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JV3 115.
Fulda, Dienstag den 19. Mai 1908.
35. Jahrgang.
Gvfles
Deutsches Reich.
* Die Bankenquete hofft mit der Vernehmung deS Sachverständigen bis Pfingsten fertig zu werden.
0 „Demokratische Bereinigung." Die Barth» sche Richtung hat am Sonntag in einer General» Versammlung beschlossen, die Bildung einer neuen demokratischen Partei für das ganze Reich in die Wege zu leiten. — Viel Glück werden die Herren damit natürlich nicht haben.
g Folgen des Bereinsgesetzes. Bekanntlich hat die preußische Ausführungs-Verordnung zum Reichs-Vereinsgesetze den Landräten ausgegeben, festzustellen, welche Zeitungen sür die eine polizeiliche Anmeldung von Versammlungen ersetzende Bekanntmachung zugelaffen werden sollen. Bei den Beratungen im Reichstage roar man auch beim Block der Ansicht, daß jede Bekanntmachung in irgend einer vielgelesenen Zeitung hinreichen solle. Die zuständigen Faktoren scheinen aber vielfach zu glauben, hier biete sich ein ausgezeichnetes Mittel zur Förderung deS Annoncenteiles der meistens gar nicht gelesenen amtlichen Kreis blätter. So sind in der Umgebung von Berlin fast durchweg die Amtsblätter ganz allein mit diesem Vorzugsrecht ausgestattet worden. AnderSwo in Ostelbien wird eS sicher nicht anders sein.
----- In Sachen Eulenburg werden gegenwär« ag auch m Oldenburg Untersuchungen über Eulenburg- Tätigkeit während seiner dortigen Wirksamkeit als preußischer Gesandter angestellt. — In Starnberg scheint eS den beiden Zeugen Ernst und Riedel sehr unangenehm bekommen zu sein, daß sie eS gewagt haben, gegen einen Gewaltigen auszuiagen. Die vornehme Starnberger Gesellschaft hat die beiden boykottiert, sodaß sie materiell ruiniert werden; beide werden in Kürze mit ihren Familien Starnberg verlassen.
)( Hoch lebe die Toleranz. In Fischbach im Rtesengebirge wurde der Vorsitzende eine- Gesangvereins beerdigt. Der Verein wollte bet der Angelegenheit am Grabe ein L i ed singen. Der Pastor erlaubte daS aber nicht, weil der Dirigent katholisch ist. Er meinte: er wolle zwar kein Zelot sein, aber die Wirksamkeit eines katholischen Lehrers auf dem evangelischen Friedhöfe könne er nicht erlauben! Der Gesangverein, der übrigens nur wenige katholische Mitglieder zählt, mußte sich daher begnügen, im Trauerhause vor dem Eintreffen der Pastors einige Lieder zu singen. Das sollte ein katholischer Pastor gewesen sein! Das gäb eine Hetz!
a Der Eisenbahnassistentenverband hält soeben in Berlin seine Generalversammlung ab. Von den 109 Ortsvereinen des Verbandes mit 9700 Mitgliedern waren 93 Vereine mit rund 8000 Mitgliederstimmen vertreten. Die Eisen- babndirektion Berlin hatte einen Vertreter ent« sandt. In der SonntagSsitzung beschäftigte sich der VerbandStag mit Satzungänderungen und inneren Verbandsangelegenheiten. Am Montag beschäftigte man sich mit der Reform der Be- anttengehälter,wobei man unter Anerkennung dessen, was der Reichstag für die Beamten getan hat, daS lebhafte Bedauern über die Verschleppung der Besoldungsreform zum Ausdruck brachte.
* Wiesbaden, 18. Mai 1908. DaS Kaiser- paar wohnte am Sonntag abend der dritten Festvorstellung im Hoftheater bei. Am Montag machte der Kaiser eine Spazierfahrt im Automobil in Begleitung des Fürsten Bülow. — Heute vormittag hörte der Kaiser einen einstündigen Vortrag des Reichskanzlers.
