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35. Jahrqana.

Fulda, Samstag den 4. April 1908.

M 79.

Erlies "^Uatt

den Soz.)

Mhms"rete. Ä 198 gegen. 171 Stimmen =b-* 869. ®«8See <8W: W tantrnge Jit.ee bm

gelehnt. Der Freisinn hat hierbei gegen ferne Schlußantrag namentlich abzustimmen. (Un

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in der Kommission gestellten Anträge gestimmt.

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Die sämtlichen Abänderungsanträge werden bett der Blockmehrheit abgelehnt. Für die Zentrumsanträge aber stimmen vom Block die Abqg. Debrn. Potthoff, Naumann-Hofer von der freisinnigen Vereinigung. Tie Zentrumsanträge werden mit 196 gegen 171 Stimmen und 2 Ent-

24 sondern 6 Stunden vorher an gezeigt werden. Dre Anzeige soll nicht erforderlich fern, wenn, die Versammlung in ortsüblicher Werkm einer Zeitung oder durch öffentliche Anschläge oder durch öffentliches Ausrufen bekannt genrocht ist. Nicht anzeigepflichtig sollen auch dre beruflichen Versammlungen der technischen und kaufmannr- schen Angestellten sein. Tie Regierung mutz dem Volke mehr Vertrauen entgegenbringen. In der Vorlage herrscht der Geist des MitztrauenS gegen da» Volk: sie bringt eine Verpreutzung aller deutschen Staaten. Es ist traurig, datz im Reichs- tage eine solche Vorlage noch eine Mehrheit frn- den kann. Redner schildert die Freiheit in Würt­temberg.

Minister v. Bethmanu- Hollweg: Der Ent­wurf sei bester, als ihn di« Vorredner schilderien. § 3 schaffe einen unendlich freiheitlichen Stand- punkt. Tie Vorredner haben stark übertrieben.

Abg v. Dzirmbowski (Pole) stimmt dem An- trag des Zentrums zu und begründet einen An­trag der Polen.

Abg. Müller-Meiningen (frs. Dp.): DaS beste Gesetz könne von der Polizeibehörde mißbraucht werden. Dagegen gebe es keinen Schutz., (Obo- Rrfe.) Airs die Anrempelungen gegen die Frei- sinnigen gehe ich nicht ein. Das macht uns nichts. kLack^n bei den Soz.) Ein Rückschritt und Un­sinn ist das Gesetz nicht. Redner fragt, ob für die Anzeige einer Versammlung die politische Richtung der Zeitung mahgebend sei.

Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg (verliest eine Erklärung): Ich kann die Anfnage Öo8 Herrn Vorredners mit Ja beantworten. (Rufe bei den Sozialdemokraten: Ahal — Heiterkeit.» Die öffentliche Bekanntmachung solle so beschleu­nigt sein, daß die Polizei bei vernünftiger Auf- merksamkeit rechtzeitig Kenntnis von der beab­sichtigten Versammlung erhält. Irgendwelchen Einfluß habe die politische Richtung der Zeitung nicht.

Ein Blockantrag fordert Schluß der De­batte. (Heftiger Widerspruch beim Gegenblock.) Abg. Trimborn (Ztr.) beantragt namentliche Abstimmung über den Schlußantrag. (Lebhafte Kundgebungen auf allen Seiten des dicht besetz­ten .Hauses.) ,

Es nehmen an der Abstimmung 367 Abgeord­nete teil. Der Schluß der Debatte wird mit 195 gegen 170 Stimmen bei 2 Enthaltungen beschlossen.

ruhe und Lärmen beim Block).

Abg. Singer (Soz.): Ich batte die Absicht, denselben Amrag zu stellen! (Bravo l)

Der Antrag auf Schluß der Debatte wird bet zwei Stimmenthaltungen mit 214 gegen ,161 Stimmen abgelehnt, da die Freisinnigen gegen den Antrag stimmen, während der Abg. Möller-Meiningen, der für sie den Schlutzantrag mitunterzeichnet hatte, sich der Stimme enthält. Die Verkündigung deS Resultats wird mit lebhaftem Bravo! links und

Sanfte, ntelodische Klänge tönten den Lau- schetiden entgegen, dann ließ sich eine Sopran- stirnrne von seltenem Wohllaut vernehmen.

