35. Jahrqanq.
Fulda, Samstag den 21. März 1908,
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werb-tätige Vater im Familienkreise gemütlich zubringen will, mit Zänkerei und Aerger erfüllt. Der Vater soll der Strafrichter sein, aber die Mutier muß die Friedensrichterin sein, welch« Kleinigkeiten im schiedsrichterlichen Verfahren kurz und klug abmacht. Wo fortwährend gescholten und gestraft wird, da härtet sich Haut und Her; bis zur Unempfindlichkeit ab. Selten strafen, aber dann ernst und eindringlich — nach besonnener Abwägung aller Umstände.
Den längsten Titel im preußischen Ministerium führt der „Minister für geistliche, Unterrichtsund Medizinal-Angelegenheiten". Der Leiter dieses Kleeblattes wird gewöhnlich kurzweg Kultusminister genannt. Im häuslichen Leben könnte man Erziehungs-Ministerium sagen. Und der eigentliche Erziehungsministec ist die Mutter. Bei allem väterlichen Selbstbewußtsein dürfen wir uns doch nicht verhehlen, daß der Vater auf die Erziehung der Kinder viel weniger Einfluß hat, als die Mutter. Die Erziehung ist Mosaikaröeit; die Unmaste von all' den kleinen Einwirkungen auf Leib und Seele, welche die Kinderstube in einem fort erfordert, fällt der rastlosen Pflegerin zu. Der Vater setzt Wohl hier und dort noch einen Punkt auf das t; aber das Abc der Erziehung schreibt die Mutter nach und nach mit ihrem warmen Herzblut. Der Vater soll dies« ungeheuer wertvolle Kleinarbeit zu schätzen wisten und zu unterstützen suchen. Vor allem soll er sich hüten, irgendwie störend und schädigend einzngreifen, sei es durch ein unpastendes Wort oder durch einen Zornesausbruch oder durch sonst ein anstößiges Benehmen. Das böse Beispiel des Vaters verdirbt die besten Lehren der Mutter. Andererseits muß der Vater ratend und helfend eingreifen, wenn er sieht, daß die schwere Erziehungsarbeit der Mutter nicht recht gelingen will^datz die Kinder verzärtelt werden oder daß dre Mur- ter launisch verfährt. Doch soll man dre Kinder von den Meinungsverschiedenheiten, der Ettern nichts merken lassen. Wenn der eine ®^*cber gaiien den andern arbeitet, geht bet den Kinder«
Rosenkranz als einem Leitseil ähnlich sehen. Er glaubt zu regieren und wird regiertl Das schadet auch nicht, wenn nur beide Teile vernünftig und brav sind. Dann wird aus dem Wetteifer ein friedliches und fruchtbares Zusammenarbeiten zum gemeinsamen Besten der Eltern und der Kinder.
Wenn wir bei dem Vergleich zwischen Familie und Staat bleiben wollen, so können wir bei den einzelnen Ministerien das richtige Verhältnis der väterlichen und der mütterlichen Tätigkeit betrachten.
