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35. Jahrqanq.

Fulda, Mittwoch den 20. Mai 1908.

JA 116.

Festversammlung

Zweit es ^SLcxtt

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!. Die

*n$ti8tw: vte em fpattigepetttzeile oder deren Bannt 16 Pf-. Reklamen dtepetttzell« 26 pfg.. bei wieder. Holungen wird eatspr. Rabatt gewährt.

Rotation,druckund Verlag der Luldaer BI« «endruckerri in Lnld« Fernsprecher Ur. 9.

pt Baudarlehen

der rmderversi r emngranftalt.

Die Landesversicherungs-Anstalt Hessen-Nassau — Jnvaliditäts- und Altersversicherung — laßt bekannt machen, daß bei der starken Nachfrage nach Darlehen, die hierfür erlassenen Bestimmun­gen schärfer als bisher gehandhabt werden rnus- sen. Es dürfte zur Vermeidung unnötiger An- träge von Interesse sein, die Voraussetzungen, un- ter welchen Darlehen bewilligt werden, zur allgemeinen Kenntnis zu bringen.

Gewährt werden nur er st st eilige hypotye. karische Darlehen an A r b e i t e r zum Zwecke der Errichtung eines Wohnhauses.

Der Arbeiter mutz dauernd und r e g e l- mäßig bei der Hessen-Nassauischen An- statt versichert sein, d. h. es müssen durchschnitt­lich mindestens alljährlich 43 Marken geklebt sein.

Ein Raiffeisen'scher Darlehnskassen-Verem oder ein gemeinnütziger Bauernverein ober die Gemeinde muß für das Darlehen die selbstschuld­nerische Bürgschaft übernehmen.

Das Haus muß neu sein und darf fern Wert 9000 Mark nicht übersteigen.

Das Darlehen darf höchstens % des Schä­tzungswertes des Hauses, keinesfalls jedoch mehr als 4500 M betragen.

Ter Zinsfuß beträgt 3 Proz., der jährliche Kapitalabtrag mindestens Proz. der Dar­lehenssumme.

Zur Abtragmig bezw. Verbilligung älterer Schulden werden Darlehen nicht, bewilligt.

Das Haus muß bei der Hesiischen LandeS- brandkasie versichert sein.

Anträge auf Darlehen sind durch die Dar­lehenskasse, Gemeinde oder den Bauverein bei der Landesversicherungsanstalt zu stellen.

Für 1908 sind indes die Mittel zu derartigen Darlehen bereits vergriffen.

Erscheint «glich «ii «urnohme der Somu »ndLeierta-e. viertel. zUpklichervern-^rett ohne »ringerlohn und VefteAgeld in Zulda so. toleau$rodrt$1.50mt

verantt». Redatteurr Carl Schütter für die Anzeigen:

Z.parzeüer iuKulda.

an, die im großen Saale der Orangerie statt­fand und zahlreich befud)t war. Die Winfri» dia unter Lettung des Herrn Reallehrers Hoh. mann entzückte die Festteilnehmer durch de» prächtigen Vortrag einer Reihe von MännerchS- ren. Sie mußte sich zu mehreren Wrederholun- gen verstehen. Die Turngemernde erwarb sich durch die vorzüglichen Darbietungen am Sat­ten, sonne durch die wirkungsvoll gestellten Pyra­miden die ungeteilte Anerkennung der Anwesen­den. 8 Angestellten des Gastwirtsgewerbes Han- digte der Vorsitzende des Fuldaer Vereins, Herr K u b e, ein Diplom für langjährige treue Dienst­zeit aus. Von dem in Rüdesheim tagenden Gast- wirteverband Nassau-Rhein traf im Laufe des Abends, der mit einem solennen Ball abschlotz, ein Begrüßungstelegramm ein.

Mit einem Spaziergang durch die Stadt, Be­sichtigung der Brauereien und einem Besuche der Milseburg erreichte am heutigen Mittwoch die Tagung, mit der, nebenbei bemerkt, auch etne kleine Ausstellung verbunden war, ihr Ende. Verein und Verband können nut großer Befriedigung auf die Tagung zurückblicken.

Verwischtes.

* Professor Dr. Schnitzer, dessen Vorlesungen in München bekanntlich inhibiert waren, ist nach Japan abgereist, um dort religionswissenschaft­liche Studien zu betreiben. Ob er seinen Mün­chener Lehrstuhl beibehält, ist noch nicht bestimmt.

c. Die Schülerentlassung in Speyer hat zu einem gerichtlichen Nachspiel geführt, das schr bemerkenswert ist. Bekanntlich hatte dort ein Gymnasiast, ohne gebeichtet zu haben, die hl.

