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MaerW Zeitung

monotsbcDage: „Zuldütt GeschichKblSttek"

Ä2Ä- woch-nbtiiM:IllustrierteSonntagrzeitung"

35. Jahrqanq.

Fulda, Samstag den 11. April 1908.

JV3 85.

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viertes Matt.

K Sisliarcks St««KstrrichpWk.

Helleres Licht auf die Entwickelung der Dinge bei der BiSmarckS-Entlassung wirft ein neues Werk von Egelhaaf über die neueste Geschichte, aus dem jetzt verschiedene Zeitungen Auszüge veröffentlichen.

Die Reichstagswahlen vom 20. Februar hatten den Zusammenbruch der Kartellmehrhert gebracht: jener Kartellmehrheit von 1887, dre Fürst Bismarck als den Ruhm seiner Staats­kunst und die Stütze seiner Politik betrachtet hatte. Insofern waren die Wahlen von 1890 eine Niederlage Bismarcks. Den alten Staatsmann ;muf$te diese Niederlage um so mehr schmerzen, als er jetzt einen jungen Monarchen mit neuen Ansichten und starkem Eigenwillen über sich hatte und mit demselben bereits in Meinungsverschie­denheiten stand.

Unter diesen Umständen konnte ihm die Auf­gabe, mit einem Reichstage unter ausschlag­gebender Stellung des Zentrums arbeiten zu müssen, nicht sehr verlockend erschei­nen. Ohne oft erst den Abschluß deS .ganzen Wahlaeschäfts abzuwarten, entwickelte er sofort dem Kaiser ein ganzes Programm der Kon- f l i k t p o li t i k bis zu dem schlimmsten Ende. Die neuen Militärforderungen würden vermut­lich zur Auflösung führen; wenn dann die näch­sten Wahlen abermals keine Kartellmehrheit lie­fern würden, follte nochmals an das Volk appel­liert werden. Wenn auch die zweite Auflösung nicht zum Ziel führen würde, so sollten die B u n- deSfllrsten zusammentreten, sich von der be- Seihenden ReichSverfassun g lossa­ge n und eine neue Verfassung verein­baren mit einem auf anderer Grundlage ge­wählten Reichstag. Also die Abschaffung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts durch einen Staatsstreich, eine Revolution von oben.

Fürst Bismarck hielt damals ein friedliches Weiterarbeiten mit „diesem" Reichstag für un­möglich oder stellte wenigstens dem Monarchen diese Unmöglichkeit vor. DaS muß man vor allem im Auge behalten, wenn man verstehen will, warum Windthorst damals sich veran- anlaßt sah, eine Besprechung mit Bismarck her­beizuführen. Dem Zentrumsfllhrer ist vielfach der Vorwurf gemacht worden, er habe durch die Konferenz mit Bismarck hinterlistigerweise den Gegensatz zwischen dem Kaiser und dem Kanzler verschärft. In Wirklichkeit verfolgte Windthorst nur den Zweck, eine friedliche Entwicklung unter den neuen Verhältnissen zu erleichtern Daß ihm das nicht gelungen ist, kann man sich nachträglich leicht erklären. BiSmarck wollte gar keine Annäherung an die neue Reichstags- mehrl-eit, sondern stellte in radikalem Zielbe» wußtsein seine Sache auf den Konflikt.

Ter Großherzog von Baden soll damals ge­sagt haben, der ganze Vorschlag des Kampfes mit dem neuen Reichstag sei nichts als ein Trick des alten Bismarck, der den Kaiser und das Volk untereinander verhetzen wolle, um sich un­entbehrlich zu machen. Egelhaaf protestiert leb­haft gegen diese Aeußerung und rühmt die .Va­sallentreue des greisen Recken". Auf die „Va­sallentreue' wirft es aber ein eigentümliches Licht, daß derselbe Bismarck, der 1890 die Für- fter zum eigenmächtigen Eingriff in die Volks­rechte zu gewinnen suchte, ein paar Jahre später cffcntfirfi den Reichstag zum schärferen Auftreten geigen d°e Fürstengewalt ausforderte: -- weil seine Person inzwischen der Fürstengewalt hatte Weichen muffen. Mag man über die Absicht

Bismarcks im Februar und März 1890 streiten — di« Wirkung seiner Pläne wäre jedenfalls die gewesen, daß der junge Kaiser in den schärf­sten Zwist mit der Mehrheit des Volkes geraten wäre und von BiSmarcks eiserner Hand abhängig geworden wäre.

