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35. Jahrgang.

Fulda, Freitag den 8. Mai 1908.

j\» 106.

Kustes Wlcrtt

Kaiser Franz Joseph, der Kaiser Wilhelm schon bis Meidling entgegengefahren war, und Kaiser Wilhelm, dann die Kaiserin, Prinz August Wilhelm und Prinzessin Viktoria Luise; ihnen schloß sich an das glänzende, farbenreiche Gefolge.

Aba. Ledebour (So».): — t bet Lage, mit ber Mehrheit des ibereinstimmen zu können. (Großer Lärm r«hts.)

Graf Kanitz (kons.): Wir schließen uns den Ausführungen des Frhrn. b. Gamp voll an. (Leb­hafter Beifall rechts.) Wenn das Gesetz an un- erer Abstimmung scheitert, überlassen, totr die Verantwortung den Verbündeten Rqgrerungen. (Stürmischer Beifall.) Ich beantrage namentliche

Abstimmung. _

Abg. Dove (fr. Vgg.): Unser Antrag soll keinen Um fall vor den Wünschen der Derbün- >eten Regierungen bedeuten, sondern wir haben >amit den Standpunkt gewahrt, den wir von vornherein eingenommen haben. Ich freu^ mich über die Erklärung der Verbündeten Negrerun- gen, hätte aber gewünscht, daß die erste Erklär- ung, die in der zweiten Lesung, etwas bestimmter gelautet hätte. (Sehr wahr! links.)

Die namentliche Abstimmung über den freisinnigen Antrag vollzog sich unter tosen­dem Lärm. Die Streichung des Dreimarkstückes wurde mit 178 gegen 94 Stimmen abgelehnt. Das Ergebnis wurde von der Mehrheit mit de- monstrativem Jubel ausgenommen.

Hierauf wurde auch die übrige Vorlage nach den Beschlüssen der zweiten Lesung angenommen.

Ohne Debatte werden in der 3. Lesung ange- nommen: Teuerungszulagen, Ostnuuckenzulagen, Kolonialeisenbahnen, Versicherungsvertrag, Haf­tung des Tierhalters, Aenderung des § 63 des Handelsgesetzbuches; ebenso Wechselprotest und kleiner Befähigungsnachweis, Maß- und Ge­wichtsordnung u. a.

Beim Vogelschuhgesetz wird ohne Debatte die Beseitigung des Dohnenstieges mit 225 gegen 68 Stimmen und 3 Enthaltungen beschlossen.

Das Haus vertagt sich dann auf 20. Oktober.

Schluß y2l Uhr.

= Die Minter KiitzrlM.

Nachdem die meisten der zur Huldigung an- gemeldeten deutschen Bundesfürsten bereits im Lause des Mittwochs in Wien angekommen waren, erfolgte die Ankunft des deutschen Kaiser­paares dortselbst Donnerstag vormittag auf dem Bahnhose Penzing. Demange entstiegen zuerst

enthusiastische Ovationen.

Nachdem die beiden Kaiser mit ihrer Be­gleitung in Schönbrunn eingetroffen waren ging ein strömender Regen weder. Punkt 12 Uhr fuhren die übrigen anwesenden deutschen Bundes- iürsten am Schlosse vor. Kaiser Wilhelm hielt an Kaiser Franz Joseph folgende Ansprache.

„Eine erhebende Fügung der göttlichen Gnade und Vorsehung ist es, die uns am heutigen Tage um die erhabene Person Euer Kaiserlichen und Königlich-Apostolischen Majestät vereinigt. Sech­zig Jahre, zwei Menschenalter, haben Euer Kai­serliche und Königlich-Apostolische Maiestch m me rastenden! Eifer und treuester, edelster Pflichter- füllung dem Wohl und dem Gluck ^,hrer Volker gewidmet. Mit berechtigtem Stolz und hoher Genugtuung mag es das Herz Euer Majestät er­füllen, wie von allen Seiten bte Untertanen dem in Ehrfurcht geliebten Herrscher die landesvater- liche Treue mit hingebender Liebe und Dankbar­keit zu vergelten bemüht sind. Aber nicht nur Millionen eigener Landeskinder jubeln in froher Fcstesstimniung ihretn heißgeliebten Kaiser und König zu — nein, auch weit hinaus über dre Grenzen der Monarchie beugt sich die Welt jn Verehrung und Bewunderung vor der ehrwür­digen Gestalt Euer Majestät.

