35. Jahrgang.
Fulda, Montag den 6. April 1908.
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«rschdxt täglich mtt Ausnahme 5er Son» und Feiertage. viertel» jährlicher yezugsprei, ahne vrtngerlohn und vepellgeld in Fulda so» mieaur«Srtrl.S»Mk.
verantw. Hedaltenrr Earl Schütte;
Z. pa^eLu" in Mda. Wochenberlage: „Illustrierte Somitagrzeitung"
in der Kommission Stimmen lernt geworden, Len Masuren und ßittouern das zu gewähren, waS man den Polen versagen will. Warum gerade den Polen nicht, die nach Millionen zählen, wäh- rend es sich bei den anderen Nationalitäten nur um ein paar Hunderttausend handelt. Mit einem solchen Mangel an Logik machen Sie sich nur lächerlich. (Beifall und Zustimmung im Zentrum und bei den Polen, Unruh« beim Block; Glocks deS Präsidenten.)
Präsident Graf Stolberg: Herr Abgeordneter, Sie dürfen nicht einer Partei oder der Mehrheit oder überhaupt jemandem im Hause vorwerfen, daß er sich durch irgend etwas lächerlich macht. (Große Heiterkeit.)
Abg. Fürst Radziwill (fortfahrend): Gerade das, was Sie immer von uns verlangen, daß wir uns dauernd als Staatsbürger im Deutschen Reich und in Preußen fühlen und betätigen sollen, legt ihnen die heilige Pflicht auf, Respekt vor einer Nation zu haben, die ohne ihr Zutun in den Bestand von Preußen und Deutschland ausgenommen worden ist.
Abg. Hans Edler zu Putlitz (kons.): Wir stimmen dem Kommissionsantrage zu und wahren damit unseren nationalen Standpunkt und stützen die Staatsautorität. Für die Littauer wol- Ben wir die Muttersprache zulassen. (Zuruf: Weil sie Protestanten find I) Der preußische Staat befindet sich in der Notwehr. (Huhu!) Wir sind der Ansicht, daß der § 7 nicht weit genug geht; wir müssen die Verantwortung der Regierung überstrssen. (Hörtl)
Abg. Spahn (Ztr.): Dr. Hieber meinte gestern, daß die Mehrheit des Volkes keine Freiheit vom Zentrum und Sozialdemokraten wolle. Diese Auslassung von einem Süddeutschen ist umso befremdender, als andere Süddeutsche mit uns stimmten. Die liberalen Parteien haben die libe- ralen Anschauungen und Grundsätze von 1848 inbezug auf die Versammlungsfreiheit, das Rech' jedes Staatsbürgers zur freien Meinungsäuße- rung, den Grundsatz der Gleichheit aller vor dem Gesetz bezügl. der Nationalität aufgegeben. (Beifall und Gelächter.) Nach dem §7 darf in einer Versammlung nicht in der Sprache verhandelt werden, die diejenigen verstehen, auf die man ein- wirken will. Freilich muß die Staatssprache die Deutsche sein; das verlangt die kulturelle Entwickelung Deutschlands. Aber soweit hätte man doch nicht gehen dürfen, die landesübliche Sprache bei Verhandlungen über. Angelegenheiten zu verbieten, die an fich nicht Angelegenheiten deS Reiches oder des Staates sind. Der Gesetzentwurf richtet sich zweifellos vor allem gegen die Polen. Bismarck hatte die Ansicht, daß eine Rassenmischung zwischen Deutschen und Slaven für beide Teile von Vorteil ist. Auch in allen Großstaaten find slavische Elemente vorhanden. Wenn man das anerkennt, dann verstehe ich nicht, warum man mit solchem Eifer gegen die Polen vorgeht. Sie denken gar nicht daran, die erste beste Gelegenheit zu benutzen, um vom Deutschen Reiche loszukommen. Eine solche Torheit traue ch den Polen nicht zu, und wenn es doch so wäre, rann haben wir doch, wie im Herrenhaufe schon ;esagt wurde, unsere Truppen. Ich verstehe nicht, wß die Sprachenfrage eine so große Schwierigkeit bereitet. In der Schweiz ist die Sache doch auch geregelt. Und wie machen die Engländer es in Malta, und wie haben die Franzosen es in Ka- nada gemacht? Bisher hat sich der Reichstag ze- M jeden Eingriff in die Muttersprache ab- ehnend Verhalten, z. B. beim Bürgerlichen Ge- ctzbuch. Nun schlägt er zum ersten Mal einen anderen Weg ein. (Lebh. Hört! Hört!) Den Ausländern versagt man jedes Recht. Wie wird eS nun den Deutschen im Ausland« gehen? SO Millionen Deutsche find doch im AuS- lande. Mit diesem Gesetze begibt man fich des