-P Aus Oberheffen, 18. Mai 1908. Der Konflikt zwischen dem heffischen Standesherrn Grafen zu G örtz gen. Schlitz und der Stadt» gemeinde Schlitz nimmt schon im Hinblick auf die heroorragende Stellung des Grafen im politischen Leben das allgemeine Jntereffe in Anspruch. Graf Görtz ist erster Präsident der Heffischen ersten Ständekammer, dabei ein per» fönlichrr Freund des Kaisers und deS Groß Herzogs, die häufig im Schlitzer Schlöffe als Gäste weilen. Die Weigerung des Grafen, das der Gemeinde Schlitz "vertragsmäßig zustehende Ab- lösung-recht der Jagd zuzugestehen, erregt Erbitterung und Befremden, da eine gesetzliche Unterlage für eine solche Weigerung fehlt. Da- m kommt die Androhung der standeSherrlichen Ungnade, die in unserer modernen Zett nicht nur keine Wirkung haben kann, vielmehr die Bevölkerung nur mit Unwillen erfflttt Der nationalliberale Abg. Dr. Osann hat im Landtag bekanntlich eine Interpellation über die Affäre eingebracht. Ob und wann dieselbe noch am Schluß dieser Seffion zur Besprechung gelangen wird, ist noch zweifelhaft. Die Regierung wird nach Lage der Dinge wenig Lust verspüren, mit dem hochmögenden Pair im Landtag ein Tänzlein zu wagen, zumal gerade daS Jagdrecht im Herrenhause eifersüchtig als ein lieber- bleibsel der früheren Herrenrechte verteidigt und gewahrt wird. DaS Eingreifen deS national- liberalen Parteiführer- in den häuslichen Streit her Schlitzer_mt1_tbsw.Srafm fvich zweifellos
polüische Konsequenzen haben, zumal eS auch der Regierung Verlegenheit bereitet. Wie bereits mttgeteilt wurde, hat der Kaiser seinen bereit- im Schlitzer Schlöffe angekündigten Be- such wieder abgesagt. Ob und inwieweit die neuesten Vorkommniffe mit dieser Aenderung der Reisedispositionen des Monarchen int Zusammenhänge stehen, entzieht sicy der allgemeinen Kenntnis.
Darmstadt, 18. Mai 1908. DaS Reichs- vereinSgefetz mit seinen, sür Heffen ange» sichtS deS seitherigen RechtszustandeS rückschritt-- lichen Bestimmungm liegt den Blockparteien schwer im Magen. Während man in anderen süddeutschen Staaten mit einem gewiffen Schein von Reckt und auch mit einem gewiffen Erfolg den Wählern vormachen kann, die Neuregelung bringe ihnen Vorteile, muß man in Heffen davon Abstand nehmen« denn die Verschlechterung der Vereins- und Versammlungsfreiheit durch die Beschlüffe der Blockmehrheit tritt für Heffen zu klar zu Tage. Die nationalliberalen Vertreter Hessens waren bekanntlich in der Stunde der Entscheidung nicht einig. Während die Abgeordneten Heul und Oriola als unentwegte Block- brflber mit Begeisterung einer Schmälerung am heffischen Rechte zustimmten, haben die Abgeordneten HaaS und Osann, die im heffischen Landtag alle Register sittlicher Entrüstung über die reaktionären Bestimmungen des Reichs- geseheS aufgezogen hatten, eS tm Interesse ihres politischen Ansehens voraezogen, sich der Stimme zu enthalten. Konsequent wäre für sie zwei die Ablehnung des Gesetzes gewesen — aber konsequentes