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Otranto». Redakteur:
Sarl Schütt«;
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35. Iahri ana.
Fulda, DonnersLaa den 23. April 1908.
M 93.
Wahlaufruf 1908
flitng der Kostenbeiträge seitens der beteiligten Provinzen bestätigt wird.
Für die Gesetzgebung auf sozialem Gebiet ist I
nung getragen worden. Wir erwarten sie für diescu Herbst und werden nach wie vor bestrebt fein, unter Berücksichtigung der auf allen Cebie-
arbeitete ein Superintendent cm der Münchener -Alkg. Rtmdschau^ de» Herr» Dr. Kausen mit. Dieselbe fleht aber bekanntlich auf dem Stand« punkte des Zentrums, läßt jedoch Leute aller Richtungen über bestimmte Fragen zu Worte kommen. Auf einmal schrieb nun der evangelische Superintendent a. D., er sei ihm leider nicht mehr möglich, an der,Mg. Rundschau-' mitzu- arbeiten, weil ihm seine Kirchenbehörd« oerboten habe, in die Mg. Rundschau^ zu schreiben. Tatsächlich unterblieb von da an die L lüarbeit des genannten Herrn. Und die liberal« Preflef Schrie sie über Intoleranz, über liebet*, griffe? I» Gegenteil! Eie sand dar ganz i» Ordnung.
* Posen, 22. April 1908. Wie eine hiesige Korrespondenz erfährt, hat die Ansiedelung,. Kommission bereits einen umfangreichen Plan über die in erster Reihe von ihr beabsichtigten Enteignungen polnischen Grundbesitzer auf« gestellt und diesen Plan de« Regierungen t« Posen, Bromberg, Marienwerder und Danzig, die bei dem Enteignungs-Verfahren mitzuwirken haben, überreicht. In erster Reihe kommt für die Enteignung der Großgrundbesitz in Frazey und fast der gesamte polnische Hochadel ist daran mit seinen in den letzten Jahre» erworbenen Gütern beteiligt Ein besonderes Augenmerk wird auf die von polnischen Genosienschasis» und Parze!« lierungs«Banken in der letzten Zeit erworbenen und noch nicht aufgeteilten größeren Güter ge- richtet Gegen die geplanten Parzellierungen und die Austeilung dieser Güter an die angrenzenden polnischen Landwirte soll in der Regel Einspruch erhoben werden. Die Enteignung kleinerer Besitzungen ist noch nicht in Aussicht genommen, da mit der Durchführung der Mrzeitvorliegenden umfangreichen Enteignung,-Pläne die Ansiedelungs-Kommission und die hierbei mitwirkendeui Verwaltungs-Behörde» im laufenden Jahre vollauf zu tun habe« werden.
tcn herrschenden Teuerungsverhältnisse eine an- {emessene Erhöhung deS Einkommens
er Staatsbeamten, sowie der Arbeiter in den Staatsbetrieben, der Geistlichen und der Volksschullehrer yerbeizuführen und hierdurch ihre Arbeits- fteubigfeit, die für eine gedeihliche Entwicklung des S.aateS von hohem Werte ist, zu heben und zu fördern.
Unter hervorragender Mitwirkung der Zentrumsfraktion sind nach langen Stampfen die Kanal-Gesetze zur Annahme gelangt.
In erster Linie wird der Ausbau der Kanäle zur Förderung und Hebung der Industrie und deS Handels beitragen. Nach manchen Richtungen bring» er aber auch der Landwirtschaft Nutzen, so durch Verbilligung der Frachten für Bedarts- artikcl, Gelegenheit zum Verkauf von Rohprodukten, Steigerung der Grundpreise.
Insbesondere ist auf Anregung des Zentrums in dem Gesetz festgelegt, daß die Kanäle auch der Landeskultur nutzbar gemacht werden sollen, sowie daß das Schleppmonopol seitens des Staate« eingeführt wird.