Es wurde angeregt, daß die einzelnen Vereins­vorstände mit den Bürgermeistern der Oktroi er- bebenden Städte sich ins Benehmen setzen, um Abhilfe zu schaffen. — Herr D i e t r i ch-Marburg belichtete über das Militarverbot, daS für die Gastwirte eine schwere Schädigung bedeute. Tas Milttärverbot besteht darin, daß z. B. in Marburg Wirten mit der Sperre ihres Lokals für das Mlitär gedroht wird, falls sie dieses für Gewerkschaften oder für politische Versammlun- gen zur Verfügung stellen. Die Herren Holz­hauer und Kröger-Kassel empfehlen, sich jedeSmal mit dem betreffenden Kommandanten in Verbindung zu setzen; es sei fast immer mög­lich, durch gütliche Vereinbarungen dem Militär- verbot entgegenzuarbeften.

Herr Wilh. K ö h l e r-Eschwege berichtete über die am Horizont austauchende neue Bier-, Schaumwein-, Zigaretten- und Zigarrensteuer und verweilte längere Zeit bei den Schäden, die dem Gastwirt durch diese neuen Steuern erwach­sen wurden. Es wurde beschlossen, sobald über die neuen Steuern greifbare Nachrichten an die Oeffentlichkeit gelangen, eine besondere Sitzung des Vorstandes des Mitteldeutschen Gastwirte- verbandes einzuberufen, die dann zu den drohen­den neuen Steuern Stellung nehmen wird.

Um 1 Uhr folgten die Kongreßteilnehmer der Einladung zu einem von Mitgliedern der Flei- scherinnung und den Brauereien dargebotenan opulenten Frühstiick. Dieses wurde eingeleitet durch eine aus Maggi's Bouillonwür­feln hergestellte Fleischbrühe. Dieses neue Pro­dukt der Maggi-Gesellschaft fand bei den Festteil­nehmern volle Anerkennung.

An den um 2 Uhr wieder aufgenommenen Beratungen nahm auch Herr Reichs- und Land­tagsabgeordneter W e t n e r-Charlottenburg teil. —Es wurde nach einemBericht der Herren H o lz- hauer und Heinemann-Kasfel beschkosien, den Vorstand des Mitteldeutschen Gastwirtever- Handes zu beauftragen, falls kein Bundeskaleuder hevaus^geben werden sollte, einen Verbands­kalender herauszugeben, den sämtliche Verbands- mitglieder halten müssen. Abg. Werner be­tonte, wie notwendig es sei, das Stanbesbewußt- sein zu heben und die Organisation in Stadt und Land weiter auszubauen.

Herr Kreß-Fulda berichtete über eine Verfügung des Landrates von Fulda, wonach auf dem Lande wohnende Ga st wirte, welche Hausschlachtereien (Schweineschlachten) vornehmen, besondere Schlachthäuser errichten müssen. Das mache in den meisten Fäl­len eine Ausgabe von 2000 <M und mehr für einen Gastwirt. Jeder Landwirt könne in der Scheune schlachten, der Gastwirt auf dem Lande solle aber ein eigenes Schlachthaus errichten. Redner findet es nicht für richtig, daß man dem Gastwirtsgewerbe hier das verwehren wolle, was den Landwirten gestattet sei. Herr Q u i n t i n- Kassel hob hervor, daß jeder, der schlachte und das Fleisch zum Verkauf bringe, eben ein besonderes Schlachthaus errichten müsse. Herr Abg. Wer­ner führt aus, daß nach seiner Ansicht die land- rätliche Verfügung nicht zu Recht bestehe und empfiehü, sich beschwerdeführend an den Regie­rungspräsidenten zu wenden. Der Verbandsvor­stand wird beauftragt, die Angelegenheit weiter zu verfolgen.

Herr Schmidt-Fulda berichtete über die Ruhezeiten des Personals. Die Be­stimmung, daß in der Küche beschäftigte Mädchen, wenn sie ab und zu in der Wirtschaft aushelfen, Anspruch auf Ruhepausen haben, habe zu Schwie- ri gleiten geführt. Herr Schäfer- Göttinzen wies auf überttiebene Handhabung der Sonn­tags- und fonftigen Ruhebestimmungen hin, die zu" großen Schäden des ganzen Standes geführt

beten wird.

