35. Jahrgang
Fulda, Freitag den 8. Mai 1908,
M 106
Arvsires Matt
Reklame«» uu> Anzeigenteil.
Kleines Femlletsn
Ans Kirche und Schule.
X Köln, 6. Mai 1908. Im Kirchlichen An- »eiqer der Erzdiözese Köln erläßt Kardinal Fischer eine Empfehlung der Görres g esell- schäft wie deS Alberlus-Magnus-Ber- eins. Die Görresgesellschast dient bekannüich der Pflege der Wissenschaft im katholischen Deutschland, der Albertu--Magnus-Verein bezweckt die Unterstützung besonders von mittellosen Hochschul, studierenden. Der Aufruf wendet sich namentlich an den Klerus, weil dieser gezeigt habe, welches Verständnis er für die Pflege gediegener Wissen, schäft besitzt, und weil ihm bei der Werbearbeit zur Verbreitung der Görresgesellschast berHaupt. anteil zufallen werde. Kardinal Filcher sagt:
Es ist dem Hochwürdigen Klerus bekannt, wie infolge der letzten Enzyklika des Heiligen Vaters über den Modernismus bei uns in Deutschland, in der Tagespresse wie in Zeitschriften, das alte Schlagwort von einem Gegensatz zwi- schen Wissenschaft und katholischem Glauben wieder neu geprägt wurde. Es trat dabei vielfach eine staunenswerte Unkenntnis, gepaart mit einem nicht minder staunenswerten Mangel an Klarheit Les Denkens, zutage. Leider haben sich auch vereinzelte katholische Stimmen dabei beteiligt. Die beste Widerlegung solch haltloser Beschuldigungen ist die tatsachl iLe Pflege der Wissenschaft von katholischer Seite und die Förderung dieser Pflege durch alle Katholiken, Priester wie Laien, die Sinn und Ver- ständnis für wissenschaftliche Betätigung und ihre Bedeutung, zumal im modernen Geistesleben, besitzen. Ein erneutes, frisches Aufblühen der Görresgesellschast sei der Beweis, daß die deutschen Katholiken sich durch ihren heiligen Glauben nicht beengt fühlen in wirksamer, Beteiligung an gediegener wissenschaftlicher Arbeit auf allen Gebieten.
Bei der Empfehlung des AlbertuS-Magnus» verein« weist Kardinal Fischer einige Vorschläge zurück, die in der durch die bekannte Dr. Rosts'sche Broschüre hervorgerufenen Diskussionen über die wirtschaftliche Rückständigkeit deS katholischen VolksteilS in katholischen Zeitungen gemacht worden sind:
Es braucht nicht des näheren entwickelt zu werden, wie wünschenswert es ist, daß die Katholiken sich den höheren Studien widmen und, ihrer Zahl entsprechend, in den höheren Stellungen des Lebens vertreten seien, auf die das. akademische Studium vorbereitet. Dabei ist es freilich eine Tatsache, die übrigens für jeden, der die Entwicklung der Dinge im vorigen Jahrhundert seit der großen Säkularisation mit Aufmerksamkeit und Nachdenken verfolgt, nicht unerklärlich ist, daß die Katholiken in Deutschland im allgemeinen w e- niger bemittelt sind als die Andersgläubigen, und daß daher viele Eltern sich »richt in der Lage befinden, talentvolle Söhne aus eigenen Mitteln dem höheren Studium zu widmen. Gerade in der letzten Zeit ist darüber wieder mehr
Ctimmen gebracht?! Wenn den Konservativen der Schutz vor Wahlterrorismus so sehr am Herzen liegt, warum gehen sie dann nicht energisch zugunsten der geheimen Wahl vor? Wie ist es dann möglich, daß sie sich so sehr für die öffentliche Wahl begeistern? DaS kann man sich doch nur daraus erklären, daß die Kon- servativen den Wahlterrorismus nur dann verurteilen, wenn er von anderen geübt wird, hingegen selbst darin ein vorzügliches Mittel zur Erzielung „guter" Wahlen sehen.
