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35. Jahrgang.

Fulda, Mittwoch den 8. April 1908.

36 82.

Erstes Wlcttt

^3*ivCX «yt ij.iere (saniert liebten.

Sie trren.

J Verlobten — die Welt, die er im Spiegel fernes i Auges aufzunehmen vermag. O, welche Pein,

.Wer ist hier — zu dieser Stunde?'

.Oliver Linston."

Ah, mein neuer Arzt."

„Wie — diese Heirat wäre ein« erzwungene?" Dre Bewegung des Sprechenden mußte sich in dem Zittern seiner Stimme kund gegeben haben, denn Angiolina sagte ausweichend:

„Erzählen Sie mir von den leuchtenden Far­ben. ich kann mir nämlich nicht die geringste Vor­stellung von denselben machen. Das einzige, was ich kenne, ist die schwarze Farbe; in diesem ewi­gen Dunkel lebe und bewege ich mich."

„Und ich werde Sie demselben entreißen, An­giolina", rief begeistert Oliver, „ich schwöre es beim Lichte meiner Augen."

Die Blinde zuckte bei diesem leidenschaftlichen Ausrufe leicht zusammen, doch schien sie gerührt durch das Mitleid, welches der fremde Mann ihr bezeigte, denn sie erwiderte sanft:

„Ich danke Ihnen für den Eifer, mit dem Sie mir zu helfen bereit find."

„Doppelt wertvoll", fuhr Oliver forschend fort, „müßte Ihnen Ihre Heilung sein, weil Sie Braut find."

„Ja", meinte Angiolina in gleichgültigem Tone, „mein Vater hat mich mit dem Kavaliere Amedeo Santoni verlobt und ich füge mich dem Willen dieses sorgenden und einsichtigen Vaters."

Oliver hatte sie scharf beobachtet, seine Augen leuchteten freudig auf, er fand seine Beobachtun­gen bestätigt. Er wollte aber noch mehr wissen und fuhr deshalb mit scheinbarer Gleichgüllig- keit fort:

heitsrückfichten nicht drese R^e wrederholen kann I (Heiterkeit l) Die Freude der Linken sollte dte Rechte stutzig machen. Die Rechte hat de» Rück­zug angetreten. Der Kompromiß ist ra spaier Stunde (Rufe: bei intimen Diners I) geschlossen worden. Die Rechte hat zuerst mtt dem Zen­trum gearbeitet und dann in der 2. Lesung nut dem Freisinn gegen das Zentrum; ein solches Vorgehen ist höchst eigentümlich. (Sehr gutl) Die Rechte aber verdantt nur dem Zentrum, daß das Gesetz nicht schlechter geworden ist. Der Dor- sitzende des Bundes der Landwirte hat am eifrig­sten für das Kompromiß gearbeitet. Jahrelang hat die Bundespresse ins Land hinausgeschrreen: wir müssen Mäner haben mit Rückgrat! die nicht nach Orden lechzen! (Schallende Heiterkeit im Zentrum.) Und heute stimmt der Bund für die- scs Börsengesetz. (Sehr gut!) Der Bund hat die wirtschaftlichen Interessen der Landwirt- schäft der Rücksicht auf die Politik des Blocks geopfert. (Sehr gut!) Die Rechte hatte em Gesetz mit dem Zentrum machen können. Die Linke stimmt heute geschlossen für ein Vorsenge- setz, das die Rechte annimmt. Es kommt spater auch wieder eine andere Stimmung, wo man auf uns zurückgreifen wird. (Beifall.)

Preußischer Handelsminister Delbrück vertei­digt seine Haltung in der Kommission. In der ersten Lesung sei die Regierung selbstverständlich zunächst für ihre Vorlage und gegen alle Abande- rungsanträge ein getreten. In der zweiten Le­sung aber habe er (Redner) erklärt, daß er die ganze Frage lediglich als eine Zweckmäßigkeits- fraqe ansehe.

