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Zuldaer
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Hetation,druck«* Verla# der Fnldaer AP Seudruckerei le Fnldch Fernsprecher Ur. S.
JA 96.
Fulda, Montag den 27. April 1908.
35. Jahrgang.
klärt. Laß eine Operation keine Aussicht auf Erfolg verspreche und nur eine her Patientin zugefügte neue unnütze Qual sein werde."
_ »Ich weih, mein Oheim sprach mir oft davon während meines Aufenthaltes in Sorrent."
Endlich ist es dem Grafen Franconi, einem Freunde Les Marchese Rionero, geglückt, in London einen berühmten Spezialisten der Augenheilkunde zu einer Reise nach Italien zu bewegen, zum Zweck, die blinde Marchefina in Sorrent zit besuchen und sein Urteil über deren Augen abzugeben. Seltsamerweise fand die Londoner Berühmtheit Zeit, die Reise nach Italien zu unternehmen, ich war zufällig gegenwärtig, als dieser Doktor Oliver Linston zum erstenmale in der Villa Rionero erschien. Mei» Schwiegervater — damals durfte ich den Marchese so nennen — empfing den Engländer mit allen Ehren und lauschte einem jeden seiner Worte wie eine Offenbarung. A» einem der nächsten Tage erklärte der Arzt, daß er die Operation vornehmen werde, da dieselbe die Garantie der völligen Heilung biete. Nur begehrte er als Honorar für die gelungene Kur — hie Hand her Marchefina Rionero!"
„Unglaublich! Aber ging hcnn mein Oheim auf diesen Handel ein, gab Angiolina ihre Zustimmung dazu?"
»Ei, her Marchese würde ohne Bedenken sein Leben opfern, wenn er der Tochter damit dal Licht der Augen erkaufen konnte — er willigte in öte Bedingung oder in den Handel, wie Sie sich ganz richtig ausgedrückt haben, und ich wurde das Opfer."
„Das ist ganz unerhört!" rief Rafaello erregt
Die beiden Herren waren allein im Speisesaal und konnten daher ungestört sprechen. Der junge Graf vermochte sich nicht so leicht zu beruhigen, er versank in dumpfes Hinbrüten, dann fragte er auffahrend:
„Und was ist dieser Oliver Linston für eia Mensch? Wie ist sein AeußereS beschaffen -4 Charakter tz,"-
ö Zur Mobilmachung für die Land- tagrwahlen.
Eine durch die amtlichen KreiSblätter gehende Notiz hat an dem Wahlaufruf des Zentrums für dir Landtagswahlen allerhand auS- zusetzen. , . .
Schon her Termin der Veröffentlichung wird kritisiert. Der Aufruf sei „reichlich spät" erschienen, meinen die Kreisblätter. Indessen habe dal Zentrum keine Eile, denn es sei der Mehrzah seiner Mandate „ziemlich sicher".
Die Zentrumswähler tun gut, auf diese »ziemliche Sicherheit" sich nicht allzu sehr zu verlassen. Wir ziehen diesmal in den Wahlkampf unter eigentümlichen Verhältnissen. Weder von rechts noch von links haben wir diesmal erhebliche Wahlbeihilfen zu erwarten. Aber e i n he ringsum! Insbesondere dürfen die Zen- trnmswähler auch in „sichersten" Wahlkreisen darüber nicht im Zweifel fein, daß die amtliche Wahlmache pünktlich in Funktion treten wird, um uns Abbruch zu tun, soweit das irgend möglich ist. Bei der letzten Reichstagswahl verkündete Fürst Bülow selbst die Losung: Gegen das Zentrum und die Sozialdemokratie. Für den Landtagswahlkampf hat er bisher noch keine Wahlparole ausgegeben. Soll man daraus schließen, daß die Negierung dem Ausgang des Kampfes unbeteiligt zusehen will, daß sie insbesondere das Zentrum, wenn nicht unterstützen, so doch nicht bekämpfen will? Wir würden das für einen Trugschluß halten und neigen eher der Meinung zu, daß der Kampf gegen daS Zentrum im geheimen geführt werden wird, nachdem man mit dem offenen Kampfe bei her Reichstagswahl so wenig Glück gehabt. Es besteht doch kein Zweifel, daß z. B. die „Deutsche Vereinigung" von dem ganzen Beamtenapparat aufs nochdriickliclKe unterstützt werden wird und Fürst Bülow bat ja auch erklärt, daß er gewillt sei, die amtliche Wahlmache nötigenfalls noch intensiver zu betreiben, als es bei der letzten Reichstagswahl geschehen ist. Anzeichen liegen genug vor, die darauf hindeuten, daß die amtliche Wahlmache auch in sogen, bombensicheren Wahlkreisen versucht werden wird.
