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35. JahrMlq.-

Fulda, Donnerstan den 9. April 1908,

M 83

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Eine ausführliche Behandlung erfahrt der Ab- kcknitt „Nachrichtenmittel", der Zeugnis ablegt ür "die unermüdliche Tätigkeit der Heeresver­waltung in der Erhaltung der Krregstuchtigkeit. Neu hinzugekammen sind die dem früheren zwei- ten Teil entnommenen Anhaltspunkte für die „Waffenwirkung", die einen wertvollen Nieder­schlag aller in den letzten Fahren auf dem Ge­biete der Waffentechnik gemachten Erfindungen und in den Kriegen der Neuzeit gesammelten Erfahrungen Hilden. Die Wirkung auf geschlol- sene Kompagnien und Eskadrons ist für die Feld- artillerir von 3000 auf 4000. für die schwere Ar­tillerie von 6000 auf 7000 Meter erweitert.

* Zchulsparkassen.

Der Beginn eines neuen Schuljahres legt de» Gedanken nahe, wiederholt auf die große Be­deutung der Schullparkassen sowohl für die Er» z'ehung der Jugend, als die Weckung des Spar­sinns in den breitesten Bolkskreisen hinmweisen.

In ersterer Hinsicht tragen sie in besonderem Maße zur Bekämpfung der Vergnügungssucht bei. Ein im berechtigten Rahmen sich hallendes Vergnügen ist ohne Zweifel für die Jugend wünschenswert, sogar notwendig. Aus der an­deren Seite ist aber nicht zu leugnen, daß die immer größer werdende allgemeine Vergnügungs­sucht in steigendem Maße auch die Jugend er­greift und hier die schlimmsten Folgen zeitigt. Das gibt nicht nur in moralischer Beziehung z« Bedenken Anlaß, sondern auch in rein volks­wirtschaftlicher. 'Man denke doch bloß an daS Äutomalenunwesen und vergegenwärtige sich hier, wie durch dasselbe Millionen von Mark aut dem Volke herausgezogen und im wesentlichen lür unnütze Näschereien und dergleichen ver­geudet werden. Diesem Uebel kann in hervor­ragendem Maße durch die Einrichtung . von Schulsparkaffen gesteuert werden.

Sie tragen aber nicht bloß zur Bekämpfung der Vergnügungssucht bei, sondern wecken vor allem im Kinde auch moralische Werte; sie geben i-m Anregung znm Fleiß, zur Sparsamkeit, Mäßigkeit, wirtschaftlichen Strebsamkeit, Ord­nung, Eigenschaften, die auch nach der Schul» enllaffung bei den wohlerzogenen und zur Selbst­zucht fähigen Menschen sich wirkiam zeige« werden. Nun hat man zwar gegen die Ein, rrchtung der Schulsparkassen einige Bedenke» geäußert, die jedoch bei näherer Betrachtung aus Grund gemachter Erfahrungen sich rasch vev flüchtigen. Vor allem mache man nicht geltend, die Weckung des Sparsinns, die Erziehung zu den obengi nannten Eigenschaften fei lediglich Sache der Familie. Ganz gewiß! Aber in roh vielen Fällen versagt hier nicht die Familie; zu­dem bildet aber in der Frage der Erziehung di» Schule eine notwendige Ergänzung der Familie, und erstere erachtet es daher auch für ihre Pflicht, die Mittel mit anwenden zu Helsen, die de» gemeinsamen Erziehungszroecken zugute kommen.

Der Nutzen der Schul-Sparkassen trifft aber nicht bloß die Kinder, sondern auch deren Eltern;

Srschet«t Illgttch m« Husnabmt der Som- und Feiertag«, viertel» jährliche^ vezugspreir ohne vrtngerlohn und Bestellgeld in Mda so» wie auswärts 1.50 Ult

Verautw. Redakteur:

Lari Schütte;

für die Anzeige«:

I.ParzeLer in Lulda.

Ausland.

