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erscheint tdgliq M Luznahme »er Sonn« und Leiertage, viertel- jShrlichr^Vezugrpreir ohne Sringerlohn und vrfteSgeldinZuttaso» wie auswärts 1.50 Hit.

Oerantw. Redatieur:

Cer! Stritte; fflr»tea»jeifen:

3.paryla USuto«.

wechmbellagr: „Illustrierte Sonntagszeitung"

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35. Iahrqana.

Fulda, Donnerstasi den 23. April 19W.

JV3 93.

(Stiles Wtcrit.

Deutsches Reich.

(*) Tas Gesetz zur Aenderuug de« § 2 de» Flotiengcfrtzes vom 14. Juni 1900 ist nunmehr im „Neicksanzeiger" veröffentlicht worden. Be­kanntlich sollen danach Linienschiffe und Kreuzer, ausgenommen bei Schi-ffsverlüsten, schon nach 20 Jahren ersetzt werden.

(-)Lie Auflösung des alten Landtages soll, einer parlamentarischen Korrespondenz zufolge. Ende Mai eriolgen. Die Auflösung muh au» formellen Gründen erfolgen, damit nicht zwei Landtage nebeneinander bestehen.

X Fürst Philipp Eulenburg. Durch de« Münchener Hmdenprozeß (vergleiche da- gestrig« Blatt) hat der Streit Harden-Eulenburg eine sensationelle Wendung genommen, lieber die Zeugen»Vernehmung, die unter Aus­schluß der Oeffentlichkeit staltsand, wird jetzt bekannt, daß zwei Zeugen auftraten, ei» ehe­maliger Schifierknecht und ein Fischermeister auS Starnberg, mit denen Fürst Eulenburg al« Legationsrat bet der preußischen Gesandtschaft in München bekannt geworden war. Diese Zeugen bekundeten, in den achtziger Jahren schwere Unsittlichkeiten mit dem Fürsten getrieben zu haben. Fürst Eulenburg, der in dem ersten Moltke-Harden'Prozeß nicht zum Erscheinen vor dem Gerichtshöfe veranlaßt werden konnte, weil er schwer krank zu sein behauptete, bat be­kanntlich kurz nachher in dem Bülow-Brand» Prozesse beschworen: „Ich habe mir niemals Handlungen gegen den § 175 des Strafgesetz- - buche« zu schulden kommen lasten", und in dem zweiten Harden-Prozeß: „Ich habe niemals Schmutzereien getrieben." Diese unter Eid abgegebene Erklärung kann dem Fürsten Eulenburg nun verhängnisvoll werden. — Oberstaatsanwalt Dr. Jsendiel äußerte sich zu den Mitarbeitern verschiedener Berliner Blätter, daß die Münchener Zeugenaussagen auf dar ge­naueste geprüft würden und falls die AnSsagsr den Tatsachen entsprächen, solle mit aller Objek­tivität gegen den Fürsten zu Eulenburg vorge­gangen werden. Das ist wohl selbstverständlich. — Nach unseren Informationen rottb Harde» noch eine weitere Genugtuung bevorstehen, so daß seine gesamte Angelegenheit eine für ihn überaus günstige Wendung nehmen wird. Mag man auch zu Harden stehen wie man will, hier hat er dem Vaterlande doch einen Dienst erwiesen; denn dw Tatsache steht fest, daß die Reinigung am Hofe erst begann, nachdem Harden feine» Artikel geschrieben hatte.

-j- Von der „Rr-giernng rm Umherzichen" sprach im Jahre 1897 der Abg. Richter. Was würde er wohl heute sagen, wa sich folgende Tai- sachen ergeben: nur zwei Staatssekretäre sind noch in Berlin: Krätke und Nirberding. Fürst Bülow weilt mit feiner Gemahlin in Venedig und wird vermutlich erst anfang. Mai zurückkehren; Herr v. Tirpitz. weilt auf Sardinien, wo er eine Besitzung halt Herr Dernburg besucht die Ga­lerien und Altertümer Roms: der Minister des Innern, Herr v. Moltke, befindet sich gleichfalls in Italien: der Krisgsminister Herr v. Einem ist in Nizza eingetroffea; der Kultusminister Lelbrück tfi verreiste wird aber bald zurücke» earietder Finanzminister Herr, ix Rheinbaben oll am Donnerstag heimkehren, wogegen der

Im IturiLel'n.

