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35. Jahrqanq

Fulda, Samstag den 16. Mai 1908.

Jß 113

Drittes Wtatt

Reklamen, nud Anzeigenteil.

Kleines Feuilleton

Anreigen: Vie ein­spaltige Peiitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Reilamendiepetitzeilt 25 Pfg., bei wieder- Holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Rotationrdrucknnd Verlag der ZuIdaer Ak- tiendruckerei in Lnlda Fernsprecher Nr. 9.

NollrsmrWMches und SsMes.

* Bergarbeiter streik in Indiana Sechzehn - lausend in den Steinkohlenbergwerken von Indiana beschäftigte Arbeiter sind in den Ausstand ge­treten.

erscheint täglich nrit Ausnahme der Somt> und Zeirrtage. viertel- jährliche» Bezugspreis ohne Sringerlohn und Bestellgeld in Zulda so- wie auswärts f.50 Mi.

verantw. Rrdaitem: Lari Schütte;

Aus dem Nachbargebiet.

* Hersseld, 15. Mai 1908. Das Königliche Oberbergamt zu Clausthal a. H. hat auf Grund präsentierter Mutung dem Kaufmann Georg Hermann Gesing in Hersfeld unter dem Kauf, mann Friedrich Keller in Eschwege unter dem Namen „Eisenzeche II" ein Eisenerzfeld in der Ausdehnung von 2,188849 qm, gelegen in den Gemarkungen Witzenhausen, Hundelshausen, Wendershausen und Nitcherode (Kr. Witzenhausen), zur Gewinnung der in dem Felde vorkommen» den Eisenerze verliehen.

* Harbshausen Kr. Marburg, 15. Mai 1908. Hier zeigen sich seit einiger Zeit größere Rudel Hirsche, welche dem Landmann bedeutenden Schaden zusügen. Der hiesige, Jagdpächler Schmied Hobel erlegte kürzlich zivei dieser statt­lichen Tiere.

A Meiningen, 15. Mai 1908. Der Verein für Schiffbarmachung der Werra hält hier am 23. Mai, vormittags 10 Uhr im Konzerthaus Schlesinger eine Versammlung ab, in der der Plan der Kanalisierung der Werra mit Kostenanschlag, sowie die Projekte verschiedener Talsperren in den Nebentälern der Werra den Inlereffenten vorgeführt und erklärt werden soll.

entfernt einmal der erstrebte Ertrag erreicht wurde. Wenn jetzt daher im Reiche eine starke Vermehrung der Ausgaben unabweislich ist, so fällt dies in erster Linie dem Schuldkonto des Zentrums zur Last. Es unterliegt aber auch keinem Zweifel, daß besten Absetzung als regierende Partei die unerläßliche Voraussetzung für die Gesundung der Reichsfinanzeu bildet."

Uffl Die Bahn des Blockes ist frei: jetzt kann erbessere Arbeit leisten. Die Steigerung der Ausgaben dem Zentrum in die Schuhe zu schie­ben, ist ein so unsinniges Unterfangen, daß man wirklich ob des Geisteszustandes der Leute be­sorg sein darf, die sich dazu hergeben. Jedem Anfänger in der Politik ist klar, woher die Stei­gerung der Ausgaben rührt. Im Herbst 1898 ist als die Aufgabe des Deutschen Reiches die „Welt- Politik" proklamiert worden, und das Zentrum wie seine Presse hat immer wieder darauf hin- gewiesen, welche Wirkung Weltpolitik und die damit verbundene Kolonialwirtschaft auf die Fi­nanzen des Deutschen Reiches haben. . Es hat zu sparen versucht, wo es nur ging. Aber jeher dieser Versuche ist ihm damit gelohnt wor­den, daß die gesamte „nationale" Presse dann die Zentrumspartei und ihre Anhänger der „antinationalen Gesinnung" verdächtigte. Geradezu lächerlich und jeder Unterlage entbehrend ist der Anwurf, das Zen­trum habe auf belangreiche Mehrausgaben ge­drängt, um u. a. kirchliche Ziele zu fördern. Die „Berl- Pol. Nachr." mögen uns nur einen Etatsposten nennen, wo das Zentrum zu Mehr- ausgaben aus diesem Grund gedrängt hat. Das wird ihnen ebenso sauer werden, wie die Beweise für ihre anderen Behauptungen. Der ganze Ar­tikel hat nur den Zweck, zugunsten der Verschleier­ung der bisherigen Blockschwäche dem Volke Sand in die Augen zu werfen. Wenn das die Mittel sind, mit denen der Block seine Bemühungen um die Reichsfinanzreform einleitet, dann können wir uns noch auf nette Dinge gefaßt machen.

