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Fulda, Mittwoch dm 18. März 1908.
35. Jahrqauq.
Erstes Hstatt.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 17. März 1903.
, Der Antrag Graf Hompesch (Ztr.), daß alle Veteranen, die weniger al3 900 Mk. Einkommen haben, einen Anspruch auf Gewährung der Beteranenbeihitfe haben sollen, wird m na» mentticher Abstimmung abgelehnt.
Alsdann wird die Watsberatung beim Kolo» nialetat fortgesetzt.
Eine Resolution Hompesch kZtr.) ersucht den Reichskanzler, Anordnungen zu treffen, daß 1. die Rechtspflege unter Den Eingeborenen mit erhöhten Garantien umgeben wird; 2. in Rechtsangelegenheilen zwischen Eingeborenen und Weißen die Rechte der Eingeborenen gewahrt werden; 3. für die Weißen: a in Strafsachen einer Berufungsinstanz in dem Schutzgebiet geschaffen und als Revisionsinslanz das Reichsgericht bestimmt wird, b) in Zivilsachen eine Berufungs- und Revisionsinstanj im Deutschen Reich errichtet wird. — Eine zweite Resolution Hompesch (Ztr.i fordert, tunlichst bald die schärfsten Maßnahmen gegen die Einfuhr und den Ausschank von Alkohol in den Schutzgebieten zu ergreifen.
Eine Resolution Ablaß (freis. Vp) fordert: 1. Vie allmähliche Trennung vm Justiz und Verwaltung in den Kolonien in die Wege zu leiten; 2. eine Vorbereitung der Kodifizierung deS Eingeborenenstrasrechts unter tunlichster Berücksichtigung der Rcchtsgrbräuche der Eingeborenen.
Berichterstatter Dr. Semler (ntl.) gibt einen historischen Ueberblick über den bekannten Verlaus der Kommissionsverbandlungen.
Staatssekretär des Reichskolonialamts Tern- burg: Mit Genugtuung kann ich konstatieren, daß sich das Interesse für unsere Kolonien auch auf der linken Seite unseres Hauses Geltung verschafft hat. Ich halte es für meine Pflicht, Ihnen in Kürze die Grundzüge der Politik darzulegen, welche wir zu befolgen gedenken. Wir müssen uns bestreben, eine deutsche Regierung in unseren Kolonien einzurichten, welche sich das Ansehen bei der eingeborenen Bevölkerung erwirbt und bewahrt. Dazu ist es erforderlich, daß es eine Regierung der Gerechtigkeit ist und daß wir eine ruhige und zugleich sparsame Bcrwoltungspraxis durchführen. Wir müssen das ganze Land wirtschaftlich zu einer höheren Entwicklung bringen und die Bevölkerung zu einer höheren Gesittung führen. Ich möchte diese Gelegenheit benutzen um hervorzuheben, daß der Geist, der die Beamten unserer Kolonien erfüllt und auch die Offiziere unserer Schutztruppe, der höchsten Anerkennung würdig ist. (Beifall.) Im übrigen muß daran festgehalten werden, daß die deutsche Herrschaft auf dem Ansehen der weißen Rasse beruht. Diese Herrschaft kann nur bei Selb st zücht der Weißen etabliert werden. Elemente, welche das Ansehen der Weißen durch Brutalität und Ungerechtigkeit untergraben, müssen ausgemerzt werden. (Beifall.) Notwendig ist eine Regelung der Arbeiterfrage, eine Unterstützung des Handels, vor allem aber die Eröffnung von Verkehrswegen. Redner kommt dann auf die Missionen zu sprechen und stellt dabei freudig ihre erfolgreiche Tätigkeit bei der Hebung des sittlichen und körperlichen Zustandes der Neger fest. Der Kulturzustand der Neger ist natürlich kein hoher, die Anpassungsfähigkeit nicht groß. Der Neger hat ein gewisses Rechtsbewußtsein, erkennt die Grenzen des Eigentums und erhebt Anspruch auf eine gewisse Selbstbestimmung. Er ist weder dankbar noch undankbar. Mit seiner Wahrhaftigkeit ist es nicht weit her. Er hat nicht nur einen ausgesprochenen Erwerbssinn, sondern geradezu eine Begehrlichkeit. Der Neger soll zu einem nütz