Roman von Ernest» Gelva.

Nach einer wahren Begebenheit erzählt.

53} ^Nachdruck verboten.)

Noch einige Sekunden u$tb sie war nicht mehr »erbenfielt--dis Pupille war frei.

Es wäre schwer zu sagen, weiche von den beiden Personen wehr litt, die Patientin ober der Operateur. Der körperliche Schmerz war allerdiugI AngiolmaS Teil, aber die Seelengual des Arztes, welcher der Geliebten fa furchtbares Weh verursachen mutzte, war noch peinvoller.

Einen markerschütterrrden Schrei ausstoßend, preßte das arme Mädchen die Hände so fest zu» sammen, daß dis Nägel in bad zart» Fleisch drangen.

Ihr Will» war stark, aber dis Sörperkräste hielten nicht gleichen Stand mit demselben, das Bewußtsein verließ sie» und tödliche Blässe über­zog ihr Antlitz.

Oliver verlor feinen Moment fein kaltes Blut, er hatte diesen Umstand donmsgefehen, und hielt das Nötige in Berestschaft.

Nachdem er dis Jalousien der Fenster heraÜ- gelasser und das Zimmer äerimnfirit hatte, zog er ein kleines Fläschchen au» der Tasche und ließ hie Patientin den darin enthaltenen Ästhet ein­atme», dann setzte er den. Slockenzpg in Be- wegunq. ,

Die» war ein zwiMn chm und Rumera bei- i »ES ist gelungen", sprach Oliver ebenso bleich djettfj bewegt tote der Marchese; „eine Pupille ist bereits fteiP

. »D> Gott, ich danke dir!" schluckste Rionsra,

chor dem Bilde deS Gekreuzigt« i» dis Knie sinkend, dann erhob er sich, schwankend und wollte fgu «tngtoüna eilen, indem er auärief: r •J.'^r‘nc meine Tochter! Lassen Sie iKlB-öe. ymarmeni" ' -

Staatssekretär des Innern, Herr v. Bethmann- Hollweg bi» zum 28. Mai im Ausland weilen wird: Herr Sydow macht seine Aufwartung den bundesstaatlichen Höfen und weilt derzeit in Süddeutschland.

* Tie neuen Anleihen deS Reiches «nd Preußen» wurden am DienStag an der Berliner Börse im freien Verkehr lebhaft gehandelt. Der KurS fank bis auf 99,40 Pro;., also 1" Pf. weniger, als der offizielle Zeichnungskurs. Namentlich auS Hamburg lag ein größeres An­gebot vor. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Bankers eine Vergütung von 0,15 Proz., die Sn’eiben also zum Kurse von 99,35 v. H. er­halten hatten.

