35. Jahrgang.
Fulda, Samstag den 2. Mai 1908.
JW 101.
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verantw. Redakteur: Sari Schütte; für die Anzeigen:
I.P«ze»er t» Fulda.
* Dresden, 30. April 1908. In der s ä cht fischen Wahlrechtsfrage hat die heutige' Sitzung der Wahlrechtsdsputation eine gewisse' Klarheit gebracht. Nachdem sich nämlich abermals herausgestellt hatte, daß die National» liberalen geschloßen, die Konservativen in der Mehrzahl gegen die von der Regierung vorgeschlagenen Körperschaftswahlen sind, erklärte der Minister v. Hohenthal, daß er, wie bekannt, vor allem Reserven gegen eine Ueberflutung der Kammer durch die Sozialdemo« kratie verlange. Könne ihm die Deputation Reserven auf eine andere als die von der Negierung v o r g esch la g e n e Weise geben, werdeer zustimmen. Die Deputation sprach darauf die Ueberzeugung aus, daß der kürzlich von den Nationalliberalen und Konservativen eingesetzte Vertrauensausschuß nunmehr das vorbereitete Kompromiß mit der Regierung zustande bringe, derart, daß der Regierungswunsch bezüglich der Reserven erfüllt werde.
sprächm und kritisiert die Zustände der Privatpen- lionskassen besonders bei den großen industriellen Unternehmungen. _
Nach kurzer Erörterung rotto der Rest des Entwürfe» nach den Beschlüssen der Kommission unverändert angenommen.
Samstag: Wechselprotest, Tierhalterparagraph, Keiner Befähigungsnachweis usw.
Deutsches Reich.
*e Der Kaiser und Hill. Einer Korrespon- Venz zufolge soll der Kaiser den künftigen ameri- konischen Botschafter Hill zur Kieler Woche ein» geladen haben.
* Fürst Bülow, der gegenwätig in Venedig weilt, wird seine Heimreise am Montag antreten.
a. Ostmarkenzulagen der Reichsbeamten. Die Vorlage über unwiderrufliche Gehaltszulagen an die in den Ostmarken tätigen Reichsbeamten ist am Donnerstag vom Bundesrat genehmigt worden. Die Vorlage ist dem Reichstage zu- gegangen. Der Entwurf fordert die gleichen Betrüge für die Reichsbeamten wie Preußen sie seinen Beamten bewilligt.
* Zur Affaire Eulenburg. Gegen den Fürsten Philipp Eulenburg ist auf Grund der im Münchener Hardenprozeß erfolgten Zeugenaussagen die Voruntersuchung von der Staatsanwaltschaft beantragt und vom Gericht beschlossen worden, und zwar wegen Verdachtes des wissentlichen Meineids. Es handelt sich daber um die eidliche Aussage des Fürsten, keinerlei Schmutzereien getrieben zu haben, der die Aussagen der beiden Münchener Zeugen gegenüberstehen. Es hat sich vorgestern, da Fürst Eulenburg trank ist, eine Gerichts kommission nach Liebenberg begeben, um ihn zu vernehmen. Zugleich erfolgte die Untersuchung auf seinen Gesundheitszustand. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß Fürst Eulenburg nicht transportfähig, sondern sehr krank ist. Es wurde festgestellt, daß das Leiden schon seit Jahr und Tag besteht.
— Bankenquete. Die auf Veranlassung des Reichstages am Freitag einberufene Bankenquete wurde von dem Unterstaatssekretär Wermuth im Reichsbankgebäude eröffnet. Die Mitglieder der Enquete-Kommission waren vollzählig erschienen. Der Vertreter der Reichsverwaltung hob hervor: Die Grundpfeiler des deutschen Bank- und Kreditwesens, nämlich unsere Währung und die Verfassung der Reichsbank, müßte unverändert erhalten bleiben. Ebensowenig bestehe die Absicht, eine Trennung der deutschen Privatbanken in Effekten- und Depositenbanken herbeizuführen.
a. Die Dampfersubventionsvorlage wurde am Freitag in der Budgetkommission angenommen, und zwar mit 14 gegen 13 Stimmen. Die Mehrheit bestand aus der linksliberalen Fraktions- gemeinschast, den Nationalliberalen und den bei- dm konservativen Parteien. Da aber in der Aussprache, die vier Stunden dauerte, der konservative Sprecher, Frhr. v. Richthosen erklärte, daß er nur für seine Person sich äußern und abstimmen könne, so ist das Schicksal des Gesetzentwurfs im Plenum noch ungewiß.
