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JW 69.
Fulda, Montaq den 23. März 1908.
35. Jahrqana.
, Erstes Mlcttt.
* Der IoumeiistmjirciK im Reichstage.
Unter Berliner Mitarbeiter schreibt:
Am Samstag haben im Reichstag die Verhandlungen der Journalisten in Sachen des Zwischenfalls Gröber ihren Fortgang genommen. Es fand eine neue Konferenz mit dem Präsidenten Grasen Stolberg statt, die aber zu keinem Ergebnis führte. Wir müssen diesen Ausgang bedauern, der auf die unseres Erachtens übertriebenen Forderung der Journalisten zurück» zusühren ist. Wir halten es für notwendig, nochmals heroorzuheben, daß im Saale das Lachen, das bei der Rede deS Abg. Erzberger auf der Tribüne gehört wurde, auf die Aeuße- rangen des Abg. Erzberger bezogen wurde. Der Anlaß zu der Bemerkung des Abg. Gröber war also von der Tribüne ausgegangen. Der Abg. Gröber ist wie auch den Journalisten bekannt gegeben worden ist, gar nicht abgeneigt gewesen, sein Bedauern über seinen Ausdruck auszusprechen, aber er ging von der berechtigten Auffaffung aus, daß, wenn er eine derartige Erklärun g abgeben werde, eS V o r a u s s e tz u n g sei, daß, nachdem sich die Journalisten nun einmal solidarischerklärthaben, vonseiten der Journalisten die Erklärung abgegeben werde, das sie das Vor ko mm- nis auf der Tribüne bedauerten. Das war eine Stellungnahme, die jeder, deffen Urteil unbefangen ist, als loyal und korrekt bezeichnen muß. Herrn Gröber ist eS nicht im entferntesten eingefallen, die Presse als solche beleidigen zu wollen: er hat seinen derben Ausdruck, der nur privater Natur war, lediglich gegenüber >en Herren gebraucht, von denen daS Lachen »uf der Tribüne ausging. Wenn dennoch der Abg. Gröber eine Erklärung abgeben sollte, mußte selbstverständlich die erste Erklärung von der Seite erfolgen, von der der Anstoß zum Zwischenfall ausgegangen war. Auf dielen Vorschlag hat die Mehrheit der Journalisten nicht eingehen wollen, man hat bis zum späten Abend über die Frage verhandelt. Angesehene Herren der liberalen Preffe haben erklärt, sie bedauerten es, daß die Presse auf diesen Vorschlag nicht eingegangen sei, und die Herren, die dies erklärten, haben bis jetzt der Bewegung gegen den Abg. Gröber nahegestanden. Die Presse hat unseres Erachtens auch den Fehler gemacht, daß sie das Ansinnen an den Präsidenten stellte, sich selbst zu korrigieren, weil sie mit seiner ersten Erklärung nicht zufrieden war. Eine derartige Forderung wird auch von Abgeordneten, die nicht dem Zentrum angehören, als zu weitgehend und nicht in der Kompetenz der Journalisten- tribüne liegend erachtet, und hat ein liberaler Abgeordneter die Auffassung kundgegeben, daß ein Beharre» der Presse auf einer derartigen Forderung bei allen Parteien des Hauses eine Verurteilung finden würde. Es läge im Interesse aller Beteiligten, wenn unter dm Journalisten, von denen einige bereits selbst zugeben, daß die Sache zu weit getrieben werde, die besonnenere Richtung Oberwasser erhalten würde. Mehr als der Abg. Gröber mit seiner Bereitwilligkeit, den Ausdruck zu bedauern, getan hat, kann von ihm nicht verlangt werden, und wird von ihm auch nicht geschehen. Wollen die Journalisten das Bedauern deS Abg. Gröber über seinen Ausdruck, so ist es recht und billig, daß auch sie ihr Bedauern über daS Vorkommnis, durch das Herr Gröber zu seinem Ausdruck veranlaßt wmde, aussprechen.