Euer Majestät sehen hier drei Generationen deutscher Fürsten um sich versammelt und keinen darunter, dem Euer Majestät nicht schon ein Vor­bild gewesen toären, bevor er selbst berufen war, die Pflichten seines hohen Amtes zu üben. Uns allen haben Euer Majestät in sechzigjähriger Ar­beit ein herrliches Beispiel aufgestellt, woran sich noch die Kinder und Enkel der Jüngsten unter uns erbauen werden.

So sind wir denn, die treuen Freunde und Verbündeten Euer Kaiserlichen und Königlich- Apostolischen Majestät und mit uns Ihre Maje­stät die Kaiserin und Königin, meine Gemahlin, hierher geeilt, um Zeugnis abzulegen von den herzlichen Gefühlen inniger Freundschaft und An- hänglichkeit, die uns für Euer Majestät beseelen. Aus bewegtem Herzen bringen wir unsere Hul­digung dar dem edlen Herrscher, dem

Dies ist die Rückerstattung des Ihnen von mei­nem Vater geraubten Schatzes.

Seit Jahren war es mein brennender Wunsch, wenigstens dieses Unrecht wieder gut zu machen, doch ich vermochte den Namen der beraubten Fa- niilie nicht zu erfahren — unfeligertveise haben Sie in meiner Gegenwart niemals den Namen des Mörders genannt, auch nicht, als Sie mir von dem Verbrechen erzählten, das AngiolinaS Blindheit verursacht hat — es war mein Ver­hängnis, daß ich die Wahrheit zu spät erfahren mußtet —

Leben Sie wohl, Herr Marchese — ich wage es nicht mehr, Ihnen den teueren Vaternamen zu geben, wie Sie zu tun mir gestatteten.

Meinen letzten Gruß für Angiolina, daS Weib meiner Liebe. O, hätte ich noch einmal ihr holdes Antlitz sehen und dann die Augen schließen können für immer I

Angiolina. Geliebte meiner Seele — sei frei — sei glücklich! Fluchen Sie nicht dem Andenken eines Unglücklichen.

Gaetano Pisani."

Als der Marchese Rionero eine Viertelstunde später in das Zimmer Olivers gestürzt kam, sand er diesen, im Lehnstuhl ruhend, mit weitgeöff- neten, verglasten Augen ohne Zeichen des Lebens.

Oliver war tot. Alle Wiederbelebungsversuche erwiesen sich als erfolglos.

Der Marchese fand ein Fläschchen am Boden, das er schnell in der Brusttasche des Rockes ver­barg. Dann fiel sein Blick auf den an ihn adres- fierten Brief; er öffnete ihn und las dessen In­halt.

27.

Prüfungszeit.

Auch die Gattin Olivers schwebte zwischen Leben und Tod. Nachdem Angiolina das furcht­bare Geständnis aus des Gatten Munde beritom- men, war sie zufammmgebrochen, ohne auch nur einen Laut von sich zu geben.

Die erschreckten Diener hatten die Leblose Ij?

Erscheint täglich nM Ausnahme der Sonn* vridZeiertage. viertel­jährlicher vezugrprek ohne vringerlohn und Vestellseldinzuldaso- »k auswärts 1.50 Bit

vercmtw. «edaktmrr

«arl Schütter für die Anzeige«:

I.parzeüer in Mda.

