MaerW Zeitung
wochenbellage: „Illustrierte Soimtagrzeiwng"
Monakbellagc: „FMaer GeschichtrblAter"
Fulda, Donnerstag den 12. März 1908.
Die Berechtigungen der höheren
Zweites Matt
Schulen.
Kleines Feuilleton.
35. Jahrgang.
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M 60.
mehr Brennmaterial zu gebrauchen, als für den beabsichtigten Zweck notwendig ist. Meist wird allerdings die Gaskocheinrichtung nicht so gehandhabt, wie es unter Berücksichtigung vernünftiger Sparsamkeit geschehen sollte. Man begnügt sich damit, den Gashahn zuzudrehen, wenn man kein Feuer mehr bedarf, eine Regulierung des Hahnes auf eine geringere Gasentnahme und Wärmeentwickelung wird fast niemals ausgeübt. Und doch ist es diese Regulierbarkeit, welche die hauptsächliche Ersparnis bewirken kann, und zwar so sehr, daß bei den meisten Einrichtungen eine Ersparnis bis auf die Hälfte des Gasverbrauä-s erzielt werden könnte, wenn die Apparate richtig gehandhabt würden. Bet fast allen Speisen ist es notwendig, dieselben Lauernd in der Siedetemperatur, sei es nun von Wasser oder, wie beim Braten, von Del oder Fett zu halten. Bei der Erhöhung der Temperatur b i s zum Siedepunkte ist eine Verschwendung von Wärme nicht zu befürchten. Es wird meist alle Wärme nutzbar verwendet, welche überhaupt verwendet werden kann. Je größer die Flamme ist, um so schneller wird der Zeitpunkt des Siedens erreicht. V o n d a ab wird aber fast immer eine große Verschwendung getrieben. Um den Inhalt eines Gefäßes in der g l e i ch e n Temperatur zu halten, bedarf es natürlicherweise nur einer geringeren Wärmequote, als diejmige ist, welche eine Erhöhung der Temperatur erforderte. Daraus geht direkt hervor, daß von diesem Zeitpunkt ab die Wärmequelle verringert werden kann. Alle Flüssigkeiten können nur bis zu einem gewissen Temperaturgrade erhitzt werden, Wasser bis auf 100 Grad Celsius, die Fette bis zu einer höheren Temperatur, nämlich bis zu deren Siedepunkt. Heißer werden sie dann auch bei dem stärksten treuer nicht. Tie überflüssige Wärme dient lediglich dazu, die Flüssigkeiten in Dampf zu verwandeln. Jede Tampfblase, welche aus dem Wasser aufsteigt, bedingt eine Vergeudung von Wärme, die gar nicht unerheblich ist. Ob Waster oher Speisen mehr oder weniger stark
hiesigen Oberrealschule von Ost erst d. I. an in den drei oberen Klassen fakultativer Latein unterricht er* teilt werden. !
Um Apotheker oder Zahnarzt zu werden, muß man merkwürdigerweise noch immer gleich bei der Zulassung lateinische Kenntnisse nachweisen; unt Tierarzt zu werden, sind sie nicht erforderlich.
Für das Studium an technischen Hochs schulen bietet das Durchmachen einer Oberreah schule anerkannte Vorzüge vor den beiden anderen gleichartigen höheren Lehranstalten. ;
Zum Eintritt in das Landheer und in die M a r i n e berechtigt das Reifezeugnis jeder der drei höheren Schulen mit gewissest Besonderheiten in der Forderung bestimmter No- ten in bestimmten Fächern. Die Oberrealschul« dürfte wohl denen besonders zu empfehlen sein, die in die kaiserliche Marine eintreten wollest oder sich für eine der Spezialwaffen, der sogen, gelehrten Waffen, bestimmen.
Für den Eintritt in die Finanzverwal- t u n g, die Reichsbank, für das Studium der Sozialpolitik und die aus ihm hervorgehenden Berufsarten, sowie für das höhere Forstfach und das B e r g f a ch gibt die Oberrealschule insbesondere eine gute Vorbildung.
