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«schMttgttchM Ausnahme der Sonn- »ndZ«iertage.viertel- jShrlichep Vezugspreis ohne vrtngerlohn und vestellgeld in Zulda so­wie <mrwär1r^.S0M.

verantw. Redakteur: Carl Schütte;

Zuldaer

wscheich-liage: „Illustrierte Sonntagrzeitung"

«nzergen: «ne tttb fpMge Petitzeile od« deren Raum 15 Pfg. veklamendrepetitzeile 25 Pfg., bei Wieder­holungen wird entspr, Rabatt gewährt.

RotationrdruSund Verlag der Fuldaer M- ttendruckerei in Fulda Fernsprecher Rr. 9.

Fulda, Montag den 23. März 1908.

M 69.

35. Jahrgang.

Zweites WLcttt

Deutscher Reichstag

Sitzung vom 21. März 1908.

I Herstellung der Regierungsvorlage.

' Abg. Dr. Arendt (Rp.) tritt deni entgegen. Die Sache hat nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine prinzipielle Bedeutung. Allgemein ist die Ueberzeugung, daß eine dauernde Aufrecht­erhaltung uiidenkbar ist. Man würde es unter diesen Umständen draußen im Lande einfach nicht verstehen. (Zuruf: Draußen erfährt man ja gar nichts von unserer Verhandlung!) — Nun, unsere Reden werden doch wenigstens stenogra­phiert, sodaß wir nicht ganz unter dem Aus­schluß der Oeffentlichkeit tagen — ich sage also: man würde es draußen nicht ver­stehen, wenn wir diese Position unverändert be­willigen wollten.

Abg. Boltz (nl.) bringt Wünsche der Kanz­listen zur Sprache.

Abg. Dr. Will (Ztr.) bemängelt, daß vielfach Unterbeamte, die zu höheren Dienstleistungen qualifiziert seien, zwar zur Leistung dieser Dienste herangezogen würden, sich aber mit ihrem niedri­gen Unterbeamtengehalt begnügen müßten. Red­ner wünscht iveiter eine Besserstellung der Reichs- kassendlener.

Bankwesen äußert

Abg. Erzberger (Ztr.) eine Reihe vo>r Wün­schen im Interesse der Reichsbankbeamten; u. a. wünscht er, daß ihnen die Teuerungszulage ge­wahrt werde.

hindurch. Regierung und blockfreudige Partei« männer stellten eine solche Stimmung entschie« den in Abrede. Das war begreiflich' man wollte nämlich die katholischen Wähler und auch zahl- reidjc, den inneren Frieden liebende Akatholiken nicht in Aufregung versetzen. Freilich war, der furor prctestanticus ein sehr bedenkliches Zeichen dafür, daß trotz aller Beschwichtigungsversuche Kultunkampfsgelüste vorhanden seien. Indessen konnte man an maßgebender Stelle doch die Hände in Unschuld waschen und es als glaubwürdig hinstellen, daß die konfessionellen Leidenschaften ohne Wissen und ohne Zutun amt­licher -Kreise zugunsten blockfreudlicher Wahlen wachgerusen worden seien.

Auch seither wurde stets wieder mit Entschie­denheit abgewinkt, wenn von gläubig-katholischer

I Seite die vielen, manchmal sehr feindselige Aeu« ßerungen, welche auf akatholischen Versamm­lungen fielen, als Symptome einer unter der Oberfläche fortglimmenden, zu gelegener Zeit sichtbar hervorbrechenden Kulturkampfs­flamme bezeichnet wurden. Wir glauben gerne, daß die den Kurs unserer äußern und innern Politik eigentlich bestimmenden Stellen einen Kulturkampf nicht gerne sehen: es gibt nämlich anderweitig der schwierigen Fragen, deren Lö­sung von Tag zu Tag dringender wird, so vielem daß man zum Kulturkämpfen weder Zeit noch L u st haben kann.