△ Eia amerikanisches Botschaftergebäude. Die Aufnahme, die die Ernennung des amerikanischen Gelehrten Dr. Hill zum amerikanischen Botschafter in Berlin gesunden hat, hat die Re» gierung der Vereinigten Staaten veranlaßt, dafür zu sorgen, daß die amerikanischen Botschafter mit ihrem 70000 Mark Jahreseinkommen in Berlin nicht not zu leiden brauchen. Der Ausschuß des Washingtoner Parlaments empfiehlt dem Plenum die Annahme einer Gesetzesvorlage, nach welcher alljährlich eine Million Dollar für den Ankauf bezw. den Bau eigener Botschafts- und Konsulatsgebäude im Auslande aufgewandt werden follm. An erster Stelle wird die Errichtung eines eigenen Botschaftgebäudes in Berlin vorgeschlagen.
* Die Kämpfe gegen Simon Copper in Südwestaftika werden soeben in einer längeren Auslassung „von zuständiger Seite" behandelt. Danach hat der Hauptmann Grüner, der Führer der Expedition gegen Simon Copper den Ein- druck gewonnen, daß das Gesecht am 16. März für Simon Copper sehr verhängnisvoll gewesen ei. Er fei überrascht worden und es sei ihm nur ein kleines Quantum Futter geblieben, so- daß er nicht in der Lage fei, seine Bande und das Vieh zusammen zu hasten. Die nächste Frucht werde erst in etwa vier Wochen reifen. Einstweilen sei die Bande in kleinen und kleinsten Trupps in die Kalabariwüste zerstreut worden, und e- dürfe anzunehmen sein, daß Verabredungen über den nächsten Treffpunkt nicht getroffen worden seien, sodaß die Wiedervereinigung Schwierigkeiten machen dürste. Von deutscher Seste ist man dabei, in der Nähe von Noffob mit allen Mitteln Wasser zu beschaffen. Man hat sogar den Wünschelruten-Landrat von Uslar iugezogen, um Wasser zu finden AuS dem 93e= ruht geht auch hervor, daß die Frau CopperS gefangen genommen wurde.
** In der deutschen Kolonie Neu-Guinea (Polunefien) soll von englischen Goldsuchern Gold gefunden worden sein. Der Gouverneur habe den englischen Goldsuchern Schürfscheine
erteilt. Die Reichsregierung hat nicht dis Absicht, diesen Goldbergbau selbst zu betreiben.
f] Freundschaftspolitik. Warum die Wirtschaftliche Vereinigung für das Börsengesetz gestimmt hat, das verrät der landbündlerlsche Abg. Dr. Böhme in einem Marburger Blatte, worin er sagt: „Hing von der Annahme dieses Gesetzes daS Verbleiben des Reichskanzlers tn seinem Amte ab, wir wären auch zu größeren Opfern bereit gewesen." Die „Opfer", um die es sich hier handelt, mfiffen natürlich die deutschen Bauern bringen, die dem Bunde der Landwirte in der Frage deS Börsengesptzes getraut hatten.