lichen und gehorsamen Bewohner unserer Schutz- gebiete gemacht werden. Tie Mittel dazu bestehen in einer scharfen Strenge gegenüber Un- botmäßigkeit und leidenschaftsloser Gerechtigkeit. Die Produktion der Eingeborenen ist zur Zeit das Rückgrat des ostafrikanischen wirtschaftliäien Lebens und kann durch Plantagenbau nicht ersetzt werden. Machen wir aus dem Neger einen gerecht behandelten bodenständigen und gesunden Schutzbefohlenen, so werden uns manche unproduktiven Ausgaben erspart bleiben. Einsetzung von eingeborenen Kommissaren, ein Landeskulturamt, ein Landessanitätsamt, wirtschaftliche Vorbildung der Beamten sind dazu erforderlich. Wenn in der Prcffe dies Programm angegrissen worden ist, fo meine ich, daß dies Programm ganz selbstverständlich ist, daß es meines Erachtens in der Brust jedes Kolonialfreundes und jedes humanen Menschen wie in Erz geschnitten liegt. Wenn unsere Kolonien sich wirtschaftlich nicht so entwickelt haben, wie die Ko- Ionien anderer Länder, fo liegt das größtenteils daran, daß wir zu ängstlich waren in der Erschließung unserer Kolonien durch Ei s r n b a h - n e n. Begrenzung des Maximalzuschusses des Reichs ist insofern von großer Bedeutung, als sie zur Sparsamkeit zwingt. Es liegt auf der Hand, daß. solange die Heimat wie ein guter Vater für den kolonialen Sohn sorgt, die Gouverneure und Beamten nicht Schwierigkeiten haben, neue und größere Mittel herbeizuschaffen. Sie verlaisen sich dann lieber auf den hohen Reichstag und die Kolonial! erwaltung. Das liegt aber nicht im Interesse einer sparsamen Wirtschaft. Die Schutz- gebiete hoben ihr eigenes Vermögen e* ist nur recht und billig, daß sie auch ihre eigenen Schulden haben. (Abg. Dr. Südekum (Soz.) ruft: Ausgezeichnet!) Die Vahnuntcrnehmungen muffen in der Hand des Fiskus bleiben, weil sie nicht nur Erwerbs-, sondern auch staatlichen Zwecken dienen sollen. Die Regierung wird nur wirtschaftlich rentable Bahnen bauen, alle Bahnen werden sich in absehbarer Zeit rentieren.
Abg. Frhr. v. Richlhofen (k.) erkennt an, daß der Staatssekretär bestrebt ist, die Geschäfte der Kolonialverwaltung nach besten Kräften zu fördern. Wir erkennen an, daß die Kolonialverwaltung auch den Missionen das größte Wohlwollen entgeaenbringt. Es muß unsere erste Aufgabe sein, die eingeborene Bevölkerung zu heben und zu erhalten. Durch die frühere verkehrte Kolonialpolitik ist ein großer Teil der Ländereien in unseren Kolonien in die unrechten Hände geraten. Im Vordergründe unserer Interessen muß aber die Besiedelung unserer Kolonien mit Kleinfarmern liegen. (Sehr richtig rechts.)
Abg. Tr. Arnim (ntl.): In der Finanzgebah- rung der Kolonien ist erfreulicherweise eine Ver- besierung zu verzeichnen. Togo verlangt auch diesmal keinen Zuschuß, während der Zuschuß für Kamerun sich verringert hat. Weniger angenehm ist allerdings die Situation in Südwcst- afrika. Aber auch hier wird es besser werden, wenn erst weite Abstriche am Militär und damit eine Verminderung der unproduktiven Ausgaben möglich sein werden.