: Wir sind einmal in I Die Begrüßung der beiden Kaiser in Mndlmg Bundesrates I mar überaus herzlich gewesen. Kaiser Franz Jvs p Lärm rechts.) ftat beim Einfahren des Zuges ganz nahe ans

Gtzleise und rief, als Kasier Wilhelm auf die Plaitform trat: „So bleib doch oben, ich komme schon." Aber Kaiser Wilhelm, bte Kaiserin, die Prinzessin und der Prinz sprangen herunter, um­ringten den Kaiser Franz Joseph und begrüßten hn freudig. Dann, ohne eme Minute Zeit zu verlieren, bestiegen alle wieder den Zug.

Auf der Station Penzing hatten sich zur Begrüßung eingefunden sämtliche in Wien weilende Erzherzöge und Erzherzoginnen, die Spitzen der Militär- und Zivilbehörden. Oberbürgermeister Lue aer hielt eine Rede an den deutschen Kaiser, in der er den Ausdruck herzlichen DankeS m,t den innigsten Grüßen der allen Kaiserstadt Wien verband Kaiser Wilhelm antwortete: „Ich danke Ihnen sür die freundlichen Wor e der Begrüßung. Mein Kommen soll etn Beweis fem für die außerordentliche Hochschätzung und Ber- ehrunq, welche ich Sr. Majestät ^hrem Kaiser entqegenbrinqe und welche mit mrr das gesamte deutsche Volk teilt." ,

Hierauf erfolgte die Fahrt im Wagen zum Schönbrunner Schloß. Auf den nmr«1

die Truppen der Garnison mrt fünf Musikkapellen ausgestellt, welche bei der Vorbetsahrt der beiden Kaiser die preußische Hymne spielten. Duange- sammelte Menschenmenge bereitete den Majestäten

treuen Bundesgenossen, dem mächtigen Hort des Friedens, auf desien Haupt wir »en reichsten Segen GotteS herabflehen

Die Antwort Kaiser Franz Josephs autete folgendermaßen:

„Euer Kaiserliche und Königliche Majestät haben im Verein mit ©einer Königlichen Hoheit jem Prinzregenten von Bayern, >/hren ^Majesta- eu den Königen von Sachsm und Württemberg, den hier anwesenden durchlauchtigsten und durch- lauchtigen deutschen Bundesfursten und dem Ver­treter der Freien Hansestädte den liebenswuM gen Entschluß gefaßt, mir auS Anlaß der reichung meines 60. Rsgierungsjahres persönlich ihre Glückwünsche darzubringen.

Dieser Beweis Ihrer mir so überaus teueren Freundschaft, der zu den kostbarsten Erinnerun­gen meines Lebens gehören wird, hat mein Herz auf das freudigste, berührt, und ich bitte Sw, hierfür meinen innigsten, tiefempfundenen Dan! entgegenzunehmen.

Ich darf in diesem mich in hohem Matze be» glückenden Akte herzlicher Zuneigung wohl erne feierliche Kundgebung des monarchischenPrin- zips erblicken, dem Deutschland seine Macht urw Grötze verdankt. Auch Oesterreich-Ungarns Kraft liegt in diesem Prinzip, und inder treuen und unwandelbaren Liebe meiner Volker habe ich stet- neue Zuversicht geschöpft, um den mir obliegen- den schweren Pflichten gerecht zu werden.. Die Tatsache, daß es mir heute vergönnt ist, eine so große Anzahl deutscher Fürsten um mich versmw melk zu sehen, ist auch die ausdrucksvollste Be­stätigung des zwischen unS seit beinah, dreitzig Jahren bestehenden engen und unerschütterlichen Bundesver­hältnisses.

Dieser Tag bestärkt mich in der frohen Er- Wartung, daß dieses nur friedliche Stele verfol­gende Bündnis dem gleichen Bestreben der ande­ren Mächte wirksam zur @£ite stehen, strne Aus­gabe bis in die fernste Zukunft voll erfüllen werde.