Abg. Rösickr (k.): Der Abg. Herold hat seine Gaben nach rechts und links verteilt. Wir sind stets mit dem Zentrum zusamenaegangen und wollen es auch heute noch tun. Wäre das Zen­trum im Zolltarif mit uns gegangen, hätte die Landwirtschaft mehr erreicht. Ich erinnere an den Milchzoll und Gerstenzoll. (Widerspruch.) Man kann die Termingeschäfte im Interesse der Landwirtschaft nicht verbieten.. Wenn Dr. Hahn hier wäre, würde er mit uns stimmen. Wir wer­den uns stets freuen, tonen wir wieder mit dem Zentrum zum Wohle der Landwirtschaft zusam­menarbeiten können; wenn aber heute das Zen­trum gegen das Börsengesetz stimmt, so stimmt es gegen die Landwirtschaft. (Oho! im Zen­trum.)

Abg. Herold (Ztr.): Die Tatsache bleibt be­stehen, daß der Handelsminister in der Kommis­sion gegen den Zentrumsantrag sich aussprach, während er den gleichlautenden A n- trag Böhme heute im Plenum empfiehlt. Herr Dr. Rösicke weiß und muß wissen, daß das Zentrum nicht den Milchzoll zu Fall gebracht hat; in der Kommission stimmten 7 Zentrums­mitglieder für den Milchzoll und nur 1 dagegen. Das habe ich dutzendmal ausgeführt. Ist Herr Dr. Rösicke so sehr für den Milchzoll, fo setze er einfach den Block in Bewegung und führe den Milchzoll ein. In der Gerstenfrage haben wir wahrhaft alles getan. Wäre der Bund 1902 in der Mehrheit gewesen, so wäre kein Zolltarif zu­stande gekommen und kein Handelsvertrag. Auf das Zentrum ist Verlaß, aber nicht auf di« Kon­servativen. (Sehr richtig!) Warum hat man den Umfall hinter den Kulissen gemacht? Wir nehmen das Gute an, woher es kommt. Sie (nach links) haben alle Ursache, unruhig zu sein, da auch Ihnen wohl die Erkenntnis gekommen ist. daß trotz aller Anstrengungen ihrerseits und der Regierung der Zentrumsturm unerschütter­lich ist. (Sehr richtig! im Zentrum.)

Abg. Dr. Rösicke (k.): Wenn wir den Milch- zoll machen wollen, werden wir ihn m il dem Zentrum machen. (Große Heiterkeit. Zuruf: Ter Block gibt keine Milch!) Wir find zu Ver­handlungen zugezogen und haben geglaubt, daß

welches Unglück für eine Blinde, zu lieben! Die Aermste sie müßte eifersüchtig sein auf alles, auf die Luft, die Farben, den Himmel, die Erde und vor allem: auf andere Menschen. Eine Blinde sollte nur eben wieder einen Blinden lieben."

„Wohl — so soll auch vor meinen Blicken das Universum in Nacht versinken", sprach feierlich Oliver Linston, „falls es mir nicht gelingt, Sie zum Lichte zurückzuführen."

Erstaunen malte sich in des Mädchens aus­drucksvollen Zügen.

Oliver bemerkte es und in heiterem Tone sagte er einlenkend: '

„Ich bin nämlich so sicher, Sie heilen zu kön­nen. Marchefina, daß ich ruhig ein solches Ge- lübde zu tun vermag."

„Sprechen Sie die Wahrheit?"

„Die reine Wahrest — meine tiefinnerste Ueberzeugung."

„Aber ich bitte Sie, meinem Vater nicht zu sichere Hoffnungen zu machen. Er erwartet in fieberhafter Unruhe am heutigen Morgen Ihre Entscheidung, ob eine Operation meine Heilung bewerkstelligen könnte."

„Und warum soll ich Ihrem Vater die Hoff­nung nicht machen?"

„Weil ich nicht an ein solches Glück glauben kann."

„Sie werden eS lernen, Marchefina."

„So wollen Sie doch meinem Vater sagen, daß eine Heilung möglich fei?"

„DaS, was ich dem Marchese sagen will, wer­den Sie im Verlaufe weniger Stunden erfahren. Doch jetzt möchte ich die Minuten nützen, die mir allein mit Ihnen zu sprechen vergönnt sind. Re- den wir von Ihnen, Marchefina."

„Von mit?"

»Ja, von Ihrer Heirat, und hasten Sie mich nicht für unzart, wenn ich die unschuldigen Ge- hennnille Ihres Herzens antafte, glauben Sie

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Verlag der Fuldaer Ak» tiendruckekei in Sulba momtoMt: „§u!daer SeschichtrbMer"

durch diese Bestimmung der Getreidehandel ,u einem Geschäft zweiten Range» herabgedrückt werde.

