35. Jahrgang.
Fulda, Samstag den 25. April 1908.
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Drittes ?Matt
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Elektrische Laternen
Ans -em Nachbargebiete.
* Dermbach, 24. April 1908. Wie verlautet, plant der Gemeindcrat eine elektrische Beleuchtung, die sich pro Jahr auf ca. 1100 M jlcllen soll.
gnädige Erlaubnis hiezu gebeten werden mutz. Im katholischen Bayern wird die ausgiebigst» Toleranz gegen die Protestanten geübt; dieselbe Toleranz verlangen aber auch die Katholiken. — Warum wir den Fall überhaupt erwähnen? All« Welt erinnert sich noch deS Falles Fam eck m Lothringen, wo auf Grund einer rechtsgültig» Verordnung die Beerdigung eines Protestanten auf dem gesetzlich nur den Katholiken gehörigen Friedhöfe verwehrt wurde, und wie hierauf alle liberalen Blätter Monate, ja ^ahre lang gegen die katholische Kirche, den Bischof von Metz und die .Ultramontanen" Zeter und Mordro schrien, höchste Herrschaften zu Hülfe gerufen wurden und liberale Toleranzprediger tn allen Parlamenten Brandreden hielten. Von Intoleranz zu reden, lag damals kein Grund vor, denn es handelte sich um einen lediglich für Katholiken bestimmten Kirchhof. Hier liegt der Fall wesentlich anders. Hier hat man es wirklich mit krasser Intoleranz zu tun. Wer aber erwartet, daß auch jetzt die liberalen Blätter nur einen Ton sagen werden, der kann warten, bis er schwarz wird.
* Die hakatistische Politik der Behörden treibt mitunter gar merkwürdige Blüten. Di» Referendare haben bekanntlich innerhalb ihrer vierjährigen Ausbildungszeit eine sechsmonatige Station bei einem Rechtsanwalt und Notar durchzumachkn, dem sie vom Oberlandesgerichts« Präsidenten dienstlich überwiesen werden. So war in Breslau ein Referendar, der in seinem Militärverhältnis Reserveoffizier ist, einem bekannten Justizrat und Notar überwiesen worden, welcher zufällig einen polnisch klingenden Familiennamen führt, im übrigen aber den großpolnischen Bestrebungen seit jeher völlig fernsteht. Flugs meldete sich darauf bei dem Referendar das Breslauer Bezirkskommando mit der Anfrage, .warum er seine Anwaltsstation bei einem Polen verbringe", und forderte ihn zur dienstlichen Erklärung binnen drei Tagen auf. Die Militärbehörde spielt sitz also hier gewisser- maßen als Zensor der Maßnahmen der Justizverwaltung auf. Die »Franks. Zig/ fragt, was der Breslauer Oberlandesgerichlspräsidknt tun werde, um diesen ganz unberechttgten Eingriff der Militärbehörde in fein VerwaUungsgediet zurSäzuweisen? Denn es wird doch wohl niemand behaupten wollen, daß die Militärbehörden irgend ein Recht haben, sich um die juristisch» Ausbildung der Referendare zu kümmern.
* Polenkundgebungen. Vor dem Inkrafttreten deS VeremSgesetzeS werden die Polen an verschiedenen Orten Massenkundgebungen veranstalten, die sich, soweit man die- schon jetzt übersehen kann, zu stürmischen Demonstrationen deS gesamten Polentums gegen das Enteignungs- und daS Vereinsgesetz gestalten werden. So findet eine große allgemeine Polen- Versammlung, zu der .alle P.lensührer des Reiches" einlaben, am 4. Mai in Posen statt. Mitte Mai findet ebensaÜS in Posen zu gleichem Zwecke eine Versammlung von Polinnen statt. Die oberschlesischen Polen planen gleichfalls eine Massenkundgebung, die Anfang Mai stattfinden soll.
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würdige dabei ist, daß die Lösung des Problem- chens mittelst eines galvanischen Elements erreicht loorben ist, an dessen Verwendung als Bcleuch- tungselement jeder Kundige wohl zuletzt gedacht haben würde, mittelst des Trockenelementes.