Die Zentrumswähler dürfen sich nirgends l n falscher Sicherheit wiegen lassen. Der Versucher geht um, Wachsamkeit ist drin» penbc Pflicht! Nur wenn alle unsere Freunde ihre Schuldigkeit tun, dann werden wir diesem Wahlkampf mit der gewohnten Siegeszuversicht rntgegensehen dürfen.
Um auf die Kritik der Kreisblätter an dem ZentrnmSwahlausruf zurückzukommen: Vor allem wird an dem Aufruf ausgesetzt, daß es keineswegs sclmrfe Striche seien, mit denen das Programm der Partei umgrenzt werde, man gewinne aus der Fasiung des Aufrufs den Eindruck, als habe die Parteileftmig keinen Stein auf den Weg wer- fen wollen, der das Zentrum doch wieder in das Negierungslager zurückführe. — Wir sind im Gegenteil der Meinung, daß der Aufruf wegen seiner sachlichen, ruhigen und zugleich kraftbewüß- ten Darlegung der politischen Lage im Lande überall den besten Eindruck gemacht hat, daß er darum auch den Eifer für die Wahlarbeit anzu- fachen geeignet ist, und das ist doch schließlich der Hauvtzweck eines Wahlaufrufs.
Der Aufruf, gibt ein Bild von dem Wirken des Zentrums im letzten Landtage und von den S ch w i o r i g k ei t e u, die aus den dortigen Par- tei Verhältnissen sich ergeben, um schließlich den Wählern die Notwendigkeit der Erhaltung einer starken Partei her Mitte ans Herz zu legen.
Bei den preußischen Landtagswahlen darf die neuere Blockwirtschaft im Reiche nicht aus den Augen gelassen werden. In Preußen
haben wir eine eigentliche Blockpolitik biß jetzt noch nicht; deshalb geht es auch daneben, w-nn man von einer „Rückkehr ins Regierungslager" redet. Mit den Angelegenheiten im Reich kann sich der offizielle Wahlaufruf für Preußen dem Herkommen gemäß nicht ausführlich befassen. Aber einen kurzen Hinweis hat sich her Vorstand der preußischen Zentrumsfraktion nicht versagt. ES heißt im letzten Absatz: „Auch die bevorstehenden Wahlen find deshalb wieder von einer sktzver- wiegenden Bedeutung, zumal unter den gegenwärtigen politischen Verhältnissen."
Hoffentlich wird dieser kleine Nebensatz überall richtig verstanden und gewürdigt. Starke Einflüsse arbeiten teils offen, teils versteckt auf das Ziel hin, die Blockpolitik auf Preußen zu übertragen. Der Wahlkampf bekommt diesmal einen bedeutend veränderten Charakter durch die Ermutigung, die der Liberalismus aus der Gunst des Blockkcmzlers und Mi- nisterpräsihenten geschöpft hat. Wenn es gelingt, die charakterfesten, christlich-konservativen Elemente zu schwächen, so gerät die Kirchen- und Schulpolitik unter liberale Einflüsse, und her bereinigte Liberalismus kann bann nach- holen, waS er bei der Erledigung des Schulunter- balttmgsgesetzes unter dem Druck der Flankenstellung des Zentrums den Konservativen nachgeben mußte.