* Die Maifeier in Berlin ist von den frei- organisierten Gewerkschaft«: durch Demonstrations-Versammlungen begangen worden. Die Beteiligung war kaum so stark als im vergangenen Jahre, trotz der großen Zahl der Ar- beitslosen. DieAussperrungs-Androhungm hatten die Mehrzahl der Berliner Arbeiter veranlaßt, den 1. Mai nur dort durch Arbeitsruhe zu feier, wo die Arbritgeder den Tag freigaben. Im ganzen fanden in Berlin 44 Gewerkschasts-Versammlun- gen statt, in den Vororten 35. Ueberall wurden gleich! ulende Resolutionen über den Achtstundentag und das Wahlrecht angenommen. Stach polzei- licher Feststellung feierten am diesjährigen l.Mai in Berlin 33,000 Arbeiter, darunter 2600 Frauen, im Vorjahre waren es noch 43,000 und im Jahre 1906 sogar noch 53,000 Arbeiter. — Im Lande ist der 1. Mai nach den bisher vorliegenden Mel- düngen überall bei schwacher Beteiligung ruhig verlaufen. Im rheinisch-westfälischen Industrie- Bezirke ist die Maifeier vollständig in's Wasser gefallen. _________________
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* Der Provinzialausschuß der rheinischen Zentrumspartei hat, wie üblich, zu den bevorstehenden Landtagswahlen noch einen speziellen Wahlaufruf erlassen, in Dem es heißt:
Im Anschlüsse an den Wahlaufruf der Zentrums- ftaktion des Abgeordnetenhauses betonen auch wir nachdrücklich die Notwendigkeit einer einschneiden, den Reform des Wahlrechts. Daß dieses Wahlsystem beseitigt und durchdasReickstags« wahlrecht ersetzt wird, muß das unablässige Bestreben der Zentrumspartei sein, welche schon im Jahre 1873 dafür eingetreten ist. Zu den früheren Gegnern, mit denen das Zentrum den politischen Kampf zu bestehen Hw, hat sich ein neuer Gegner gesellt: die unter dem Protektorat hoher amtlicher Stellen eigens zur Bekämpfung des Zentrums ins Leben getretene „Deutsche Vereinigung", welche die verschiedenartigsten Elemente in sich schließt. Schon der Name ist beleidigend für das Zentrum, weiches in den kerndeutschen Gebieten Preußens mit der ältesten deutschen und christlichen Kultur seine festesten Sitze hat. Die Deutsche Vereinigung hat es besonders darauf abgesehen, die katholischen Landwirte der Rheinprovinz dem Zentrum abwendig zu machen. Das wird vergebliche Mühe sein. Der rheinische katholische Bauer kann nicht einer Vereinigung folgen, deren Leiter an dem unseligen Gesetze mitgewirkt hat, durch welches der polnische Bauer von seiner heimischen Scholle vertrieben werden kann, auf der er mit demselben Rechte sitzt und an der er ebenso hängt, wie sein deutscher Standesgenosfe. Die Zentrumspartei wird bei den bevorstehenden Wahlen einen schweren Kampf zu bestehen haben, aber wir erwarten mit Zuversicht, daß, wie das Zentrum dem Ansturm der vereinigten Gegner bei der letzten Reichstagswahl siegreich widerstanden hat, es auch aus der bevorstehenden Landtagswahl in ungeschwächter Kraft hervorgehen wird, um, nachdem die Wasser der verhängnisvollen konfessionellen Hetze sich verlaufen haben, zum Heile des Vaterlandes in unserem öffentlichen Leben wieder den Platz emzu- nehmen, der ihm gebührt und den es so ehrenvoll ausgesüllt hat.
* Hanau, 1. Mai 1908. Im Wahlbezirk Höch st-Wiesbaden-Land stellte das Zentrum Den Weingutsbefitzer Hähn 1 ein - Hochheim, die Sozialdemokratie Genossen Dittmann-Frank- furt auf.
• Rheinprovinz. Für den Wahlkreis Duis- burg-Oberhausen hat das Zentrum den Postverwalter Alekorte als Kandidaten ausgestellt. Für Mülheim-Ruhrort ist Bergarbeiter Sauermana der Zentrumskandidat.