• Nom italienischen Katholikentag in Genua wird noch geschrieben: Seit 5 Jahren war m Italien keine Katholiken-Versammlung mehr. Der diesmaligen Versammlung wohnten zirka 700 Delegierte aus allen Teilen des Landes bei. Auch der Bisckof von Genua war anwesend.^Dtr Versammlung nahm zur Schul frage Lieb lung- sie forderte für die Katholiken dre Frei­heit. ihre Sftttbet in der Religion ihrer Vater erziehen zu können. Der Nnterrichtsminister will es den Gemeinden überlassen, in den Schulen üc*.: Religionsunterricht erteilen zu lassen, roel- cher Standpunkt kräftig bekämpft wurde. Nach verschiedenen Reden über dieses Thema wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der die Katholiken aiifgesordert werden, sich möglichst intensiv am öffentlichen Leben zu betet» ligen und nach dem christlich-sozialen Programm zu wirken. Mit besonderer Freude ist zu konstatieren, daß auf diesem Kon­gresse vollste Einigkeit unter den Katholiken herrschte. _

Deutsches Reich.

----- Heber die Polenpolitik hat sich Prof. Dr. Spahn im neuesten Heft der Monats- schrist .Hochland" in einer mindestens sehr merk­würdigen Weise ausgelassen:

„Die Polengefahr besieht kür den deutschen Staat; wer sie noch leugnet, hat entweder keinen Ein­blick in die Verhältnisse der östlichen Provinzen oder eS geht ihm die Fähigleit ab, die politische Laae oder die Erfordernisse eines Staates zutreffend zu erwägen."

An anderer Stelle äußert er sich folgender­maßen:

„Unberechenbar wie die großpolnische Bewegung einstweilen ist, wird man sehr wohl den Standpunkt als zulässig anerkennen können, daß der «leit der Pro­vinz so entschloffen wie möglich der staatlichen Sicher- heil wegen deutsch gehalten werden müsset

Da« ,Deutsche Tageblatt zieht aus den Aus- laflungen des Herrn Spahn den nachstehenden Schluß:

„Wenn auch Spahn im weiteren Verlause seiner Darlegungen die bisherige preußische Polenpolitik be­kämpft und für unrichtig erklärt, so liegt koch in den mitgeteiltrn beide» Sätzen einerseits eine Anerken­nung der Berechtigung dec preußischen Polen- p o litik einschließlich des Enteignungsgedankens, an­derseits eine herbe Verurteilung der Stellung des Zentrums zu dieser Polenpolitik.-

Wir haben nicht vor, uns mit Herrn Pros. Spahn auseinanderzusetzen, nur möchten wir vom Standpunkte der Zentrumspartei aus entschiedene Verwahrung dagegen einlegen, daß jede schrist- stellerische Auslassung des jugendlichen Professors dem Zentrum an die Rockschöße gehängt wird. Herr Spahn jr. ist nicht das Zentrum, sondern ein Gelehrter, der in sehr vielen Fragen seine eigenen weit ab vom Zentrum führenden Wege geht.

X Allgemeinem Hohngelächter begegnet der Antrag der freisinnigen Fraktionen des Abgeord­netenhauses, die Staatsregierung zu ersuchen, schleunigst durch Vorlegung eines Landesgesetzes oder im Wege allgemeiner Anweisung an die Nachgeordneten Behörden dafür Sorge zu tragen, daß die fremdsprachigen Teile der Arbeiterschaft nicht durch Anwendung der Bestimmungen des 8 7 des Vereinsgesetzes in der Verfolgung gesetzlich zulässiger Bestrebungen auf dem Gebiete der Lohn- und Arbeitsbedingungen, fowie son­stiger Berufsangelegenheiten gehindert werden. Die ,Berliner Morgenpost" meint: „Daß der An­trag im Abgeordnelenhause gar keine Aussichten auf Annahme hat, wissen die Herren Antrag­steller natürlich ganz genau. Aber der Antrag steht schön aus und kostet nichts. Nachdem die Freisinnigen im Reichstage den Sprachen-Para- graphen angenommen haben, muß der Eifer, den sie im Abgeordnetenhaus- sür die fremdsprachigen Arbeiter prästieren, einigermaßen verdächtig er­

(*) Aus der neuen FMienstordnullg.

An Stelle der Felddienstordnung vom L Ja­nuar 1900 -.st die unterm 22. Marz vom Kaiser genehmigte getreten. Oberstleutnant z. D. - Witzleben macht darüber in der „9L Ges- Korr. kolaende Mitteilungen: . ... ..

