35. Jahrqanst
Fulda, Samslaq den 21. März 1908.
M 68.
Drittes Wtatt
daß Gaetano Luziano, der Student der Medizin, sein Schreiber, der Sohn Antonio Pisanis wäre, dessen Familie er in Kalabrien im Elende ver- kommen wähnte! Dennoch machte er den Versuch, die Sache zu bezweifeln, indem er ungläubig den , Kopf schüttelnd bemerkte:
„Aber Du nanntest Dich Gaetano Luziano als Du in mein Büro eintratest —"
„Ganz recht, Luziano ist der Familienname meiner Großmutter, den sie wieder annahm, als mein Vater am 9. Oktober 1867 hingerichtet wurde.
Ein Schauer machte die Glieder Basileos erbeben. Gaetano fuhr fort:
„Ja, der Unglückliche büßte seine Schuld auf dem Blutgerüste, während Du, ehrloser Spitz- bube, seinen Raubanteil in die Tasche stecktest, Deinen Schwur brechend. Die Räuberehre, welche darin besteht, daß ein Genosse dem andern daS verpfändete Wort hält, diese Räuberehre mangelt Dir sogar, heimtückischer Schuft! Aber wohin verirre ich mich! Dir Vorwürfe zu machen, verlohnt wahrlich nicht der Mühe. Noch einmal: vorwärts, begleiche Dein Konto, das Du doch endlich wohl anerkennen mußt. Solltest Du indessen doch noch Zweifel an meiner Identität hegen, dann verfüge Dich in meiner Begleitung in unsere Behausung. Meine greise Großmutter wird Dir Auskunft erteilen und Dir auch erf.or- derlichenfalls die nötigen Papiere vorlegen."
Der Notar machte eine abwehrende Bewegung, er zweifelte nicht länger.
„Also zahle!" gebot Gaetano.
„Und wo willst Du, daß ich das Geld hernehme?" stotterte Basileo zaghaft. , .
Gaetano lachte mißtönig, dann zog er einige Brechinstrumente, die in ein Tuch eingeschlagen waren, hervor und meinte kalt:
„Wenn Du Dir nicht zutraust, etwas hrer zu finden, so werde ich Dir suchen helfen: lch habe mir, dies voraussehend, die erforderlichen Jntru
Riechsalz enthielt und ließ den Ohnmächtigen den Geruch der Flüssigkeit einatmen.
Ter Kranke begann leise zu stöhnen.
„Dachte ich's doch! Es war nur ein leichter Ohnmachtsanfall," meinte Gaetano und lauter fuhr er fort: „Kommen Sie zu sich, mein verehr- ter Herr Prinzipal, Ihr Leben ist mir jetzt zu kostbar, später können Sie nach Belieben zur Hölle fahren."
Der Notar öffnete die Augen, sie waren starr, wie verglast. Er gebrauchte einen Moment, um zu klarem Bewußtsein zu gelangen, dann stam- melte er kaum verständlich:
„Wie bist Du zu diesem Papier gekommen?"
„Das ist wohl Nebensache, Hauptsache aber bleibt für mich, daß dieses Papier mir den rechtlichen Anspruch auf ein geraubtes Vermögen ver- schafft. Vorwärts, sträuben Sie sich nicht lange, es hilft Ihnen doch nichts. Sie muffen zahlen!"
,Was verlangst Du für dies Papier, das ein unglücklicher Zufall Dir in die Hand spielte und das Du Deinem Prinzipal entwendet hast?"
„Ich sagte es Ihnen ja schon: die Summe von 16500 Dukati."
Basileo lachte heiser. , .
„Du bist närrisch — für ein Papier von zwei- felhaftem Werte, das Dich garmchts angeht, willst —" .
Gaetano unterbrach den Sprecher durch eine Handbewegung, dann rief er, das Schreiben wieder zu sich steckend:
„Sie irren sich, ich brn fern Räuber und Erpresser wie Ihresgleichen; wenn ich von einem Besitztitel sprach, war ich im Rechte und ich habe die mir vorenthaltene Summe von Ihnen zu fordern, denn ich bin Antonio Pisanis, des Gerichteten einziger Sohn und Erbe!"