* Aus Schlesien. Die Vertrauensmänner der schlesischen Zentrumspartei haben sich über die meisten Kandidaten geeinigt, tt. a. sind folgende Kandidaten aufgestellt worden: In Neuenrode-Glatz-Habelschwerdt die bisherigen Abgg. Justizrat Dr. Porsch-Breslau und Amtsvorsteher Grisler-VolkerSdors, an Stelle des bisherigen Abg. Hartmann ist aufgestellt Pfarrer Richter-Altwaltersdorf; in Kreuzdurg-Rofenberg der bisherige Abg. Graf Ballestrem-Costau neben dem konservativen Kompromißkandidaten v. Prittwitz und Graffron; in Tarnowitz-Beuthen (Land) Graf Henckel von Donnersmarck: in Ratibor der bisherige Abg. Dechant Etanke-Hultschin: der polnische Kompromißkandidat ist noch nicht benannt. In Jauer-Bolkenhain-Landshut AmtS- vorsteher Demut - Dittersbach - Grüffautsch. In Pleß-Rybnik ist neben dem Zentrumskandidaten Rechtsanwalt Faltin und Freiherrn v. Reitzenstein als polnischer Kompromißkandidat RechtSanwalt Dr. Seyda-Kattowitz aufgestellt. In Kofel-Leob- schütz hat der „Patriotische Wahlverein" dem Zentrum Gegenkandidaten gegenüber gestellt.
Ausland.
* Oesterreich-Ungarn. Aus den verschiedenen Mitteilungen amtlicher und nichtamtlicher Aich, die über den gemeinsamen Ministerrat vom Donnerstag ausgegeben wurden, geht übereinstimmend hervor, daß die Beratungen über den kritischen Punkt der Offiziergehälter nicht hinübergekommen find. Es scheint auf der ungarischen Seite höchstens die Bereitwilligkeit voihanben zu sein, die Erhöhung vom 1. Januar 1909 ab zu befürworten, ein Zugeständnis, daß angesichts der Erklärungen der gemeinsamen Minister Frhr. v. Aehrenthal und Schönaich üt der österreichischen Delegation (Erhöhung schon für 1908) ungenügend ist. Die Verhandlungen sollen Mitte Mai fortgesetzt werden. Die Möglichkeit, eine Verständigung herzustellen, ist also noch nicht geschwunden. — Die Schwierigkeiten der Regierung werden um eine weitere vermehrt durch Den Donnerstag nacht plötzlich erfolgten Tod des deutschen Landsmann - Ministers Peschka. Der Minister, welcher tagsüber zahlreiche Konferenzen über die deutsch-böhmischen Angelegenheiten im Parlament hatte, besucht» abends ein Gasthaus und kam um Vil Uhr in seine Wohnung in der Josephsstadt. In Begriff, sich zu Bette zu begeben, stürzte er plötzlich tot zusammen.
* Vernichtung einer französischen Expeditionskolonne. Die vor Monatsfrist aus Mauretanien (dem westlichen Teil der Sahara vom Senegal nordwärts bis zum Süden Marokkos) eingetroffene Nachricht von der Ermordung des Haupt«' manns Repoux und der schweren Verwundung des Leutnants Schmitt sowie mehrerer Unteroffi«' ziere veranlaßte die französische Regierung, den Regierungskommissar für Mauretanien Oberster»' G o u r a n d mit einer Schar Kameelreiter nach Akjucht zu senden. Diese Kolonne konnte bisher ihr Ziel nicht erreichen. Da aber kein Augenblick zu verlieren war, die Verbindung zwischen Akjucht und Nuakschott zu sichern, wurde diese Auf«' gäbe zwei Offiziersstellvertretern und zwei Ser«' geanten übertragen, denen dreißig bewaffnete Kameelreiter zur Verfügung standen. Diese Abteilung geriet zwischen Akjucht und dem Hauptquartier der Mauren in einen Hinterhalt- Dem grauenhaften Gemetzel entging als einziger Franzose der eine der beiden Offiziersstellvertreter. Die Mauren zogen mit den 3 3 a u f g e- fpießten Köpfen der Gefallenen, den Waffen und der Kasse von 7000 Frank nach Nuakschott. Hierzu erfährt der Temps, daß die bis-' her franzcsenfreundlichen Stämme Mauretanien-, in vollem Aufruhr sind.
* Die Arbeiterkammer von Parma hat den agrarischen Generalstreik in der Provinz' erklärt.