Wir sind überzeugt, durch unsere Tätigkeit bei bieiem großen Werk in vorsichtigem Ausgleich der Interessen der wirtschaftlichen Entwickelung Preußens eine wesentliche Förderung erwirkt zu haben, woS auch durch die einstimmige Bewilli-
Auf wirtschaftlichem Gebiete im allgemeinen ist das Zentrum seinen alten bewährten Grund- sähen treu geblieben, einen gerechten Ausgleich der Jnteresien berbeizuführen. Es hat auf den verschiedensten Gebieten fördernd für Handel, Industrie und Landwirtschaft, Handwerker- und Gewerbestand gewirkt. In dem gleichen Sinne wird er auch in Zukunft s°ine Tätigkeit zur För- deruug deS Gemeinwohles ausüben.
Unsere Stellung zur Polrusrage steht seit jebcr fest. Sie wird weder durch konfessionelle n^ch durch Parteirücksichten bestimmt, sondern einzig durch unsere Auffassung von Recht und Gerechtigkeit und von den wirklichen Interessen deS preußischen Vaterlandes. Auch wir halten das Ostmarkenproblem für eines der wichtigsten unieier inneren Politik, dessen Entwicklung jeder ante Patriot mit banger Sorge verfolgen muh. Auch wir wünschen, daß unsere polnischen Mitbürger sich vorbehaltlos dem preußischen Staats- Wesen anschließen. Aber wir halten die Wege, welche die Regierung einschlägt, nicht nur für ungerecht, sondern auch nickt für zum Ziele führend und für.geeignet, die Lagern verschlechtern, statt zu verbessern. Daher müssen wir dieser Politik wie bisher entgegentreten. Und wenn neuerdings die heiligsten Rechte deS Volkes und des Einzelnen, das Recht auf die angestammte Scholle, das Privateigentum angetastet sind, so bekämpfen wir auf das entschiedenste eine ter- artiae Gesetzgebung, die der Verfassung, unseren Grundsätzen, unserer Weltanschauung widerspricht und den wohlverstandenen Jnteresien des Vaterlandes und der Monarchie nach unserer Meinung entgegensteht.
j In der abgelaufenen Legislaturperode ist es endlich gelungen, die so wichtige Frage der Schul- unterhaltung wenigstens im Rahmen eines Spezialgesetzes zu lösen. Tie Zentrumsfraktion stand dabei einer Aufgabe gegenüber, wie sie schwieriger und undankbarer selten gestellt war. Wir hatten in unserem letzten Wahlaufruf unseren Wählern und dem Lande gesagt, daß wir bereit fe?en, dabei „ohne jeden uns fälschlich unter gelegten Hintergedanken" mitzuarbeiten, und dieses Versprechen haben wir getreulich zu halten uns bestrebt. Allerdings gibt das verabschiedete Gesetz zu manchen und erheblichen Ausstellungen im einzelnen Anlaß. Aber unter unserer wesentlichen Mitwirkung ist nunmehr die konfessionelle Sckule als die Regel gesetzlich — leider mit Aus
holt die reichsgesetzliche Regelung verlangt ist.
In der Novelle des Gesetzes über die K n a p p- schaftsvereine haben wir unsere Forderungen für Verbesserungen in wesentlichen Punk- ten nicht durchsetzen können. Trotzdem haben wir unsere Mitwirkung nicht aufgeben zu fallen geglaubt, weil durch sie viele Verbesserungen erreicht sind; bei einer ablehnenden Haltung unfe- rerseitS wurde gegen das Zentrum ein erheblich schlcchtereS Gesetz befchlofsen sein.
Wir, werden aber unsere Bemühungen fort- etzcn, eine den Bergleuten günstigere Gestaltung ü'rberznflihren, insbesondere bezüglich des geheimen Wahlrechtes zu den Knappschaftskassen.
So berechtigt die Syndikate in manchen Beziehungen sind, hat doch ihre Tätigkeit vielfach zu ungesunden Preissteigerungen, insbesondere ür die Kohlen geführt.