Bei alledem ist die von dieser zeitgemäßestett der drei höheren Lehranstalten übermittelte Bildung durchaus eine höhere Allgemeinbildung, keine eigentliche Fachbildung. Die Vorkämpfer der Oberrealschule halten mit Recht an diesem Ansprüche fest. Als der Verein für Schulreform auf seiner Hamburger Tagung den Vertretern des lateinlosen höheren Schulwesens vorschlug/ man solle gemeinsam bei den Regierungen dahist wirken, daß jeder der drei Schulen die Vorbildung für besondere Berufe zugeteilt werde, so dem Gymnasium die für das theologische und juristische! Studium, der Oberrealschule für die technischen Fächer und für die Medizin, und daß den Abiturienten von einer Anstalt, die sich einem dieser nicht zustehenden Studium zuwenden wollten/ eine Ergänzungsprüfung zur Pflicht gemacht werde, da wiesen die Freunde des lateinlosest Schulwesens diese Zumutung glattweg ab mit dem Hinweis, daß damit die höheren Lehranstalt ten zu Fachschulen herabgesetzt würden, was fit! für die Oberrealschule wenigstens nicht zugebest könnten.
kochen, ist also für die Temperatur im Gefäß völlig gleichgiltig, sie bleibt unbedingt auf dem Siedepunkt stehen. Es ist aber auch für die Bereitung der Speisen absolut gleichgiltig, ob die Tcnrperatur um einen Grad tiefer ist, ob sie nun anstatt 100 nur 99 Grad beträgt. Wäre das nicht der Fall, so könnte man auf der Spitze von Bergen oder Anhöhen überhaupt nichts gar kochen; denn in hochgelegenen Punkten liegt bekanntlich die Siedetemperatur, entsprechend dem verringerten Luftdruck, um einige Grade tiefer als in dem Niveau der Meeresoberfläche, wo sie 100 Grad Celsius beträgt. Hieraus ergibt sich die Vorschrift, die Wärmezufuhr, nachdem die Siedetemperatur erreicht ist, erheblich zu verringern, und zwar auf so viel, daß entweder nur ein ganz schwaches Sieden noch erfolgt, oder dieses eben völlig a u f h ö r t und nur erst eintritt, wenn die Gaszufuhr und damit die Temperatur um einen ganz minimalen Teil erhöht wird. Die Gasersparnis, die durch ein solches Verfahren erzielt werden kann, ist sehr erheblich, wovon man sich bei dem ersten Versuch sofort überzeugen wird. Man kann tatsächlich durch die aufmerksame Be- obachtung dieser Vorschrift die Gasrechnung für Kochgas um 30, 40 oder gar 50 Prozent ermäßigen, und erst dann wird die Gaskocheinrichtung diejenige Ersparnis im Haushalt bringen, welche sie bringen kann.
— Scherz und Ernst im Stadtverordneten- Kollegium. Ein niedlicher Zwischenfall spielte sich in der letzten Stadtverordnetensitzung zu Ahlen ab. Die Tür des Sitzungssaales öffnet sich, und herein tritt in seinem üblichen Alltagskostüm der Händler Bern. B., um der Sitzung als Zuhörer beizuwohnen. Der Vorsitzende besieht sich den Gast und erklärt, zum Kollegium gewendet, also: „Meine Herren I Wenn wir hier zu den Sitzungen erscheinen, so haben wir uns, der Würde des Hauses entsprechend, ordentliche und propere Kleidung angezogen. Die Kleidung des hier erscheinenden Händlers B. aber entspricht nicht der Würde des Hauses. Ich bitte, in gehei-
Man schreibt uns:
Die einschneidende Umgestaltung, welche das Berechtigungswesen der höheren Schulen in , den letzten Jahren erfahren hat, ist noch bei weitem nicht so gut bekannt, wie es wünschenswert wäre. Selbst in den Kreisen akademisch gebildeter Män. ner, soweit sie nicht unmittelbar mit der Schule zu tun haben, findet man hierüber vielfach unzutreffende Anschauungen. Das kann verhängnisvoll werden, wenn z. B. Eltern bei der Wahl eines Berufes für ihren Sohn und bei der Frage nach der besten Vorbildung dazu solche Akademiker ihrer Bekanntschaft um Rat angehen. Nicht selten wird dann falsche Auskunft erteilt und ein solcher akademisch gebildeter Herr nimmt wohl mit ungläubigem Erstaunen von einem Oberrealschüler die Behauptung entgegen, daß Abiturienten seiner Anstalt sich dem juristischen oder dem medizinischen Studium oder dem. höheren Lehrfache zuwenden. Es dürfte angezeigt fein, diese wichtige Angelegenheit vor einem größeren Publikum von Interessenten klar zu stellen.