Hebet die Verhandlungen zwischen dem Parlament und den Journalisten wird uns noch ge- schriebm:
Am Samstag waren alle möglichen Stellen in Be- wegung gewesen, um einen Ausgleich herbeizuführen, sogar Stellen, die dem Reichskanzler sehr nah« stehen. Damit hatte die Haltung der Streikenden nur neue Festigkeit erhalten. Aus der Provinz hatte eine ganze Reihe von kleinen und kleinsten Blättern ihre Zustimmung gesandt. Auch die ausländische Presse halt« vielfache ZuRmmungserkläruugen gesandt, besonders englische Blätter. Die Stimmung war daher „feit". Präsident Stolberg hatte am Morgen den Vorschlag gemacht, beide Teile sollte» miteinander in Gegenwart des Präsidenten Erklärungen austauschen. Diesen Vorschlag hielt der Präsident nachher, nach Rücksprache mit anderen Parlamentariem nicht aufrecht. Dafür wurde vorgeschlagen, dir Preffe solle ihr Bedauern über die Borkommniffe auf der Tribüne a»S- drücken, dann werde der Abg. Gröber seine Aeußerung mit dem Ausdruck deS Bedauern- zurücknehmen. Dieser Vorschlag wurde von der Journalistenversamm- lung nach längerer Debatte, in der besonders die jungen und jüngstrnLeutrdas größte Wort hatten, abgelehnt und zwar mit 82 gegen 2 Stimmen. Die Versammlung war der Meinung, daß eine Richtberücksichtigung der Reichstagsverhandlungen durch die Preffe bet den bevorstehenden großrnBülow reden am kommenden Montag zum Etat des auswärtigen Amtes die Regierung zwingen werde, einen Druck aufdasHaus auszuüben. Daß in dieser Richtung Versuche gemacht worden sind, ist zweifellos. Es herrschte die Auffassung vor, daß die Zeit dis zum Montag hinreichen würde, um durch das Eingreifen der Regierung eine Erledigung der Sache herbeizu- führen.
Von unserem parlamentarischen Mitarbeiter gehen uns folgende Ausführungen ju: Seit einer ganzen Reihe von Sitzungen bereits hat man in den Kreisen der Abgeordneten .bemerkt, daß von der Journalistentribüne aus
recht unpassende und höhnische Zwischen- rufe gemacht wurden, daß auf der Tribüne wiederholt schon ein Lärm entstand, der die Verhandlungen direkt störte. Besucher der nebenan liegenden allgemeinen Tribüne haben oft schon gegenüber Abgeordneten ihrer Verwunderunc, Ausdruck verliehen, daß man einen solchen Lärm dulde. Die Zwischenruse usw. richteten sich in erster Linie gegen Zentrumsabgeordnete; so is z. B. der Abg. Erzberger bei der Beratung des Militäretats in geradezu beleidigender 'Weise unterbrochen worden. Ein jüngerer Journalist schlug mit beiden Fäusten aus den Schreibtisch, als um 6 Uhr dieser Abgeordnete das Wor erhielt. Dem Abg.' Gröber ging es in der letzten Woche ähnlich, als er in der Abendsitzung feinen Antrag auf Gewährung der Veteranenbeihilse in musterhafter Weise begründete. Da gestattete sich derselbe Journalist einen ganz ungehörigen Zwischenruf, der leider vom amthrenben Vizepräsidenten Kämpf nicht gerügt worden war. Am Donnerstag wiederholten sich diese Unterbrechungen in der bekannten Weise.
Nun haben wir den Streik; man will den Reichstag zwingen, nachrugeben. Kann sich das der Reichstag bieten lassen? Steht denn das Parlament unter der Herrschaft von 50 bis 80 Berichterstattern? Das ist eine Frage, zu der sich die Sache jetzt znspitzt. Die Berichterstatter, die ihre oft recht unartigen Glossen gegenüber jedem Redner machen, fühlen sich als die Herren und sind furchtbar zimperlich, wenn man über einen von ihnen feine Meinung sagt. Dabei geniert es z. B. den Berichterstatter der Deutschen Tagesztg/ nicht, von dem ,.grellen Meckern des Abg. Erzberger" zu schreiben, und andere „feinere" Blätter bringen gegen Zentrums-Abgeordnete noch beleidigendere Angriffe. Das alles soll sich der Reichstag gefallen lassen. Aber eine derbe Zurechtweisung an einzelne unartige Berichterstatter, das ist ein Staatsverbrechen, das nur mit dem Streik gesühnt werden kann. So lächerlich!