Mann, der außerdem mit kärglichem Gehalt für einen invaliden Sohn und zwei unmündige Kin- der zu sorgen hatte, versuchte vergeblich, von einer Tochter das Geld zu leihen. Sie war selbst un- vernwgend. Als ein Polizist den grausamen Haftbefehl ausführte, riß sich der Verhaftete auf der Straße plötzlich los und warf sich unter die Räder eines Omnibusses. Ein Rad ging über seinen Hals und brach ihm das Genick. Das Gericht stellte fest, daß der Selbstmörder so unbemittelt war, daß er an Sonntagen im Bette zu bleiben pflegte, weil er kein Geld besaß, um sich Essen zu kaufen.
— Eine kleine EriunernngSfeier für den Erfinder des Barometers. Die Stadt Faeirza in Italien rüstet sich, in diesem Jahre die Dreihun- dertjahrfeier der Geburt Torricellis zu begehen, des Philosophen und Mathematikers, der den Ba- rometer erfunden hat. Ein Fest der Stadt soll zu Ehren ihres berühmte,» Sohnes veranstaltet werden. Außerdem werden 2 Ausstellungen vorbereitet, von denen eine einen Ueberblick über die Entwicklung der meteorologischen Instrumente, um deren Vervollkommnung sich Torricelli Verdienst« erworben hat, geben soll, die andere Kunstwerke antiker und moderner Keramik umfassen wird.
—- Knack,lüsse, die auch Erwachsenen zu schaffen machen, sind die Fragen, die zur Prüfung des Scharfsinns am Naval Kollege in Osborne gestellt wurden und die wir in Nr. 98 (2. Blatt) mitteil, tcn. Verschiedene Zuschriften veranlassen uuS, die Lösung nachzubringen. Die größte Schwierigkeit hat vielen die zweite Frage verursacht, die lautet: Eine Uhr braucht sechs Sekunden, um sechs zu schlagen; wie viel braucht sie, um zwölf zu schlagen? Man muß hier zunächst genau fest- stellen, welche Angabe die Frage macht. Die sechs -Sekunden beginnen mit dem Ertönen deS ersten Schlages und enden mit dem sechsten. Dann der. streichen aber offenbar wieder sechs Sekunden vom Ertönen des siebenten Schlages an bis zum zwölften. Das macht zwölf Sekunden, gewiß. Go bleM aber das Zeitintervall »wischen dem
den war, hat der Junge dem Untersuchungsrrchter in der dritten Woche seiner Untersuchungshaft ein umfassendes Geständnis abgelegt. Im Besitze des so früh Verdorbenen wurden die üblichen Rauberromane gefunden; er gab an, daß er aus den gestohlenen Goldwaren Geld prägen wollte.
* Zwölf goldene Hochzeitsfeiern an einem Tage/Ein seltenes Ereignis konnte dieser Tage in der kleinen französischen Gemeinde von Stbrcft, vierzehn Kilometer von dem bekannten Badeorte Vichy entfernt, begangen werd-m. Au einem und demselben Tage wurden zwölf goldene Hochzeitspaare in der Kirche des Ortes eingefegnet. Ueber dreihundert Verwandte, Kinder, Enkel und Urenkel nahmen an dem Familienfest teil und begleiteten bte Paare in langem Zuge tn d,e Kirche. Am Abend fand ein großes Festessen statt, zu dem sich die Gäste aus weitem Umkreise eingefunden hatten. Nachdem die Tafel aufge- hoben war, eröffneten die zwölf goldenen Hochzeitspaare den Ball. Es bot einen eigenartigen Anblick dar, als sich die vierundzwanzig alten Leute langsam und bedächtig zwar, aber doch mit voller Hingebung im Tanze drehten.
* Ter vermißte Pfarrer. In der Protestant,, schon Kirche zu Korfu wurde infolge eines Zwischenfalls diesmal Ostern nicht gefeiert. Ter Pastor dieser Kirche hatte sich nämlich mit einem reichen Engländer und dessen Neffen auf einer Dampfbarkasse nach Epirus begeben und war nicht mehr zurückgekehrt. Da hohe See herrschte, so glaubte man allgemein, daß die Insassen der Barkasse verunglückt seien. Auf die Anzeige stellten englische Schiffe Nachforschungen nach den Vermißten an und fanden sie schließlich mit zerbrochener Schiffsmaschine führerlos mitten im Meere treibend. Als der gerettete, Pastor in seine Kirche wieder zurückkehrte, waren jedoch Kar. Woche und Osterfest verstrichen, und die, Hoffnung der Protestanten, daß Kaiser Wilhelm in die protestantische Kirche kommen werde, war dahin.,
* Männermorde einer Heiratslustigen. Eine Reihe schwerer Verbrechen ist jetzt in den Ver- einigten Staaten aufgeklärt worden. In Laporte (Indiana) lockte die Witwe eines Farmers namens Gunneß durch Heiratsanzeigen reiche Bewerber an. Sie tötete fünf von ihnen sowie eine Mitwisserin und vergrub die Leichen. Auch ihren ersten Mann hatte sie ermordet. Schließlich fiel die Männermörderin selbst einem Verbrechen zum Opfer. Sie wurde nebst ihren drei Kindern von einem Farmknecht ermordet, der nach der Tat das Haus anzündete. Unter den Trümmern des Hauses wurden sämtliche Leichen, im ganzen elf, gefunden.
