Einzelbild herunterladen
 

trf*d*t tfl-lich «lt Aufnahme btt Somr- »nd Feiertage, viertel. fShrllchervezugrprel« ohne vringerlohn und vesteSgeldinFuldaso- wieaurwSrtrZ.ö0M.

veraittw. Sedaktenrr

Larl Schütter für bie Anzeige«:

Z.parzeller in Fulda.

Zuldaer W Zeitung

wochochellage: .Illustrierte Soimtagrzeitung" Monatrbeiiage: „Fuldaer GeschlchtrblStter"

Anzeigen: Vie tht» spaltige Petitzelle ober deren Raum ZS Pf-. Rellamendiepetitzell« 25 Pfg.. bet wieder. Holungen wirb entfpr.

Rabatt gewährt.

Sotationrbruckunb Verlag der Fuldaer Ak- ttendruckerei in Fulda Fernsprecher Rr.y.

Fulda, Samstag den 9. Mai 1908.

JW 107.

35. Jahrqanq.

Drittes KZtatt.

X Der Goethevund

hat toteber einmal ein Lebenszeichen von sich, ge­geben. Er hat am Sonntag, 3. Mai,, in einer Protestversammlung in Berlin gegen die „Reak­tion" in Politik, Kunst, Wissenschaft usw. pro­testiert.

Warum gerade jetzt eine „Protestversamm- lung" dieser Herren? Gibt es etwas neues, das einen Protest herausfordert. Nein; was da mi der üblichen flammenden Beredsamkeit in wohl­präparierten Sätzen besprochen wurde, waren „olle Kamellen". Die Versammlung findet ihr« Erklärung nur darin, daß der Göthebund die preußischen Wähler in Stimmung brin­gen will, und zwar zugunsten des Liberal! s- m u 8 in seinem Wahlkampf gegen die Konservati» den. Von verschiedenen Rednern wurde lebhaft betont, daß die Göthebündler hinabsteigen müß­ten in die politische Arena.

Was uns betrifft, so brauchen wir diesen neuen Gegner gewiß nicht zu fürchten oder auch nur zu scheuen. Aber wir müssen die Versammlung an dieser Stelle erwähnen, weil sie auf die Stim­mung und die Absichten im liberalen Lager ein Helles Licht wirft und namentlich die Kultur­kampfspläne enthüllt.

Ja,, das Wort „Kulturkampf" ist hier am Platze in der schärfften Bedeutung vom Anfang der siebziger Jahre. Der erste Redner, der Reichs- tagsabgeor-nete Professor Dr. Stengel auS Greifswald, zog unter lebhaftem Beifall dieser „Intellektuellen und Aestheten" mit den alten rostigen Waffen gegen die Kirche in den Krieg. Er führte aus:

Angesicht- des Versuches der Kurie in Rom, die Freiheit der theologischen Fakultäten einzufchränken, wie eSdurchGyllabus unv Enzyklika geschehen ist (?, ist es di« Pflicht der deutschen UniversitätS- profefforen, für ihre Kollegen einzutreten. Die katho lisch«« Profefforen haben zum Teil den Kampf aus­genommen, leider mit geringem Erfolg, und einer nach dem andern hat die Waffen strecken müssen, weil er nicht die nötige Unterstützungbei seinen Kollegen, beim Staat und bei der großen Masse gefunden hat. Für uns gibt es keine katholische und keine protestantische Wissenschaft, sondern nur eine Wissenschaft, die die Wahrheit erforscht. Wir müffrn verlangen, daß der katholische Forscher an den Nniversitäten unbehelligt bleibt von Leuten, die mit der Universität nichts zu tun haben. (Seifall.) Der Staat muß den Forscher, der zu andere» Ergebniffen gekommen ist, als es dem Bischof genehm ist, stützen und schützen. Die katholisch« Kirche wird sich dann schon besinnen, allzu scharf vor­zugehen, eskönnteihrdochschlechtbekommen. Wir brauchten nicht den alten kläglichen Kulturkampf wieder zu beginnen, sondern auch auf andere Weise wäre der katholischen Kirche wohl deizukommen. Der Staat braucht nur die lediglich in Priesterseminaren Ausgebildeten nicht als Geistliche anzuerkennen. Mit einer solchen Defensivmaßregel könnte der Staat den Widerstand der mächtigen katholischen Kirch« brechen. (Lebhafter Beifall.)

