine kluge, liebe Mama!

U/IJ die gibt mir abends beim Schlafengehen kein» fapj Bonbons, sondern zwei Fays ächte Sodener rVTl Mineralpaftillen; und geh' ich zur Schule, dann . bekomm ich immer gleich sechs Stück, damit ich mich nicht erkälte. Und ich bin auch nie krank und Mama sagt, daran wären nur Fays ächt» Sodener schuld. Man kauft für 85 Pfennig di» riM Schachtel in jeder Apotheke, Drogerie und dp Mineralwasserhandlung, weise aber jedwed» Nachahmung mit Entschiedenheit zurück.

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Wr den Moml Wni nehmen fortwährend alle Pvstanstalten, Landbriesträger, Zeitungsträger und die Expedition (Harmoriie) Bestellungen auf die ,Fuldaer Zeitung' zum Preise von 50 Pfennig (ohne Be­stellgeld und Bringerlohn) entgegen.

Diät.

Von F. A.

Es ist nicht wahr, daß „der Mensch ist, was er ißt." Es liegt darin eine Uebertreibung, aber dennoch der Kern von Wahrheit, den er enthält, ist nicht zu unterschätzen. Leider wird gar zu häufig übersehen, welchen Einfluß die richtige Weise der Ernährung auf die Leistungsfähigkeit und Arbeitssrische ausübt, und auf keinem Ge­biete wird mehr gesündigt, als auf dchn der Diät.

Für geistig stark beschäftigte Personen wäre es wohl im allgemeinen am besten, tue rin sie die Hauptmahlzeiten nach englischer Sitte erst in den späten Nachmittagsstunden einnehmen würden, trenn sie ihre Tagesarbeit erledigt haben und behaglich ausruhen und verdauen können. Aller- dings setzt diese Anordnung ein solides Früh­stück (mit Schinken, Eiern oder dergleichen) vor­aus. Für mehr körperlich tätige Menschen ist dagegen die Mahlzeit in der Mitte des Tages angemessen; ebenso können sich die letzteren weit eher mit Pflanzenkost begnügen, während die Vertreter der geistigen Arbeit, die Eiweißstoffe, die hauptsächlich tu Fleisch enthalten sind, schon darum nicht gut entbehren können, weil der Ver» dauungsprozeß bei Pflanzenkost eine weit län­gere Zeit in Anspruch nimmt. Im mittleren Durchschnitt einer größeren Zahl von Beobachtun­gen deckt der Erivachsene etwa ein Drittel seiner Eiweißbedarfes durch Fleisch, und er soll deshalb In der Kost des mäßig arbeitenden Mannes die Fleischration nicht unter 190 Gramm reines Fleisch, entsprechend 38 Gramm Eiweiß, herunter« stehen. Dieser Eiweißbedarf wird auch durch 1 Liter Milch oder 5 Eier oder 125 Gramm Käse Sdeckt. Di« übrigen zwei Drittel Eiweiß, 72 ramm, wenn wir 110 Gramm Eiweiß als täg­liche Verbrauchsmenge gelten lassen, können aus fPegetabilien entnommen werden, vorwiegend in

Form von Brot, Kartoffeln, Gemüse, Mehl­speisen.

Man muß das unruhige Treiben der nicht mechanisch arbeitenden Stände bei Tisch und in ihrer abendlichen Erholungszeit mit der behag­lichen Muße des Arbeiters vergleichen, wenn er sich nach harter Ansttengung in der Zwischenstunde stunde des Effens oder am Abend seiner Ruhe freut. Man wird bann einen lebhaften Eindruck davon erhalten, wie innere Naturgesetze den ver­schiedenen Schichten der menschlichen Gesellschaft ihren charakteristischen Stempel aufdriicken. Für die eine Gruppe ist die Tätigkett des Bewegungs­apparates, für die andere die ungestörte Arbeit der Verdaungsorgane Bedürfnis der Erholung, die das Gefühl der Kraft und Gesundheit erweckt und deren Bestand bedingt.

Was die Verdauung betrifft, so wird sie be­kanntlich durch Bewegungen stark beeinflußt, über deren Wert vielfach schiefe Anschauungen herr­schen. Die Einen wollen gleich nach dem Essen tüchtig laufen, die Anderen ziehen eine Mittags­ruhe vor, es ist aber unzweifelhaft beides gleich falsch. Sofort nach dem Essen darf man keine starken Muskelanstrengungen machen. Das Blut, welches im Magen und im Psortadersystem ge­braucht wird, würde dadurch abgezogen werden und die kräftige Verdaungstätigkeit müßte lei­den. Experimente an Hundqn haben gezeigt, daß, wenn man sie zu energischem Saufen an- treibt, dieVerdauung vollständig unterbrochen wer­den kann. Aber auch vollständige Ruhe ist fehler­haft, es scheint, daß dann die Setoesgitng der DarmmuSkulatur, die sogenannte Peristaltik, all­zu schwach in Tätigkeit tritt. Es bleibt für den durchaus Kräftigen und Starken der Spruch: „Nach dem Essen sollst du stehen oder 1000 Schritte gehen" in seinem Rechte. Für schwäch- liche und ältere Leute wird dagegen oft Ruhe un­erläßlich sein, nur sollte sie nicht übermäßig aus­gedehnt werden.