— Die berauschenden Genußmittel spielen für die Menschheit neben den eigentlichen Nahrungs­mitteln eine bedeutende Rolle. Ursprünglich überflüssig, haben sie wegen des sinnlich und gei­stig angenehmen Zustandes, in den sie versetzen, eine immer größere Anwendung gefunden, bis sie zu wahrem Bedürfnis wurden. Zum Teil find sie auch imstande, die eigentliche Nahrung zu er­setzen. da vielen von diesen Genußmitteln auch eui gewisser Nährwert innewohnt. Es gibt heute nur sehr wenige Völker, die nicht über ein oder einige Narkotika verfügen. Selbst auf tiefster Stufe stehende Naturvölker sind im Besitz ernes solchen Mittels. Die berauschenden Genußmit­teln könnte man nach der Art des Genusses ein­teilen in solche, die in Pillenform verschluckt wer- den. in Getränke, Kaumittel, Rauch- u. Schnupf, mittel und schließlich auch in Jnjektionsmittel. Denn unleugbar bilden Morphiuminjektionen in Europa und Südamerika ein in trauriger Weise immerhin angewandtes Genutzmittel. Alkoholische Getränke wie Meth, Bier, Wein, Branntwein, Kumys, Palmwein ufw. erfreuen sich seit uralter Zeit weiter Verbreitung, obwohl manche Völker sie nicht konnten. So kannten mehrere nord- amerikanische Jndianerstämme vor der Berüh­rung mit den Europäern keine gegorenen Ge­tränke, und den Eskimos fehlt es zu ihrer Be» -reitung an den unentbehrlichen zuckerhaltigen Stoffen. Enthalten sich manche Völker alkoholischer Getränke, wie im allgemeinen die Araber und die meisten Malaien, so haben sie dafür andere Genutzmittel wie Kaffee und Tee usw. Unter den Kau Mitteln ist der Betel für Indien und Teile Polynesiens charakteristisch, Coca für das westliche Südamerika. Tabak wird vielfach auch in Europa gekaut. Der aus dem Hanfkraut be­reitete Haschisch hat teils in Pillenform, teils als tzauchmittel eine außerordentliche Verbreitung im

Vermischtes.

♦ „Rechtsanwälte und Hehler." Der Bescheid des Landgerichtspräsidenten auf die Beschwerde des Rechtsanwalts Dr. Cohn in Berlin gegen die Landgerichtsräte Keßler und Kämpfe ist jetzt er­gangen. Keßler hat bekanntlich bei einer Ge­richtsverhandlung auf eine Aeuherung des Rechts­anwalts Dr. Cohn „Die Kriminalpolizei liege tn einem steten Kampfe mit den Hehlern", zu dem neben ihm sitzenden Landgerichtsrat Völcker leise geäußert: „und mit den Rechtsanwälten", und später, nachdem Dr. Cohn die Verteidigung nie­dergelegt hatte, hat der Landgerichtsrat Kämpfe eine Aeußerung getan, die etwa gelautet hat: „Das ist schön." Der Präsident des Landgerichts, Dr. Fabricius, teilt in dem Bescheide mit, beide Richter versicherten, keine Kränkung beabsichtigt zu haben, ihre Aeußerungen haben jedoch zu Miß­verständnissen Anlaß geben können. Er habe des­halb Veranlassung genommen, sowohl gegen den Landgerichts rat Keßler als auch gegen den Land­gerichtsrat Kämpfe im Dienstaufsichtswege ein­zuschreiten.

* Eine Springflut-Katastrophe in China. Der in Seattle aus China eingetroffene Dampfer „Tifan" brachte die Nachricht, baß bei einer Springflut an der Mündung des Jangtsekiang, der einen großen Teil der Hafenstadt Hankau zerstörte, 10 000 Chinesen umgekommen seien. Eine amtliche Bestätigung der Nachricht liegt noch nicht vor.

3u itn dkm-khmdm fMM- waljlni.