— 3a der Verlegenheit. Freund: „Ich glaube gar, du putzest die Schuhe deiner Frau?" — Pantoffelheld: „Ja . ... hm ... der Doktor hat mir Bewegung verordnet."
Ans dem Nachbargebiete.
O Marbach, 6 Mai 1908. Vor einigen Tagen feierten die Eheleute Joseph Bernhard und Clementine Bernhard, geb. Krug, das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Morgens ^8 Uhr nahmen die Jubilare den für sie im Chore vor dem Hochaltar hergerichteten Ehrenplatz ein. Nach einer herzlichen Ansprache des Herrn Pfarrers fand die Einsegnung statt. Während des Hochamtes empfingen beide Eheleute die hl. Kommunion. Ein Te Deum schloß die schöne Feier. Seit Menschengedenken ist hier eine goldene Hochzeit nicht mehr gefeiert worden. Möge dem Jubelpaare ein heiterer Lebensabend beschicken sein.
* Witzcnhausen, 6. Mai 1908. Heute früh gegen %5 Uhr brach in dem Dampfsägewerk und Holzhandlung von Brand Großfeuer aus. Dasselbe war in der Maschinenhalle entstanden; die Maschinen und ein großer Teil des Holzlagers wurden zerstört. Der Schaden dürste sich auf 30--40 000 Mark belaufen, ist aber durch Versicherung gedeckt.
* Vom Eichssrlde, 6. Mai 1908. Die Erneue- rungsarbeiten des durch den Brand im November 1906 teilweise zerstörten Klosters Zella sind jetzt im Gange. Die Kirche ist ebenfalls wieder erneuert.
fach in Broschüren wie in der Tagespresse ver- handelt worden. Es liegt mir fern, in diese fast bis zum Ueberdruß geführten Erörterungen über die sogenannte „Inferiorität" der Katholiken in Deutschland einzugreifen, oder gar die Vorschläge alle zu billigen, die zur Behebung des Mißstandes, sogar von Frauenseite, gemacht worden sind. Wenn auch die gute Absicht nicht verkannt werden soll, so sind doch einige dieser Vorschläge leider geeignet, katholisches Denken und Empfinden zu verletzen, und ich will es namentlich dem Hochwürdigen Klerus der Erzdiözese gegenüber nicht verschweigen, daß ich die Aufgabe, die dabei dem Klerus mehrfach zugewiesen wird, so in bezug auf eine Einschränkung der Beförderung des Studiums der Thaologie, in bezug auf die frommen Stiftungen, die gar „tote" (Stiftungen genannt werden, inbezug auf die künstlerische Ausschmückung der Kirchen, fotote auf die Beschränkung der katholischen Feiertage usw., in der dort beliebten Weise und Ausdehnung durchaus nicht billige, vielmehr ablehnen muß. Wohl aber halte ich es für etne hohe und dankenswerte Aufgabe der vermögenden katholischen Kreise unseres Volkes, daß sie im allgemeinen katholischen Interesse braven und talentvollen Söhnen katholischer Eltern, die nicht die nötigen Mittel für das Studium ihres Sohnes haben, diese Mittel darbieten und so wirksam beitragen zur Stärkung des katholischen Bruchteiles 'innerhalb der akademisch gebildeten Kreise.
* Nom, 6. Mai 1908. Der Papst empfing gestern abend den Herrn Bischof Dr. Bertram von Hildesheim in Privataudienz.
Zu den Lan-tagrwahlen.