Handeln war ja niemals eine hervorstechende Eigenschaft der nationalliberalen Politiker, und nun im Schatten der Blockpolitik muß man schon einem pflaumenweichen National- liberalen mildernde Umstände zuerkennen. Aber peinlich ist und bleibt die Situation für die nationalliberalen Herren namentlich angesichts der int Herbst stattfindenden Landtagswahlen. Infolge der Minierarbeit des nationalliberalen terrn v. Heyl wurde bekanntlich abermals das ustandekommen der hessischen Wahlrechtsreform in Hessen verhindert, und im Herbst muß das hessische Volk nochmals unter dem System des indirekten Wahlrechts wählen. Daß unter diesen Umständen eine weitere Beeinträchtigung hessischer Freiheiten durch ein unter hervorragender Mitwirkung der Nationalliberalen geschaffenes Reichsgesetz gerade keine günstige Wahlparole für den Liberalismus in Hessen bedeutet, liegt auf der Hand. Auch den zahmsten und noch so „national" gesinnten Wähler beschleicht der Unmut, wenn er wahrnimmt, wenn seine Führer nichts weniger al- die Schützer seiner politischen Freiheiten sind, vielmehr überall dabei sind, wenn eS gilt, der freiheitlichen Entwickelung sich ent» gegenzuflellen. Weich' bedeutende Verschlechterung daS Vereinsgesetz für Hessen bringt, geht aus den nunmehr veröffentlichten Ausführungsbestimmungen der hessischen Regierung klar hervor. Sir verfolgen offensichtlich den Zweck, für Hessen die erschwerenden Bestimmungen über die polizeiliche Anmeldungspflicht für Vereine und Versammlungen nach Möglichkeit zu mildern. Aber der angestrebte Zweck wird nur biS zu einem gewissen Maß erreicht, da grundsätzliche Bestimmungen des Reichsgesetzes durch Verordnungen der einzelnen Bundesregierungen nicht au- der Welt geschafft werden können. Es wird dem hessischen Volke nicht sobald gelingen, sich an die polizeiliche Bevormundung zu ge- gewöhnen, die ihm nunmehr auferlegt wird und von welcher eS sich seither völlig frei wußte. Daß insbesondere die Sozialdemokratie auch wieder aus dieser Situation politischen Vorteil ziehen wird, ist sicher. Die Bülow'sche Blockpolitik nimmt aber auf diese unerfreulichen W.r» hingen keine Rücksicht. Der Block lebt von Hand zu Mund und sein Herr und Meister, dessen Kanzlerherrlichkeit mit dem Block steht und fällt, dentt vielleicht auch: „nach unS die Sintflut".
-r- Mannheim, 18. Mai 1908. Der hier stattfindende Delegiertentag des Bunde- süddeutscher Industrieller erklärte sich für eine „vernunftgemäße Fortführung der Sozial» Politik insofern, al-dadurch die internationale Wettbewerb-fähig kett der süddeutschen Industrie nicht behindert wird."
* M.»Gladbach, 18. Mai 1908. Der langjährige Vertreter für Handwerks» und Mittelstandsfragen an der Zentralstelle des Volksverein- für da- katholische Deutschland, Dr. August Engel, ist — so oehauptet die ,Köln. Ztg." — in gleicher Eigenschaft in die Hauptgeschäftsstelle der „Deutschen Vereinigung" emgelreten.
katholischen Kirchengutes sich angeeignet hat!