Schon wieder wählen l seufzt mancher im Stillen. Noch ist der Trubel der, Reichstagswahlen nicht veraessen, da muß man in die Aufregung der Wahlvorbereitung und des Wahlgeschäftes von neuem hinein. ,, _ t

Ja, das ist nun einmal nrcht zu andern. Alle Staaten in Europa, Rußland und die Türkei aus­genommen, besitzen konstitutionelle Verfassungen: das Volk hat das R e ch t, durch die von ihm ge- wählten Vertreter an der Gesetzgebung teilzuneh- men und bei Fragen der Besteuerung, der Ein­nahmen und Ausgaben usw. ein Wort mitzure­den. Jedes Recht legt aber auch Pflichten auf. Wer die Vorteile der konstitutionellen Ver­fassung genießen will, der darf sich die Mühe des Wählens nicht verdrießen lassen: umsonst wird nun einmal im gewöhnlichen Leben nichts erreicht.

Und ist die Mühe des Wählens wirklich so groß? Ja, wenn die geringste Unbequemlichkeit, die uns etwa im Alltagsgeleise stört, schon eine grofee Mühe genannt werden soll, dann ist das Wählen allerdings eine Last.

Da richtete einmal am Wahltage eine Frau an ihren Mann die Frage: Gehst Du denn nicht wählen? O, lautete die Antwort, es geht auch ohne mich: wozu die Umstände? Ich müßte mich ja umkleiden, einen Kilometer weit zum Wahl­lokale gehen und dort eine halbe Stunde oder noch länger verweilen; wer bezahlt mir die Mühe und den Zeitverlust? — Mit solchen Leuten ist freilich nichts anzufangen; ihnen ist alles, was nicht ganz unmittelbar mit ihren engen persönlichen Interessen zusammenhängt, Mühewaltung und Zeitverlust. Sagt man ihnen: Ihr geht doch Sonn- und Festtagsabend, vielleicht auch noch an dem einen oder anderen Wochentage, zum Bier, ihr macht zuweilen eknen Ausflug zu Bekannten, geht in die Stadt, oder zur Landpartie, kommt es auch da auf eine halbe Stunde an? — dann heißt es: man muß doch auch seine Eibolung ha- den. — Nun, eine passende Abspannung oll gewiß niemanden verwehrt sein; wer aber die Zeit für die Erholung re ich l i ch zu finden weiß, der müßte doch gewiß auch die Zeit zur Erfüllung einer ern­sten staatsbürgerlichen P f l ich t zu finden wissen.

Doch, was reden wir? Wir dürfen mit allem Grunde voraussetzen, daß die Leser der „Fuldaer Ztg." so philisterhafte Ansichten nicht hegen, wie der angeführte Mann. Unsere Leser sind durch Übung u. Erfahrung hinreichend politisch geschulte Männer. Als solche wissen sie, daß man aller­dings zuerst für sich und die ©einige« zu sorgen habe, dann aber auch das allgemeine Beste nach Kräften zu fördern berufen sei. Die emsige Teilnahme an den Wahlen, mögen sie nun poli­tische oder kommunale heißen, ist eines der w i r k- samsten Mittel, zur Förderung des Gesamt- w.'hles beizutragen.

Somit darf mit Zuversicht erwartet werden, daß jeder unserer Leser sich bei Zeiten zum Wahlgeschäfte rüste, d. h. daß jeder unserer Leser den festen Vorsatz fasse, nicht n u r s e l b e r zu der Wahlurne zu schreiten und ebenfalls seine etwa säumigen Nachbarn anzutreiben, sondern auch, soweit es seine Kräfte, Zeit und Mitte! ge­statten, an den vorbereitenden Wahlarbeiten teil- znnehmen.

Wen wir wählen sollen, kann natürlich nicht in Frage kommen. Für uns kommen nur Zen- trnmswahlmänner in Betracht. Seit bald vierzig Jahren hat sich das Zentrum bewährt; es wird

sich auch noch weiter bewähren als den treuesten Hüter der Volksrechte, als zuverläfflge Stütze von Thron und Altar. Daß dos Zentrum, und wäre es doppelt so stark, als es ist, nicht alle Sonder- wünsche der Einzelnen und der einzelnen Berufs- genoffenschasten befriedigen kann, das ist selbst­verständlich. In einem großen Gemeinwesen, im Staate, müsse die Interessen Aller aus gleich- mäßige Weise bedacht werden. Das kann aber nur geschehen, wenn in Rücksicht auf die oft so entgegengesetzten Wünsche der verschiedenen Stände eine Art Mittellinie gezogen wird, so daß a I le Stände t u n l i ch st die Wahrung ihrer In­teressen finden, ohne daß der eine Stand vor dem andern in unbilliger Weise bevorzugt wird.