„Du!" schrie Basileo entsetzt, seinen Schreiber vielleicht zum erstenmal mit großer Aufmerksamkeit anblickend. Die Aehnlichkeit war allerdings eine auffallende, das mußte er sich sagen — wo hatte er nur die Augen gehabt, dies nicht gleich au sehen — freilich, wie hätte er denken können.
scheint täglich mit
Ausnahme der $omt< und Feiertage, viertel» jährliche''vezngrpretr ohne vrtngerlohn und vepeligeld in Fulda sowie auswärts 1.50 lllt.
vermitto. Redakteur: Carl Schütte;
»ESK5* roodienMioge: „Illustrierte SomitagrMng
Notar vor die Augen, jedoch in einer Weise, daß dieser sich des Papiers nicht bemächtigen konnte.
Basileo, nichts ahnend, klemmte indessen ruhig seine große Hornbrille auf die Nase und streckte den mageren Hals vor, um das geheimnisvolle Papier kennen zu lernen, auf welches hin sein närrisch gewordener Schreiber Geld von ihm erpressen wollte.
Aber schon nach dem ersten Blicke darauf wurden seine Wangen leichenfahl, die Augen schienen aus den Höhlen treten zu wollen, denn mit dem Ausdrucke starren Entsetzens blickten sie von dem Papier zu dem höhnisch lächelnden Gaetano auf.
Die zitternden Lippen wollten eine Frage aus- sprecken, die Frage: „Wie bist Du zu diesem Papier gekommen, das ich selbst vor vielen Jahren mit diesen meinen eigenen Händen vernichtet habe?" — aber kein Laut entrang sich dem Munde Basileos, er sank auf seinen Stuhl zurück, ein Schwindel hatte ihn erfaßt, alles drehte sich mit ihm im Kreise, er schloß die Augen und verlor die Besinnung. t
Gaetano blickte einen Moment auf die zusam- mengÄrochene Gestalt des Mannes, in dessen Solde stehend er lange Jahre ein Leben der Ent- behrung und voller Demütigungen geführt, des Mannes, der Pisani zu einem Verbrecher verleitet hatte, das dieser mit seinem Blute auf dem Schafott hatte bezahlen müssen, während der Hauptschuldige straflos ausgegangen war, um sich des geraubten Gutes zu erfreuen.
„Ich könnte ihn töten jetzt", murmelte er vor sich hin, „aber das wäre eine zu milde Strafe für diesen Schurken. Er soll teben, um blutige Tränen zu weinen über den Verlust feines Schatzes, das ist die größte Strafe für einen Geizigen. Auch will ich selbst mich keiner Gefahr aussetzen; ich helfe Dir jetzt, Tommaso Stoff co, aber nur, damit Du Dein Leben qualvoll, Zoll um Zoll, verlieren sollst."
Mit großer Ruhe zog der junge Mann dann ein kleine» Fläschchen hervor, das ein starkes
X Der .All Wahrmund.
Der „Fall Wahrmund" hat insofern eine Aehnlichkeit mit dem Fall Schnitzer in München, als dort wie hier ein Universitätslehrer sich gegen den neuen Syllabus des Papstes Pius X. und dessen Modernistenencyklika gewandt hat. Während sich aber Schnitzer von Beleidigungen fern hält, verhöhnt Wahrmund förmlich die ka- tbolische Lebre und zieht sie in den Staub. Was für ein „Charakter" dieser seltsame Kirckfenrechts- Professor (Wahrmund ist übrigens fein Gcistli- cher, sondern Laie) ist, geht daraus hervor daß er sich zuerst als guter Katholik und Mitglied bet Leogesellschaft aufspielte, um mit Hilfe von ein- flußreichen Freunden die Lehrkanzel für Kirchen- rechte in Innsbruck zu erhalten. Als er auf diese Weise die Professur erlangt hatte, ging er zu ' den erbittertsten Kirchenfeinden über und schmäht und beschimpft nun die Kirche, deren Recht er an der Universität lehrt! Welchen Grab diele Schmähungen erreichten, mag man beurteilen, wenn selbst ein liberales Blatt tote die „K ö l n. Zt g." schreibt:
Professor Wahrmund bat bei der Niederschrift seines Vorlrages keine glückliche Hand gehabt. Es fehlt der Broschüre zunächst allzusehr an Positimm, an greifbaren Besserungsvorschlägen; mit reiner Ver- neinung ist es nicht getan. Dann aber hat sich Wahrmund im Lause der letzten Jahre, die ihn aus einem christlich-sozialen Neichsratskandidaten zu dem e r f r r g e n Bekämpser Roms wandelten, anscheinend in em, sehr bittere Stimmung hineintreiben lasten, und übte Laune ist immer ein schlechter Berater, besonders wenn man in so weitgreifenden Fragen das Wort nimmt. So ist er dazu gelangt, nur schwär, m schwarz ,u malen und die Kirche Roms als Ausbund aller Bosheit und Schlechtigkeit zu sehen und Kleinlichkeiten zusammenzutragen. Die Darstellung bewegt sich auch mit er sichtlicher Behaglichkeit in Formen, die man beim besten Willen nichtmehralsderWürde des Gegenstandes und dem Ernst der Lag, angemessen finden kann. Was soll es für einen Eindruck machen, wenn man auf Stellen stößt, aut denen nur ätzender Spott träufelt und das starke Bestreben, zu verletzen und zu verwunden! Hier hat nicht die Liebe zu einer Sache, die man bestem möchte, die Gedanken eingegeben und die Form geprägt. Noch schlimmer muß es wirken, wenn über den Gortesbegriff, das Weltbild, den Kultus und die Moral des Katholizismus Urteile gefällt werden, die behaupten, der Katholizismus sei bloß der Theorie nach eine Religion, die nur einen Gott anerkenne, seiner praktischen Betätigung und volkstümlichen Austastung aber nach huldige er einer Bie l gölte reu Auch die Art, rote die unbefleckte Empfängnis, die Himmelfahrt Christi und Mariä und besonders daS Meßopfer und die Transsubstantiatronslehre behandelt werden, muß den gläubigen Katholiken bis auf» Blut reizen.
Man kann es verstehen, daß die katholischen Oefferreicher es sich nicht ohne Widerspruch gefallen lassen, daß die katholische Kirche in ihren Grundanschauungen u. Lehren von ungläubigen, freisinnigen Hochschulprofessoren verhöhnt wird. Tas freisinnige Professorentum fühlt nun, daß seine terroristische und christentumsfeindliche Machtstellung auf den Hochschulen auf Öen Wider- stand der politisch und sozial aufgerüttelten und organisierten Katholiken Oesterreichs stößt, welche verlangen, daß das katholische Christentum, in Oesterreich auch auf den Hochschulen eine Heimstätte finden soll. Die Proteste und Anstreugun- gen in Innsbruck und Wien verlaufen diesmal
Iin Dunkeln.
Roman von Ernesto Selva. *
Nach einer wahren Begebenheit erzählt.
28] (Nachdruck verboten.)
„Auf unser Geschäft?"
„Ja, auf unser Geschäft, denn diese 16 500 Dukati sind just die Summe, die Sie mir schulden, Herr Basileo.
„Der Mensch ist also doch verrückt geworden", dachte Basileo bei sich, und es war ihm ein wenig unheimlich, mit seinem Schreiber, der ihn jetzt lächelnd und unverwandt beobachtete, allein zu sein.
Dieser sagte indessen:
„Sie scheinen mich , nicht verstanden zu haben und dächte doch, daß ich mich klar genug ausgedrückt habe."
„Beenden wir diesen Scherz", sprach der Notar mit erzwungenem Lächeln; „wenn Dich kein anderer Zweck hergeführt hat, dann gehe nur jetzt in das Büro zurück, ich werde gleich nachkommen."
„Gewiß werde ich gehen, nachdem Sie Ihre Schuld gezahlt haben werden."
„Du ermüdest meine Geduld, verlasse mein HauS augenblicklich!"
Basileo hatte in dem gewohnten strengen Tone die letzten Worte gesprochen, einen guten Erfolg davon erhoffend, denn er meinte, daß der überspannte junge Mensch, wie stets, nun mechanisch gehorchen werde. Darin aber sollte er sich ge- täuscht haben. Gaetano zuckte die Achseln.
