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35. Juhiaaua.

^ulba, DlmsLaq den 7. April 1908.

jw 81.

Zweies 4 Luit.

Eine Stunde später fährt ein Wagtzn am Hanfe ihrer Mutter vor. Ein eleganter Herr in Zivil steigt aus und verlangt die Dame des Hau­ses zu sprechen. Sie erscheint und fragt nach den Wünschen des Fremden.

„Es tut mir leid, Sie belästigen zu müssen, Madame," beginnt dieser feierlich, allein dasWohl Frankreichs verlangt, daß Sie mir offen und ohne Aiteflüchte Antwort auf meine Frage er­teilen, im Falle Die nicht vorziehen, »och anderen als mir Rede zu stehen."

„Mein Herr, ich verstehe Sie nicht, und bitte, mir zu erklären —"

„Sie werden mich gleich verstehen. Sie wissen, daß seit drei Tagen in Madrid die Revo­lution ausgebrochen imd Espartero gestürzt werde!: ist."

.Allerdings, denn.es steht in allen Zeitungen."

„Sie wissen aber weit mehr, als in den Zei­tungen steht: Sie kennen die Pläne der Kar- liften/'

„Ich? Was fällt Ihnen ein?" .

„Leugnen hilft nichts, Madame. Wir sind genau unterrichtet, daß Sie mit den Karlisten korrespondieren, die sich an der Grenze verbor­gen halten, zum Beispiel in Weißenburg."

Madame betrachtet ben geheimen Polizei­offizianten, der sie mit durchdringenden Blicken ansieht, mit sprachlosem Erftaunem

„Sie schweigen? Run denn. Sie sind sogar unterrichtet, daß Don Karlos nach Spanien wie­der zurückkehrt. Jhtr durch ein offenes Geständ­nis aller Einzelheiten können Sie vermeiden, mir augenblicklich ins Gefängnis folgen zu müssen."

Jetzt reißt der Dame die Geduld. Entrüstet ersucht sie den Polizeimann, augenblicklich ihr Haus zu verlassen. Der aber nimmt ruhig ein Papier aus der Brusttasche und sagt: „Sie glau­ben, wir haben keine Beweise in den Händen? Hier find fie. Erst vor einer Stunde gab Ihre Tochter im Telegraphenbüro diese Depesche nach Weißenburg euf"

Die erschrockene Mutter fällt beinahe in Ohn- nracht, als sie ein Papier mit der Unterschrift ihrer Tochter in der Hand hält, das die rätsel­haften Worte zeigt: „Don Karlos — komm!"

Die zitternde Frau ruft ihre beiden Töchter herein und ein neues Verhör beginnt. Als aber die Mädchen endlich das verhängnisvolle Papier lesen, brechen sie in lautes Lachen aus zum großen Erstaunen der Mutter und des Polizei­manns. Wenige Worte und der Brief aus Dkmnheim bringen indessen L«ht in die Sache, allein völlig beruhigt ist der geheime Agent doch noch nicht.

Da rollte abermals ein Wagen vor. Der glückliche Mannheimer Musiker tritt ins Zimmer, die Tochter fliegt ihm in die Arme und sagt lachend zum Polizeimann: „Hier stelle ich Ihnen meinen Don Karlos vor; Sie werden einsehen, daß sich vor diesem die spanische Regierung nicht zu fürchten ktztt."

Dem verblüfsten Polizeimann blieb nichts übrig, als sich, begleitet von allgemeiner Heiter- kett unter tausend Entschuldigungen zu. entfer­nen. Als die Zurückbleibenden ihn in bat Wagen steigen sahen, bemerkten fie, daß der Prä- fekt bon Straßburg darin saß und daß vor dem Hause und an den Straßenecken Gendarmen in Zivil Wache gehalten hatten.

o. Am -em Verbändekatho!. krmsm. Vereinigungen vMschlandr.

Am 27. und 38. März fand in Essen-Ruhr die 8. Sitzung der Sozialen Kommission des Verban- des fall), kaufm. Vereinigungen Deutschlands statt, auf der zu den verschiedenen schiebenden Standesft'agen Stellung genommen wurde.

Von den Angestelltenfragen stand an erster Stellung die Neuregelung der Sonntags­

diaer Beratung behandelt. Die Mehrheit der . Kommisswn erachtete bei den Mängeln des Heu- tigen Genossenschaftsgesetzes die kaufmännische Genossenschaft als ein für den Kaufnunrnsstatld unpraktisches Selbsthilfsmittel und bezeichnete die Gesellschaft mit befchränkter Haftung als em den Bedürfnissen ckes Detailhandels in höherem Maße angepasstes Institut.