Tas toäre also in den Augen des Herrn Uni- dersitätsprofessors kein Kulturkampf? Wie würde sich Dr. Falk freuen, wenn er noch hören könnte, daß im Jahre 1908 die liberale Intelligenz das­selbe Ziel und dieselben Mittelen proklamiert, die er vor 36 Jahren mit Hinschius und Genos­sen in den Mai. und Brotkorbgesetzen zu ver­wirklichen suchte! Wir aber sehen aus dieser Programmrede, was die preußischen Ka­tholiken nach einem Wahlsiege des Liberalismus zu erwarten hätten. Der ganze Jammer des alten Kulturkampfes droht dann von neuem über das Vaterland her­einzubrechen. Den Bischöfen soll der Einfluß auf

die Erziehung des geistlichen Nachwuchses entzo­gen werden; die Priesterseminare sollen lahmge­legt werden durch den Ausschluß ihrer Zöglinge vom geistlichen Amt oder „wenigstens" vom Ein­kommen dieses Amtes. Die künftigen Geistlichen sollen gezwungen werden, ihre theologischen Stu- dien an solchen Universitäten zu machen, wo die „freigesinnten", d. h. mit dem kirchlichen Glauben und Lehramt zerfallenen Professoren vom libera­len Staate nach besten Kräften gepflegt und der- mehrt werden.

Um den Geist der Versammlung zu kennzeich­nen, sei noch bemerkt, daß ein Redner den § 166 (Strafe für Gotteslästerung und Beschimpfung der Kirche) als einen „Apparat für rauchlose Ketzerverbrennung" bezeichnete.

Das ist das „intellektuelle" Hilfsbataillon des kampfeslustigen Liberalismus für die Wahl­schlacht. Müssen da nicht alle Christen beider Bekenntnisse, die noch Verständnis für die christ­lich-sittlichen Grundlagen unseres Volkslebens und für das Heil unserer Jugend haben, zu ener­gischer Wahlarbeit sich angespornt fühlen? Es ist wirklich ein Entscheidungskamp fl

Deutsches Reich.