' Der frühere II. Teil „Bestimmungen für bte größeren Truppenübungen" ist völlig abgetrennl und in besonderem Bändchen erschienen. Tie neue Vorschrift behandelt somit lediglich die f u r den Ernstfall geltenden Bestimmungen. Eingestreute Lehrsprüche geben dem Ganzen er­höhten Wert und größere Bedeutung, wie z. B.: „Tie nie tastende Fürsorge für das Wohl sei­ne r Mannschaft ist das schönste und dank­barste Vorrecht des Osfiziers", oder: „Haltung und Ausseucn der Mannschaft nach größeren An- strenguugen bieten einen sicheren Maßstab für die Beurteilung der Truppe", ober: „Dann — d. h. durch Fordern selbsttätigen Einsetzens der ganzen geistigen und körperlichen Kraft — erwachsen die Männer, die auch in der Stunde der Ge­fahr Mut und Entschlußkraft bewahren und den schwächeren Kameraden zu kühnen Taten fort- reißen", oder: „Unnütze Meldungen erschweren die Tätigkeit des Führers" u. a. m.

Die Betätigung des osfensiven und eines fri­schen, sröhlichcn R e i t e r g e i st e s ist wiederholt in den Vordergrund gestellt. Die Einleitung hebt mich den Nutzen von der Hebung im Gebrauch der Krafträder, im Geländereiten, im Aus­tausch der Meinungen beim Vortrage, im Stu­dium der Kriegsgeschichte, im Beherrschen fremder Sprachen, im Munitionsersatz und für die Ka­vallerie in den der Heereskavallerie zufallenden Dieilste hervor. Die für die Erteilung von Be- selilen bisher maßgebenden Gesichtspunkte sind beibebaltcn. Gefechtsbefehle müssen sich von je­dem Schema freihalten, die Deutlichkeit darf nicht durch Kürze leiden. Das Einfangen von Ballons dient als neues Mittel zum Erreichen von Nachrichten. Der wichtigen Aufklärung und Sicherung ist ein umfangreicher Abschnitt ge­widmet.

Die Versammlung zum Marsche ist ein­gehender als bisher behandelt, Maßnahmen für Märsche in der Kälte, für Infanterie auf schlech­ten oder verschneiten Wegen und bei scharfer Sitftbetrcgiing sind neu ausgenommen; das Vor- zieben der Artillerie zum Gefechte aus der Marschkolonne ist eingehend geregelt, auch der KorpSbrückentrain hat seinen Platz gefunden, die Feldkiickien sind nicht vergessen, für die schwere Artillerie sind besondere Anordnungen getroffen: ba§ Heberschreiten der Gewässer und das Heber- setzen ist nicht nur im Texte allein, sondern auch in einer Anlage besprochen. Bei der Unterkunft ist auch für später eintreffende Truppen und auf die vorüber gebende Unterbringung der zum Be­fehlsempfang etwa erscheinenden Adjutanten und deren Pferde zu berücksichtigen: besondere Ge­sichtspunkte für die Unterbringung der Bagagen. Trains und schweern Artillerie sind ausgestellt. Das Bi w a k der Artillerie hat sich durch Anord­nung der Ställe zwischen den Geschützen wesent­lich geändert. Die kleine Bagage heißt fortan Gefechtsbagage Die Bestimmungen für die Verpflegung sind neu gefaßt und zeitgemäß ausgestellt, der Dienst der Verpflegungsoffiziere dabei geregelt die Versorgung mit Fleisch be­sonders eingehend behandelt; die Infanterie und Kavallerie führt eine der drei eisernen Portio­nen nicht mehr mit im Gepäck, sondern auf Fahr- zcugen mit. Im Sanitätsdienst werden „Leichiverwundeten-Sammelstellen" eingerichtet.

icheinen. — Die .Germania" verulkt die frei- finnigen Komödianten wie folgt: „Was roem |t nenn, Peperl?" — „Meinen lebzeit-nen Reiter find' ich nicht!" — „Ja, wo hast du ihn denn hingetan? Denke mal nach!" — „®«*fleifen hab ich ihn l" — An diese Anekdote der .Fliegenden Blätter" erinnern lebhaft die biederen Freisin- niqen. Im Reichstage haben sie lelbft den fremden Sprachen ihr Recht genommen, und hinterher vergießen sie Tränen, weil daS Recht oerichwunden tft. ■

* Mehr Orden als Geld. Bei der bestän­dig zunehmenden Zahl der Ordensveilethungen ist in der Rechnungs-Kommiision des Abgeotd- uelenbauses angeregt worden, ob nicht eine er­hebliche Erhöhung des Fonds für Ordensver­leihungen angezeigt fei. Die Verhandlungen, die deswegen mit der Finanzoerwaltung geführt roei- den, find noch nicht zum Abichluß gelangt. Bei der herrschenden Geldknappheit wäre dre vernünf­tigste Lösung der Frage die, künftig weniger Orden zu verleihen.

