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35. Jahrqanq.

Fulda, Mittwoch den 6. Mai 1908.

M 104.

Erstes WLatt

bis zur Erde reichende kostbare Spitzenschleier

Verl

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= Der Reichstagsabgeordnete Schwabach (natL), Vertreter von Memel-Heydekrug, hat sein Mandat niedergelegt, da seine Wahl angefochten wurde. Schwabach legte sein Mandat nieder, um mehr als 100 von seinen Wählern zu er- sparen, über allerhand ungehörige Vorgänge bei der Wahl Zeugnis ablegen zu müssen. Er hat offenbar selbst jede Hoffnung aufgegeben, daß seine Wahl sür giltig erklärt werden könnte. Schwabach erhielt bei der Hauptwahl im vorrgm Jahre 4941, der konservative Kandidat 5668, der Litauer 4221 und der Sozialdemokrat 3342 Stimmen. In der Stichwahl siegte er mit 11403 gegen 6431 Stimmen. — In den Wahl- Protesten war behauptet worden, daß teils durch Geld, teils durch Getränke litauische Wähler be- stochen worden seien.

* Neue Krondotationen. In unterrichteten Kreisen wird neuerdings mit Bestimmtheit be­hauptet, daß dem preußischen Abgeordnetenhause bald nach dem Wiederzusammentritt eine Vor­lage für eine beträchtliche ErhöhungderZivil» liste des Königs von Preußen zugehen werde. Vor turzem ging bereits eine derartige Meldung durch die Blätter, deren Richtigkeit aber nachher bestritten wurde. Gleichzeitig ist man mit der Aufarbeitung einer Vorlage für den Reichstag beschäftigt, iu der eine hohe Dotation sür ben König von Preußen als deutschen Kaiser gefordert wird. Mit Führern einzelner Parteien des Blocks haben bereits vertrauliche Besprechungea stattgesunden.

* Der Entwurf eines preußischen Wasser« gesetzes ist den Handelskammern zur Begut» achtung zugegangen. Aus dem Inhalt des Ent­wurfs ist hervorzuheben, daß man nach § 82 das Recht, Abwässer in einen Fluß zu leiten, im Weg» der Verleihung beschaffen kann. Die Anlage von Wasserbüchern wird für alle in die aufzustellenden Verzeichnisse eingetragenen Wafferläufe zur Pflicht gemacht, auch für Ströme und Schiffahrtskanäle. Von großer praktischer Bedeutung sind die Vor­schriften des § 95, der das Zwangsverfahren auf gewerbliche Wasserbetriebe jeder Art ausdehnt. Wesentlich ist serner die Verpflichtung zur Räu­mung und Auslrautung der Bäche usw. und zur Instandhaltung der User sestens der Anlieger. Für wasserwirtschaftliche Unternehmungen ist eine erleichterte Form des Enteignungsverfahrens vor­gesehen. Vorgesehen ist ferner, daß Privatrecht dem öffentlichen Wohl weichen muß und zwar im allgemeinen ohne Entschädigung.

* Eine Neugestaltung der Gebührenordnung für Zeugen und Sachverständige wird laut ,Berl. N. 91/ gegenwärtig vorbereitet. Es han­delt sich dabei um die Prüfung der Frage, ob die Gebühre»! heute noch als ausreichend anzusehen sind. Während diese Frage in bezug auf Zeugengebühren verhältnismäßig ein­fach zu lösen ist, treten bei den Sachverständigen Schwierigkeiten auf, weil hier auch die ver­schiedenen Jnteressenverbände auf eine Mitwir­kung bei der Festsetzung der Gebühren ihrer Sachverständigen Wert legen. Diese hervor­tretenden Wünsche nach Möglichkeit mit der Kostenverringerung im Jntereffe der Prozeß­gegner in Einklang zu bringen, sind die wich­tigsten Fragen in den Verhandlungen.