Da ist zunächst das häusliche Ministerium des Auswärtigen, das dem Manne gebührt. Demgegenüber steht das Ministerium des I n- nern, das die Frau in Anspruch nimmt. Die Vertretung der Familie nach außen hin steht in der Tat dem Manne besser an, als der zarten Frau, deren Würde und Empfindlichkeit nicht den unvermeidlichen Reibungen und Stürmen ausgesetzt werden soll. Das Ministerium des Aus- wärtigen hängt eng zusammen mit dem Ministerium des K r i e g e s. Es gibt Zusammenstöße in Geschäfts- und Berufsangelegenheiten, in Ehrensachen, in Rechtsfragen usw. Da muß der robuste Teil vorangehen. Er muß ausfechten, was sich nicht gemütlich ordnen lassen will. Tie Frau, welche sich in Streitigkeiten keifend und hetzend vordrängen wollte, würde einen sehr schlechten Eindruck machen. Dagegen paßt nichts besser für die edle Weiblichkeit, als die Rolle des Friedens- engels. Die Frau, welche besänftigend, mildernd, vermittelnd eingreift mit gemütlicher Klugheit, verdient sich Dank und Ehre. Auch die heißsporni- gen Männer werden dann schließlich sagen: „Wad kein Verstand der Verständigen sieht, das ahnet und findet ein weiblich Gemüt." Der kluge Minister des Innern wird den Minister des Auswärtigen und des Krieges schon so zu beeinflussen wissen, daß er nicht zu eigenmächiig vorgeht.,,
Ter Minister des Auswärtigen hat zu repräsentieren. O, lasset ja dem Hausvater das Bewußtsein, daß er das Ansehen der Familie nach
Aufstände nicht recht glaubte und die Niederwerf« ung des damaligen Aufstandes für die nächst« Zukunft voraussah, darum war das Zentrum« das im Hinblick auf die traurige Finanzlag« einen Abstrich im Militärpostulat für Südwest- afrika vornehmen und dem deutschen Volke Millionen ersparen wollte, ein Verächter des mW tärischen Oberkommandos, es war „anttnatronal und wurde wild befehdet. Es zog wieder unge- schwächt, ja angesichts des bestandenen Kamp es bedeutend gestärkt, in den Reichstag ein, dort aber fiel inzwischen Schlag auf Schlag gegen dre Block- konfession und ihre Irrlehren, Schlag auf Schlag gegen die Bülow und Dernburg, schlag auf Schlag gegen ihre Anhänger, dre wrr heut« als bekehrte Sünder vor unS sehen.
Selbst die Hauptlieblinge des Reichskanzlers, die „ganz Nationalen", die Nationallibera.ew glauben nicht mehr, sie mäkeln an, den militari- scheu Forderungen für Südwestafrika, verlangen bedeutende Abstriche und sprechen es offen aus, an die Möglichkeit eines Aufstandes sei nicht mehr zu glauben. In der Budgetkommission sprach es der Nationalliberale S e m l e r unumwunden aus, ein „antinationaler" Zentrumsmann halft es nicht nachdrücklicher tun können. Der Unterschied ist nur der, daß die „Partei der Gescheiteren" vieleMonate mehr dazu gebraucht hat, einen vernünftigen, der Sachlage und bett — Reichsfinanzen entsprechenden Standpunkt einznnehmen.
Bei der Verhandlung im Plenum dasselbe, Bild. Kein Widerspruch, als der Referent Sem-, ler betonte, die jetzige Reduzierung der Truppen, bedeute keinen Eingriff in die Kommandogewalt des Kaisers. Nun, am 13. Dezember 1906 lag die Sache nicht anders. Auch damals schon war dec Aufstand beendet. Aber damals waren dit Abstriche an der Truppenzahl „Eingriff« in du Kommandogewalt des Kaisers." Der „nationale Rummel verlangte das sol . t
Weiter noch als die kurierten „Nationalen ging Dernbürg. Bei der Beratung des Kolonialetats versprach er größere Stabilität in der Verwaltung, lehnte Brutalität und Herrentum für unsere Kolonien ab. Er verlangte von den Farmern Loyalität und Gerechtigkeit den Eingeborenen und dem Reiche gegenüber, anerkannt« die segensreiche Wirksamkeit der Missionen. Mit, Nachdruck versicherte Dernburg die Schwarzen tote, die Weißen in den Kolonien seiner leidenschaftslosen Gerechtigkeitsliebe.
Eisig schwiegen die Nationalliberalen zu soll chen Tönen und die Freisinnigen schauten sich sehr verdutzt um. Nun denke man sich in di« Tezembertagung des Jahres 1906 zurück. Wie hat sich das Bild, wie haben sich die Zeiten geändert l Dernburg erschien in der Glorie deS Helden unter den Fanfaren der liberalen Press« und von ganz Alldeutschland. Und heute? Man fühlt überall den Groll der Begeisterten von damals heraus über die von Dernburg mit der einst so gefeierten „Rücksichtslosigkeit" eingeschlagene Richtung, die ihnen so gar nicht gefällt. Ternburgs Gedanken über Eingeborenenpolitik, über die Notwendigkeit einer rücksichtsvollen Behandlung der Neger, über die Wertschätzung der indischen Zwischenhändler in Deusch-Ostafrik- und ähnliche Ansichten finden ganz und gar nicht den Beifall Alldeutschlands. Aber gerade diese- von den „nationalen" Vorkämpfern der Kolonialpolitik so heftig angefochtene Programm Dern- bnrgs erfreut sich des lebhaftesten Beifalls auf Seiten des Zentrums.