Der unmutige Zwischenruf, den der Abg. Gröber machte, war nicht für weitere Kreise bestimmt. Der Abg. Dr. Paasche, der nur ein n Meter von Gröber entfernt faß, hat die Bemerkung nicht gehört, die Abgg. Kalkhofs und Dr. Spahn, die neben und hinter Gröber saßen, hörten sie auch nicht. Es handelt sich somit nur um eine private Bemerkung, die der Abg. Gröber mehr für sich als für die Oeffentlichkeit machte; auch der vor dem Abg. Gröber auf der Tribüne stehende Abg. Erzberger hat den Zwischenruf nicht gehört. Gehört hatte ihn aber der Abg. Müller-Meiningen, der nichts eiligeres zu tun hatte, als ihn sofort bei den Journalisten weiter zu kolportieren, das ist derselbe Abg. Müller-Meiningen, der einmal pathetisch im Reichstage ausrief:
„Der größte Schuft im ganzen Land, Das ist und bleibt der Denunziant."
Es ist eine ungeheuerliche Uebertreibung, wenn eS heißt. Gröber habe den Stand der Journalisten beleidigt. Das ist ihm gar nicht eingefallen und das hat er auch nicht getan. Er war selbst lange Zeit in zwei Zeitungs-Unternehmungen Mitglied des Aufstchtsrates; er ist heute noch Mitglied deS Augustinus-Vereins zur Förderung der katholischen Presse und beteiligt sich sehr eifrig an den Vereins-Versammlungen. Als Präsident des Essener Katholikentages hat er die Preffe ganz besonders gefeiert. Da kann es ihm doch nicht einfallen, die Preffe beleidigen zu wollen.
Die ganze Angelegenheit bekommt allmählich einen humoristischen Beigeschmack. Tatsächlich haben die Berliner Blätter über die Sitzungen vom Freitag und Samstag nichts berichtet; nur das offiziöse ,Wo!ff Suteau' macht eine Ausnahme; es hat einen höchst eigenartigen Bericht verfaßt, der nur die Reden des Staatssekretärs und des Referenten enthält, die Reden der Abgeordneten aber nicht. Im Reichstage selbst ist man darüber gar nicht unglücklich; man sagt sich, daß seit dem Fehlen der Journalisten eine auffallende Ruhe im Hause herrsche, obwohl es ebenso stark besetzt ist wie sonst. Man kann sich also trösten. Die Zentrumspresse zudem berichtet vor wie nach ruhig weiter. Es wird allgemein als Tatsache konstatiert, daß jetzt, wo keine Berichte in die meisten Zeitungen kommen, viel weniger geredet wird, sodaß die Verabschiedung des Etats viel schneller vor sich Acht."
Ebenfalls von einem an dem Zwischenfalle nicht beteiligten Parlamentarier stammen die folgenden Ausführungen in der ,Köln Vztg/:
»Im Reichstag« haben sich allmählich auf der Journalistentribüne Berhältniff« heransgebildet, die in keiner anderen Versammlung würden geduldet werden. Zurufe, wenn ei» den Journalisten weniger sympathischer Abgeordneter die Rednertribüne besteigt, höhnisches Lachen und ungehörige Zwischenbemerkungen >er einzelnen Ausführungen solcher Redner warm in letzter Zett geradezu an der Tagesordnung. Wie mir Abgeordnete und auch Journalisten versichern, find es einzelne Herren, welche immer wieder so un- erfteuliche Proben ihrer verfehlten Auffaffung der Journalistentätigkeit auf der Reichstagslribüne geben. Da ist es nun sehr erklärlich, wenn bei solchen Störungen von oben her unten im Saale Rufe des Unwillens ausgelöst werden, die, falls sie oben verlanden werden, nicht angenehm in die Ohren klingen; erst recht nicht angenehm klinaen. wenn ein Herr, der
sich seinerseits nichts vorzuwersen hat, der irrtümtichen Auffaffung ist, ein solcher Zuruf sei an die Allgemein- hett der Journalisten gerichtet.