„Doktor", flüsterte der Marchese, Tränen in den Augen, „das ist mein armes, blindes Kind. Geben Sie ihm das Licht der Augen zurück und ich will Sie überschütten mit Geld und Gut, ach, mein Leben würde ich opfern, wenn Angiolina nur glücklich, wenn sie sehend würde!"

Oliver Linston — denn auch wir wollen von jetzt an Gaetano bei seinem neuen Namen nen­nen — erwiderte nichts, ja es ließ sich anneh. men, datz er die Worte Rioneros kaum vernom­men hatte. Wie entgeistert starrte er auf das wunderholde Bild, das sich seinen Augen bot, und ht förmlicher Verzückung lauschte er den süßen Tönen. .

Eine unbekannte Gewalt, deren Macht er sich nicht zu entziehen vermochte, hielt ihn gefesselt und hingerissen rief er aus:

„Bei Gott, ich will versuchen, dtesem Engel das höchste Geschenk der Natur, daS Licht der Augen, wiederzngeben. Die Schatten sollen von ihr weichen." .

Beim Klange der fremden Stimme hatte An­giolina einen Kichten Schrei ausgestoßen und rhr Spiel abgebrochen: sie ahnte, wer der Besucher sei, den ihr Vater ihr zuführte.

Die Herren traten nun in da? Gemach, tn dem sich noch Geltrude befand, die Erzieherin des jungen Mädchens.

Ohne die Frau auch nur zu beachten, die sich grüßend erhoben hatte,' schritt Oliver zu An­giolina und schob sich einen Sestel in ihre Nähe. Dann betrachtete er sie lange und unverwandt, untersuchte darauf die Augen der Blinden und versank in tiefes Nachdenken. Endlich entriß er sich demselben fast gewaltsam und fragte kurz, zu dem Marchese gewendet:

„Wollen Sie mir noch einmal und recht ein­gehend die Erkrankungsgeschichte Ihrer Tochter vrzählen? Ich weiß Kvar schon vom Grafen Franconi im allgemeinen, wie das Unalück sich

§<üri-r Mizelle «der deren Lair« 15 Pf 8- »rLmnendirPetitziL« 25 yfg., bei Dii-ee» Holungen wird rntspe. Httbott gewährt.

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Carl Schütter

w°ch°ndeil-ge: „Illustrierte SonntagszMng

Im DunkeLn.

Roman von Ernesto Selva.

Nach enter wahren Begebenheit erzählt.

39] (Nachdruck verboten.)

Der Marchese betrachtete den Mann prüfend, von dem er die .Heilung seines geliebten Kindes erhoffte: die Jugend Les berühmten Arztes be­fremdete ihn, obgleich der Ernst, welcher sich in jedem Zuge aussprach, auf anhaltende Gedanken­arbeit schließen liefe und den Doktor um Jahre älter machte.

Unter freundlichen Worten führte Rionero seinen schweigsamen Gast in den Gartensalon, wohin der Graf Franconi, den die Eigenheiten seines Reisebegleiters nicht mehr in Verwunde­rung setzten, schon vorausgeschritten war.

Hier trafen die neuen Ankömmlinge auch San- toyi und dessen Freund, die sich nur widerwillig von ihrer Partie zu trennen schienen.

Tie Vorstellung fand statt und die Unterhal­tung wurde eine allgemeine: freilich warf der englische Arzt nur wenige und kurze Worte ein. Man merkte ihm deutlich an, daß diese Art von inhaltloser Höflichkeit nicht nach seinem Ge- schmacke sei und er es bedauere, seine Zeit da­mit zu versplittern.

Nach Verlauf einer Stunde näherte sich der Marchese dem Arzt und sprach:

„Wenn Sie, verehrter Herr Doktor, meine Tochter ganz unbefangen beobachten wollen, so tväre Lazu jetzt die beste Zeit. Sie befindet sich nämlich im Klavierzimmer und singt ein Lied."

„Das ist mir sehr lieb, Herr Marchese," er- nnöerte der Pseudo-Engländer, „denn es ist für oen Arzt interessant, die Stimme des Patienten zu bernebmen. Blinde aber haben, Lies hat mich die Praxis gelehrt, zuweilen große Scheu, ihre Stimme vor Fremden hören zu lassen."

Schweigend führte der Marchese den Gast »urch eunae Zimmer und öffnete leicht eine Tür.

im Zentrum ausgenommen.