Minderbemittelte. Der Millionär kann unmöglich auf das Ersuchen, hundert Mark herleihen zu wollen, sagen, er „sei gerade nicht bei Kaste," denn er ist gleichsam verpflichtet, die Hunbert- marffcheine stets in der Westentasche zu tragen, um im Notfälle immer einen Fidibus bei fich zu haben. ES fehlt daher sicher oftmals den Stichen an guten Ausreden oder anderen Mitteln und Wegen, fich Diejenigen abzuwehren, die fich mit derartrgen Anliegen an sie wenden. Ich glaub« daher solchen Reichen, di« mtt »ushilfs- mltteln in dieser Beziehung in Verlegenheit sind, emen Dienst zu erweisen mtt der Mitteilung emeS anderen, ebenfalls in Paris spielenden Ge- schrcht^nr, daS Mat, wie ein Pariser Finanzier fich Schuldner erfolgreich vom Halse hielt. Bei einem der letzten Börsenkrachs war der Bankier P. stark mitgenommen worden. Er hoffte sich noch zu retten und eilte zu seinem Busenfreunde, dem MarguiS v. A., einem der reichsten Männer in der Seineftadt, klagte ihm seine Verlegenheit und bat ihn um eine Anleihe von hunderttausend Francs. Der Marquis hörte die Bitte, ohne eine Miene zu verziehen, an, holte sodann aus einem Schreibtisch ein ungeheurer Buch, das er Herrn P. offen vorlegte. Die Seiten dieses Bu- v.eSJ®arcn "ui Ziffern vollgeschrieben. „Den 14. Juli 1872" — so hieß er unter anderem — "der Frau v. X. zwanzigtausend Francs. Den 3. Januar 1875 meinem Freunde, dem Grafen W., der sein Vermögen am Spieltisch verloren und sich erschießen wollte, hunderttausend Francs und so weiter." Mit ähnlichen Notizen waren fast alle Setten angefüllt und am Ende stand als Hauptsumme die fabelhafte Zahl dreizehn Mil- Ikonen neunhunderttausend Francs.
Do sah P. den Marquis mit großen Augen sprach: „Aber, mein lieber Freund, eS 9ro6e ®"mme
"Und warum nicht?"
, „Weil Sie sonst selbst zu Grunde gerichtet fern müßten."
Rechtes, bei irgend einer Regierung vorstellig zu werden, wenn die Deutschen rm Auslande schlecht behandelt werden. Was werden die Polen m Oesterreich dazu sagen? Wir haben alle Ursache, unS die österreichische Bevölkerung freundlich zu erhalten, denn unsere Beziehungen zu England und Nordamerika können durch die Ereignisse der letzten Wochen leicht ini Schwanken geraten sein. Wir müssen auch dafür Sorge tragen, daß das Ansehen des Deutschen Reiches als Kulturfaktor nicht geschädigt wird, wie eS durch diese Gesetzgebung geschieht. Ein jeder Vorgehen in sprachlicher Hinsicht muß aber auch bei den Polen die Befürchtung wecken, daß ihre katholische Religion gefährdet ist, daß man ihnen ihren alten Glauben nehmen will. (Lebh. Beifall bei den Polen und hn Ztr.) Unsere Minister sind mit ihrer Strammheit und Strenge gegenüber den Polen nicht vorwärts gekommen, die österreichische Gemütlichkeit hat sich viel wirksamer erwies»" — Dann zur wirtschaftlichen Seite der Sache: Die Koalitionsfreiheit zerstören Sie mit dem Spra- kbenpavagraphen, weil Sie den LuStausch der Anschauungen mit den ausländischen Arbeitern verhindern. Ich bin überzeugt, daß das uns in die schwierigste Lage führen wird. Sie übernehmen die Verantwortung für die wirffchastlichen Folgen. (Lebh. Beifall int Ztr. und den Soz.) Die Gesellschaft für soziale Reform hat den § 7 für eine ernste Gefahr für den Arbeiter-
liches Anerkenntnis feiner Schuld zu haben. Monsieur George gab dem Hausmeister einen Schuldschein.