Das Zentrum kann heute mit Genugtuung feststellen, daß die Blockleute ihre bisherigen Götzen verbrennen und soweit sie sie noch anbeten, Dernburg sie ihnen zertrümmert. Wir aber begrüßen die kurierten Politiker freundlichst als bekehrte Sünder.
£ Vetehrtr Sünder.
Im politischen Katechismus des Bülowblocks steht die Frage: „Wann ist eine Partei antinational?" Und die Gläubigen des Älockbekennt- nisses antworten: „Wer nicht an die Unfehlbarkeit der militärischen Sachverständigen in der Reichsregierung glaubt, wer ihren Anschauungen über die Notwendigkeit großer Militärlasten in den Kolonien nicht unbedingt beipflichtet, wer die Lag« mit andern Augen ansieht, der ist antinational."
Darum war das Zentrum, dem,, die Berechnungen der Heeresnotwendigkeit für Südwestafrika nicht zu stimmen schienen, das an neue
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Carl Schütte:
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Verlag der Zuldaer Ak« siendruckerei in Zuld« Monatsbeilage: „gulbaer Eeschlchtrblatter Hernsprecher Nr. 9.
Präsidenten in heftiger Weise an. Der Angriff des alten Ministerpräsidenten auf den neuen wurde als Sturmeszeichen viel beachtet und man glaubte bereits den Tag bestimmen zu können, da Elemenceau abtreten werde. Inzwischen aber hat sich die Stellung des Ministerpräsidenten gefertigt und zwar verdankt er dies einem allzu ungeschickten Angriff in der Kammer, der von dem mit Eombes Verbündeten Berteaux aus ging. In der Kammer wurde eine Gesetzesvorlage beraten, die eine politische Amnestie zum Inhalt, hatte. Berteaux wollte nun, daß von der Amnestie auch die Antipatrioten und Beamten, die sich der Re- Volte im Süden angeschlossen hatten, getroffen werden sollten. Elemenceau widersprach dem, er stellte di« Vertrauensfrage und siegte mit großer Majorität. Vorläufig ist damit das Kabinett wieder einmal gerettet. Für die französischen Katho- liken ist es ziemlich gleichgültigt, ob Elemenceau oder Eombes die Geschicke Frankreichs lenkt, denn an kulturkämpferischem Geiste gibt das Kabinett Elemenceau mit Briand dem alten Eombes nichts nach.
Aus Marokko kamen Nachrichten, daß General d' Amade mehrere Siege errungen und Mulay Hafid bereit fei, sich seinem Bruder Abdul Asis und den Franzosen zu unterwerfen. Tie Lage in Marokko sollte nach diesen Nachrichten erheblich besser und ruhiger geworden sein. Diese Meldungen indes kamen aus französischer Quelle und waren sonach von vornherein kritisch aufzu- nehmen. Wie sich jetzt herausstellt. wächst die Unruhe unter den Marokkanern durch die andauernden Angriffe und Ausschreitungen der Franzosen mit jedem Tage. Mulay Hafid hat nicht die geringste Lust sich zu unterwerfen; er hat an den französischen Oberbefehlshaber ein Schreiben gerichtet, das keineswegs unterwürfig gehalten ist; er erwartet darin Frankreichs Vorschläge bezüglich einer gütlichen Einigung, damit er sein Verhalten danach einrichten könne. Eine Antwort von feiten der Franzosen ist noch nichl erfolgt, sie wird auch jedenfalls nicht so ausfallen, daß Mulay Hafid mit ihr zufrieden sein könnte. Denn den Franzosen kommt es darauf an, allmählich Marokko ganz unter ihre Herr- schäft zu bringen, und um ein solches Ziel zu erreichen, ist die bisher beobachtete Angriffspolitrk das beste Mittel.
Auf Haiti hat die Regierung zu aufsehenerregenden Maßnahmen gegriffen. 12 Personen, die beschuldigt wurden, eine Verschwörung gegen die Reierung angezettelt zu haben, wurden nachts gefangen genommen und ohne Urteil erschossen. Da die Sicherheit der Fremden bedroht schien, haben Deutschland, England und Frankreich Kriegsschiffe nach Haiti entsandt.