Abz. Heine (Soz.) weist den Einwurf deS Staatssekretärs v. Bethmann-Hollweg zurück, der Zentrumsantrag sei unannehmbar, weil sonst die Einheitlichkeit des Gesetzes gestört werde. Was nützt uns eine solche Einheitlichkeit, die nur zu einem Preußentum und Mecklenbur Zerium führt? Es droht die neue Gefahr, daß auch die Praxis in Süddentschland durch das Gesetz verschlechtert

zugetragen: oft haben jedoch einzelne Umstände, die der Laie kaum beachtet, in den Augen des Arztes Bedeutung — bitte also, Herr Marchese."

Dieser beeilte sich, den Wunsch des ArzteS zu erfüllen, demselben in kurzen Worten die Ursache der Erblindung AngiolinaS darlegend.

Aufmerksam lauschte Oliver Linston, während Angiolina, das schone Haupt geneigt, sich schwei­gend verhielt.

Nachdem der Marchese seine Erzählung be­endet hatte, nickte der Arzt ihm zu und unter­suchte dann noch einmal und mit größerer Auf­merksamkeit die Augen des jungen Mädchens.

Währenddem suchte der Marchese in den Mienen des Fremden zu lesen, aber da verän­derte sich kein Zug: erst als er den Kopf An­giolinaS wieder frei gab, schien Dr. Linston feit- sam erregt. Er schritt einige Male, ohne die An­wesenden weiter zu beachten, im Zimmer auf und ab, dann blieb er vor Rionero stehen und sagte: „$err Marchese, morgen werde ich in der Lage sein. Ihnen eine entscheidende Antwort zu erteilen." , .

.O Gott, bis morgen soll ich tn dieser pein­lichen Ungewißheit verharren?"

Oliver Linston war bleich und schien bewegt, nichtsdestoweniger erwiderte er kalt:

„Sie haben eine so lange Reihe von Jahren diese Ungewißheit ertragen müssen, daß ein Tag mehr oder weniger nicht viel zu bedeuten hat."

Bald darauf verließ der Arzt, von dem Mar­chese geführt, daS Gemach.

Geltrude blieb bei der Blinden zurück.

Erst beim Mittagsmahl, daS hier auf dem Lande schon um 5 Uhr eingenommen wurde, fand sich die Gesellschaft im Speiseßaal wieder zu­sammen.

Oliver Linston nahm sich «st jetzt die Zeit, Amadeo Santoni, welcher ihm als Bräutigam der Marchesina genannt worden war, näher zu betrachten und dteS geschah mit einer Aufmerk­samkeit, die wenig ^meichelhajtes für den ele­ganten Weltmann zu haben schien, denn er er-

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 3. April 1908.

Tie zweite Lesung des ReichSvereinSgesetzeS wird fortgesetzt bet den §§ 3 und 3a.

* 3 „W-r eine öffentliche Versammlung ; jur ®r örtertmq polnilcher Angelegenheiten lamm,ung) veranstalten will, hat mmdestenz

24 Stunoen vor dem Beginne der Versammlung unter Angabe des Ortes und der Zeit bei »er Po^behSrde Anteiqe zu erstatten, lieber tue Anie ge ist von der Polizeibehörde sofort eine kostenfreie Bescheinigung ,u irtei§‘.3* in der Blockfassung: „Einer Anzeige bedarf es nicht für Versammlungen, die öffentlich bekannt ge- macht worden sind: die Erfordernisse der Be^nnt- machung bestimmt die Landes;eniralbihörde. — Einer Anzeige bedarf eS ferner nicht für d,e Versammlungen der Wahlbirechligten zum Betrieb« der Wahlen zu den aus Gesetz oder Anordnung von Behörden beruhenden öffentlichen Körperschaften vom Tage der amtlichen Lelanntmachting des Wahltages bis zur Beendigung oer Wahlhandlung.

Das Gleiche gilt für Versammlungen der Ge- .oetbetreibenden, gewerblichen Gehilfen ufro zur Er- Btteruna von Verabredungen und Vereinigungen zum Behufs der Erlangung günstiger Lohn- und Arbettsbe- dt igungen, insbesondere mittels Emstellung der Ardett oder Entlaffung der Arbeiter.

Abg. Trimborn (Ztr.) begründet einen An. trag wonach es nicht als Erörterung politischer Angelegenheit gelten soll, wenn Angehörige emes bestimmten Berufs eine Einwirkung auf Gesetz, gebung und Verwaltung bezwecken. Das Gleiche soll für Zusammenkünfte von geschlossenen Per- sonenvereinigungen gelten, zu denen dte Teilneh­mer persönlich eingeladen sind. Auch sollen Ver- sammlungett von Vereinen, zu denen nur Mit­glieder Zutritt haben, nicht als offen! hd) gelten, selbst wenn sie in öffentlichen Lokalen stattfanden.

