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6WW »glich «» Ausnahme der Sonn» nnb Zeiertage. Viertel« jährliche'-vezugspretr ohne vringerlohu und Bestellgeld in Zulda ss« mir auswärts 1.50 Mt.

verantw. Redakteur:

Lari Schütte;

für die Anzeige«: Z.parzeller in Znlda.

Mdaer W Zeitung

woche-bril-ge: .Illustrierte Zomitagszeitung" m»natrd-ll«ge: „Zuldaer GeschlchtrblStter"

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Rotationsdruckund Verlag der Fuldaer Ak- tiendr^ckerei in Fulda Fernsprecher Kr. 9.

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M 66.

Fulda, Donnerstag dm 19. März 1908.

35. Jahrgang.

seinem Verständnis verschlossen geblieben wäre. Man ist wirklich erstaunt, wie auf einmal so viel Licht »nd Klarheit in die Sache kommt, die vorher dem Laie» so dnnkel und unverständlich schien, an die man sich kaum hcranwagte. Selbst Theo­logen können sich dieser Empfindung nicht ver­schließen, auch sie werden auf manche Einzelheiten aufmerksam, die ihnen sonst vielleicht entgangen wären.

So stellt sich das Werk als ein äußerst Prak­tisches Handbüchlein dar. Es wird sowohl dem einfachen Christen dienen, wie auch — und das möchten wir unterstreichen — ganz besonders dem Seelsorger, dem Religionslehrer, dem Vorsteher kirchlicher Vereine, die doch genötigt sein werden, über die Irrtümer der gegenwärtigen Zeit Ank- kkärung zu geben. — Tie deutsche Uebersetzung ist im engen Anschluß an den lateinischen Urtext gehalten: sie gibt fiar und verständlich den Sinn des päpstlichen Schreibens wieder und liest sich leicht und fließend. P. II.

Iwei,es

volksaustiSrimg über Öen Modernismus.

Unter diesem Titel schreibt die .Köln. Lok8- jcituna' Rr. 134:

„Die Encyklika Pascenü ist bekanntlich ein sehr ausgedehntes Altenstück mit einer Reihe sehr schwieri­ger, zum Teil in theologisch«wissenschaftlicher Form »orgelragener philosophiicher und theologilcher Erörte­rungen. Rach Inhalt und Form ist sie n cht derart, dab ihr voller Einn und ihre liefe Bedeutung ohne «eueres zutage liegt und von jedem leicht in ihrer ganzen Tragweite verstanden werden kann .... €oll aber der vom Papste beabsichtigte Zweck voll und ganz erreicht werden und auch die breite Masse des gläu­bigen Volkes zum tieferen Verständnis dessen, um »aS es sich eigentlich handelt, geführt werden, so wüßte eine anvere Form der Belehrung angewendet «erden. Ein Oblaten-Paler, I. B. Lew ins, hat nun die Encyllika syslematisck gegliedert und in eine volkstüm­lich und gemeinveistündlich gehaltene Frage- und Am» wortsform gebracht, er hak mit einem Worte einen Katechismus über beit Modernismus versaßt, der jedes­mal durch einlach gehaltene Fragen Rar herauSsieUl, um was es sich handelt, und dann ausschließlich mit den Worten der Encyklika selbst antwortet."

1 Wie sehr der Verfasser hierbei das Praktische getrosten hat, beweist zur Genüge die eine Tat- saä)e. daß in kurzer Zeit 9000 Exemplare dieser Bearbeitung vertrtet>en wurden. Zu gleicher Zeit wurde auf Veranlassung des Papstes selber eine italienische Uebersetzung hergestellt, deren zweilc Auslage in einer Höhe von 20000 Eremplare zur Zeit in der vatikanische« Druckerei hergesteüt wird.*)