Abg. Weber (nL) spricht sich zu dem Gesetz­entwurf zustimmend au». Gegenüber dem be­stehenden Recht gewährt die Novelle wesentliche Vorteste: Beseitigung des Börsenregisters, Wegs-stl de» Differenzeinwandes oder Einschrän- kung desselben usw.

Abg. Krank (Soz.) fragt, warum man nicht gemäß der gestern beschlossenen Bestimmungen jungen Leuten unter 18 Jahren den Besuch der Börse nicht verbieten wolle. (Große Heiterkeit!) Wir bedauern, daß nun alle Handwerker, sofern sie im Handelsregister laufen, zugelasien werden sollen. Die Kommission ist übergcklaufein von Zärtlichkeiten gegen die Effektenbörse und wendet sich mit Schärfe gegen die Produktenbörse; gerade damit aber schädigen Sie die Arbeiterinteressen. (Beifall links.) .

Abg. Schultz (Rp.) hofft, daß die StrafbestiM- mungen dem reellen Handel nützen werden.

Abg. Böhme (wirtsch. Vgg.) begründet seinen Antrag, den Sleingetoerbdreihenben das Börsen- spiel unmöglich zu machen. Seine Freunde wür­den trotz mancher Bedenken für die Vorlage stimmen.

Handelsminister Delbrück begrüßt, daß die Kommisiion zu einem Beschlüsse kam, der dein Entwürfe in vielen Teilen entspricht. Das Bör­senregister ist beseitigt, das Verbot des Termin­handels in Fabrikanteilen usw. gefallen. Die Vorlage wollte nur Vollkaufleute zum Börsen- terminhaistiel zulassen; die Komission aber hat dies auch auf Handwerker ausgedehnt. Mit dem Antrag Böhme ist die Regierung einver­standen.

Abg. Mommsen (fr. Vgg.): Wir sind mtt den Kommisfionsanttägen zufrieden, wenn sie atlch nicht allen Wünschen entsprechen. Man muffe sich mit der Abschlagszahlung begnügen, ohne daß wir auf die weitern Forderungen verzichten. Zeigt sich der Ruf nach größeren Reformen, so kommen wir immer darauf zurück. Ich begrüße namentlich die befsere Einsicht des Abg. Rösicke

Abg. Dr. Spahn (Ztr.): Wenn auch die Her- ren, die mtt der Börse in enger,Beziehung stehen, mit den Strafbestimmungen einverstanden sind, so muß ich doch vom rechtlichen Standpunkte schwere Bedenken äußern. (Der Redner spricht sich, auf der Tribüne im einzelnen unverständ­lich, über die Vorteile des Börsenregisters aus, das den Zweck hatte, alle Personen cmsguschlie- ßen, die an der Börse nichts zu tun haben.)

Abg. Dr. Bitter (Ztr.) zeigt dann noch ein­mal, daß man die Auswüchse der Börse nur tref­fen könne, wenn man den Terminhandel völlig beseitige.

Abg. Herold (Ztr.) bespricht die neuen Vor­schriften über den Getreideterminhandel. Den Ausschluß der Handwerker haben w i r schon von uns in der Kommission eingebracht; damals wurde er von allen Parteien, auch von der Re­gierung, abgelehnt. Heute aber, wo dieser An­trag von der Wirtschaftlichen Vereinigung kommt, stimmen ihm alle zu. (Hört!) Heute ftimmt ihm selbst der Handelsminister zir, wäh­rend er den gleichlautenden Zentrumsantrag in der Kommission abgelehnt hat. (Hört! hört!) Es ist dasersteMal inder parlamen­tarischen Geschichte, daß ein Mini- fter, der Vertreter des Reichskanz­lers, so den Boden der sachlichen Ver­handlungen verläßt (Sehr richtig!) und die Parteipolitik in den Vordergrund stellt. (Sehr gut!) Welche Schwenkungen aber haben die Konservativen und Dr. Rösicke ge­macht? Wie lauteten die Reden im Zirkus Busch doch so ganz anders! Es ist wirklich schade, daß Abg. Dr. Hahn erkrankt ist und aus Ge-

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 7. April 1908.