□ Wahlterrorismus. Die konservative Prrffe ärgert sich seit einiger Zeit immer wieder über Aeußerungen sozialdemokratischer Redner, auS denen man WahtterroriSmuS herauSzulesen ju dürfen glaubt. ®o soll in Schöneberg ein roter Agitator die Erklärung abgegeben haben, „daß die Soziaidemokrati« die Abstimmungen der Geschäftsleute und Gewerdeireibenden kontrollieren und nur diejenigen unterstützen werde, die sozialdemokratisch gewählt hätten, d. h. also die anderen wirtschaftlich ruinieren werde". Empört bemerken dazu konservative Blätter: „DaS ist seit kurzem die dritte Erklärung aus dem Munde „führender" Sozialdemokraten, daß di« Sozialdemokratie den WahtterroriSmuS zum offenen Grundsätze eibebt* — Man wundert sich, etwas derartiges in konservativen Blättern zu lese«. Auf welch« Weise werden denn in Dftelbien die GutSardeiter zur Abgabe „guter"
ä i Anzeigen: Die ein«
▼ 1 spMg« Petitzeile oder
aA A ÄA A Jk deren Raum 15 pfg.
ALTTll ArNamendiepetitzeNe
fly H ■ ■ ■ ■ E fl E 25 pfS-' bei wieder-
MH ZW Br H B W W l| B 9 Holungen wird entspr.
F 1 W WL | & UK rr-datt gewährt.
~ ” Ä W VW Natationsdrucknnd
Verlag der Fuldaer Ad tiendruckerei in Jtulba monakbellage: „gulbaet Geschlchtsblatter" 5-rnsprecher Nr. 9.
Vermischtes.
* Tie Dachstuhlbrände in Berlin haben immer noch nicht aufgehort. Wohl einer der größten fand gestern Ecke der Leipzigerstraße und Don- Hofplatz statt.
* Ein Oberrealschüler als Einbrecher. In Kaiserslautern wurde ein Schüler der dortigen Oberrealschule, der Sohn eines geachteten Handwerksmeisters, unter dem Verdacht verhaftet, für ungefähr 10 000 M Uhren und andere Goldwaren durch Einbruch bei einem Goldarbeiter gestohlen zu haben. Nachdem im Keller des elterlichen Hanfes das ganze gestohlene Gut gefunden wor-
Brant-Seide.. m. us»
- Za Hf Mi! — Meter u Jedermann —
Hetiasberv, alt Seidenfabrik». Zürtefc»
Deutsches Reich.
Wie der Freisinn das Wahlrecht achtet. In der schleswig-holsteinischen Stadt Tönning batte bi- vor Jahresfrist jeder, der 660 Mark Einkommen versteueite, das Bürgerrecht. Im Herbst 1906 betrieb zum erstenmal die Sozialdemokratie eine energische Agitation ziw Stadt- oerorbnetenwahl, und eS gelang ihr, 2 Mandate iu erringen. Infolgedessen setzte im Ium 1907 >ie freisinnige Stadtverwaltung den Wahlzensus auf 1500 Mark hinaus, womit natürlich die Ar- eiterschast ein- für allemal vom städtischen Parlament ausgeschloffen ist. Und dieser Frei- mn will das Reichstagswahlrecht tn Preußen ,aben! Die Herren find sehr froh, wenn es ihnen die Regierung nicht gibt.
f Darmstadt, 6. Mai 1908. Der Abgeordnete Dr. Frenay hat vor einigen Monaten im Landtag den Antrag gestellt, die Regierung möge im Jntereffe deS RotweinbauS im Ingelheimer Bezirk die Anlage von Muster- Weinbergen vornehmen, um auch diesem Weinbaugebiet die Vorteile der vorbildlichen Tätig- leit der hessischen Weinbaudomänenverwoltung »u sichern. Bekanntlich hat der hessische Staat in den letzten Jahren ungefähr 200 Morgen Weinberge in Rheinhessen und an der Berg- straße erworben und sich durch den vorbildlichen und rationellen Weinbau große Verdienste um bte heffische Weinkultur erworben, was wieder- holt im Landtage von den Vertretern Rhein- Hessens rühmend hervorgehoben wurde. Bisher beschränkte sich aber der staatliche Erwerb von Weinbergen auf die bevorzugteren Lagen wie Stackenheim, Bodenheim, Nierstein, Oppenheim und Singen. Die Regierung konnte sich zum weiteren Ankauf von Weinbergen in kleineren Gemarkungen vorerst noch nicht entschließen, einmal au» Gründen der Rentabilität und auch um den staatlichen Besitz nicht in’» Ungemessene zu vermehren. Nunmehr hat die Regierung dem Finanzausschüsse der »weiten Kammer mitgeteut, daß sie der Anregung deS Abg. Dr. Frenay entsprochen und für den Ingelheimer Bezirk die Anlage eine» Mustenveinberg» angeordnet hat.