4- Millionenersparnisse in der Heeresverwal­tung. Der Reichskanzler sprach bekanntlich am 25. Februar 1907 davon, daß jetzt Ersparnisse im Heere gemacht werden sollten. Seither hat der Etat des Reichsheeres um 100 Mill. M 8 u ge­nommen. Kriegsminister von Einem erklärte freilich schon im Vorjahre, daß von Sparsamkeit im Heere erst dann gesprochen werden könne, wenn 1. alle Festungen ausgebaut seien (Festungen sind bekanntlich nie ausgebaut); 2. wenn die Umbe­waffnung des Heeres vollendet sei (dank den Fort­schritten der Technik löst eine Umbewaffnung die andere ab), und wenn endlich 3. die neuen Uni­formen beschafft seien (Gott sei Dank hat hier die Mode ein Einsehen; wir finden immer etwas zu ändern). Unter diesen Umständen bezeichnet cs Oberst a. D. Gädke als sehr verdienstlich, daß der Abg. Erzberger in Nummer 196 des „Tag" vom 5. Mai des Jahres auf eine Gelegenheit auf­merksam macht, wo es in der Tat in der Hand des Reichstages liegt, durch schärfere und mißtrau­ischere Ueberwachung der Heeresverwaltung Er- sparnisse herbeizuführen. Abg. Erzberger weist auf den Weg hin, auf dem dies zu bewirken sei durch Zulassung der freien Konkurrenz aller leistungsfähigen Firmen auf diesem Gebiete. Der Einfluß, den das Reich auf die Gestaltung der Preise durch seine — teuer arbeitenden — eigenen Betriebe besitzt, genügt nicht. Der Reichstag hat gegen die übermächtige Stellung einzelner Unternehmungen schon seit einer Reihe von Jahren den Kampf eröffnet, und nicht ohne Erfolg. Bekannt ist es, wie die Firma Krupp zu einer Ermäßigung ihrer Preise für Panzerplatten genötigt wurde. Selbst der Kriegs­minister hat ferner zugestehen müssen, daß durch >as Eingreifen der Firma Ehrhardt ganz beträcht- iche Preisermäßigungen bei den Geschoßlieferun- gen erzielt worden sind. Abg. Erzberger führt Beispiele an, die eine deutliche Sprache reden: Stahlkerne für 15 Zentimetergranaten kosten bei Krupp o5*Ä, bei der Konkurrenz nur 28 und eit 1903 gar nur 17,2 JC — eine Verbilligung um mehr als 50 Prozent. Die Stahlkerne für 21 Zentimetergranaten betragen bei Krupp 102, bei der Konkurrenz nur 68,6 Abg. Erzberger meint, daß schon gegenwärtig das Reich infolge des Eintrittes der Konkurrenz 50—60 Millionen Diart gegenüber den früheren Monopolpreisen bare. Er weist aber ferner darauf hin, daß der reie Wettbewerb noch bei weitem nicht genügend ausgebaut sei. Der neue Etat

enthalte große Summen für die Beschaffung von Maschinengewehren, deren Lieferung zum größ­ten Teil an die deutsche Munitions- und Wasfen- fabrik vergeben werden solle. Es handelt sich hier­bei um Preise, die den früheren Monopolpreisen der Firma Krupp völlig entsprächen. Bei dieser Waffe existiert aber zweifellos eine weit ausge- breitetere Konkurrenz als beim Artilleriemate­rial, denn zum Bau von Maschinengewehren sind nicht so kostspielige Einrichtungen erforderlich wie für Geschütze und deren Geschoße. Es könnten sich also viel mehr Werke an der Lieferung betei­ligen. Nun ist es höchst bezeichnend für den Geist unserer Militärverwaltung und für ihr selbstherr­liches Auftreten gegenüber dem Reichstage, daß der Minister sich geweigert hat, bestimmte Zahlen über den Grad der Beteiligung der einzelnen Firmen anzugeben, „weil die Interessen des Rei­ches und der deutschen Industrie hierdurch ge­schädigt werden könnten". Dazu bemerkt Oberst a. D. Gädke:

„Du lieber Gott! welche Gutgläubigkeit und welche Schwäche liegen darin, daß der Reichstag sich mit einem so durchsichtigen Bescheide abjpeisen ließ! Eine Volksvertretung, die sich ihrer Rechte und ihrer Kraft bewußt wäre, hätte den trotzigen Minister auf die Knie niedergerungen, bis er beichtete. Es kann in der Ohrenbeichte vor der Kommission sein! Und hätte dem Geldbeutel des Steuerzahlers damit ebenso gedient, wie ihrem eigenen Ansehen!"

Ganz zutreffend; nur toar es gerade der Frei­sinn. der in dieser Debatte sich vollständig ausge- fchwiegen hat und gar keine Stellung zu der Frage einnahm. Der Abg. Erzberger kämpft schon seit Jahren gegen diefe Monopolwirtschaft und es ist stets zu bedauern, daß er in anderen Parteien so wenig Unterstützung findet.

Aus -em Nachbargebiete.