Etwas anders stehen die Sachen schon bei den Parteien: in diesen gibt es viele, welchen ein „frischer fröhlicher Kampf gegen Rom" die Erfüllung ihres Herzenswunsches wäre. Die meisten Kulturkampfslüsternen sitzen unzweifelhaft in der nationalliberalen

liche Entwicklung des Schutzgebietes an- langt, so glaube ich behaupten zu dürfen, daß wir soweit gekommen sind, wie wir in der kurzen Zeit des Besitzes von Kiautschou kommen tonn­ten. Wenn die deutsche Ausfuhr nach Kiautschou noch nicht den gewünschten Umfang angenommen hat, so liegt das in erster Linie daran, daß erst seit zwei Jahren die Bedingungen hierfür durch Hafenanlagen, Eisenbahnen usw. geschaffen wor­den sind.

Vizepräsident Dr. Paasche teilt mit, daß vom Zentrum der Antrag eingegangen ist, über den Antrag Liebermann v. Sonnenberg n a m e n t« I i ch abzustimmen und zwar am Schluß der näch­sten Sitzung.

Abg. Erzberger (Ztr.): Wenn man die ganze Geschichte dieses Etats überblickt, so muß man davon ausgehen, daß sie mit einer Verfas- sungsverletzuug begonnen hat. Die chine-

| Abg. Dr. Eickhoff (fr. Vp.) wünscht die Vor- ! legung eines genauen Planes für die in Kiaut­schou zu errichtende deutsch-chinesische Schule.

Abg. Bebel (Soz.): Wir sind von Anfang an der Anschauung entgegengetreten, daß wir je­mals mit diesem „Platz unter der Sonne" gute Geschäfte machen würden. Hier werfen wir jähr­lich 10 Millionen hinaus und auf der anderen Seite haben wir kein Geld für die wichtigsten Kulturaufgaben im eigenen Lande. Das schädigt das Ansehen Deutschlands mehr als ein etwaiges Ausgeben dieser Kolonie. (Beifall bei den So­zialdemokraten.)

Abg. Frhr. v. Richthofen (k.): Wir sind dem Vertreter der Reichsregierung außerordentlich dankbar für die große Entschiedenheit, mit der er jeden Gedanken an eine ettvaige Aufgabe der

(*) Keilte falsche Sicherheit.

Als voriges Jahr bei den Reichstagswahlen auch zum Sammeln gegen das Zen­trum geblasen wurde, ließen sich einzelne Stim­men vernehmen, welche meinten, durch die rein patriotisch sein sollenden Hornsignale töne so etwas wie Kultu rka rnpfs stim rn uu g

Partei, die ja eigentlich der ins Politische über­setzte „Evangelische Bund" ist. Diese Leute spe­kulieren nur auf eine günstige Zeit, um ihre

Ein Antrag Arendt (Rp.) auf Erhöhung der Relchsbankemnahmen um 12 Millionen dH wird angenommen.

geben. Die Ausgaben in Kiautschou können ganz erheblich eingeschränkt werden; so müssen wir beispielsweise für ein paar Holzkohlenbaracken an das rheinisch-westfälische Kohlensyndikat die Summe von 110030 dH bezahlen (Hört hört!) Ich meine, das ist doch etwas stark. Weiter hat das Reich sich verpflichtet, einer Seidengesellschaft einen Zuschuß von insgesamt 600 000 dH zu ge­ben: diese Gesellschaft hat aber selbst ein Aktien- kapital von 2 Millionen. Es kann und muß in Kiautschou gespart werden, damit der Reichszuschuß endlich einmal herabgemindert wer­den kann. (Beifall im Zentrum.)

Unterstaatssekretär Stemmrich: Wollten wir jetzt, nachdem wir so große Opfer für Kiautschou gebracht haben, darauf verzichten, unsere Auf­gaben in Ostafrika weiterzuführen, so würde das! eine ungeheure Schädigung des Ansehens des deutschen Reiches m der ganze» Welt bedeuten. Daran ist absolut nicht zu denken. (Lebhafter Beifall.)

Für das zweite Quartal nehmen fortwährend alle Postanstalten, Land- briefträger, Zeitungsträger und die Expedition (Harmonie) Bestellungen auf die

। ...... »Fuldaer Zeitung^ —

zum Preise von 1.50 Mark (ohne Bestellgeld und Bringerlohn) entgegen.