Die Hauptsache ist nun aber, daß inzwischen die Tatsachen klar bewiesen haben, tote unnö­tig der ganze verhängnisvolle Plan einer ge­waltsamen Abschaffung des volkstümlichen Wahl­rechts war. „ES ging auch so." Eine ordentliche HeereSverstärkung wurde dem, Nachfolger Ca­privi schon vor dem 1890er Reichstag glatt be­willigt. DaS große Heeresgesetz von 1893 führte zwar zu einer Auflösung, aber es ging mit einer einzigen Neuwahl reckt glimpflich ab. Die nach­folgenden großen Flottengesetze wurden vom Reichstag ohne Konflikt bewilligt — von diesem Reichstag des allgemeinen und gleichen Stimm­rechts, den Fürst Bismarck zum Anlaß eines Staatsstreiches zu machen gedackte. Nun haben wir freilich 1906 wieder einen Konflikt gehabt, aber alle Welt ist jetzt wohl einig darüber, daß dieser Konflikt keine Staatsnotwendigkeit, son­dern ein Bülow 'sches K u n st st ü ck war.

Nun hat neuerdings wieder ein Reickskanzler über die angeblichen Schwächen des bestehenden Reickstagswahlrechts gesprochen, allerdings mit dem Zusatz, daß die Verbündeten Regierungen keine Aenderung beabsichtigen. Daran tun sie klug. Denn die Erfahrung zeigt ja deutlich, daß Deutschland bei diesem weitherzigsten Wahl­recht reckt gut bestehen kann. Die Sozial­demokratie muß freilich bekämpft werden, aber nickt nach Bismarckscker Manier mit Rechtsbe- sckränkung und Gewalt, sondern durch Sozialre­form und durch richtige Erziehung des Volkes im christlichen und nationalen Geiste.

0 Gedanken über Mckengutr- ViebftShle in a'ter und neuer Zeit.

Eine Scherzfrage zur Einleitung: Welche Aehnlichkeit besteht zwischen dem französischen lenkbaren Luftschiff „La Patrie" und der Mil­liarde der französischen Ordenskongregationen, nach welcher die Kultnrkämpfer so großen Appetit hatten? — Beide sind ins blaue Nichts verduftet.

Daß eingezogene Kirckengüter in ganz andern Taschen verschwinden als in denen des Volkes, dem man, um seine Zustimmung zu gewinnen, Wunders welche Steuererleichterung und andere Annehmlichkeiten zu versprechen pflegt, ist nicht neu.

Wie ist man nur umgespnrngen mit den bayerischen Klöstern, als Minister Montge- las ihre Konfiskation verfügte? Mußte doch selbst Montgelas' getreuester Schildknappe, der Ritter von Lang, in seinen Memoiren (II. 90) bekennen:

„WaS mein Vertraue» zu den öffenilich bekannten freisinnigen Grundsätzen der bayerischen Regierung er­schütterte, war die gedanlenlose Willkür, Verwirrung und Habsucht, welcher sich die oberen Be­amten ergaben, und die tiefe Verworfenheit und illoheit, besonders mancher höherer Beamten, die ohne §cheu bervortrat. Das Empörendste von allem, wie diese Herren die Stiftungen ausgeplündert, vollständig zu schildern, reicht hier der Platz nicht hin."