Ich bitte die göttliche Vorsehung, sie mögt Euere Majestäten und alle deutschen Bundesfur­sten sowie auch Ihre Majestät die Kaiserin und Königin, deren Anwesenheit mich tief rührt und zu wärmstem Dank verpflichtet, für alle Zeiten in ihren gnädigen Schutz nehmen/'

Nach der Gratulation ber Fürsten nahm der Kaiser die Glückwünsche ber deutschen Kaiserin entgegen. Unter Vorantritt der Gräfin Harrach begab sich die Kaiserin in die Privatgemächer deS Kaisers, um ihn zu beglückwünschen.

Nach der Gratulation begaben sich die Fürsten zum Frühstück in daS Maria-Theresienzimmrr. Dem Frühstück wohnten auch die Erzherzoge und Erzherzoginnen bei.

Bald nach seiner Ankunft in Schönbrunn empfing Kaiser Wilhelm bett Minister des Aeußern, Frhrn. v. Aehrenthal in Audienz. Er schenkte dem Botschafter v. Tschirschky feine Büste in Bronze.

Die Kaiserin begab sich zum Denkmal der Kaiserin Elisabeth, wo sie einen Palmemvedel, den sie vom Achilleion mitgebracht hatte, nieder­legte. Später fuhren das Kaiserpaar bei der Kapuzinerkirche vor und legten an den Särgen der Kaiserin Elisabeth und des Kronprinzen Rudolf Kränze nieder.

Vom König von Italien ist an den Kaiser Franz Joseph ein Telegramm eingelaufen worin der König „beseelt von der alten und treuen Freundschaft" seinen „innigen Anteil an dem freudigen Ereignis" des 60 jährigen Juble

über an der Wand hing, und heftete sich fest daran.

Mit einer Neugierde, die etwas Schauervolles hatte, betrachtete Oliver Tein eigenes Bild, dann sagte er, mit dem Kopfe nickend:

„Ja, das bin ich, das Gespenst dort, im Bräu- tigamsgÄvande, mit dem welken Oraugenzweig im Knopfloch, den Angiolina aus ihrem Kranze gebrochen — ihr erstes und letztes Geschenk, ein Zeichen der Liebe. ES soll mich beglücken, soll auf meinem Herzen ruhen, weit» sie mich in die Erde senken.

„Sie haben mich allein gelassen — ganz allein. Mein angetrautes Weib — der alte Mann, den ich Vater genannt — ich verdamme sie nicht, zwi­schen mir und ihnen steht der bleiche Schatten der Gemordeten — es gibt keine Gemeinschaft für sie mit dem Sohne des Mörders.

„Und dann wäre ja auch ihr junges Dasein zerstört und verödet. Eine jungfräuliche Gattin, durch eine eherne Fessel mit dem Manne verbun­den dessen bloße Gegenwart sie mit Schauder er­füllen müßte — nein, Angiolina, du einzig Ge­liebte ..."

Schwankend erhob er sich, aber noch einmal besiegte der eiserne Wille dieses merkwürdigen Mannes die körperlich Schväche.

Er lietz sich an dem Tische nieder, und mit fester Hand schrieb er folgenden an den Marchese Rionero gerichteten Brief:

„Herr Marchese!

Wenn Ihr Blick auf diese Zeilen fällt, werde ich nicht mehr unter den Lebenden sein.

Sie werden auf meinem Schreibtische unter anderen Papieren eine Art von Testament fin­den, das als „mein letzter Wille" bezeichnet ist; darin erkläre ich, daß ich keine Verwandten mehr besitze und daß meine Gattin Angiolina Rionero die einzige rechtmäßige Erbin ist.

In meiner Brieftasche sind bedeutende Wechsel auf die Banken von London und Paris befind, sich; ich habe sie zu Ihren Gunsten geschrieben.

Am Kunkeln.

Roman von Ernest» Selva.

Nach einer wahren Begebenheit erzählt.

-%6] (Nachdruck verboten.)

Erst als die ersten Sonnenstrahlen mit röt- sichern Glanze die ferne Hügelkette beleuchteten, »uckke er zusammen und packte krampfhaft die Seine des Lehnstuhls, als wolle er sich daran in die Höhe richten, während er murmelte:

„ES ist Tag!"