* Darmstadt, 6. April 1908. Tie Ablehnung des ZentrumLantrags zum Vereinsgesetz, welcher den Schutz des freien Vereins- und Verlamm- lungsrechts in den süddeutschen Bundesstaaten erstrebt, hat besonders in Hessen großen Unwil­len in der Bevölkerung heroorgerufeu. Daß man der Blockpolitik und dem engherzigen Par- teiinteresse solch wichtige bundesstaatliche Rechte kurzer Hand opfert, empört auch die liberalen Kreise. Eigentümlich mußte es berühren, daß der hessische' Gesandte von Neithardt im Reichs- tage erklärte, das hessische Vereinsrecht enthalte gleichfalls beschränkende polizeiliche Besttmmun- gne, sodaß eine wesentliche Verschlechterung des bestehenden Ncchtszustandes in Hessen nicht her­beigeführt werde. Diese Behauptung ist absolut unzutressend: Hessen hat überhaupt kein Ver­eins- ober Versammlungsgesetz und das, was der hessische Gesandte erlvähnte, sind polizeiliche Be­stimmungen, die die Heberwachung und Auflösung einer Bersammlung in dem Falle körperlicher Gefahren infolge baupolizeilicher Bedenken. ge­statten. Von einer Beschränkung der Vereins- und Versammlungsfreiheit dagegen kann in Hes­sen, wie im Landtag wiederholt feftgestellt wurde, keine Rede sein. Und auch jene Bestimmung, die zur Unterstützung der bedauerlichen Stellung­nahme der hessisch-eu Regierung zum Reichsver- einsgesetz nicht h-raugezogeu wenden kann, ist längst überholt und längst nicht mehr angewendet wordeu. Es ist deshalb unverständlich, wie der hessische Bundesratsbevollmächtigte in völliger Verkennung der Rechtslage in Hessen Ausfüh­rungen im Reichstage machen konnte, die nur die Zustimmung der Blockmehrheit in einem für Hes­sen ungünstigen Sinne bestärkt haben. Nach Zu­sammentritt des Landtages wird die Negierung über diese eigentümliche Vertretung der hessischen Interessen im Reichstag interpelliert werden. Für Hessen bedeutet die Ablehnung des Zen- trilmsautrages durch die Blockparteien eine schwere Schädigung des politischen Lebens und einen bedauerlichen Rückschritt auf dem Gebiete der Vereins- und Versammlungsfreiheit. — Die ganze Zerfahrenheit des Liberalismus trat bet jener Abstimmung im Reichstage wieder drastisch vor Augen. Im hcffischen Landtage hatte der nationalliberale Kammerpräsident Haas, unter- stützt von der ganzen Kammer, einen An­trag eiugebracht, der die hessische Regierung auf­forderte, zum Schutze der hessischen Freiheit beim Reichsvereinsgesetz einzutreten. Und bei der ent­scheidenden Abstimmung stimmen die liberalen Abgeordneten Hessens mit Ausnahme des Abg. Osann direkt § egen die Interesse» der hessischen Bevdlkeruug.

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teilungen über das Auftreten der Seuche stamm­ten aus Buchara (Zentralasien), wo Heyfelder in dec zweiten Hälfte des Monats Mai 1889 bei den beim Eisenbahnbau beschäftigten Europäern eine besonders intensive Influenza-Epidemie fest­stellte. Die Seuche verbreitete sich bann weiter nach Westen und zog auch in Europa und Ame- rika, hauptsächlich von Ost nach West. Don Deutschland war zuerst der nördliche Teil befal­len, zunächst wurden die größeren Städte mit ihrem regen Verkehr ergriffen. Von diesen Zent- ren ping die Verbreitung radienförmig weiter. Etwa im Monat April 1890 hatte die Influenza ihren Rundgang um die Erde beendet; jedoch waren noch bis in den Oktober 1890 in entlegene- ren Ländern Fäll« von Influenza als letzte Aus­läufer vorhanden. Die Verbreitungsge- s ch w i n d i g k e i t der Influenza ist so groß wie die Geschwindigkeit unserer schnellsten Verkehrs- mittel, der Eisenbahnen und Ozeandampfer. Mit der zunehmenden Geschwindigkeit unserer Trans­portmittel hatte 1889/90 auch die Schnelligkeit der Jnfluenza-Ausdehnuug zugenommen. Am besten illustriert wird dieses Verhalten durch die folgende Zusammenstellung:

Xrie»*.