d* Stuttgart, 16. Mai 1908. Die Zweite Kammer beriet über die Gültigkeit der Wahl des Zentrumsabg. H e r b st e i n. Den Hauptanfechtungsgrund bildete eine Aeußerung des katholischen Stadtpfarrers Dr. Roth in Wiesensteig, der in einer Versammlung gesagt haben soll: „Wenn ihr einst droben zusammenkommt, so werdet ihr belohnt werden, wenn ihr die Partei wählet, welche für Religion und Frömmigkeit eintritt." Die Mehrheit fand darin keinen Wahlanfechtungsgrund, einmal weil der Geistliche nicht in seiner amtlichen Tätigkeit war und ferner, weil auch dem Ortsgeistlichen der Hinweis auf religiöse Motive so gut wie der auf politische und soziale gestattet sein müsse. Diesen Standpunkt nahmen außer dem Zentrum auch die Redner der konservativen Partei und der Sozialdemokratie ein. Die Volkspartei dagegen forderte durch den Mund des Abg. Storz ein Gesetz, das den Geistlichen aller Konfessionen unter Strafandrohung die geheime und die öffentliche Wahlagitation verbietet. Obgleich dem Volksparteiler sowohl vom Zentrum, als auch von konservativer und sogar sozialdemokratischer Seite nachgewiesen wurde, daß im vorliegenden Fall der gesetzliche Boden zu einer Kassierung der Wahl nicht gegeben sei. Man bekam dabei den Eindruck, und ein sozialdemokratischer Redner nagelte dieses auch fest, öaß die Volks- parte»i das Gesetz nach dem Machtstandpunkt drehen wolle, und daß dem Zentrum gegenüber alles erlaubt fei. Der Volkspartei genügte es nicht, daß sie seit der bereits ausgesprochenen Ungültigkeitserklärung der Wahl des mit nur we- nigen Stimmen Mehrheit gewählten Zentrumsabgeordneten Oberndorf gleich stark ist, wie das Zentrum — beide Fraktionen haben jetzt je 24 Mandate —, die Zentrumsfraktion soll nach ihrer Ansicht an die zweite Stelle rücken, damit he (die Volkspartei) wiederum die erste Stelle einnehmen könne. Darum also mußte die Kulturkampfsfanfare geblasen werden. Der Abg. Gröber beleuchtete das von dem Abg. Storz geforderte A u s n a h me g e s e tz. Er wies darauf hin, daß die freisinnige Fraktionsgemeinschaft, zu der die Volkspartei auch gehört, erst am 6. Mai im , Reichstag offiziell durch den Abg. Müller- Meiningen erklären ließ, daß der Geistliche, wie eder andere Staatsbürger feine staatsbürgerlichen Rechte in einer politischen Versammlung ausüben könne. Gröber machte auch darauf aufmerksam, daß die Volkspartei den Einfluß der Geistlichkeit ans dem Grunde in die Kirche und die Sakristei z u r ü ck d r ä n g e n wolle, damit man „gelegentlich den Schlüssel an der Sakristei herumdrehen kann, fodaß die Geistlichen nicht mehr heraus können". Schließlich komme noch die Zeit, wo man sie auch ans der Sakristei hinauswerfe, damit sie keine Berührung mit dem Volke mehr haben,. tote in Frankreich. Der Antrag wurde schließlich mit 47 gegen 32 Stimmen abgelehnt und die Wahl des Abg. Herbster für gültig erklärt.
* München, 18. Mai 1908. Die Kammer her Abgeordneten beriet heute nachmittag über den Gesetzentwurf betreffend den Vollzug des Rei ch-vereinr-Goietzes, sowie über bie Anträge des Zenttr v-.s und der Sozialdemokraten, die für die fremdsprachigen Einwohner Bayern» den unbeschränkten Gebrauch der Mutter- spräche verlangen und ferner über den Antrag Dr. Müller-Meiningen, der eine freiheitliche Anwendung der Bestimmungen des Reichsvereins, gefetzes in Bayern fordert. Abg. ' Freiherr o. Massen (Z.) erkannte an, daß die bayerische Regierung die Sprachenfrage bereits auf dem Verwaltungswege so geregelt habe, wie es die Anträge wünschen. Das Reichsvereinsgesetz bringe zwar manche Vorteile, seine Annahme sei aber trotzdem zu bedauern, weil eS den Charakter eine- Ausnahmegesetzes an sich trage. Zum erftenmale habe sich die Reichsgesetzgebung in den Dienst der preußischen Volenpolitik gestellt. Müller-Meiningen suchte die Zustimmung der Liberalen zum Reichsvereinsgesetz zu recht» fertigen. Die liberalen Anträge hätten mehrfach Verbesserungen in das Gesetz gebracht, selbst die Polen müßten im Grunde ihres Herzens für das Gesetz dankbar sein. (!)