Im Reichstag hat das Zentrum die Jnitia- ive für eine Syndikats-Gesetzgebung ergriffen. Die LandtagsfraKion hat aber nach Kräften für Herabminderung der Kohlenpreife durch stärkere Beteiligung des Staates an der Produktion und Regulierung der Frachtkosten gewirkt.
zum „Kuhbantel" der schlimmsten Art denken die Offiziösen Eindruck zu machen auf die Zentrumswähler Nein, eine solche beleidigende Einschätzung haben unsere Wähler wirklich nicht verdient. Wenn die Zentrumsfraktion durch Verleugnung ihrer Grundsätze und knechtselige Dienste kirchen- politische Vorteile hätte erkaufen wollen, fo hätte sie das zu Zeiten des gewaltigen Bismarck schon mit mehr Aussicht besorgen können. Die Versuchung dazu trat ja wiederholt ein, so z. B. schon im Anfang der siebziger Jahre, als sich Bismarck über das Zentrum beim Kardinakstants- fefretär Antonelli beklagt hatte, und bann in recht derber Form, als Fürst Bismarck im Septennats- streit die Einmischung des hl. Stuhles anrief, damit das Zentrum aus Rücksicht auf di« kirchen- politischen Verhandlungen zum Bewilligen des Militärgesetzes bestimmt werde.
Wenn damals di« Liebedienerei entschieden und einmütig vom ganzen Zentrum ab gelehnt wurde, so wird es dem Nachfolger des gewaltigen Kanzlers heute sicherlich nicht gelingen, die deutschen Katholiken dahin zu bringen, daß sie auf ihre politische Ehre und Selbständigkeit ver- zichten und birnfj charakterlose Liebedienerei gegenüber den jeweiligen Machthabern sich etwas Gunst und Gnade für die „katholischen Interessen" verdienen. Es ist ein starkes Stück, so kurze Frist nach der imposanten Willenserklärung der Zentrumswählerschaft vom Januar 1907 von einer derartigen Bettelpolitik überhaupt zu re» ben und mit dieser Zumutung sogar den hl. Stuhl in den Anschein einer Verbindung bringen -u wollen.
Das Zentrum wird sich di« ihm gebührende Ltellung tm politischen Leben Deutschlands durch ore eigene Kraft erringen. Fürst Bülow ordneten totr nicht als Schutzpatron, wen» er uns nur Gerechtigkeit widerfahren läßt.
nachträglich noch aus im- terdacht,gen römischen Quellen kommen, kaffen
Kreise mit ihrem stillen ™ möge etwas sagen oder
tun, Ums sich gegen das Zentrum verwerten ließe, gründlich ab g eb li tz t sind. Die bedeuten- italienischen Blätter und vor allem der Mailander „Sortiere della Sera" sind davon überzeugt, daß Papst und Kardinalstaatssekretär im Gespräche mrt dem Fürsten Bülow über das deutsche Zentrum äußerst zurückhaltend gewesen seien. „Der Vatikan" — so wird dem erwähnten liberalen Blatt berichtet — „läßt dem Zentrum volle Aktionsfreiheit. Die Haltung
K Hörst SM-w unser Schutzpatron
Nun werden die deutschen Katholiken wohl endlich zufrieden sein; ihre „katholischen Jnter- esien" werden jetzt vom — Fürsten Bülow verfochten! Das Zentrum hat. das in der letzten Zeit ganz verkehrt gemacht. Aber Fürst Bülow — der weiß es besser und kann es besser. So belehren uns soeben seine Offiziöfen in der „Nordd. Allg. Ztg."
Das Blatt betont von neuem den Grundsatz, daß der Vatikan und auch der Reichskanzler es nicht als ihre Aufgabe betrachten, die Haltung der Zentrumsfraktion irgendwie zu beeinflussen. Tas hält aber das Bülowdlatt nicht ab, in der ungeniertesten Weise den Vatikan gegen das Zentrum auszuspielen und den Fürsten Bülow den deutschen Katholiken als ihren einzig richtigen Schutzpatron zu empfehlen. Es soll der Anschein erweckt werden, daß „Papst und Kurie" die Empfindung „geäußert" hätten, die !l b st r m m u n g der Zentrumsfraktion vom 13. Remter 1906 und spätere Einzelheiten der Frakiionspclitik seien „vom Standpunkt der katholischen Interessen nicht als Muster politischer Weisheit anzusehen", und ne machten Sr. Heiligkeit und der Kutia keine Freude.
