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35. Jahrgang.

Fulda, Samstag den 11. April 1908

M 85.

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142 Mitglied«

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Abgeordnete.

fünf

Deckung Liberalismus fei

Es hämmert -er Karfreitag empor.

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[] Zu den Landtagrwahlen.

Der jetzt geschlossen» Landtag setzte sich wk

in dieser Stacht kein Auge schließen vor lauter Leid und Traurigkeit üb« -es Heilandes Küm­mernis.

seruani. In der kleinen Kirche daselbst, beim Scheine von 200 Lampen, wie die Pilgerin er- zählt, gedenkt man in Gebeten und Gesängen und in der Lesung des Evangeliums vom lieben Jesus am Oclberg und von feiner Gefangennehmunz

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wochmb«ll»g«:IllustrierteSonntagszeltung

DsiksmrWaMches und LsMies.

* Frankfurt a. M., 10 April 1908. Da die Unterhandlungen im Malergewerbe gescheitert sind, sollen in Süddeutschland, der Provinz Hessen- Nassau, einem Teil der Rheinprovinz und einigen norddeutschen Städten am Samstag rund 60 000 Arbeiter, die den freien Gewerkschalten angehören, aus gesperrt werden.

des leidenden Erlösers.

Hierauf setzt sich eine Prozession in Beweg­ung nach der Stadt hinab und durch dieselbe hin zur Kreuzigungsstätte. Nach der Verlesung deS Evangeliums vom Verhöre Jesu und einer An­sprache entließ der Bischof das Volk mit der Auf­forderung, gegen 7 Uhr morgens zur Verehrung des hl. Kreuzes wiederznkommen.

ES war eine rührende Zeremonie dreie Ver­ehrung des hl. Kreuzes am Karsamstag Morgen zu Jerusalem. Ter Bischof nimmt auf seinem Bischofsstuhle Platz: vor ihm steht ein mti weißen Linnen gedeckter Tisch, um den Tisch stehen die Diakonen. Es wird die mit Silber beschla­gene Truhe gebracht, in der man das Kreuz Christi cnrfbewahrt. Die Truhe wird geöffnet, das hl. Kreuz samt dem Kreuzeststel wird tzerausgeiwm- men und auf den Tisch gelegt. Die Gläubigen imd die Katechumenen treten heran, verneigen tich, küssen das Kreuz und berühren es mit der Tür» und mit den Augen, nicht aber mit den fänden: und so ziehen sie einzeln alle vorüber. : die Diakonen halten die Wache. Wie ehrwürdig \ erscheint uns jetzt die Zeremonie der Kreuzesver- : ehritug am Karfreitagmorgen, wo nur sehen, daß schon Vor mehr denn 1500 Jahren an den heiligen • Orten zu Jerusalem genau dieselbe Zeremonrt ■ von unseren Vorfahren im Glauben geübt uni

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Monatsberlage: „Suloaer Eeschichttolatter Zernsprecher Nr. 9.

folgt zusammen: Konservative Partei Freikonservative Partei Zentrumspartei Natlonalliderale Partei Freisinnige Bolkspartei Freisinnige Bereinigung Polen Dänen

gebrochen sei.

Ganz besonders eindrucksvoll waren die Feier» am Gründonnerstag mrd Karfreitag.

Schon beim ersten Hahnenschrei am Grün­donnerstag Morgen begann die Psalmodie: Kle­rus und Volk begrüßten den neuen Tag mit Psal­men gefangen. Die hl. Messe wurde erst um 4 Uhr nachmittags gefeiert, vom Bischöfe selber, in der Kirche auf Golgatha: während der Messe empfing das Volk die hl. Eucharistie: man war noch nüch­tern, denn nach demselben Berichte der gallischen Pilgerin und nach den ungezählten Zeugnissen auch anderer Schriftsteller der ersten christlichen Jahrhunderte fasteten die Christen in der Art, daß sie bis zum Sonnenuntergaug nicht die ge­ringste Nahrung zu sich nahmen. I» dieser all­gemeinen Kommunion des Volkes am Gründon­nerstag Abend erkennt matt unschwer die Erinner­ung an das Abendmahl des Herrn und an die Kommunion der Jünger im Abendmahlssaal« zu Jerusa^m am Gründonnerstag.

