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AstalionrdruSund Verlag der Luldaer Ak- tiendruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. S.

35. Jahrgang

Fulda, Montag den 4. Mat 1908.

J\0 102

(*) Der Fall des Fürsten Eulenburg. Das Urteil im Münchener Hardenprozeß ist jetzt den Parteien zugestellt worden. Von der den Fürsten Eulenburg belastenden Aussage des Zeugen Riedel herßt es in den Gründen, daß sie den Eindruck unbedingter Glaubwürdigkeit macht, von der des Zeugen Ernst, daß die Art und Weise seiner Bekundungen jeden Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit ausschließe. Harden wurde vor dem Untersuchungsrichter als Zeuge in der Straf« fache „wider Fürsten Eulenberg wegen Meineid-^ vernommen. Die Vernehmung dauerte nur kurz«

ihrem Regierungsblatt ,Temps' einen sehr deut­lichen Wink nach Deutschland gerichtet und er­kennen lassen, daß man in Paris darin eine unfreundliche Handlung sehen würde. Jetzt will daS an sich allerdings nicht übermäßig zuver- lässige ,Berliner Tageblatt' wichtige Mitteilungen machen können. Danach würden die Gesandten tatsächlich empfangen werden, aber nicht in amtlicher Eigenschaft, sondern zu informatorischen Zwecken. Für Marokko würde daS eine sehr erhebliche Besserung der Lage bedeuten; denn daS erste Mal sind die Abgesandten Mulay Hafids in Berlin überhaupt nicht empfangen worden.

♦ Ueber den Mitglieberstand des Bolks- vereins Ende 1907 berichtet eine dem 7. Briefe des Arbeitsprogramms des Volksvereins bef'H gebene Statistik. Danach betrug die Gesamt- mitgliederzahl an dem angegebenen Termin 584278. Diese verteilt sich auf die einzelnen Provinzen bezw. Bundesstaaien wie folgt, wobei die eingeklammerte Zahl unter Zugrundelegung vom Jahre 1905 angibt, wieviel von je 100 katholischen Männern über 21 Jahre Mitglied deS Volksvereins waren: Rheinprovinz 208214 (20,7),Westfalen 129 292 (32,0),esse n-N assau 26101 (19,7), Hannover 24118 (28,5), Schles- wig-Holstein 1228 (16,1), Sach en 3 986 (7,7), Brandenburg 6 049 (7,0), Pommern 34 (0,4), Ostpreußen 339 (0,5), Westpreußen 1778 (0,8), Polen 181 (0,1), Schlesien 26 346 (4,1), Hohen- rollern 1266 (8,0), Bayern 87204 (3,4), Württemberg 30453 (18,7), Königreich Sachsen 4196 (8,5),‘ Baden 34,378 (12,2), Hessen 8614 (10,1), Sachsen-Weimar 1043 (29,6), Oldenburg 6363 (29,3), Bremen 595(17,7), Hamburg 1971 (25,7), Reichslande 28825 (8.8), Die Zunahme beträgt rund 59500. Der Mitgliederprozentsatz pro 100 Katholiken über 21 Jahre flieg im ReichSdurchschnitt von 10,3 auf 11,5. Eine be­deutendere Mitgliederabnahme hat nur das Reichsland Elsaß-Lothringen zu verzeichnen. In Hessen-Nassau betrug die Zunahme 921.

* Die «Deutsche Vereinigung". Die,Voss. Ztg.' berichtete dieser Tage, daß in Leobschütz der Gymnasialdirektor Dr. Holleck die Entdeckung gemacht hat, daß es „den nationaldenkenden Katholiken nicht mehr möglich sei, dem Zentrum zu folgen." Darar.fhin schreibt die freikonservative ,Post': „Hoffentlich nimmt die Deutsche Vereini­gung nun auch bald in Schlesien ihre Arbeit auf." Dazu bemerkt die ,Schles. Volksztg.':

Sie bestätigt damit den von vornherein für jeden Sehenden klarliegenden, von der deutschen Ver­einigung aber mit Fleiß immer verschleierten Charakter einer Antizentrumspartei. Das Zentrum muß und wird in Schlesien die An gen offen halten, beim es ist zweifellos, daß sich die deutsche Bereinigung den Wink der ,Post' nicht entgehen lassen und mit größerer Vorsicht, als sie es im Rheinland? getan hat, der Zentrumspartei Schwierigkeiten zu bereiten suchen wird.