Eines Tage« nun hörte Pierre durch Zufall im Zimmer seines Schuldners Francsstücke Hingen. Sogleich verfügte er fich mtt seinem Scheine hin:
„Nun, Monsieur George, heute alfo!"
„Unmöglich!"
„Wie, und dieses Geld, das hier vor mir auf dem Tische liegt —?"
„Dieses Geld gehört nicht mehr mir. Ich habe gestern um hundertzwarqig Francs eine Wette gemacht und sie verloren. Eine Ehrenschuld muß gleich bezahü werden, und ich bin eben im Begriff, die meinige zu bezahlen."
„Aber, Monsieur Georg«, was Sie mir schuldig sind, ist ja auch eine Ehrenschuld!"
„Gewiß, sie war eS; allein nun haben Sie meinen Schein, meine Unterschrift. Wenn ich plötzlich stürbe, bezahlt Sie meine Familie und Sie verlieren nichts. Mein anderer ©laubiger hingegen hat nur mein Wort; er müßte bei meinem plötzlichen Tode alles verlieren. Wie Sie also sehen, Monsieur Pierre, ist die Sachlage der beiden Schulden sehr verschieden und ich kann also heute nicht an Sie denken!"
Der brave Hausmeister Pierre legte seine Mutze auf den Sessel, nahm den Schuldschein her- und — zerriß ihn. „Jetzt", sagte er, „habe W feine Schrift gegen Sie, Monsieur George, und was Sie mir schulden ,ist nun auch eine vollkommen« Ehrenschuld."
£et Student begriff daS Redliche, aber auch !ws Originelle dieser Handlung PierreS, ließ ihn medersitzen, mit ihm frühstücken und zählte 'hm ferne hundertzwanzig Francs auf.
... Y? ^^Mehrznhl ver Schuldner leider geneigt jll' 'y** Schulden so wenig wie möglich als Ehrenschulden zu betrachten, ist es begreiflich, daß die Geldbesitzer so selten geneigt sind, ihre Geld- leutel den Begehrenden zu öffnen. Freilich ist der Reiche in der Beziehung übler daran, als der
* SchMenmacher.
ES gibt bekanntlich böse und gute Schuldner, wie es böse und gute Gläubiger gibt; Leute, die Jemanden, der ihnen vor fünf Minuten vorgestellt wurde, unter dem Vorwande, nur Hundertmarkscheine bei sich zu führen, um eine Mark an- pumpen, und Ändere, die sich einen Hundertmarkschein borgen, um ein Champagnerfrühstück geben zu können. Es gibt vornehme Leute, die den Schneider, der eine große Familie zu er- 8urm^-?r hinausjagen, wenn er mit .R^uung zu kommen wagt, aber ^s$*Tunbunb Zechbruder, der ihnen im Spiele Geld abgewonnen, dieses sofort hintraaen denn d?s letztere st eine Ehrenschuld" T
ncWtluerben muß während eine Schmld an den Schneider eine ehrlose Schuld ist, deren Re. richtigung lange Zeit hat. w
Was versteht man unter einer Ehrenschuld? Da» laßt sich schwer erklären, denn besonders Ehrenvoll ist es nach meiner Ansicht überhaupt flicht, Schulden zu haben. Aber vielleicht läßt fich die Defmitlou, dieses eigenartigen Begriffes durch folgend« Geschichte geben. Der Hausmeister im Quartier Latin zu Paris ist gewöhnlich bet natürliche Bankier des Studenten, der bei tont zur Miete wohnt. Er leiht zwar keine große Summe auf einmal, aber nach und nach wachsen die Beträge an, so daß es wohl auch vorkommt, Arß ein Student hundert bis fünfzehnhundert Francs seinem Hausmeister schuldet. Dies war stuir der Fall bei dem Rechtsbeslissenen im drit- sn Jahre, Monsieur George W., von dem der Hausmeister hundertzwanzig Francs zu fordern ■atte.