Um mit den Universitäten zu beginnen, fo ist das theologische Studium nach wie vor an das Reifezeugnis eines Gymnasiums geknüpft, sowohl in der katholischen wie in der evangelischen Kirche. Doch hat jüngst der badische Oberkirchenrat den- Oberrealkchulabiturienten die Zulassung wenigstens zum Studium der evangelischen Theologie gewährt.
Durch das vorgeschriebene Studium in der philosophischen Fakultät können Oberrealschulabiturienten sich die Befähigung für das höhere Lehramt in allen Fächern und an allen Schulen, auch an Landwirtschaftsschulen, erwerben. Daß sie an der Mehrzahl der Universitäten sich auch den philosophischen Doktorhut holen können — nur einige halten an dem alten Zopfe eines rigorosum im Griechischen fest — sei nebenbei gesagt. Daß ihnen alle einschlägigen Berufe im freien Erwerbsleben — bei Handelskammern, als Chemiker, als Journalisten usw. — offen stehen, ist selbstverständlich.
Iw der juristischen Fakultät werden Oberrealschulabiturienten ohne weiteres auf Grund ihres Reifezeugnisses immatrikuliert und auch zu den nachfolgenden Prüfungen zugelassen mit dem Rechte au? Anstellung im Staatsdienste. Indes muß der Nichtlateiner Sorge tragen, daß er sich für die Referendarprllfung die zum Verständnisse der lateinischen Rechtsauellen erforderliche Kenntnis der lateinischen Sprache aneignet. An fast allen Universitäten — wenigstens den preußischen — sind, um ihm das zu erleichtern, lateinische Kurse eingerichtet. Nach Veröffentlichungen von Dozenten, die solche Kurse leiten, sind deren Ergebnisse für die von Nealanstalten kommenden Teilnehmer durchaus günstig. Da zum Eintritt in den untersten Kursus bereits die grundlegenden Kenntnisse der lateinischen Sprache vorhanden sein müssen, so haben viele Oberrealschulen in den drei Oberklassen einen fakultativen Lateinunterricht eingeführt.
Auch zum medizinischen Studium berechtigt jetzt das Reifezeugnis der Oberrealschule ohne weiteres. Erst bei den medizinischen Prüfungen muß der Oberrealschulabiturient lateinische Kenntnisse nachweisen. Hat er aber an dem dreijährigen fakultativen Lateinkursus seiner Anstalt teilgenommen, so gilt der Nachweis des Besitzes der geforderten Kenntnisse durch ein Zeugnis seines Direktors hierüber als erbracht, und er wird nicht weiter einer Prüfung im Lateinischen unterzogen.
Dieser Sachlage gemäß wird mit Genehmigung der Behörde an der
Uurnahme der Son* Mttb Feiertage, viertel* jährliche» vezugLprek ohne vrtngerlohn und vestellgeld in Fulda fo* 'wie antwort* 1.50 Ult
vrrant«. Redakteur: «arl Schütte;
Lnzelse«: me St spaltige Petitzeile »K deren Lau« 15 pf/ Seklamendiepetitzeij 25 pfg^ bei Wiede, Holungen wird entspk
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Aus dem Nachbargebiete.
* Engelhelms, 11. März 1908. Die etwa 215 Hektar große Gemeindejagd, die für 178 Mark an die Landgräfliche Forstverwaltung zst Adolfseck verpachtet war, kam bei der Neuverpachtung an denselben Pächter auf 425 Mark. .