Und wie ging es mit Italien, das ja auch einen ordentlichen Griff getan hat nach Ordensgütern? Lasten wir uns diese Frage be­antworten von dem protestantischen Gelehrten Heinrich Gelzer, der im Jahre 1898 in der Zeit­schrift für Kulturgeschichte eine Schutzschrift ver- öffentlichte: Pro monachis oder „die kulturge­schichtliche Bedeutung der Klosteraufhebungen in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts". (Vergl. Ausgewählte kleinere Schriften, Leipzig 1907 S. 156 ff.) Da lesen wir:

.Der Sieg des LiberaliSakuS auf der iberischen (spanisches Halbinsel in den dreigiger Jahren und die politische Regeneration Italiens feit 1K60 bedeuteten aemäß den herrschenden politischen Anschauungen den Untergang nahezu aller klösterlichen Institute. Auch hier hat die aeschichtSfeindliche Barbarei, welche man gemeinhin Gestttung des 19. Jahrhunderts nennt, ohne einen Schatten von Pietät historisch fo ehrwürdige Stätten rote Subiaco, Ballombroso. Assist usw. er­barmungslos den Gnadenstoß gegeben, oder um Bil­dung und Wissenschaft so hochverdiente Anstalten wie Plontecassino, in eine geradezu unwürdige Armut ver­setzt. Und was hat die Nation roirtichastlich bei der Säkularisation des ungeheuren geistlichen Grundbesitze« gewonnen? Die ewig geldbedurftige Regierung ließ die wahrhaft etndfle Gelegen'eit, einen tüchtigen Bauern- stand zu schaffen, ungenutzt verstreichen. Das Kirchen- gut wurde zu Schleuderpreisen an Magnaten und Spekulanten versteigert, und das uralte Krebsübel Italiens, die Latifundienwirtschaft, durch die liberale Gesetzgebung und Verwaltung in unverantwortlicher Weise sanktioniert. Was der große August Böckh be­reits 1817 in seiner Staatshalt-Haltung der Athener (1, 519) von Deutschland sagte, gilt in erhöhtem Maße von Italien: .Ungeachtet der Häusiqkeit der Güterein­ziehung scheint der Staat wenig wesentlichen Wert da­von gehabt zu haben, wie unseren Staaten die Weg­nahme des KirchenguteS meist roen'g ge­frommt bat."

Und jetzt die Milliarde der französischen KonareaationenI Doch halt, die Milliarde war ja nicht da. Die Kulturkämpfer hatten sie als Speck zum Mänsesanaen ausaestecki: den Arbei­tern haben die sozialistischen Klosterstürmer einen Hauptkapitalstock für eine Altersrente in Aussicht gestellt. Und das Ende vom Lied? Statt der Milliarde, mit der man das Volk gegängelt, sind 32 Millionen geholt worden und diese sind ver­schwunden in den Taschen der Herren Kultur» kämpfer selbst. Auch der Sozialisten-Minister bat beim „Expropriieren" fleißig mitgemackt und dabei nach dem Grundsatz gehandelt: Nicht wis­sen soll die linke Hand wieviel die rechte — ge­nommen! Ja, ja, „an der Quelle saß der Knabe".

Die Kulfurkämpferei ist für viele Leute ein recht einträgliches Geschäft, um sich aus anderer Leute Haut Riemen zu schneiden. Da schreien sie dann über den „guten Magen der Kircke die ganze Länder aufgefresten", und siebe da, das ist ein allgemeiner Brauch: sozialistische, freimaue- rische Kulturkämvfer tun das auch! allerdings, ein kleiner Unterschied bleibt: das Kirchengut kam dem Volke zu gut. Diese Herren aber füllen die eigene Tasche. Selberessen macht fett!

Deutsches Reich.

△ Den endlicher Abschluß großer Kämpfe kündigt die folgende Meldung an: Die feierHdbe Einweihung der Hohkönigsburg. die auf Kosten des Reichs und Elsaß-Lotbringens von Bodo Ebbardt restauriert worden ist. findet am 13. Mai statt. — Ob dem Kaiser inzwischen das Bild der w i r k l i ch e n alten Hohkönigsburg vor- gelegt worden ist, die jetzt in durchaus falscher Weise restauriert worden ist, wie der Zentrums» abgeordnete Dr. Pfeiffer neulich im Reichstage nackwieS, wird allerdings nicht gemeldet.