(*) Ein charakteristischer Fall von prote­stantischer Unduldsamkeit wird auS Altona gemeldet. Dort soll ein besoldeter Senator (Magistralsmitglied) gewählt werden, ein Recht, daS in der Provinz Schleswig-Holstein der Bürgerschaft unmittelbar zusteht. Da hat nun einer der Kandidaten, Dr. v. Hausen mit Namen, das Unglück, Katholik zu sein. An Biertischen und in Vereinsversammlungen, so schreibt die ,Neue Hamb. Ztg.' (Nr. 194 vom 25. April),

Deutsches Reich.

△ Eine neue Diplomatenaffare. Die nor­wegische Regierung wollte den Gesandten in Berlin, v. Bitten, zum Nachfolger Nansens in London ernennen. Sie sah aber, so wird er­zählt, davon ab auf die dringende Aufforderung des deutschen Kaisers, Dillen auf dem Berliner Posten zu belassen. Infolgedessen wird der bis­herige erste Legationssekretär in London, Jrgens, zum dortigen Gesandten ernannt werden. Auch v. Bitten selbst wäre gern nach London gegangen, da die dortige Stellung als die höchste im diplomatischen Dienste betrachtet wird. Dem Kaiser Wilhelm mißfiel es aber, daß man die Versetzung von Berlin nach London als Beförde­rung betrachtete.

* Das Weißbuch über Marokko. Das Weiß­buch über Marokko ist dem Reichstage zugegan­gen. Die Aktenstücke, die es enthält, beziehen sich auf die Ereignisse, die sich seit der Beschießung Casablancas durch die Franzosen abgespielt haben.

a Die Teuerungszulage» wurden von der Budgetkommission dc§ Reichstags unver- ändert angenommen. Da an diesem Beschlüsse im Plenum wohl kaum noch etwas geändert werden wird, erhalten die unteren Beamten wie im Vorjahre 100 Mark, die mittleren 150 Mark. Anfgewandt werden dafür 23 Va Millionen Mark. Die Regierung hielt in der KommissionSberaiung unoerückbar an der Absicht fest, nichts über die Vorlage hinaus zu be­willigen, trotzdem daS preußische Gesetz über die Teuerungszulagen zum Teil weiter geht. Der Block unterstützte sie dabei geschlossen. Ein Antrag des Zentrums, auch die militärischen Stellen im Feldwebelrang bei der Militärverwal­tung als Unterbeamte anzusehen, wurde abge­lehnt. Auch ein Antrag deS Zentrums, den Wohnungsgeldzuschuß mit zu berücksichtigen wurde abgelehut und eine Resolution des Zen­trums, eine entsprechende Berücksichtigung der Teuerungsverhältnisse bei den in Reichsbetrieben beschäftigten Arbeitern eintrelen zu lassen, fließ auf schärfsten Widerspruch.

□ Deutschland und Marokkofrage. Eine der großen Fragen der gegenwärtigen Politik ist die, ob die Gesandten des Gegensultans Muley Hafid nach Berlin und London von der deutschen Regierung empfangen werden. Die französische Regierung halte am SamStag in

Meister wenigstens 24 Jahre alt sein. Abg. Irl (Ztr.) beantragt dazu, daß BLtrr über die Lehrzeit chrer Kinder tn ihrem Geschäft der Handwerkskammer Mtt- tetlunge» zu machen hätten.

Abg. Irl (Ztr.) begründet seinen Antrag und bemerkt: wir stimme« dem Gesetzentwürfe in der Fassung zu, in welcher er in derKommisfion angenommen wurde, nachdem der Staatssekretär in der Kommission erklärt hat, daß er unsere weitergehenden Anträge ablehnen und das Ge­setz sogar daran scheitern lassen werde.