0 Eine Fraktionsgemeinschaft der Rechten steht nach den Ausführungendes Abg.Dr. Böhme in einer Blockzeitschrift in Aussicht; sie soll das Gegenstück zu der linksliberalen Fraktionsgemein-

ganz eigenartig (Heiterkeit). In Preußen erklärt man, daß unwiderrufliche Zulagen keinen Wert für die Regierung hätten, (hört!) im Reiche aber führt man sie ein. Aber die Regierung hat uns beule gesagt, daß sie Zulagen nur auf ein Jahr geben will. So werden alle Zulagen bewilligt. Die Regierung wird jedoch mit diesen Zulagen immer wieder kommen; denn sie stellt sie bereits unter die fortdauernden Ausgaben ein (hört!). Ja, „Peitsche und Zuckerrohr" sagte Herr Abg. Eickhoff. Hoffentlich folgt die freisinnige Partei Herm Eickhoff und nicht Herrn Pachnicke. (Ver- fall im Zentrum.)

Staatssekretär Sydow: Es handelt sich uin keine politische Vorlage (Zuruf: Das soll man glauben!). Wir wollen nur die Reichsbeamten nicht schlechter stellen als die preußischen Ldndes-

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Sarl Schütte;

Wochentag-- „Illustrierte Sonntagszeitung

müssen.

Der Antrag der wirtschaftlichen Vereinigung wird angenommen. — Das Bureau verkündete zuerst, daß die Vorlage angenommen worden sei; als das ganze Haus Widerspruch erhob, ließ Vize­präsident Kämpf nochmals ab stimmen; dann konnte er feststellen, daß die Vorlage abge­lehnt sei; dieses Verfahren erregte im Hause viel Unwillen.

Es folgte die 2. Lesung der Kolonial­eisenbahnen. — Die Kommission beantragt Annahme.

Abg. Ledebour (Soz.) spricht sich heftig gegen die Vorlage aus und ist besonders erbittert, daß sich niemand zum Wort gemeldet hat.

Damit ist die Diskuffion geschlossen, die Be­schlüsse der Kommission werden ohne Debatte an­genommen.

Es folgt die 2. Lesung der O st m a r k e n- z u l a ge.

Abg. Dr. Pachnicke (fr. Vgg.) begründet den Antrag, für das Heer nur 90 000 M zu ge­nehmigen, statt der geforderten 301,000 die Unteroffiziere sollen die Zulage nicht erhalten, für diese habe niemand die Zulage gefordert.

General Sixt v. Arnim bezeichne! den Antrag als überraschend und unerfreulich; inan könne die Unteroffiziere nicht schlechter stellen als die Beamten; denn sie hätten ihre Pflicht getan.

Staatssekretär Sydow erklärt auf Anfrage: die beteiligten Verwaltungen dürften auch spater die gleichen Beamten wie in der gegenwärtigen Vorlage berücksichtigen, solange und so weit sie den Vorschriften genügen. (Hört! Heiterkeit.)

Abg. Gröber (Ztr.): Früher hat die Regle- rung nur für die Postbeamten gefordert; die Un­teroffiziere haben für die Wohnung und Nahrung nicht zu sorgen. Wir sind also für den freisinnigen Antrag, lehnen aber das Ganze ab. Es handelt sich um eine politische Vorlage; das sollte man auch offen sagen. (Sehr richtig!) Als mm» sie in Preußen einführte, erklärte Fürst Bülow, daß es keine Teuerungszulage sei, (hört), sondern Prämien für gutes Verhalten in schwierigen politischen Verhältnis­sen (hört!). Der Freisinn hat sich früher auch gegen dieft Zulagen ausgesprochen. (Zuruf links: widerrufliche!) Ja, was ist demr erreicht worden? Sie sollen jetzt innerhalb eines Jahres

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Monatsbeilage: „Mdaer Seschichtrblatter 8-rnsprecher Nr. 9.

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Beamten. , t„

Abg. Breßki (Pole) spricht sich gegen die Vor­lage aus; Abg. Liebermann v. Sonnenberg (w. Vgg.) dafür.

Abg Ledebour (Soz.): Wrr stimmen für den Antrag Pachnicke, um die Unteroffiziere von dem Korruptionsbazillus frei zu halten, aber dre Ge- samtvorlage lehnen wir ab. Nach dem Falle Schellenberg glaubt der Freisinn noch an dre po- litifche Harmlosigkeit Krätkes (Heiterkeit).