* Sparsamkeit bei Teilungen und Zusammen­legungen von Gütern, den sogenannten Separa­tionen, bezweckt ein Erlaß des Lanbwirtfchafts- ministerS an die königlichen Generalkommisnonen. Die Anregung ist von der Generalkommissio» tn Merseburg auSregangen. Diele hatte darauf hingewresen, daß bei der Durchführung von Teilungen und Zusammenlegungen die Kosten, die den Beteiligten zur Last fallen, oft eine bedeutende Höhe erreichen. Die Ausbringung der Kosten durch die Pflichtigen sei oft sehr schwierig, selbst bei erheblichen Unterstützungen aus öffentlichen Mitteln. Pflicht der leitenden AuSeinandersetzungS«

I behörde sei es deshalb, der Frage der Kosten von Anfang an besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Der LandwirtfchaftSminister will nun das Augen­merk der Generalkommisstonen auf diese Anregung lenken. Besonders erwünscht wäre es, wenn schon bei Br rinn eines Umlegungsverfahrens und ebenso bei dem Entwurf kostspieliger Wege-, Gräben-, Brücken, und anderen Anlagen die Rentabilität eingehend erwogen würde. Es fei auf größte Sparsamkeit zu halten. Auch die Aufbringung der notwendigen Geldmittel soll durch die Beschaffung eines geeigneten Kredit­erleichtert werden. Dabei soll auch einer etwaigen Belastung der Beteiligten durch andere Unter­nehmungen Rechnung getragen werden. Jeden­falls müßten sich aber die Spezia kommiffare über die Höhe der Kosten, die den Beteiligten zur Last fallen, und dre Art, wie sie aedectt werden sollten, tm Voraus Klarheit beschaffen.

Vermischtes.

* Eine« wohlgelungene« Aprilscherz leistete sich die „Grenzzeitung" in Waldsassen. Sie ließ sich aus Konstanz drahten, daß am 1. April Graf Zeppelin mit seinem Luftschiff nach Berlin segle und dabei die Route Nurnderg-Wiesau-Eger- Chemnitz-Berlin einschlaze. Nachdem der Witz­vogel auch genau die Zeit angab, zu welcher ba» Luftschiff die Orte Wiesau, Mitterteich, Wald­sassen 2c. passieren sollte, waren es nicht Dutzende, sondern Hunderte, die er in den April schickt«. Ganze Ortschaften wanderten auf die nahegelege­nen Berge oder hochgelegenen Punkte, das Idahen des Luftballons zu erwarten. In einigen Orten haben sogar die Lehrer die Schulkinder auf höher gelegene Punkte geführt.

* Deutsch-amerikanischer Lehreraustausch. Der Prosessorenaustausch zwischen Deutschland und Amerika hat bisher nicht ganz die von seinen Be­gründern erwarteten Ergebnisse gehackt. Di« Lebrtoeife ist gerade beim höheren Unterricht recht verschieden in beiden Länderit, und hüben tote drüben scheinen die Studierenden nicht übermäßig viel von den Austauschprosestoren profitiert zu haben. Nun taucht neuerdings der Plan eines Schullehreraustausches zwischen Preu­ßen und Amerika auf. Jährlich sollen 25—50 Lehrer aus dem einen Lande in das andere ge­sandt werden, vermutlich auch in dessen Schuler» unterrichten.

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Kleines Feuilleton.