Dann glitten seine Blicke über den Hochzeits- km»ng und er stöhnte leise:

z „Nein — es ist kein furchtbarer Traum — es tit Wirklichkeit. D, mein Kops — mein armer «opf — ich kann mich kaum noch klar darauf be­sinnen, wie das alles gekommen ist — ja, gestern pl>ar mein Hochzeitstag, Angiolina und ich, wir to: den ein Paar, der geweihte Diener der Kirche ent unsere Hände vereinigt und gesprochen: was Gott zusammensügt, das soll der Mensch nicht scheiden. Aber wir tourbeit getrennt — mein Seih ioard mir entrissen, als die höchste Erden- seligkeit unser wartet — entrissen für immer! Sehe mir — ein Blutftrom trennt uns, den nichts *u überbrücken vermag!"

Erschöpft sank der Unglückliche zurück, seine Gedanken verwirrten sich wieder. Endlich blitzte doch eine Erinnerung in ihm auf:,

„Da, Kreuz — daS Kreuz verriet mich! O, hätte ich der Warnung meiner sterbendm Groß­mutter Folge gegeben und die unselige Erbschaft itetnel schuldigen Vaters nicht angetreteit. Un- tze rechtes Gut! Sie hatte recht, die gute alte grau — sie starb daran und mir ward mein Gluck yemordetl"- ,

Z E, war ihm nicht vergönnt,, seinem schmerz fn Tränen Luft zu machen; etn krampMsteS Schluchzen erschütterte wohl die Brust, doch die Augen blieben trocken: der Blick derselben ftel

sEn Spiegrl, der .Wer schräg gegen;

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Momckbellagr: „5«ldatt Geschichtsblauer

ihr Gemach getragen, wo Gertrude und Karolina schluchzend sich bemühten, sie aus ber tiefen Ohn< macht zu erwecken — doch vergebens!

Das geheime Herzeleid, welches Angiolina so tapfer bekämpft, die GemütsbÄvegungen der letz» ten Tage hatten ihre ohnehin leidenden Nerven aufs höchste gespannt.

Nun war die Szene im Garten dazugekommen und dann die Enthüllung von Olivers wahrem Namen — das war zu viel, der zarte Körper beB, jungen Mädchens brach unter diesem unerwar­teten Schlage zusammen.

Ratlos umstanden die Frauen daS Lager der Kranken. Man hatte anfänglich nicht nach dem Arzt schicken wollen, um unnützes Aufsehen zu vermeiden, als aber der Morgen anbrach, und Angiolina immer lioch nicht zum Bewußtsein ge­kommen war, mußte man sich dazu entschließen.

Karolina hatte über ihre rosa Festtoiletts einen Schawl geworfen, die welken Rosen hingen noch in ihrem wirren Haargelock — es war ein trauriges Bild gestörter Festfreude.

Auch der Marchese hatte sich nicht die Zett genommen, den Anzug zu wechseln, ruhelos irrte er umher, immer wieder in das Gemach der Kran­ken zurückkehrend und an Gertrude und Karolina besorgte Fragen richtend.

Endlich erschien der fehnlichst erwartete Arzt, ein alter Herr, dem Haufe Rionero befreundet.

Der Marchese zog ihn inS Vertrauen, ohne daS, traurige Geheimnis Oliver LinstonS völlig preiszugeben. Kopfschüttelnd betrachtete der Dok­tor die Patientin. Dann ordnete er an, daß man die Fenster offne und Luft und Licht in daS Zimmer einlasse.

Dem Gebote des Arztes wurde pünktlich Folg« geleistet und schon nach einer Viertelstunde wurde der Atem Angiolmas belebt^ und die warmm Sonnenstrahlen, bte ihr liebliches @Mid>tdjen be­leuchteten, schienen die Wangen mtt den Rosen der Gesundheit zu schmücken. Die Pulse an bat Schläfen begannen zu klopfe« und bald zeigten sich purpurne Flecken äuf den Wangen. Ein

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 7. Mai 1908.

