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Verantt». Redakteur:
Carl Schütt«;
für die «ureigen: Z-Parzeller in Zulda.
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wschmbellage: „Illustrierte Somüagrzeitung" Monatrbellag«: „Fuldaer Geschlchtrblätter" »«»,»«*<-----«-
Fulda, Mittwoch den 29. April 1908.
35. Jahrgang.
(Stiles Mlatt.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 28. April 1908,
Auf der Tagesordnung stehen Petition en. — Eine Anzahl Petitionen, darunter solche zum Münzgesetz und zum Automobilgesetz, wird von der Tagesordnung abgesetzt und soll später ber der Beratung der bezüglichen Gesetzentwürfe beraten werden.
Ohne Debatte wurden verabschiedet Petitionen über besseres Agentenrecht, über die Einschränkung der A l k o h o l e i n f uh r in Afrika, über die reichsgesetzliche Regelung des Apothekenwesens, über die Erleichterung der M a - növerlasten, über Unfallfürsorge für Feuerwehrleute.
Mehrere Petitionen auf Abänderung bezw. Aufhebung des § 175 des Strafgesetzbuches wird durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Angenommen wird dagegen eine Resolution, nach der 1. die Zivil- und Militärbehörden anzuweisen sind, den bestehenden gesetzlichen Vorschriften ohne Ansehen der Person un- nachsichtlich Geltung zu verschaffen, 2. bald möglichst durch gesetzliche Bestimmungen die Ausnutzung des Abhängigkeitsverhältnisses zu unsittlichen Zwecken unter erhöhte Strafe zu stellen, und 3. das Schutzalter auf 18 Jahre zu erhöhen.
Einige Petitionen auf Aufhebung der Fahrkarten st euer werden der Regierung als Material überwiesen.
Eine längere Debatte entspinnt sich über die Petition auf Unterstellung des Bühnen- und Chorperfonais unter das Invaliden-, ^ranken- und Unfallversicherungsgesetz.
Abg. Pfeifer (Ztr.) hielt eine viel beachtete Rede gegen die Ausbeutung des Bühnenpersonals durch gewissenlose Direktoren. Er wies auf die erbärmlichen Gehälter des Chorpersonals hin, unter denen die moralische Qualität der weib- lidhen Bühnenmitglieder leide und wünschte Vorlegung eines Theatergesetzes.
Die Petition wird zur Berücksichtigung überwiesen.
Zur Petition des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter betr. Errichtung von Knappschaftskassen in E lsaß-Loth rin gen Hegt ein Zentrumsantcag vor, durch gesetzliche Maßnahmen eine rückwirkende Kraft des Statuts i>er reichsländischen Knappschaftsvereine herbei- " führen.
Abg. Giesberts (Ztr.) weist die Schuld für eas Bestehen, der Uebelstände den Arbeitgebern und der Regierung zu. Die Unzufriedenheit in den reichsländischen Bergrevieren sei groß. Eine Anrechnung der int Bergbau geleisteten Dienstjahre mit rückwirkender Kraft sei nötig.
Abg. Emmel (Soz.) erklärt, die elsaß-lothringische Regierung habe in der Sozialpolitik vollkommen versagt. Das reichsländische Berggesetz hinke hinter dem preußischen Berggesetz her. Weiter polemisiert der Redner gegen die christlichen Gewerkschaften.
Regierungskommissar Halleh sagt, die elsässisch-lothringische Regierung habe das Ihrige getan, um trotz des Widerstandes eines Teils der Grubenbesitzer im Sinne der Antragsteller vorzugehen.
Abg. Behrens (wirt. Dgg.) führt aus, das Vorgehen der lothringischen Negierung habe besonders die älteren Bergleute und die Invaliden geschädigt. Außerdem habe die Regierung die Einrichtung gesonderter Knappschaftsvereine für einzelne Werke gestattet, iöie Regierung habe
sich einer fätoeren Unterlassung schuldig gemacht, indem sie von der Forderung eines allgemeinen Knappschaftsvereins abgestanden habe.