Abg. Albrecht (Soz.): Die Tendenz des Ge­setzes ist eine Künstlerische und daher sind wir gegen dasselbe.

Nach kurzen Ausführungen der Abgg. Görke (»!.), Cuno (fr. Vp.), Rieseberg (wirtsch. Vgg.) und Korsanty (Pole) wird der Antrag des Zen­trums in unveränderter Fassung angenommen. Der Rest des Gesetzes wird ohne Debatte ange­nommen.

Montag: OstmarTnzulage, Maß- und Ge- Wichtsordnung, Teuerungszulage.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 2. Mai 1908.

Das Haus verwies zunächst die Uebersicht über die Einnahmen und Ausgaben der Schutzgebiete für 1905 an die Rech­nungskommission. . , t .

Abg. Erzberger (Ztr.) protestierte! dabet flß- gen die Gewohnheit, daß man so wichtige Rech­nungssachen dem Reichstage erst im letzten Augenblick zugehen lasse. Er protestierte weiter dagegen, daß man in der Kolomalverwattung anscheinend nicht viel für die Sparsamkeit übrig habe. So sei es vorgekommen, daß der General v. Trotha eine Gehaltserhöhung für einen seiner Unterbeamten telegraphisch nach Deutschland be­antragt hatte. Die Etatsüberschreitungen seien zum Teil ganz ungeheuerlich.

Das Haus setzte dann die Beratung der Schlußbestimmungen des Gesetzes über den Ver­sicherungsvertrag fort. Mit zur Bera­tung steht die Resolution der Kommission bete, gesetzliche Regelung des Pensionskasienwesens bei größeren industriellen Betrieben, sowie der sozial­demokratische Antrag Albrecht, der diese Re­gelung schon im Rahmen des vorliegenden Ge- setzes bewirken will.

Abg. Cuno (fr. Vp.) weist darauf hin, daß auch bürgerliche Volkswirtschastler sich keineswegs durch die glänzenden Zahlen, mit denen diese Kassen prahlen, blenden ließen. Redner tritt auch für eine Regelung des Verhältnisses zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern ein.

Abg. Hengsbach (Soz.) will auf alle die schö­nen Wohlfahrtseinrichtungen verzichten, die nur eine Wohlfahrtsplage seien. Allerorten werde das hohe Lied der Wohlfahrtseinrichtungen ge- {ungen. Tatsächlich dienten sie aber nur dazu, >ie Arbeiter dem Unternehmer vollständig zu überliefern.

Abg. Sachse (Soz.) meint, die Wohlfahrts­kassen fügten den Arbeitern schreiendes Unrecht zu. Sie beraubten die Arbeiter ihrer wenigen Groschen.

Abg. GieSberts (Ztr.) betont, die Zustände im Pensionskassenwesen seien unhaltbar. Wir hätten eine schärfere Stellungnahme der Regierung ge­wünscht. Mit der Tendenz uni) mit der Absicht des sozialdemokratischen Antrags sind wir durchaus einverstanden; wir können ihm nur nicht zu­stimmen, weil wir erhebliche Bedenken gegen Einzelheiten haben, und vor allen Dingen, weil wir es für wünschenswert halten, diese Frage bei der Gewerbeordnung geregelt zu sehen.

Der sozialdem. Antrag Albrecht wird sodann fiegcit die Stimmen der Sozialdemokraten abge» ehnt, das Gesetz mit den Resolutionen ange­nommen.

Es folgt die zweite Beratung des Gesetzent­wurfes über die Erleichterung des Wech­selprotestes. — Ein sozialdemokatischer An- lvag dazu verlangte die Festsetzung der Gebühren der Post für die Erhebung des Wechselprotestes.

Nach kurzer Debatte, in der Abg. Balzer (Ztr.) die Auffassung vertrat, man solle Wechsel unter oO überhaupt nicht zulassen, wurde die Vor­lage unter Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages angenommen.

Das Haus erledigte dann ohne Debatte in 3. Lesung endgültig die Vorlage über den Un- terstützungswohnsitz.

In 2. Lesung beschäftigte man sich dann mit der Vorlage über den kleinen Befähi­gungsnachweis.