Soeben mm ist auch eine deutsche Bear- beitung des genannten Werkes herausgekommen unter dem Titel: Der Modernismus nach der Enzyklika Sr. H. Pius X. Pascendi dominici gregis von P. I. B. L « m i u s, O. M. I. Nach dem Original übertra­gen vcn P. Nie. Stehle, 0. M. I. Reizens­burg 1908. Verlag vorm. G. I. Manz. Preis 4~JL Auf den ersten Blick läßt die ganz eigen­artige Bearbeitung den praktischen Nutzen des Büchleins erkennen. Das Ganze ist cinge- teilt in die drei Hauptteile: Die moderni­stischen Irrtümer. Die Ursachen des Modernismus. Heilmittel. Tie Haupt- tei.'e sind in Kapitel, diese wieder in zahlreiche Paragraphen zergliedert. Schon die Titel der einzelnen Kapitel: Die religiöse Philosophie der Modernisten. Der gläubige Modernist. Der Moder »list als Theologe. Weitere Erklärung der religiösen Philosophie-, Sprossen des Glaubens. Der Modernist als Historiker und Kritiker. Ter Modernist als Apologet. Der Modernist als Re­formator. Kritik des modernistischen Systems; Sammelplatz aller Häresien; Weg zum Atheis­mus — schon diese Titel, mehr aber noch) die Uebcrschriften der einzelnen Paragraphen geben eine klare Ucbersicht über die Hauptpunkte des päpsilickten Rundschreibens.

Lbas aber den eigentlichen praktischen Wert der Bearbeitung ausnwcht, das ist die vom Ver­fasser angewandte Frage» und Autwortfteünng. Der Verfasier nimmt den Leser gleichsam an der Land, führt ihn Schritt für Schritt voran, immer tiefer hinein in das Verständnis des an sich nicht leicht zu begreifenden Stoffes. Hier hebt eine Frage einen bedeutsamen Punkt hervor, den das flüchtige Ange des Lesers sonst vielfach übersehen hätte. Da wieder greift sie einer Schwierigkeit vor, die bent Leser gewiß gekommen, die aber

*■) Rach eine Nederfetzung in- Englische ist in BordereiUmg-

Deutsches Reich.

-i- „Ternbnrg'S Programm". Ein Wende- pmrkt im Schicksal Teutsch-Lstasrikas, Kolonie oder Regerland unter deutscher Flagge? von „Africanus minor". Unter diesem Titel ist eine neue Broschüre bei Martin Oldenburg, Berlin, S. W., erschienen, welche die Verhältnisse des deut­schen Kolrnialwcjens bis zum Eintritt Dern» burgs, des'en Afrikareise und neues Programm schildert und von großem aktuellen Interesse ist. Tie Leser finden darin, daß Dernburg in Ost­afrika alle Beschwerden, die seiner Zeit von den Zenlrumsabgeordneten Erzberger und Roeren gegen die in deutschen Kolonien herrschenden ent» schlicken Zustände erhoben wurden, bestätigt fand und jetzt nahezu den Standpunkt vertritt, den diese Abgeordneten früher eingenommen haben und der im Jahre 1906 mittelbar zur Auflösung des Reichstages führte. Deshalb erfolgen jetzt auch die heftigsten Angriffe gegen Dernburg voirseitcn der sogenannten Kolonialfauatiker, weil sie nicht dulden wollen, daß er gegen die bestehenden Miß­bräuche vergeht und den Augiasstall reinigt. Be­sonderer Beachtung dürften die Abschnitte: Prinz oder Kaufmann? Dernburgs Reise, Dernburgs Programm und Kolonie oder Negerkand Hervor­rufen. Im Interesse der Kenntnis unserer Ko­lonialzustände und der Beseitigung der bestehen­den Mißstände ist der Broschüre allgemeine Ver­breitung zu wünschen.

* Osnabrück, 12. März 1908. Die Ange­legenheit zwischen den emSkändifchen Krieger­vereinen und dem Deutschen Kriegerbunde ist nun erledigt. Die Vergleichroerhandlungen find erfolglos geblieben. Gestern nachmittag hielten nun die emsländischen Kriegervereiue in Lathen die entscheidende Versammlung ab. 21 Vereine waren vertreten. Von diesen erklärten 13 defi­nitiv ihren Austritt aus dem Deutschen Krieger- buRbe, die übrigen haben das bereits getan. Die Vereine beschlossen sodann die Gründung eines unabhängigen Verbandes emSlän- bischer Kriegervereine.

WkswikWfiliches imd Ss^les.

* Der 8. volkswirtschaftliche Kursus, den die Zentralstelle des Volks verems vornehmlich mit dem Zwecke der Ausbildung von Arbeitern zu erfolgreicher praktischer Tätigkeit in der Arbeiter­bewegung abhält, findet in diesem Jahre in der Zeit vom 9. Juni bis 14. August statt. Ge­bühren für die Teilnahme werden nicht erhoben.