□ Lütter, 7. Mai 1908. Zu seinem am 17. Mai stattfindenden Fahnenweihfest des Gesangvereins „Lyra" werden bereits alle Vor­kehrungen getroffen. Man ist gegenwärtig mit dem Aufbau einer schönen MusiÜmhne und eines 150 Quadratmeter großen Tanzpodiums beschäf­tigt. Der Festplatz befindet sich auf der Südseite des Dorfes auf einer wunderschönen kleinen An­höhe auf den Grundstücken des Brauereibesitzers Jof. Enders und des Landwirtes A. Schleicher. Er ist etwa 10 Minuten vom Bahnhof entfernt. Bis jetzt haben 25 Vereine ihren Besuch zu dem Feste, bei dem 10—12 Gesangvereine Mitwirken werden, angemeldet.

]! [ Lauterbach, 8. Mai 1908. In Hoch­wal d h a u s e n soll eine S ch ll l e r- u n d S t u- denten Herberge ins Leben gerufen werden. Der Gedanke ist schon in anderen, dem Touristen­verkehr mehr erschlossenen Gegenden verwirklicht worden und zwar mit recht glücklichem Erfolg. Ter Platz ist sicher gut gewählt. Der Oberwald mit seinen mächtigen, weit ausgedehnten Buchen- beständeu zieht sich in nächster Nähe hin.. Ein Ausschuß, mit Herrn Kreisrat von Bechtold als Vorsitzenden, hat bereits einen Bauplan, der viel verspricht, ausarbeiten lassen. Das Gelände ist kostenlos zur Verfügung gestellt worden. Es wäre zu wünschen, daß von maßgebender Stelle die nötige Unterstützung gewährt würde. Denn die Idee verdients. Auch unsere Jugend hat das Äusruhen und das Kräftigen in der freien Berg­natur nötig genug. Wir wünschen besten Erfolg.

* Friedberg, 6. Mai 1908. Eine sehr stark besuchte Proteftversammlung gegen die ge­blaute Kläranlage der Stadt Bad- Nauheim tagte heute im Hotel „Drei Schwer­ter". Nach den erläuterten Plänen will Bad- Nauheim neuerdings wieder seine Abwässer in die kleine Ufa führen, obwohl dieselbe bereits durch die vor 12 Jahren hergestellte Nauheimer

Kanalisation total verseucht ist und im Sommer einem stinkenden, trüben Pfuhlgraben gleicht. Nachdem Bad-Nauheim vor etwa 5 Wochen sich um Genehmigung der neuen Einführung in die Ufa an das Kreisamt Friedberg wandte, legte die hiesige Stadtverordnetenversammlung sofort Protest dagegen ein. Die Versammlung schloß mit einem entschiedenen, einmütigen Einspruch gegen das neue Bad-Nauheimer Projekt und ist der Ansicht, daß Nauheim seine Abwässer in einem Kanal zur Wetter führen könne.

* Kassel, 8. Mai 1908. Als Vertreter des Magistrates und der Stadtverordnetenversamm­lung auf dem am 6. und 7. Juni d. I. in Berlin stattfindenden Städtetag werden die Herren Stadtrat Bödicker und Justizrat Dr. Schier feilnehmen.

* Marburg, 6. Mai 1908. Bei einer Spielerei an der Futterschneidemaschine wurden einem Kinde mehrere Finger abgeschnitten.

* Weilburg, 8. Mai 1908. Der kürzlich ver­storbene Weinstubebesitzer Karl Rosenkranz, ge­nannt der „Lord", der Junggeselle war, muß eine große Vorli ebe für Gold gehabt haben. Bei der gestern stattgehabten Revision seines Schreibpultes wurden 46 000 M in 20-Markstük- ken gefunden; außerdem noch etwa 30 000 Mark in Wertpapieren. Niemand hatte eine Ahnung von einem so großen Vermögen.