Wie bei der Lunge die Zufuhr einer möglichst jjinen, feuchten und richtig temperierten Lust

durch einen gesunden Zustand der Nase, so wird beim Magen die Zufuhr der Nahrung in passen­dem Zustande durch die normale Leistung von Mund- und Rachenhöhle gewährleistet. Wir müssen zunächst danach scheu, daß die Zählte, die Speicheldrüsen und die Schlingwerkzeuge in gu­tem Zustande sind. Mit Recht hat man gesagt, die Behandlung der Magenkrankheiten fange man mit den Zähnen an. Das richtige Kauen und Einspeicheln der Speisen kann nicht sorgfältig genug eingeschärst werden. Nur zu viele sind ge- wöhnl, große Bissen hastig herunterzuschlucken, und mancher Magenkatarrh verdankt seine Ent­stehung solch übler Angewohnheit. Ebenso ist auf eine sorgfältige Reinhaltung der Mundhöhle durch Ausspülen und Zahnputzen hinzuweisen. Wie viele auf dem Zungenrücken und an den Rändern der Zähne wuchernde Pilze und Bak­terien werden hinabgeschluckt, von denen nicht an- zunehmen ist, daß ein Magen, der nicht ganz in Ordnung ist, sie leicht unschädlich machen kann.

Regelmäßigkeit der Mahlzeiten ist durchaus notwendig. Zur Speiseaufnahme muß unter allen Umständen genügend Zeit vorhanden sein und diese letztere ist keineswegs sehr kurz zu be- messen. Die Soldaten im Felde leiden nicht fei­ten weniger an Mangel von Nahrungsstoffen, als vielmehr häufig unter der Schwierigkeit, eine genügende Menge von Speisen in Ruhe auszu- nebmen. Man darf im Mittel annehmen, daß wir bei gemischter Kost etwa zwei Stunden des Tages mit dem Essen zubringen. Sobald aber die Speise, etwa durch zu reichlichen Brotzenuß oder durch überreichliche Gewährung von Vege- labilien, sehr umfangreich wird, dann essen wir viel länger. Meist wird bann nicht in drei, son- dem in fünf und mehr Mahlzeiten die Speise ausgenommen. Wer einmal eine recht einseitige Ernährung z. B ausschließlich Brot, Kartoffel- k".'l «nd dergleichen an sich selbst erfahren hat, tinrd wiiwn, wr« endlos lange es dauert, bis man eme zur Erhaltung ausreichende Menge dieser speisen genossen hat.

— Ein Schlauberger. Eine merkwürdige Rente bezieht, so erzählt wenigstens Renö BureS im „Malin", noch heute ein kleiner französischer Provinzialbeamter. Vor Jahrzehnten erbte er

20000 Fr. Er legte sie nicht bei Seite, er ging hin und ließ sie sich umwechseln in zwanzig neue Tausendsranc-Billets. Kaum war er mit seinem Schatz zu Hause, da begann er die Scheine zu rei­ben, zu rollen, zu zerknittern, zu beschmutzen, mit Tintenklecksen zu verzieren. Am nächsten Morgen aber erscheint er an der Kasse der Banque de France: „Tauschen Sie mir die Scheine um, sie sind wirklich zu sehr mitgenommen." Es ge­schieht. Allein am nächsten Morgen erscheint bet Beamte wieder und wieder bringt er zwanzig übel zugerichtete Scheine zum Umtausch. Und das Manöver wiederholt sich 14 Tage lang. An der Bank wird man schließlich ärgerlich, man kennt den Herrn schon und der General-Direktor wird verständigt. Der fragt mit gerunzelten Brauen: „Wie kommen Sie dazu, fortwährend unsere Kassenscheine unbrauchbar zu machen?" „Gott, es macht mir Spaß, kein Gesetz verbietet es mir; und zudem, wer sagt Ihnen, daß ich- mit Absicht tue. Es gibt merkwürdige Zufälle." „Ja, aber jedes Billet kostet 80 Centimes, Ihre Zufälle kosten un8 täglich 16 Fr." „Stimmt", meint gelassen der Beamte, „ich mache Ihnen einen^Vorschlag zur Güte; zahlen Sie mir tag- fsch ^u^puä, Sie verdienen habet täglich einen, jährlich 365, tm Schaltjahr sogar mehr." Erst war man entrüstet, dann gab man nach und noch heute bezteht der Schlaukopf seine 15 Fr. Rente. *. — Sehr glaubwürdig ist diese Erzählung nicht; aber als Beitrag zu den Phantasien spitzfindiger Köpfe liest sich das Geschichtchen gar nicht übel,

— Der empfindsame Hund. Sie: „Manche Hund« sind wunderbar intelligent." — Er: „Jawohl; ich habe einen, der beult jedesmal, wenn meine Schwester Klavier spielt."

— Unglückliche Liebe. „ES freut mich, daß Sie midb-'.ieben, Herr Eller, aber ich habe ja kein Geld." „Jch-hMe-Nir gleich.^ ich Sie unglücklich liebes