Abg. Erzbrrger (Ztr.) fordert für den Fall, daß die Landesregierung die vorhandenen Schäden nicht beseitigen wolle, eine reichs gesetzliche Regelung. Dem Abg. Emmel gegenüber verteidigte er die christlichen Gewerkschaften.
Abg. Will (Ztr.) wünscht Gleichstellung der reichsländifchen Bergarbeiter mit den altdeutschen. Man habe viel zu sehr die Wünsche der Arbeitgeber berücksichtigt.
Abg.. Sachse (Soz.) begründet einen Zusatz- antrag auf Einführung der geheimen Vertreterwahl für die Knappschaftsvereine.
Schließlich wurde die Petition zur Berücksichtigung überwiesen und der dazu vorliegende Antrag des Zentrums gegen Freisinnige, National- liberale und Konservative angenommen.
Mittwoch: Kleine Vorlagen.
Deutsches Reich.
* Der Schluß deS Reichstags wird, wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, wahrscheinlich schon am Mittwoch 6. Mai ober am 7. Mai stattsinden.
* König Gustav von Schweden wird am 31. Mai dem Berliner Hof seinen Antrittsbesuch machen.
* Die neue Felddienstordnung sollte nach einer Mitteilung der ,Mil. pol. Korr/ bisher noch nicht in die Hand der Trupp? gelangt sein. Wie uns demgegenüber mitgeterlt wird, ist sie jedoch schon vor einiger Zeit im Buchhandel erschienen und auch bereits in Dienstexemplaren zur Ausgabe gelangt.
* Obligatorische Fortbildungs - Schulen in Preußen? Rach den ,Berl. Reuest. Nachr/ schweben zwischen den beteiligten Ressorts gegenwärtig Verhandlungen über die Möglichkeit der gesetzlichen Einführung von obligatorischen Fortbildungs-Schulen in allen Orten mit mehr als 10,000 Einwohnern. Falls die Ent- scheidung dahin aussällt, daß die Frage schon jetzt durch Landesgesetz geregelt werden soll, wird eine entsprechende Vorlage zur Beratung für den kommenden Landtag vorbereitet werden.
„Der Freisinn für indirekte Steirern". Auf der Tagesordnung des Frankfurter Parteitages der Freisinnigen Vereinigung stand ein Antrag Dove-Mommsen über die Finanzretorm. Darin war gesagt, er müsse auch auf geeignete Verbrauchssteuern zurückgegnsfen werden. Damit war also die Bereit rvillm kett zur Annahme auch von indirekten Reichssteuern zugegeben. Der Antrag wurde in veränderter Gestatt, ohne den Hinweis auf indirekte Steuern angenommen. Daß aber der Freisinn tatsächlich willens ist, sich auch bei der „Reichsfinanzreform" um keinen Preis „ausschalten" zu lassen, solidem um des Blocke willen auch Steuern zu bewilligen, die er bisher verurteilt hatte, geht aus der ,Voss. Zto/ hervor, die in einer Polemik gegen die Sozialdemokratie aussührt, daß weder ausschließlich auf direkte, noch ausschließlich indirekte Steuern verwiesen werden könne. Eine zweckmäßige Finanzreform, die Hunderte Millionen jährlich ergeben soll, könne von einer Kombination verschiedener Steuersormen nicht absehen. Das Bestreben der bürgerlichen Linken iverde darauf gerichtet sein müssen, den Massenverbrauch der minderdemitt-l- ten Bevölkerung zu schonen. — Und wenn dies „Bestreben" keinen Erfolg hat? Dann wird
man eben auch die unbemittelte Bevölkerung belasten. — Für das Zentrum entsteht die große Aufgabe, da» nach Möglichkeit zu verhindern. Es gibt eine ganze Reihe von indirekten Steuern, welch« die besttzenden Kreise heranziehen, wir wissen von einem bekannten Zentrumsabgeordneten, daß er drei Profekle fertig auS» gearbeitet hat, um dem Reiche die erforderlichen Mittel zu geben, die für die Zukunft immer reichlicher fließen werden und die armen Volksschichten nicht belasten, eS handelt sich hier- bei um ein Mittelding zwischen direkten und indirekten Steuern. Für diese Projekte, großzügig angelegt, ist auch eine große Mehrheit im Reichs- tage sicher, sobald das Zentrum für dieselben stimmt.