Zu -en Lan-tagswahlen.
* Hanau, 18, Mai 1908. Eine Vertrauensmännerversammlung deS Bundes der Land» wirte stellte, nachdem der Domänenrentmeister Reinhardt die Kandidatur niedergelegt hatte, als Kandidaten für den Landtag den Landwirt Heinrich Lind auf. Lind war in letzter Zeit mehrfach als Wanderredner des Bundes der Landwirte tätig.
* Wiesbaden, 18. Mai 1908. Das Z en» trum in der Stadt Wiesbaden will in allen Urwahrbezirken eigeneWahlmänner aufstellen und tatkräftig in die Agitation eintreten. ES ist daS erste Mal, daß da- Zentrum hier bei der LandlagSwahl in dieser Wesse selbständig vorgeht. - •
* Waldenburg, 18. Mai 1908. Zn der Meldung, im hiesigen Wahlkreise hätten die Freikonservativen mit dem Zentrum ein Kartell ab- geschloffen, wonach der bereits ausgestellte Frhr. v. Zedlitz (ft) durch einen Zentrumsmann erseht werde, wogegen AmtSgerichtsrat Krause und Direktor Lückhoff vom Zentrum unterstützt würden, bemerkt die Freikons. Korresp.: „Die Nachricht beruht auf einem Irrtum. Die Zentrumspartei im Wahlkreise beabsichtigt nur, nicht für den Fihrn. v. Zedlitz zu stimmen, wie für die Herren Krause und Lückhoff, sondern ihre Stimme einem Zentrumskandidaten zuzuwenden."
△ Die Sozialdemokraten in Berlin haben am Sonntag die Landtagswahlkandidaten ausgestellt. 6 davon, nämlich Liebknecht (der augenblicklich auf der Festung Glatz seine Strafe wegen Hochverrats abbüßt), Redakteur Ströbel, Stadtverordneter Bergmann, Schriftsteller Paul Hirsch und Stadtverordneter Hugo Heimann, sind für die 5 aussichtsvollsten Berliner Wahlkreise ausersehen. Liebknecht steht an erster Stelle. Dr. Leo Arons hat sich nach Altona geflüchtet, den er selbst wohl für den aussichtsvollsten Kreis hält.
Ausland.
* Tie llnrufje an den österreichischen Universitäten will sich nicht legen. Aus die Krawalle in Graz und Wien, von denen wir berichteten, sind gestern ähnliche Vorgänge in Innsbruck gefolgt. Liberale Blätter berichten darüber: Früh morgens wurde die Universität von katholischen Studenten besetzt, die mit Stöcken bewaffnet waren und mit Absmgung der Kaiser- Hymne und katholischer Lieder demonstrierten. Freiheitliche Studenten wurden nicht eingelassen. Der Rektor ließ die Universität schließen. Ditz Katholiken zogen dann in ihre Couleurhäuser. Vorher überreichten sie dem Rektor einen Protest gegen die freiheitlichen Studenten. (Wahrscheinlich liegt die Sache umgekehrt: eS sind, wie eS bisher stets der Fall war, die in katholischen Korporationen vereinigten Studenten, die froh sind, wenn man sie in Ruhe läßt, von den sog freisinnigen angefallen worden.) Später zogen di« liberalen Studenten vor daS katholische Akademikerhaus und warfen dort mehrere Scheiben entzwei. — Im österreichischen Abgeord- netenhause brachten gestern die Alldeutschen eine Interpellation ein wegen der Vorgänge an der Grazer Universität. Ein Antrag, di« Sitzung zu schließen und um 6 Uhr abends eine neue Sitzung mit der Tagesordnung: Die Vorgänge an der Grazer Universität abzuhalten, wurde abgelehnt.