ni. Frankfurt, 23. April 1908. Der dritte Parteitag der freisinnigen Vereinigung bat im weiteren Verlause zur völligen Scheidung zwischen Freisinnigen und Sozial­liberalen geführt. Prof. Brentano-München und der Berliner Stadtverordnete Dr. Paul Natan hatten schon vor Beginn der Verhand­lungen de- Delegiertentages ihren Austritt au8 der Partei erklärt. Die Herren Barth, @er- lad), Breitscheid und ihr Anhang folgten ihnen, al» am Mittwoch eine Resolution abge­lebt wurde, welche die Stellungnahme der Fraktion zum Reichsvereinsgesetz bedauerte. Dte Debatte über die liberale FraktionSgemeinschaft, die Blockpolitik, war äußerst stürmisch. Die Minderheit übte eine scharfe Kritik an der Block­politik. Doch wurde das Mißtrauensvotum mit 315 gegen 98 Stimmen bei 18 Stimmenthal­tungen abgelehnt und eine Resolution an­genommen, welche die Aufrechterhaltung der Blockgemeinschaft unter allen Um­ständen verlangt. — Von dem Jubel über die Annahme der beiden Blockgesetze war in Frank- furt kein Ton mehr zu vernehmen; selbst die Schönredner der Partei konnten keine Begeisterung für diese „Erfolge der Blockpolitik- Hervorrufen. Unbehagen und Mißvergnügen machten sich aller­orts geltend; auch die Verteidiger der FraklionS- politik brachten zum Ausdruck, daß sie mit der Situation gar nicht zufrieden find. Die Reden, die von den Mitgliedern der Mehr- Heft gehalten rourben, waren im Grunde nur Variationen des Themas: Wir dürfen nnS nicht ausfchalten und daS Zentrum nicht an unsere Stelle kommen lassen. — Eine Aussehen erregende Mitteilung machte der Abg. Schrader. Fn seinem politischen Referate sagte er: »Dem Reichstage ging inzwischen die Novelle zum Börsengesetz zu, aber auch ein Etat mit un­geheueren Ausgaben für deren Deckung nicht ge­sorgt war. Es wurde kein ernsthafter Versuch gemacht, die Mittel zu beschaffen. Soviel ich weiß, ist in Norderney in den Unter­haltungen deS Fürsten Bülow dm Reichstags- abgeorbneten nabegelegt worden, damit zu warten. (Höri! Höri!)" — Wir müssen dem Abg. Schrader die Verantwortung für diese Mitteilungen überladen. Sind sie richtig, bann war also schon in Norderney die Ver­tagung der Reichsfinanzreform im Block eine beschlossene Sache. Trotzdem aber ließ Reichskanzler Fürst Bülow den Reichsschatzsekretär Fchr. v. Stengel sich Monate hindurch abmühen; man legte den Bundesstaaten die Steuertarife vor; der Reichskanzler selbst bezeichnele die Re- form als dringlich. Dann kam auf einmal die die Entlassung des verdienten Reichsfchatzsekretärs.

Durch die ÜHitteilunaen Schraders rottb dte von un« schon vor Monaten gebrachte Meldung be­tätigt daß Frhr. v. Stengel deshalb um seinen Adschred eintam, weil er sah, daß der Reichs- kauzler mit den Blocksübrern ganz andere Ab­machungen getroffen habe, als et nach den Mit­teilungen des Fürsten Bü'.ow annehmen wußte.

a. Stuttgart, 22. April 1908. Auf der ersten aügemeinen Versammlung deS Verbands- tags Deutscher Bodenreformer hielt Pro- sessor Adolf Wagner einen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag über staatliche Zu» wachssteuer. Der Bund der Bodenreformer t.nb dte ihm nahestehenden unabhängigen Sozial- Politikern haben sich allo durch die ablehnende Haltung der preußischen Regterung gegenüber ihrer Petition um Einführung der Wertzuwachs- steuer als Staatssteuer ntchi abschrecken lasten. Sie haben die Fortsetzung thres Kampfes um die Erreichung diejeS Zieles proklamteri. Bei der zähen Ausdauer, bie die setz gen Verfechter der Bodenretor . idee bei uns auSzeichnet, hat man also mit Sicherheit zu erwarten, daß dte An- geleaenbeit n- ch weiterhin die öffentliche Meinung bewältigen rottb.

Zu den Landtagswahlen.

$ecrtratien§männcrbcrfammlunß der ZentrumS- purtei des Wahlkreises Hunscld-Gersseld.

" Fulda, 22. April 1908.

Tie Vertrauensmänner des Wahlkreises Hünfeld-Gersfeld waren heute in der ..Hannoine" fast vollzählig versammelt zur Er­ledigung einer wichtigen Tagesordnung. Ten Vorsitz führte Herr Dechant Schwel z-Hunfeld.

Herr Reichstagsabg. M ü l l_e r-Fulda, der der Versammlung beiwohnte, erläuterte den Wert und die Bedeutung der neuen Parteiorga­nisation, die es durch den Aufbau von unten herauf ermöglichen soll, daß jeder Parteiangeho- rige zu seinem Rechte im Parteigctriebe kommt, als vollberechtigtes Glied der Partei zu seinem Teile miiraten und mittaten soll zum Wohle des Ganzen.