Gegen 7 Uhr des abends zog da» Volk von Golgatha nach der Eleona-Kirche auf dem £ek berg, und gegen 11 Uhr abends zum Gipfel Berges, und verbrachte die Nacht singend u-.b betend bis zum ersten Hahnenschrei des Karfrei­tages. Der Heiland hatte die ganze Nacht bor.t Donnerstag auf den Freitag in Leiden durch­wacht, teils vor dem hohen Rat, vor Annas uud KaiphaS, als Angeklagter sichend, teils im dunk­len Verließ, wo er den Morgen erwarten mußte: so wollte auch das christliche Volk von Jerusalem

Die Feier der Karwoche

vor mehr denn 1500 Jahren in Jerusalem.

Durch die von Geyer herausgegebene Pere­grin atio Silviae sind wir in der Lage, bis mS ein­zelne «nzugeben, wie die Christen w. Jeru­salem zwischen den Jahren 383 und 394 bte gro­ßen kirchlichen Feste — Ostern, Christ, Hrmnel- fahrt, Pfingsten, Weihnachten, die Darstellung Jesu im Tempel, das Fest der Kreuz-Auffindung am 14. September u. s. f. — begingen. Dieser Reisebericht wurde zwischen 383 und 394 am Ende einer dreijährigen Pilgerreise verfaßt. Die Pil­gerin, deren Wohnort wahrftheinlich in Südfrank- reich an der Rhone lag, hat mit großer Treue und Genauigkeit die Eindrücke und Erlchnisse, die sie in Jerufalem wahrend erues längeren Auf- enthalte» sammelte, anfaezeichnet und der Nach­welt überliefert E» ist außer Frage, daß sie unsere volle Glaubwurdig^it berinent, tote denn auch die Gelehrten ihren Reisebericht als eine Fundgrube von zuverläffigen und eingehenden Nachrichten über die Liturgie der alten Kirche be­nutzen.

Lassen wir uns also von -er Pilgerin er­zählen, was sie in den Kurtagen des Jahres 383 zu Jerusalem gesehen und erlebt hat.

Der Palmsonntag bricht an. Am Morgen werden in der gewöhnlichen LÄnse die sonntag- lichen Gottesdienste gefeiert, aber heute in der Kirche auf Golgatha, dre man auch Mar- tyrium nannte, eben weil sie auf der Marter­stätte des Gottes lammes steht

Um die siebente Stunde des Tage-, also um 1 Uhr nachmittags, nehmen die Gedächtnisfetern zu Ehren des Leidens Jesu Christi ihren Anfang. Das Volk zieht mit dem Bischof zur halben Höhe des Oelberges hinauf, dorthin, wo j>ie Höhle ist, von der aus der Herr in lehren

Berechtigung enthält (St hat deshalb eta starkes Jn- terefle darrür, von solchen AuSbrüchen tonfefiioneflra Ueberetferf abzurücke« und die Berantwottung। fürJw Folgen und für »es-enschläge von anderer eeite denen Mjntschieben, drc au» bet bedauerliche« Enge ihte« SesichtSkretseS heraus den Frieden mcht zu wahre» wissen.-

Es ist von der .Köln. Zig." sehr — klug, toenu sie von den sächsischen Fanatikern abruckt. Aber die Erkenntnis, daß es auf diesem Wege der kon­fessionellen Verhetzung nicht weiter gehen kann, kommt zu spät. Ter L i b e r a l i s m u s Hal die konfessionelle Heye gegen die Katho­liken seit Jahrzehnten bis heute so gefliftentlr - genährt und gefördert — wlr erinnern nur an die Kulturkampfzriten und an die öeuen der letzten Reichstagswahl —. daß er die Geister, die er rief, nun nicht mehr los wrrd. Gelegcnt- liche Abschüttelungen von einseitigen Fanatikern andern nichts an der unumstößlichen Tatsacke, daß der Liberalismus eine ausgeprägt tatbolifen- feindliche Partei ist, und an der konfessionellen Verhetzung, wie sie in unseren Tagen in prote­stantischen Kreisen leider wieder im Schwünge ist. ein gut Teil Schuld tragt. Was in der sach- fischen Kammer sich ereignete, ist nur eine von den unzähligen schlechten Früchten, die am Baume des Liberalismus gewachsen sind. — Jetzt schreit man in sächsischen Zeitungen Zeler und Mordio, Wei. der katholische König von Sachsen an dem Tage, als er seine Tochter Anna (Pia Monika) zum ersten Male sah und in das Vaterhaus abholen kam, mehrfach das Gotteshaus besuchte. Den guten Sachsen sträuben sich die Haare well sie nun fest glauben, die Prinzessin Anna, bekmul- l:ch jetzt noch ein kleines Kind, solle einst in c in SH oft er eintreten. — Gräßlich I