Die Regierungsvorlage wird mit 288 gegen 17 Stimmen und 2 Enthaltungen abgelehnt; der Antrag der Freisinnigen auf Streichung der Un­teroffiziere wird mit 167 gegen 137 (stimmen angenommen. Die Zulage für die Postbe­amten wurde mit 156 gegen 148 Stimmen und 1 Enthaltung angenommen.

Es folgt die 2. Lesung des § 833 des B. G. B. (Haftpflicht des Tierhalters.) Bei Schaden, den ein Tier angerichtet hat, soll eine Ersatzpflicht für dell Tierhalter nicht eintreten, ipemi'ÄL.Schaden durch ein Haustier verursacht ist. d.i^r^k^Deruse ,der Erwerbstätigkeit oder dem Unterhalte des Tierhalters zu dienen be­stimmt ist und entweder der Tierhalter bei der Beaufsichtigung des Tieres die im Verkehr er­forderliche Sorgfalt beobachtet oder der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgfalt entstanden fein würde.

Abg. Gabel (Rfp.) empfiehlt einen Antrag, die Bienen zu den Haustieren zu rechnen.

Staatssekretär Nieberding erklärt, die Re- glerurlz erkenne zwar die volkswirtschaftliche Be­deutung der Vienenzlicht an, doch bestehe die Ge­fahr, daß nach Annahme des Antrages Gäbel ein Widerspruch in die allgemeine Gesetzgebung kom­me, da auch in anderen Reichsgesetzen die Bienen nicht als Haustiere behandelt würden.

Nach unwesentlicher Debatte wird der Antrag Gäbel abgelehnt und die Vorlage angenommen.

Das Haus nimmt endlich noch den Gesetzent­wurf an, wonach Handlungsgehilfen in Krankheitsfällen ohne Abzug des Kran­kengeldes das Gehalt zu gewähren ist. Staats­sekretär Niebrrdiug hatte die Bestimmung lebhaft bekämpft

Mittwoch, 6. Mai, Wahlprüfungen. Petitio­nen.

Im Dunkeln.

Roman von Ernesto Selva.

Nach einet wahren Begebenheit erzählt.

64) (Nachdruck verboten.)

Gertrude machte dem jungen Mädchep ein 3eid)en, sich still zu entfernen und Karolina ge­horchte, indem sie den Finger an die Lippen drückte; leise schlich sie in ihr nebenan gelegenes Gemach und dachte bei sich: „Wahrlich, eine selt­same Hochzeitsfeier — wenn es Bei der meinigen nicht fröhlicher zugehen sollte, will ich lieber eine alte Jungfer werden."

Eine Stunde etwa mochte verflossen sein, An- giolina war doch eingeschlafen, die Mattigkeit hatte sie überwältigt.

Jetzt fuhr sie erschreckt in die Höhe. Gertrude betrat eben wieder das Gemach ihres Lieblings, sie hatte sich nur auf kurze Zeit entfernt, um drunten im Park, wo es gar bunt und lustig her­ging, zum Rechten zu sehen.

„Habe ich lange geschlafen?" fragte die junge Frau, die Locken aus der Stirn streichend und sich vorn Sofa erhebend.

„Nein, teure Angiolina, es ist noch vollkom­men Zeit zu dem Rundgang im Park, das Völk- djen drunten ist so vergnügt und läßt sich Speise und Trank vortrefflich munden."

„Denke Dir, Gertrude, ich habe von meiner Mutter geträumt." .

„Nun, das ist wohl natürlich, da Du doch heute gewiß mit verdoppelter Inbrunst den Se­gen der Verklärten erflehtest." .

„Ja, das habe ich. Und ich sah letzt im Traume ganz deutlich die teure Gestalt neben meinem Lager stehen, die Hände über mich brei­tend."

. Gertrude seufzte, aber sie sagte nichts weiter; jvir wiffen, daß sie mit der Heirat ihres Lieblings Lanz und Lar picht einverstanden wgr, doch Re

Die Jubelrufe und die letzten Musikklönge vermischten sich zu einem fröhlichen Brausen, das die Lust erfüllte.