„Gemach, gemach, Herr Chef, es wird ganz ctuf Sie ankommen, in welcher Frist unsere Angelegenheit geordnet ist, aber natürlich, Sie sind neugierig darauf, meinen Rechtstitel kennen zu lernen und dies ist ganz berechtigt. Bitte also, einen Blick auf dieses Papier zu werfen und Sie werden mich nicht länger für einen Narren halten."
Damit zog er den gefundenen Brief aus der iVrusttasche seines Rockes und hielt denselben dem
Arbeitermangel die größte Gefahr ist, welche unser südwestafrikanisches Schutzgebiet be- droht. Bei dem Verkauf von Regierungsland gewährt die Verwaltung viel zu große Begünstigungen und ich mutz fordern, das; mit diese. Verkahren Halt gemacht wird. ><ch hal.e es T falsch, daß man das Land so ungemein billig abgibt. .
Staatssekretär Drrnburg will die Resolution als schätzbares Material gern entgegennehmen. Tie Resolution wird darauf angenommen. Samstag: Fortsetzung.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 20. März 1908.
Die Beratung des Etats des Reichskolo- ttialamts wird fortgesetzt.
Sei dem Titel Beitrag zu den UntergaltimgS- tzvsten der Kolonialschulen in Witzenhau- ten und Engelport wird als Redner Abg. Dr. Spahn (Ztr.) aufgerufen, derselbe ist aber wc- aen einer dringlichen Beratung tm Saale nicht anwesend, einige Mitglieder des Zentrums ver- lassen den Saal, um ihn zu rufen. Als Abg. Dr. Spahn gleich darauf eintritt, ist die Verhandlung bereits zu anderen Titeln übergegangen.
Bei der Militärverwaltung werden für Erledigung von Abrechnnngsarbeitcn aus Anlaß des Eingeborenenaufstandes in embtoeft- afrika 120000 M gefordert.
Abg Gamp (Rp.) regt namens der Vudget- kommisjion an, einen Modus zu finden, der eine glattere und einfachere Abrechnung ermöglicht.
Abg. Erzbcrgcr (Ztr.) unterstützt diese Anregung. Es sei ein Ding der Unmöglichkeit, eine nach allen Richtungen hin tadellose Abrechnung anszufützren, vielfach würden dadurch Beamte und Offiziere unfreiwillig zu Urkundenfälschungen gezwungen. Es könnte gehen wie beim großen General Blücher, der auf sein Monitum der Oberrechnungskammer hin erklärte: 10 000 Taler Einnahme, 10 000 Taler Ausgabe. (Heiter- ^Staatssekretär Deruburg stellt eine gesetzliche
Regelung der Frage in Aussicht.
Bei der Beratung des Etats für Ostafrika führt ,
Abg. Schwärze-Lippstadt (Ztr.) aus: Handel und Verkehr in Ostafrika hat einen erfreulichen Ansschwuiig genommen, und man darf hoffen, daß Einnahmen und Ausgaben bald balanzieren werden. Die Behandlung der Negerarbeiter muß eine bessere werden. Den Arbeiterzwaug bertoerfc ich, da er nur dazu führen kann, die Leute ui andere Kolonien zu treiben, tote daS jetzt schon zum Teil geschieht. Tie Verwaltung in Teutsch-Ostafrika ist gut, aber das System der jetzigen Beamtenernennung und Behandlung scheint mir total unrichtig zu sein. Ich habe schon früher bemerkt, daß jeder, der als Beamter in die Kolonien geht, auch in den Kolonien bleiben muß, damit der ewige Wechsel der Be amten aufhört. Was nun die Missionen an- octrif ft, so möchte ich mich scharf gegen die jetzige Art der Behandlung aussprechen. Ich w.ll hier zunächst jedoch konstatieren, daß die Missionare persönlich auf das Liebenswürdigste von ben Beamten behandelt werden. Aber die sachliche Behandlung läßt in manchen Beziehungen viel zu wünschen übrig. Das deutsche Volk, das katholische sowohl wie das evangelische, verlangt die Christianisierung des Negers, wie sich das klar
aestellt, je weniger sich die Freisinnigen von den Nationalliberalen noch unterscheiden. Bei diesen we'ß man wenigstens so ziemlich, woran man ist: beim Freisinn aber verweht der Wind binnen 24 Stunden die heiligsten Schwüre. Mit einer sol- eben Partei kann man einfach nicht mehr rechnen; auf ihre Erhaltung kann man vom freiheitlichen Standpunkt keinen Wert mehr legen.