Wenn der Schwerpunkt im Abgeordnetenhause sich nach links hin verschieben sollte, so ist ein starkes Zentrum erst recht notwendig, um das Gleichgewicht zum Heile her christlichen Interessen zu wahren. Dann muß das Zentrum erst recht für die ausgleichende Gerechtigkeit und den inneren Frieden wirken. So haben wir also Anlaß genug, gerade für diese Wahl von außerordentlicher Bebrütung den größten Eifer jju entwickeln. Wer den trefflichen Wahlaufruf nicht bloß mit Auge oder Ohr, sondern mit dem Verstand und dem Gemüt aufnimmt und geistig verarbeitet, der wird mit wahrer Begeisterung für die Zentrums- Partei etnfreten, die jetzt für uns und das Land n o ch v i e l n o t w e n d ig e r ist, als in den ver- floffenen Jahrzehnten.
Deutsches Reich.
*" Die neue Felddienstordnung, der eine kaiserliche Kabinettsorder vom 22. März d. I. vorgesetzt ist, und die sich schon seit Anfang vorigen Monats tm Druck befindet, ist — nach Mitteilungen an die „Mil.-pol. Korrespondenz" — bisher noch immer nicht in die Hand der Truppe gelangt. Nur die Generalkommandos und die Divisions- stäbe haben einzelne Exemplare erhalten. In her Armee schreibt man diese Verzögerung wiederum her Monopolisierung in her Herausgabe von Reglements und Vorschriften durch eine Berliner Privatfirma ju und erinnert an hie gleichen Erfahrungen, die vor Jahresfrist mit ben neuen Bestimmungen für hie Feldartillerie gemacht wurden.
* Die Wiedereröffnung der höheren Post- laufbahn. Die höhere Laufbahn der ReichSpost- und Telegraphenverwaltung ist, wie schon gemeldet, wieder eröffnet worden. Die Meldung zum Eintritt kann sofort erfolgen. Sie ist an die Oberpostdirektion zu richten, in beren Bezirk der Bewerber wohnt. Es ist anzugeben, in welchem Bezirk die Ausbildung gewünscht wird. Beizusügen ist Reifezeugnis, Lebenslauf und Gesundheitszeugnis, ferner der Nachweis der er- orderlichen Mittel für die Vorbereitungszeit. Es verden zunächst 60 Anwärter angenommen; zu befürchten ist aber, daß alle, die sich jetzt erst melden, zu spät kommen. Alle Plätze dürften
durch Protektionskinder, die sich schon vorher „vorläufig" gemeldet hatten, besetzt sein.
•* Sin zweite« lothringische« Armeekorps soll trotz mehrfacher Dementis errichtet werben. Tie geplante Neuformation wirb inbesien nach her „Mil. Pol. Korr." nicht vor her Bewilligung des neuen Septen nats hn Jahre 1910 zur Tatsache werden. Zu dem neuen Korps soll unter anderem auch die o9. Division treten, die in Colmar im Elsaß steht und jetzt zum 14. (badischen) Armeekorps gehört. Ferner dürsten zwei Infanterie- rejimenter auS Rheinland-Westtalen in den neuen Korpsverband überführt werden. — Eine ähnliche Neugliederung steht im Osten bevor. AuS der 37. Division (Allenstein), Teilen deS 2. (pommerschen) und 17. (westpreußffchen» KorpS und einigen Formationen, hie noch durch die HeereSoorlage von 1910 anzufordern find, soll ein neues Armeekorps geschaffen werden, hesien Generalkommando den S i tz in Allenstein haben wird.
□ Die Bekämpfung der Unsittlichkeit in Wort und Bild will sich her Reichskanzler Fürst Bü- I o w angelegen sein lasten. Auf die Eingabe des letzten deutschen Adelstages, in der die Notwen, digkett her schärferen Bekämpfung deS Schmutzes in Wort und Bild dargelegt wird, hat nunmehr Fürst Bülow geantwortet. Er versichert, daß die Bestrebungen, hie auf die Bekämpfung der Un- sittlichkeit gerichtet seien, seine volle Anerkennung fänden, und daß er gerne bereit sei, sie nach Mög. lichkeit zu fördern.