Die Borlag« rotU das Halten von Lehrlingen nur den Meister« mit der Meisterprüfuna er­lauben. — Nach entern KommWorrSbeschluß soll dieses Gesetz keine Anwendung finden. Weiter sollen die

die in anerkennenswerter Weise gegen die Kon sessionShetze Front macht, wird immer und immer wieder geltend gemacht, Herr v. Hausen ser katholischer Religion und deshalb könne er in Altona nicht zum Senator gewählt werden, wenn er auch sonst noch so tüchtig sei. Inder Versammlung deS Kommunalvereins für den Norderteil durfte btt Lehrer Johannsen unter großem Beifall sagen, er wähle Dr. von Hausen nicht, weil er Katholik sei. Weiter betonte derselbe Redner, die Provinz Schleswig-Holstein sei leider bereits vom Ka­tholizismus durchseucht. In recht gewun­dener Weise mußte er dann diese Worte zurück­nehmen, als der Vorsitzende ihn unter sichtlichem inneren Widerstreben dazu aufforderte, allerdrngt gezwungen durch den in der Versammlung an« wesenden Stadtverordneten Stephan, der diese unparlamenlarischen Worte scharf geißelte und einen Widerruf verlangte. DaS genannte Blatt bemerkt dazu seinerseits:

.Nicht nur, daß die Worte des Herrn Johannsen eine grobe Ungehörigkeit in sich bargen, entbehren sie auch in jeder Weise der Richtigkeit. Bei der 1900 vo» genommenen Volkszählung würben in Schleswig-Hol­stein 1349 297 evangelische und dagegen nur 30 624 katholische Christen gezählt. Die letzte Volkszählung <1905) ergab, daß die Provinz 41227 Katholiken zählt, natürlich hatte die evangelische Bevölkerung im gleiche« Maße zugenommen. Bon einer kath oltsch etz Durchseuchung kann angeflchtS dieser Zahlen auch wohl der schärfste Gegner des Katholizismus nicht sprechen. Weiter wird fälschlich betont, in Gegenden mit überwiegend katholischer Bevölkerung seien evan­gelische Christen nicht in den Magistraten zu finden. Abgesehen davon, daß der WahlmoduS in der Provinz Schleswig-Holstein von dem in Altpreußen bedeutend abweicht, denn nur in unserer Provinz werden dft Mitglieder des Magistrats von der Bürgerschaft ge» wähtt, während in den übrigen Provinzen Preußens das Stadtv.rorduetenkollegium die Wahl deS Magi« straismllgliedcs in Händen hat, ist auch diese Be« hcmpttmg falsch. Der eklatanteste Beweis für die litt» Dichtigkeit dieser Behauptung ist wohl der, daß in bet schwärzesten Stadt Preußen-Deutschlands, Köln, der Oberbürgermeister Dr. Becker evangelischer Konfesstott war. Aber auch sonst ließen sich zahlreiche preu­ßische Städte mit weit überwiegender katho­lischer Bevölkerung nennen, in deren Magistrate» 2, 3 und4Mitgliederevangelischer Konsessfo» sitzen.-

Darin hat die ,Neue Hamb. Ztg.' recht« Wenn sie eine Enquete anstellen wollte Über bett Grab von Unbefangenheit, ber gerabe von katholischer Seile bei Anstellung ber Beamten bewiesen wirb, bann würbe sie erfahren, baß sie sich turmhoch über eine gewisse protestantische Unbulbsamkett erhebt. Sre würbe nicht lang« zu suchen brauchen, wenn sie katholffche Stöbt« auszählen wollte, in benen bie Zentrumsmehr« heilen freiwillig, ohne jebe Nötigung bazu, auch evangelische und israelittsche MitgÜeber in di« städtischen Körperschaften entsenben. Daß im- paritätische System ist eben bei ben Katholiken nicht zu finben.

m-

ien.

»Es ist eine sehr unangenehme Geschichte, baf ich vergessen habe, bas Brautgeschenk zu kaufen, nicht wahr?"

»Mir wenigstens erscheint es so —"

„Man könnte es übel auslegen?"