Das Zentrum hat sich stets bemüht, eine solche Mittellinie zu finden und einzuhalten. Daß dies nicht ohne Erfolg geschehen ist, lehrt die Erfahrung. Was das Zentrum für die Vertei­digung und Förderung unserer höchsten Inter- essen, der religiösen und kirchlichen, geleistet hat, braucht unseren Lesern nicht ins Gedächtnis ge­rufen zu werden: es ist weltbekannt.

Deshalb trete man bei Zeiten an die Vorbe­reitungen zum Wahlgeschäft heran: Jeder kann und soll, nach Maßgabe seiner Stellung und seiner Kräfte mittätig sein. Bei den diesmaligen Landtagswahlen ist das besonders notwendig. Warum? Nun, wir haben bei den jüngsten Wah- len zum Reichstage es klar gesehen, daß sozusa­gen all« Parteien sich einigten, um den „Zen­trumsturm" zu stürzen. Aehuliches wird sich bei den Landtagswahlen wiederholen.

Katholische Männer, die Augen auf, die Hände gerührt und zwar recht zeitig! Nehmen wir teil an den vorbereitenden Wahlversamm- langen! Suchen wir auch möglichst viele Freunde und Bekannte mitzubringen I Finden wir uns am Tage der Wahlmännerwahlen pünkt­lich ein! Treiben wir säumige Wähler an! Kurz, tun wir unsere Schuldigkeit als politisch weise Staatsbürger!

ÄÄ wochenb-uag«! „Illustrierte Sonntagrzeitung"

Me **««7, Sundhcimer & Slrupp

w Industriebedarf. Frankfurt am Main.

südwestlichen Asien und im benachbarten Afrika; die Anhänger des Haschischgenusses schätzt man auf 200 Millionen. Opium wird sowohl ver­schluckt wie geraucht. Das heute verbreitetste in­ternationale Rauchmittel ist der Tabak, dessen jährlicher Verbrauch in Europa und der Union allein an 420 Millionen Kilogramm beträgt. Auch durch das übermäßige Schnupfen des Ta­baks kann inan Betäubung und eine Art Rausch erzielen.

— Eine Kolportage-Leihbibliothck von August Scherl, dem Inhaber des „Berliner Lokalan­zeigers" und der „Woche", ist das neueste Unter­nehmen, durch welches das deutsche Volk plan- mäßig mit sensationellen Romanen „veredelt" werden soll. Daß dies neue Beginnen weniger darauf berechnet ist, das Volk durch geift» und gemütbildende Lektüre zu heben und zu veredeln, als vielmehr dem Unternehmer einen jährlichen Millionengewinn abzuwerfen, hat der Münchener Verleger Albert Langen im letzten Heft der Zeit­schrift „März" eingehend nachgewiesen. Langen rechnet:

„3dj nehme an, die Auflage jedes Bande- fei auf 100 000 berechnet. Für den Besitzer der .Woche' und für die Erfahrungen, die er mit ihr gemacht hat, gewiß nicht übermäßig hoch gegriffen. Nun sind die meisten der 60 Bände, die zunächst in Betracht kommen, hono- rarfref. Ich nehme also das Durchschnittshonorar von 1000 Mark pro Band an. Druck und Papier sollen bei dieser Auslage pro Exemplar, was bei der miserabel« Ausstattung noch hoch gegriffen ist, 20 Pfg. kosten, macht zusammen 20000 Mark. Die Einbände pro üftemplar 15 Pfg., was wiederum recht hoch ist, macht zusammen 15000 Mark. Für Betrieb, Einführung, dauernde Reklame, Erneuerung des Umschlags ufro. rechnen wir pro Band im Jahre 20 000 Mark. Da- nach kostet der Band pro Jahr 56000 Mark. Bei emer Auflage von 100 000 Exemplaren rechnen wir gleich 10 Prozent, also 10 000 Stück, für Defektexem­plare ab. Für das Ausleihen bleiben also 90000 Eremplare. Das Ausleihen kostet pro Exemplar und Woche 10 Pfg. Leiht oie Gesellschaft das einzelne Exemplar nur 20maI aus, so bringt daS Exemplar im Jabre 2 Mk.. das ftnb 190 000 *21 ISO000 Mk. pro

Maer W Zeitung

Msn-kb-llage: „Mdaer Geschichtsblätter"

Deutsches Reich.