-In den nächsten Tagen, in den nächsten Ta- gen, Monsieur Pierre!" wiederholte Monsieur "e'm jedesmaligen Fordern des Haus- meister?. $(6er es vergingen Wochen und der £etreF$”J'e £ag kam nicht. An einem Morgen nun eetanb Pierre darauf, wenigstens ein fchrift-
stand und den sozialen Frieden erklärt, weil berufliche Organisationen für große Gebiete und Volksteile lahmgelegt würden, so in den polnischen Gebietsteilen, m den französischen und holländischen Grenzgebietes. Alle Gewerkschaften haben für die zahlreichen fremdsprachigen Arbeiter fremdsprachige Statuten ustv. herausgegeben. Wie soll es möglich sein, diese Arbeiter entsprechend aufzuklären, wenn dieser § 7 angenommen wird? Die Arbeiter haben das Koalitionsrecht, und sie haben es mit Reri^, niemand ist dagegen. Dieses berechtigt« Recht aber wird durch den Sprachenparagraphen zerstört. Ich gebe zu, daß die Versammlungen überwacht werden müssen. Aber das preußische OberverwaltungSge- richt hat ausgesprochen, daß der Beamte der Versammlungen wegen, nicht dsie Versammlung der Beamten wegen da ist. Daher hat sich die Polizei nach den Versammlungen zu richten, nicht die Versammlung nach der Polizei. Vor einigen Jahren hielt auf einer Versammlung des Katholikentages ein italienischer Kardinal eine italienische Ansprache. Rach § 7 müßte diese Versammlung aufgelöst werden. (Hört! Hört! im Ztr., Heiterkeit bei den Soz.) Welche Ungleichheiten, Unbilligkeiten und Unzweckmäßigkeiten werden sich aus der Prozentbestimmung ergeben! Und wenn man in Oberschlefien gegen die Polen vorgeht, weshalb auch gegen die Mähren? Das Kompromiß ist geschlossen von den liberalen Parteien — ich wiederhole das — unterBerletzungderGrund- satze,die sie im ganzen vorigen Iahr- hundert vertreten haben. (Beifall im Ztr.) Man hat uns vorgeworfen, auch wir hätten Kompromisse abgeschloffen: Ich Kompromisse, aber niemals über Prinzipien. (Zustimmung im Ztt.) Kompromisse wohl, aber niemals zur Verschlechterung des bestehenden Rechtszu- tandes. Beim Paragraphen über die Jugendlichen ist daS KommWonskompromitz sogar noch hinter die Regierungsvorsirgen zurückgegangen. Man hat auf liberaler Seite den KommisfionS- beschluß damit zu rechtfertigen gefucht, daß sonst Preußen mtt feiner Gesetzgebung vorgehen würde. In all den Jahren hat Preußen das jedenfalls
„Da haben Sie recht, lieber V. Und da mich und meinen Reichtum memefn F_______
erhalten wollte, so habe ich mich damtt beanü über die Summen, die man von mir entlet wollte, ein Register zu führen; weggeliehen , rch aber keinen Franc. Und nicht wcchr, eS g wohl nicht an, daß ich in meinem Alter anfauge, dumme Streiche zu machen? O nein! Das wollen Sie nicht."
Also sprechend nahm der Marquis ein« und schrieb vor P.'» Augen die Wort« ein: 9. Mai 1895 meinem durch den Börsenkrach Grunde gerichteten Freunde P. hunderttause Francs." Hierauf machte er gelassen bat Bu M und leitete die Unterhaltung auf ein and Thema über.
Mit den bösen Schuldnern ist'S genau so, wie mit bet Narren: Einer macht Diele. Manchs ein armer Schlucker möchte gern seine Schulden bezahlen, wenn man nur ihm die Schulden, diß er selbst ausstehen hat, auch zahlen wollte. ®er ewige Kreislauf des Geld«, der davon herrühren soll, daß die Geldstück« unverständiger Weise aUe rmtd gemacht werden, bedingt et, daß man ^-E^Arlden nicht «her bezahlt, als — bis man baä Geld dazu hat. Ern einziges kleines Geld- L unzählige Schulden bezahlen, W
ber Gläubiger deS Einen der Schuldner des Andere sein kann.
t, ®in Laufbursche hatte einmal in einem Ge» jegaft vom Buchhalter drei Pfennige leihen müf-
« hatte zwei Pfennige vom Kassierer geliehen, und der Kassierer war einmal in Verlegenheit gekommen, zwei Pfennige vom Sauf- lungen zu leihen. Nun ereignete eS fich eine! TageS, daß ber Laufjunge zu feiner großen Freude einen Pfennig fand. Er ging sofort zum Buchhalter, um diesen Pfennig von seiner Schuld abzuzahlen, die dadurch auf zwei Pfennige vermindert wurde. Der Buchhalter sandte den Pfew» uig zum Kassierer und sagte: „Jetzt bin ick Ihnen nur einen Pfennig schuldig." Dasselbe sagte der Kassierer zum Laufburschen und läßt
darf er bann sagen: sonst hätte ein anderer Dich ihn gestohlen, also bin ich kein Dieb!? (Beifall. Gelächter und Unruhe.) Die zwanzig Jahre Aufschub für einzelne Bezirke nehmen dem Sprachen- Paragraph«! nidjt das allergeringste von seiner Bedeutung. Sie geben in diesen zwanzig Jahren der Landesgesetzgebung nur die Befugnis, daH ReichSaesetz auf die verschiedenste Art anzuwenden. Wtt werden gegen die Abänderungsanträzi stimmen und bann gegen den ganzen § 7 im Interesse deS Deutschen Reiches, im Interesse ferner Bevölkerung. Wir sehen in ihm keine Stärkung, sondern eine Störung des inneren Friedens. Das Postulat der Gerechtigkeit und der Staatsweishett ist Freiheit der Muttersprache. (Stürm. Beifall im Zentrum.)
