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35. Jahrqana.

Fulda, Dienstaa den 31. März 1908.

JA 75.

Zweites DLcrtt

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der Zustellung vermieden werden.

Prozent die Erwerbsfähigkeit beemträchligl ist, ob eine Erkrankung auf den Unfall zurückrn- führen ist u. a. Um hier ein fachkundiges Ur­teil zu haben, muß er über eine gute Kenmni- der Anforderungen, die die Arbeit an den mensch­lichen Organismus stellt, und ihrer Wirkung verfügen. Aber auch mit dem Gesetz muß er vertraut fein. Für alle diese Zwecke tft ,evoch eine besondere Vorbildung nötig, für viele auch besondere Forschung. Seit langem we> den daher und nicht nur in Deutschland Lehrstühle für soziale Medizin gefordert. Diese Forderung ist ist umso berechtigter, als die Zahl der Aerzte, die mit der Arbeiterverstcherung in Verbindung stehen, keineswegs gering ist. Für Berlin und Bonn hatte die Regierung bereits früher Lehr­aufträge erteilt. Die medizinischen Fakultäten sträuben sich im allgemeinen gegen die Errichtung besonderer Lehrstühle für die soziale Medizin, sie sind der Meinung, daß diese bei den einzelnen Disziplinen die genügende Berücksichtigung fände. Gelegentlich der letzten Kultusdebatten im Abge- ordnetenhause teilte aber Kultusminister Dr. Holle mit, daß vom 1. April ab zwei weitere Lehraufträge für Marburg und Kiel er­teilt sind. __________

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Ausland.

• Ti rot wncht auf! Am 26. Mörz mürbe auf Einberufung der christlichsozialen P a r» teilertung von Tirol in Franzensfeste eme Parteikonferenz abgehalten, an welcher 23 Vertrauensmänner und darunter eine grobe Zahl Reichs- und Landtagsabgeordncte sowie Vertreter der Presse teilnahmen. Tie Konferenz faßte «. a. den einstimmigen Beschluß, daß eruenS die eheste Einberufung des Tiroler Landtages, und wenn auch nur zur bloßen Konstituierung desselben, mit allen Mitteln zu betreiben sei. Zweitens, daß die Gleichbe­rechtigung der Katholiken der Regie­rung gegenüber ohne Rücksicht auf vorgefchooene Schwierigkeiten durchzusehen sei und dem be­leidigten katholischen Gefühle nicht nur der Ti- roler, sondern aller Katholiken Oesterreichs m Kürze volle Genugtuung geschaffen iver- den solle. Die Beschlüsse wurden nach längeren, lebhaften Debatten, aus welchen die überaus ge­reizte Stimmung des ganzen Tiroler Volkes Mit voller Klarheit ersichtlich war, vollkommen ein­stimmig und mit Begeisterung, gefaßt. Es hat sich weiters ergeben, daß auch in anderen Kron­ländern vielfach eine ähnliche Stimmung herrscht, und es wurde von verschiedener Seite bekannt ge­geben, daß auch Vertreter anderer Kronländer sich bereit erklärt haben, in dieser Angelegenheit mit den Tirolern zu gehen.

* Tas Bombrnattentat in New-Iork. Uebek die Einzelheiten des Attentats wird noch gemel­det: Der Bombenwurf war augenscheinlich nicht das Resultat eines anarchistischen Komplotts, son­dern die Tat eines Einzelnen. Der Attentäter Silber sic in heißt eigentlich Cohen und stammt aus Vialystok. Die Bombe stellte er aus Schießpul­ver, Nägeln und Hosenknöpfen her. Der Bomben- Werfer wurde furchtbar verletzt. Ein Arm wurde ihm avsgerissen, die Augen liefen ihm aus. Sem Genosse Ignaz Hildebrand tourtj auf der Stell« getötet. Vier Polizisten wurden verletzt, viele Perionen niedergetreten und geschlagen. Obgleich furchtbar verstümmelt, sagte Silberstein, der ein russischer Jude ist, er habe die Bombe der Poli­zei zugedacht, die ihn neulich angegriffen habe. Eine furchtbare Panik folgte der Explosion». Ra- fcnb jagte die berittene Polizei über Platz und

höchsteigenhändig der Macht in den Sattel hilft.