Daß eine solche Auffassung überhaupt bei ruhigen, eifrigen und pflichtbewußten Herren da oben Platz greifen kann, erklärt sich aus der Nervosität, die eine natürliche Folge der häufig über das zulässige Maß hinausgehenden Anforderungen ist, die der Journalistenberuf an seine Vertreter stellt. Lasse ich diesen Milderungsgrund für die Journalisten gelten, so beanspruche ich ihn anderseits aber auch voll und ganz für die Abgeordneten, die bei solchen absichtlichen Störungen durch einzelne Journalisten einmal zu einem derben Ausdruck greifen. Ganz besonders aber nehme ich ihn in Anspruch für einen Mann von so unermüdlichem Schaffensdrang, so rastloser Hingebung an seinen Beruf, so jede Minute ausnutzender und keine Schonung kennender Pflichttreue, wie der ganze Reichstag sie an Herrn Gröber bewundert.
Schon die Fassung zeigt, daß Herr Gröber dabei nicht an die Gesamtheit der Journalisten gedacht hat. Die Presse gibt auch selbst zu, daß der Aus- druck nicht verstanden worden ist. Es bedurfte vielmehr der „Denunziation" bei den Journalisten durch einen eilfertigen Abgeordneten, um den Ausdruck zur Kenntnis derselben zu bringen. Was würde man in dem umgekehrten Falle sagen, wenn ein Journalist eine der vielen Bemerkungen, die auf der Journalistentribüne über die Redner fallen, diesen hinterbrächte?
Es handelt sich hier um Unarten einzelner Standes- mitglieder. Solange aber ein falsches Solidaritätsgefühl die Journalisten umfaßt, solange nicht diese Unart einzelner von der Gesamtheit mißbilligt werden, kann man von dem Abg. Gröber nicht verlangen, daß er einseitig seiner privaten Aeußerung eine Erklärung an die Gesamtheit der Journalisten anfüge."
Deutsches Reich.
* Die Münznovelle, die am Samstag dem Reichstag zugegangen ist, enthält keine besondere Bestimmung über di« jForm des Fünfrmdzwanzig- pfennigstückes. lieber diese Form wird der Bundesrat erst dann beschließen, wenn die Vorlage vom Reichstage angenommen sein wird.
a. Zur zweiten Beratung des Hebammen- gefetzes int Abgeordnetenhause, welche am nächsten Montag flatlfindet, beantragen die Abgg. Dr. Heisig und Gknofsen (Ztr.) folgende Resolution: Die Königliche Staatsregierung zu ersuchen, dahin zu wirken, daß den Hebammen alle Gebühren und Auslagen, welche wegen Mittellosigkeit der Wöchnerinnen nicht beigelrteben werden können, aus öffentlichen Mitteln ersetzt werden.
* Ei» Steueivorschlag. In der »Deutschen Tageszeitung" macht der Reichstagsabgeordnete von Gersdorf den Vorschlag, den Konsum in de« Restaurants zu einer ©teuer heranmziehen. En will mit dieser Steuer nicht die Restaurationsinr Haber, sondern wie er sagt, die Konsumenten belasten und derrkt sich die Steuer als eine Quittungs- steuer. Nach seiner Meinung müßte jeder Inhaber eines Restaurants gesetzlich gehalten fein, von der Steuerbehörde steueramtlich abgestempelte Quittungsformulare zu erwerben und nur gegen solche Speisen, Getränke usw. zu verabfolgen. Der Verbrauch bis zu 1,50 Mk. müßte von der Steuer frei bleiben, der von 1,50 Mk. bis 5 Mk. wäre mit 10 Pf., der von 5 bis 10 Mk. bis 50 Pfg. und über 10 Mk. mit einer Mark zu besteuern. Wir geben diesen Vorschlag nur der Kuriosität halber wieder; daß er nicht diskutabel ist, liegt auf der Hand.