Im Hause, das sich immermehr füllt, setzte eine immer lebhaftere Privatunterhaltung etn, die die Worte des Redners vollkommen über­tönt, Schließlich greift Graf Stolberg em: Ich bitte dringend um Ruhe, der Redner strengt feine Stimme schon äußerst an, er ist auch nur ein Mensch, tHeiterkeit.) .

Abg. Trimborn: Sie scheinen kein ^ntereffe mehr an der Materie zu haben. Sie wagen auch nicht, etwas Sachliches zu sagen, weil Sie nichts sagen können.. Trotz aller Warnungen haben Sre mit den beiden Paragrapheii einen Tummel­platz für polizeiliche Willkür geschaf­fen. Wollen Sie es wirklich zulasten, daß , die ernfsveisammlungen beschränkt und die Vereins- Versammlungen gefährdet werden? Leider hat die Kommission nichts bestimmt, wann eine Ver­sammlung eine öffentliche ist und wann nicht, Ter Entwurf enthüllt sehr bedenklichen Sätze darüber in der Begründung. Selten ist so viel juristischer Kautschuk aufgehäuft worden wie hier und der Block tat nichts zur Klärung der Frage. Tie Vereiiisversammlungen sind so gut wie schütz, los: auch für die großen Parteiorganisationen gilt dies. Alle Parteiorganisationen sind damit polizeilicher Ueberwachung unterstellt, da sollten alle zusammenstehen, um sich zu wehren. (Sehr richtig!) Es können andere Zeiten wieder kom­men. Der Freisinn ist auch in dieser Frage wie­der unigefaöen. Unser Eventualantrag ist nur ein Antrag, den der Abg. Müller-Meiningen, in der Kommission stellte: aber nicht einmal diese Linie bat der Freisinn zu verteidigen erreicht. (Beifall.)

Abg. Hildebrand (Soz.) befürwortet verschie­dene sozialdemokratische Abändernnzsan- träge. Zu den Versammlungen soll jeder Be­liebige Zutritt haben, die Versammlung soll nicht

wird Man wird die preußischen Begriffs-Be­stimmungen auf Süddentschland übertragen. W« empfehlen habet den Zentrumsantrag.

Abg. Zehnter (Ztr.) protestiert dann noch ein- mal energisch vom Standpunkte der Smddeut- 'chen gegen diese Einengung der Dereinsfreihcrt, die durch dieses Gesetz außerordentlich verfchl-ch. tert werde. Die Abgeordneten freiheitsicher« Staaten versündigen sich toroer an chren W H- lern wenn sie für das Gesetz stimmen. (Sturm. Zustimmung.) Diele uiiferable Gesetzgebung ist kein bundesfteundlichet Akt. (Anhaltender Be fall.) Die Einheit des Vereins- und Versamm^ lungsrechtS wird nicht dadurch gestört wenn wir in dem einen oder andern Punkte weitergehende Freiheiten bestehen lasten. Neben der Eindeit gibt ei auch eine Freiheit, und die ist noch mehr i wert, als die Einheit. (Stürmischer Beifall im Zentrum und links, große Unruhe und Lärmen im Block, namentlich bei den Freisinnigen: er­neuter demonstrativer Beifall im Zentrum un bei den Sozialdemokraten.) In den Dingen, die nicht notwendig sind, soll man einem ledenStamm und einem jeden Landesteile feine Freiheit lalen. (Stürmischer Beifall und Zustimmung, t. Ztr.) Wir haben in einer mehr als 50fanrtflen Cr- fahrung bewiesen, daß wir in diesen Dmgen dre Freiheit bertraaen können, daß rott sie nicht miß­brauchen deshalb könnten Sie uns ruhig am An­fang des 20. Jahrhunderts die Freiheit lasten, die wir schon in der Mitte des 19. Jahrhundert» gehabt haben. (Stürmischer langanhaltender Bei­fall im Zentrum.) Die Norddeutschen sollen wr« süddeutschen Brüder achten und lieben, und schon I au? nachbarlicher und bunbe8freunblicber Sieb« sollte man ihnen die Freiheit lasten, an die sie gewöhnt sind. (Sffirmischer, nicht endenwollen­der Beifall im Zentrum.)