= Der Fall Eulenburg. Fürst Eulenburg bat, wie aus München gemeldet wird, gegen die Zeugen Riedel und Ernst int Münchener Harden- prozeß Strafanzeige wegen Meineides erstattet. Hierdurch werden aber die Schritte der Berliner Staatsanwaltschaft gegen den Fürsten nicht beeinflußt werden. — Harden hat in seinem Prozeß Berufung eingelegt, nachdem das vorher auch schon von dem verurteilten Redakteur Städele geschehen war.
0 Die Wahlrechts-Reform in Braunschweig. Außer in Sachsen und Preußen arbeitet man auch int Herzogtum Braunschweig an einer Reform des Wahlrechtes. Die Zusammensetzung des braunschweigischen Landtages ist so absonderlich, wie sie sich wohl kaum in anderen Ländern findet: 48 Mitglieder zählt die Landesversammlung, 2 werden gewählt von den angestellten Geistlichen ber evangelischen Landeskirche, 4 von den Großgrundbesitzern, unter denen man aber nicht das zu verstehen hat, was man sonst Großgrundbesitzer an anderen Orlen nennt, sondern in der Mehrzahl Besitzer wohl arrondierter bäuerlicher Höfe (Rittergutsbesitzer gibt es nur eine kleine Anzahl), 3 von den Gewerbetreibenden, 4 von den wissenschaftlichen Berufsständen und 3 von den höchstbesteuerten Einkommensteuerpflichtigen, 30 Mitglieder werden durch allgemeine Wahl ernannt, 5 von den städtischen und 15 von den ländlichen Gemeinden. Diese 30 Mitglieder werden aber ja nicht direkt gewählt, sondern von den Wahlmännern, die aus den Wahlen bet Städte und Dörfer hervorgehen. Die staatsrechtliche Kommission des Landtages hat nun einen Bericht vorgelegt, der eS bezüglich der 18 be- rnfsständischen Vertreter beim alten lassen will. Die ganze Veränderung, welche die Kommission vorschlägt, soll darin bestehen, daß bei dm Urwahlen dieWähIerklassen anders wie bisher eingestellt werden, und zwar in ber Weise, daß die beiden ersten Klassen zusammen so viele Stimmen haben als die dritte, während bis jetzt jede Klasse gleichviel Stimmen hat, also die erste und zweite zusammen doppelt so viele wie die dritte. Die Zustimmung der Regierung zu dieser Aenderung ist sicher, sodaß bfc Vorlage Annahme finden wird. Es bleibt also bei der braunschweigischen Rückständigkeit.
** Meiningen, 28. April 1908. Die Staatsregierung erließ ein Rundschreiben, wonach die Gemeinden schon jetzt nach dem am 15. Mai in Kraft tretenden Reichsvereinsgesetze ver- sohren können. Dies Rundschreiben hat wegen ber Maifeiern Bedeutung.
* Karlsruhe, 28. April 1908. Nach den Zusammenstellungen des statistischen Landesamts
Im Kunkeln.
Roman von Ernesto Selva.
Nach einer wahren Begebenheit erzählt.
68] (Nachdruck verboten.)
Oliver Linston war dem ersten Wiedersehen öer Verwandten fern geblieben, teils weil die Klugheit es gebot, teils aus natürlichem Zartgefühl.
Erst beim gemeinschaftlichen Mittagsmahl, ws sich die stürmischen Gefühlswogen einigermaßen gelegt hatten, erschien Oliver im Speise- faal, um den Vetter seiner Braut zu begrüßen und dessen nähere Bekanntschaft zu machen.