* Hanau, 11. März 1908. Schwurgericht* Für die am 6. April beginnenden Schwurgerichtsverhandlungen wurden folgende Herren als Geschworene ausgelost: Jean Gleiß, Etuisfabrikant/ Hanau. Philipp Hofmann, Landwirt, Bischofsheim, Hermann Reinhard, Domänenpächter, Fürsteneck. Gustav Schwarz, Domänenpächter, Kin- zigheimerhof. Georg Konrad Müller, Maurer* meister, Fechenheim. Leopold Fein, Kontorist/ Fechenheim. Erasmus Knaf, Bauer, Vollmerz. Georg Linneberger, Bürgermeister, Altenhaßlau. Karl Beck, Bierbrauereibesitzer, Hanau. Wilhelm Kaiser, Bierbrauereibesitzer, Hanau. Anton Kalb, Rentner, Hanau. Ludwig Adelmann, Steinmetzmeister, Hanau. Karl Schirmeyer, Stadt- baurat, Fulda. Joh. Kind, Schuhmachermei- ter, Fulda. Wilhelm Hausmann, Kaufmann, Fulda. David Schmitt, Auszüger, Salzschlirf. Ernst Heinrich Engel, Gastwirt Hailer. Adam Joseph Zilg, Hofschlossermeister, Hanau. Kilian Wolf, Baumaterialienhändler, Biebell. Theodor Kimmel, Domänenpächter, Rüdigheimer-
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mer Sitzung darüber zu beschließen, ob B. hier heute zugelassen werden soll." — In geheimer, Sitzung beschloß sodann das Kollegium, B. wegen Nichtachtung des Hauses von der Sitzung auszu»! schließen. B. ging also von dannen, und die Be-' ratungen wurden in ruhiger Weise weiter gepflogen. . Beim dritten Verhandlungspunkte öffnet: sich die Tür abermals und herein tritt — B. zums zweitenmal. Diesmal hat er sich seinen besten Sonntags-Ueberzieher angezogen. (Die Herren^ Stadtväter verbeißen sichtlich ein Lächeln.) »Sie sind für heute laut Stadtverordnetenbeschluß von der Sitzung ausgeschloffen", erklärt der Vorsitzende dem B. Dieser streift mit wohlgefälligen' Blicken seinen Sonntags-Ueberzieher, bleibt einen: Augenblick unschlüssig stehen, besieht sich nochmals seinen Staat, schiittelt den Kopf und verläßt dies' sich ihm ,so ungastlich erweisende Stätte.
— Die deutsche Sprache. Auf dem Kasernenhof üben die Rekruten Parademarsch in Korporalschasten Der Unteroffizier dedailliert noch einmal alle Ge heimniffe dieser Kunst und schließt seine ErläutS
empfahl, soll nach der Mitteilung des Breslauer fozialdemokratischen Blattes vor der letzten Stichwahl in den katholischen Ortschaften seines Wahl- kreises erschienen sein und die Leute recht andächtig mit dem Satze: „Gelobt sei Jesus Christus" gegrüßt haben. Wir wissen nicht, ob das zutreffend ist; aber bei einem Freisinnigen ist schließlich alles möglich.
a. Die Haftung des Staates rc. für die Beamten ist ein lang gehegter Wunsch der Bevölkerung. Nunmehr ist dem Abgeordnetenhause am Mittwoch der Gesetzentwurf über die Haftung des Staate- und anderer Verbände für Amtsverletzungen von Beamten bei Aus- Übung der öffentlichen Gewalt zugegangen.
= Eine Ungerechtigkeit ist die Po lene nt- eignungsvorlag« sogar von einem preußischen Minister genannt worden. Es war am 27. Mai 1902 bei der Beratung der damaligen An- stedlungSvorlage, als der Finanzminister Freiherr v. Rheinbaben ausführte:
Der Herr Abgeordnete Fritzen hat ausgeführt, daß seine Partei nach wie vor der Borlage gegenüber auf einem ablehnenden Standpunkt stehe, weil sie in der Vorlage eine Ungerechtigkeit gegen die Polen erblicke. Meine Herren, ich darf in dieser Beziehung zunächst daran erinnern, daß eine Ungerechtigkeit In keiner Weise vorliegt. Eine solche Ungerechtigkeit möchte vorliegen, wenn wir irg endwie die Güter der Polen zwangsweise versteigern wollten; aber wir nehmen doch nur die Güter, die uns die Polen freiwillig anbieten. Also worin liegt die Ungerechtigkeit?
Und heute? Heute ist Freiherr v. Rheinbaben der glühendste Verteidiger der Zwangsenteignung Nicht jede Politik verdirbt den Charakter, aber zweifellos die hakatistische Politik.
* Bom guten Ton in Neuß j. L. In der Angelegenheit der Trauung des Fürsten Ferdinand von Bulgarien hat das fürstlich reußische Hofmarschallamt eine amtliche Mit- teilung an die ,Geraer Zeitung' gelangen lasten, die um ihres vornehmen Tones willen so bemerkenswert ist, daß wir sie noch nachträglich hier wiedergeben wollen. Sie lautet:
Den über die Vermählung in der auswärtigen Presse verbreiteten, gänzlich aus der Luft gegrtf- fenen Nachrichten gegenüber, wonach auf Schloß Osterstein nur ein evangelischer Gottesdienst, aber keine gütige evangelische Trauung stattgefunden habe, roirb hierdurch auf Befehl des Erbprinzen amtlich festgestellt, daß am 1. Märzd. I., mittags 12 Uhr, in der Schloßkirche zu Osterstein eine vollgiltige evangelische kirchliche Trauung vollzogen worden ist. Die Ausführungen des ,Bamb. Tagebl/ und anderer Blätter enthalten eine völlige Entstellung der Tatsachen und muffen als eine dreiste Erfindun g bezeichnet werden. Man hat es bei dieser ganzen Ausstreuung mit einer perfiden ultramontanen Mache zu tun, die bestrebt rst, nachträglich die Tatsachen auf den Kopf zu stellen, um der in Wirklichkeit erfolgten rechtsgiltigen evangelischen Trauung jede Bedeutung zu nehmen.....