Abg. Dr. Spahn (Ztr.) (auf der Tribüne schwer verständlich) führt u. a. aus, daß bei Kamerun und Ostafrika zweifellos erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen seien, doch müßte für Kamerun, um einem etwaigen Rückschlag vorzübeu- gen, rechtzeitig Maßnahmen gegen den Raubbau in Gummi ergriffen werden. Bedauerlich sei, daß ein so großer Prozentsatz der Einfuhr nach den Kolonien auf Alkohol entfalle. Der Schnaps richte furchtbare Verwüstungen an. Für die Weiterentwicklung von Südwestafrika sei vor allen Dingen nötig, daß die Eingeborenen ausreichendes Land auch für ihre eigenen Bedürfnisse erhielten. Dann gilt es, sie zur Arbeit zu er
ziehen, aber in der Weife, daß ihre Freiheit und Selbständigkeit möglichst wenig eingefchränkt werde. Bei der Beitreibung der Steuer aus dem Wege der Zwangsarbeit muß man sehr vorsichtig vergehen. In dieser sowie in ollen anderen Fragen würde man gut tun, das Urteil der Miffio- nare einzuholen, die Land und Leute am besten kennen. Tie Verwaltung müsse nicht bloß gerecht sein, sie müßte auch etwas für die Schwarzen leisten, damit diese lähen, daß ihnen für ihre Ar- beit auch ein Entgelt geboten wird. Die Missionare haben sich große Verdienste um die Er- zichung der Eingeborenen zur Gesittung erworben; sie haben sich nach Kräften bemüht, die Eingeborenen sowohl sittlich wie kulturell den Weißen nahe zu bringen. Tie Regierung muß die Missionen nach Kräften unterstützen, dabei dürfen die katholischen Missionen nicht vergessen werden.
Mittwoch: Fortsetzung.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 17. März 1908.
Die 8. Lesung des Etats wird fortgesetzt.
Ado. Gqßling (frf. Vp.) wendet sich gegen die vom Abg. Hei old (Ztr.) gestern gewünschte Unter- stellung der Wafferbauleitung unter das Landwirt- fchafisministkrium. — Bitt dem Anträge der Kon» servokiven, 200000 Mk. für Ostpreußen zur Beschaffung von Saatgut zur Verfügung zu stellen, ist er einverstanden, ebenso die folgenden Redner: Abg. Glatzct (ntlb.) und Abg. Dr. v. Woqna (ftk.). Auch Minister v. Arnim steht dem Aittrag sym- palhisch gegenüber.
Abg. Wallenborn (Ztr.) ist auch mit der Ten- denz des Antrages einverstanden, hat aber Bedenken gegen die Form der Zuwendung. Bei Prüfung gewerblicher Anlagen, bei denen landwirtschaftliche Interessen in Frage kommen, sollten stets landwitt- schaktliche Sachverständige zugezogen werden, wie das seinerzeit vom Grafen Spee gefordert wurde. Der Redner bittet um Ermäßigung der Kosten der Zusammenlegung von Grundstücken und beklagt die hohen Kosten, dir den Landwirten durch die Sperre bei Viehseuchen entstehen. Die Kosten für die Fleischbeschau sollten vom Staat übernommen werden.
Abg. v. Saviguq (Ztr.) bit'et die Regierung, die Bestrebungen, daß die Gemeinden durch Ortsstatut den Besuch der ländlichen Fortbildungsschulen obligatorisch machen können, durch Erlaß eines Gesetzes zu unterstützen. Weiter bittet Redner, im nächsten Etat, entsprechend einem gleichen Zuschuß der Provinz, seitens de§ Staates sünfundzwanzigtausend Mark mehr in den Westfonds für die Provinz Westfalen einzustellen.
Abg. Tourneau (Ztr.) wünscht ein Gesetz, durch welches die veralteten Grundsätze für die Ab- lösungSwerte im Reg.-Bez. Erfurt für Geistliche und Lehrer beseitigt werden.
Abg. Rogall von Bieberstein beantragte sür die Etats 1909 bis 1911 4 Millionen für dieAnsied- lungsbank für Ostpreußen, welche das preußische Landesökonomiekollegium durch seinen Beschluß vom 8. Februar 1908 befürwortet hatte, bereit zu stellen.
Landwirtschaftsminister v. Arnim hatte zwar gegen diesen Antrag Bedenken, doch stimmten die Äbg.Tewih-Olbenburg (ft.), Graw (Ztr.), Glatzelfnatl.) und Frhr. 8. Gamp dem Anträge Biederstem zu.
Der Antrag ging an die Budgetkommission.