Abg. Dr. Hirdrr (ntl.) polemisiert des längeren gegen die Ausführungen ber Abgg. Radziwill und Spahn: Wtt stehen auf dem Standpunkt, daß wir der Regierung die Waffen, bi« sie im Kampfe für das Deutschtum gegen b a l Polentum notwendig hat, zu versagen kein Recht haben. Gewiß hat jede national Mindere heit da- Recht, ihr« nationale Eigenart auszuprägen. Auch den Polen wird dieses Recht nicht bestritten, auch in Zukunft nicht. Die Polat pflegen aber ihre polnische Muttersprache im Dienste bestimmter politischer Zwecke und all Kampfmittel gegen den preußischen und deutsche, Staat Wir glauben, daß % 7 auch in seiner jetzigen Fassung der Regierung baS Mittel i* die Hand gibt zum Schutze des Deutschtum- uuft zur Aufrechterhaltung des deutschen Staatsg«-. danken- in der Ostmark.
Abg. Lcgieu (Soz.): Ein preußischer Junker hätte nicht bester den 8 7 verteidigen können aÖ der Abg. Hieber. Der Zweck ist lediglich der, btt gewerkschaftliche Tätigkeit der deutschen Arbeiter zu unterbinden, den deutschen Arbeitern die Mög- lichkett zu nehmen, sich mit den ausländisch«» Arbeitern, die als Streikbrecher herangezog« werden, in Versammlungen zu verständigen. Der Abg. Müller-Hof im bayerischen Landtage — hier ist es der Abg. Müller-Metntngen — hat inbezug auf diesen Paragravhen erklärt: „Für die Linksliberalen darf eS in der Frag« kein Schwanken geben. (Hört! hört!!) In dieser 3rage dürfen wir es scharf aussprechen, dies«! Paragraph ist selbstverständlich bölltfl unannehmbar. (Stürm. Hört! hött!) ßet gien verliest weiter aus der Rede des Abg. Müller-Meiningen unter stürmischem Hört, hört! „Gehässige und aufreizend« Bestimmungen —< eine der heiligsten und unverrückbaren ©runban-' schauungm der Demokratie — der Gerechtigkeit imb Würde, bi« wtt nicht preisgeben dürfen. Wir werden noch im letzten Augenblick alles ber«' suchen, um diesen Gesetzvttwurf zu Fall zu bringen."
Abg. ». Payer (D. 93p.): Wir werden dem § f zustimmen, weil sonst daS ganze Gesetz scheitert würde, welches hn großen und ganzen den heutigen modernen Anforderungen entspricht. (Stürmische, Widerspruch bei den Polen unv im Zentrum; Sehr nchtig k bei ben Freisinnigen.) DaS gilt auch fitt Süddeutschland. (Erneuter Widerspruch.) DerOppq» fitton ist eS gamicht so ernst mit dem Widerstand.^ (Widerspruch.) Wtt haben nicht die Absicht, dieseck Entwurf scheitern zu laffen und damit unser 4 Organisation auseinanderfallen zck lassen. (Lebh. Hött! Höttk auS dem Zentrum? Stürm. Zustimmung beim Block.) Es ist niemals liberaler Grundsatz gewesen, daß alle Sprachen te En Versammlungen gleich behandelt werbet mußten.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 4. April 1908.
Die Weiterberatung des Vereinsgesetzes setzt ein beim Sprachenparagraph.