Trockenelemente heißt man solche Elemente, bei denen sich die Flüssigkeit oder, wie es hier meist der Fall ist, die feuchte Paste in einem allseitig verschlossenen Gefäße befindet, so daß sich das Element äußerlich als fester Körper darstellt. Die Industrie dieser Trockenelemente bildet eine Spezialität Deutschlands, das alljährlich viele Tausende derselben erzeugt und in die Welt hinaussendet. Freilich, so ganz einfach ist die Sache nicht gewesen und es hat viele Mühe gekostet, dem Element die erforderliche Kleinheit bei genügender Leistung zu geben. Beides war nämlich I für den Zweck erforderlich. Das Element soll nämlich, um es kurz zu bezeichnen, für eine elektrische Laterne oder für einen elektrischen Leuchter dienen. Ein großes, schweres Element war also mchrauchbar, zumal man ihrer mehrere benötigt. Es galt also, Gewicht und Größe des Elementes auf das Mindestmaß herabzudrücken und ihm doch eine genügende Leistung zu sichern. Das ist in der Tat erreicht worden und es wurden kräftige Elementchen hergestellt, die nicht länger und dicker als der Zeigefinger eines Mannes sind. Mit drei solchen Lilliputelementen läßt sich nun schon ein Glühlämpchen von 1 bis 1:5 Normalkerzen betreiben und also ein elektrisches Laternchen Herstellen, das man unschwer in die Rocktasche stecken kann. Allerdings — jetzt kommt das Allerdings noch einmal — allerdings darf man eine solche kleine Beleuchtungsanlage jedesmal nur für kurze Zeit, für etwa eine oder wenige Minuten, beanspruchen; denn das Element ermattet ziemlich rasch, aber — das ist das Gute dabei — es erholt sich auch ebenso schnell und kann bei einem vernünftigen Gebrauch,, in welchem es für den einzelnen Fall nur aus kurze Zeit angestrengt wird, mehrere hundertmal funktionieren. Ist die Batterie «schöpft, so kann sie unfötoer von Jedermann durch eine neue ersetzt werden, und da die
□ Freisinnige Veruneinigung.
Was kommen mutzte, ist gekommen. Die Blockpolitik hat zum Bruch rm Freisinn ge vhrt. die freisinnige Vereinigung hat ihre fahrgsten unb bedeutendsten Köpfe verloren; dre subalternen Geister spielen die erste Violine.
Daß Dr. Theodor Barth, ber Führer der Ab- fr finnig tu, der klügste, kenntnisreichste und rebege- wandteste Mann der Partei ist, wird niemand de- streiten, der ihn und die anderen „Parte:großen einigermaßen kennt. Nicht umsonst schätzte teuren Richt« den blutjungen Dr. Barth, aI8 dieser 18*. tn dm Reichstag gewählt ward, wo er sich ber damals noch recht großen deutschfreisinnlgen Frak- Iwn anschloß, die den Richterschen und Rickert- scheu Flügel der Freisinnigen umfaßte Mit geradezu väterlicher Zärtlichkeit kam ihm der tonst so verschlossene Führ« entgegen, und halb bildete sich das innigste Freundschaftsverhältnis zwischen diesem und dem jüngeren Parteigenossen aus. Sie waren damals auch im Privatleben fast unzertrennlich. Freilich ging diese Einigkeit sehr bald bei der caprivischen Militärvorlage in die Brüche. Damals trennten sich die beiden Flügel und Dr. Barth ging mit der Minderheit rechtswärts.