Die von ultramontaner Seite in die Welt gesetzte haltlose Erfindung enthält nicht nur eine Beleidigung des reußischen Fürstenhauses, sondern auch eine Verunglimpfung der Monarchen, die Vertreter zu der Feier entsandt hatten, sowie aller übrigen bei der Trauung anwesenden Fürstlichkeiten, wenn nämlich behauptet wird, daß sie nur einer Scheinirauung, also einem betrügerischen Schausptel auf Einladung des Erbprinzen beigewohnt hätten. Diese perfide ultramontaneMacheistvon Bamberg ausgegangen. Wir bedauern sehr, daß es der Erzbischof von Abert dulden muß, den Namen seiner Diözese mit derlei Treibereien in Verbindung gebracht zu sehen.
Man wird den Stil des artigen Hofmarschallamtes umsomehr bewundern, als es fachlich bekanntlich im Unrecht ist; tatsächlich hat nur eine katholische Trauung stattgefunden.
Deutsches Reich.
Je? Der ganze Jammer der Blockpolitik ivird in einer hier schon erwähnten Zuschrift an die blockfreundliche ,Voff. Ztg/ von einer sach- jlundigen Hand bloßgelegt. Der Verfaffer sagt 'mit Recht, daß die „reumütige Rückkehr in die Zentrum-arme für den Fürsten Bülow persönlich wohl ausgeschlossen ist." Er hat sich .a nach Erlaß deS noch etwas besonnenen Silvesterbriefes von den Kufturkämpsern verleiten lassen, ibie Brücken zum Zentrum vollständig abzubrechen. Nichtig ist ferner die Feststellung, daß äugen-1 blicklich das „Fortwursteln" im Gange ist. Wenn aber der Verfasser meint, das Fortwursteln würde kaum länger als bis in den Herbst hinein Dauern können, so verhalten wir unS demgegenüber abwartend. Nach den bisherigen Leistungen j>er ausweichenden Verschleppungstaktik ist nicht abzusehen, wie lange die Kunst des Forstwurstelns 'hodj vorhält. Den Rücktritt des Fürsten jBülow wünscht der Verfaffer nicht, weil er meint, der Nachfolger würde „noch reaktionärer" ifcin. Kann sein, kann auch nicht fein! UnS kommt der gegenwärtige Reichskanzler in manchen Dingen, z. B. auch in den hakatistischen Fragen, so „reaktionär" vor, daß er kaum noch übertrumpft werden kann. Der Verfasser kommt zu dem Schluffe: Fürst Bülow habe sein altes ■ Paarungsprogramm verleugnet, indem er sich einseitig auf die Seite der Konservativen gestellt habe; er müffe zur Paarung, zum Ausgleich, zu liberalen Zugeständnissen zurückkehren, sim die Blocklinie wiederzufinden. Da irrt der verfaffer doch wohl. Allerdings sind ja die Hoffnungen der Linken sehr enttäuscht, nament- >Uch im Punkte der Wahlreform. Der Verfasser Mag auch wohl recht haben mit der Behauptung, daß in Norderney sich Fürst Bülow „einer Re- iform des Wahlrechts gar nicht abgeneigt gezeigt" habe, vorbehaltlich der Gleichheit des Stimmrechts, dir er als vorteilhaft für die Sozial- Demokratie und für das — Zentrum verworfen )cibe. Schön. Nun ist aber inzwischen die brüske Absage an die Wahlreform erfolgt, und hie Linke hat diese bittere Prlle geduldig J «schluckt. Das ist eine Tatsache, die offenbar en Kanzler zu den größten Hoffnungen auf die freisinnige Dienstwilligkeit berechtigt. Augenblicklich wird nun eine neue Probe auf ,die Charakterfestigkest der bürgerlichen Linken . 'veranstaltet. Unter der Drohung, daß man sonst das ganze Verein-gesetz scheitern lasse, soll sie bewogen werden, in die Reihen der haka« tistischen Gewaltpolitiker einzmücken. Den Ausgang dieser Probe wollen wir erst abwarten, ehe wir der Ansicht zustimmen, daß Fürst Bülow Zugeständniffe an den Liberalismus machen müffe, um seine neuen Staatsstützen bei der Stang« zu halten. Fallen die Linksliberalen in diesem Punkte um, so wäre er ein Tor, wenn er für ihre selbstverständlichen Dienste noch strgend etwas zahlen wollte. Der Reichskanzler darf hoffen, daß die Freisinnigen auch ohne Zugeständniffe — auS lauter Zentrumsscheu und Dienstseligkrit — die Blockpolitik weiter unter- stützen.