Da schrillte plötzlich ein Schrei, wie ein greller Mißlaut dazwischen. Eine alte Frau, die bisher ganz still auf der untersten Stufe der breiten, abwärtsführenden Treppe gesessen, hatte diesen heiseren Schreckensruf ausgestoßen, welcher wie der unheimliche Ruf eines Unglücksvogels in die allgemeine Luft hineinklang.

Im nächsten Augenblicke aber und ehe die um­stehenden Leute die Absicht der alten Frau zu verhindern vermochten, stürzte sich diese der Braut zu Füßen und rief:

„Gnade — Vergebung, Marchesa Albina!"

Angiolina zuckte erschreckt zusammen und klammerte sich unwillkürlich an Olivers Arm fest, den sie freigegeben, um beim Herabsteigen nicht durch die Schleppe ihres. Kleides behindert zu sein.

Oliver, durch den störenden Zwischenfall pein­lich berührt, da er für die zarte Gesundheit An- giolinas fürchtete, packte den Arm der alten Frau und riß sie unsanft empor, ihr mit barscher Stimme gebietend, den Weg freizugeben.

Doch — da geschah etwas völlig Unerwartetes, Grauenvolles.

Die Alle, welche sich erhoben hatte, starrte Oliver eine Sekunde lang mit entsetzten Blicken an, dann sprang sie zwischen ihn und die zitternde Braut und rief mit dumpfer Stimme:

„Hinweg, Elender — ich leide es nicht, daß Du sie mordest — fort von ihr, oder ich schreie um Hilfe und zeige Dich den Gerichten an Antonio Pisani!"

Oliver taumelte zurück, wie vom Blitze getrof­fen, er war leichenfahl geworden.

Aber schon hatten einige der herzugesprunge- nen Diener die Alte gepackt und der Marche; e, welcher dem Brautpaare den Vorttttt gelastM hatte und mit den übrigen noch auf der Terraffe

DrmschcS Reich.

* Kronprinz Wilhelm vollendet heule sein 26. Lebensjahr.

* Reichskanzler Fürst Viilow traf Diens­tag abend von Venedig kommend wieder in Berlin ein.

* Die Vertagung des Reichstags, die am Donnerstag oder Freitag eintritt, wird nach neueren Bestimmungen nur bis zum 20. Ok­tober dauern.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 5. Mai 1906.

Der Präsident macht Mitteilung, daß der Abg. Schwabach <nl.) in Königsberg sein Mandat niedergelegt habe. ,

Dann werden einige internationale Abkom­men (Verbot der N acht arb e i t d e r Fra u en, Grenzregulierung mit der Schweiz und über das Zivilrecht) ohne erhebliche Debatte angenom­men.

Es folgte die erste Beratung über das Ab­kommen betr. das internationales Pri­vat r e ch t und zwar betr. Wirkung der Ehe auf Rechte und Pflichten der Ehegatten

Staatssekretär v. Schön empfiehlt die Annahme dieses am 5. Juni 1905 im Haag unterzeichneten Abkommens. Uebrigens seien die Arbeiten der internationalen Rechtskommission noch nicht er­schöpft. Sie beschäftige sich mit der Regelung des Konkurses, des Erbrechts und des internationa­len Wahlrechts.

Nachdem sich Abgeordnete aller Parteien für die Bewilligung der Vorlage ausgesprochen haben, wird dieselbe angenommen.

Es folgt die zweite Lesung des Gesetzes betr. die Postdampfschiffsverbindungen mit überseeischen Ländern.

Die Vorlage der Regierung verlangte bekanntlich eine vierwöchentliche Verbindung zwischen Japan über Neu-Guinea nach Australien. Dafür sollten dem Norddeutschen Lloyd 500000 Mark an Zuschuß gezahlt werden. In der Kommiffion hatten Zentrum, Svzialdemokrratie und Wirtschaftliche Vereinigung die Vorlage mit Rücksicht auf die Finanzlage des Reiches abgelehnt, sie wurde aber von der Blockmehrhett ange­nommen. — Heute hatte dieWirtschaftlicheVer- einrgung einen Abänderungsantrag eingebracht, wonach eine Verbindung zwischen Hongkong und Neu- Guinea, sowie Australien und Neu-Guinea geschaffen werden soll. Dafür soll der Lloyd nur eine viertel Million haben — Ferner liegt ein sozialdemokratischer Antrag vor, betr. ausreichender Bemannung der Lloyd- dampfer mit weißen Mannschaften.