Erscheint täglich «ft W fk
Ausnahme der Sonn- IW ■ A AA
,ndzeiertage.Viertel- ■ /W
Milcher Vezugrpreir || ■ M MM |
ohne Vringerlohn und WM ■ Q W M MM W H Bestellgeld in Zulda so- WWW W "WH W M ,
wie auswärts 1.50 mt verantw. Redakteur: W
Earl Schütte;
ÄÄ w-chmbcllage: Illustrierte ZonntagsMng
Literarisches.
,Historifch>p»lili'che Blättert Jahrgang 1908. 141. Band. Neuntes Heft.
Inhalt: Smyrna und EphesoS.—Josephinische Anekdoten. — Gedanken über das Wunder.—Die Behandlung der Frauen im römffchen Ehristenprozeß. — Det römische ,Teppismo'. — Schattenseiten der Bereinigten Staaten Amerika». — DaS Preßorchester. — Die Willensfreiheit und ihre Gegner. — Kürzere Besprechungen.
ren Erde ausgefüllt ist. Dann wird der Sicchl- farg noch mit verschiedenen tröstliche« Sicherheitsschlössern versehen und überdies ist an diesem Luzussarg eine elektrische Alarmglocke angebracht. So ist eS leicht zu verstehen, daß Rüssel Sage über 60000 Kronen dafür bezahlen muß, sich begraben zu lassen. Von Feuerbestattung scheinen die Amerikaner nichts zu halten.
— Eine Ausstellung „Deutsches Dorf", für die sich auch der Kaiser interessiert, soll im Grünewalds bat Berlin veranstaltet werden. DaS »Deutsche Dorf" will, Ausstellung und Museum vereinend, die alten dörflichen Baustile der verschiedenen Stämme und Gaue unseres Vaterlandes zur Darstellung bringen. Während die Umgebung eines jeden Gebäudes dessen Eigenart an- gepaßt ist, soll der Besucher im Innern die jeweiligen typischen Einrichtung», Trachten und Sdjmud, allerlei Hausrat und Erzeugnisse der Hauskunst finden. Geplant find zunächst ein ost- deutsche- Bauernhaus, ein Spreewaldhaus und Bauerhäuser Niedersachsens, Mitteldeutschlands, Rheinlands, des Schwarzwaldes, Oberbayerns und ein märkisches Dorf. Wie es in der Ein- labung des Ausschusses heißt, soll die Ausstellung ein hehres Nationaldenkmal zum Ruhme deutschen Volkes werden. Diele nehmen aber Anstoß daran, daß fie mit einem Vergnügungspark verbunden werden soll. Als ob das in Berlin anders fein konnte I Was ist die schönste und lehrreichste Ausstellung für die Mehrzahl der Berliner ohne „Klimbim". Der Vergnügungspark pflegt die größte Anziehungskraft zu haben.
— Tie Schuldhaft besteht, was nicht allgemein bekannt ist, noch immer in England. Dieses Gesetz führte, wie sich bei einer Leichenschau herausstellte, zu einer bedauerlichen Tragödie. Ein Verkäufer der Firma Lipton wurde auf Antrag der Armenverwaltung von Edmonton in Hast genommen, weil er eine Summe von 56 Schillingen schuldig geblieben war, die er für den Unterhaft feiner in einer Irrenanstalt befindlichen Frau zu zahlen hatte. Der unglückliche
sechsten und dem siebenten Glockenschlag? Da beide Schläge nicht zusammenfallen, muh eS den zwölf Sekunden hinzugezählt werden. Anschaulich wird dieses SpitzsindMeitsproblem^ wenn man statt der Sekunden Minuten einführt, also die Zeiten zwischen den Schlägern verlängert, oder wenn man folgende Frage stellt: Zwischen den fünf Fingern einer Hand sind vier Zwischenräume; wieviel Zwischenräume hätte eine Hand mit z<chn Fingern? Acht? Sicher nicht. Sie hätte zunächst acht Zwischenräume und noch einen zwischen dem fünften und sechsten Finger. — Die erste der Osborner Fragen ist natürlich dahin zu entscheiden, dah beide Züge von London gleich ir-eit entfernt find, weil sie ja, nebeneinanderstehend, an ein und demselben Punkte angelangt sind. Die Frage ist das Gegenstück zu der bekannten andern: WaS ist schwerer, ein Pfund Bettfedern oder ein Pfund Blei?