Ferner berichtete Herr Achilles-Göttingen über einen Antrag seines Vereins, betreffend Aufhebung der Abgaben (des Oktrois) für Spirituosen. Nach § 13 des Zolltarrfge- setzes werben im Jahre 1910 die Oktroi auf Fleisch und Mehl in Fortfall kommen, die Ok­troi auf Bier und Schrwps aber bestehen bleiben.

15. verdandttag der Gaftwitte Mttelöeutschlandr.

Fulda, 19. Mai 1908. n.

Während der BormittagSverhcmdlrmgen hatten sich die an dem Feste teilnehmenden Damen auf der .Hauptwache* versammelt, um unter Führung von Damen und Herren de- Vereins Fulda die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu be-

Maer W Zeitung

MchenbMge: Illustrierte Sonntagrzeltung" m-xakb-llage: „zuldaer GeschichtsblStter"

sichtigen.

In seinem Referate über die Frage der Sonn­tag» ruhe im Gastwirtsgewerbe führte Herr Kr üger-Kaffel (Siehe gestr. Bericht) noch werter au», Pfarrer Teudt aus Frankfutt a. M. habe auf dem dort im September 1907 abgehaltenen 12. Internationalen Kongreß für Sonntagsruhe hervor- Shoben, daß auf gesetzlichem Wege eine Em- räntung der Sonntagsarbeit im Gastwirtsgewerbe ohne eine allzu große Schädigung der etwa 566000 deutschen Gastwirtsbetriebe gar nicht ben&ar sei. Diese Darstellung des Pfarrers Teudt könne nur entschieden unterstrichen werden. Auch fei eine ttebertragung englischer Verhältnisse auf da» deutsche Gastwirtsgewerbe midurchführbar. Redner schloß mit der Versicherung, daß das Gastwirtsgewerbe alle sozialen Fragen, wie Sonntagsruhe für die Kellner und sonstigen Gastwirtsangestellte» schon a regele und dies bisher auch ohne Rippenstöße

i die Regierung getan habe.

Der zweite Berichterstatter über die Frage der Sonntagsruhe, Herr Schüßler-Hanau, besprach den Anttag des Superintendenten Fritf ch-Hamm auf der Gesamtsynode in Raffel am 13. Jan. o. IS., der dahin ging, Ballfestttchkeiten am Sams lag abend bereits um 12 Uhr zu schließen, damit die Teilnehmer am nächsten Sonntag den Gottesdienst nicht versäumten. Ebenso müsse schärfer darauf ge- ehen werden, daß Sonntagsvormittags der Aus- chank ruhe. Die Gesamtfynode nahm eine Ent- chließung att, worin die Regierung ersucht wird, n vorgedachtem Sinne reglementarisch einzugrerfe». Die Versammlung brachte, nachdem noch Herr Holzhauer-Kassel zu der Frage gesprochen hatte, m einer Resolution zum Ausdruck, daß sie m den Vorschlägen der Kasseler Gesamtsynode eine Ein­schränkung der freien Erwerbstätigkeit im Gaft- wirtsgewerbe erblicke.

Herr Achille S-Göttingen brachte hierauf zur Sprache, daß Gastwirte eil Zengen vor Ge­richt immer Schwierigkittn haben, Zeugengebühr ut erhalten. ES werde immer gesagt, daß die Gast- eirte nichts versäumen. Redner konnte mitteilen, daß ihm mehrmals keine Gebühren gezahlt worden g, obwohl et mehrere Stunden Zett verloren

. Die Herren Schüßler-Hanau, Schmidt >a und So ch^schwege brachten ähnliche Be­erben vor, Herr Qnin tin-Kassel ebenfalls und zwar mit dem Bemerken, daß er nur dann Beugen« gebühren erhalten habe, wenn et einen Serireter gestellt habe. Herr Friedrich-Kassel hob hervor, daß Vertreter immer gestellt werden müssen, wenn man Zeugen gebühren haben wolle. Es wurde eine Eingabe an das Justizuünisterium beschlossen, wor­in hinsichtlich der Zeugengedützcen um Gleichstellung der Wirte mit allen übrigen Gewerbetreibende« ge-

hätten. Der Verbandsvorstand wurde beauftragt, diese Angelegenheft toeiter zu prüfen und bet den Behörden deshalb vorstellig zu werden. — Die Polizeiverordnung über dte äußere Heilig- haltung der Sonn- und Fetertage wird aus Antrag des Herrn E n s i n g e r-Schinal- falben den Verbandsvorstand weiter beschäftigen. Die Vereinsporsihenden werden gebeten, dem Vorstande mit Material an die Hand zu gehen. — Herr Schüßler-Hanau empfahl den An- schluß an die Haftp flicht küsse, die sehr gut gearbeitet habe.