4- Der freisinnige Abg. Kopsch, der kürzlich fn Halle a. S. die Gründung eines „Kulturblocks"
— In der kaiserlichen Familie führt der Kaiser ein strenges Regiment. Dies mußte neulich fein Schwager Prinz Friedrich Leopold erfahren, ber eine Schwester des Kaisers zur Frau hat. Dieser hat schon einmal 14 Tage Stubenarrest abgemacht, als seine Frau in die See bei Potsdam gefallen war. Neuerdings war der Kaiser wieder 'Über ihn aufgebracht, weil er sich weigerte, zum Leichenbegängnis des Königs nach Lissabon zu gehen. Er erklärte dem Kaiser, daß er nicht Lust habe, eine Dynamitsuppe zu werden. Auch andere Monarchen hätten davon abgesehen, ihre 'nächsten Angehörigen und Verwandten nach Lissabon zu entsenden. Erzürnt erwiderte ihm der Kaiser, daß die Angst nicht in seinem Wörterbuch stehe. Er kommandierte seinen Sohn Eitel Fritz nach Liffabon. Auch der Kronprinz erhält hie Und da eine Lektion, die ihm nicht gefällt. Vor Hahr und Tag bekam er Stubenarrest zudiktiert, als er an einem Herrenreiten teilgenommen hatte, und kürzlich erging es ihm in einem ähnlichen Fall ebenso. Da ritt er nämlich bei einem Ouadrillereiten in einem Berliner Tattersall ■mit, und unter den mitwirkenden Reitern waren ’berfdjietiene, welche nicht zur Hofgesellschaft gehörten. Zudem war der Kronprinz nicht allein gekommen, sondern mit seiner Gemahlin, welche, ohne von einer Hofdame begleitet zu sein, dem Schauspiel zusah und sich köstlich dabei amüsierte. Als der Kaiser davon erfuhr, gab es ein kleines Donnerwetter, der Kronprinz bekam mehrtägigen Stubenarrest und der Kronprinzessin machte ihr kaiserlicher Schwiegervater klar, daß sich der Besuch eines Tattersalls für sie überhaupt nicht schicke, am wenigsten ohne Begleitung ihrer Hofdamen.
V — Bei Gaskocheinrichtullgen bestehen die Vorteile gegenüber der Kohlenheizung hauptsächlich in der Regulierbarkeit, welche gestattet, niemals
rungen mit dem Befehl; „Also, alles sieht bein Vorbeimarsch mir an!" Der Hauptmann führ die Aufsicht. Er kann den grammatischen Fehle« nicht ungerügt laflen und korrigiert: „Nein, mich, Unteroffizrer!" Diensteifrig, mit er ist, wendet sich dieser sofort wieder an seine Schäflein: „Also ch* seht nicht mir, sondern den Herrn Hauptmam an!" — Unwillig wendet ssich der Kompagniech« wreder an den Korporalschaftsführer: „Nein, Ss i j ollen die Leute ansehen I" — Der Unteroffizie schüttelt seinen Kops und gibt den Befehl art bi Rekruten weiter: „Nun seht mir doch wieder all« an I" Der Hauptmann hat es aufgegeben, sprachlich« Fehler zu berichtigen.
— Ein Kompliment. Galle: „Bist du auch b« Ansicht, Elisabeth, daß ein bedeutender Vater ost ein Hindernis sür das Fortkommen des Sohnes b* deutet?" Gattin: „Allerdings, und ich bin btt wirklich sehr dankbar, Hermann, daß unferm Jungest diese Schwierigkeit erspart ist."