Neu hinzutretende Abonnenten erhalten die Zeitung vom Tage der Bestellung ab bis Ende März umsonst.

fische Expedition hat uns bis jetzt nahezu 300 Millionen dH gekostet. Seit Jahren schon bemühen sich die Parteien um eine Verminde­rung des Expediti ons k o r p s. Nach dem internationalen Abkommen soll es sich nur um eine vorübergehende Besatzung handeln. Andere Mächte, die erheblich größere Interessen in China haben als wir, haben ihre Truppen schon längst ganz wesentlich vermindert. Man wendet ein, wenn wir unsere Truppen zurückzö- gen, so könnten wir auch nach Persien, nach Ma- rokko, nach Haiti und nach anderen halbzivilisier­ten Ländern Besatzung schicken. Man sagt weiter, die deutschen Kaufleute in Tientsin und Peking wünschten dringend, daß wir eine größere Be­satzung dort unterhalten möchten. Ich verstehe das, schon deshalb, weil die Kaufleute ja an den Truppen direkt Geld verdienen; aber es ist doch zu bedenken, daß sie zu den Kosten der Expedition auch nicht einen Pfennig beitragen. Im übrigen ist der Etat in seine Einzelheiten so überaus reichlich, um nicht zu sagen lururiös, ausgestattet, daß man glauben könnte, Deutschland s ch w i m m e i n G e l d. Um nur einiges heraus- zugreifen: Aus die 689 Mann, die wir noch drü­ben haben, kommen nicht weniger als 5 Aerzte; auf je 4 Mann entfällt ein Unteroffizier, auf je 22 Mann ein Offizier. Auf katholischer Seite I ist die Frage der Abhaltung von regelmäßigen

Montag: Etat des Reichskanzlers und der Reichskanzlei. Etat des auswärtigen Amts.

Im Dunkeln.

Roman von Ernesto Selva.

Nach einer wahren Begebenheit erzählt.

29] (Nachdruck verboten.)

Der Geizige stieß einen dumpfen Schrei aus, er ballte die Fäuste in ohnmächtiger Wut und stürzte Gaetano nach, allein seine zitternden Beine trugen ihn nicht, die Knie brachen ihm und im Bewußtsein seiner Schwäche stieß er ein kläg­liches Gewimmer aus und erhob flehend die

„Ich bin ein armer Mann, glaube es mit, Gaetano, ich habe nicht tausend Dukati, viel weniger eine so enorm hohe Summe, wie Du sie verlangst, ich —"

„Und die Kassette mit den Edelsteinen?" höhnte Gaetano.

„O, Du wirst nicht so grausam fein, einem armen alten Manne die einzige Freude seines Lebens zu rauben", winselte dec Notar, indem feinen Augen Tränen entströmten. „Nein, nein mein guter Gaetano, ich verspreche Dir, daß ein­mal alles Dein sein soll. Du der Sohn meines Freundes, sollst auch mein Erbe fein, aber fei nicht so grausam, mir das Licht und die Freude meiner alten Tage zu rauben, lasse mir die Ju­welen!"

„Es freut mich, Elender, daß die Trennung von Deinem Schatze, an dem das Blut meines bou Dir zu dem Verbrechen verführten Vaters haftet, Dir so viel Schmerz macht. So wirst Du m etwas mindestens Deine begangenen Schandtaten abbüßen "

„Erbarmen!" '

«n-jdwfo?* s®u ®rformen mit dem gerichteten

rherript£r' ,®einem Schwur vertrauend. Dich Du Ursache seines tiefen «nnlikHidher’ Huttest Du Erbarmen mit dessen All verkani die in Schande und Elend

M verkam und Tag um Tag. Stunde um Stunde

nichts Eiligeres zu tun haben, als mich der Polizei als Dieb zu denunzieren. Du würdest Dein« -schuld ableugnen und Dich sicher auch heraus­lügen. Doch diesmal hast Du Dich verrechilet. Nimm an, daß der Geist Antonio Pisanis Dir erschienen sei, um Rechenschaft zu fordern!"

Die Tür fiel hinter Gaetano ins Schloß, et eilte über den finsteren Gang und achtete nicht auf die zusammengekauerte Frauengestalt in der Rahe der Tür, die sich jetzt erhob. Es war Gio- vanna: sie hatte jedenfalls dasGespräch belau­schen wollen, das der fremde Besucher mit ihrem Herrn gehabt.