®r lautet nach dem Kommissionskompromiß: „$te Verhandlungen in öffentlichen Versammlungen find m deutscher Sprache zu führen. Diese Vorschriften finden auf internationale Kongreffe, sowie auf Ber- ammlungen der Wa h l b er e ch tig ten zum Betriebe der Wahlen für den Reichstag und für die gesetzgebenden Versammlungen der Bundesstaaten und Elsaß-Lotbrinaen vom Tage der amtlichen Bekanntmachung des Wahltages bis zur Beendigung ber Wahlhandlung keine Anwendung. Die Zulässigkeit weiterer Ausnahmen regelt die Landesgesetzgebung. Jedoch ist in Landesteilen, in denen zurzeit deS Jn- kraittrelens dieses Gesetzes alteingesessene BevölkerungS- teile nach dem Ergebnis der jeroeüig letzten Volks- zählung sechzig vom Hundert der Gesamtbevölkerung übersteigen, während der ersten zwanzig Jahre nach dem Inkrafttreten diese- Gesetzes der Mitgebraus» der nichtdeutschen Sprache gestattet, wenn der Veranstalter der öffentlichen Versammlung mindesten? dreimal viernndzwanzig Stunden vor ihrem Beginn der Polizeibehörde die Anzeige erstattet hat, daß und in welcher nichtdeutschen Sprache die Verhandlungen geführt werden sollen, lieber die Anzeige ist von der Polizei- behörde losort eine kostenfreie Bescheinigung zu erteilen. Als Lande-teile gelten die Bezitte der unteren Verwaltungsbehörden. Ferner sind, soweit die Landesgesetzgebung Abweichendes nicht bestimmt, Ausnahmen auch mit Genehmiguna der Landeszentralbehörde zulässig?
Die Sozialdemokraten beantragen die Streichung des § 7. Die Polen beantragen ebenfalls Streichung des 8 7 und für den Fall der Ablehnung dieses Anttags beantragen st» folgenden § 7. „Die Verhandlungen in öffentlichen, anzeigepflichtigen Versammlungen sind in der Regel in deutscher Sprache zu führen." Der Däne Haussen beantragt hier, vor „Ber- 'mmtungen“ einzuschalten „politische".
Es entsteht eine längere Debatte darüber, ob die Resolution betr. Zulassung der französischen Sprache in den Reichslanden sofort beraten werden soll. Der Block beschließt, sie mit dem Z 7 zu beraten.
Abg. Fürst Radziwill (Pole): Der § 7 hat km Inlands und Ausland« die größte Beachtung gefunden, wie selten ein Gegenstand. Demgegenüber muß ich aber hervorheben, daß der Kommffmissionsbericht über diesen weltbewegenden Gegenstand von staunenerregender Kürze und Dürftigkeit ist. (Lebh. Hört! Hört!) Die Ursachen sind ja für eingeweihte Kreise klar. Der endgültige Kommifsionsbeschluß ist mit einer beispiello- sn Schnelligkeit formuliert und akzeptiert wor- ben. Er ist ein charakteristtsches Produkt der ganzen Blockpolitik. In maßgebenden Kreisen herrscht dar Gefühl, daß die Paarung zwischen Konservativen und Liberalen eigentlich eine Mißgeburt ist. (Lebhafte Zustimmung.) Im Parlament spielt fich immer mehr ein Kampf zwischen christlicher und materieller Weltanschauung ab. Zwanzig Jahre soll nun noch unsere Muttersprache respektiett werden. Wie kommt man gerade auf die zwanzig Jahre? Heute hat mau noch Respeft vor der Muttersprache, in zwanzig Jahren soll das nicht mehr sein? Was ist das für eine Logik? Solche Vorschläge sind nicht ernst zu nehmen, sie verletzen die Würde des Hauses. (Lebh. Zustimmung.) Es gehört nicht zur Korn- Ödes Staates, eine alteingesessene, nicht»
K Bevölkerung mit Gewalt zu unterdrücken. Er hat vielmehr zu rechnen mit dem, was »on Gott ihm als christliche Obrigkeit anvertraut vor den ist. (Stürm. Beifall.) Was hier vor- zeschlagen wird, bedeutet geradezu einen Faustschlag gegen dieses Gebot der christlichen Weltanschauung. (Stürmischer Beifall und Zustimmung im Zentrum unb bei den Polen.) Es find
Nachdem Abg. Kolo» (Rp.) sich für die Vorst iw ÄV« ob« ta ÄSTm ÄS <1
eJ)r zweifelhaft. Aber angenommen, er täte es: I Elsaß-Lothttngeu bedeute, ertlärte Staatslehre frenn em Dreb einen Gegenstand gestohlen hat, I». Btthmamr-He iveg, er glaube fich zu bet Annah