Es handelt sich heute zunächst darum, aus der Reihe der Vertrauensmänner einen Ausschuß zu wählen, gemäß der Bestimmung des Orzani- sationsstatuts, wonach auf je 10 Vertrauensmän­ner ein Ausschußmitglied entfallen soll. Es wur­den dementsprechend für den Kreis Hünfeld 8 und den Kreis Gersfeld 5 Vertrauensmänner in den Ausschuß gewählt, der dann noch durch einige Ehrenmitglieder, Veteranen der Partei, ergänzt wurde.

Ter bisherige Vertreter des Wahlkreises, Herr Oberforstmeister Kaute, der jetzt in Aachen wohnhaft ist, ließ der Versammlung durch Herrn Abg. Müller freundlichen Gruß entbieten und den Dank für das ihm während seiner 10jährigen Abgeordnelentätigkeit entgegengckbrachte Ver­trauen aussprechen. Wie schon bekannt geworden war, ist er in Rücksicht auf fein Amt und seine ^Familie nicht mehr in der Lage, ein Mandat zu übernehmen. Tie Versammlung sah sich also vor die Aufgabe gestellt, einen neuen Kandidaten zu benennen.

Diese Aufgabe war diesmal eine besonders ernste Sache wegen der großen Wichtigkeit der be­vorstehenden Wahl, bei der die Gegner sicher mit größerem Nachdruck versuchen werden, Bresche in den Zentrumsturm zu legen, bei der auch im Wahlkreise Hünfeld-Gersfeld die anderen Par­teien alle Minen springen lasten werden, um zu erreichen, war irgend zu erreichen ist. Für das Zentrum gilt es, in diesem Wahlkreise alle Kräfte

anzuspannen, um mit Ehren aus dem Kampfe heworzngebem Darum ist strengste Einigkeit und Geschlossenheit mehr denn je unbedingtes Erfor­dernis. Um so freudiger ist es zu begrüßen. al8 schon bei der Ausstellung des Kandidaten eine Einmütigkeit zum Ausdruck kam, die mit den besten Hoffnungen für einen guten Wahlausgang erfüllen muß. Diese Einmütigkeit war aller­dings leicht gegeben, weil das vorbereitende Ko- mitee einen Kandidaten in Vorschlag bringen konnte, der. wie in dem stürmischen Deifaü zum Ausdruck kam, sich ausgezeichneter Sympatbie» erfreut, einen Kandidaten, mit dem der Wahl­kreis entfdneben einen guten Griff getan hat. Ter Kandidat ist Herr

Amtsgerichtsfekretär Drinnenberg in Fulda, Un^erverbandsdirektor im Raiff» eisenverbande. Herrn Trinnenbergs Kan- didatur wurde von einer ganzen Anzahl von Red- nern unter begeisterter Zustimmung warm be­fürwortet. Tic Herren Pfarrer Atzert-Eckweis- backr, Rob. Krrcher-Fulda, Reichstagsabg. Müller- Fulda, Pfarrer Kehl-Burghaun, Pfarrer Golbach- SimmersHaufen, Bürgermstr. Nüdling-Lahrbach. Pfarrer Z rapPe-Schmalnau empfahlen ihn als einen überzeugten Zentrumsmann, einen warmen Freund der Werktätigen Bevölkerung, einen Monn, der schon jahrelang mit voller Hingebung durch feine Tätigkeit im Raiffeisenverbande vor allem fü' die Interessen der ländlichen,Bevöl­kerung gewirkt hat, der aus dem Wahlkreise selbst stammt und euch infolge seiner dienstlichen Stel­lung wie wenig andere mit den Verhältnissen der Eingesestenen vertraut und für sie stets in der alleruneigennützigsten Weise tätig gewesen ist, einen Ehrenmann vom Scheitel bis zur Sohle, einen arbeitstüchtigen und arbeitsfähigen Mann, der auch im Parlament für seinen Wahlkreis et­was zu leisten imstande sei und das Vertrauen, das mar auf ihn setzt, rechtfertigen werde.