„Ob da« geltende Recht mit Rücksicht auf die bei bet Anwendung jener Vorschriften gemachte Erfahrung hn Jntereffe der Bekämpfung der llnsittlich- keit einer weiteren Ergänzung bedarf, wirb bei der bereits in Angriff genommenen Revision deS Strafgesetzbücher von neuem in Erwägung gezogen werden. Ich habe Anordnungen getroffen, daß die mit der Ausarbeitung eine# vorläufigen Entwurf? für ein neuer Strafgesetzbuch betraute Kommission von den Vorschlägen in dem Beschluffe bei 27. AdelstaqeS Mitteilung erhält. Einen durchgreifenden Erfolg der Bestrebungen, die auf eine Besserung der vorhandenen llebelstände hin sielen, kann ich mir Übrigens nur versprechen, wenn die Sffentliche Meinung sich mehr und mehr der schweren Schäden bewußt wird, die insbesondere der beranwachsenden Jugend ans der überhandnehmenden Unstttlichkett in Schrift und Bild drohen.-'
Hoffentlich vergeht nicht mehr allzuviel Zeit, bis dieStrafrechtsreform durchgeführt wird, damit den Behörden endlich eine bessere Handhabe gegen die professionelle Pornographie gegeben wird.
---- Der deutsche HandlungSgehilfen-Berband hält in diesen Tagen seine diesjährige General- Versammlung in Leipzig ab. Die Verhandlungen begegnen diesmal einem größeren Jntereffe, weil voraussichtlich die Frage der Verschmelzung deS Verbandes der deuffchen Handlungsgehilfen mit dem deutsch • nationalen HandlungSgehilfen- Verband endgültig gelöst werden wird. Wie bekannt, ist man in Kreisen der Leipziger Handlungsgehilfen vielfach mit dem Gedanken einer Verständigung zwischen den beiden Verbänden auf einen Widerstand gestoßen, schon auS dem Grunde, weil der deutsch - nationale HandlungS- gehilsen-Verband den bekannten JudenauSschluß- Paragraphen hat und der Frauenarbeit im Hand- lungSgewerbe schroff ablehnend gegenüberstrht.
* Der Teegenuß im deutschen Heere soll, wie die Mil.-pol. Korrespondenz erfährt, auf Anregung des Kaiser- hin noch mehr als bisher gefördert werden. In vielen Kanttnen, besonders >ei den Garderegimentern, wird Tee schon lange regelmäßig abgegeben und von den Leuten gern getrunken. Die neue Felddienstordnung trägt den kaiserlichen Bestrebungen in diesem Sinne
jetzt dahin Rechnung, daß sie die AuSgab, vor» Tee (neben dem Kaffee)' durch die fahrende» Feldküc^n auf langen Märschen als „ratsam* bezeichnet. Nach den letzten Statistiken war der Teeverbrauch in Deutschland — mit V< Pfund auf den Kopf der Bevölkerung (gegen 61/« Pfund in England) — sehr niedrig.
. . Die zwei ältesten Söhne be8 verstorbene« Prinzregenten Albrecht von Braunschweig habe» beide auf den Prinzenttlel verzichtet. Prir» Joachim Albrecht, der vor einigen Wochen ander Armee ausschied, hat Berlin verlassen und sich auf eine Automobilreise durch Italien und Frankreich begeben. Seine Päffe find ihm aus den Namen eines Grafen von Camenz au-gestellt worden, als solcher will er auch leben. Sei» Bruder, Prinz Heinrich, hat fich zum dauernden Wohnsitz in Florenz al- Frhr. v. Rogau-nieder» gelassen. Frhr. v. Rogau trägt sich mit bet Absicht, zum katholischen Glauben zurück« zukehren. Er hat schon während einer längeren Krankheit in Berlin in einem bekannten Sani« torium fich dahin ausgesprochen, und inzwischen auch bereit- Konvertitmunterricht empfangen.