Die übrigen Punkte der Tagesordnung be­trafen interne Derbandsangelegenheiten. Als Ort der nächstjährigen Tagung wurde H o f g ei 8 m ar in Aussicht genommen. Mit einem Hoch auf den Vorsitzenden des VerbandstageS, Herrn Hotelier Kr L. g e r-Kassel, wurden um 5 Uhr die Verhand­lungen geschlossen. Darauf vereinigten sich im Saale be$ Bürgervereins 150 Personen zu einem

Mittagessen.

Dieses, sowie die nachfolgende Festversammlung galten gleichzeitig auch der Feier deS 15. Stif­tungsfestes des Wirtevereins Fulda. An dem gemeinschaftlichen, bestens verlaufenen Mahle beteiligten sich als Vertreter des Herrn LaudratS Sprntgorum-Fulda, der sich bekanntlich in Berlin staat-wissenschaftlichen Studien roibmet, Herr RegierungSafseffor Dr. v. Manie», als Vertreter ber Stabt Herr erster Beigeordneter August Müller. Nach entern von Frl. Frieda Kreß wirkungsvoll gesprochenen Prolog brachte ber Ver­bandsvorsitzende Herr Hotetter Kröger aus Kassel in martigen Worten den Trmkspruch auf den Kaiser aus. Herr Stadtverordneter Lahn stein-Kassel warf einen Rückblick auf die Gründung und ersten- liche Weiterentwickelun g deS WirtevereinS Fulda, dem er fein GlaS weihte. Herr Assessor Dr. von Monte» überbrachte die Grüße des zu fernem Bedauern an der Teilnahme verhinderten Herrn Landrats unb wünschte bem Wirteverein Fulda auch ferner daS beste Gedeihen. Auch Herr erster Bei qeorbueter Aug. Müller, Ehrenmitglied deS Ter eins hatte für diesen herzlicheWorte desGlückwunsches Herr Reichs- und LandtagSabgeordneter Wer- ner feierte in humorgewürzter Rede die Ent­wickelung ber Stadt Fulda, mit der die Entwicke- lung des Vereins und des Verbandes auf das engste verknüpft gewesen sei. Redner trank aus die gute Harmonie zwischen Verein und Verband. Herr Restaurateur Rich. Simon-Kassel feierte in Humor- und pocsievoller Rede den eleganten Damenflor, der das Fest der Gastwirte verschönen half. Herr K u b e, der Vorsitzende deS Wirtever- eins Fulda, gedachte mit Worten deS Dankes des Mitbegründers des Fuldaer Vereins, Herrn Ho­telier Kreß, des zielbewußten und energischen Vertreters der Interessen des Gastwirtestandes. Zum Zeichen der Anerkennung überreichte Red­ner Herrn Kreß ein künstlerisch ausgeführtes Ge- denkdlatt, das seine Ernennung zum Ehren­vorsitzenden des Vereins anzeigt. Herr Kreß dankte mit einem Hoch auf den Mfttel- deutschen Gastwirteverband und widmete sodann herzliche Worte den Herren Fridolin MüHer­aus Opperz und F. K. Nüdling rus Fulda, ^vei um das Gastwirtsgewerbe in 25sähriger Tä­tigkeit sehr verdienten Männer. Sie wurden zu Ehrenmitgliedern des Bundes deutscher Gastwirte durch eine vom Bunde ausgefertigte Urkunde ernannt. Das Hoch auf die Gäste brachte Herr K u b e-Fulda aus. Küche und Keller des Herrn Marz in leisteten daS Beste. Jeden­falls war es keine kleine Aufgabe, in einer Tafel­runde, die zum weitaus größten Teile aus Kon­kurrenten bestand, alle zufrieden zu stellen, und doch hörte man nur eine Stimme des LobeS. An das Mahl schloß sich gegen 10 Uhr ein« von einem gleich schönen Verlauf begünstigte

HundeShag chranstalt in

sich 1« zweiter Ehe mit dem bedeutenden Forst- matme Joh. Christian 7 Leiter der Fuldaer Forst-Le!

») Die Rhöngegend in historischer Beziehung. Mer Vorträge, aehalten im Rhönklub zu Fulda von Dr. JustuS Schneider. Fulda 1878.

e«, den

tDasv. Attenftem'sche Han; inZuida.