* Höchst (Main), 9. April 1908. Tie Delegier- teuocrsammlung des Bezirksverbandes der katho­lischen Arbeiter-und Männerv-reine für Frankfurt a. M., Maingau und Taunus nahm folgende Resolution an: Der 2. Bezirksdelegier- tentag erachtet eine durchgreifende Reform des be­stehenden Wahlrechts zum Preußischen Land­tag als eine unbedingte Notwendigkeit. Tas be- stebende Wahlrecht ist nicht gleich, nicht geheim und nicht direkt, daher ein ungerechtes, ein Geld- fackswahlrecht. Der 2. Delegiertentag protestiert entschieden gegen das Weiterbcstehen dieses Wabt- rechts, da es einen großen Teil des Volkes rechtlos mach! und dem wirtschastlich Schwachen überhaupt die Möglichkeit nimmt, an der Lösung der Kul- turaufqaben mitzuarbeiten. Der Delegiertentag erwartet daher von der Zentrumsfraktion, sowohl bes Reickstages, wie des Preußischen Landtages, daß sie alles einsetzen werden, um dieses ungerech­teste aller Wahlsysteme zu beseitigen und mit Ent­schiedenheit auf die Uebertragnng des Reichstags- Wahlrechts zum Preußischen Landtag hinarbeiten.

s. München, 10.April 1903. Im bayeri- schen Landtage hat das Zentrum folgenden Antrag eingebracht: „Die Staatsregierung solle dem gegenwärtig versammelten Landtage einen Gesetzentwurf vorlegen, in welchem auf Grund de- § 12 Abs. 1 des am 15.- Mai in Kraft tretenden Reichs-VereinSgefetzeS den fremdiprach- lichenEinwohnern Bayerns bezüglich des unbe­schränkten Gebrauches ihrer Mutter­sprache in öffentlichen Versammlungen die größtmöglichste Dreiheit gewährleistet werde."

aber keine Heldentat.

O Auch bei der Reichsfinanzreform wird der Freisinn „Umfallen", wozu ist er sonst da? Für den Parteitag der freisinnigen Vereinigung, »er Ostern in Frankfurt tagen soll, haben die Abgeordneten Dove und Mommsen folgende Resolukro« vorgeschlagen:

„Dir baldige und für die Zukunft ausreichende Deckung der fmanzieUeu Bedürfnisse beS -Reiches Hl eine unbedingte Notwendigkeit im Interesse der Aufrechl- rrhalluug uuseres polnischen uud wirtschaftlichen An- '-henS im In- und AuSlanbe. Zur dauernden Deckung

Bei keiner Partei sind . , Dst beiden konfervalioen Parteien hatten mit den ihnen nahestehenden Wilden 209 unter 433 Mit- gliedern. Sie bedurften nut geringen Zuzugs auS anderen Parteien, um Über die Mehrheit zu verfügen. Die freikonservative Partei ist immer weniger als konfervative Partei anzufprechen, sie unterscheidet sich kaum von den Rationalliberalen. Die Mehrheit aus Zentrum und Konferoativen beträgt 248. Um diele Mehrheit zu vernichten, müßten den beiden Parteien 25 Mandate ent- rissen werden. Dabei sind aber noch nicht die Polen berücksichtigt, die in vielen Fällen mit dem

Deutsches Reich.

• Einen abermaligen Besuch Kaiser Wilhelm» in London kündigt für diesen Sommer trotz ver­schiedener Dementis der Berliner Korrespondent des „Standard" an. mn,hh

• Ehre, wem Ehre gebührt. Di« -Norvo. Allgem.Ztg/ meldet, daß der Kaiser dem Staats- fefretSr des Innern v. Bethmann-Hollweg das Grotzkreuz des Roten Adlerordens, und dem Handelsminister Delbrück die Brillanten zum Roten Adlerorden 1. Klaffe verliehen hat. Zwei. selSohne handelt eS sich hier um eine Belohnung für die Durchdringung der beiden Blockgejetze: Vereinsgesetz und Börsengesetz.