Das Syndikat hat tn seinem letzten Geschäfts­bericht erklärt, trotz der bisherigen Einschränkung werde man darauf angewiesen sein, noch Kohle im Ausland unterzubringen, und wenn die Aus- Hebung der Ausfuhrtarife den Auslandsabsatz er- schweren sollte, so werde man weiter die Produk- tion einschränken, aber keineswegs etwa die Preise herabsetzen. Mit dieser Politikd es Trotzes hat das Kohlensyndikat auch bereits begonnen: Es hat mehrere hunderttausend Tonnen Gaskoh­len erheblich unter den Inlandspreisen in Holland abgeschlossen und damit englische Kon- kurrenz aus dem Felde geschlagen. Und in Bel- gien hat der Wettbewerb des deutschen Syndikats bereits erhebliche Preisermäßigungen belgischer Kohlen zur Folge gehabt. Also nicht nur, daß der deutschen Industrie die Kohlenlast nicht erleichtert werden soll, obendrein wird auch noch der aus­ländischen Industrie das notwen­dige Feuer u n gsmaterial billiger geliefert als der deutschen. Hohnla- chend verschleudert das Syndikat seine Ware tm Ausland, nachdem es dem heimischen Fiskus auf drei Jahre höhere Preise abgenommen hat. Nur weil der Staat auf drei Jahre die hohen Preise und damit bei einem Bedarf von 10 Millionen Tonnen mindestens den Grubenbesitzern eine recht erkleckliche Rente gewährt hat, kann das Syndi­kat darauf verzichten, den einheimischen Kon­sum mit billigeren Preisen zu umschmeicheln. Der Staat hat hier nicht nur die Rolle des schlafenden Nachtwächters gespielt, sondern die Nolle eines Helfers. Ihm ist jetzt mit zu verdanken, daß deutsche Arbeiter brotlos, deutsche Ak­tien dividendenlos und die deutschen Steuersäckel leerer werden. Demselben Staat, der auf der anderen Seite das Geld der Steuerzahler leicht­herzig an den Schädling vertat.

Ein Skandal ist es, sage ich. Ein Skandal, der um so stärker wirkt und um so mehr verbittert, als man nicht einmal einzelne Persön­lichkeiten verantwortlich machen kann. Bei uns wird nicht wie in Rußland gestohlen. Die Herren Regierungsräte, die mit dem Stahlwcrksverband und mit dem Kohlensyndikat im Namen des Staates verhandelt haben, sind sicher ehrenwerte und pflichttreue Beamte. Sie glaubten das, was man ihnen bei den Verhandlungen erzählte. Soll­ten sie gescheiter sein als ihr Herr und Meister? Ihr höchster Vorgesetzter, der preußische Eisen­bahnminister, hat im Abgeordnetenhaus davon gesprochen, daß dem Kohlensyndikat die lieber» nähme der Verpflichtung lästig gewesen sei, für die nächsten beiden Jahre eventuell 10 Prozent mehr als die kontraktisch ausbedungene Menge zu liefern. Eine recht lästige Bedingung in dem Moment, wo das Syndikat selbst erklärt, daß cs nicht wisse, wie es die Kohle unterbringen solle! Nein, nicht Personen gehören an den Pranger, sondern das S y st e m.

Ueberall, wohin die Unterhändler der Syndi­kate kommen, sehen sie sich gewandten K au f l e u - t e n gegenüber. Stur der Staat liefert ihnen wehrlose A s s e s s o r e n in die Hände. Auch er braucht für den Einkauf und den Vertrieb Kauf­leute. Man streitet jetzt viel darüber, ob man Kaufleute zu Beamten machen soll. Und während man streitet, wird der Staat um Millionen ge­schädigt. Kaufleute, die solche Verträge geschlos­sen hätten, würde man zum Teufel ja­gen. Die Beamten, die das taten, verdienen Nach­sicht. Aber was ist der Industrie und dem Steuer­zahler damit gedient? . . .