In dem kunstgeschichtlich so interessanten Ar­tikel „®te Renovierung des Rokoko - Saale- im fegen. Kollegien - Gebäude" in Nro. 109 der ,Fnld. Ztg/ findet sich eine Angabe, die offenbar auf einer Verwechselung beruht. Dort heißt eS: ;„Da- jetzige LandratamtS-Gedäude gehörte früher einem Freiherrn v. Altenstein. Nach dem Tode Altenstein-, über dessen Vermögen der Koa- kur< verhängt wurde, kam eS in den Besitz eines in Fulda gutbekannten Bürgers namenS Valen­tin Schneider." Demg^enüber sei berichti- Jjenb und ergänzend mitgeleut, daß, als daS be- reffende große Gebäude im Jahre 1813 zwangs­weise verkauft wurde, nicht mehr ein Herr v. Altenstein, sondern ein Oberstleutnant Saalmüller der Besitzer gewest» ist. Jakob Joseph Saalmüller (der Familien - Name weist auf Hammelburg hi») war zu Adalbert to. Larstall- Zeiten Oberstleutnant bei dem Hochfürfil. Landregiment, wie auch Marsch-Kom- toiffar unb Chaussee- und Landbereiter. Ja letz­terer Eigenschaft finden wir ihn noch im FürsÜ. Bau-Departement deS Prinzen von Oranien. Im 'Milttärstaat de- letzteren begegnet uns auch ein ^Unterleutnant Franz Saalmüller, wäh- tenb einige Jahre vorher unter Fürstbischöflicher Derrichast ein Hofkammerrat Johann Georg Taalmüller al-Haushofmeister, Pagerie-Jnspeftor (unb Hofmarschallamt« - Assessor fungierte. Mit dem Oberstleutnant Saalmüller bewohnte gleich- (yitig der Weinwirt Peter Follentus da- Altenftein'schr Hau«. An diesen verkaufte später !bie junge Witwe bei Sternwirtes KmpS, Fra» 'Katharina Knips, geb. Thomas auSHafek stein, ihren in der Karlftmße nächst der migel- -apotheke gelegenen Gasthof zum goldenen Stern. West schöne, kluge und gebildete Frau vermählte

Jahren 1821—24.) Wie das ,Fuldaer Intel»« genzblattt bekannt gibt, hielt die „Musiklieb- Haber-Gesellschaft" von November 1816 an jede» Donnerstag Konzerte in dem ehemals von Altenstein'schen, damals einem Rentmeister Glück zu Bieberstein gehörigen Saale ab. Ebenso fanden auch die Zusammenkünfte ber von dem Hofarchftekten Cl. W. Condray gegrün- beten „Lesegesellschaft" darin statt. Erst vomJahre 1819 an führte Valentin Schnei­der die Wirtschaft.

Bekanntlich knüpft sich an daS Altenstein'sche HauS auch «ine denkwürdige Episode aus dem ssebenjährigen Krieg«, welche JustuS Schnei- ber, wohl Goeßmann folgend, wie folgt er« Mt:')

=tat Iah« 1769 zog da- von Herzog Karl von Württtemberg befehligte «uxiliarkorp, be» französischen KSnigS Ludwig XV. durch Fulda, welche, 12000 Mann (grSzien:?ilz Württemberger) nebst 1500 Mann französischer Kavallerie zählte. Dasselbe hatte unter dem Schulzenbeia auf dem Münfterfeld ein Lager bezogen; seine Offiziere hatten am 80. 91»« vember in» »ltenstetn'sch en Hause einen Ball arrangiert, wozu die Damen Fmda's bereit- in fest­lichem Putze erschienen waren. Da kam plötzlich die Nachricht, daß die preußischen Husaren unter dem Erb­prinzen 3 et bi« anb v on Braunschweig daS Lager auf bem Münsterfewe angegriffen. Sie waren über Lauterbach und Großenlüder unvermutet herangekommrn und sprengten in ber Tat ba8 ganze Lager. Die Infanterie wurde in die Stobt getrieben, die Kavallerie retirierte über Reue»berg und Jo- hanneSbera nach KohlhauS und der Herzog entkam mtt mapper Rotz nachdem sein Pferd m der

Florengasse ein Hufeisen verloren hatte, welches setzt noch im 2. Stockwerk des HauseS 211 zu sehen ist. Da, Fußvolk flüchtete weiter über PeterSberg nach Horwieden, wo esdernachfolgendenpreußischen Kavallerie vergeblichen Widerstand leistete und viele Tote und Verwundete nedst 1200 Gefangenen verlor. Der Rückzug nahm nun weiter seinen Weg über die Milseburg nach Hilders unb Wüstensachsen unb «etter ins fränkische Gebiet."