Dir im Verbände in letzter Zeit gepflogenen Reorganifationsverhandluncren wurden nach aus- gedehnter Beratung zum Abschluß gebracht. Die Kommission stellte einstimmig den Grundsatz auf, daß an der paritätischen Grundlage des Verbandes festzuhalten und jeder Vorschlag aozu- lrhnen sei, der in seiner Wirkung auf eine ein­seitige Jnleressenverl:V^ng hinauslaufe.

Zur Ausgestaltung der Verbandszentrale und Anstellung weiterer Kräfte wurde beschlossen, bei der nächsten Generalversammlung die Erhöhung des Verbandsbeittages um eine Mark zu bean­tragen. Der Verband zählt nach der rieuesten Statistik 22,000 Mitglieder.

sobald der persönliche oder parteipolitische Vor­teil es erheischt.

Graf Hoensbroech rin Sachverständiger? Das .Kastrier Tageblatt sagt in feinem Berich: über ben Kasseler -Vortrag des Graten Hoens. broech vom vergangenen Donnerstag über „Nlfrmmmlanismus und Geistes sreiheil :

.Wie man sich auch zu dem von bkm Reduer be- j> am dellen Gegeusiand ilellc» map, ucherUch ist es für Freund ttnb Feind interessant, eme P«:^vniicklell wis drrierliae des Graten HvenSdrvech Aber dreies mklu«- firütcue Thema sprechen zu börcu. Denn der ora, als früherer Angehöriaer des Jesuitenordens, all Kenner dcr lalhottchen Jncktutwn-n und als G-schlchll- gelehrter iit gewiß auf diesem Gebiete als ein T a * - v erstäudiger von unleugbarer Bedeutung anzusehen."

Dieter „Sachverständig« von unlruabarer Be- beutuug" hat gerade als Beurikiler b?" „Ultra« monianismus" ' eine so veniichtende Krittk ge­funden. wie fie io leicht mcht einem pveüen widersatz'en ist. Mit MSsicht auf sein grösstes Werk „Das Papsttum in seiner kulturellen Wirk­samkeit", an das sich also das Thema des Kasseler Vortraoes anlebnte, musste er sich von einem protestantischen Gelehrten (Tr. 'Jinunmmri fasen lasser, daß er Plagiator und Fälscher sei, daß er die Onellen,' die er zu seinen Angriffen gegen das Papsttum benutzt hat, gefälscht hat, daß er fie teilweise unterschlagen und zum Teil nicht verstanden hat. „Etwas Un­ehrlicheres, etwas Frivoleres" — so sagt her protestantische Historiker — „als daS Hoens- broech'sche Pamphlet ist mir noch nicht zu Gesicht gekommen." Au anderer Stelle schlecht dieser protestantische Gekehrte:

„Ich weiß in der ganzen mir bekannten historischen Literatur, fa in der gesamten Literatur überhaupt, mich keines zweiten Werkes zu eilaner« — und ich darf, ohne mich zu rühmeu, versichern: ich bitt ziemlich be­lesen —, baS auch nur annähernd in so leicht­fertiger, frivoler, ja geradezu werd nun m en r- H>er te r Weis« geschrieben ist, aI4 dar Buch HoenS- broechS über die tacholifch« Nioral. Sogar der erste Band des Hoe»Lbro«h'schen PapstpamphtelS ist harm­los zu nennen un Aergleich mit diesem zweiten. Dem: im ersten Teile versuchte der Berfafier nur die Ge- Ichichte der Päpste zu fälschen, im zweiten sucht er hin­gegen die MoraUehr« des Katholizismus in den Kot hinabzuziehen, unt> er l-edient sich hierzu jeder noch |o verwerflichen Mittels."

So das Urteil eine« protestantischen Ge- lehrten, das umso bezeichnender ist, als derselbe nicht etwa kathslistereick)e Neigungen hat, sondein, rvte er selbst Eingangs seiner Abhandlung be­kennt, auf unaläubiqem Standpunkte steht.

* Die «ene F-elddienstvrdnung, über deren Inhalt bisher nur auf Vermutungen beruhende Mitteilungen in die Oefferttlichkeit gedrungen sind, hat in de« letzten Tagen Offizieren des Ge- ncralstabes, des Kriegsministeriums und der Komuüssron, die sie bearbeitet hat, worgelegeu und ist nunmehr in den Druck gegangen. Ihr ist eine Order des Kaisers vorgedrnckt. Sie soll so schnell wie möglich für die Truppe fertiggestellt werden. ___________________

Aus dem Rachdarsebret.