Die praktische Bedeutung des jetzigen Bruchs darf man freilich nicht überschätzen. Den entscheidenden Punkt bildete die Beurteilung deS § 7 des Vcreinsgesetzes, den derMinderheitsantrag als „Verletzung der Grundlagen des Siberalis- muß" bezeichnet wißen wollte. Das ist er auch zweifellos, und die meisten Linksliberalen werden im stillen Kämmerlein die Tatsache der Grundsatz- Verleugnung anerkennen. Aber eS ist eben eine vollzogene Tatsache, und demgegenüber pflegt sich ' manches Gewissen leicht zu beruhigen mit der. Er- Wägung, es sei an dem Vergangenen doch nichts mehr zu ändern, jetzt müsse man für die Zukunft einträchtig weiter arbeiten usw. So wird weiter gewurstelt und gedienert werde», bis die Block- Herrlichkeit zusammenkracht. Inzwischen wird an ber Zusammenschließung der ganzen freisinnigen Gesellschaft gearbeitet werden. In politischen Kreisen erwartet man, daß die freisinnige Vereinigung schon im Laufe des Sommers sich ber freisinnigen Volkspartei anschließen werde, zu der sie ja jetzt auch ganz ausgezeichnet patzt. Es würde aber falsch fein, anzunehmen, daß man bann in Deutschland eine einheitliche freisinnige Partei habe; diese mag noch 2—3 Jahre bestehen; dis zu dc» nächsten Reichstagswahlen ist sie verschwunden: dann haben sie sich mit den Naticnal- liberalen vereinigt und wir haben mit einer e i n- hei11iwen liberalenParteizu rechnen, die nur den einen Fehler hat, daß sie alle Untugenden des Liberalismus im höchsten Grade besitzt, aber von den wirklichen Vorzügen des Li- bcralismus gar nichts. Wer sich von den Liberalen in diesem großen liberalen Topf nicht zurecht- findet, der muß eben zu ber Sozialdemokratie gehen. Diesen Werdegang befördert zu haben ist das „Verdienst" des Frankfurter Parteitages der freisinnigen Volkspartei.
Aus der freisinnigen Fraktionsgemeinschaft wird eine liberale Fraktionsgemeinschaft, ein liberaler Block. Wir begrüßen in einer gewissen Richtung diese Entwicklung; denn sie schafft klare Verhältnisse.
Deutsches Reich.
♦ Im Münchener Hardenprozetz wird Redak- teur ©taebele, der wegen Beleidigung Maximilian HardenS zu 100 Mark Geldstrafe und dm Kosten veruiteilt wurde, gegen dieses Urteil Berufung einlegen. — ES ist gemeldet worden, Fürst Eulenburg habe dem Münchener Gericht telegraphisch feine Vernehmung zur Widerlegung der neuen Anschuldigungen gegenüber angeboten. DaS Telegramm sei jedoch «st nach Verkündung des Urteils in München eingetroffen. Wie die .Berliner Morgenpost demgegenüber seststellt, ift an der Münchener Gerichtsstelle von einer solchen Depesche des Fürsten Eulenburg nichts be- kannt. Rechtsanwalt Bernstein erklärt m einem öffentlichen Schreiben, daß Fürst Eulenburg vor dem Prozeß genau wußte, welche Zeugen auf- treten würden. Es war ihm also Gelegenheit geboten, vor dem Münchener Gericht zu erscheinen und die Beschuldigungen zu widerlegen. Es kann auch nicht davon die Rede sein, daß die Verteidigung des Herrn Harden es daran halte fehlen lassen, den Fürsten Eulenburg seinerzeit vor einer Verletzung der Eidespflicht zu bewahren. Harden ließ Eulenburg wiederholt unter Angabe von Zeugen warnen. Bernstein beschuldigt in den Schreiben direkt den Fürsten des Meineides.
-T- Intoleranz in Bayern. In den zum größten Teile vrotest.Pfarrorte Langenaltheim in Miitelfranken starb ein katholischer Arbeiter. Der katholische Expos!tus von Pappenheim, dessen Seelsorge die Katholiken Langenaltheims zugewendet sind, wollte die Beerdigung vornehmen. Erne uberau» große Anzahl von Leidtragenden hatte sich em ge- funden. Als aber der katholische Geistliche den Ort betrat, kam ihm die Polizei entgegen und sagte: „Das Bürgermeisteramt verbietet Ihnen die B e e r b i g u n g, beim Sie haben feine Anzeige an ba3 protestantische Pfarramt ge- macht." Auf bem Bürgermeisteramt wurde ihm gleiches gesagt. Auf die Frage: nach welchem Gesetze die Beerdigung verboten werbe und nach welchem Gesetze kann der protestantische Pfarrer vom Bürgermeister ein solches Verbot verlangen, da bo1i der Friedhof ein gemeindlicher, nicht konfessioneller sei und auch von dem Gelbe ber Katholiken unterhalten werde, konnte ihm nichts erwidert werden. Merkwürdigerweise kam bald darauf aus bem evangelischen Pfarrhause bet Bescheid, die Beerdigung könne nunmehr borgenommen werden, obwohl dir verlangte Anzeige nicht erfolgt und der protestantische Pfarrer gar nicht zu Haufe war. Man sollte glauben, daß die Katholiken in sie selbst irgendwo in der Minderzahl sind, von einem kath. Geistlichen beerdigt werden dürfen, ohne daß erst beim protestantischen Pfarrer um
Von W. V.