* Ilmenau, 8. Mai 1908. Die Eröffnung deS Testaments, des vor zwei Wochen verstorbe­nen Kommerzienrats August Alf hat ergeben, daß er zu Wohltätigkeitszwecken der Stadt Ilmenau und seiner Vaterstadt Ohrdruf den ansehnlichen Bferag von etwa 120 000 Mark ausgesetzt hat.

• Alsbach, (Großh. Hessen), 8. Mai 1908. Ein eigenartiges Jubiläum kann man im hiesigen Ort dieses Jahr begehen. Bis znm Jahr 1888 wurde in den hiesigen Wirtschaften nur während der Sommermonate Bier ausgeschänkt; von der Kirchweih bis zu Ostern, mitunter sogar bis zu Pfingsten, wurde nur Wein getrunken. Erst durch die hierher ziehenden Steinbrucharbeiter, meist Bayern, wurde das Biertrinken auch im Winter hier Mode.

* Hciligeustadt, 7. Mai 1908. Bei dem gest­rigen Gewitter wurde in Silkerode der Maurer Schafft auf dem Felde vomBlitz erschlagen.

Vermischtes.

* Bri einem Fluchtversuch ztveier Verbrecher aus dem Zuchthaus in Hameln wurde einer vom Wachtposten von der Mauer heruntergeschos­sen und getötet, während der andere von Ein- loohnern ergriffen wurde.

* Der Begründer des „Roten Kreuzes" Henry Turant, feierte gestern in stiller Zurückgezogen­heit in dem Städtchen Heiden im Appenzeller Ländchen seinen 80. Geburtstag.

* Im Ballon über die Ostsee. Eine Fahrt durch die Luft quer über die Ostsee haben einige schwedische Luftschiffer vollendet. Am kurlän­dischen Strande ist ein Luftballon mit zwei schwe­dischen Offizieren, dem Rittmeister Grafen Ha­milton und Leutnant Fogmann, niedergegangen. Die Fahrt von Stockholm über die Ostsee dauerte zlvölf Stunden. Die Luftschiffer sind mit der Bahn über Eydtkuhnen nach Danzig und von dort nach Schlveden abgereist.

* Wie ein Reisender sei» soll, ersieht man aus dem folgenden, im „N. Wien. Tagebl." veröffent­lichten Inserat: „Reisender, redegewandt, frech, arrogant und rücksichtslos, wird mit hohem Ein­kommen für dauernden Jahresposten für Wien, erste Firma, ausgenommen. Offerten mit An­gabe von Sprachkenntnissen unter" usw.

Meines Feuilleton.

— Bibel und Technik. Dor einiger Zeit kam, so schreibt man der „Voss. Zig.", Atcheson, der berühmte Erfinder des künstlichen Graphits, auf den Gedanken zu versuchen, die Plastizität des zur Herstellung von Formen verwendeten Tons durch Zusatz irgend welcher Stoffe zu erhöhen. Er wollte mit andern Worten den Ton mit Zu­satz von weniger Wasser plastisch machen und da­durch vor allem das überaus lästige Schwinden verhindern oder wenigstens herabmindern. Nach vielen Versuchen sand er seine Bemühungen be­lohnt, mbem sich tatsächlich eine ganze Gruppe von Körpern, die in der Industrie sehr weit- gehende Anwendung finben, als brauchbar für den genannten Zweck erwies. Diese Körper sind die Tannine, Gallussäure, Gerbsäure ufw. Als Utcheson sich die vielen Anwendungsmöglichkeiten Jber interessanten Erfindung überlegte unb habet auch an die Ziegelfabrikation dachte, fiel ihm auf einmal die Stelle im zweiten Buch Mofes im 'fünften Kapitel ein, wo von der Verwendung von Stroh für die Ziegelherstellung die Rede ist. Pharao will die Juden quälen: „Darum befahl Pharao desselben TageS den Vögten des Volkes Bud ihren Amtleuten und sprach: Ihr sollt dem vlk nicht mehr Stroh sammeln und geben, daß Tie Ziegel brennen wie bis anher; laßt sie selbst ßingeben und Stroh zusammen lesen; und die Zahl der Ziegel, die sie bisher gemacht haben, loU't ibr ihnen gleichwohl auflegen und nicht min­dern".' Im alten Aegypten wurden nämlich die Ziegel aus mit kurzen Strohhalmen versetzten Nilschlamm hergestellt, und man hatte me so recht tzewußt, was in dieser Mischung die Strohhalme für einen Zweck hätten, da ihre Festigkeit ja nur lehr gering ist. Atcheson machte sich daran, zu fcrüfen, ob nicht der Strohzusatz denselben Erfolg haben würde, wie der von Tannm usw. Er nahm ktroh, kochte es mit Baffer aus und verwendete