* Zur Begrüßung Asquiths, des neuen englischen Premierministers, fand am Donnerstag zu London im Reformklub eine Sitzung von Vertretern der liberalen Partei statt. Der Premierminister machte keine Vor», schlüge bezüglich eines neuen Programms oder eines Wechsels in der Politik und in den Zielen der Partei. Sie solle den Grundsatz del Freihandels verteidigen und ihre Aufmerksamkeit der Erziehungsfrage und dem Schank st ättengeseh zuwenden. Asquith deutete an, daß bei Gelegenheit der Budgetverhandlungen als erster wichtiger Gegenstand dis Frage der Alterspensionen zur Beratung kommen werde. Die Home-Rule-Frage blieb unerwähnt.
* Gegen das deutsche Bagdadbahnunternehmen macht englischer Reid fort und for^ mobil. Im Unterhaus fragte am Donnerstag Sassoon (kons.), ob die Pforte irgend eine« Teil der erhöhten Zolleinnahmen ihrem Zwecks entfremden und zur Schaffung einer Kilometergarantie verwenden könne, die jetzt von Deutschland zum Zwecke der Verlängerung der Bagdadbahn angestrebt werde. StaatssekretärGrey erwiderte, alle aus den erhöhten Zollabgaben herrührenden Einkünfte seien entschieden für daß mazedonische Budget zu verwenden. Der Pforts stehe es daher nicht frei, irgend einen Teil dieser Einnahmen ander- zu verwenden.
* Aus Nordperfien kommen weiterhin schnmms Nachrichten. Der Stadthauptmann von Urmiq ersuchte den Stadthauptmann von TädnS telegraphisch um Hilfe, da die Kurden mehr aU 2000 Frauen und Kinder gefangen genyrnmen und grausam mißhandelt
Grstes Matt.
s. ■ - .... ■ -------"
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 1. Mai 1908.
DaS Haus begann die 2. Beratung deS Gesetzentwurfes bett. Aenderungen im Münz- «vesen.
Di, Regierungsvorlage sieht bekanntlich die Ein. Khrnng eines 2S-PfennigstückS, sowie die Erhöhung des EilbergeldbestandeS von 15 auf 20 Mark pro Kopf der Bevölkerung vor. — Die Kommst sum beantragt dazu künstlerischere Ausgestaltung der Münzen und eine handlichere Gestalt deS Fünsmark- stückeS. — Die Reichspartei beantragt außerdem eine Resolution zugunsten eines Dreimarkstückes. — Abg. v. Etrombeck (Ztr.» verlangt, daß aus den 25- Pfennigstücken der Reichsadler durch eine andere Darstellung ersetzt werde.
Abg. Mayer-Kaufbeuren (Ztr.) gab der Zustim« snung seiner Freunde zu allen diesen Anregungen Ausdruck, erklärte jedoch, daß die Süddeutschen zum Teil gegen daS 25-Psenuigstück ftimmen würden, weil sie daraus eine Erhöhung der Preise erwarteten. Auch der Wiedereinfllhrung der Dreimarkstücke werde ein Teil seiner Freunde zustimmen, da diese älteste ReichSsilbermünze sich großer Beliebtheit erfreue.
Abg. Dr. Arendt (Rp.) sagt, eS herrsche geradezu ein Mangel an Silbermünzen. Bei Lohn- zahlungen müßten schon vielfach daS Zehnmarkstück oder Papierscheine verwendet werden, die wohl in das Portemonnaie wohlhabender Leute paßten, ai>n nicht in den Geldbeutel des Arbeiters.
Abg. Orte! (ntlb.) spricht sich gegen die Wiedereinführung des Dreimarkstückes aus.
Abg. Singer (Sozd.) steht der Einführung des Lö-PsennigstückeS nicht sympathisch gegenüber. Die Wiedereinführung deS Talers habe absolut keinen Zweck.
Abg. v. Gamp (Rp.) meint demgegenüber, das Dreimarkstück werde die Lohnzahlungen außerordentlich vereinfachen. Er appelliert an den praktischen Sinn des Reichstages.