* Darmstadt, 20. März 1908. In der heutigen Sitzung der Zweiten Kammer wurde, wie schon kurz berichtet, der Antrag Ulrich (Soz.) und Gen. betr. Verweigerung weiterer staatlicher Zuschüsse an die Religionsgemein- schäften beraten. Abg. Dr. David (Soz.), der den Antrag begründete, wollte die historischen Rechtsansprüche der Kirchen nicht anerkennen. Die heutige finanzielle Verauickung von Staat und Kirche fei unhaltbar und den eigenen Interessen der Kirche schädlich. M o l t h a n (Ztr.) wies die historischen Rechtsansprüche der katholischen Kirche aus der Säkularisation und bestehenden Verträgen nach. Eigenartig müsse bei dieser Frage die „Fürsorge" der Sozialisten für die Interessen der Kirche berühren angesichts der Stellungnahme der ozialistischen Literatur und Presse zu allen kirch» ichen Angelegenheiten. Die historischen Beziehungen zwischen Staat und Kirche seien so enge, daß, ganz abgesehen von der Rechtslage, ein friedliches Einvernehmen dringend geboten sei. Abg. U eb el (Ztr.) ergänzt diese Darlegungen. Der Minister des Innern Dr. Braun erklärt den Antrag für völlig undiskutabel. Für die Negierung liege keine Veranlassung vor, an den bestehenden Der- hästnissen das Mindeste zu ändern. Ein Teil der staatlichen Zuschüsse an die Kirchen beruhe zweifellos auf historischen Rechten. Wohl könne man im Einverständnis mit denselben einer Ablösung näher treten. Aber eine Verweigerung des Staatszuschusses im Sinne der Antragsteller fei weder im staatlichen Interesse noch irgendwie berechtigt. Die Abgg. Dr. Gutfleisch (Freis.) und Hauck fBauernbund) lehnten gleichfalls den Antrag ab. Abg. Bähr (Bauernbd.) erklärt, solange Hessen noch ein christlicher Staat sei, müsse man den Wünschen der Sozialdemokratie mit ^Nachdruck entgegentreten. Nach weiteren Ausführungen Davids stellt Abg. Dr. Schmitt (Ztr.) nochmals die Rechtslage fest unter einem Rückblick auf die durch die Säkularisation zwischen dein Staat und der Kirche geschaffenen Verhältnisse. Es entspreche zwar den fozialistischen Anschauungen über das Eigentumsrecht, solch radikale Forderungen zu erheben, aber eine Mehrheit in der hessischen Volksvertretung werde für sie nicht zu erzielen fein. Der Antrag wurde schließ- lich mit allen gegen die Stimmen der Sozial- demkraten abgelehnt.
Wksmchchaftlichks und Sniialtg.
• Tcr Zentralverband christlicher Holzarbeiter. Deutschlands (Geschäftsstelle Köln) hat im Jahre, 1907 an innerer Festigung bedeutend gewonnen.' Die Gesamteinnahmen betrugen im Jahre 1907 428 665,11 c4t, die Ausgaben 243 910,09 M. Den Hanptanteil der Ausgaben, 113 015,56 <At, verschlang die Durchführung von Lohnkämpfen und die Unterstützung von gemaßregelten Mitgliedern. Au arbeitslose und auf der Reise befindliche Mitglieder wurden 14 946,14 an Unterstützung verausgabt. Tie Umzugs-Unterstützung ist in den Ausgaben mit 2 258,00 M verzeichnet, die Unterstützung an erkrankte Mitglieder mit 12 521,05 Der Zentralverband christlicher Holzarbeiter Deutschlands ist die einzige deutsche Solzarbeiterorganisation, welche im Jahre 1907, träfe mancher ungünstig einwirkenden Verhältnisse , eine nennenswerte Mitgliederzunahme zu verzeichnen hatte. Zahlstellen und Vertrauens- schaften besitzt der Verband in über 430 deutschen Städten. Die 5. ordentliche Generalversammlung findet vom 28. Juni bis 1. Juli in München statt.
Ausland.
* In Brünn führten gestern anläßlich der Jahresversammlung beS katholischen Vereins tschechische Bauern wüste Szenen auf gegen bU Sozialdemokraten und die Nationalsozialen. Geistliche wurden mit Stöcken ge<: schlagen. Auf einem großen Platze hielten di« sozialdemokratischen Abgeordneten Hybesch und Waniek Ansprachen. Die Polizei schritt ein, worauf sich die Demonstranten zerstreuten.