dieses Wasser, um Ton plastisch zu machen. Rich­tig sand er auch, daß das verwendete Wasser die­selben Eigenschaften zeigte wie die früher ge­braute Tanninlösung, daß es also mit seiner Anwendung gelingt, Ziegel mit weniger Wasser herzustellen als ohne Strohextraktzusatz, und daß dementsprechend auch die Qualität eine bessere wird. Es ist interessant, daß Jahrtausende lang und von Hunderten von Millionen Menschen ge­legen, in der Bibel eine wichtige Erfindung ge­schlummert hat, und daß erst jetzt durch die un­abhängige Entdeckung des genialen Amerikaners die erwähnte Bibelstelle richtig verstanden wer­den konnte.

— lieber Tiere als Kannibalen schreibt Dr. Th. Zell in „lieber Land und Meer" u. a.: Daß ein Wolfsrudel im Winter, von heftigem Hunger geplagt, sich auf die schwächsten Mitglieder stürzt, und diese verzehrt, würde ich noch nicht als Kan­nibalismus bezeichnen. Denn in der Not frißt bekanntlich der Teufel Fliegen. Aber totr wissen vom Wolfsrudel, daß es auch, ohne vom Hunger geplagt zu fein, jeden kranken und schwerverwun- beten Genossen verschlingt. Deshalb müssen wir den Wolf zu den Kannibalen rechnen. Auch sein Detter Fuchs gehört dorthin. Ein Bekanmer Winkells traf einen Fuchs darüber an, einen an- dern, der sich über Nacht im Schwanenhälse ge­fangen hatte, xu verzehren, und zwar tat er das mit so viel Lüsternheit, daß der Jäger im Freren Herangehen und sich durch Erlegung des Räubers für den zerrissenen $alg des Gefangenen bezahlt machen konnte. Förster Müller sah mit an, wie 'echs junge Füchse miteinander spielten, dann rankten und dabei den einen blutig bissen. Der Verwundete suchte zu entkommen, wurde aber augenblicklich von der ganzen Schar mörderisch aMesallen, umgebracht und aufgefreffen. »ehn-

erging es einem jungen Fuchse, der angeschos- en worden war, sich aber noch bis zu seinem Bau .^schleppte; als man letzteren kurze Zett dar- Sf toffnete- hatten ihn seine Brüder bereit» ber- üebrt. Ein echter Kannibale ist der Maulwurf.

Von ihm schreibt Brehm: „Nicht einmal mit andern seiner Art, seien sie nun von demselben Geschlecht wie er oder nicht, lebt er in Freund­schaft. Zwei Maulwürfe, die sich außer der Paa­rungszeit treffen, beginnen augenblicklich einen Zweikampf miteinander, und der Ausgang solcher Gefechte ist dann auch sehr zweifelhaft. Der eine unterliegt, verendet und wird von dem an­dern sofort aufgefreffen." Wie der Maulwurf, so ist auch die ihm verwandte Spitzmaus ein Kan­nibale. Die Wichtigkeit des Kannibalismus beim Krokodil schildert drastisch der so früh ver­storbene v. Wißmann. Die Echse frißt die Fische unb vermehrt sich unglaublich, sodaß sie schließlich ihre eigenen Jungen fressen muß. Dadurch ver­mindert sich ihre Anzahl, und die Fische können sich vermehren, bis die Sache wiederum von vorn anfängt. Hierzu möchte ich bemerken, daß nach Brehm alle Krokodilarten auch dann ihre Jun­gen fressen, wenn Fische in genügender Anzahl vorhanden sind, daß sie also echte Kannibalen sind.