ui. Magdeburg, 26. April 1908. Heute trat hier der preußische nationalliberals Parteitag zusammen, um zu den preußisches Landlag-wahlen Stellung zu nehmen. Die na» lionalliberalen Abgeordneten, auch Nichtpreußesi, waren fast alle zur Stelle. Bei der Begrüßung-« feier am SamStag abend meinte der Reichstag-« abg. Basserrnann, der Parteitag trete untes glücklichen Auspizien zusammen. Im Reich-lagS sei es dem Liberalismus gelungen. Erfolgt zu erzielen. Er freut sich vor allem, daß daß Zentrum nickt mehr Trumpf fei. Diß letzten Erfolge tm Reichstag, Börsengesetz un| Vereinsgesetz, zeigten, daß e- nur de- Zusammen« wirkens de- geeinigten Bürgertums bedürfe, uni Erfolge zu erzielen. Am Sonntag wurde zu« nächst der Wahlaufruf zu den Landtag-^ wählen nach langen Erörterungen festgesetzt. In ihm wird der Zuversicht Ausdruck gegeben, daß für Preußen die Zeit einer freiheitlichere« Gesinnung herannahe. AIS Aufgabe de- National« liberaliSmuS wird eine noch schärfere Bekämpfung der großpolnischen Agitation bezeichnet, sowie eht tatkräftiges Eintreten für eine tiefgreifende Sozial« Politik und für weitere Volksbildung. Nach- drücklichst soll eine Reform de- LandtagSwahl» rechts gefordert werden. DaS ReichStagSwahl« recht soll jedoch nicht eingeführt werden. Die Neueinteilung der Wahlkreise wird entschiedest verlangt. Bei der Reform deS Wahlrechts wird nicht nur Bewertung der Steuerleistungen, sondern auch die Heranziehung ideeller Momente gefordert, sowie direkte und geheime Wahl. Aba. Friedberg, der erste Referent, pries die Block« Politik in allen Tönen und schob den Konservativen die Schuld zu, daß in Preußen so wenig erreicht worden sei. Mit dem Enteignungsgesetz sei der Regierung eine starke Waffe in die Hcmd gegeben worden. Eine eigene Mittelstandspartei sei überflüssig.
* Die christlichen Gewerkschaften und bet Sprachenparagraph. In ben Kreisen her christlichen Gewerkschaften ist man sehr ungehalten über ben Abg. Behrens (christl.-soz.) her in her Abstimmung über has Vereinsgesetz für ben § 7 fein« Stimme abgegeben hatte. In ben letzten Tagen hielt nun bet Ausschuß des Gesamtverbandes her christlichen Gewerkschaften in Düsseldorf eine Sitz-, ung ab, um Stellung zum Reichs-Vereins gesetz
Irn Dunkeln.
Roman von Ernesto Seloa.
Nach einer wahren Begebenheit erzählt.
66j (Rachdruck verboten.)
„O, ich nehme Ihre Einladung mit Vergnügen an, und gebe Ihnen bie Versicherung, baß ich derselben Ehre machen werde."
eure Stunde später saßen die beiben Lands- leule^bor einem wohlbesetzten Tische in hem Heinen ^pusesaal des Hotel de l'Europe und spra- r^hstuck mit gutem Appetit zu.
Als her Hunger gestillt und die Speisen abgetragen worden waren, entzündete Rafaello eine Stgarrc, und sich behaglich in ben Sessel zurück- lehnenb, sagte er, ben Neapolitaner forschend an- blickend:
TA Frage, welche ich an Sie stelle, betrifft das Ergehen zweier mir teurer Personen, die Ihnen gewiß bekannt fein werden, denn wenn mein Oheim auch in Sorrent die meiste Zeit des .3ubringt, so besitzt er doch auch einen Palast tn Neapel an der Riviera bi Chiaja —" »Sie meinen ben Marchese Rionero?" »In der Tat — Sie kennen ihn?"
„Ob ich ihn fenne 1 Ich erriet schon vorher, dis Sie mir Ihren Namen nannten, daß Sie her verschollene Neffe seien, um dessen Schicksal man kehr besorgt war, und heften glückliche Heimkunft »nan kaum mehr erhoffte."
„Nun, es fehlte auch wahrlich wenig und bie »hlben hätten mich verspeist. Das Mitleid eines n Kaffernmädchens und mein Talent, flechten, retteten mir das bedrohte cvt. .Wer wenn es Sie intereftiert, erzähle ich ES andermal von meinen Erlebnissen, jetzt ßnfel aIItm tz°ren, wie es dem guten dJlina UnA Ener lieben Kousine An- r c „M6« all die Zeit her." «lyMe 'befand letztemal in Sorrent be- LÄUr-velSS-en sich beide vortrefflich."
„Und ist dies schon lange her, wenn ich fragen darf?"