„Freilich wohl — mindestens als Mangel titt der gebotenen Rücksicht und Aufmerksamkeit."

Nun denn, vielleicht kann noch Rat werden, Sagen Sie mir, beste Fran Gertrude, ist es ge­stattet, ein — Familienkleinod zu geben, wenn dasselbe Wert hat?"

„Gewiß, Herr Doktor."

„So warten Sie — ich bin sogleich wieder hier," damit eilte Oliver ben Korridor entlang und betrat sein Zimmer.

Hastig öffnete er einen großen Reisekoffer, der in einer Ecke des Gemaches stand und warf Klei­der, Wasche, Bücher, die sich darin befanden, wilh durcheinander, um aus dem untersten Fach« einen ledernen Beutel hervorzuziehen. Nachdem er den Inhalt desselben auf den Tisch geschüttet hatte, musterte er die glänzenden Dinge, welche da zum Vorschein gekommen waren.

Ringe, eine Armspange, Schmucknadeln un)' ein massiv goldenes Kreuz mit einem ungewohnt lich großen wasserhellen Brillant in bet Mitt! hoben sich von dem weißen Marmor der Tisch­platte ab. Es war der Rest von den geraubten Schmucksachen, welche die Kassejtte enthalten' hatte, die von Oliver dem schurkischen Notar ab« gejagt worden.

denn die kleine goldene Schale, welche bestimmt gewesen war, dieselben auszunehmen, war leer.

Gertrude nahm sich vor, den Marchese danach zu fragen und eilte hinaus.

Im Korridor trat ihr Oliver entgegen, bleich und verwirrt, er hielt sie an und fragte besorgt:

»Wie gcht es ber Marchesina? Ich hätte so gern selbst nach ihr gesehen, aber die Zofe sagte mir, daß man jetzt nicht stören dürfe, da sie Toi- leite mache."

„Gottlob, es geht ja besser — aber könnten Sie mir vielleicht Auskunft geben, Herr Doktor, wo die Trauringe hingekommen sind? Der Herr Marchese wollte sie in die goldene Schale legen, die auf dem Betschemel steht, aber ich fand sie nicht darin."

„Ach, liebe Frau Gertrude, daS weiß ich Ihnen wahrlich nicht zu sagen, der Herr Marchese hat alles besorgt, ich habe mich um diese Dinge gar nicht gekümmert."

Gertrude lächelte. „Verzeihen Sie, wenn ich mir bie Freiheit nehme, zu bemerken, daß ein Bräutigam verpflichtet ist, sich um derlei Klenig- feiten zu kümmern, die den gelehrten Herren als gar umvichttg erscheinen mögen. Zum Beispiel sie stockte.

. Nun vollenden Sie doch Ihren Satz!"

„Wenn ich nicht fürchten darf, Sie zu belei­digen?"

„Aber wo denken Sie hin! Ganz im Ge» genteil, ich werde Ihnen sehr dankbar sein, wenn sie mich auf irgend einen Verstoß aufmerksam Machen."

„Dohl denn — Sie haben in Ihrer Sorge um däß Befinden Ihrer Patientin ganz verges­sen, Angwlina das Brautgeschenk zu übergeben.”

»DaS Brautgeschenk —" wiederholte er mecha­nisch — er war völlig verdutzt.

Eine kleine Pause trat ein.

»Es wäre hohe Zeit zur l

Wir wissen, daß der junge Arzt mit feinet Reise nach Italien auch den Zweck verbunden hatte, dem rechtmäßigen Besitzer baß geraubte Gut zurückzugeben. Er hatte den Betrag der fehlenden Juwelen, welche er ru seinem eigenen Nutzen belauft hatte, tn englischen BmrknoM zmMgeleat: der Tod des Notars und die litt- möaltckfert, die übrigen Nachforschungen anzu- ftellen, ohne sich selbst bloßzustellen, Hattert bik Absicht Wver« bis jetzt bereite!!,

" MAtzW folgt.)

„Aber ich habe nichts vorbereitet — Himmel — das habe ich ganz vergessen, warum haben Sie mich denn nicht eher daran erinnert?"