Mit fcharfprüfenden Blicken maßen sich die veiden Männer.
Rafaello war im ersten Moment förmlich er- fchrocken durch den Anblick der häßlichen und miß. gebildeten Erscheinung des berühmten Arztes, der m wenig Wochen schon der Gatte des engelschönen Mädchens dort fein sollte, das bei dem Eintritte des Verlobten tödlich erblaßt war.
Nun ließ es sich zwar nicht leugnen, daß Oliver nach der heftigen Gemütsbewegung und der schlaflosen Nacht, noch unvorteilhafter als gewöhnlich aussah. Seine Äugen lagen tief in den Höh. len, die Stirn war gefurcht und um die färb- losen Lippen zuckte es wie eine Mischung von Schmerz und Spott.
Auch das Wesen des Engländers — für einen solchen mußte ihn ja Rafaello halten — war wenig einnehmend. Kühl und gemessen begrüßte Oliver Linston den jungen Grafen und blieb auch später einsilbig und verschlossen, als Rafaello, den Bitten seiner Verwandten nachgebend, von feinen Abenteuern zu berichten begann.
Es würde zu weit führen und den Gang unlerer Geschichte hemmen, wenn wir eingehend berichteten, welche Abenteuer und Gefahren der toll- Kihne junge Venezianer bestanden.
Mehr als einmal hatte er den Tod vor Augen gesehen und sich mit dem Gedanken vertraut gemacht, die geliebte Heimat nicht mehr zu er. blicken.
Die Erzählung aller Einzelheiten hatte genü- genb Gesprächsstoff für die nächsten Tage gegeben. Erst nachdem die Aufregung über das freudige Ereignis sich in etwas gelegt und man sich gegen- fettig recht gründlich ausgesprochen hatte, begann es dem jungen Grafen klar zu werden, daß sei- nes Bleibens hier nicht länger sei.
Der Marchese hatte den Neffen dringlich zur Hochzeit eingeladen, aber Angiolina schwieg dazu und blickte erbleichend zu Boden.
Rafaello, ber sie forschend betrachtete, verstand diese stumme Sprache, er gab dem Oheim eine ausweichende Antwort und verließ unter einem Vorwande das Gemach.
Seit dieser kleinen Szene hatte der Marchese seine Einladung nicht wiederholt; er bemerkte mit wachsender Unruhe die Neigung Rafaellos für Angiolina und wenn er auch nicht ahnte, daß diefe schon seit Jahren dem Vetter ein zärtliches Gefühl bewahrt hatte, so fürchtete er doch, daß die Herzensruhe der Tochter gestört werden könne und deshalb war es ihm lieb, zu hören, daß Rafaello erklärte, er müsse nach der langen Abwesen- yeit vom Hause durchaus heim nach Venedig reisen, werde aber wiederkommen, um an der Hoch- zeitsfeier teilzunehmen.
Oliver Linston jubelte heimlich auf, als rr da- von horte — nun konnte ja noch alles gut werden, wenn der Störenfried seines Glückes erst wieder abgeresst war.
. Die ganze Zeit hindurch hatte er Höllenqualen m Eifersucht ausgestanden und Angiolina, welche ihm ferne kühle Zurückhaltung und Förmlichkeit Rafaello gegenüber zum Vorwurfe machte, ahnte mcht, welche Uebertombung e8 Oliver kostete, in Gesellschaft des schönen interessanten Venezianers seine Selbstbeherrschung zu bewahren und nicht durch ein Wort, einen Blick zu betraten, was et fühlte und litt, wenn er bemerkte, mit welcher
Spannung Angiolina an den Lippen des Erzählers hing, wie sie abwechselnd errötete und erbleichte, ihre schönen Augen sich mit Tränen füllten, oder freudig aufleuchteten.