Abg. 8. Arnim-Züsedom (k.) fragt den Minister des Innern, was von der Regierung gegen eine Störung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit durch die für den 18. März geplanten sozialdemokratischen S traße n tu nd gebung en geschehen sei.
Im DunkeM.
Roman von Ernesto Selsa.
Nach einer wahren Begebenheit erzählt.
25] (Nachdruck verboten.)
Aber da bas Aktenpaket, welches Gaetano fälschlich als das gesuchte bezeichnet, sich in dem obersten Regal des Schrankes befand, war es nötig, sich zu dessen Erlangung einer Trittleiter zu bedienen.
Grsckäftig holte Gaetano dieselbe herbei, und, als wolle er seinem Prinzipal die Mühe ersparen, dieselbe zu besteigen, kletterte er selbst geschickt hinauf, dem wartenden Tommaso das verstaubte Aktenbündel herabzureichen.
Tiefer verfügte sich damit an seinen Schreibtisch, machte sich dis nötigen Notizen und gab die Akten wieder dem Schreiber, von feinem Platze aus genau dessen Tun beobachtend.
Er konnte sehen, wie Gaetano das Bündel in das obere Fach zurücklegte, dann herabstieg und den Schrank verschloß; der rostige Schlüssel knarrte im Schlosse. Gleich darauf brachte ihm der Schrei- ber den Schlüsselbund zurück.
In Wirklichkeit jedoch hatte Gaetano den Schlüssel zwar zweimal im Schlöffe herumgedreht, aber ohne vorher die Türe fest anzudrücken. So blieb diese offen, was man umsoweniger bemerken konnte, weil er die Trittleiter vor den Schrank gerückt hatte.
Basileo, der eifrig die Arbeit erledigte, die er durch seine Abwesenheit von Hause am Morgen versäumt hatte, achtete nicht auf das Gebaren feines Schreibers, hatte doch nichts seinen Verdacht erregt.
Als eine Stunde vergangen war und der Fremde sich noch nicht wieder eingestellt hatte, die erbetene Auskunft entgegen zu nehmen, gab der Notar seinem Schreiber zu verstehen, daß er Kwhl heute etwas länger in dem Bureau verwei
len könne, um die verlorene Zeit wieder einzuholen und den Fremden zu erwarten.
Gaetano machte ein verdrießliches Gesicht und zuckte die Achseln, aber er blieb und Notar Basileo war zum erstenmal seit langer Zeit wieder mit dem Eifer seines Untergebenen zufrieden. Des- halb schickte er sich auch mit großer Seelenruhr an, als die zweite Stunde herangekomrx^ü war, das Bureau zu verlassen, um in fe-fier Wohnung in der Vorstadt Loreto sein Hc'cheidenes Mittagsmahl einzunehmen.
Gaetano bließ allein. Eine Viertelstunde ließ er vergehe»;, ohne etwas zu berühren; der Notar hätte ja noch einmal zurückkehren können, dann ßrhob er sich, schloß die Tür des Büros und schob den Riegel vor; jetzt war er sicher, daß niemand ihn zu überraschen vermochte.
Eilfertig erkletterte er sodann die Trittleiter und indem er halblaut von dem Zettel ablas, auf welck>em er sich die Notizen gemacht nach des Fremden Diktat: Nummer 208 — Testamente all’ anima —" wühlte er in den alten vergilbten Papieren herum, ab und zu innehaltend und besorgte Blicke nach der Tür werfend, ob sich fein Geräusch von da vernehmen ließ — aber es blieb alles still.