Nach mündlicher Ueberlieferung soll auch der fürstlich ftdb. Oberjägermeister Friedrich Frei­herr v. Truchseß zu Witzenhausen im Altenstein'schen Hause gewohnt haben.

— Des Papstes Bruder in ber ewige» Stadt. Die gelegentlich des Pferderennens in Rom von der italienischen Staatsbahw bewilligts Preis­ermäßigung von 75 Prozent machte sich auch der Bruder des Papstes, Angelo (Sorto, zunutze, um von seinem kleinen Orte bei Mantua wieder ein­mal zu billigem Fahrpreise nach der ewigen Stadt zu kommen. Zwar hat er als Bruder des regie­renden Oberhauptes ber katholischen Kirche das Recht, auf den italienischen Staatsbahnen in einem Abteil erster Klasse unentgeltlich zu fah­ren. Aber der Papst wünschte diese Bevorzugung seiner Familienmitglieder nicht; der Bruder sollte zahlen wie jeder andere, und so reifte denn Angelo Saito, wie die „Köln. Volkszeitung" schreibt, ruhig drttter Klasse von Mantua nach Rom. Als Angelo zum erstenmal zur Krönungs­feier des Papstes hierher kam, gefiel ihm der bei größeren Audienzen oder Funktionen entwickelte Prunk des päpstlichen Hofstaates ungemein, un- gar zu gern wäre er in der Nähe seines Bruders geblieben. Aber der Papst sagte ihm damals: „Angelo, gehe du ruhig auf deine Posthalterei zurück, dort fühlst du dich Wohl unb bist von allen Zern gesehen; hier bist du ein Fisch außerhalb des Wassers; Hofluft würdest bu auf die Dauer nicht ertragen können." Nicht gerade gern hat sich da­mals Angelo gefügt; heute aber hat er zugege­

ben, daß der Papst weise gehandelt habe, und dankbar erkennt er dies an. Bescheiden wie ehe­dem tritt auch jetzt der Bruder Pius' X. auf. Er brachte es nicht über sich, sich in den unge­wohnten Frack zu Kvängen, oder etne weiße Hals­binde anzulegen. Der Papst, ber überhaupt nicht so sehr auf strenge Beibehaltung bet Etikette sieht, wie Leo XIII., ließ gern seinen Bruder im alt­fränkischen Sonntagsrock und mit selbstgebunde- ner Kravatte vor sich erscheinen. Schlicht und be­scheiden wie Joseph und Angelo Sarto bleiben auch ihre am Petersplatz im dritten Stockwerk in einem paar Zimmerchen wohnenden Schwe­stern der beiden. In einfachen schwarzen Woll­kleidern, dm venettanischen Spitzenschleier auf bem Kopfe, erscheinen sie bei ben feierlichen Funk­tionen in der Sixtina; ungekannt von ben mei­sten und unbeachtet schreiten sie burch die Reihe» der Damen der römischen Aristokratie hindurch zur ehemaligen Sängertribüne, von wo aus sie ungesehm, aber um so andächtiger der heilige» Handlung folgen können. Der Papst gewährt natürlich seinen getreuen, ehemaligen Haushäl­terinnen ent sorgenfreies Leben und hat ihnen zwei Novizenschwestern zu ihrer Bedienung ange­wiesen. Tags über besuchen die Schwestern Sarto die verschämten Armen ihres Viertels oder sie ar­beiten daheim für charitative Zwecke. Verkehr pflegen si« nur mit einigen venezianischen Fami­lien hierselbst, oder sie empfangen die Besuche ihrer näheren Bekannten, tote Maestro Perosi, P. Dido, der General be8 Kamillianer-Ordens, die Monsignori Bressau und Pescini n. a. m.

— Unsen Kinder. Der kleine Siegfried ist tränt gewesen, er ächzt stark, die Mutter fragt: „Friedel, wa- tut Dir bmu weh?" Wehmütig antwortete bet kleine Kerl: „Der ganze Sim fried tut mir weh."

* Von der Schmier«. Direktor (wütend zum Regisseur): .Warum ist der Kanonenschuß am Schluffe des Aktes auSgebtteben?' — Regtffeurr Ä bester Herr Direktor, man hat mir eine» gespielt unb In bk uffgeblafene Papierdüt«

S Loch gemacht.",