Die Abstimmung vom 13. Dezember 1906 drehte sich bekanntlich um eine rein voli- tische Frage, nämlich um Maß und Zeil der allmählichen Verringerung der Streitkräfte in Südweiiafrika. Fürst Bülow behauptete damals sogar, diese Frage ginge nicht einmal den Reichstag etwas an, sondern sei allein von der „Kom- mandogewall" zu entscheiden. Jetzt aber soll der Anschein erweckt werden, als ob sogar der Vati ka n sich mit dieser Frage nachträglich befasse. Jedenfalls berührten di« Anträge, die damals das Zentrum stellte, und die gegnerischen Anträge, die es ablehnte, in keiner Weise „katholische Jnteresien." DaS Zentrum stimmte auS sachlichen Gründen für die Vorbereitung zu einer Verminderung für die Volksbelastung. Das Blatt des Fürsten Bülow belehrt unS jedoch heute, das Zentrum hätte jedoch aus „politischer Weisheit" gegen feine sachliche UeberzMgung stimmen muffen, uamlich „v^m Standpunkt der katholischen Interessen".
L, Das kann nichts anderes bedeuten, als die «nfforderung: auf Kosten des Volkes durch
1 vEdiener«i etwas herauszuschlaaen für iJte kirchlichen Interessen. Mit dieser Einladung
auf die christliche Erziehung der Jugend aufrecht erhalten wird. Wir haben uns darüber wiederbolt im einzelnen in unseren Wahlaufrufen ausgelassen; wir find bereit, dementfpre- chend auck weiter getreulich mit allen unseren Kräften weiter zu arbeiten.
Stuf dem kirchlichen Gebiete stehen und leiden wir immer noch unter den Uebcrreften der sogenannten Kukturkampfsgesetzgcbung und es ist uns seit der Anbahnung des Friedens zwischen Staat und Kirche nicht gelungen, sie zu beseitigen. In der abgelaufenen Legislaturperiode sind wir auf diesem Gebiete der Gesetzgebung nicht einen Schritt weiter gekommen. Man verweist uns darauf, daß die noch bestehenden Kul- turkanwfgksetze wohlwollend angewendet werden. Gewiß geschieht das vielfach. Aber selbst, wenn es überall und immer geschähe, so wollen mir doch das Verhältnis zwischen Staat und Kirche nicht angewiesen wissen auf ein der Möglichkeit de, Wechsels ausgesetztes Wohlwollen staatlicher Organe; es muß auf gebaut sein auf einer sicheren gesetzlichen Grundlage. Zur Betätigung ihrer großen religiösen und sozialen Aufgaben für Staat und Gesellschaft bedarf die Kirche der vollen Freiheit, wie sie früher durch die Verfassung gewährleistet war. Wir müssen hier also loeiter kämpfen; wir werden nicht ruhen und rasten, bis wir die früher bestandene volle Freiheit der Kirche wieder errungen haben.
Dabei werden wir niemals vergessen, der Er-' Haltung des für unser gemeinsames Vaterland so notwendigen Friedens unter de» christlichen Konfessionen unsere besondere Sorge zuzuwenden. Ihm dient es, wenn nach allen Richtungen hin die gleiche Gerechtigkeit für alle zur Anerkennung gelangt. Er wird durch Verwirklichung unserer Forderungen nicht gefährdet, sondern gesichert.
Auch dem kommenden Abgeordnetenhaus« stehen also wieder viele und schwere Aufgaben bevor.