* Einen wichtigen Schritt zur Demokratisierung der Rechtspflege hat der französische Justizminister Briand getan, indem er in der Deputiertenkammer am Freitag einen Gesetzen^ routf einbrachte, der den Geschworenen die Be^ fugnis verleiht, bei der Beratung über! Strafart und Strafmaß mitzuwirken.
* Eine französische Lex Heintze. Die Depu«' tiertenkammer nahm am Freitag einen vom Senat bereits beschlossenen Gesetzentwurf gegen die Verletzung der guten Sitten durch Veröffentlichungen unsittlichen Inhalts an.
* Marokko. Eine sensationell« Nachricht, die fall- sie auf Wahrheit beruht, eine schwere Niederlage der Schaujastämme bedeuten würde, bringt der Matin. Der Spezialkorrespoudent des genannten Blattes meldet aus Dar Uled Fatima vorn 15. ‘ März, daß in dem an diesem Tage stattgehabten! Kamps« mehrere Feldlager der Schaujastämme aufs eine Entfernung von drei Kilometer mit Shrapuells zusammengeschoffen wurden und dabei 1500 Maro, taner, darunter Weiber und Kinder getötet worden seien. — Diese Verlustziffer scheint aber stark übertrieben zu fein. Nach dem Bericht beS französischen Generals d'Amade sollen die ftanzösischen Verluste in dem Kampf sehr gering gewesen fein, Die Zahl der gefallenen Feinde gibt er jedoch nicht an.
Ans Kirche und Schule.
= Lehnerz, 23. März 1908. Die Verhandlungen über die Gründung einer eigenen Schule in Lehnerz sind nun zu Ende geführt und haben das erfreuliche Resultat gezeitigt, daß die Schule bereits mit Ostern d. I. eröffnet wird. AlS Schul« lokal ist ein geeigneter Raum im Gasthause zum Leipzigerhof gemietet worden. Die Stelle wird vorerst mit einer Lehrerin besetzt. Bekanntlich beschulte Lehnerz bisher teilweise nach Riesig, Petersberg und Dietershan.
Dietershan, 23. März 1908. Der Schulvorstand des hiesigen Gesamtschulverbandes fetzt sich zusammen auS dem Bürgermeister Herrn Goeb als Vorsitzenden und den Herren Dom« pfarrer Schmelz-Fulda, Lehrer Reinhard, Förster Stein und Ortsbürger Jordan.
X Hilders, 22. März 1908. Die zweit» Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Wüstensachsen, Kreis Gersfeld, ist anderweitig zu besetzen. DaS Grundgehalt derselben beträgt 1200 Mk. und der Einheitssatz der Alterszulage 120 Mk. An Mietsentschäoigung werden 120 Mk. gezahlt. Meldungsgesuche mit den erforderlichen Zeugnissen sind als halb an den Kgl. Kreisschulinspektor, Herrn Pfarrer Breitung zu Hilders, einzureichen.
" zeilmmsiWtMrsmmlNg in Fnldn.
Es war erhebend zu sehen, in welch großer Zahl die Zentrumswähler gestern trotz des lockenden Frühlingswetters dem Rufe der Parteileitung gefolgt und in das GesellenhauS geeilt waren. Der Saal war dicht gefüllt und roaS besonders erfreulich war, alle Stände der Bürgerschaft waren vertreten. Diese freudige Bereitwilligkeit der Wähler, die Einmütigkeit, die sie in der Versammlung bekundeten, die Begeisterung für die glorreiche Sache des Zentrums, von der sichtlich alle erfüllt waren, und die noch gehoben wurde durch die wirkungsvollen Ausführungen )er Redner, sind eine Gewähr dafür, daß auch bei den bevorstehenden Landtagswahlen die Zentrumswähler eines Sinnes in den Kampf ziehen und, soweit man das bei dem verrosteten Wahl- ystem erwarten kann, alles tun, um neuen Ruhm an die alten Fahnen des Zentrums zu heften.