* Auf das Schaumschlage« und Pfauen- radspreizen verstehen sich die Blockleute auSge- zsichnet. So singt z. B. die »Deutsche TageSztg.' einen wahren Dithyrambus deS politischen Größen­wahn» — weil der Kuhhandel in Sachen des Vereins- und de» BöifengefetzeS perfekt gewor­den ist:

»Erreicht ist, wonach seit vielen, vielen Jahren alle Patrioten einer reuten deutschen Na­tionalpolitik gestrebt haben; e» ist errungen, was trotz der mutigen und historisch bedeutsamen Tal »es Fürsten Bülow vom Dezember 1906 mancher nicht >u hoffen gewagt hat. Der fast hun­dert Jahre alte Parteizwist zwischen Konservativen und Liberalen ist in hartem Rmgen gegen innere Widerstände und in siegreichem Kampfe wider den klerikal-polnisch-westfälisch-sozialdemokratischen Ge- aenblock überwunden werden. Was bisher nur bte Gegner einer unbeeinflußten starken deutschen Na« sionatpolitik zu bewähren verstanden haben, Smig- keit in der freiwilligen Gebundenheit unter ein Ideal — das können jetzt auch die Deutsch-Na­tionalen in allen bürgerliche« Lagern. Der klein­liche Parteizwist früherer Tage kommt uns schon fast vor wie eine geschichtliche Erinnerung aus kletu- beuifdfat Tagen. Wir stehen auf einer Höhe. Wir gehen mit gewißen Schritten vorwärts. Schon tritt auch der Glaube an die Lösung der RetchS- finanzreform immer klarer au» den Nebeln der Zukunft hervor. Dian wird nickt scheitern an dem: „So, ober so nicht-, an dem: „Nein so, nicht sol- Excelstor! Wir marschieren!"

Vor der Neuwahl von 1907 sind doch auch einige gesetzgeberische Gier gelegt rootbat, und sogar viel größere, al» jetzt das Licht der Well erblickt haben, z. B. das bürgerliche Gesetzbuch, die Flottengesetze, der Zolltarif. Aber d,e fleißigen Hennen von damals habe« nicht hat' fo laut gegackert. Gewiß, der Block hat sich über etliche Schwierigkeiten wieder einmal hm- weggekünstelt, die Freisinnigen haben in ihrer systematisierten Grundsatzlosigkeit da» Sprachen- verbot und nebenbei auch den Ausschluß der Jugendlichen zugestanden, und als Entgelt für diese Liebesdienste haben die Konservativen sich zu erheblichen Erleichterungen de» Börsenspiets breit schlagen lassen. Das ist ei« „Geschäft",

Zentrum gehe«.

== Fulda, 11. April 1908. Die auf Grund der neuen Organisation der Zentrums­partei gewählten Vertrauensmänner für den Kreis Fulda treten moig n, Sonntag 'Rachmiltag um 3 Uhr in der „Harmonie" zur Aufstellung des Kandidaten für den Wahlkreis Fulda zusammen. Zugleich fall die Wahl von 20 Mitgliedern des Wahlkreis-Ausschusses er­folgen unb die beooistehende Landtagswahl be- fprochen weiden. Der Reichstagsabgeordnete, Herr Richard Müller, wird der Versammlung beiwohnen. Sämtliche Vertrauensmänner haben besondere Einladungen nebst Ausweiskarte, die am Einaanq des Saales vorzuzeigen ist, er­halten. Dir Vertrauensmänner-Versammlung für den Wahlkreis Hü nf elv-G erSf eld wird am Mitwoch den 22. April (Mittwoch nach Ostern) zur Erledigung der gleichen Tagesordnung eben­falls m der Harmonie zusammenkommen. Be­sondere Einladungen an die Vertrauensmänner ergehen noch.