Man wird nach dem jetzigen Verhalten deZ Kohlensyndikats nicht mehr umhin können, Preise zu normieren (je nach der Wirtschaftslage), zu denen die Syndikate dem Staat zu liefern ver­pflicht-! sind. Mit den Kohlenpreisen muß der Anfang gemacht werden. Das Kohlensyn-

' Syndikate und Stmtwroiilfm

Einem mit großer Sachkenntnis geschriebenen, den Titel Pro Fisco führenden Artikel der be- kannten Berliner Finanzzeitschrist Plutus ent- nehmen wir folgendes: ,

.... Vor Monaten hörten totr mit Stau­nen, daß erst der preußische Fiskus und dann die Staatsbahnverwaltung Bayerns mit dem Stahlwerksverband zu Hochkonjunkturprei­sen auf drei Jahre Lieferungskontrakte geschlos­sen hatten. Die Zeiten waren bereits schlecht. Jeder, der einigermaßen Einblick in den Gang der Wirtschaft besaß, konnte damals bereits vor- aussehen, daß die hohen Preise sich unmöglich lange noch würden aufrechterhalten könnem Aber derStaatbandsichaufdrei Jahre, ohne Rücksicht auf die Wellenbewegung des wirtschaft­lichen Lebens. Wenige Wochen später schon gab jedoch der Stahlwerksverband offiziell den Rück­gang der Konjuktur zu. Der Staat war der Geprellte.

Jetzt hat nun in der Budgetkommission des preußischen Abgeordnetenhauses der Eisenbahn- minifter Aufschluß über die Bedingungen gegeben, zu denen der Staat sich für das kommende Etats­jahr vom Kohlensyndikat mit Kohlen ver­sorgt hat. Auch hier hat sich der Fiskus auf d r e i Jahre binden lassen und eine Erhöhung der Preise um 1, 25 JC pro Tonne bewilligt. Alles in allem erheischt mithin diesmal die Kohlenver­sorgung für die preußischen Staatsbahnen 15 M i II. Mark mehr, als im vorigen Jahr. Ungefähr zur gleichen Zeit aber, da der preußische Eisenbahnminister diese Tatsache der Welt ver­kündete, stand in allen Zeitungen der Bericht des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats. Ein durchaus pessimistischer Bericht. Das Kohlen­syndikat hat denn auch seinen pessimistischen Wor­ten die Tat folgen lassen: es hat die Produktion für Kohle um 10 Proz. eingeschränkt und die bereits bestehende Einschränkung für die Koks­herstellung von 10 auf 20 Prozent erhöht. Dem Staat aber hatten die Syndikatsleiter schnell noch höhere Preise, als im vorigen Jahre abgenommen.

Tie Sache ist ein öffentlicher Skan­dal. Aber die Urheber des Skandals sind nicht, wie man vielfach hört, die Syndikate, sondern die beteiligten Faktoren unserer Staatswirtschaft. Die deutschen Kartelle dienen dem Profitinterefse des Unternehmertums. Sie müssen schon im In­teresse ihrer jeweiligen Erneuerung ihren Mit­gliedern etwas Greifbares einbringen. Mit alle» Miftölir halten sie die Preise hoch. Der Stahl­werksverband verweigert der weiter arbei­tende» Industrie billiges Halbzeug, und das Kohlensyndikat läßt lieber weite Kreise des deutschen Gewerbslebens feiern, ehe es von seinen Preissorderungen etwas nachläßt. . . . Aber das, lvas diesen Machtmißbrauch zum Skan­dal ausweitet, ist die Tatsache, daß der Staat, der es in der Hand hätte, diese Macht zu brechen.

die Bestellung aus unirr -..... ä

oder bei der nächsten Postanstalt auf- V zugeben, damit Unregelmäßigkeiten in v

dikat hat das Recht auf Schonung ver- wirkt. Das deutsche Volk hat nicht notig, die Schätze, die sein Boden birgt, sich für den $coarf seiner eigenen Staatsbetriebe zuruckzuerbettetn. während das Ausland von der reichgedeckten deutschen Tafel schlemmt.

VMsmrWMes und LoMes.

[J DaS Lehrlingswesen im Handwerk.