Tie eingehende Aussprache über die Kandi­datenfrage ließ erkennen, daß Herr Amtsgerichts- fefretär Drinnenberg in der Tat der Mann de- allgemeinen Vertrauens ist. Verschiedentlich wurde noch nachdrücklich auf den Ernst der dies­jährigen Wahl hingewiefen und die Notwendig­keit betont, Mann für Mann zur Wahl zu kom­men. Am Wahltage müsse der Wähler alles lie­gen und stehen lassen, um seine Wahlpflicht nicht zu versäumen. Sache der Vertrauensmänner sei es, dafür zu sorgen, daß alles für die Wahl gut organisiert sei, daß zunächst die Listen nachgesehen werden und später alles geschlossen wählen gebe, und auch in den ganz sicheren Bezirken eine Wahl zustande komme.

Dem bisherigen Vertreter des Kreises, Herrn Abg. Kaute, sprach die Versammlung in einem Telegramm ihren Dank für die in zehnjähriger treuer Arbeit geleisteten Dienste aus. Herr Rob. Kircher wies aus diesem Anlaß auf die uner­müdliche Tätigkeit des Herrn Abgeordneten ht Sachen der Cisenbahnwünsche des Streife# hin. In Verbindung mit sehr einflußreichen und hochstehenden Herren habe sich Herr Kaute un­endliche Mühe gegeben, die so sehnlichst verlangte Eisenbahnverbindung durch die Rhön nach dem Eflcn durchzubringen. Der Plan sei gescheitert an dem glatten Nein des Finanzministers. Zur Erklärung dieser Ablehnung müffe man dis schwierige Lage des Geldmarktes berücksichtigen, die auch veranlaßt habe, daß der Umbau deS Bahnhois Fulda, der mit einem Aufwand von 314 Millionen bestimmt in Aussicht genom­men war, nicht m den Etat aufgenommen wurde und daß 5er Bau der Bahn T a » n - G e i s a, für die die Gelder bereits im vorigen Jahre bewilligt worden waren, um ein halbes Jahr hinausge­schoben wurde. Herr Landwirt Reinhardt« Mauerfchcll sprach den Herren Rob. Kircher und

Der Arzt trat ihm entgegen und die Rechte erhebend, sagte er voll ernster Strenge:

,Mcht Wetter, Herr Marchese. Ich brauche Ruhe, denn noch ist ha# Werk nicht vollendet. Eine starke Gemütsbewegung, eine Alteration der Nerven kann wieder zerstören, was ich er­rungen habe. Diese Augenblicks gehören mir ganz und ungestört und auch dann, wenn die Operation vollendet ist, dürfen Sie Angiolina weder sehen noch sprechen. Einen, ganzen Taz lang muß sie ruhen, das ist durchaus geboten. Und mm ziehen Sie sich zurück! Der Arzt ist es, der hier zu gebieten hat, ich muß die Operation vollenden."

Der Marchese nitfie zustimmend, schlich auf de» Fußspitzen zu Angiolina, beugte sich über die Ohnmächtige, und drückte einen Kuß auf die mar- metfatte Stirn des jungen Mädchens, von der die Schweißtropfen auf das blonde Gelock tropf­ten: dann wendete er sich zum Gehen, indem er, Linston die Hand entgegenstreckend, sagte:

„Angiolina ist die Ihriges Vollenden Sie Ihr Werk, Oliver, und Gott möge Sie dafür segnen. Jetzt kann ich zufrieden sterben!"

Rach Verlauf einer Stunde war die Ope­ration der beiden Stugen beendet und tonnte als gelungen betrachtet werd«.

21.

Neues SeBen,

In der Villa Rionera herrschte tagsüber lau­ter Jubel; einem Fremden, der von ungefähr ms Hans getreten wäre, hätte der Gedanke kom­men müssen, daß alle diese Leute, vom Küchen- jungen bis zum Hausherrn närrifefc geworden seien.

Der Marchese lachte und weinte vor Freude, lief durch die Zimmer, erzählte hi« Gertrude, bart feinem Kammerdiener, ja sogar der alten Koch«», die schluchzend ben Zipfel der weißen Schürze in die Augen führte, von der glücklichen Operation und daß die Marchefirm sehe = ja, wahr und wirklich $*er -••• • ■-

Dann umarmte er wieder Oliver, nannte ihn seinen Netter, feinen lieben Sohn und fragte ihn nach tausend Dingen in einem Atem.

Ter Arzt ließ sich nämlich nur auf Augen­blicke in dem Speisezimmer sehen, wo Niouero ihn voll begreiflicher Spannung erwartete. Er wollte feine Patientin nicht verlassen, welcher er gleich nach der Operation ein leichtes Schlafmit­tel gegeben hatte.