Auch die bevorstehenden Wahlen sind deshalb wieder von einer schwerwiegenden Bedeutung zumal unter den gegenwärtigen politischen Verhältnissen. Mögen unsere Gesinnungsgenosten im Londe das voll erkennen und alle bis auf de« letzten Mann ohne jede Ausnahme im Bewußtsein ihrer verantwortungsvollen Pflicht am Wahltisch erscheinen und für die ordnungsmäßig aufgestellten Kandidaten der Zentrumspartei die Stimme abgeben. '
Auf dkllil j«r Wahl für Wahrheit, Recht und Frriheü!
Ser Ur, 7. April 1908. f
Der Borstand der ZentrvmSfraktion des HavftS der Abgeordnetem
Dr. Porfch. Herold. Dr. Dittrich. Roeren. Kirsch» Dr. Rintelen. Dr. Spahn. Graf v. Strachwitz-Bertelsdorf. ». Strombeck.
Trirnborn. Wiltebrand.
der Zentrumspartei wird sowohl von der deutschen Mgierung tote vom Vatikan als eine rein innere politische Angelegenheit betrachtet." Aehn- lich schreibt das „Avvenire d'Jtalia": „Der Heilige Stuhl, der unabhängig von politischen und sozialen Interessen dasteht, ist immer eine bedeutende moralische Macht, was Katholiken und Andersgläubige anerkennen müffen. Das Zentrum, eine politische Partei, ist mit der Regierung in Schwierigkeiten geraten; das ist rein Sache des Zentrums, das sich vollständig frei und autonom auf politischem Gebiete bewegt; der Heilige Stuhl hat nichts hiermst zu schaffen." Dar kirckenfeindliche „Giornale d'Jtalia" will über die Unterredung folgendes erfahren haben: „Nach einigen verbindlichen Worte« wandte sich die Unterredung Berlin und Deutschland zu. ohne eine politische Frage zu berühren. Nur als die Gelegenheit gegeben war, über den Reichstag zu sprechen, bedeutete Pius X. mit großer Schwung, daß die gegenwärtige Opposition des Zen- trumS gegen die Regierung nicht sine Frage fei, welche ibn unmittelbar tntercffi'ere. Denn die Partei habe nicht konfessionellen, sondern politischen Eharakter. und daher muffe ihren Mitgliedern die weiteste Aktionsfreiheit gewährt werten. Aus Rom wird ter „Köln. Blksztg." noch gemeldet: „Die Ans- führungen des „Berl. Taqebl." über „Zentrums- ranfünen" werten hn Vatikan von der Hand gewiesen. Gerade weil die Uneinigkeit zwi- 'chen dem Zentrum und dem Reichskanzler politischer Natur ist und weil sich ter Vatikan nicht in innere deutsche Politik nach der einen oder anderen Seit« einmischen will, haben sich weder der Papst noch der Kardinal zugunsten der einen ober der anderen Partei ausgesprochen, sondern sich oSllig neutral verhalten."
Deutsches Reich.
k. Zweierlei Maß. Die liberalen 'Blätter sind fürchterlich entrüstet darüber, daß der Erz. bifchof v. Adert dem katholischen Pmrrer Trnnel verboten hat, in einer jungliberalen Versammlung aufzutreten, und die Jungliberalen haben bereits «ne ZnEerpellation «"gekündigt. Da frischt nun ter »Badische Beobachtet eine mcht rmmterefiante Erinnerung auf, die fo recht das zweierlei Maß zeigt, mit dem die Herren Liberalen mefsen, ohne es auch nu? zu merken. Vor einigen Jahren,
Ausland.
* Wie Frankreich e«tchriplicht wird, b*8 lehrt ein Aussatz, weiche» der ehemalige franzö« siche Ministerpräsident CombeS i» der liberale» Wiener ,91. Fr. Pr/ veröffentlicht, stz« Aufsatz
'cbmfet- Kritik des Dreiklassenwahlsystems gesor- teti haben, ist nicht vorgenommen worden. Tie Königliche Staatsregierung hat inzwischen arter- könnt, daß „daS geltende Wahlsystem Mängel aufweise" und hat „eine gründliche Reform" desselben in Aussicht gestellt, „sei «S im Rahmen des bestetenten Wahlrechtes, fei eS unter gründ- fätzlich-e 51 enterurig" desselben.