Die Erhebung über dir Wirkungen des Hand- Werkergesetzes vom 26. Juli 1807 gibt wertvolle Aufschlüsse auch über das Lehrlingswesen un Handwerk. Bis vor kurzem konnte man noch in sozialdemokratischen Blättern zuweilen Klagen über Lehrlingszüchterei tm Handwerk,lesen. v£tit muß selbst die „Freisinnige Rettung (Nr. 65), die sonst aus den Ergebnisien der Erhebung aller­lei ungünstige Schlosse für "Zünftler ziehe zu können glaubt, zngeben, „daß bet den einzelnen Innungen durchschnittlich das Verhältnis der Zahl der Lernenden zu der der Lehrenden sich tn maßvollen Grenzen hält, daß also der oft erhobene Vorwurf der L e h r l i n g s z u ch t e r e t m fe ­uer Allgemeinheit unbegründet ist. Bet der bei weitem größten Zahl aller ^nnungen kommen höchstens bis zu 75 Lehrlinge auf 100 Lehrende (Meister und Gesellen)."

Von größter Bedeutung für bte Ausbildung des Handwerkernachwuchses sind heutzutage die Fortbildungs- und Fachschulen Es ist daher interessant, zu erfahren, wieviel Lehr­linge solche Schulen besuchen. In Norddeutsch- land sind es 57,4 Proz., in Süddeutschland 86,2 Prozent. In Süddeutschland ist demnach, was man ja auch schon wußte, das Fortbildungs- und Fachschulwesen weiter gediehen als tn Nord- deutschland. Bemerkenswert sind auch die Ergeb­nisse, soweit sie das Wohnungswesen der Lehrlinge betreffen. Nahezu zwei Drittel (6d,5 Proz.) hatte noch Wohnung und Kost beim Mei­ster, die übrigen größtenteils bei Eltern oder Ver­wandten. , .

Sehr erfreulich ist das Ergebnis hinsichtlich der Zahl der Lehrlinge, welche sich der Gesei­le n p r ü f u n g unterzogen haben. Von den bet Jnnungsmitgliedern beschäftigten Lehrlingen, welche im Fahre 1904 ihre Lehrzeit beendet bat­ten, waren es 95 Prozent. Die Zahl der Lehr­linge, welche ihre Gesellenprüfung nicht bestanden, ist verhältnismäßig gering: 800 (— 1,2 Prozent der Geprüften).

* Lehrstühle für soziale Medizin. Der Arzt spielt in der Arbeiterversicherunq eine be­deutend größere und wichtigere Rolle, und diese stellt an ihn erheblich höhere Anfor­derungen, als nach dem Wortlaute des Gesetzes anzunehmen ist. Die richtige Be- Handlung der Nnfallverletzten ist für den end» gütigen Ausgang des Schadensfalles von wesentlicher Bedeutung. Die im Anschluß an Un­fälle auftrelenden ^Nervenkrankheiten haben der medizinischen Forschung ein neues weites Gebiet erschlossen, auf dem der in der Arbeiterversiche­rung tätige Arzt bewandert fein muß. Ebenso stellen die zahlreichen Gewerbekrankheiten an den Arzt besondere Anforderungen. Verlangt schon die Heilpraxis Spezialkenntnifse, so noch in höherem Grade die Tätigkeit als Gutachter. Als Kaffenarzt hat et zu entscheiden, ob seine Pa­tienten arbeitsunfähig sind. Das verlangt be­reits eine klare Vorstellung von den Erforder­nissen des speziellen Berufs und von deffen Ein­wirkung auf die einzelnen Organe. Roch höhere Anforderungen stellt die Unfallversicherung an den Arzt. Hier soll er begutachten, um wieviel

Kleiues Feuilleton.

— Der Bureaukratismus treibt bei uns recht sonderbare Blüten. Der,Bote a. d. Riesen» gebiige' erzählt von einem schneidigen Amts- Vorsteher folgende ergötzliche Geschichte: Die Fohlen des RittergutspächterS und AmtSoor- flehers Keller in Reibnitz, die ohne Aufsicht umherliefen, waren auf die Saat deS Stellen- besitzerS Ehrensried Stumpe geraten und hatten dort beträchtlichen Schaden angerichtet. Stumpe beschwerte sich beim Kreisausschuß, von dem der AmtSvorsteher Böhm im benachbarten Alt-Kemnitz mit der Untersuchung des Falles betraut wurde. Von dort erhielt eines schönen Tages Stumpe eine Vorladung mit folgendem Wortlaut:

„Zur Vernehmung des Strllenbesttzer Stumpe au8 Reibnitz wegen der angebrachten Beschwerde g. Amts- vorfteher Keller in Reibnitz wegen Schädigung der Saaten durch die Fohlen ist Termin auf Dienstag, den 25. Februar, vormittags 9'/- Uhr, in meinem Amtslokale anberaumt. Der p. Stumpe wird mit dem Bemerken vorgeladen, daß im Falle unentschul­digten Ausbleibens nach Ermessen die Anwen­dung von Zwangsmaßregeln erfolgen wird. Alt-Kemnitz, den 20. Februar 1908. Der Amtsvorsteher Böhm."

(L. 8.)Journ.-Rr. 105. Im Termin zurückzugeben.

Einen Beschwerdeführer in solcher Weise unter Androhung von Zwangsmaßregeln vor seinen Stuhl zu zitieren, ist doch ein starkes Stück von einem AmtSvorsteher. — Ein Gegen­stück zu diesem Vorfall teilt die ,Papierzeitung' au» einem städtischen Gemeinwesen mit. Eine größere Fabrik der Papierbranche hatte ein Jntereffe daran, die Einwohnerzahl der Stadt Radeberg kennen zu lernen. Unter Angabe chv öiünbt wandte sie sich daher auf einem oe«

wöhnlichen, mit Firma bedruckten Quarlbogen an die Bürgermeisterei und bat in höflichen Worten um Auskunft. Derartige Auskünfte werden sonst von den Bürgermeistereien gern erteilt, in diesem Falle aber erhielt der Anfrager folgenden Bescheid:

„Bei der unterzeichneten Stelle können in der Regel nur Schriftstücke auf ganzen Bogen —Reichs­format, 33/42 Zentimeter — auf der ersten Seite be­gonnen, mit Ruf- und Zunamen — eingetragener Firma — unterzeichnet und mit Wohnungsnngabe des Absenders versehen, Beachtung finden. Es wird ge­beten, in den Papierhandlungen ausdrücklich Reichs­format zu verlangen. Schriftstücke, deren Absender nicht genannt sind, bleiben unberücksichtigt. Der Stadtrat."

Kommentar überflüssig!

— Die Kraft der Mcercswellcn zu gewerb­licher Arbeit nutzbar zu machen, ist schon auf man­cherlei Weise versucht worden, ohne daß es jetzt eine befriedigende Lösung der Aufgabe gefunden worden wäre. Vielleicht ist dies der Erfindung des italienischen Oberstleutnants Agostino Ra- velli Vorbehalten, von dem jüngst berichtet wurde, daß er dem König Viktor Emanuel Vortrag über seine an der ligurischen Küste angestellten Versuche gehalten hat. Ravelli hat dort eine Vorrichtung in Betrieb gesetzt, die er sich unter dem Namen Mare Motore (Seemotor) auch in Deutschland hat patentieren lassen und die günstige Ergebnisse ge­liefert haben soll. Der Zweck seines Apparats ist, das Seewasser selbsttätig durch den Wellen­druck in Sammelbecken zu heben, aus denen es dann in Turbinen geleitet wird, um die Kraft in verwendbarer Form (Druckluft oder Elektrizi­tät) herzustellen. Im wesentlichen besteht die Vorrichtung aus einer geneigten schwingenden Fläche, die auf einem Rollwerk ruht. Die schräge Fläche ist auf dem Kopf des Rollwerks verzapft und am Hintern Teil mit Saug- und Druckpum­pen verbunden. Gewichte und Federn fetzen dis Vorrichtung derart ins Gleichgewicht, daß auch ein- aerinae Wafiermenae. die auf die schräge

Fläche wirkt, die Schwingung Hervorrusen kann. Die sich über die Fläche ergießende Welle steigt auk ihr hinan im Verhältnis zu ihrer Höhe: unter der Wirkung der aufgenommenen Wasser- mässe sinkt dann die schräge Fläche an ihrem Hinterteil, indem sie sich um den vorn angebrach­ten Zapfen dreht, und jetzt den Mechanismus in Bewegung, der die Kraftumwandlung bewirkt. In der Theorie ist die Ravellische Erfindung sehr einfach und überzeugend, die Frage wird nur sein, ob sie sich praktisch an jeder beliebigen Stelle eines Seestrandes und unter allen Witterungsverhält­nissen bewährt.