Bayerischer Bundesratbevollmächtigter Gras Lerchenfeld führt au8, Süddeutschland bade schon I immer ein« einheitliche Reichsgesetzgebung für das I Vereins« und DerfammlungSrecht gewünscht und sehe ich in dem Entwurf, wenn er auch in einzelnen Punkten allen Wünschen nicht entspreche, emat Fortschritt.

Abg. Osann (nt.) erklärt, mit Rücksicht darauf, daß er in der hessischen Kammer für die Aufrecht, erhaltung der hessischen Errungenschaften emgettetm sei, werde er f ü r den Antrag stimmen.

Abg. Dr. Schiidler (&). Respekt vor dem Kol­legen Ofann, wo aber bleiben seine hessischen Kol­legen Graf Oriola, Haas und Frhr v.Heyl? I «Sehr gut!). Man bedauere m Süddeutschland dieses Gesetz. Am meisten ausgefallen aber ist, daß der bayerische BundeSratSbevollmächtigtehierPreußen I beigefprungen ist (hört). Wie konnte dieser eine solche Erklärung abgeben? In welchen Punkten I hat Bayern dem Entwurf widersprochen und mit I welchem Erfolg? Wir erblicken im Vereinsgefeh I keinen wesentlichen Fortschritt; wohl aber enthält eS viele Rückschritte! Selbst Dr. Hieber hat i« I Jahre 1907 gesagt, daß er keinen Rückschritt machen wolle. (Heitertest). Nit Regierungsfreiheiten sollte man das Volk nicht abspcisen; ich bedauere ine Erklärung deS bayerischen Bundesrutsbevollmach- I tigten. (Lebh. Beifall.)

Bayr. Bundesratsbevollmächttgter Lerchenfeld: . Im bayerischen Landtage hat die Regierung schon , erklärt, daß sie dem Entwürfe zugestimmt habe, sie , erklärt auch hier im Reichstage ihre Meinung.

Tie Kommissionsanträge werden angenommen.

Es folgt die Beratung der §§ 4, 4a und 4b.

Der 8 4 behandelt die öffentheben Versammlungen unter freiem Himmel. Die Genehmigung dazu soll mindestens 24 Stunden vor Beginn emgrholl werden. — Als unter freiem Himmel tagend wird eine geschlossene Versammlung nach § 4a nicht angesehen, wenn auch Perssnen außerhalb des Versammlungs­raumes an der Erörterung testnehmen. oder wenn die Versammlung in einen mit dem Versammlungs! aum in Zusammenhang stehenden umfriedeten Garten oder Hof verlegt wird. — Nach § 4b bedürfen gewöhnliche Leichenbegängnisse und Hochzeitsgesellschaften der Ge­nehmigung nicht. Weitere Ausnahmen kann die Landes­polizei zulasten.

Abg. Hildenbrand (Soz.) beantragt, daß nur Versammlungen auf öffentlichen Platzen und Straßen als Versammlungen unter freiem Him­mel gelten sollen. Die Anzeige soll spätestens feefes Stunden vor Beginn erstattet werden. Alle

anderen Beschränkungen machten daS Deutsche I fteidh nur lächerlich I

Ah« Kohl (Str.) beantragt. Verstimm-1 fangen, die von einem geschlossenen Raume m umfiiebete Gärten und Höfe verlegt »erden nicht all Versammlungen unter fre em W®“ anzufehen. In der Komrnisiion hat.duRegie rung meinem Antrag zugestimmt, alf^konnte e. der Block auch im Plenum tun. In süddeutsch land hält man die Versammlungen bei günsti­gem Wetter im Garten ab, auch wenn sie für den Saal ausgeschrieben waren. Ader dieser Ge danke ist in eine febr schlechte Fassung gekomEN mein Antrag verbessert diese wefenilich Nasi dem Kommissionsantrag muß die ^rfammluna im Saale beginnen und kann erft bann tn den Garten verlegt werden. Aber was heißt. Versammlung verlegen? (9ebt> Beifall.)

Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg meint, hab der Kommissionsantrag genüge. I

Abg. Kulerski (Pole) tritt für den Zentrums- antrag ein. ,, _r . ,

Es wird a b g e ft i m m t und nut Blockmehr- Herl werden nach Ablehnung der Abanderunös- anträge die Kompromißvorschlage bestätigt.