Kosten (75—80 Mark) entstehen nur durch die Ausgaben für Kost und Logis, sowie die An- schassung von Lehrmitteln und Schreibmaterialien. Neben Ärbeitern können auch Mitglieder anderer Stände den Kursus oder einen Teil desselben al? „Hörer" mitmachen. Anmeldungen zum Kurins sind spätestens bis zum 1. Mai an „die Leitung des volksivirt'chastlichen Kursus, BolksoereinrhauS, M. • Gladbach" z« richten. Den teilnehmenden Arbeitern am Kursus können seitens der Zentral­stelle deS Volksvereins durchaus keine Aussichten oder Zusagen bezüglich sofortiger oder späterer Anstellung alS Arbeitersekretäre gemacht werden. Es muß deshalb für Arbeiter Vorsorge getroffen werden, daß sie nach Beendigung des Kursus so» fort wieder eine Arbeitsstelle finden.

Vermischtes.

♦ gittern frivolen Scherze fiel der Abdeckerei-Ge­hilfe Paul Senket aus Bennewitz bei Torgau zum Opfer. Auf dem Loßwiger Fastnachtsballe stellte ihm ein Freund beim Tanze rin Bein vor. Der Be­dauernswerte stürzte hin und zog sich beim Falle eine Darmverschlingung zu. Obwohl der Schwer­verletzte sofort nach dem Torgauer Krankenhause ge­schafft wurde, verstarb er unter großen Schmerzen. Er ,st 52 Jahre alt und hinterläßt eine Frau und unversorgte Kinder.

* Brrhäng» Svolles Versehen. Der 65jährige Berg­arbeiter Wetzelm Schedewitz halte, rote aus Zwickau berichtet wird, versehentlich im Dunkeln in eint Kaffeetaffe, in welcher sich Schweinfurter Grün be» sand, Portwein gegossen, den er von seiner Tochter in Leipzig erhalten hatte. Wetzel trank den Port­wein aus und zog sich dadurch eine Vergiftung zu, an deren Folgen er gestorben ist.

* Auch eine Ehrenerklärung. In Wien wurde eine Ehrenbeleidigungsttage verhandelt, und die Klägerin, welche von der Verklagten eine wtrchtige Ohrfeige erhalten hatte, sand sich zu einem Aus­gleiche bereit gegen Ehrenerklärung. Die Verklagte gab hierauf der Geschlagenen folgende heitere Er- llärung ab: „Ich bedauere Sie, daß ich Ihnen eine Ohrfeige gegeben habe." Die Klägerin las den Sah genau durch und war damit — ganz zufrieden. Genügsamer und versöhnlicher kann man nicht mehr fein!

bei der Verwertung abfallender Qualitäten er­geben. vermehrtes Interesse und verhältnismäßig gute Ausnahme. Wenn sich die Geringfügigkeit des inländischen Angebots nicht empfindlicher bemerkbar macht, s» ist dies dem Umstande zu- znfchreiben, daß die Aufnahmefähigkert der Müh­len dirrch mangelnden Mehlabzng wesenilich ein­geschränkt wird. Vor allem wird die Lage des Dcizenmarktes durch den argentinischen Wett­bewerb beeinflußt. Den russischen Offerten ist eine ähnliche Bedeutung für die Gestaltung des Roggengeschästes nicht beiznmessen, da einerseits die Leistungslähiakeit Rußlands nicht l>och ent« geschätzt wird, andererseits die bortheir Forde­rungen gegenüber hiesigen Preisen keine Rech­nung bieten. Auf dem Lieferungsmarkte gingen die Preise infolge geringer Beteiligung heute wieder etwas zurück, so daß Weizen ungefähr 2 <M,. Soggen per Mat % M, per Juli <4 unter letztwöchigem Stand schließt. Hafer fand in feinen Qualitäten vereinzelt mehr Beachtung, blieb ober im allgemeinen weiter vernachlässigt. Zwar bietet sich zuletzt wieder mehr Venvcndnng zum Export, doch wurde die Gesamtkage dadurch bisher wenig beeinslnßt. Für Mais mußten Konsumenten im Anschluß an die festen Forde­rungen Amerikas und Argentiniens, zumal m Anbetracht knapper Vorräte, höhere Preise an* legen.