Endlich hatte Gaetano das Gesuchte gefunden. Er seufzte tief auf; sprang leichfüßig herab und drückte die Türe des Schrankes zu. .In seinen Händen hielt er eine Sammlung einzelner Hefte, welche mit rohem Zwirn zusammengenäht und durch eine grüne Schnur verbunden waren, er legte das Paket auf sein Pult und murmelte:
"D, jetzt werden wir genau sehen, um was es sich handelt, aber ich glaube schon jetzt das Spie! dieses feinen Herrn durchschaut zu haben, der mit armselige hundert Piaster für ein Papier bietet, ba3 ihm viele Tausende einträgt Er wird ein entfernter Verwandter des Erblassers sein und trachtet danach, sich das Geld des Verstorbenen anzuelgnen, welches dieser für sein Seelenheil zu verwenden gedachte. Sobald das Original des Testamentes hier verschwunden ist und sich in sei
nen Händen befindet, wird er einen Prozeß anstelle», der sicherlich zu feinen Sanften ausfällt, nun, er soll einen angemeffenen Preis zahlen, oder er erhält nichts,"
. So sprechend, entfaltete Gaetano Heft um Heft, die steifgeschnörgelten, vergilbten Schriftzuge überfliegend. Seine vorher ausgesprochene Meinung wurde durch die Lektüre bestätigt, und eben wollte er das letzte Heft offnen, als ihm ein Brief in die Hand kam, der am Rande desselben, als aus Palermo kommend, vermerkt war und eine wichtige Meldung enthielt.
Gaetano öffnete anch dieses Schreiben, doch wie geläh mt starrte er darauf hin.
Was war das? Diese großen unregelmäßigen Schristzcichen waren ihm nur zu wohl bekannt, das war die Handschrift des Mannes, dessen An- denken einer offenen Wunde glich, die niemals vernarben wollte.
In nervöser Hast schlug er das Blatt um und da stand ja klar und deutlich die Unterschrift des Briefschreibers: Antonio Pisani.
War das ein Blendwerk der Hölle, das ihm überall den Namen des Vaters vorspiegelte? Wie kam der Brief in dieses Aktenbüudel?
Gaetano stellte sich erbebend diese Fragen, er konnte zwischen dem Testament und dem Briefe seines Vaters allerdings keinen Zusamemnhang entdecken. Der geneigte Leser jedoch, der auf- merksam dem Gange dieser wahrheitsgetreuen Geschickte gefolgt ist, wird sich erinnern, daß Tom- mass Basileo in dem Momenl, wo er den Brief seines Genossen Pisani erhielt, mit Durchsicht von Testamentsakten beschäftigt war, zu welcher Arbeit ihn ein kurz vorher eingegangenes Schreiben aus Palermo veranlaßt hatte.
Im hohen Grade erregt durch die Mitteilung von dem Schatze, hatte der Notar die Akten zusammengepackt, denselben den Brief aus Palermo beifügend, während er das Schreiben Pisanis iy kleine Stücke zerriß und in den Kamin warf.
Nur hatte er bei dieser Manipulation den ^if3- griff begangen, den Brief aus Palermo zu ver-
Mlnister 8. Moltke: Sollte die Sozialdemo» fratie wider Ermatten ihre Ankündigung wahr macken und die Straße wieder zum Schauplatz von Demonsirarioneu machen wollen, so wird die Polizei die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung zu wahren wissen.
Abg. Frhr. 8. Zedlitz (ft) äußert feine Befriedig gung über die Erklärung be3 Ministers.
Abq. 8 Bülow-tzamburg (natL) spricht sich gegen die beabsichligre Errichtung einer Automobil« renn bahn im Taunus aus.
Mittwoch: Fortsetzung.
Deutsches Reich.
Mau diniert.
Ter heutige Tag soll bekanntlich die Entscheid düng über den § 7 des Vereinsgesetzes bringen. Tie „Freis. Ztg." sieht sich veranlaßt, noch in letzter Stunde „nachdrücklich" zu erklären, „daß die Freisinnigen es ablehnen, Vörsengesetz und Vereinsgesetz zum Gegenstand eines Kuhhan- dcls zn machen und daß sie sich nie dazu verstehe, wider ihre Ueberzengung Gesetzesbestimmungen zuzustimmen, nur um auf der anderen Seite Konzessionen zu erhalten." Das heißt fo viel als: bis jetzt ist der Kuhhandel noch nicht gelungen. Wie die „Post" meldet, fand gestern int Rcichskanzlerpalais eine längere Konfe« reu z zwischen dem Fürsten Bülow und dem Abg. Dr. Mülle r-Meiningen und v. Payer statt, lieber das Ergebnis wird einstweilen strengstes Stillschweigen bewahrt. Im Laufe des, gestrigen Tages haben die freisinnigen Parteien Bo- sprechungen über ihre Stellungnahme bet § 7 des Vereinsgesetzes abgehalten, und es ver« lautet, daß dabei eine Form gefunden worden sein soll, die der Regierung zwar noch nicht ganz genehm ist. die es aber dem Freisin/l ermöglicht, hoffähig zu bleiben. Was an dieser Form noch abzuschleifen übrig bleibt, damit sie beß gange Wohlgefallen der Regierung finde, wird gestern abend ebenfalls im Reichskanzlerpalais vollzogen worden fein. Fürst Bülow hat nämlich für gestern abend seine Getreuen zu einem der beliebten und so „heilsamen" intimen Diner- eingelaben. Beim perlenden Champagner wird sich dann schon der für den Freisinn rechte Weg finden lassen, der zwar schnurstracks an den Prinzipien vorüber, aber umso direkter zum Umfall führt.