Wir glauben erwarten zu dürfen, daß der neugewählte Landman alsbald mit einer entsprechenden Vorlage b°'»ßt werden wird. Die bevor- stchcuden Wahlen find schon von einer ganz betonteren Wichtigkeit. Denn mit der so notwendigen gründlichen Aenderung des Wahlrechts entscheiden sie auch auf Jahre hinaus über die Gestaltung der inneren Politik Preußens.
Wir sind bereit, an der schweren Aufgabe einer Waylrcform mit voller Wahrung der verfassungS- mäßigen Rechte der preußischen Staatsbürger mitzuarbeiten. In welcher Richtung sich für diese Reform unsere Wünsche und Forderungen bewegen, ergibt unsere Stellungnahme von altersher; wir haben dieselbe auch in neuester Zeit im Parlament wiederholt ausgesprochen.
Deshalb bedauern wir lebhaft, daß die Königliche Staatsregierung nicht einmal die Ersetzung der ösrentlicken Stimmabgabe durch die geheime ' für diese Reform in Aussicht gestellt hat. Sache der Wühler wird «S fein, in vollzähliger Anteilnahme an der bevorstehenden Wahl ihre Meinung $it entschiedenem Ausdruck zu bringen.
Noch eine andere nicht minder dringliche Auf- ibe erwartet als erste ten neuen Landtag.
Wir haben wiederholt, insbesondere in ten Wahlaufrufen von 1893 und 1898 erklärt, daß wir für die notwendige Ausbesserung der Gehöl» ttr der Beamten, für die auskömmliche Besoldung der Lehrer, für die Sicherstellung der pensionierten Lehrer und ihrer Hinterbliebenen mit Freude eintreten und auch in Zukunft die berechtigten Bestrebungen dieser Berufsstände untec- ftiiten werden; wir haben im letzten Wahlaufruf 1303 den Wunsch wiederholt, die Lage ter unteren Beamten und der Arbeiter in ten ^Staatsbetrieben durch Erhöhung ihrer Bezüge. Förderung des Wohnungswesens und günstigere Ausgestaltung ihres DienstverhältniffeS zu verbessern.
Manches ist inzwischen nach dieser Richtung geschehen. Aber eined ten jetzigen Lebensverhältnissen entsprechenden -allgemeinen Er- 'Hvhuna der Tienstbezüge ist trotz der in der letzten Thronrede erfolgten Ankündigung zu unfe-
nahme einiger Landesteile — festgelegt worden. Damit ist zwar die konfessionelle Beschulung, aber noch nicht in vollem Maße die Erziehung der Kinder in ihrem Glaubensbekenntnisse gesichert Es ist kein eigentliches Volksschulgesed erreicht worden. Das meiste ist nach wie vor dem behördliche^ Verordnungsrecht und dem Wege einer weiteren Einzelgesetzgebung Vorbehalten. Dies legt uns allen die schwere Pflicht auf, in Gemeinte und Staat im Anschluß an die geschichtliche Entwicklung weiter dahin zu wirken, daß die innige Verbindung zwischen Kirche und Schule und die berechtigte Einwirkung ter Kirch«
in erster Linie tei8 Reich zuständig. Die Berg- gesctzgebung ist aber noch ten Einzelstaaten verblieben, obschon seitens des Zentrums mietet-
Die 19. Legislatur-Periode deS Landtages f rem großen Bedauern biS zetzt noch nicht Reck- nähert sich ihrem Ende. Noch vorher, früher als--------------------- R"
sonst, sollen die Neu-Wahlen vorgenommen wer- den. Tiefelten werden sich teilweise unter neuen Formen vollziehen, da inzwischen die gesetzlichen Bestimmungen über das Verfahren bei den Wahlen zum Hause ter Abgeordneten zum Teil verändert und verbessert worden sind, allerdings nur in unwesentlichen Punkten. Eine Reform deS Wahlrechtes, wie wir sie immer unter