ES stellte , sich die Preise für inkändischeS Getreide am letzlen Marktage tu Mark pro 1000 Stilogr. je nach Qualität, wobei das Mehr (-p brzw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern 0 beigefügt ist wie jol-t:

Weizen Roggen Hafer

Danzig 220 188 (— 4 ) 155 (—5 )

Berlin 207 (- 1 ) 196 (— 2 ) 172 (— 1 )

Hamburg 208 (- 2 ) 192 (— 2 ) 170 (— 2 )

Düsseldorf 215 4- 5 ) 193 (+ 2 ) 170 f— 3 )

Franhurl 216 (— 1 ) 197‘/*(4- V/«) 177*/t(— 2‘/*> München 234 (— 1 ) 206 193

D« ltmarklpreise: Weizen: Berlin Mak 207.— (— 225). Budapest April 291.90 (— 1.—). Pari« April 180.33 (- 2.4t), Liverpool Mai 15750 (— 195), Elucago Mai 149.10 <4- 0.20), Roggen: Berlin Wat- 201.— (- 0.25), Hafer: Berlin Mai 164.50 (— 0.50) Mark per 1000 Kilogramm.

Reklamen» und Avzeigentek».

Avrzer Getreide-Wochenbericht

der Preisberichtrstelle der deutschen candwirsschastreat« »om 10.-16 »8r; 1908.

Die Wirkung schwächercrAuslandsberichte und umfangreicher argentinischer Verschiffungen wur­de zum Teil durch ungünstige Witterung abge­schwächt. Es konnte sich in diesem Zusammen­hang zeitweise sogar eine etwas festere Tendenz entwickeln, der sich auch die nordamerikanischen Börsen zuletzt anschlossen, sodaß der vorwöchige Preisstand ungefähr wieder erreicht, in Berlin vorübergehend sogar überschritten werden konnte. Wenn man im März auch noch mit Kälterückfal- len zu rechnen Pflegt, so sind solche namentlich für dis empfindlichen englischen Weizensorten doch keineswegs unbedenklich, während anderer­seits der Arbeitermangel, unter dem unsere Landwirtschaft leidet, Verzögerungen bei den Vorarbeiten für die Frühjahrsaussaat um so schwerer ins Gewicht fallen läßt. Derartige Be­sorgnisse waren auf das Verhalten der Waren- besitzer von unverkennbarem Einfluß, und das machte auch die Abgeber auf dem Lieserungs- markte vorsichtig, fo daß zeitweise stärkeres Kanf- uud Teckungsbedürfnis ein Anziehen der Preise veranlaßte. In der Provinz fand das mäßige Angebot, abgesehen von Schwierigkeiten, die sich

Nur der ailerfeinste Wetsshafer dient xur Herstellung von Quaker Oats, und ein besonderes Mahlver­fahren sorgt für die Beinhejt dieses Pro­duktes. Höchst spar­sam für die Hausfrau, ist Quaker Oats eine nahrhafte und wohl­schmeckende Speise für die ganze Familie.

Nur in Paketen;

niemals loset

Meines Feuilleton

— Eine intercffante medizinische Streitfrage. Ein bc-Eannter Münchener Spezialarzt hatte bei einer Operation zwei außergewöhnlich große Me- tenjiciuc entfernt Der Arzt wollte diese aus wis» feiischaftlicheur Interesse für sich behalten, der Patient baiu-gcn machte au den Steinen eigen- tumsrcht geltend. Dieses Vorgehen veranlaßte den Arzt, sein ursprüngliches Operationshonoror von 4G0 auf 800 Mark zu erhöhen, indem er er- itürie, er habe nur deshalb eine so niedrige For­derung gestellt, weil er onnahm, er dürfe die Steine für sich behalten. da er sich in dieser An- nah uw getüncht hätte, rechne er die nach der ärzt­lichen Ta,e zulässige Höchftsuntme für feine Be­mühungen. Wie Rechtsanwalt Dr. Th. Erlanaer der ^Münch. Mediz. Woche" uritteüt, hat nunmehr ebenso wie das Landgericht auch das Qberlandes- gerichl München dem Arzte das verlangte Hono­rar von 800 «4t zugesprochen. In den Urteils- gründen wird u. a. ausgeführt, daß dem Ärzte an den aus dem Körper seines Patienten ent­fernten Nierensteinen keinerlei Necht zustehen. Ter Arzt aber darf unter gewnch, Umständen seine urspnwgllch gestellte Steckni^b abändern Als solckeu Umstand ließ das Geriet gelten, daß der Arzt bei Stellung seiner Rechnung von der An- uahme angegangen war, et dürfe die Nieren- fteiue ihres wissenschaftlichen Wertes halber be­zahlen. Endlich ließ das Gericht zn, daß der Arzt die nach der ärztlichen Gebührenordnung zulässi- gen Hochsigebühren in Ansatz brachte, obwohl im P^'feß festgefleklk wurde, daß der Patient in fast w:mlrchen Verhältnissen lebt und ihm sogar das Armeurecht erteilt wurde. (I) Die große Ver­antwortlichkeit des Arztes bei dieser Operation £lh. clne Pr°6e Geschicklichkeit, wodurch er dem