Das Haus beginnt heute die zweite Lesung des Börsengesetzes. m

Zugrunde lag wiederum das Slodfom- promiß, wonach der Terminhandel in >?ndu- striepapieren gestattet wird, der Termmhandel (Spiel) in Getreide aber nur den Berufshänd­lern, Verbrauchern und Produzenten. Arttkel 2, (Zulassungsstelle) der zuerst beraten wird, ge­langt ohne wesentliche Debatte zur Annahme.

Dann werden für die weitere Beratung Ar­tikel 3 mit den gesamten Bestimmungen über den Börsenterminhandel (§§ 52 ff und 61ff), Artikel 3a mit den Ordnungsstrafen und Artikel 3 mit den Kriminalstrafen zusammengosaßt.

Börsentermingeschäfte in Getreide und Mühlenerzeugnissen sind verboten. DaS Börsentermingeschäst in Anteilen von Bergwerks­und Fabrikunternehmungen ist nur mit Genehmi­gung des Bundesrates zulässig. Das Gesetz sieht auch Ausnahmen vor.

Abg. Bitter (Ztr.) bespricht die Wirksamkeit der Börsentermingeschäfte. Das Börsenregister, das nun beseitigt werden soll, hat nichts von einer Deklassierung der Geschäftsleute an sich; es ist ein Register wie die anderen Register auch. Der Börsenhandel soll auf die Kaufleute beschränkt bleiben; der Entwurf bringt zu viele Ausnah­men. Namentlich sollte man Handwerker, auch wenn sie in das Handelsregister eingetragen sind, nicht als Kaufleute ansehen; wir stellen einen entsprechenden Antrag, der auch in der Vorlage enthalten war. Es ist mir unbegreiflich, wie dre Rechte für die Streichung dieses Passus ein- treten konnte; im Jahre 1886 ist dieser Passus auf Antrag der Rechten gerade aufgenom­men worden. (Hört!) Woher diese Aenderung bei der Gesinnung der Rechten? Gründe hört man nicht. Wir wollen die Verantwortung für eine solche Erweiterung der Börsengeschäfte nicht übernehmen. Man sollte ohne Ausnahme daran festhalteu, daß nur Kaufleute Börsengeschäfte abschliehen. Di« Bestimmungen über die Stel­lung der Sicherheit betrachten wir als den Kern des Geseves; er enthält eine direkte Anreizung zum Börsenspiel. Es hätte jedenfalls ein Min­destbetrag der Sicherheit festgesetzt werden müs­sen. Tie Sicherheit kann nicht unter allen Um­ständen verfallen, befonders dann nicht, wenn es sich um ein wirksames Geschäft handelt. Wir wünschen auch, daß das Verbot des Terminhan­dels in Anteilen von Bergwerks- und Fabrikan­teilen aufrecht erhalten bleibt, während die Kom- niission dieses Verbot streichen will. Ein Be­dürfnis hierfür ist nicht vorhanden. Sorgen wir dafür, daß unter dein Börsengesetz das Volks- wohl nicht leidet. (Lebhafter Beifall im Zen­trum.)

Abg. Dr. Rösicke (k.): Wir haben einen gro­ßen Fortschritt erreicht und dieser besteht darin, daß Strafbestimmungen in das Gesetz gekommen sind. Nicht das Spiel an und für sich ist zu ver- werfen, sondern die Einwirkung dieser Geschäfte auf das ganze Wirtschaftsleben und die Preis­bildung.

Abg. Kämpf (fr. Vp.) erklärt, nach Möglich­keit müßten nur Vollkaufleute in das Handels­register eingetragen fein. Wenig erfreulich fei das 53 er bot des Termingeschäftes tn Getreide. Der Lieferungshandel in Getreide sei notwendig, das könnten sämtliche landwirt- fchaftlichen Genossenschaften bestätigen. Man habe in Interessentenkreisen das Gefühl, daß

„Es ist eben ein zu großer Abstand zwischen mir und anderen Menschen, und Liebe kann, so meine ich wenigstens, nur zwischen Gleichen exi- tzi«en. Mich trennt eine SBelt von meinem

Im Dunkeln.

Roman von Ernesto Selva.