— Zerstreute Professoren. Professor Fricke tn Leipzig, der als 86jähriger Greis soeben heimge­gangen ist, gehörte bis zum Spätabend feines Leckens zu den unermüdlichsten, Arbeitern im Lande. Oft genug leuchtete biS tief nach Mitter­nacht, ja bis zum Morgengrauen der einsame Schein feiner Studierlampe auf die Straße herab. Drängte die Arbeit besonders und drohte ihn noch der Schlaf zu überwältigen, so wußte er ein pro­bates Mittel. Er steckte die nackten Füße in ein Gefäß mit kaltem Wasser, und alsbald war die Müdigkeit verschwunden, lieber die Gelehrten­zerstreutheit, die namentlich am Abend seines Le­bens auch Fricke eignete, gingen im Munde der Studenten zahllose, gar lustige Geschichten. Doch durch die Nebelwolken des Berichteten und dazu auch wohl frei Erfundenen bricht je und je die rührende und innige Liebe, die über den allver- ehrten Lehrer Wohl einmal lachen, doch nimmer spotten konnte. Einst kam man an feinem eigenen gastlichen Tische auf das Thema der Professoren­zerstreutheit zu sprechen, und ein junger Musen­sohn erzählte lustige Geschichten von Professor Kahnis, dem längst Heimgegangenen Freunde Frickes, der in seiner Zerstreutheit nicht nur trotz Regens nach dem Gruß manchmal vergaß, den Zylinder wieder aufzusehen, sondern auch seine Predigten in der Paulinerkirche so manchmal, als stecke er auf dem Katheder, mit einem gemächlichen »Meine Herren!" begann. Als ihn Prof. Hengsten­berg in feiner Kirchenzeitung dereinst zu Unrecht hart angegriffen hafte, wandelte, so erzählte der Musensohn, Kahnis traumverloren die Straße da­hin, die dogmatische Streitfrage mit Hengstenberg prüft und tief erwägend. Plötzlich bleibt Kahnis .stehen, und mit festem Griffe packt er einen ihm ftodfrentoen Herrn, der ihm eben begegnet, beim Rockkragen. Sein ganzes Antlitz hellt sich habet 4Wf und dem Zaun feiner Zähne entflieht ein tri­

umphierendes „Halt, Hengstenberg, jetzt hab' ich dich!" Sonnenklar war's ihm geworden, daß und wieso sein streitbarer Gegner unrecht hab«. Still hatte Fricke der Erzählung zu gehört. Dann ent­gegnete er: „WaS da, ProsessorenzerstreuiheitI Was die Welt Zerstreutheit nennt, ist bei dem eifrigen und fleißigen Professor genau das Gegen­teil, nämlich Konzentration der Gedanken auf den Punkt, der ihn vor allem beschäftigt. Diese Gei­steskonzentration verhindert freilich so manchmal, daß gleichzeitig ein Professor um die Bagatellen des Lebens sich eifrigst kümmert, z. B. ob es ge­rade regnet, und wer gerade an einem vorbei geht. Es können nur seichte Geister fein, die, weil sie stets an der Oberfläche haften und zu träge sind, in die Tiefe zu graben, sich noch in die Brust werfen und so recht von oben herab über den „zer­streuten Professor" spötteln."

— 2X6=13. Unter dem eigenartigen Titel 2X2=5 wird in Berlin ein Bühnenstück des Dä­nen Gustav Wied aufgeführt. Der Titel erinnert an eine merkwürdige Geschichte aus dem alten Berlin. Es war im Jahre 1672, am 23. Dezem­ber, als zwei Soldaten, der Sergeant Klaus Beh- rend und der Musketier Otto, wegen Diebstahls am Militärgalgen auf dem Molkenmarkt gehängt werden sollten. Für den Sergeanten, der sich nur der Hehlerei schuldig gemacht hatte, brachte der Kaiserliche Gesandte eine Fürbitte beim Kurfür­sten an. Friedrich Wilhelm begnadigte selten, ließ sich aber in diesem Falle zu einer bedingungs- toen'en Begnadigung erweichen. Die beiden Sol- •c!1 unter dem Galgen um ihr Leben würfeln. Auf dem Molkenmarkt wurde eine Trommel ausgestellt; auf ihr lagen zwei Würfel. Klaus Behrend tat den höchsten Wurf und wurde fretgetaffen, der andere aber gehängt. Das ist der historische Tatbestand, der später Veranlassung gab zu einer Volkssage, die sich noch bis zum heutigen Tage in Berlin erhalten hat. Hiernach sollen zwei ßeibtrabanten ein schönes Mädchen geliebt haben. Der eine von ihnen ermordete aus Eifer­sucht daSMädchen. der Verdacht ober fiel auf beide

Liebhaber. Da auf keine Weise die Schuldfrage geklärt werden konnte, mußten beide nm ihr Le­ben würfeln. Der Mörder warf zuerst und stieß einen Freudenschrei aus, als beide Sechsen oben­auf lagen. „So hilf mir Gott in meiner Un- schuld!" rief der andere, ergriff die Würfel, warf sie auf die Trommel und — hatte gewonnen, denn die Würfel zeigten 13 Augen. Der eine war näm­lich beim Wurf auSeinandergesprungen, die Hälfte hatte sich umgekehrt, und so stand neben den bei­den Sechsen noch eine Eins.