Leben rettete, rechtfertige», abge- son ?.s^en Vermögensverhaltnissen, den ^ Ansatz der Höchstgebühr.

— Der Schlaf des Gerechten. Kürzlich wurde hier ausgeführt, daß auch Ungerechte einen ge­sunden Schlaf haben, aber neuerdings hat doch Schlaflosigkeit infolge von Gewissensbissen einen Verbrecher genötigt, sich selbst der Polizei zu ent­decken, die von seinem Schuldkonto bis dahin keine Ahnung gehabt hatte. Kommt da im Dunkel der Nacht auf das Hauptpolizeiamt von Livorno ein zerlmnpterAlter, der den diensttuenden Kommissar flehentlich bittet, ihn zu verhaften, weil er einen Mord begangen habe. Der Beamte glaubt zu­nächst, er habe es mit einem Schwachsinnigen zu 'tun, aber ein gründliches Verhör überzeugte ihn bald, daß, der Alte bei gesundem Verstand und durchaus in seinem Recht war, wenn er seine Ver­haftung verlangte. Der 64jahrige Landstreicher berichtete zunächst, daß er kein Neuling in Straf­sachen war, vielmehr schon eine Verurteilung wegen Totschlags in Frankreich erlebt hatte und danach 1891 von dort ansgewiefen worden war. In feine Heimat Livorno zurückgekehrt, lebte er bei feinen Verwandten und nach deren Tod mit einem Lumpensammler zusammen, mit dem er jedoch ewig im Streit lag. Als er einst zu be- inerten glaubte, daß der Hausgenosse ihn ver­giften wolle, beschloß er, ihm zuvorzukammen. Äit Schwefelholzköpfen, die er in eine Suppe mengte, gelang cs ihm, sein Vorhaben anszu- fnhren: der Lumpensammler starb im Spital, ohne daß man sich um die Todesursache kümmerte, ^tbem aber — drei Jahre sind es her — konnte der Mörder keinen ruhigen Schlaf mehr finden; rnieder Nacht erschien ihm das Opfer seines un» gesuhnten Verbrechens und schrie nach Rache. Das wurde dem Alten auf die Dauer zu arg; er will lerne Nachruhe haben und glaubt sie zu finden, wem» « rm Gefängnis sitzt und ihm der Prozeß gemacht totrb. Würde er dann vielleicht gar auch freigesprochen, so schloß er fein Bekenntnis, fo habe er doch sein Gewissen beruhigt. Der Polizei- kommrssar zögerte darauf nicht, den Wunsch des Alten zu erfüllen und ihm die Nachtruhe im Ge­fängnis wiederzugeben.