bei den Kolonialkongressen erwiesen hat. Ter Afrikaverein deutscher Katholiken hat Millionen von Mark in die Kolonien hineingeschleppt und 2uck die Missionen selber haben das getan. Sie können deshalb auch verlangen, daß man ihnen beim Grunderwerb mehr entgcgenfomiut wie bis- bet. Ein großer Teil der Stationen liegt zum Teil noch in Trümmern und ist bei dem ostafrikanischen Aufstande zerstört. Entschädigungen haben die Missionen nicht erhalten. Sie haben sich nicht mit Petitionen an den Reichstag und die Abgeordneten gewandt, und artige Kinder bekommen ja bekanntlich nichts. Sie haben aoer denselben Anspruch auf Entschädigung wie die Farmer und Landgesellschaften in Sud- westafrika. 160000 Hektar sollen, tote Ledebour sagt, für 10 000 verkauft sein. Kann man da nicht auch einmal, wo man Millionen von Hektar hat, nickst den Missionen 100 000 Hektar zur Verfügung stellen? . , .
Staatssekretär Deruburg gesteht zu, daß dem Vordringen des Muhamedanismus in unsere Kolonie von Norden her entgegengetreten werden muß und daß die Missionare mit Erfolg bemüht sind, dem vordringenden Muhamedanismus entgegenzutreten. ,,, „ _.
Abg. Stresemann (ntl.) wünscht baldige Einführung der deutschen Maß- und Gewichtsord- nung in unseren Kolonien.
Abg. Arning (ntl.) legt in längerer Ausführung dar, daß die Baumwollkultur tn der Kolonie eine gute Zukunft habe.
Abg. Lcdebonr (Soz.) hält es für unmöglich, daß in unseren Kolonien soviel Baumwolle gebaut werden könne, daß der heimische Bedarf gedeckt werde. „ , , .
Abg. Dr. Stresemann (ntl.) unterstützt feinen Fraktionsgenossen Arning und weist darauf hin, daß der Baumwolle deutscherseits um so mehr Pflege zuteil werde, als in Amerika ein Baumwoll-Trust im Entstehen begriffen sei.
Der Etat für Kamerun wird debattelos bewilligt.
Beim Etat für Togo empfiehlt
Abg. Ledebour (Soz.) eine von seiner Partei emgebrachte Resolution, den für Ostafrika bestehenden Betriebszwang für Plantagenlände- reien auch auf Togo auszudehnen, um gewissen „Landhaifischen" das Land aus dem Rachen zu ceipen.
Staatssekretär Deruburg erklärt sich grundsätzlich mit der Resolution einverstanden.
Die Resolution wird einstimmig angenommen. Beim Etat für Südwestafrika führt Abg. Erzbcrger (Ztr.) aus: In Südwestafrika sind 5000 Weiße, mit Kindern zusanunen sind es 8001. Auf diese Anzahl von Weißen entfallen nicht weniger als 3000 Strafprozesse. Da mutz doch etwas nicht stimmen. Namentlich toettn man bedenkt, daß in diesen Prozessen unverhältnis- mäßig viel Freisprechungen erfolgen. Wir ermatten von unserer Resolution auf Einführung von Revisionsinstanzen in der Heimat eine Besserung. Ich komme dann zu den Verordnungen über die Einziehung des Landes und Stammesvermögens der Eingeborenen. Es sind da drei Verordnungen ergangen, die in weiten Kreisen Unwillen hervorgeru» fen haben, da sie in die ganze Eristenz der Ein- geborenen eingreifen. Wenn ein Eingeborener in Südwestafrika nicht mehr in der Lage ist, ohne weitere Einfchränkung Land zu erwerben oder Großvieh zu halten, so ist er — das hat ein evan- gelischer Missionar, der 34 Jahre lang dort tätig war, klipp und klar ausgesprochen — nichts anderes als ein Sklave. (Sehr richtig und Zustimmung.) Wenn die strengen Maßnahmen alle durchgeführt werden, dann befürchte ich, daß ave Eingeborenen einfach über die Grenze gehen. Darüber sind wir uns doch alle einig, daß der
Für das zweite Quartal nehmen fortwährend alle Postanstalten, Landbriefträger, Zeitungsträger und dir Expedition (Harmonie) Bestellungen auf die
- ,F«ldaer Zeitung --
zum Presie von 1.50 Mark (ohne Bestellgeld und Bringertohn) entgegen.