M. «wet: «weite,»«T»ee«rtta.

1830'31

1. towat: Motta«,

r. Monat: Rußland.

». Monat: St. SrttrtSwj.

4. «»Btt: Sarlaud tmb LiÄan».

1. Monat: Warschau.

«• Manat: v-pr-utzea u. Dchl-fiea.

7| Monat: »ae, Deutschland, Wie«, lavd, räneuiarl, öitn.

1689-90

Pkte-Sdura, Morton, Kurland Sinland, Finnland

Bertie. Part», Sten, Schweden, DL»e»arl.

London, choüond, PetAten, PallaB- starren, Nordamerika.

Kapstadt, Sghptca, H-noluln, Mexiko, Jana», tengloe«.

SanFrancitc». Suene »klirr», In­dien. @CT™8e»ne,ect1I«<3nL Rammt» Saichdar, Pasurr- Ian», LaSm-nten.

Brittlch. Betschoanaload, bado».

8. Monat: Part*,velgtea,SchWed«u, SoldkLstr, Pokal. Onglen», Schottland,

». Monat: Schwei,.

10. Monat: Jtatiea.

land gan» Id.na, Senegal.

Rltungn Kaschmir.

Gründe dafür, daß sich die Influenza schnel­ler verbreitet als andere ansteckende Krankheiten.

Kleines Feuilleton

— Tie Lebensdauer der Pflanzen. Unter den rigentlicheu Pflanzen gibt eS nicht so schnell vergäng­liche Wcseu wie unter den Tieren. Bäume können mehrere hundert Jahre alt werden, während es von einem Tier an ähnlichen Beispielen fehlt. Noch viel älter als eia erwachsener Baum kann ein Lamenkorn lebend bleiben, wenn ihm die zum Keimen notwendigen Bedingungen entzogen werden Es verharrt bann in einem starren, scheinbar toten Zustande, kann aber nach jeder Zeit zum Leden erweck werden, wenn es in feuchtes Erdreich ge- , langt. Man hat früher geglaubt, unter solchen Berhältuiffen fei die Lebensdauer eines Samenkorns nahezu imbeschränkt, und als Beispiel wird stets der berühmte „Mumienweizen'" herangezogrn, dessen Samen Jahrtausende lang iuegyptffchen Pyramiden gelegen hat und doch noch entwicklungsfähig ge- blieben ist. Trotz ihrer häufigen Wiederholung scheint nun die Geschichte von Mumienweizen nichts besseres zu sein als ein Märchen. Man hat neuer­dings die alten Weizen- und Gerstenkörner auS den Pyramiden genau untersucht und gefunden, daß auch die Reservestoffe im Korn ihre chemische Zu- fammensetznng bewahrt haben; daß aber der Reim (Embryo) in seiner chemischen Beschaffenheit gänzlich verändert und nicht mehr entwicklungsfähig ist. ,Die Sache mit dem Mumienweizen, der nach fahr, ‘iteufenb langer Lagerung in den Pyramiden wieder Musgesät werden kann und dann auch treibt, wächst Smb Frucht trägt, ist eine Sage.

1 — Heber die BerdreitungSgeschwindigkeit der ynfluraja gibt Prof. Dr. L. Kuttner, dirigieren­der Arzt am Rudolf Virchow-Krankenhaus zu Berlin, im Aprilheft von Belhagen und Klasings Monatsheften intereffante Aufklärungen an btt Hand statistischen Materials über die große In­fluenza-Epidemie von 1889/90, die gleich zahl­reichen Pandemien ihren Ausgang von Asien besp. Rußland Genommen hatte. Die ersten Mit-

daß sie gleichzeitig plötzliche Maffenerkraukungen herbeisührt, haben wir zum Teil schon kennen gelernt. Abgesehen von der enormen Giftigkeit des Ansteckungsstoffes ist die Leichtigkeit, mit der die Keime von ihrem Ansteckungsort, den Schleinchäuten der Atmungsorgane, nach außen befördert und verbreitet werden, für dieses Ver­halten verantwortlich zu machen. Dazu kommt die große Empfänglichkeit fast aller Menschen, jeden Alters und Berufes. Wahrscheinlich spielt auch die Verschleppbarkeit durch Waren und auf kleine Entfernung hin auch durch die Luft eine Rolle.