Angiolina schlummerte sanft, Oliver und Ger- trübe wachten abwechselnd an ihrem Lager.

Die ganze Hausordnung war zerstört. An diesem Tage aß niemand ordentlich zu Mittag m der Villa Rionero, Oliver hatte nur eine Tasse Bouillon unb ein Glas Madeira zu sich genom­men und der Marchese den Bitten Gertrudens nachgebend, aß und trauf etwas von dem, was !sie chm vorgesetzt, ohne nur zu wissen, daß es just leine Lieblmgsspeise gewesen.

Wenn man gesagt hätte, es habe Manna vom ! Himmel geregnet, so würde er es geglaubt Ha­ven: sein blindes Kind war ja sehend geworden — war das nicht ein größeres Wunder?

AIS der Tag zu sinken begann, herrschte die tiefste Ruhe in der unmittelbaren Nähe der Pa­tientin.

Oliver war unzugänglich gegen alle Bitten feines künftigen Schwiegervaters, der nur für wenige Sekunden die Tochter zu sehen wünschte; er bewachte die Schwelle von Angiolinas Gemach mit unnachsichtlicher Strenge und nur Gertrude durfte als Pflegerin chres Amtes darin walten.

Und bie Vorsicht des Arztes war eine durch­aus gerechtfertigte, denn die Zusammenziehung des Augenbogens und die starke Erregung des ganzen Auges — eine Folge der Operation — hielten die Diochern des jungen Mädchens noch fest geschloffen, ihre Nerven waren begreiflicher­weise in hohem Grade angegriffen.

Die Nacht war denn auch eine ziemlich un­ruhige. da Oliver die Dosis des Schlafmittels nicht erneuern wollte. Gegen Morsen aber ent­

schlief Angiolina und ihr Schlaf war ein natür­licher und stärkender. i

Als sie endlich erwachte, stand die Sonne schon hoch am Himmel, in dem Krankenzimmer aber herrschte ein mildes Dämmerlicht.

Es waren vierundzwanziz Stunden nach der Operation verslofien, als Angiolina die Augen öffnete, als sie die ersten Gegenstände unterschied, die sich ihrem Micke boten.

Nur langsam und fast sch«r wagte sie e8, bett Blick in die Runde schweifen zu lasten.'

Ja — es war kein Trcmm — sie fahl Hu- endlicher Jubel erfüllte ihr Herz, es ergriff sie ein förmlicher Freudentaumel und dann faltete, sie die Hände und weinte, während ihre Lippen Gebetsworte stammelten.

Di« erste, die sich ihr nahte, als sie die Augen, geöffnet, war Gertrude. Als Angrolina sie er­blickte, stieß sie einen Schrei aus und fragte, wer das wäre? Die Erzieherin umarmte bat junge Mädchen weinend und sagte, daß sie Ger­trude sei, ihr« Pflegerin, welche die Jahre heri bemüht gewesen, ihr die Mutter zu ersten, wor­auf Angiolina chr voll Zärtlichkeit dankte und sich au Anschein sich bemühte, daS Bild, das sie sich vcn ihrer Freundin gemacht, mit der Wirk- lichkeit in Einklang zu bringen.

ES wahrte heute lange; ehe die Toilette zu­stande kam, und als dann noch Gertrude benr schönen Mädchen bei gestanden hatte, die blonde» Locken, zu ordnen und ein lichtblaues Moustelin- kleid anzulegen, verlangte Angiolimr mit beben­der Ungeduld danach, ihren Baier zu sehen.

Wenige Minuten später lag sie m den Armeiri deS Baiers, der mit fieberhafter Ungeduld dies«; Zeitpunkt erwartet hatte. , ___

Beide schluchzten — die Worte fehlten lhnett Das höchste Glück ist stumm.

Der Marchese bedeckte bie Stirn der geliebte» ToÄer mit Tränen und Küssen--da fühlte

er, daß deren Kopf schwer auf seine Schulter fief; erschreckt richtete er sie auf, und bemerttt daß Angwkimr ohnmächtig geworden war. (F. tzji