X Wer hat die Finanznot des Reiches per. schuldet? Die „Berl. Pol. Nachr." hoben es ent­deckt: Dos Zentrum 1 Das Blatt behauptet das nicht nur, es beweist es auch. Sehen wir ein­mal zu, wie es bas macht. Nachdem es als „cha­rakteristisches Merkmal der Zentrumsherrschaft die starke Steigerung der Ausgaben, ohne daß zu­gleich für deren Deckung gesorgt wurde", hinge­stellt hat, leistet es sich folgenden Unsinn:

„Dabei beschränkte man sich nicht entfernt auf die Bewilligung der von der Regierung vorgeschlagenen Mehrausgaben, man drängte vielmehr darüber hinaus, in zahlreichen Fällen auf sehr belangreiche Ausgabevermehrungen, teils um die kirchlichen (! fi, vom Zentrum verfolgten Ziele zu fördern, teils, und zwar vor allem, um die politische Diachtstellung der Partei selbst zu befestigen und zu erweitern. Hierin ist eine der Hauptquellen des starken Anfchwellens aller Ausgabeetats zu erkennen."

Nachdem dann noch mit dem ganzen Unverstand und dem vollen Haß gegen das Zentrum, aus denen heraus die ganze Leistung entstanden ist, die Bestimmungen des Flottengesetzes, wonach die Heranziehung einer Besteuerung des Verbrauchs der großen Massen zur Deckung der Mehr- ausgaben für die Flotte ausgeschlossen ist, genügend herabgewürdigt worden ist, schließt dos Mackstverk:

„Im Zusammenhang damit wurde, wenn sich schließlich eine Einnahmevermehrung nicht mehr um­gehen ließ, niemals unter Heranziehung der noch weit­aus nicht erschöpften Einnahmequellen der Verbrauchs­steuern ganze Arbeit gemacht, es wurde vielmehr immer nur für einen Teil des Bedarfs Deckung in Aus­sicht genommen und bei der Suche nach neuen Deckungs­mitteln so dilettantenhaft verfahren, daß auch nicht

des Gasgeruches mit. 5. Vor allem aber hüte man sich vor dem leider noch vielfach beliebten Aufsuchen der undichten Stellen mittels brennen­den Streichholzes. Fast alle Explosionen find durch dieses vollständig verkehrte Verfahren ver­schuldet. Da das ausströmende Gas infolge sei­nes geringen Gewichtes sich vorzugsweise in bett oberen Regionen des Raumes ansammelt, so ist gerade in diesen Teilen besondere Vorsicht ge­boten.

— Dir Gespensterhände. In einer englischen, Iagdzeitung stand folgende erbauliche Geschichte zu lesen: Lord L. war von einem Freunde zur Jagd, in den schottischen Hochmooren eingeladen worden. Eines Abends kam die iHebe auf Geisterspuk, und der Hausherr erzähtte, daß auch er in seinem Schloff» ein Turmzimmer habe, in dem eS nicht recht geheuer fein sollte, da dort einer seiner Vorfahren nächtlich als Geist umherzuwandeln pflege. Der Lord machte sich sofort erbötig, eine Nacht m dem Spukgemache zuzubringen, um den Geist für immer zu verscheuchen, - Trotzdem ihm lebhaft abgeraten wurde, schlug et sein Lager in dem Gespensterzimmer auf, legte je-' doch zur Vorsicht den geladenen Revolver unter das Kopfkissen. Um Mitternacht erwachte er plötzlich/ daS Zimmer war von dem ungewissen Lichte des Mondes erhellt, und ihm war eS, als ob ein Raunen und Flüstern durch baS Gemach ginge. Er griff ,um Revolver und spähte mit gespanntester Aus. merksamkelt nach allen Richtungen. Plötzlich sah et' am Fußende feines Bettes zwei Hände. Er hob den Revolver und tief: .Hände weg, oder ich schieße!". Nichts rührte sich, nur dünkte eS ihm, als ob die Geisterhände nervös zitterten. Er zählte darauf laut bis drei, und als dir Hände noch nicht ver­schwunden waren, schoß er. — Am nächsten Tag« konnte er nicht mit zur Jagd gehen, er hatte sich nämlich — die große Zehe seines rechten FußeS weggeschossen. _ .

— Rus der guten alten Zett. »So, so, Ihr habt auch zwanzig Kanonen m der Festung?« ~ Soldat (stolz): »Jcuvohl, und mit einer kann man sogar schießey."

Literarisches.

Magua Peccatrix. Roman aus der Zeit Christi. Von Anna Freiin von Krane. Verlag von I. P. Bachem, Köln a. Rh. Broschiert 5 <M, gebunden 6 dl.