Graf Kauitz (kons.) bedauert, daß es nicht möglich gewesen fei, die Vorlage in der Kommis­sion zu Fall zu bringen. Der Lloyd habe bereits 100 Millionen Subvention erhalten. Redner stimmt für den Antrag der wirtschaftlichen Ver­einigung.

Abg Hvrinann (Frs.) sagt, die linksliberale Fraktionsgemeinschaft sei mit der Vorlage einver­standen. Die Zuschüsse würden nicht im Interesse einer einzelnen Gesellschaft, des Lloyd, sondern im Interesse der Förderung von Handel und In- dustrie bezahlt.

Abg. Noske (Soz.) bemerkt, daß man meinen könnte, als habe Abg. Hormann nicht als Vertre­ter des deutschen Volkes, sondern des norddeutschen Lloyd gesprochen. Abg. Hormann stellte Handels- intereffen in den Vordergrund, während die Re­gierung selbst solche nicht als maßgebend betone. Das Reich habe nicht die Pflicht, in so kostspieliger Weife die Kolonien zu unterstützen.

Staatssekretär Demburg erklärt, die halbe Million werde später Bei der Zahlung an die Neu- Gninea-Compagnie erspart werden. Es handle sich darum, die Konkurrenz zwischen Austtalien und Neu-Guinea aus dem Felde zu , schlagen. Würde die Vorlage aBgelehnt, so würde diese Linie eingehen und die deutsche Flagge in diesen Ge­wässern verschwinden.

Abg. Liebermann (wirtsch. Vgg.) empfiehlt die Linie Australien-Neuguinea-Hongkong; es Blie­ben Bei diesem Anträge alle Linien bestehen, die schon befahren werden.

erkannte auch die guten Eigenschaften Linstons an und hatte sich in das Unvermeidliche gefunden. Schnell half sie jetzt Angiolinas Toilette in Ord­nung bringen und befestigte aufs neue den Schleier in den Locken der Braut. Plötzlich rief sie:

„Ach, was ich doch für eine vergeßliche Person Bin! Hast Du denn schon dasGeschenk des Bräu­tigams gesehen, mein Herzchen?"

„Nein", erwiderte Angiolina erstaunt, „mir hat Oliver nichts übergeben."

„Auch mir nicht, denn ich konnte ihn nicht er­matten, weil Dein Vater mich abrief, aber Ma­rietta sagte mir, daß er da gewesen sei und auf dem Toilettentisch etwas niedergelegt habe — warte — hier — richtig, da liegt es, ein weißes Päckchen, es trägt Deinen Namen."

Damit reichte sie Angiolina das Paket Bin. Von mädchenhafter Neugierde getrieben, löste diese die Papierhülle und sagte, voll Bewunderung de» Schmuck betrachtend:

„Ein Kreuz — wie einfach und schön!"

„Es ist ein Familienkleinod", meinte Ger­trude, „Doktor Linston sprach mir davon."

„Dann ist es mir doppelt lieb."

„Willst Du es nicht anlegen, mein Täubchen?" „Ja, Du hast recht, Gerttude, befestige es an

der Perlenkette, es ist das nur eine schuldige Auf­merksamkeit für den Geber."

Gerttude tat, wie chr geheißen, und bald prangte das goldene Kreuz am Busen der Braut.

Gleich darauf begab sich Angiolina in Beglei­tung Gertrudens in den Gartensaal, wo man ihrer schon mit Sehnsucht harrte, um den Rund- gang im Park zu machen.

Aller Blicke hefteten sich auf die anmutige Er­scheinung der Braut, deren schlanke Gestalt das schwere reiche Brokatkleid in reichen Falten um­wallte. Hals und Arme waren entblößt, aber der

daß sie sich wohler fühle, während Karolina leb­haft rief:

„O, das ist prächtig, jetzt können wir uns doch selbst das Vergnügen machen, uns drunten an der Festtafel zu zeigen. Die guten Leute waren schon ganz Betrübt, daß sie die Braut nicht zu Gesicht bekommen sollten."