So um bas Jahr 1880 unb weiter, in ber Jugendzeit ber Starkstromtechnik, als bie große Erfindung unseres Werner Siemens, bie Dynamomaschine, eine Reihe von anberen, grundlegenden Erfindungen gezeugt hatte, die Lichtbogen- lamp«, bie Glühlampe, ben Accumulator unb später ben Transformator, ja, damals war eine köstliche Zeit für bie elektrischen Erfinder, für die wirklichen und für bie wilden. Für bie letzteren insbesondere. Denn sie brauchten nut ein Patent zu haben und das Geld strömte ihnen zu. Es genügte sogar schon eine Idee, wenn die Idee nur Anschein hatte. Unb so eine Idee mit Anschein wat auch bie berühmte Beleuchtungsbatterie.
„Sehen Sie", sagte bamals ber Erfinder einer solchen Batterie zu bem Kapitalisten, „sehen Sie, ba sinb soviele Leute, bie gern eine kleine elektrische Beleuchtungsanlage haben möchten, aber natürlich bie Kosten für bie Maschinenanlage unb auch bie Umstände mit ihrem Betriebe scheuen. . Für diese Leute hab« ich etwas, meine Beleuchtungsbatterie. Da werden bem Manne unten im Keller so zwei, bret Dutzend Elemente hin gestellt, die muß er dann so alle acht bis vierzehn Tage mit bem von mir erfunbenen Salz füllen, unb bann hat er jeberzeit, Tag unb Nacht, elektrisches Licht. Unb was für Licht! DaS flackert nicht wie bei ben Dynamomaschinen; nein, das brennt ganz ruhig unb, schauen Sie nur, wie hclll"
Der Kapitalist sah bas Licht an unb, in ber Tat, es brannte viel Heller unb weißer als bie Glühlampen, bie er sonst gescheh hatte. Tie Helligkeit kam von der Überanstrengung der Lampe; nun, davon verstand er nichts. Aber die Sache schien ihm Hand unb Fuß zu haben unb er sprang mit einer namhaften Summe ein. Mit großem Eifer wurden nun Batterien nach ben Angaben
®rfinber9 gebaut unb, wenn sie im Anfänge nrxi) Anstände zeigten, durch neue Konstruktionen Dksetzt. Die zeigten hübet Anstände unb so baute
Massenfabrikation ber Elemente ben Preis außerordentlich verringert hat, so fallen die Kosten für eine neue Batterie kaum ins Gewicht. Diese Vorzüge, bte leichte Auswechselbarkeit und Billigkeit der Batterie, verbunden mit einer guten Leistung habe» den kleinen, tragbaren, elektrischen Beleuchtungsapparaten, bie vordem fast nur als Spielzeug eine Bedeutung hatten, einen praktischen. Wert gegeben.