Schon einmal hat uns die Verfasserin Erzähl­ungen, Skizzen und Bilder geboten, welche die große Zeit t-es Weltheilandes zum Hintergründe haben. Sie kennt sich aus in der Geschichte jener Tage; Sitten und Gebräuche, Anschauungen und Gedanken derselben sind ihr sehr geläufig, und mit großem Geschick weiß sie dieselben zu verwerten, nicht auffällig pretentiös, nein, mit weiser Mäßi­gung flicht sie bald hier bald dort ein charakte­ristisches Moment ein, sodaß das Ganze ein sein abgetöntes landschaftliches Kolorit erhält. Wie sie in jenen Skizzen „Vom Menschensohne" mit Vorliebe das Seelengemälde pflegt, einzelne be­deutende Tatsachen psychologisch analysiert, so führt sie uns auch im vorliegenden Werke das Ringen und Kämpfen einer großen Seele in einem gewaltigen Bilde vor Augen. Die „große Sünderin" ist keine andere als Magdalena. Wir sehen, wie diese arme Verblendete von den Banden sündhafter Liebez von Glanz, Schönheit und Reichtum umstrickte Seele, durch einen Blick des Erlösers getroffen, ihres Sündenelendes inne wird, wie sie in heftigem Kampfe mit sich, mit ihrer Umgebung allmählig die Fessel der Sünde löst und endlich beseeligt zu Füßen ihres geliebten Meisters niedersinkt. — Die Ausführung dieses Gemäldes geschieht mit sicherer Hand. Verfasse­rin weiß stets den rechten Ton zu treffen, stets ist sie edel, vornehm, anschaulich. Manche Stellen, besonders da, wo uns der Heiland und seine Mut­ter entgegentritt, durchweht ein wahrhaft poeti­scher, anheimelnder Hauch die Darstellung. H.

Jahr und Band. Davon ziehe 20 X 3 Pfg., also 60 Pfennig pro Exemplar ab, die dem Ueberbringer der Bände als Gehalt, Lohn, Provision zusallen, insgesamt 54 000 Mk. pro Band. Davon ziehe ich nun den Be­trag für Herstellungskosten usw. (siehe oben) in der Höhe von 56 000 3)0. ab. Dann bleibt an einem Band pro Jahr noch ein Reingewinn von 70000 Mk. Bei 50 Bänden ergäbe das in einem Jahre 3 500000 Mk. Reingewinn. Sollten aber die Unkosten und Spesen sogar noch um eine Million höher fern, so bleibt doch noch schon im ersten Jahre der recht ansehnliche Rein­gewinn von 2 500000 Mark. Er erhöht sich selbstver­ständlich entsprechend, wenn daS Unternehmen ein« schlägt und die einzelnen Bänd» eine höhere Auflage als 100 000 erreichen."

Man sieht hieraus, welche Riesensummen ver­dient werden können, wenn man auf die Leiden­schaften des Volkes spekuliert.

— Wie verhält man sich bei Gasexplosions­gefahr? Bei sachgemäßer Benutzung der Beleuch­tungsanlage lassen sich Gasexplosionsgefahren un- schwer verhüten. Man schließe Bei Auslöschen der Flamme jedesmal nicht nur die Brennerhähne, sondern auch den Haupthahn. Etwaige Schlauch­verbindungen, die namentlich bei Gaskochern und Plätteisen zur'Verwendung kommen, prüfe man möglichst vor jedesmaligem Gebrauch auf ihre Dichtigkeit und vermeide es, die Schläuche bei Nichtgebrauch unter Gasdruck zu lassen, stelle vielmehr jedesmal den vor dem Schlauch be­findlichen Hahn ab. Macht sich in einem Raum Gasgermh bemerkbar, so wird jede Explosions­gefahr vermieden, wenn man folgende Anwei­sungen beachtet: 1. Sofort bei Auftreten des Gasgeruches lösche man zu allererst sämtliche Flammen, die sich etwa in dem betreffenden Raum oder in Lokalitäten befinden, die mit die­sem irgenbtoie in Verbindung stehen. 2. Hiernach erst sorge man für eine gründliche Lüftung der Räume um durch. Zuführung frischer Luft dem GaslustgNMsch die ExplosiMität zu nehmen. 3. Zur Verhinderung weiteren GasauSströmens Ichlleße man alsdann den Haupthahn. 4. Ohne SBerjua teile man der Gasanstalt daS Auftreten