Eine Reihe von Gegenständen wird ohne De- batte angenommen. (Vertagung bis 20. Okto­ber 1908, Genehmigung zur Strafverfolgung, in­ternationale Abkommen). ,

Bei der 3. Lesung des Munzgesetzes er- ^Staatssekretär Shdow, daß der Bundes- rat der Schaffung des 3 Mark-Strn ckes nicht zustimmen könne. (Lebhaftes Hört! und Lärm rechts.) Die Mehrheit der Ver- biinbeten Regierungen lehne den Beschluß ab.,

Abg. Frhr. b. Gamp (Rp.): Ich kann nur ntetn lebhaftestes Bedauern über diese Erklärung aus- 'drücken. (Stürmische Zustimmung rechts.) Wir haben in Norddeutschland in weiten Kreisen etn «großes Bedürfnis nach Einführung des Drei- marfftückes. Wenn die Verbündeten Regierun­gen außer bei den Handelskammern auch noch bei andern Streifen, bei der Industrie sich erkundigt hätten, wären sie eines bessern belehrt worden. (Stürmischer Beifall rechts.) In der Bank- enguetenkommission hat ein Industrieller seinem lebhaften Bedauern Ausdruck gegeben, daß das Dreimarkstück zurückgezogen worden ist (Hört! hört! rechts), und hat darauf hingewiesen, daß die schwierigen Geldverhältnisse im wesentlichen zurückzuführen sind auf die ganz un­verantwortliche Zurückziehung des Talers. (Lär­mender Beifall.) Die Handelskammern würden heute bte Sache ganz anders beurteilen. Weshalb Hat man sich nicht an die industriellen Vereine gewandt? In diesen SBeremen würde man ein- stimmig in Norddeutschland für das Dreimark­stück eingetreten fein. (Stürmische Zustimmung rechts.) Die Verbündeten Regierungen, das Reichsschatzamt, die Münze, die Banken brüten K schon mehrere Jahre darüber, ein Hand­ies Fünfmarkstück herzustellen. Aber bis jetzt haben sie noch nichts ausgebrütet. (Große Hei­terkeit.) Das ist der beste Beweis dafür, daß man das überhaupt nicht machen kann. Entweder macht man das Fünfmarkstück größer, dann ist es unbequem, ober man macht es dicker, dann ist es noch unbequemer. (Große Heiterkeit.) Nehmen Sie mit möglichst großer Majorität das Drei­markstück an, wie in der zweiten Lesung. (Stür­mischer Beifall rechts.) Wir würden uns selbst diskreditieren, wenn wir jetzt einen andern Be­schluß fasten. (Beifallssturm.)

Abg. Kirsch (Ztr.): Mit dem Inhalt der Ans- Führungen des Abg. Gamp bin ich ganz einber- standen, aber ich verstehe nicht, warum er so er­regt gesprochen hat. Da der Staatssekretär nicht wie bei den Teusrungszulagkn ein Un­annehmbar gesagt hat, bitte ich, es beim Beschluß ber zweiten Lesung einfach zu belassen. (Stür­mischer Beifall rechts.)

W6fl. Raab (Teutschsoz.): Der Bundesrat schlägt das 25-Pfennigstück vor, das von einer sehr viel geringeren Minderheit im Reiche ge­fordert wird. Er soll uns den Taler geben und

Ai-Pfenuigstück dafür behalten. (Große Hei­terkeit und Zustimmung rechts.) Sehr viel wert­volle Arbeitskraft, die sich jetzt abmüht, das Fünf, marifftück handlich»r zu madjen, kann gespart wer­den. Bleiben Sie beim Beschluß zweiter Lesung. (Hurraruf rechts.)

Der Präsident verliest einen Antrag der Freisinnigen auf Wiederherstellung des KommifstsnsöeschluffeS, also Beseitigung des Be­schlusses zweiter Lesung betr. Wiederausprägung «5 Dreimarkstückes.

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