„Wie hätte ich auch ahnen können, daß Sie bei Ihrer großen Liebe zu Angiolina so etwas vergessen könnten!"

„Was kümmert sich ein Mann um dergleichen Tand!"

Gertrude zuckte bie Achseln. „Hm, in Ihrer Familie hat man hoch sicher auch Hochzeiten ge­feiert, ober bei Freunden und Verwandten, fo hätte der Brauch Ihnen bekannt fein müssen!"

Ein bitteres Lächeln spielte um die Lippen des Arztes — er gedachte des Elends, in dein seine Familie gelebt — sie hatten daheim nicht an Feste, Hochzeiten und Geschenke gedacht, wenn sie hungrig zu Bett gegangen waren.

Doch sich gewaltsam fassend, fragte er: „Was ist da zu nmchen? Bitte, Frau Gertrude, helfen Sie mir aus der Verlegenheit."

„Ja, wie Ware denn das möglich?"

»Kausen Sie schnell etwas Passendes und —"

Frau Gertrude konnte sich des Lachens nicht enthalten. Sie hatte zwar immer gemeint, daß der Engländer ein richtiger Bär sei, aber das war ihr denn doch zu arg. Erst vergaß dieser reiche Sonderling, ber Braut, die er anbetete, ein Hochzeitsgeschenk zu kaufen, und bann ver­langte er von ihr, daß sie eine halbe Stunde vor der Trauung in der fast läßlichen Hin- samfett der Villa Rionsro einen Schmuck herbei­schaffen sollte.

Unwillkürlich ihren Gedanken Worte gehend, sagte Gertrude:

„Hier etwas Paffendes kaufen — aber mein lieber Herr Doktor, da müßten die Rosen im Gar­ten mit Brillanten betaut sein — sonst wüßte ich nicht, wö ich in der Eile etwas hernÄnnn sollte!"

»Brillanten warten Sie einmal

, , Ouysr war ganz nachdenklich geworden und bstte die Hand an die Stirn gelegt, er schien zu MMeg, ,Mmt fragte er hastig r

Im Dunkeln.

Roman von Ernesto Selva.

Nach einer wahren Begebenheit erzählt.

62] (Nachdruck verboten.)

Bei dem Frühstück, dem auch der Diözesan von Sorrent beiwohnte, der später die Trauung vor­nehmen sollte, sehtte die Braut, was begreiflicher­weise bie festliche Stimmung trübte, man hatte tebod) dem jungen Mädchen bie möglichste Ruhe lassen wollen.

Jetzt freilich war der wichtige Moment gefönt- men, wo bte Brauttoilette gemacht werden mußte, ™^3!0lina nahm alle Kräfte zusammen, um nicht durch thr Unwohlsetn bie Festfreude zu sto- re» und überließ sich ben Händen ihrer Zofe, ob- wohl dir Schwäche sie zuweilen übermannte und lerchte Tchwindelanfälle sie nötigten, sich nieber- znsehen.

Fra« Gertrude befestigte ben bräutlichen Kranz und Schleier in den Locken der Braut und hatte Mühe, dabei ihre Tränen zu unterdrücken, so schwer war ihr bas Herz. Glich doch daS junge Mädchen tn dem weißen Gewände mtt dem blas- sen Gesicht und den geschlossenen Augen weit eher einer Toten.

Es war gut, daß die muntere Karolina, welche als Brautjungfer in rosa Seide gekleidet und mit Rosen geschmückt war und überaus reizend aus- sah, durch ihr Geplauder die ernste Stimmung verscheuchte.

Selbst Angiolina lächelte der Freundin $ä, diese ihr von den drei glücknchen Braut- fflQr?n erzählte, die gleich nach der Kirche aus der Hand -es Marchese die für sie bestimmte Aus- stattungssumme erhalten hatten.

x. fahrend dieser Plauderei hatte sich Gertrude W ^".^Terufen, tn den Gartensaal begeben, MN ach durch einen letzten Blick zu überzeugen, daß es auch an nichts fühle

b. entzündete eben di« Aftarferzen.

Ees WO in OrdstM, W huf hie Trastein^