AI, 8 4c beantragt das Zentrum einimchieben daß, wo bisher die Bervflichtung zur Einreichung der Satzungen ober zur »nteige rtner »ertammlui2 Ja?/ besteht, oder wo für Aufzüge eine bloße «nzeige genügt, eine Aenderung dieses Rechtes nur durch die Landes- gefetzgebung erfolgen soll.

Abg. Zehnter (Ztr.) nimmt zur Begründung des Antrages u a. Bezug auf die Verhandlungen in seinem heimatlichen badischen und tm hessi­schen Landtag, wo auch die Nationalliberalen und Freisinnigen eine Umgestaltung des Gesetzes da- hin verlangt haben, baß der süddeutschen Frei­heit nicht zu nahe getreten werde. !

Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg spricht sich gegen den Antrag aus, weil sonst die Einheitlich­keit des Gesetzes gestört werde.

Abg. Köhler (wirtsch. Vgg.) bittet trotzdem den Antrag anzunehmen. (Lebh. Bravo! im Z.) Lassen Sie unS Hessen doch das bischen Freiheit, das wir noch haben. (Lebh. Bravo! im Zentr. und links, große Unruhe beim Block) Im hessischen Landtag haben die Abgeordneten Haas und Osann gegen das Gesetz gesprochen, und der Mi­nister Neidhardt ist wegen feiner schwächlichen Haltung in Sachen des VereinSgesetzes im gan­zen Lande so unpopulär geworden, daß er besser täte, sich lieber heute als morgen pensionieren zu lassen. (Große Unruhe und fortgesetztes Bär­men im Block.)

Vizepräsident Kämpf: Es ist ein Antrag auf Schluß der Diskustion eingegangne. (Unruhe, Lärmen und erregte Zurufe im Zentrum und bet

Abg. Potthoff (Frs.) stimmt als Abgeordneter für Waldeck für den ZenttumSantraa.

Es läuft ein neuer Antrag auf Schluß etn) darüber findet namentliche Abstimmung statt. Der Schlußantrag wird mit 199 gegen 174 Stimmen angenommen. „ „ „

Abg. Geck (Südd.) und Gröber (Z.) stellen fest, daß der Schluß der Debatte sie verhindert hätte, ihre Ansichten zum Ausdruck zu bringen.

widerte die Blicke deS Engländers, besten ab­stoßende Persönlir^eit ihm eine wahre Antipae thie einflöfete, stolz und kalt.

Angiolina saß dem fremden Arzte gegenüber und dieser beobachtete genau eine jede ihrer Be­wegungen, die in ihrer Unbehilflichkeit so viel MitleiderregendeS hatten.

Den armen Marchese Rionero kostete eS reute kleine Anstrengung, die Erregung und Unruhe seines Gemütes zu bemeiftern und den Gästen gegenüber den Pflichten des Hausherrn Genüge zu leisten.

Der zukünftige Schwiegersohn unterstützte ihn heute nur wenig in diesem Bemühen, denn Ama­deo Santoni fühlte sich verstimmt und gelang- weilt. Der Engländer war ihm ein Dorn tm Ange, und et wünschte lebhaft, dem unangeneh­men Burschen, wie er ihn nannte, eine klein« Lektion zu erteilen. Der Verlobte Angiolina« war vielleicht der einzige, den die geplante neue Kur ganz kalt liefe. Sein künftiger Schwieger­vater hatte, das wußte er, schon so viele nufeloje Versuche gemacht, daß bei der ganzen Sache nicht mehr und nicht weniger herauskommen würde, als bei früheren Kuren. Dieser bucklige, abscheu­liche Engländer leistete sicher nicht mehr als die ersten Augenärzte, welche Rionero zu Rate gezo­gen, ja Santoni ging so weit, ihn einen Char« latan zu nennen und bemühte sich, so wenig wie möglich Notiz von dem Engländer zu nehmen, besten Blicke ihn aber so belästigten, daß er kaum vermochte, in der gewohnten ruhigen Weise mit seiner Braut sich zu unterhalten.

Die Verlobten gaben ein schönes Paar, Ml liefe sich nicht leugnen, denn auch der Kavalier Santoni mit seiner hohen und schlanken ©eftait, dem fein geschnittenen blassen Gesicht, das ein schwarzer Dollbart umrahmte galt, besonders v« den Damen, für einen interessanten Mann. jJatt feine Augen hatten keinen Vertrauen erweckende, Ausdruck es war ettvas Stechendes und zugleich Unruhiges darin, was unangenehm berührte,

(Fortsetzung folgt.)