„Es werden jetzt drei Monate fein; ich weiß es so genau, weil ich eben infolge dieses letzten Besuches meine Reise antrat.“
Sanfont hatte bie letzten Worte so stark betont, daS sein Gast ihn verwundert und fragend anblickte; jetzt fuhr er achselzuckend fort:
„Sie verstehen mich nicht und das ist ganz natürlich, da Ihnen her Umstand unbekannt ist, daß Angiolina meine Braut war."
Rafaello stieß einen dumpfen Schrei aus, fein Antlitz bedeckte Leichenblasse.
Auch Amadeo beobachtete schweigettd die Wirkung dieser Mitteilung. Endlich schien sich her junge Graf gefaßt zu haben, mit einem leichten Nicken des Kopfes sprach er:
„Also Angiolina ist Braut, hm — es verändert sich eben alles im Lause her Zett und wenn jeglich Ding dem Wechsel unterworfen ist, warum sollte ein Mädchenherz — schwach und gebrechlich — eine Ausnahme davon machen? — Der Abwesende wird bergeffen, endlich wirst man ibn zu ben Toten und wendet sich dem Leben, der Freude zu. Nun, das muß niedergekämpft werden. Angiolina Braut und gerade Sie sind der erste, den ich traf, als ich wieder europäischen Boden be- P;“-~ Sie, ihr Bräutigam! — Wie seltsam fich bre gäben her menschlichen Schicksale kreuzen, zu einem Gewebe fich hereinigenb."
„£), das ist noch lange nicht das Wunderbarste an der Sache!"
»Wie meinen Sie daS?"
„Darf ich offen sprechen, ohne fürchten 8ti müssen, daß rch Sie verletze?"
„Meine Natur ist offen und ohne Falsch, jede Heuchelei, lebe Lüge, sind mir vechaßt. Sie werden mir nur etnen Dienst erweisen, Herr San» tont, wenn Ste als Mann zum Manne, daS heißt, offen und ohne Schonung, ohne Umschweife reden. WaS soll ich denn noch erfahren?"
«Nun denn, ich sehe, daß meine Mitteilung v-rhin Sie schmerzlich berührt hat, daß Sie An-
giolina mehr geliebt haben als eine Verwandte, daß Sie Hoffnungen gehegt haben, die bie Zukunft erfüllen sollte."
„Ich leugne es nicht."
„Wohl denn, ich bin in der Lage, mich am besten in Ihr Fühlen und Denken zu versetzen, baut Sie sehen in mir einen Mann, gegen ben her Marchese, Ihr Oheim, wortbrüchig geworden, — um kurz zu fein, Sie sehen ben abgebanften Brauitgam Ihrer Kousine vor sich —. wtr sind in gewissem Sinne Leidensgefährten."
„Wär'8 rnöglichl"
„Leider ja, ich bin eben auf Reisen gegangen, um nur bie GeschWe aus bem Kopfe zu schlagen." . »Ihre Worte in Ehren, Herr ©antont, aber es wird mir doch unendlich schwer, denselben Glau- den zu schenken. Meine Kousine, ein Engel an Unschuld und Reinheit, sollte ein leichtfertiges efctel mit Ihrem Herzen getrieben haben? Eine Kokette zu werden, daran hätte wohl schon ihr Ge» brechen das arme blinde Mädchen gehindert."
„Ich habe auch nicht behauptet, daß Angiolina mir die Treue gebrochen hat."
„So hatte der Marchese irgend ein Vorurteil gegen diese Verbindung?"
„Gerade er war es, welcher dieselbe besänftigte."
„Erklären Die mir —"
„Hören Sie mich ruhig an. Ihre Verwandten find bie Beute eines Menschen geworben, her, trenn er nicht ein Charlatan ist, was ich Grund habe, anzunehmen, jedenfalls doch ein völlig gewissenloses Subjekt ist. Mit kalter Berechnung hat er einen unerhörten Preis für eine Leistung begehrt, die einfach zu feiner Berufstätigkeit gehört"
Da Rafaello ihn erwartungsvoll und in äußerster Spannung anblickte, fuhr Santoni nach einer Pause fort:
„Sie werben ja wisscki, daß her Marchese Rionero fein Mittel unversucht gelassen hat, um seiner unglücklichen Tochter bas Augenlicht zurück- jugebejt, Bis jetzt haben bie Aerzte einstimmig er