— Wie man nach Wunsch träumen kann. Ter bekannte Psychologe Professor Verwon hat soeben ein Buch herausgegeben, worin er in interessanter Weise über Untersuchungen plaudert, die er übet bie Träume der Menschen angestellt hat. Profes­sor Verwon geht von der Ansicht aus, daß man durch Zuhilfenahme gewisser äußerer Momente sehr wohl seine Träume bestimmen könne. Der Psychologe hat eine Reihe interessanter Experi­mente an sich selbst vorgenommen, von denen wir m nachfolgendem einige anführen: Der Professor ordnete zum Beispiel an, daß fein Diener, wäh- renb er selbst int Schlafe lag, das Zimmer mit einer hell leuchtenden Lampe, welche mit einem roten Lampenschirm versehen war, betreten solle Dies geschah, und obgleich in festen Schlaf ver­sunken, unterlag, der Profeffor doch der Einwir- kung des roten Lichtes auf feine Pupillen. Dieses Experiment wurde mehrmals wiederholt, und der Professor träumte jedesmal entweder von einem Äonnenunteraana oder von einem großen Feuer-

Ein ander Mal ereignete es sich, daß der Diener mehrmals Gegenstände auf den Fußboden des Korridors fallen ließ, und mit den Füßen gegen die Wände stieß: dies geschah jedoch aus einiger Entfernung, so daß das Geräusch nur gedämpft in das Schlafzimmer des Professors drang. Zu­gleich wurde im Schlaftimmer selbst eine Blend- latente auf- und zugeschoben; der Schläfer träumte von einer großen Schlacht, in welcher er deutlich den Donner der Geschütze zu hören, und das Aufblitzen der Feuerwaffen zu sehen ver­meinte. Das ganze Experiment dauerte nur wenige Sekunden, aber der Professor hatte im Traume die Empsindting, wie wenn sich die Er­eignisse der Schlacht stundenlang hinzögen. All die Personen, mit welchen er im Laufe des Tages zusammengekommen .erschienen ihm int Traum als Kombattanten. Professor Verwon ist der Ansicht, daß die meisten Träume nur den Bruch­teil einer Sekunde währen. Er hat hierfür auch den Beweis erbracht: Eines Tages träumte et nämlich, daß er in der Eigenschaft eines Sekuu- bauten einem Duell beiwohnte. Er sah deutlich den Kampfplatz, bie beiben Gegner, Sekundärsten den Unparteiischen, und den Arzt mit feinem Verbandskasten. Er hörte, tote das Kommando zumFeuer gegeben wurde, sah, tote einer der Duellanten fiel, sah sich selbst zu dem Gefallenen hinlaufen und seine Wunde besichtigen. Tann erwachte er — Neben seinem Bett stand ein rfreunb, toeldjer mit seinem Spazierstock an den Bestpfoften geschlagen hatte, nachdem er, um den Professor aufzuwecken, „Los" gerufen hatte. Das Geräusch, das der Stock verursachte, und der Ausruf des Freundes, welcher dem Klopfen un- mittelbar voranging, hatten bei dem Schläfer den erzählten Traum bewirkt. Zwischen dem Aus­ruf und dem Klopfen lag aber kaum ein Zeit- raum von einer halben Sekunde.

— Zweideutig. Arzt (zu einem Bekannten, der ihn besucht): „Kommst du als Freund oder als Patient?" — Bekannter: „Als Freund, Gott sei Dankst