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= ver UmfaU des greifens „Itb im eigenen 2a«er bart und bitter beurteilt. Man muß bedenken, daß insbesondere von dem Führer der Deutschen Dolkspartei, Herrn von Payer in den letzten Tagen noch ledes Kompro- miß entschieden verworfen wurde. Ta kann man ve-stehen, daß der nun doch perfekt gewordene Kuhhandel einige Bestürzung erweckt, ^chr deutlich kommt der Katzeniammer in der linte- liberalen Presse zum Ausdruck. „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert , sagt das „Berliner Tageblatt". Es halt an der Auffassung fest, daß von einem Kuhhandel nicht die Rede sein könne und höhnt:
Die Freisinnigen fallen beim Vereinsgesetz ohne Entschädigung um; aber sie fallen doch um . Die „Liebesmüh der Privatverhandlungen" ist trotz Herrn v. Payer nicht vergeblich gewesen. Ja, Herr v. Payer hat im Verein mit Herrn Müller-Memrngen lelbst die Verhandlungen mit dem Fürsten Bülow, dem Staatssekretär v. Bethmann-Hollroeg und dem preußischen Handelsminister Delbrück führen helfen. Die freistnnigen Parteien haben vor der preußischen Regierung in Sachen der Sprachenfrage Kotau gemacht.
Auch die „Frankfurter Zeitung" erklärt sich als unbedingte Gegnerin des Kompromisses und hält es für „sehr bedenklich, daß aus äußeren Zweckmäßigkeitsgründen der vorher eingenommene korrekte Standpunkt verlassen wird":
In einer Frage der Versammlungsfreiheit darf man auch nicht pro, ent ro eife nach geb en, und eine wiche Frage ist doch zweifellos auch das Recht, in der Sprache zu reden, die einem beliebt und die den Zuhörern die geläufigste ist. Jede Vorschrift in dieser Freiheit greift in das Recht em, seine Meinung tn Wort und Schrift frei zu äußern, und es macht da wenig Unterschied, in welchem Teilmaß dieses Recht ausgeübt wird. Der polnischen Bewegung wird man damit keinen Eintrag tun, ihr im Gegenteil neuen Stoff zuführen. Man glaube auch ja nicht, damit die polnische Sprache unterdrücken und das Deutsche fordern zu können. Nach 'M Jahren wird es darin auch nicht anders sein als fetzt, und schon darum ist diese Zeitbestimmung überhaupt nicht haltbar. Hier soll em wichtiges Recht, der Gebrauch derMutter- sprache und das freie Versammlun gsrecht, der polizeilichen Reglementierung überlassen werden; das muffen wir von unserer all» gemeinen politischen freiheitlichen Grundanschauung aus nachdrücklich bekämpfen.
Das „Berliner Tageblatt" fürchtet wohl nicht mit Unrecht, daß „der politische Fehler ersten Ranges", den die Freisinnigen mit dem Kompromiß begangen haben, sich schon bei den nächstenWahlenrächen werde, so daß der betretene schlüpfrige Pfad „vielleicht zu einer Verlängerung der Lebensdauer des Blocks, ganz sicher aber zu einer Schwägung des Liberalismus führen wird." Allerdings, im Volke, wo man noch ein richtiges Empfinden für Recht und Unrecht hat, wird das Ansehen des Liberalismus nach diesem Kompromiß noch mehr sinken. Das Zentrum, so bemerkt treffend die „Köln. Volksztg.", hatte bisher immer noch ein gewisses Interesse daran, die Freisinnigen bei den Wahlen nicht ganz verschwinden zu lassen oder nicht zu sehr zu schwächen. Dieses Interesse wird aber von Tag zu Tag um so mehr in Frage
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