Abg. Hemring (kons.) ist ebenfalls mit der Wiedereinführung deS Talers einverstanden.
Abg. Kaempf (srs. Vp.) hätt es nicht für notwendig, das Dreimarffiück wieder einzusühren. Dringend gewarnt müffe werden vor einer übermäßigen Ausprägung von silbernen Scheidemünzen, köenn in einem zu schnellen Tempo Silbermünzen ausgeprägt würden, so gehe in demselben Tempo Gow nach dem Auslande, und wir bekämen Goldknappheit wie im letzten Jahre.
Abg. Raab (wirtsch. Vgg.) bittet um Einführung K>es Dreimarkstückes, das der Verkehr brauche.
Schatzsekretär Dr. Sydow erklärt, beim LS-Pfermig- stück solle dem reinen Säckel der Vorzug gegeben werden, weil daS reine Nickel härter sei als die Legierung, und weil es auf diese Weise möglich werde, der neuen Münze eine dünnere und dadurch leichter unterscheidliche Form zu geben. Es sei die Frage aufgeworfen, woher sollen wir das Silber nehmen, das für die Ausprägung der neuen Münzm nötig ist? Nach dem jetzigen Produktionsmaß werbe der Bezug des Metalls aus dem Jnlande auf SchwieriMten ftofcen, weil die gattze gegenwärtige Produktion überwiegend zu industriellen Zwecken reuvcnbet werde. Immerhin wolle er den Versuch machen. Die Talersrage sei aber keine prinzipielle Frage mehr, da ia daS Dreimarkstück nur noch als Scheidemünze in Frage kommt.
Abg. ». Strombeck (Ztr.) begründet seinen Antrag. Er plaidiert dafür, daß bei den Lö-Pfennigstückm b;->' Reichsadler durch ein anderer Hoheitszeichen ' r; tzt werde.
Schatzsekretar Dr. Sydow spricht sich dagegen aus, denn der Reichsadler sei das, was unsere Münzen im In- und AuSlande kenntlich mache.
Abg Mommsen (fr. Vgg.) hat ebenfalls Bedenken gegen oen Antrag. Man solle eS ruhig beim Alten beiassen. „ L ,
Abg. Kirsch (Ztr.) bedauert, daß der Schatz- kuetät keine klare Erklärung abgegeben habe, rote er sich zu der Frage der Einführung deS Drei- Markstücks stelle.
Damit schließt die Debatte. Der Antrag auf Einführung deS Drein.arkstückeS wird mit knapper Mehrheit angenommm. Der Antrag Strombeck wird abgelehnt. Angenommen werden die Resolutionen der Kommission und der Antrag bett, handlichere Form des Fünfmarkstückes. Im übrigen rv'.rd das Gesetz in der Kommisstonsfaffung angenommen.
ES folgt die zweite Lesung des Postscheckgesetzes.
Abg. Nacken (Ztt.) betonte, daß das Zenttum o einer gesetzlichen Regelung der Gebühr zum Jahre 1912 festhalte, da dir dahin die Sache alS <em Experiment aufgefaßt werden müsse. DaS Zenttum stehe auf dem Standpunkt, daß die Gebühren nicht zu hoch sein dürsten, daß fie aber die Mehrausgaben und den Ausfall der Post decken mußten; deshalb stimme eS auch gegen die frei- sinnigen Anträge, heute schon die Gebühr bei der Ueberschreitung von 600 Buchungen zu ermäßigen, zumal das nur den stärkeren Schultern (Waren- und Versandhäusern) nütze.
Abg. Kreth (kons.) sprach sich gegen den Post- Scheck überhaupt auS.
1 Die Abgg. Kamps und Mommsen (frs.) erstrebten namentlich«!» Verbilligung für die vielen Buchungen,
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■B’®T%t0SBSs m ---ach- »ertrag§. Die §§ 1-185 werden ohne Debatte “ WsES.).« »le moun-ta. Versicherung; diese jei ein Unfug, unter der Re solide Pre^e leide. Er verlangt ferner envcgtsche Maßnahmen gegen Schwinde - (für eine einmalige PrHme «roße Gupunen ver-