„Auch ich freue mich darauf", erwiderte An­giolina mit sanftem Lächeln und reichte Oliver den Arm, der sich ihr genähert hatte und sie mit stillem Entzücken betrachtete.

Dis Gesellschaft setzte sich in Bewegung. Der Marchese schritt voran, die muntere Karolina hatte sich an seinen Arm gehängt, dann folgte das Brautpaar und Graf Franconi mit Gertrude beschloß den Zug.

Als der Marchese draußen auf der Veranda erschien, gab er ein vorher verabredetes Zeichen und eine liebliche Musik ertönte.

Wie bezaubert von dem Anblick, der sich ihnen bot. Blieben alle einen Moment stehen. Es war aber auch wirklich etwas Feenhaftes, dieser, durch die farbigen Lampen phantastisch erleuchtete Park, in dem sich eine bunt geschmückte, fröhliche Gesellschaft himmelte. Das größte Gedränge herrschte bei den hell erleudjteten, weiß bedeckten Tafeln, wo die Erfrischungen serviert wurden.

Die Musik schloß mit einem rauschenden Tusch und wie durch Zauberschlag ward der Rasenplatz und die Terrasse durch bengalisches Feuer taghell erleuchtet.

Laute Jubelrufe ertönten aus der Volks­menge, alles drängte sich vor, um die Braut zu sehen, die, einem Engel gleich, die Marmorstufen herabfchwebte .von goldigem Lichte umsttahlt.

Der laue Nachtwind hob und senkte die beiden herabwallenden Enden des Schleiers, so daß es aussah, als ob leichte, Weiße Schwingen die holde Gestalt trügen.

blondgelockte Haupt schmückte der bräut- na’e Kranz, aus duftigen Orangenblüten gewun­den und von dem schneeigen Halse hob sich strah- I Ott n AnTSana “

hüllte züchtig die schönen Formen.

Der Marchese küßtt die Tochter zärtlich auf die Stirn, und -rückte seine Freude darüber aus,

g,--. lx^beraer (Ztr) er habe in seiner Rede I unwiderruflich fein. (Große Heiterkeit.) Wenn . N erklärt, daß er noch keine de- man solche großen Vorteile erzielt, ist es schon

ttnittte ^Stellung einnehmen könne; er stimme Mipnnr+in (.Reiter fett). In Preußen erklärt jetzt für den Antrag der wfttschaftlichen Veremr- 3ung, der den Rücksichten der Sparsamkett und Volkswirtschaft entspreche. Abg. Kanrtz habe nach der Deckung gefragt; auch ferne Parte: habe lebet Zeit die Regulierung dieser Frage geforbert. Auch bei ber Flottenvorlage unb bet der Veteranen­fürsorge sei die Deckungsfrage tn erster Rethe aufgeworfen worden. Der Antrag Liebermann genügt den Verkehrsbedürfnissen. Wenn singa- Pore einbezogen werde, würde die Linie Hongkonk berücksichtigt werden. Die Küstenschiffahrt könnte bester ausgestaltet werden bei der Annahme des Antrages Liebermann. Für Singapore brauchen wir die Subvention gar nicht. Der Warenver- kehr ist so bedeutend, daß ihn die subventtonterten Dampfer gar nicht bewältigen konnten, ^m näch­sten Etat haben wir Gelegenheit, die Gestaltung der Zufahrtslinien näher zu prüfen.

Abg. Molkeubuhr (Soz.) erklärt sich gegen dte Dampfersubvention; die deutsche Sck;:ffahrt set groß geworden ohne diese.

Abg. Gothein (ft. Vgg.): Der Abg. Hormann ist kein Beauftragter des Lloyd. Der Lloyd macht fein gutes Geschäft mit dieser Linie.

Staatssefretär v. Bethmann-Hollweg: Wrr wünschen die Annahme der Vorlage; wenn der Antrag Lattmann angenommen werden sollte, so wird der Bundesrat erst Stellung dazu nehmen