Starren Auges blickte sie dem Forteilenden nach, dann murmelte siss zusammenschauernd:

„Es ist richtig, das war Antonio Pisani — o, ich habe den Buckligen sogleich wieder erkannt: nur gut, daß er mich nicht gesehen hat, er würde mich geknebelt und gebunden haben, er kennt fein Mitleid, er hat meine arme Herrin ermordet."

Und die BGdfinnige schlüpfte in ihr Versteck, die raucherfullte Küche.

11.

Ungerechtes Gut.

. Ar ärmlichen Behausung des Studenten der Dkdizin, die dem Leser bereits bekannt ist, hatte die alte Großmutter den geliebten Enkel mit großer Sorge erwartet.

Die Stunde, in welcher er vorzusprechen pflegte, war längst verstrichen und immer wollte er noch nicht erscheinen.

Von Unruhe getrieben, eilte das alte Mütter­chen vom Fenster an die Türe, spähend, lauschend, um sich nach fast zweistündigem Warten endlich erschöpft in einen alten Lehnstuhl gleiten zu las­sen, wo sie, ein Gebet murmelnd, einschlief.

Da weckte sie ein schriller Glockenton, der Ein- laßbegebrende mußte große Eile haben, denn er hatte die Glocke in starke Bewegung gesetzt.

(Forffetzuna folgt) i.’

durch harte Arbeit ein entbehrungsreiches Da­sein fristete? Nein, tausendmal nein! — auch ich habe kein Erbarmen mit Dir — öffne und zahle Deine Schuld."

„Und wenn ich mich weigere — wenn ich Hilfe herbeirufe —"

. „Dann ist in der nächsten Stunde dieser Brief in den Händen der Polizei und die Beamten der­selben werden hier Nachsuchung halten und Dei­nen Schatz schon finden!"

Der Geizige stöhnte verzweiflungsvoll, die Blicke seiner blutunterlaufenen Augen irrten durch das Gemach.

t „Du willst mich morden", jammerte er, „willst mir vielleicht alles rauben, wenn ich die Kiste ge­öffnet habe?"

„Ich will nichts weiter haben, als meine 16 500 Dukati, das verspreche ich Dir, aber be­eile Dich, wir haben schon zu viel kostbare Zeit berloren; vergiß nicht", fügte er spöttisch hinzu, «daß ich dreizehn lange Jahre auf meines Va- krs Erbe warten mußte!"

Basileo hatte sich schwankenden Schrittes der Holzkiste genähert, doch es währte eine Weile, ',e,me bebenden Finger damit zustande kamen, dieselbe zu offnen.

hn.r„?e<a-no' feinem Prinzipal gegenüberstehend, 'Ee von Hessen Bewegungen und als der

tn den Lumpen wühlte, welche die Kiste kommen "och nichts zum Vorschein

da rief er ihm ein Drohwort zu. einem Geizige fuhr auf, wie aus

aerrpifep^nrer~^taume erweckt, mit einem herz- hob er die Kassette aus den Aer‘ne,n. Augenblick noch in den Hän-

M d--» =«■

’tfoJ£,trJdieselbe rauh. Der kleine utl Schlosse, da der Geizige vorher nicht Zeit gefunden hatte, ihn abzuziehen. Afs er ste geöffnet, musterte jier junge Mann gleichgültig die dann aufgehäuften Schätze und meinte dann wegwerfend: „Wer weiß, ob der

Gottesdiensten so geregelt, daß ohne Kosten für das Reich jeden Sonntag Gottesdienst stattfin­det; für die evangelischen Mitglieder des Expe­ditionskorps werden jährlich 4 Gottesdienste in Tsingtau abgehalten und es sind dafür allein für den Prediger — für Reisekosten usw. — 5200 M ausgeworfen, sodaß also jedePredigt 1300 Mark kostet. Ich habe diese Punkte hier an­geführt und gezeigt, daß der Etat mit Ausgaben belastet ist, die wir hier im Reichstag nicht der-, UUI ILir_

f'rni0p'iXrmöchte bittem den An-1 mühsam verhaltene Kampfesstirnmung auch nach trag Liebermann abzulehnen. (Beifall im Zen- außen zu betätigen. Wir haben dafür ein un-- ICUra . , I anfechtbares Zeugnis, dessen ernstliche Beachtung