Nach einer wahren Begebenheit erzählt.

42] (Nachdruck verboten.)

Oliver ließ das köstliche Schauspiel heute voll auf sich wirken, es erschien ihm ganz neu, weil sein Gemüt weich und liebebedürftig war, wäh­rend er sonst, im Haß für alles Erfchaffene, ab­sichtlich dessen Reize nicht beachtet hatte.

Als hätte er eine Ahnung davon gehabt, daß dies der Lieblingsplatz des blinden Mädchen fet, Letter instinktiv seine Schritte nach dem Aloe-Waldchen.

Hier angelangt, ließ er sich auf der Marmor­bank nieder und dachte an Angiolina.

Und wie die Verkörperung seines Traumes, kani das junge Mädchen langsam durch die Allee daher, gerade auf ihn zuschreitend.

Er wagte kaum zu atmen, um die holde Erschei­nung nicht zu verscheuchen, und dennoch hatte die Blinde mit der außerordentlichen Feinheit ihres Gehörsinnes erraten, daß sie nicht wie gewöhn- lich allein hier sei. Plötzlich hielt sie den Schritt an und fragte mit einer Stimme, die leichte Unruhe verriet:

„Es ließ sich wohl voraussehen, daß ein so zärtticher Vater Ihrem Glücke fein Hindernis in den Weg stellen würde. Er gab daher seine Ein- williaun? Ihrer Heirat, weil Sie den Kava-

.„Befehlen Sie, daß ich mich zurückziehe, mein Fräulein?" erwiderte Oliver, so sanft er ver­mochte.

Ä «9Wn, es wäre unrecht, an einem so herr­schen Morgen jemand aus diesem Paradiese ver­rannen zu wollen; bleiben Sie, Herr Doktor, ,»nd p.audern wir ein wenig, wenn es Ihnen recht rst."

"O, von Herzen gern!"

auch daS Zentrum zustimmen könnte. (Ohol Heiterkeit.) Ich hoffe, daß nun Herold für da» Gesetz stimmt. (Heiterkeit.)

Abg. Herold (Ztr.): Der letzte Wunsch wird nicht in Erfüllung gehen. Wenn die heutige« Beschlüsse so gut fein sollen, warum hat Dr. Ro- sicke in der ersten Lesung der Kommission hier ganz anders gestimmt? (Sehr richtig)

Abg. Dr. Rösicke (k.): Die Beschlüsie der zwei­ten Lesung sind besser als die der ersten. (Allge- meines Cbo!)

Es folgt die Abstimmung über die An- trage; die Kommissionsanträge werden ange­nommen, ebenso der Antrag Böhme, wonach Handwerker, die int Handelsregister laufen, nicht zum Börsenterminhandel zugelassen werden. — Der Antrag des Zentrums, die Ausnahmen vom Verbote des Getreideterminhandels zu strei­chen, wird mit 240 gegen 124 Stimmen abge­lehnt.

Der Rest des Gesetzes wird ohne erhebliche De­batte vom Block angenommen.

Mittwoch: 3. Lesung des Vereins- und btl Börsengesetzes.

Auinahme der Sott». . _ ■ A. 'A AA

»nd Feiertage, viertel» M M ■ /B

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wie auswärts 1.50 M.

verantw. Redakteur:

Lari Schütte,

wochmb-nag«: Illustrierte Somtagrzeitung"

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 7. April 1908.

DaS Haus erledigte zunächst in 2. L-,sng 6en i Nachtragsetat bett. Teuerungszulagen.