6. Berlin, 10. April 1903. Von der Zen- Irnmsfraklion des preußischen Abgeo dnetenhauseS wird außer der schon erwähnten Schi ist: „Braucht Preußen ein starkes Zentrum?" in wenigen Tagen unter dem Titel: „Das Zentrum und Die preußischen Landtagswahlen", em Leitfaden für den Wah kämpf herausgegeben werden. Die Schrift wird nach kurzer Darlegung der leitenden Parteigrundfätze des Zentrums auf die von der Fraktion in der ablaufenben Legislaturperiode entwickelte Tätigkeit eingeben und Den im Vordergründe des allgemeinen IntereffeS siehenden Fragen — Dieiklassenwahl- lystem, Sckule, Polenfrage, Kirchenpolitik — besondere Beachtung schenken. Aber auch die Stellung der Fraktion zu den wirtschaftlichen Fragen — Landwirtschaft, Mittelstand, Arbeiter, Beamten, Steuern ufw. soll beleuchtet werden. Unfern Rednern und Vertrauensmännern wird also hier ein geeignetes Material geboten, sieben dieser größeren Schrift erscheint das Heinere Merkchen „Braucht Preußen ein starkes Zentrum" ? als eigentliche WahlagilationS-Broschüre. Be- fleBungtn sind an Die Germania, Akt.-Ges. für Verlag und Druckerei, Berlin C 2 Slralauer Straße 25 zu richten.

„Wir möchten wünschen, baß btefer Satz, b« evangelische Bevölkerung Sachsens „empstnbe es mit Beunruhigung, baß bte Zahl der Katho­liken in Sachsen zunehme-, als unzutreffend bezeichnet werben könnte. unb wir äußern biefen Wunsch um so lebhafter, als es gerabe ein nationalliberaler Redner war, ber diesen angeblichen Beklemmungen ber evan­gelischen Bevölkerung Sachsens Worte verlieh. Wenn eine ähnliche Aeußerung über die Zunahme ber Pro­testanten in entern überwiegend katholischen Staate ge­fallen wäre, würbe man sich mit Recht über Intoleranz entrüste«. Der S'ber«li8mu8, ber sich grundiätzlich «egen religiöse Unduldsamkeit und konfessionelle Eng- hersigkett in jeder Form unb an jeder Stelle wendet, tanx es nur bedauern, wenn durch derartige Eni- aleisungen das tiergerourgelte und von uitramon- taner Seite geflissentlich genährte Vorurteil CO, ber — ' fei kathokrkenseinbttch, ben Anschein ber

des Mehrbedarf« von laufenben Ausgabe« und bei Bedarfs bet zur Herabminderung be» Aulethebedürf- Htffe« außerdem erforderlich ist, genügen nicht alle!« direkte Steuer«, oder Steuern, bte bie vermögenden Klassen allein treffen, e» muh auch auf aeeianete B erbr auchSst euer« zurückgegriffen werben, «oraussetzung für bie ZuMmmung ju be» artigen Verbrauchssteuern ist die ausreichende Heraw ziehuna der vermögenden «taffen zur Tragung der Kosten der Reichsverwaltung, sei es un Wege der Ein­kommens-, BermögenS- oder einer Ausdehnung der Erbschaftssteuer. Dazu müßte eine Erhöhung der MatrikularbeitrSg« unter Schaffung eines besseren Ber- teilungSmoduS auf die einzelnen Staaten treten. Mit der Schaffung ausreichender Mehreinnahmen muß aber auch eine Herabsetzung der Ausgaben verbunden werden, nicht nur durch allgemeine Sparsamkeit, son­dern auch durch eine Vereinfachung und Verbefferung der gesamte« Verwicklung und insbesondere auch eine Herabsetzung ber finanziellen Lasten ber deutschen Weh rmacht.-

Bisher beteuerte der Freisinn heldenmütig: nie unb «immer und unter keinen Umständen und keinem Druck weichend, werde er für in­direkte Seuern zu haben fein. Auf der Frank­furter Tagung wird man nun wohl andere Töne hören.

* Wege« Beleidigung de8 Fürsten Eulen­burg soll, wie jetzt von einer Korrespondenz be­hauptet wird, gegen den Verteidiger Hardens im Moltkeprozeß, 'Justizrat Bernstein, eine öffent­liche Anklage wegen Beleidigung erhoben werden. Gegen Harde« selbst soll keine Anklage erhoben werden.