* Die Afghanen haben einen furchtbaren Bundesgenossen erhalten. Das Indische Amt erhielt die offizielle Mitteilung von General Willcocks, daß 27 Mann vom Royal-Münster-Füsi- lier-Regiment, das an dem Feldzug gegen di« Mohmands beteiligt ist, an der Cholera gestorben sind. Nach einem Telegramm aus Simla wurde eine britische Vorpostenabteilung nachts von Mohmands, die vier Stunden lang hartnäckig kämpften, angegriffen. Aus britischer Seite wurden neun Eingeborenen-Soldaten getötet und 24 verwundet, der Feind hatte zahlreiche Totk
* Bereinigte Staaten. DaS republikanssch« Nationalkomilee hat nunmehr Marinesekretär Taft als offiziellen Kandidaten ausgestellt.
Ztadtveror-neten-versammlung.
& Fulda, 19. Mai 1908.
An der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten« Versammlung nahmen 21 Mitglieder deS Koller giurns teil; der Magistrat war durch Herrn Baurat S ch i r m e y e r vertreten. Den Vorsitz führt» der Stadtverordneten - Vorsteher Herr Justizrat Gegenbaur.
Es lag eine Zuschrift bei Herrn Stadtverordneten Wilhelm Plappert vor, in der er um Verlängerung seines Urlaubs nachsucht, da feine Gesundheit noch nicht wieder hergesteltt sei. In der nächsten Sitzung soll hierüber Beschluß gefaßt werden. — Eine Eingabe bett. Flucht- Itnienplan der Josephstraß« wurde nicht berücksichtigt, weil sie anonym ist.
Die angesetzte Tagesordnung wurde dann roitf folgt erledigt:
1) Rechnungsprüfungen, a) Vorschuß« taffe. Dieselbe schloß am 81. Dezember 1906 mit einem Kassenbestande von 499,69 M. ab, der in die städtische Sparkasse geflossen ist. Mtt dresem Zeitpunkte hörte die städtisch« Vorschuß, taffe, auf, da dieselbe vom 1. Januar 1907 mit der städtischen Sparkasse vereinigt wurde. Der Kapitalstock der Vorschußkaffe betrug 76 964 M. b) General-Armenkasse. Hier betrugen die Einnahmen im Berichtsjahre 1906 insgesamt 110883,28 M., die Ausgaben 108 851,19 M.» so daß ein Kaffenbestand von 1982,09 M. »er« blieb. Der von der Probatur gemachte Vor- schlag betr. Verkauf von Landeskreditkassen- Obligationen und Verkauf von Grundstücken in. verschiedenen Stadtteilen wurde von den Diskussionsrednern Kapp, Dux und Eschweq«
gleich dem Berichterftatter, Herxn Goebel, nM
* Kreuznach, 18. Mai 1908. In Bingerbrück ermahnte nach einem Bericht deS Oeffentl. Anz. der Präsident des Kriegervereins in der Monatsversammlung die Mitglieder, bei der Landtagswahl im Sinne der Grundsätze der Krieger-
M wählen. Gegen die Sozialdemokratie richtet sich diese Mahnung nicht, denn ein sozial- ^mokratlscher Kandidat ist nicht aufgestellt worden.
Karlsruhe, 18. Mai 1908. Den Antrag des erzbischöflichen Ordinariats auf Erhöhung des bisherigen Staatszuschusses an die katholisch e Kirche, den das Zentrum unterstützt hatte, hat die liberal-sozialistische Mehrheit der Kommission der Zweiten Kammer ab gelehnt; die Kammer ist dagegen bereit, die Gültigkeitsdauer des bisherigen Gesetzes, wonach der Staatszuschuß 350 000 Mark beträgt, auf weitere fünf Jahre zu verlängern. — Wie „gnädig" angesichts des Umstande-, daß der Staat bei der Säkularisation -her hundert,Millipjllh Mm wen gssos