Da ist zunächst die elektrische Taschenlatern«, in Form und Größe eines Zigarettenetuis, die sich unschwer in bie Brusttasche stecken läßt. Drückt man auf den am oberen Ende angebrachten Knopf, so strahlt die kleine eingesetzte Glühlampe genügend Licht au8, um ben nächtlichen Wanderer sicher die Treppe hinaufzugeleiten. Ein anderes praktische? Jnstrmnentchen ist der Leuchtstab, der etwa 20 Zentimeter lang ist unb 5 Zentimeter im Durchmesser hat. Die Batterie, welche er enthält, hat bie Form einer Patrone; man schiebt fie in ben Stab ein, schließt ben Teckel und bet Stab ist gebrauchsfertig. Arn bereu Enbe ist eine Glühlarnve mit einem kleinen Reflektor ein» gelassen, welche ihr Licht in ber Achsrichtung bei Stabes auSstrahlt; bie Form und Anordnung des Stabes ermöglichen es, daß man mit ihm ist jeden Winkel Hinern unb unter die Möbel leuchten kann. Uber bie Uhrstänber mit elektrischer Be- si-uchtung. über elektrische Leuchter, bie tn einfachen unb künstlerischen Ausführungen hergestellt werden, unb über die Korridorlampe, dis uns bei be- Heimkehr »ach einem Drucke auf den Knopf an der Tür zur sicheren Auffindung der Streich- holzschachtcl verhilft, wollen wir mit, der kurzen Andeutung hinweggehen. Unb was bte elektrisch« Sicherheitslaterne für feuergefährliche Räume angeht, so liegt biete Anwendung so nahe, daß ft< sich von selbst versteht. . ;
So ist bie Beleuchtungsbatterie doch noch zu Ehren gekommen, zwar nicht als die erträumt« „Ueberbatterie", sondern m recht bescheibener Stellung, dafür aber in nützlicher Tätigkeit unb mit der Aussicht auf eine vielseitige Verwendung.
Q Rußland vor der finanziellen Katastrophe.
Seit bbannt geworden ist; daß Rußland seine Schulden im Auslande, die allem bet Frank- „ick 10 bis 11 Milliarden betragen, nur au8 Erträgen neuer Anleihen zu verzinsen vermag, kann man weithin in einsichtigenKreisen die Aut- faffunfl vertreten hören, daß Rußland am Ende seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit angelangt sei und daß bie Bankrotterklärung sehr bald eintreten müsse, selbst wenn Frankreich m ber Angst vor diesem Bankrott noch ewige Zeit wer- ter borgen sollte. Es ist sehr schwer, sich darüber ein Urteil zu bilden, weil die russische Regierung natürlich alles tut, was ihr möglich ist, um bas Urteil darüber zu erschweren und zu verwirren.
Unter solchen Umständen ist es aber interessant, bem Urteil berufener Kritiker des russischen Finanz- unb Wirtschaftslebens nachzugeben, ^n dieser Beziehung liegen gegenwärtig zwei Veröffentlichungen vor, bie eine weitgehende Beachtung verlangen. Tie etne davon ist bte Broschüre des früheren Regierungsrats tm Statistischen Amte Rudolf Martin über «Die wirtschaftliche Krisis der Gegenwart", die andere em erschienenes Buch von Paul Rohrbach: „SDeutJct)- [anb unter den Weltvölkern". Die Verfasier beider Bücher können mit vollem Recht Anspruch darauf machen, als berufene Beurteiler des rufit- scheu Wirtschaftslebens angesehen zu werden, ^hr Urteil wird daher mit großem Interesse beachtet werden.
Rudolf Martin bespricht in seiner Erörterung des russischen Etats in der erwähnten Broschüre die grage, ob Rußland 1911 in der Sage fein werde, die große deutsche Anleihe vom Jahre 1905 in Höhe von Vi Milliarde Mark am 1. Juli 1911, tote versprochen, zurückzu z a h - len, und bemerkt dabei: „Weit vorher wird ber russische Staat kritische Tag« haben, an denen seine Zahlungsfähigkeit geprüft werden kann. Am 12. August 1908 tat bie russische Regierung 150 Millionen Rubel Rentenbillets einznlösen^die fie am 12. August 1904 gegeben hat. Am 14. Mm 1909 hat Rußland di« Kleinigkeit von 800 Mil- lionen Francs 5prozentiger Schatzscheine, emzu- lösen. Woher will der russische Staat be: dieser Geldteuerung ingesamt rund 1V2. Milliarden Mark für dies« drei Rückzahlungen bis 1911 aus- bringen?" Der Verfasser kommt zu dem! Schrnsse, daß Rußland dazu wahrscheinlich nicM in ber Lage sein werde.