— Ein zerstreuter Minister. In feinen Er­innerungen erzählt Hosrat Oskar Meding aus der Zeit, da es noch ein „Königreich" Hannover gab, von den hannöverschen Ministern der sech­ziger Jahre allerhand Interessantes. Justizmi- nister war der Erblanddrost von Bar. Dieser Herr v. Bar joar ein heiterer Lebemann, der seine vortrefflich geschulten Referenten walten ließ und so unendlich zerstreut war, daß man im Scherz behauptete, er vergäße oft, daß er Justiz- Minister sei. Er hatte unter anderm einst eine große Abendgesellschaft bei sich. Während die Gesellschaft sich in feinen Salons bewegte, sagte er zu oem österreichischen Legationssekrctär v. B., indem er dessen Arm nahm: „Kommen Sie, Herr v. B., wir wollen unbemerkt fortgehen — es ist zu unerträglich langweilig hier." ...... „Aber, mein Gott, Exzellenz,, wir find ja bei Ihnen." „Nun", seufzt Herr v. Bar, „dann muß ich allerdings hier bleiben — aber Sie find frei — gehen Sie fort, denn es ist in der Tat zu langweilig." Ein andermal soll Herr v. Bar einen neuangestellten Briefträger in der Nähe seines Hauses gefragt haben, ob er Briefe für ihn habe. „Für wen?" fragte der Briefträger zurück. Der Minister sann und ging dann köpf- schüttelnd und verlegen weiter, während der Briefträger ihm ganz erstaunt nachsah. Einige Schritte weiter, begegnete er einem Bekannten, der ihm zurief: „Guten Tag, Herr v. Barl"

Der Minister schlug sich vor die Stirn: „Es ist wahr — von Bar." — Damit eilte er rasch wie­der dem Briefträger nach und rief: „Haben Sie Briefe für Herrn von Bar?" während der Freund, der ihn soeben begrüßt hatte, nun sei­nerseits kopfschüttelnd dastand. — Die Zahl sol­cher Geschichten, die über den zerstreuten Minister in Hannover erzählt wurden, war Legion.

Kleines Elternbrevier. Schon beim Kopf» unterricht machen Regeln wenig aus; die fitf» liche und religiöse Erziehung aber gedeiht nur durch Anschauungsunterricht: durch das ger schaute. Von anderen borgelebte Beispiel! — Kopf- erziehung macht Wasserköpfe, Worterziehung Plappermäuler-, aber Taterzichung macht Cha» worden. — Erziehung ohne Gott macht gottlos hilft viel Aerztekosten sparen. Und das Wasser kostet doch nicht viel. — Wollte mau bett Kin­dern Eigensinn, Lüge und Verstellung ebenso eifrig abgewöhnen als das Lullen an den Fin­gern, man ersparte den Erwachsenen tausend Ver­drießlichkeiten und dec Welt viel Stürme. —»

Einem Erzieher, der noch nicht au die Erbsündr glauben gelernt hat, ist der Unterschied zwischen Kinderschule und Reitschule schwerlich klar ge» wordne. — Erziehung ohne Gott macht gottlos, ohne Gewissen gewissenlos, ohne Furcht und Tugend charakterlos. — Wie glücklich wären dje meisten Menschen, hätte man sie nicht zu Welk» wundern oder doch zu Selbstbewunderern, sondert: zu soliden Menschen und zu unverdrossenen Ar< beitem, nicht zu Vielwissern und Schwätzern, son­dern zu Charakteren erzogen l — Wie viel kör» perliche und geistige Gesundheit bliebe gespart^ wenn die Eltern immer im Bewußtsein bebtet; ten, daß Gift immer Gift bleibt, wenn es auch in Bier, Schnaps ober Bohnenkaffee versteckt tft.

— Borficht. Dienstmädchen in bet Apotheke: „I» möchte für fünzig Pfennig Heftpflaster, für eme Ma« yertanbitoff und für p»«iÄack etwa? jum Blutstrüeru — Provisor: „Nanu, ist Ihnen jemant) verunglückt?'. — Dienstmädchen: „Ach nein, bet gnädige Herr will 'n» größere Automobilfahrt unternehm«' *