Der Zwischenfall zwischen China und Japan wegen der Beschlagnahme des japanischen Dampfers Tazumaru ist dadurch erledigt worden, daß die chinesische Negierung auf die japanischen Forderungen eingegangen ist.
Unpolitische Zeitliinse.
(n) Berlin, 19. Mär, 1908.
(Nachdruck verboten.)
I Wer Joseph heißt, soll seinen Glückwunsch vorweg bekommen. Dann wollen wir heute,, am Tage des bevorzugtesten aller irdischen Hausväter, von der Würde und Bürde des Familienoberhauptes reden.
Der Vater wird als der König im kleinen häuslichen Reich bezeichnet. Ein berühmter Monarch hat einmal gesagt, der König sei der erfte Diener des Staates. Mit noch viel mehr Recht kann man sagen: Der Vater ist der erste Diener der Familie. Die Herrschaft, die auf seine Schultern gelegt ist, bedeutet Arbeit, Sorge, Opfer.
Die emanzipierten Vorkämpferinnen der modernen Frauenbewegnug wollen von der sogen. Herrschaft des Mannes und dem „Vaterrecht" nichts mehr wissen. Sie schreien nach Gleichberechtigung. Wenn ihren Wünschen nachgegeben würde, so würde die Hausfrau und Mutter den Sckaden davon haben. Denn alsdann würde auf ihre Schultern auch noch diejenige Portion von häuslichen Lasten fallen, di« bisher der Mann getragen hat. Tie Frauen würden dann ge- wifsecmaßen W itwen schon bei Lebzeiten des „ausgeschalteten" Mannes. Die Witwe hat keinen „Herrn" über sich, aber auch keinen Hort und Helfer neben sich.
Laßt doch den Vater Hauskönig spielen. Es ist wirklich keine absolute Monarchie, sondern ein parlamentarisches Regierungssystem. Die wackere Hausfrau stellt das Parlament dar. Und wie in mondben Ländern das Parlament mehr zu sagen hat, als das gekrönte Staatsoberhaupt, so weiß die „schwache Hand" der tüchtigen Frau di« Zügel der Herrschaft sehr recht zu erfassen und zielbe- wiißt zu führen. Am besten ist es, wenn der Mann es gar nicht merkt. Man kann ja die Lugel so hübsch umwickeln, daß sie mehr einem
August tteichemperger.
Morgen jährt sich zum hundertsteii Male August Reichenspergers Geburtstag.
Reichensperger? Wer ist er? — fragt mancher aus dem gegnerischen Lager. Uns aber ist er bekannt als der hervorragende Jurist, der erfolgreiche Publizist, der angesehene Parlamentarier. Die beiden Brüder Peter und August Neichensperger bleiben im katholischen Volke unvergessen; — der größere von ihnen war August Neichensperger.
Sein höchstes Lob ist, daß man von ihm in besonderer Weise sagen kann: er war ein gerechter Mann. Mächtig erfaßte den jüngeren Juristen die Verhaftung des Kölner Erzbischofs
im Mischehenstreif, und sofort stellte er sich m die ersten Reihen der Streiter für das Recht. Vom Geiste Görres geleitet, ergriff er in Bort und Schrift für den gefangenen Erzbischof Partei. Mehr noch trug ihn das Jahr 1848 an die Cef» fentlichkeit; drei Mandate fielen 'hm , zu. für den preußischen Landtag, für, die 3'1"^ Nationalversammlung und für die frankfurter Nationalversammlung. In letzterer sicherte er sich eine bedeutende Stellung; er schloß sich der „Kasinopartei" an, die die Revolution entschieden bekämpfte, aber für einen gesunden Fortschritt und die Volksrechte nicht minder emtrat. Als echter Rheinländer war er auch Grogdeutscher und hielt am 24. Oktober 1848 eine maßvolle Rede gegen den Ausschluß von Oesterreicy. Auch im Frankfurter Volksfreund bekannte,er sich zur großdeutschen Partei, obwohl er gar meqt modern „national" war. Im Jahre 1851 trat er in den preußischen Landtag ein und nahm hervorragenden Anteil an der Gründung der „katholischen Fraktion", die nach ihrem Führer stets „Fraktion Reichensperger" genannt wurde. Hier kämpfte er unermüdlich für die Freiheit der Kirche, die Gleichberechtigung der Kaufest wnen und für die christlich« Volkserziehung und manch schöner Erfolg war ihm beschieden, bis er ISbd aus dem parlamentarischen Leben ausschied und sich in Köln schriftstellerischen Arbeiten w-dmete.