* Hanau, 5. April. 1908. In der Nähe der Station Pulverfabrik wurde eme männliche Person überfahren und zermalmt. — ®ie bet langen» felbolt aus dem Zuge gestürzte Dame ist die tebrerui Gertrud Boldt aus Zehlendorf. Ob ent Unfall, ob Absicht ober Verbrechen vorliegt, ist noch ungeklärt.

' Kassel, 6. April 1908. Eine Kanonen, kugel, welche aus dem siebenjährigen Krieg« herznrühren scheint, wurde bei den Ausichach- tnngsarbeiten für den Atznakanal zwischen Mo- ritzstraße und Belvedere aufgefunden.

' Reu-Ulrichstein, 6. April 1908. Etttw März befanden sich in hiesiger Kvlowre 78 Mann stellen- begto. ar bettslos. Von liefen 79 Mann stammen 16 aus dem Groß^erzogtntn Hes­sen, während sich die anderen auf die meisten deutschen Staaten verteilen. Seit dem Bestehen der Anstatt wurden ausgenommen 6357 Manu.

» Böhl, 5 April 1908. Bei einer Vergnü­gungsfahrt über die Edder kippte ein Boot mit sechs Insassen um. Füiif wurden gerettet, die 22jährige Siebert ertrank. Dre Levch» fit wert* nicht gefunden.

* Erfurt, 6. April 1908. Var etwa fünf Jah­ren brannte in Jäpersleben eine Scheune ab, und af§ der Braridstiftung verdächtig wurde das da- mals 12 Jahre alte Schulmädchen Rosa Knöpfe! in Haft genommen. Durch Einschüchterungen der vernehmenden Beamten wurde daS Kind so in die Enge getrieben, daß es die Brandstif­tung zugcck. In Anbetracht der Jugend sah der Gerichtshof von einer Strafe ab und über­wies das Mädchen einer Zwangserztehungsan- stalt, wo es sich noch heute befindet. Jetzt nach fünf Jahren hat eine Verwandte des Besitzers der Scheune auf dem S trttbebette das Geständnis abgelegt, daß der damals sieben Jahre alte Sohn be§ Besitzers He Scheune in Brand gesteckt hat und die Rosa Knäpfel unschuldig verurteilt worden ist. ;

* Hellizenstadt, 6. April 1908. Einen prak­tischen Schritt in der für die Land- und Greift- wirtschaft wichtigen Vogelschutz frage hat jetzt bte Stadt Heiliaenstadt getan, indem sie das Ge­lände — zwei Halbinseln in der Nähe derStadt — frei hergegeben hat zur Anlage von B og« l- schutz-Reservationen. Mit der Ausführung dieser Anlagen ist der als Ornithologe bekannte, Lehrer Hiefemann hierfelbst vom Minister für Landwirtschaft betraut worden.

ruhe im Handelsgewerbe bekanntlich bezeich- «et der Verband schon seit ^em J-chre 188 völlige Sonntagsruhe als das Endziel der Sonn- ttigsrnhebeweaung. Die m dem 6efarrnten c Wurf des Reichsamts des Innern über He Sonn- ttigsnche vorgesehenen Ausnahmen erachtete bie Kommission deshalb als zu weitgehend, und be- ßblvß folgende Abänderungsvorschläge oem Reichsamt des Innern zu unterbreiten:

1. Iiir das aefamte H-mdelsgewerbe fit da?Ver­bot der Sonnlagsardeit mit 'Xu«nähme bet «rbriteo, die in NotMten oder mroffe«tl-chen Int.reffe auLgesuhrt werde», reichsgesetzlich ausz«fpreck)en.

2 Für handelsgewerbliche Betriebe mit offenen Verkaufsstellen darf mit Gcnebnngung der Auf­sichtsbehörde durch Beschluß einer Gemeinde oder eme„ wrllereiiKommimatverbandes Aiitrag von minderten« yvei Dctileln der beteiligten Geschüstsinyabtt an Sonn und Festtagen, mit AiKnohme des ersten Wechnach ^, Oster- und Pfingsttages, eine beschrank.« Beschäftigung zugelafien werden und zwar ,

») für die beiden letzten Sonntage vor Weihnamren biö zur Dauer von 7 sötiutben, nicht über 6 Uhr abends hirmuS;

V, für drei weitere Sonntage im Jahre, an denen driuaende örtliche Verhältnisse einen erroetterten Geschäftsverkehr notwendig machen, bis zur Dauer von 4 Stunden, nicht über 3 Uhr nachmittags tflnaus;

c) für die übrigen Sonn- und Festtage bis »ur Dauer von 2 aufeinanderfolgenden Stunden, nicht über 1 Uhr mittags hinaus.