— Haitische Mannszucht. Der amerikanische Maler Henry Dandham, der mehrere Jahre in Haiti zugebracht hat und jetzt in England lebt, erzählt folgendes neue Stücklein vom haitischen Heere: Als eines Tages der Kommandant der Arm« die Truppen von Gonaives besichtigte, fragte mich ein Irländer, der in meiner Beglei­tung war: „Möchten Sie sehen, wie ich die ganze Bande auseinandertreibe?" Ich sagte: „Natür­lich." Der Irländer nahm darauf fünf Silber- stücke aus der Tasche und schleuderte sie mit einem gellenden Rufe in die Luft. Sogleich sprangen alle Mannschaften der Truppe aus dem Glieds und machten verzweifelte Anstrengungen, das Geld zu finden. Nach einem kurzen heftigen Ge­tümmel war die Ruhe wieder hergestellt. Zwei Silberstücke waren in den Besitz der Truppe ge­raten, die übrigen hatte der Kommandant er­beutet. Dieser befahl darauf, daß der Irländer verhaftet werde, weil er in Gegenwart eines an» gefthenen Fremden die Arm« von Haiti in Miß­kredit gebracht habe. Der angesehene Fremde war ich. Mein Freund wurde zu drei Wochen Gefängnis verurteilt, aber fünf andere Silber- stücke und eine Flasche Rum brachten die Sache in Ordnung, und er war nach 20 Minuten wieder bei uns.

— Ist Seife giftig? Seife schmeckt nicht be­sonders gut und sie hat darum als Nahrungsmit- tel wenig Aussicht auf .Erfolg, Immerhin hält

man sie allgemein für harmlos und erschrickt nicht weiter, wenn durch Zufall etwas davon in Mund ober Magen kommt. Nun hat aber ein Dr. Sie­betran interessante Beobachtungen gemacht, über die wir in der „Umschau" lesen. Zwei Geistesge­störte aßen in unbeobachteten Augenblicken je ein Stück Seife und starben danach, der eine nach kaum einer Stunde, der andere nach zwei Tagen. Tie Wirkung bestand in beiden Fällen in geringer Verätzung der mit der Seife in Berührung ge­kommenen Schleimhäute und schweren Allgemein- erschcinungen, besonders Herzschwäche. Giftige Substanzen konnten jedoch in der Seife nicht nach­gewiesen werden; man muß somit eine Giftwir- kuilg der Seifen felbst annehmen. Die Fälle, die bisher einzig dastehen, beweisen, wie vorsichtig man auch mit scheinbar harmlosen Gegenständen umgehen muß. Für Kinder namentlich könnte gewiß einmal der Genuß von Seife schädliche Folgen haben.

— Die Geßlerburg bei Küßnacht, in welche der Vogt nach der Sage den gefangenen Tell verbringen wollte, ist seit Jahrhunderten eine Ruine. Ein Käufer erwarb sie und wollte an ihrer Stelle ein Hotel erbauen. Dagegen erhob man sich in der Schweiz, und die Bundesversammlung bewilligte 10 000 Fr. zum Ankauf der denkwürdigen Stätte. Die Gemeinde Küßnacht steuerte noch 2000 Fr. da­zu. Somit ist jetzt die Geßlerburg nationales Eigen­tum der Schweiz geworden. ,

— Boshafte Frage. »Ich hasse die gelehrten und überspannten Frauenzimmer; meine Gattin soll einmal weniger klug sein als ich/ .Meinen Sie, mein Lieber, Sie finden eine solche?'

— Durch die Blume. „Dein brauner Anzug bfc ist aber sehr dauerhaft." „Wieso?" „Na, ich hab» dir doch damals das Geld geliehen, daS dir zu dem Anzuge fehlte — und wie lange ist daS schon her?l"

- Heimgeschickt. Herr (an der Tafel, der schon mehrere Reden gehalten hat, zu seinem Tischnachbar) r ^err Meyer, Eie können wohl nicht reden» —• „Nein; aber ich red« auch nicht "