Die Ereignisse des Jahres 1870 riefen ihn wieder auf den Plan. An der Gründung des preußischen Zentrums als politischer Par.el nahm er hervorragenden Anteil und nicht minder an der • des Reichsfagszenfrums. Wahlaufruf und Statuten des Zentrums sind sein Werk. Der Kulturkampf und die preußischen Gesetze nahmen ihn ganz in Anspruch. Als, die Wellen des Kulturkampfes sich verliefen, schied er 1885 infolge schwerer Erkrankung aus dem parlamentarischen Leben, um noch ein volles Jahrzehnt die verdiente Ruh« genießen zu können. Das katholisch« Deutschland bereitete ihm die Genug- tuung, daß er im Jahre 1894 auf dem Kölner Katholikentag Ehrenpräsident wurde, wo er mit dem Satz schloß, daß die Stärke der deutschen Katholiken in ihrer Einigkeit beruhe.
Reichensperger hat als Parlamentarier Großes geleistet; seine Ideen sind für das Zentrum heute noch maßgebend; ein durchaus nationaler Mann, ein Patriot vom Scheitel bis zur Sohle, trat er ein für geordnete staatliche Freiheit, für Freiheit der Kirche, für die christliche Volksschule, für Parität, für freies Recht für jedermann, für die soziale Wohlfahrt und besonders für Sparsamkeit in den öffentlichen Ausgaben.
Reichensperger ist einer der größten im deut- scheu Reiche gewesen, uns war er mehr: ein Führer und Freimd, ein Pfadfinder und Lichtträger. Sein Andenken wird,von uns stets hoch- gehalten werden. Er hat gestritten um die Wahrheit und uns die Freiheit und das Recht erkämpft.
außen zu vertreten hat! Diese ehrenvolle Ausgabe wirkt erzieherisch. Das Jamilienoberh.iupt nimmt sich zusammen; er hält sich ordentlich, nüchtern, fleißig, treu und bieder, damit er seinem Hause keine Schande mache. Und von dem hans- väterlichen Ehrgefühl profitiert auch die Frau; denn er wird die Zierde seines Hauses schätzen und pflegen.
Tas Finanzministerium ist eine sehr wichtige Behörde. In der häuslichen Wirtschaft ergibt sich ohne weiteres als beste Arbeitsteilung: der Mann erwirbt, die Frau verwaltet und verwertet das Erworbene. Er sorgt für die nötigen Einnahmen und sie regelt die Ausgaben nebst der angemessenen Rücklage. Wehe dem Hanse, wo der Mann im Erwerben lässig und die Fran im Verbrauchen leichtsinnig ist! Wohl dem House, wo er unverdrossen schafft und fi« vernünftig spart! Tie Erwerbstätigkeit des Mannes kostet Schweiß und SAvielen; entweder Schwielen an den Händen oder Schwielen im Gehirn. Aber diese Bürde seiner väterlichen Würde wird ihm leicht, wenn er die schönen Früchte seiner Arbeit sieht: ein nettes, gemütliches Heim, einen nahrhaften Familientisch, eine liebliche Hausmutter, aufblühende Kinder, geordnetes Auskommen. Da schafft und wirkt der Vater mit frohem Mute unverdrossen weiter; er weiß ja, daß auf die sauren Stunden immer wieder frohe Stunden im behaglichen Kreis« der Seiiiiaen folgen. . , .
Wie stehts beim mit dem Justizministe- r i u m? Das ist fein angenehmer Verwaltungs- zweig, aber ein notwendiger. Solange es Irrtum und Unrecht auf Erden gibt, muh eine strenge RcchKpslege eingreifen, in der kleinen Welt des Hauses, wie in der großen des Staates. In des Vaters Hand ist das rechte Strafrecht zu legen. Tie Mutter tut gut daran, wenn sie die Strafe für bedeutende Verfehlungen der Kinder dem Vater vorbehält. Aber sie tut nicht gut daran, wenn sie alle kleinen Unarten der Kinder dem Vater ins Ohr setzt, die unvermeidliche Mücke zu Elefanten aufbläst und so die Stunde, di« der er-
Wochen-Rundschau.