* Eine neue Maßregel gegen ben Lehrer- mangel wendet zurzeit Die hessische Regierung an. Nachdem sie wiederholt die Lehrergehälter ansbesserte, errichtete sie in Darmstadt einen halb- jährigen Kursus für solche Abiturienten Sherer Lehranstalle«, bie nach bestandene: Maturitätsprüfung in den Volksschuwienft em, treten wollen. Am 16. März hatten sich, der Mh.-W.-Ztg/ zufolge, bereit« 70 Abiturienten — auch solche aus den Nachbarstaaten — für diesen LkmsuS gemeldet. Sollte die pädagogische Ausbildung nicht vollständig genügen, so ist die Schulbehörde bei diesem Andrange jederzeit in Der Lage, Die Dauer Des Kursus um Ve bis 1 Jahr zn verlängern.

---- Beamtengehaltsaufbesserung—in Bayern. Die preußischen Beamten und ihre Kollegen im Reich werden nunmehr wohl mit Reid zu Der blau-weißen Grenzpfählen schauen. ES wirb be­stimmt berichtet: In Der ko mm en Den Woche erfolgen seitens der bayerischen Regierung im LanDtag die Vorlegung Des Beamtengesetzes unD der Entwurf bezüglich der Gehattsausbesserung Der Geistlichen und Lehrer.

-r- Die sSchfische Intoleranz. Sogar der libera­len „Köln. Ztg." geht die unglaubliche Engherzig- feit, wie sie in dem Aus treten des nattenaltoera.. Abg. Dr. Vogel in der sächsischen Kammer zutage trat, gegen den Strich. Sie schreibt in Nr. 397:

pflegte. Eine zweistündige Andacht wird abge­halten unter Hymnen- unb Antiphonengesang, unter Gebeten und biblischen Lesungen aus der Leidensgeschiö^e des Herrn.

Zur neunten Stunde, also etwa 3 Uhr des Nachmittags, bri<A man auf z u m G i P f e l d e s Oelberges, von wo der Herr zum Himmel fuhr, es findet wiederum eine Andacht in der­selben Weise wie vorhin statt.

Um die elfte Stunde aber, 5 Uhr nachmittags, beginnt die sinnigst« Feier des ganzen Tages, die Palmeuprozession. Zuerst wird das Evangelium vom Einzug Jesu m Jerusalem ge­lesen, bann erheben sich alle, ergreifen Palm- oder Oelbaumzweige, stimmen au das „Hosamra dem Sohne Davids, Gesegnet sei, der da kommt un Namen des Herrn" unb ziehen so singend und Palmzweige tragend vom Gipfel des Oelberges hinab in die Stadt und durch bie Stabt tn bie Auferstehungskirche, wo bie Vespern abgeljalten unb ein Gebet zum hl. Kreuze gebetet werben.

Es steht fest, daß die Palmenprozesfion am letzten Sonntag vor Ostern sowie die Vorlesung der Leidensgeschichte des Herrn am Palmsonntag, Karbienstag, Karmittwoch und Karfreitag, ferner die Verehrung des hl. Kreuzes am Karfreitag Morgen, wie sie feit einem Jahrtausend in ber ganzen katholischen Kirche üblich sinb, in I e t n • salem ihre Wiege haben.

Das war die liturgische Feier deS Palm­sonntages zu Jerusalem in be« Jahren 383 bis 394.

Die nächste außergewöhnliche Leidensfeier fand nach den Berichten der gallischen Pilgerin am Karbienstag und Karmittwoch statt. Wiederum zog das Volk mit dem Bischof und dem Klerus zum Oclberg hinauf, wo der Herr seine Leiden begonnen hatte, und wiederum wurde eine Andacht mit Gesängen, Gebeten und Lesungen aus der Leidensgeschichte abgchalten.

Bemerkenswert ist die Notiz ber Pilgerin, baß > ersten Hahnenfchre^ um 3 Mr morgens, brech«, am Karmittwoch bas Evangelium vom Verrat die Andächtigen auf nach dem Garte a& e th- S Judasgckscn wurde, und daß das Volk hier. f----: e,r^ w‘’,w

bei in Schluchzen, Weinen und Weheklagen ait§>

betätigt wurde!

Um bie sechste Stund«, also zur Mittagszeit: wurde der Gottesdienst fortgesetzt unb auf8 neue li-’aonnen zur neunten Stunde, um 3 Uhr naa> mittags, um am Abend in der Hauptkirche be <8eim endet zu werden. Die Andachten trugen deck