Der Unglückliche, Mißgestaltete, dem die Natur, ihm zur Qual, ein fühlendes Herz gegeben, das einer leidenschaftlichen Liebe fähig war, kämpfte Schmerz und Bitterkeit gewaltsam nieder, sich hinter der Mauer kalter Höflichkeit förmlich verschanzend. Olwer war zu stolz, um feine Eifer- sucht zu betraten, denn um alles in der Welt wollte er sich nicht noch lächerlich machen.
Es ließ sich nicht leugnen, daß seit der Ankunft des Grafen Tiepola zwischen den Verlobten eine Entfremdung eingetreten war.
Wo waren die schönen Stunden holder Vertraulichkeit, wo die Genesende am Arme des glücklichen Bräutigams sich im Gatten erging, wo sie ihm die Eindrücke schilderte, welche die Welt, in die sie eben erst eingretreten, auf sie machte, wo sie seinen ernsten Belehrungen andachtsvoll lauschte?!
Würden diese stillen köstlichen Stunden sich wiederholen? — Bange Zweifel erfüllten die Brust des Aermsten, der die Last feiner Häßlich- feit nie so bitter empfunden hatte, als der sieg- haften Schönheit Rafaellos gegenüber.
Und die Befürchtungen Olivers fällten sich erfüllen.
Auch nach Rafaellos Abreise stellte sich das frühere Verhältnis zwischen ihm und Angiolina nicht wieder her. Das gegenseitige Vertrauen war verschwunden und es wurde beiden gleich schwer, die Stolle Wetter zu spielen, welche das Schicksal ihnen einmal zugeteilt hatte.
Was hätte auch Angiolina ihrem Verlobten vertrauen sollen,? Daß sie Rafaello liebe mit der ganzen Jnmgkett und Glut eines keuschen Her- S. al ^Aen"wle des süßen Gefühls der .benulht ist — daß sie namenlos un- unb ir^dem sich fest entschlossen habe, dem ,Bräutigam das gegebene Wort zu halten und .somit die Schuld der Dankbarkeit »u begabten?
beträgt die hypothekarische Verschuldung im Großherzogtum Baden ttn ganzen rund zwei Milliarden Mark, da« find 88 Prozent bei Gesamtwert- deS liegenschastlichen Vermögens. Dabei darf freilich nicht unberücksichtigt bleiben, daß die festgesteltte Verfchuldungssumme höhe» ist alS in Wirklichkeit, da Diele Schuldenposte«, die noch heute in den Grundbüchern offen sieben, tatsächlich abgetragen, aber noch nicht gelßfdjt sind. Der Hauptteil der Verschuldung-summs (62 Prozent) entfällt auf die BerusSarupp« Gewerbe und Industrie, Handel und Verkehr: die Landwittschast ist mtt knapp drei Zehnt« an der gesamten landwirtschaftlichen Verschuldung beteiligt. Am größten ist die Verschuldung m den Städten, am geringsten in den Gemeinde» mit 4000—10« >00 Einwohnern. Hypotheken« gläubiger find in 50 Prozent aller Fälle Sparkassen, Gewerbetreibende und Kaufleute. Interessant ist, daß viele Landwirte selbst im Besitz von Kapitalien sind, die sie auSleihen: in 10 Prozent aller Fälle sind Landwirte alS Hvpo- thekengläubiger festgestellt worden, der Gesamtbetrag dieser Kapitalien bettägt 218 Millionen, gewiß eine stattliche Summe für unsere kleinbäuerliche Bevölkerung.
* München, 28. April 1908. Der Minister des Innern hat eine Entschließung an deq bayerischen Landwirlschastsrat erlassen, worin es heißt, es bestehe Grund zur Annahme, daß bäuerliche Landwirte mehr a!8 früher Grundstücks insbesondere Güterzertrümmerungen und Uebernahme von Anwesen, zu unverhältnismäßig hohen Preisen erwerben, wodurch sehr oft eine unverhältnismäßig hohe Verschuldung herbeigeführt werde. Der Landwirtschaflsrat soll erwägen, ob nicht, wenigstens vorerst, durch Belehrung der bäuerlichen Bevölkerung geholfen werden könne. DaS Ministerium bei Innern stellt Maßnahmen zur Eindämmung gewerbsmäßiger Güterzertrümmerungen in Aussicht.