Generalmaior Sixt v. Arnim gibt zu beden-1 wir unfern Gesinnungsgenossen nicht genug em- fen, daß die Verhältnisse in Ostasien außerordent-1 Pfehlen können, damit sie sich bei Zeiten auf den lich schwierig und teuer seien. Redner bittet so-1 Kampf gefaßt machen und sich nicht durch den dann den Antrag Liebermann anzunehmen. I Ton der da und dort erschallenden Friedens-

Rach weiterer kurzer Debatte zieht Abg. Sie-1 schalmei in Sicherheit einwiegen lassen.

Hermann v. Sonnenberg (wirtsch. Bgg.) feinen I Der durch feine Feindschaft gegen den „Ultra- Antrag zurück. I montanismus" bekannte Exjesuit Graf Paul

Der Kommissionsbeschluß wird angenommen. I H o e n s b r o e ch hatte vor kurzem der national,' „ Bei ber Beratung des Etats über d as I liberalen Partei in scharfer Weise vorgeworfen,

I daß ihre Fraktion im Reichstage nicht entschiedet! I genug und nicht systematisch, sondern nur fti nebenher und gelegentlich den „Ultramontanis-

I ums" bekämpfe. Schon dieser Umstand, daß ein Mann es wagen darf, öffentlich die s y st e m a - tische Bekämpfung des Katholizis- mus als eine Hauptaufgabe einer parlamen-

I tauschen Fraktion zu bezeichnen, läßt tief blicken. Man sage nicht: Eine Schwalbe macht keinen Sommer. Vielmehr sei man überzeugt, daß der Exjesuit viele Gesinnungsgenossen hat, wenn auch zugegeben werden kann, daß nicht

I alle m gleichem Maße von der Ultramontanen- angst gepeinigt werden. Doch das nur nebenbei.

Das, worauf wir b e s o n d e r s die Aufmerk- samkeit der Leser hinlenken wollen, ist folgendes: Tie Geschäftsstelle des nalionalliberalen Landes­vereins in Sachsen verteidigt sich öffentlich gegen den der nationalliberalen Reichstagsfraktion ge­machten Vorhalt. Es heißt in dieser Verteidi­gung: wenn man auch den Unmut des Grafen Hoensbroech begreife, „für welchen sich das po­litische Leben in dem Gegensatz zum Ultramon- tanismuS erschöpfe", so fei doch zu bedenken, daß die Fraktion im Reichstage auch noch etwas an- deres zu tun habe, als den UltramontanismuS zu bekämpfen. Bei der Ueberfülle parlamenta- rl)cher Aufgaben dürfe der Reichstag „die kost- bare Zeit nicht mit Kampfredeu gegen

Kolonie zurückgewiesen hat. (Beifall rechts.) Abg. Dr. Arendt (Rp.): Ich sehe in den gro­ßen Opfern, die wir hier gebracht haben, nicht Unterhaltungskosten, sondern lediglich Anlage­kosten. Etwa auf Jahre hinaus jährlich 10 Mil­lionen in die Kolonie hineinstecken, würde ich allerdings auch nicht für angängig halten.

I Abg. Erzberger (Ztr.): Ich muß eine int Ent­stehen begriffene Geschichtslüge auf das allerentschiedenste zurückweisen. Es ist angedeu- tet worden, als habe ich den Plan ausgeheckt, Helgoland in die Luft zu sprengen. Dieser Plan ist von einem früheren Admiral und späteren konservativen Abgeordneten ausgegan- gen. Ich habe in der Budgetkommission lediglich die Anfrage gestellt, wie es mit diesem Plan stünde. Die Idee ist also nicht von mir, sondern von einem Sachverständigen ausgegangen. Mit Kiautschou ist es in dem Augenblick, wo China sein Kanalsystem ausbaut, als Handelszentrale ganz und gar aus, denn gegen Kanäle kommen . Abg. Erzbnger (Ztr.): ist d°r,«t.d-»tlich IS °n"" =«”ic

bte Frage aufgeworfen, ob mau nicht Kiaut- Staatssekretär v Tirtüü- Ei» ftnnnTWtpm schon ausgeben solle. Unter anderem hat m dort »ar nicht möglich weil aroß? Gebir« nicht^anUrmtWnÄp^^^^' 6ert F?? Awiß I die Anlegung von Kanälen verhindern.