Aehnlich beurteilt Dr. Paul Rohrbach in seinem Buche „Deutschland unter ben Weltvölkern" die Sachlage. Er stellt die sinanziellen Verhalt- niffe ähnlich wie Dr. Martin bar unb meint bann: „Es ist ausgeschlossen, jene Milliarden anders als auf bem Wege auswärtiger Anleihen zu erhalten, unb ba eine burdjgreifenbe Agrarreform jedenfalls einen langen Zeitraum erfordern wird, so kann es als ausgeschlossen gelten, daß ber russische Staat bis zum Eintritt dieses Zettpunttes in der Sage sein wird, seine Zinsen voll zu bezahlen. Er wird sogar wahrscheinlich sehr bald nicht mehr in der Sage dazu sein, und bas um so sicherer, je nrehr er Milliardenanteihen für eine so nutzlose Verwendung wie den Wiederaufbau ber russischen Kriegsflotte projektiert. Es mag fein, daß noch die etne ober andere auswärtige Anleihe unter harten Bedingungen unb unter bem Druck der Drohung mit dem Bankrott glück unb daß bie Währung und bie Zinszahlung auf diese Weise no^ eine Weile weiter getriftet werden. Auch bie Kurse ber russischen Staatspapiere können burch
bie mit ber Vorbereitung neuer Anleihen Verdun- benen Manipulationen des russischen Finanzministeriums vorübergehend noch etwas tn die Hohe getrieben werden, und es kann iebcm, ber rufit!ax Papiere besitzt, nur ber allerdringendste und aul- richtigste Rat gegeben werden, einen solchen Moment zur schleunigen Abstoßung seines Besitzes, wenn auch unter Verlust gegenüber dem Amchal- fungStoert der Papiere, zu benutzen. Wer sich dazu nicht entschließen kann, wird es nachher, trenn der russische Staatsbankrott und die Zms- unb Kapitalreduktion ba sinb, schmerzlich genug zu bereuen bekommen."
Die Dinge in Ruhlanb entwickeln sich also mit Gewalt zu einem Ende mit Schrecken!
man weiter. Mit ben Monaten wurde das an- sanglich ungewöhnlich herzlicheEinvernehmen zwischen Geldgeber und Erfinder kühler und nach einem sich mehr und mehr vertrübenden Herbste der Freundfchast erfror die Herzlichkeit in einem sehr kalten Winter. Das ist der typische Verlauf von vielen, vielen solcher Unternehmen gewesen.
Der Befer wird nun verwundert fragen, wie bte Beute — eS sinb ihrer Viele gewesen — auf bie Täuschung haben hmeinfallen können. Ja, baS hat so seine Bewanbtnis. Die geschäftliche Jboe ber Beleuchtungsbatterie ist nämlich ganz richtig, unb auch gegen bie technische läßt sich nicht ohne weiters Einspruch erheben. Aber es ist hier etwa so, wie mit der Stute desHerrn Roland, bie, wie bekannt, das schönste, daS schnellste, kurz ein unvergleichliches Pferd war; „nur schade, bie Stute war tot". Die Beleuchtungsbatterie war nun zwar nicht schon tot, aber sie war und ist noch lot. Dies stand freilich damals noch nicht fest, unb viele, vielleicht die meisten ber Beleuch- tungsbatterie-Erfinder waren in bem guten Glauben, eine wichtige unb gewinnbringende Erfindung gemacht zu haben.
Es handell sich hier um ein elektrochemisches Problem, nämlich um bie birefte Erzeugung dec elektrischen Energie aus Chemismus in rationeller unb billiger Weise, unb bieses Problem hat bis heute noch keine genügende prinzipielle, also noch viel weniger seine technische Sösung gefunden.
Unb nun, nachbem wir dies erzählt habe», wirb sich ber Befer baß verwundern, wenn wir ihm mitteilen, bie Beleuchtungsbatterie ex i» st ier t boch, unb zwar bereits feit verschiedenen Jahren; schlau, wie er ist, wird er freilich sofort sagen: „Da muß ein Allerdings dabei sein." Ja, die Beleuchtungsbatterie existiert in der Tat, allerdings — für bie Beleuchtung einer Villa ober auch nur einer Stube reicht sie nicht aus, höchstens für Mieze's Puppenstube. Aber für ben stark verkleinerten Zweck, ben wir gleich erläutern wollen, hat sie sich ganz gut bewährt. Das Merk-
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