Zu den Landtagswahlen.
— Die Wahlparole. Der,Vorwärts' entrüstet sich mal wieder in seiner bekannten Schimpfmanier über die „schamlose Verrätertaktik" bei Zentrums in der Wahlrechtsfrage. ES hat selbstverständlich keinen Zweck, dem .Vorwärts die Beweise vorzusühren, daß das Zentrum seit dem Jahre 1873 bei jeder Gelegenheit für di« Einsührung des Reichswahlrechts itz Preußen eingetreten ist, denn wenn er hehetz will, ist ihm bekanntermaßen jedes Ziel rech^ und überzeugen läßt er sich prinzipiell nicht, Roch im Jahre 1907 schrieb der „Genosse" Kauisky in der sozialdemokratischen ,Neuen Zeitt (Rr. 15):
„Das Zentrum ist die einzigegroße bürget liche Partei, die noch am allgemeinen Wahlrecht interessiert ist, die einzige, die noch erhebliche Massen von Proletariern und ihnen nahestehenden Schichten als freiwillige Kämpfer, nicht bloß als widerwillige Hörige hinter sich hat. Es kann nicht das allgemeine Wahlrecht ausgeben, ohne diese Klasse« aufzugeben. *
Selbst wenn das Zentrum nicht auit prinzipiellen Erwägungen, im Interesse der von ihm an erster Stelle vertretenen staatsbürge::lichen Gleichheit, für die Ueberttagung des Reichstag-- Wahlrechts auf Preußen einträte, so müßte e< dafür eintreten aus taktifcher Klugheit. DaH weiß natürlich auch ber ,VorwärtS'. Weshalb
Dies alles hätte Angiolina ihrem Verlobten sagen müssen, wenn Wahrheit zwischen ihnen berr< scheu sollte — doch sie schwieg — wie hätte sie auch gewagt, zu sprechen!
Wer ihre geröteten Augen und bleichen Wangen, die sanfte Schwermut, welche ihre Stirn um», wölkte, ihr träumerisches Wesen verrieten nur zu deutlich das Geheimnis ihrer Herzens.
Auch für Oliver war es längst keines mehr» und wäre er eines großen Opfers fähig gewesen, hätte er jene Großmut besessen, die sich selbst opfert, um das Glück eines geliebten Wesens zu begründen, so hätte er Angiolina freigegeben.
Dies jedoch kam ihm nicht in den Sinn, im Gegenteil, unter dem Vorwande, daß die Pflichten seines Berufes ihn nach London zurückriefen, bestimmte er den Marchese, den Hochzeitstag enb- giltig festzusetzen, was denn auch geschah.
Zur größeren Befriedigung Olivers war boft Venedig ein Schreiben Rafaellos eingetroffen, in dem dieser erklärte, daß er schwerlich in der Lags fein werde, zum Hochzeitsfeste Angiolinas in Sorten! zu erscheinen, da die Ordnung seiner ber- wrrrten Angelegenheiten ihn böllig in Anspruch nehme und seine Gegenwart in der Vaterstadt erfordere.
Der Marchese Rionero atmete erleichtert auf sEnd auch Angiolina, in ihr Geschick ergeben, war neue Kämpfe erspart bliebettf fte suhlte sich ohnehin müde und unglücklich.
Einsam wandelte sie durch die Gänge des Parkes, in Gedanken an den einzig Geliebten.
In zwei Tagen sollte sie Oliver Linston angetraut werden. Jetzt war sie noch frei, jetzt war ihre Liebe zu Rafaello noch keine Sünde.
Morgen schon sollte der feierliche Versprach statthaben, dazu kamen die Gäste, die luftige Freundin Karolina Franconi, und dann — ja. dann folgte die kirchliche Zeremonie
(Fortsetzung folgt)