X Fulda, 21. März 1908.
Eine interessanteWoche liegt hinter lviis. Die innerpolitische Lage war fo verfa i , wie noch nie. Ängstliche Gemüter sahen l®on in der Ferne das Ende des Blocks drohen. Ter Anstoß zu der Erschütterung des Blocks kam nicht, wie sei Urzeit im Dezember, ans dem Plenum des Neichslags, sondern aus den Komnnstionen. Ver« einsges« tz und Börsengesetz waren die Steine im Wege. In der Börsenkommission war ein Antrag der Rechten angenommen worden, der die Regierung veranlaßte, zu erklären, daß ihr das Gesetz in dieser Fassung unannehmoar sei. Der Freisinn hatte nun aber auch vorher beim Dereinsgesetz in der ersten Kommissionslesung den Sprachenparagraph abgelehnt und dadurch die Gesahr des Scheiterns dieses Gesetzes herauf- beschworen. So stand der Blockkarren still und guter Rat war feuer. Doch Fürst Bülow kannte seinen Freisinn zu gut, als daß er die Flinte ins Korn geworfen hätte. Er wußte, daß der Freisinn seinen Rücken gern krumm beugt wie ein Flitzcbogen, wenn die Gefahr droht, die Hofgunst zu verlieren. Man suchte Wege und fand sie. Der „Kuhhandel" gelang vollständig. Nach dem Korn- promiß soll das Verbot der polnischen spräche in den Gegenden, wo % der Bevölkerung Polen sind, erst nach 20 Jahren eintreten, in allen übrigen Gebieten tritt es sofort in Kraft. Das bedeutet einen regelrechten Umfall des Freisinns, aber der Block ist gerettet. Freilich beweist der Kuhhandel ein gewisses Manko an Prinzipientreue und Charakterfestigkeit; aber auf d i e s e r Grund- läge ist ja der Block von vornherein autgebaut worden Und was die Konservativen angeht, so kann man auch i.7nen nach der Annahme des durchaus unkonservativen Enteignungsgesrtzes die größte „Opferfähigkeit" zutrauen in Sachen des Börscngesetzes.
Die Neuwahlen zum preußischen Landtage finden im Juni statt. Man hört jetzt viel von Kompromissen reden, bald soll eins nach links, bald eins nach rechts zustande kommen. Fest steht bis jetzt nur, daß Zentrum und Polen sich in Oberschlesien geeinigt haben, was wir sehr begrüßen. Das Zentrum kann so hoffen, trotz des Ansturms der Gegner, seine meisten Mandate zu
Die Duellfexe rasseln letzt schon in den Parlamenten mit dem Säbel. Im preußischen Abgeordnetenhause kam es am Montag zu einer erregten Szene zwischen dem Führer des Bundes der Landwirte, Dr. Dietrich Hahn und dem frei- sinnigen Abgeordneten Goldschmidt, die schließlich mit einer ergebnislosen Duellforderung seitens des Abg. Hahn endete. Die grimmigen Sabel- und Pisiolenmänner, die so schneidig den Ehren- kodex reiten, haben scheinbar gar kein Gefühl für die ungeheure Lächerlichkeit, der sie sich in den Augen vernünftiger Menschen aussetzen. Am meisten komisch ist dabei, daß die eklatante Verachtung eines Gesetzes in der Gesetzfabrik selbst, d. h. im Parlament, Ereignis wurde.
In Frankreich regiert der Ministerpräsident Elemenceau bereits anderthalb Jahre. Das ist für französische Verhältnisse eine sehr lange Zeit, und so ist es nicht zu verwundern, daß die zahlreichen Gegner des Ministerpräsidenten es an der Zeit erachten, ihn zu stürzen. An die Spitze der Gegner stellte sich der frühere Ministerpräsident Eombes. In einer Rede auf dem Bankett, das zu Ehren des Kammerpräsidenten Brision veranstaltet wurde, griff Eombes den Minister-