Nach den Beschlüsten der Budgetkommisston soll«» die unteren Beamten eine einmalige Zulage von 100, Mark erhalten, die mittleren Beamten 150 Mk., sofern sie nicht den Wohnungsgeldzulchutz höherer Beamten beziehen. Die in der Regierungsvorlage nach oben gezogene Grenze von 4200 Mk. fällt weg. — Di» Lehrer sollen erhalten 150 M., die Lehrerinnen 128 (anstatt 100 Mk. nach der Regierungsvorlage) bet einem Grundgehalt bi» zu 1200, bezw. 900 Mk. Be­trägt das Grundgehalt der Lehrer mehr al» 1200 M* aber weniger als 1350 Mk., daS der Lehrerinnen meh« als 900 Mk., aber weniger al» 1125 Mk., so soll btt Zulage in Höhe de» Betrage» gemährt werden, um welchen das Grundgehalt bei Lehrern unter 1350 M« bei Lehrerinnen unter 1025 Mk. bleibt. — Unverändert geblieben ist die Bestimmung der Regierungsvorlage, wonach diejenigen Beamten reine Zulage erhalten, die 1907 aufgebeffert sind, und ferner die Bestimmung über die Stellenzulagen für Eifenbahnbeamte. — In Verbindung mit dem Nachtragsetat steht der Antrag Bachmann (natlb.) und Gen., bett. einmalige Qk- Haltszulagen an Beamte, Geistliche und Lehrer. Da­nach sollen die Gehaltszulagen bei höheren Beamten 10 Prozent, bet mittleren 12,5 Prozent, bei Unten»; beamten 15 Prozent de» Gehalts betragen. — Die Kommission beantragt Ablehnung deS Antrag» Bach­mann und ersucht ht einer Resolution die Re^ gierung, die Vorlagen wegen Erhöhung der Bezüge der Geistlichen dem Landtage noch in dieser Session zugehen zu lasten.

Finanzminister v. Rheinbabe« erklärt, die Re­gierung sei gewillt, dieKommissionsbeschlüss» anzunehmen, darüber könne fie aber nicht gehen. Die Regierung habe den Wunsch, btl mittleren und unteren Beamten so schnell wie mög­lich in den Besitz der Zulagen zu bringen. Er bitte das Haus, sich ebenfalls auf den Boden bet Kommissionsbeschlüste zu stellen.

Abg. Dr. v. Heydebrand (k.) beantragt die Reso­lution "über die Gehälter der Geistlichen au- bet Debatte auszuscheiden.

Das Haus beschließt so.

Kultusminister Holle bezeichnet narnen» der Re» gierung die über die KommisstonSbeschlüffe hinaus« gehenden Anttäge als unannehmbar.

Abg. Dr. v. Heydebrand (L) stimmt für btl Vor­lage, wie sie aus der Kommission kommt.

Abg. Dr. Friedberg (ntl) kann nicht einsehen, warum nicht alle Lehrer die Zulage erhallen sollen Aus seine Anfrage erklärt Finanzminister Freiherr

-------------t, mir, ich habe gewichtige Gründe für dies« mein» Fragen." Z

„Und doch möchte ich Sie bitten, diesen ©egen* stand fallen zu lasten, der mir wirklich peinlich» Empfindungen erregt."

„Wie wäre daS möglich?"

„O, können Sie mein Fühlen nicht ver­stehen?"

„Sprechen Sie sich au», haben Sie Vertrauet» zu Ihrem Arzt."

„Gut, ich will eS, denn gerade Sie, der federt-^ kundige Arzt, kann eS begreifen, waS ein un­vollkommenes Geschöpf, wie ich, empfinden muß,' wenn eS sich in die Gewalt eine» ihm fremden Mannes gegeben weiß, von seiner Großmut, von seiner Siebe abhängig."

„Die Leute behaupten, daß die Liebe, wenn sV auch nicht gleich vorhanden war, in der Ehe zu kommen pflege."

„Ich werde jenen Mann nie lieben", versetzt« das junge Mädchen mit ungewöhnlicher Energie.

Olivers Herz klopfte in freudiger Aufregung, aber er zwang seine Stimme zur Ruhe, als er fortfuhr:

„Weich' feste Ueberzeugung! — Darf ich er­fahren, was dieselbe begründete?"

„Sie belächeln vielleicht meinen Sfbetglau- ■ ben."

„Nichts liegt mir ferner als dies, sprechen Sie ungescheut, dem Arzte und dein Beichtiger darf man furchtlos die Geheimnisse der Seel« anvertrauen."

„So hören Sie denn: Eines Abends weilte ich im Gatten, mein Verlobter suchte mich auf, wtr saßen allein auf dieser Bank. Amadeo sprach mir von feiner Liebe, an deren Tiefe und Stärke ich nie glauben konnte, er ergriff mein« Hand, ich entzog ihm btcfelbe nicht, tm Gegen­teil, ich umschloß diese Hand mit der

und brüdBe sie." >

(Fortseduna folgt.)