3 Bei mehr als Sstündiger Sonntagsarbeit ist den Angestellten di« in § 139c der Reichsgewerbeordnung vorgesehene Mittagspause zu gewähren.

4. Für die Zeit der Sonntagsruhe ist der Berkaus von Tabalsabrikaten in Wirtschaften und ähnlichen Lokalen, sowie der Betrieb der Bahnhosvbuchhandlungen zu ttntftfagtn.

Zur Frauen frage im Handelsgewerbe überwies die Soziale Kommission den Gauver- bänden und Vereinigungen verschiedene Lettsatze.

Zur Beseitigung ber mtt dem Eindringen werblicher Personen in das Handelsgewerbe ver­bundenen lohndrückenden Konkurrenz erblmt ber Verband geeignete Mittel: 1. in ber Einführung einer dreijährigen Lehrzeit; 2. in ber Verpflich­tung aller tveiblichen Angestellten, bis, zum vol­lendeten 18. Lebensjahre die kaufmännische Fori- bftduiigsschule zu befuchen: 3. in einer Aufsicht über bas Privathandelsschulwesen: 4. in der Förderung ber Stcmdesorgauisationen der weib- lichen Angestellten. Daneben ist die im Handels­gewerbe tätige Fran zu schützen in gesundheit­licher, sittlicher und volkswirtschaftlicher Hinficht.

Eftt großer Tett der Verhandlungen war D e- t ai llisteufrag en gewidmet. Zu dem vor- länsiqen Entwurf eines Gesetzes, betreffend di« Abänderung des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes soll dem Reichs amt des Innern «ine Reihe von Abänderungsvorschlägen unterbreitet werden. Zu der vom Reichspostamt geplanten Reform der Fernfprechgebüh- renordnung sprach sich die Kommission gegen die Aufhebung der Pauschalgebühren aus, em­pfahl dagegen eine mäßige Staffelung der Pau­schalgebühren. Die geplante Reform der Zivi l- prozeßordnung wurde vom juristischen Beirat des Verbandes, Justizrat Altenberg, aus- führlich behandelt. Eine Spezialkommission soll die für den Kanfmannsstand wünschenswerten Aendernngen der nächsten Generalversammlung unterbreiten. Zwecks Neitregelung der Wan­derlagersteuer soll die Verbandslettung von der nÄhften Getkeralversammlung beauftragt werden, bei den einzelnen Bundesstaaten die Ver­anstaltung einer amtlichen Enquete über Zahl und Dauer der in den letzten zwanzig Jahren veranstalteten Wanderlager zu beantragen. DaS Grmo s sen sch a f t s w es en und seine An­wendbarkeit im Kleinhandel wurde in mehrstün-

«ne em stattigePetttzeUeoder bereit Saum j5Psg. »eüaRen-teprtttzell« 25 Pfg., bei Wieder- hritmgrn wttd entfpt gewSbrt

«otattonrbrncknnd Verlag berKnkbaerAk- tiendruckerei tn Kuldo

Monatrbeilage: „Fuldaer GeschichtMätte^^ zrmsprechrr Ur.y.

— Die Schnurrbärte der Portugiesiunen. Das „Buch für Alle" teilt in einem seiner neuesten Hefte folgend«S mit, von dem wir annehmen, daß es namentlich imsere Leserinnen interessieren wird. Daß sich bei weiblichen Gesichtern ein Schnurrbart einstrilt, kommt auch bei uns vor. Von unseren Damen aber wird er als ein höchst unwillkommener Gast behandelt, und sie tun alles mögliche, um sich seiner so bald wie möglich zu entledigen. Anders bie Portugiesinnen. Ein Bärtchen tritt bei ihnen weit häufiger auf als bei uns, ist aber, wie behauptet wird, sehr gern gesehen und torrb von ihnen gepflegt, gewichst.

Eine ge?Lhr?rche Depesche.