— DaS Ende bet Blonden prophezeit Profes­sor Mason in einem längeren Aussatz der „Con­temporary Review", in dem er zu dem Schlüsse kommt, daß die blonde Rasse, die in der Geschichte als die stärkste und überlegenste erscheint, in nicht allzu ferner Zeit erlöschen wird. Alle Eroberer- rassen. alle kolonisierenden Stämme haben mit einziger Ausnahme der Araber den blonden Ras­sen angehört. Was die Römer anbetrifft, so wa­ren mehrere der Völkerschaften, die später die berühmte Bürgerschaft bildeten, von ausgespro­chen blondem Typus. Blond waren in Europa auch die Gallier, die Teutonen, die Slawen, die Griechen, die Skandinavier, die Engländer. Und in Asien vertreten die Arier, die Meder und die Perser den blonden Typus. Von den alten Grie­chen scheinen die Ma^donier blond gewesen zu sein und blond sind auch alle Helden HomerS. Das Volk, das Venedig gründete, hatte ebenfalls helles Haar und blaue Äugen' und auch die Bar­baren, die Spanien erobert haben, gehören, trotz­dem sie Mauren genannt wurden, den Blonden an. Im Allgemeinen scheint es, daß die Menschen mit den hellen Haaren und den blauen Augen eine größere Widerstandskraft gegen Krankheiten zeigen, als die brünetten. Darin gleichen sie den Schwarzhaarigen und auch den Rothaarigen, die körperlichen Leiden gegenüber viel zäher sind, als die brünetten. Die nervösen Krankheiten z. B. verteilen sich wie folgt: Rote 0,6, Schwarz« 5,6, Monde 11, Hellbrünette 36,4, Dunkelbrünette 46.8. Aber die Ursachen für das schnelle Sin-

schwinden des blonden TypuS hängt wohl tn erster Linie davon ab, daß er dem Großstadtleben sich nicht anpaßt und im freien Landleben seine Hauptstärke hat. Da aber die Städte im­mer mehr anwachsen und das Landleben auf­saugen, so treten auch die Blonden in den Bann­kreis der Städte, wo sie bann verlöschen. Profes­sor Mason berechnet, daß in sechs Jahrhunderten die Blonden verschwunden sein werden.

— Elektrischer Bahnbetrieb in Schweden. In der „Zeitschrift des Vereins der Ingenieure" rst zu lesen: „Die Versuche mit elektrischem Bahn- befrieb in Schweden find nunmehr abgeschlossen und ein Bericht deS leitenben Ingenieurs ist dem schwedischen Reichstag eingereicht worden. Auf Grund dieses Berichtes, der neben der tech­nischen auch die Kostenfrage eingehend behandelt, sind Kostenanschläge und Pläne für die Einfüh­rung des elektrischen Betriebs auf dem über 2003 Kilometer umfassenden Bahnnetz des südlichen Schwedens ausgearbeitet worden, wobei die ge­waltigen Wasserkräfte des Landes ausgenützt werden sollen.

-- Ten preußischen Landboten ist man „auf» Dach gestiegen". Für die Herren war auf dem Kesselgebäude des Abgeordnetenhauses in Berlin ein Dachgarten eingerichtet worden. Die Ge­werbepolizei hat nun darauf hingetoiesen, daß aus dem Kssselbetriebe für die sich auf dem Dache aufhaltenden Personen beträchtliche Gefahren für Leben und Gesundheit (durch Feuer, ausströmen, den Dampf und Kesselerplosionen) entstehen kön­nen. Präsident d. Kröcher glaubte unter solchen Umstanden die Verantwortung für die Benutzung des Dachgartens nicht mehr übernehmen zu kön­nen und hat deshalb den Zugang zum Dach sper- ren lassen.

— Hatte er gelogen l Von zwei Streitenden ruft de» eine wütend aus: „So! Also ein Lügner bin ich!" — „Bewahre." entgegnet der zweite, „Du hast doch eben dis Wahcheit gebrochen!"