a Enttäuschte Beamten — enttäuschte Bete» ranen. Der Block hat die Beamten um ihre Gr« haltSausbefferungen, die man ihnen fest zugesagt hatte, gebracht. Den enttäuschten Beamten sind jetzt schnell die enttäuschten Veteranen gefolgt Wenn das, was bei den vielfach endlosen Rede« leien zugunsten der Veteranen tm Reichstage herausgekommen ist, auch nur entfernt dem entspräche, was man sonst mit parlamentarischen Aktionen zu erreichen pflegt, dann stände es um die alten Kriegsteilnehmer, die auf den Düppeler Schanzen, auf den Schlachtfeldern Böhmens und Frankreichs ihr Blut für Preußen»Deutschland eingesetzt haben, nicht so schlimm, wie es heute tatsächlich vielfach der Fall ist. Wer int industriellen Leben verunglückt ober invalide wird, für den wird wenigstens in etwa gesorgt. Ien- aber, von den n man bei häufigeren hartnäckigen Krankheiten bemitleidend und vielsagend meint: „Der hat den Feldzug mitgemacht", jene, die stH" unter den Entsagungen des Felbru-?§ in durchwachten kalten Nächten, durch längeres Verbletden in naffer Kleiduno ;t. rc. gesundheitlich: Schädi- gangen für Hx ganzes Leben geholt haben, die ettelten bei uns nur in besonderen Fällen
Nichten und den Pisanis den Akten einzuverleiben. So hatte es denn kommen können, daß Gaetano nach Jahren den verhängnisvollen Fund getan. ;
Die Blicke des jungen Mannes hafteten wie gebannt auf den folgenden Zeilen:
„Oualiano, im August 1867.
Mein lieber Freund Tommaso l
Da ich mich keinen Augenblick mehr sicher fühle, drängt es mich, Dir eine Mitteilung ztt machen, die Du als meinen letzten Willen betrachten magst— sie betrifft unseren Schatz.
Der Besitz der Juwelen würde mich sogleich kanten Aussichtspunkte, liegt das Kästchen vergraben und will Dir jetzt den Ort nennen, wo dies geschah. Deiner Freundestreue vertrauend.
Du kennst den Wald des Marchese del Callo; dort unter der Riefeneiche, nicht weit von dem bc* fanntenn Aussichtspunkte, liegt das Kästcken vergraben. Sei vorsichtig bei Hebung des Schatzes, der ohnehin zur Hälfte Dein ist, gemäß unserer Verabredung.
Mein letzter Wunsch und Wille aber ist, daß Du die mir gehörige Hälfte desselben nach uni nach verkaufen und meiner armen Familie nach Kalabrien senden mögest.
Dir wird es leicht gelingen, die Steine uni Perlen zu Geld« zu machen, von denen Du ja stets behauptetest, daß sie über zwanzigtauseni Dukaten an Wert hätten.
Ich beschwöre Dich, meinen armen Kindern diesen Reichtum zuzuwenden, für den ihr Vater vielleicht mit seinem Blute zahlen muß.
Unter der Bedingung, daß Du mir einen heiligen Eid leistest, dies zu tun, schwöre auch ich Dir zu, daß ich im Falle einer Entdeckung und meiner. Verhaftung, die Schuld ganz allein auf mich nehmen und Deinen Namen verschweigen will. Ties Versprechen werde ich halten, fo wahr Gott mir helfen möge in meiner letzten Stunde.
(Fortsetzung folgt.)