Im Sommer 1856 hatte sich ein junger Künst­ler, der als Orchestermitglied um Hostheater in Mannheim engagiert war, in Straßburg verlobt und besuchte natürlich seine $mut so oft, als seine Beschäftigung es irgatb zuließ. Einst hatte er zu diesem Zwecke wieder einige Tage Urlaub erhalten, jedoch mit tler Einschränkung, daß er am nächsten Sonntag in Mannheim wieder ein- treffen mistse, well an diesem Tage Qperiivor- fteUung sei. Würde aber die Oper abgesagt, so sollte tr schleunigst Nachricht nach Straßburg er­halten: es käme dann „Don Karlos" von Schiller zur Ausführung, und er erhiette für diesen Fall die Erlaubms, noch Hei Tuge langer m Straß­burg zu bleiben.

Der glückliche Bräuttgnm verlebte also in Straßburg einige schöne Tage. Aber die-ersehnte l Naclniäst aus Mannheim, welche fein Gluck noch verlängert hätte, traf nicht ein. Pflichtgetreu machi er sich ha^r am Sonntag auf den Weg und refft auf der Eisenbahn betrübt von Straß­burg ob, mit dem Bemerken, daß er sich noch einige Stunden in Weißenburg aufhalten müsse, um dort Verwandte zu besuchen.

Kaum batte er seine Braut verlassen, so tr-fst ein Brief cus Mannheim unter seiner Adresse bei ihr ein. Die Braut, den Inhalt ahnend,, btfneie und liest — leider zu spät — die frohe Vmschaft, daß die Oper in Mannheim abbestellt Ki, „Don Karlos" aufgeführt werd« und der Bräutigam noch drei Tage Urlaub habe. Die ^^9e Dame, rasch entschlossen, erinnert sich, daß B <.Tantignm nm Hefe stunde noch in Wei- müsse und machte sich ohne ihrer nufS esn ®ürt 3« sagen, mit ihrer Schwester kXrM? 3 wm Telegraphenbüro. Sie gibt L.a-!llöchsl lakonische Depesche auf, um ersparen. Sie telegraphiert Nick' rh^r ^rIß§ ~ komm" und eilt wieder nach ihrer Wohnung.

gebürstet, geträufelt, die Enden nach oben ge-, dreht — genau wie bei uns junge Männer mit dem ersten Flaum auf ihrer Oberlippe verfah­ren. Solange nun das Gesicht der Trägerin jung und frisch ist, sicht solch ein niedliches Schnurrbäritchen recht pikant und interessant aus, ist aber die Trägerin bereite in ben Jahren vorseschritten, so verleiht bieseS dünkte männliche Anhängsel dem Gesicht einen adstohenden, her-, ausfordernden Ausdruck. Zum Glück wirkt er jedoch nur auf Ausländer in dieser Weise; den 'Portugiesen ist er ein angenehmer Anblick, und bie bamit gezierten Mädchen und Frauen der Halbinsel find stolz auf ihren Schnurrbart. :

— Ein glücklicher Erbe. Ein Homburger Bürger R. erhielt eines Tages vom Erbschafts- antte eines der thüringischen Stauten die Nach­richt, daß dort im Krankenhause ein Fräulein verstorben sei, an deren Nachlaß Herr R. mü sei-, nen zwei Brüdern zur Hälfte beteiligt fei. Zur Deckung der Kosten aber sei bie Einsendung eine» Vorschusses von 3,10 Mark erforderlich. Herr R. schrieb nun zurück, der Nachlaß fön ne nicht so bedeutend gewesen sein, um die Kosten und un­nötigen Laufereien und Scherereien zu fragen;- er verzichte also auf die Erbschaft. Hierauf er- hieltHerr R. den Bescheid, nach Paragraph sound­soviel des Gesetzes vom Iah« 1858 wäre dal nicht zulässig; er möchte doch, um Weiterungen und Unannehmlichkeiten zu vermeiden, die 3,Ist JC einsenden. Herr R. tat das also und empfing nun folgendes Schreiben: „Erlös des Nachlass» von Fräulein NN. 6 <M, abzüglich Unkosten 5 sind Rest 1 M. Hiervon ab 10 Pfg. für Porto, bleibt als Gesamterbschast 90 Pfg.; dir Sälfte davon 45 Pfg., abzüglich Porto 10 Psw, einen Effektivbestand der Erbschaft von 35 Pfg-> die in Freimarken dem Schreiben bergefuMl tote ren mit der Bitte, Hefe Summe gewissenhaft mW seinem Miterben, .von denen einer, nebendri fl* sagt, in Argentinien wohnhaft A 5« teilens —. Wie mag der glückliche Erbe geschimpfk haben l

De»rM)es Reich.