— Der Fabrikant „alter Soldaten". In Paris wird in nächster Zeit an der Ecke der tue Mont- mattre und des Boulevard Foiffonnidre ein interef* faules Haus abgerissen. Hier wohnte ein Arzt, der eine fdlfamc Praxis ausübte und von eigenartigen .Kranken" ausgesucht wurde. Man nannte den Herrn Doktor nicht anders als den Fabrikanten alter Soldaten, und damit hatte eS folgende Be- wandtmS: Zu diesem Arzt kamen alle diejenigen, die wegen einer schweren Tat zu Zwangsarbeit ver­urteilt worden waren, und denen es gelungen war, aus dem Bagno zu entfliehen. Die Flucht allein hätte indessen diesen Jnowiduen noch nicht genügt, da sie Ge abt liefen, an dem eingebrannten T F. (travaille formen d. i. Zwangsarbeit) auf der Schulter erkannt zu werden. Der gefällige Herr Doktor ent­fernte mm das fatale Zeichen, oder wandelte es doch durch einen kleinen chirurgischen Eingriff so um, daß das Schandmal ausschaule wie eine Ver­wundung durch eine Flintenkugel. Um den Betrug besonders rotrlam zu gestalten, erhielten die Ent­sprungenen auf der anderen Schulter ebenfalls eine „Verletzung", die wie die Spur eures Säbelhiebes anmutete. Auf diese Weise sahen die Leute wie alle Soldaten aus, die in mehreren Schlachten tapfer mitgekämpst halten.

— Einige hübsche Kathederblüten der Post- nnd Tekegrapheuschnle nach den Lierzeitungen, die ihrer­seits wirkliche Erlebnisse aus den Vorlesmrgen Wiedergaben, teilt der »Germania' ein Leser mit: 1. »Ich bringe in der Leitung einen Hahn an, es ist eigentlich kein Hahn, man nennt es auch nicht Hahn an, aber ..." 2. „Wenn z. B. ein Post­beamter in das Dienstgebände einbricht, so tut er nur das, was jeder Privatmann auch tut* 3. „Auch die allen Römer hatten Hufeisen * 4. »Auch „In Japan fitzt die Frau unter einer Differential- schraude.* 5. „Meine Herren, sie werden sagen, ich sei verrückt. Ihnen so etwas zu sagen. Ich werde Ihnen gleich beweisen, daß dies sehr leicht möglich ist.* 6. „Tie Konvertrerung ist der drei­fache Salto-Mortale des Finatrzministers.* 7. -Wenn ich jetzt meiner Flamme einen hoben Zv-

tinder ausjetze, dann wird sie steif." (Physik: Singende Flammen). 8. „Stickstoff ist nicht ein- atembar, d. h. man kann ihn zwar einatmen, aber es nutzt nichts."

— Neber eine sonderbare Naturerscheinung haben einige Kapitäne berichtet, die sie an der Küste von Nueatan in der Nähe von Progreso beobachtet haben. Etwa acht Seemeilen von der Küste ent­fernt gelangten sie in einen Strich, wo das Wasser eine gelblich Farbe hatte. Der Strich erstreckte sich, soweit das Ange reichen konnte, und unaeheuere Menge» toter Füche trieben auf der Wasserober­fläche und verbreiteten einen unerträglichen Geruch. Der Strand war von Millionen toter Fische bedeckt, welche die See angespütt hatte. Die örtlichen Be­hörden taten sofort ihr möglichstes, um diese Fänl- nismaffen zu vergraben. Allem Anscheine nach haben sich auf der Reede von Progreso am Mutterboden Veränderungen vollzogen, da die äBeifferliefe an einigen Stellen, wo jrüher 6 Faden vorhanden waren, nur noch 43/r Faden beträgt. Zweifelsohne sind die Bodenoeränderungen darauf zrmickzusuhren, daß in der Nähe vntkaniiche Eruptionen ftattgesunden haben.

— Der Sparßnn der einzelnen Rationen kann in den Angaben gemessen werden, welche von amt* »ich" Seite den Vereinigten Staaten geliefert sind. Dort leben 2300000 Italiener, die jährlich 350 SJliUtonen Franken in die Heimat senden. Ans der osterrerchrsch-rmgarischenMonarchie stammen 2100000 Einwanderer, die 325 Millionen Franken heim­wärts senden. Tie angelsächsische Rasse hat 3 500 000 Vertreter, sie schickt aber nur 125 Millionen Franken, 3700000 Deutsche nur 75 Millionen, die Russen und Skandinavier schicken gleich viel, je 115 Millionen. Im ganzen empfängt Europa auf diese Weise jährlich 1200 Millionen Franken aus Amerika.

— DaS Gegenteil. Buchhändler: „Ich habe hier ein schönes Buch: „Die Kunst, eine gute Frau zu bekommen " Kunde: „Entschuldigen Sie, haben Sie nicht zufällig ein Buch, welches den Titel führt: „Die Kunst, ein böses Weib loS zu werdens