m.mt antlnat.lonaler Gesinnung beschuldigen Ab». Bebel (Soz.) betont daß Deutschland toitS, sich dahm ausgesprochen, daß es nicht zu I ein Stützpunkt der im Ernstfälle nicht aebalten Äfter Kopf Deutschlands, Srben f£e ' nichts^nüL^ BeWtet ber General von der Goltz, hat sich im ähnlichen forQf Beratuna des Etats für die & r. Sinne ausgesprochen. Ich glaube, wenn solche pedition nach Ostasien ?uck°^ich ^es^^tu!^" Enaland^bat —f Di- Kommission HM bei mehreren Einzelpositionen

2 Ä-s-sb Km. England hat die xonl-I Abstriche gemacht, u. a. schlägt sie vor, statt eines ge-

Mit Inseln und Wethatwet, Frankreich hat I forderten Stabsoffiziers als vortragenden Rat mit 6552

Korsika aufgegeben, und die Amerikaner I Mark Gehalt und 900 Mark Dienstzulage nur einen

wären froh, wenn sie die Philippinen auf I inaktiven Stabsoffizier mit 1782 Mark Gehalt zu be-

anständige Art los würden. (Sehr richtig.) Der I willigen.

Reichszuschuß für Kiautschou muß unbedingt her» Abg. Liebermann v. Sonnenberg (wirtsch. abgemindert werden. Ich meine, es ist doch etwas Bgg.) beantragt bezüglich dieser Position Wieder- viel, wenn wir für ein Gebiet, welches nicht ' ' " " 1 '

großer ist als das Gebiet der Freistadt Bremen, eine Summe von hundert Millionen aus-

Plunder hier ausreicht, meine Forderung zu decken!"

Bist Du von (Sinnen? In der Kassette sind für mehr als 20 000 Dukati Gold, Perlen und Edelsteine. Lasse mir wenigstens die Hälfte da- von."

„Nicht einen Deut!"

„Aber ich schwöre Dir, daß der Wert der Steine allein Deine eingebildete Forderung deckt, ich verstehe mich darauf."

„Sie vergessen nur, mein lieber Notar Ba­sileo, daß der Verkäufer solcher Wertsachen nicht die Hälfte des Preises erhält, die sie nach richtiger Schätzung haben mögen!"

Der Geizige erwiderte nichts; er begriff, daß der Sohn Antonio Pisanis fein Mitleid mit ihm haben werde und daß all sein Flehen nutzlos fei.

Ganz vernichtet sank er auf die Kiste, nach­dem er sie vorher sorgfältig verschlossen und den Schlüssel zu sich gesteckt hatte.

Währenddem packte Gaetano die Kassette in das mitgebrachte Tuch und schob das Paket unter den Arm, dann schickte er sich an, das Zimmer zu verlassen. Tommaso Basileo bemerkte es und zuckte zusammen.

„Du nimmst mir alles, meine einzige Glück­seligkeit, ja mein Leben, denn ich fühle, daß ich diesen Schlag nicht lange überdauere."

„So wird ein Schurke weniger auf dieser schönen Erde weilen, Fluch und Verderben um sich verbreitend."

„Aber den Brief — den Brief Pisanis, der durch einen teuflischen Mißgriff aufbewahrt und Dir in die Hand gespielt worden ist, den mußt Du mir aushandigen, habe ich ihn doch teuer ge­nug bezahlt!"

„Das zu tun werde ich mich wohl hüten, denn liefet Brief ist das Pfand meiner Sicherheit. Wenn ich ihn Dir jetzt auslieferte, würdest Du

,'' Bei der Beratung des Etats für Kiaut- s chou führt Staatssekretär v. Tirpitz aus: Das Reichsmarineamt wird bestrebt fein, daß der Reichszuschuß nach Möglichkeit herabgemindert wird. Ganz ohne Reichszuschuß können wir aller­dings nicht auskommen. Was die wirtschaft-