& Deutsche Patrioten. H-rr Muller von der Werra, der begnadete Dichter und besondere Schützlina des Abg. Müller-Meinmgen ist kurz- lick, als ein Patriot" entlarvt worben, auf de» Dculschland nicht besonders stolz Lsl 'seni braucht. Noch kurz vor dem deulsch-franzofifchen Kriege lag er vor Napoleon III. im Staube und oewng ihn in einer Ode. Als aber die Siegesnachrich­ten von Weißenburg und Wörth cinhefen, da änderte er flugs den Titel und widmete das Ge- dickt «König Wilhelm Barbarossa^. Es hat noch viele andere „lerühmte deutsche Mäuuer ge­geben, die damals war Napoleon im Staube ge- legen und ihn angebettelt haben. Henri Vm- biers Werk „L'Altemagne aux Tnileries be IbaO bis 1870" hat darüber.recht interessante Dinge betraten. Beinahe 2000 Bittschriften von Man­nern mit durchgehends nationalliberaler Gesinn­ung sind darin verzeichnet. Ta schlägt Leo B i r k e n st a d t, Doktor der Rechte, dem _ fran­zösischen Kaiser die.Erwerbmig bon Grundstücken vor, die in ' den Hauptstraßen Berlins gelegen sind: ein Univerfttätsproiessor E. Buschmann wünscht dem Kaiser seine Werke als Beschützer und Gründer des merikanischen Reiches zu Fußen zu legen und kommt vor Verwunderung ganz außer sich, was Napoleon nicht alles für Frank­reichs Glück getan hat. Leutnant Jlzrg überseridet ein Gedichl, zu welchem ihn feine An- häu. lichkeit an ben Kaiser begeistert hat, und bittet später um den Orden ber Ehrenlegion: Marlin Lehmann hütet um Unterstützung mit ber Begründung: „Majestät, obschon ich ein Bemohner Deutschlands bhi, so gehen doch meine Sympathien jensetts des Reiches und gehären Frankreich. Ihrem schönen Lande. Der einstige Führer der Freikonservativen, Bismarcks.Jiigend- freuab Mor v. B lancke nb.urg, überschickte noch am 15. Januar 1870 Napoleon eine Ab­handlung mit dem Bemerken: „Sire, ich bitte Ew. kaiserliche Majestät nnteriänigft, in der Her; beigefügten Abhandlung den Ausdruck der auf- richtigsten Bewunberung ffür den erhabenen Dfr- narttien zu «flennen, dem es gelungen ist . . ." Prcfeffor Zumpt ans Berlin erklärt in einem Schreiben an den Kaiser der Franzosen, daß der Verfasser düs „Jülius EAar" (Napoleon selbst) an Genalttät alte überträfe, welche die Wifsen- schaft zu ihrem Berufe erwählt hätten. In ahn- lichen Wendungen ergingen sich die beiden Ge» schickteprofessoren Mommfen und v. Sybeh Leuckten des Patriotismus. Der letztere hat be­kanntlich fpater an der Spitze des „Deutschen Vereins" in den Rheialmidea gestanden, jener Körperschaft bekanntlich, die .durch Dr. K o- tt 11 e r die Herzen nick Nieren der katholischen Beamtertschaft auf ihre patriotische Gesinnung hat prüfen laswn mit daran gemeine Denun­ziationen knüpfte. Vergebens ist nach dem Namen eines „UI.tr am-onta neu" gesucht worden, so oft und so nachdrücklich auch von innigen Be­ziehungen berfölben zu Frankreich die Rede ge­wesen W. Im Gegenteil war es V. N e i ch e n s - P«rger, ber 1856 in ber zweiten preußischen Kmumer mit ffiawg auf Napoleon von „dem Rrmi«dler" ffwach, ber sich auf der Trikolore niebergelasseu hab« u-cd o-gen den die Einigkeit des ürmißischeu und.deutfch«, Aolkes eine drin­gende Notwendigkett fei. Mit dem Worte „V a - tx r'I a n b § I'i e’b t" wird, tote man hier wieder sieht, genau tzerfelbe SihwiudÄ getrieben, tote mit dem Worte ,jFreiheit". Die «s am meisten^ im SRtrnbc führen, testen rs xim ehesten mit Füßen,

MschriM tö-lich XU Wrnabme bet Sott» OndKeiettagevtertei« fShrliche-Ser«srpreir ohne Brirtgtrlobi: nnß Ves-rSsridvrKu!daso- witau$w8*te1.5»mt

Verantw. »etette«: LarlSchLtte;

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