— Ein köstliches Zollstncklein. Dieser Tage kam eine Bauersfrau aus dem benachbarten Bayern nach Eger in Böhmen, um hier eine Weckeruhr zu kaufen. Bei dem Uhrmacher feilschte die Frau derart, daß dieser sich zu rächen beschloß. Scheinbar nebenher fragte er die Frau über ihre Heimat und die Abfahrt des Zuges und übergab ihr dann den Wecker, den die Frau in umständlichster Weise zwischen ihren halben Dutzend Röcken verschwinden ließ und dann zum Bahnhof eilte. Wie alle ihre Mitreisenden mußte auch die Bauersfrau an dem langen Zolltisch vorüber. „ Nichts Verzollbares?" fragte der Beamte. „Na!" war die proinpte Antwort der Bäuerin. Im gleichen Augenblick ertönte unter den Röcken der erschrockenen Frau das laute „Krrr" des Weckers, beften Weckzeiger der Uhrmacher auf einige Minuten vor Abgang des Zuges gestellt hatte. Der Wecker wurde ein sehr teures Stück.
— LröKlich. Bankier: „Es ist zum Rasendwerden! Ich habe durch einen großen, unerwarteten Konkurs völlig den Verstand verloren." — Herr:
Gebe der Himmel, daß Sie vor größeren Verlusten bewahrt bleiben!"
— Aus der Jugend de» HaudelSminister» Del- tzruck erzählte bei der Feier deS 40jährigen Be- stehens als Vollanstaft, die das Stadtgymnanum iu Halle dieser Tage beging, der Saintatsrat Dr. Gräfe folgendes luftige Geschichtchen: Clemens Delbrück, der jetzige Handelsminister, besuchte einst die Vorschule deS in der Entwickelung be- ?riffenen Gymnasiums. Einer feiner Lehrer war er Kandidat Drescher, der durch die Betätigung feiner pädagogischen Grundsätze seinem Namen alle Ehre machte. Dennoch hatten ihn die Schüler gern, und als er fortging, beschlossen die Scholaren, ihm ein Ehrengeschenk zu überreichen. Unter Führung Delbrücks sammelten sie von ihrem Taschengelde, daS damals längst nicht so iippig war. wie eS wohl heute zu sein pflegt, und fie brachten ganze 50 -S zusammen. Davon tauften sie für 30 I eine Zigarrenspitze und für 20 H zwei Apfelsinen. Diese Kostbarkeiten Überreichte bann nomenS der Schüler Clemens ®elbrüd mit ein Paar ehrerbietigen Worten. Bei dem Kommers wurde übrigens festgestellt, daß Delbrück derjenige Stadtgymnasiast ist, der eS von allen Schülern der Anstatt am weitesten gebracht hat.
— Diebessichere Särge. Millionäre find selbst nach ihrem Tode nicht vor unliebsamen Besuchern kicher, die Geld oder Geldeswert von ihnen haben wollen. Innerhalb der letzten 2 Jahre sind nicht weniger als 27 amerikanische Milliardäre, die sich unvorsichtigerweise mit Kostbarkeiten, hatten be- araben lassen, beraubt worden. Da ist es ange- »rächt, schon bei Lebzeiten dafür zu sorgen, daß Plan ^wenigstens im Grade feine Ruhe hat,^und ra8 hat bet bekannte amerikanische Rüssel sage denn auch getan. Er hat testamentarisch verfugt, »atz man feine Leiche zunächst in einen Bronze- larg einschließen soll. Dieser soll in eine Stahl- Mimnec gefetzt werden, die imt einer feuersiche-