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Fulda, Dienstag den 10. März 1908.

JV8 58.

35. Jahrgang.

Zweites WLatt.

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Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 9. März 1908.

Die Beratung des Eisen bahn et ats tvird fortgesetzt. Dabei beginnt die Besprechung von Spezia-lwünschen der Abgeordneten bezüglich des Umbaues von Bahnhöfen, des Aus­baues weiterer Bahnverbindungen und anderer derartiger, Lokalinteressen. Die Ausführungen der Redner haben meist nur lokale Bedeu­tung. U. a. wünscht

Abg. Heyne (nl.), daß in Göttingen der Uebergang in Schienenhöhe im Wegzuge der Groner Chaussee zu Ende geführt werde, weil die Verhältnisse dort sehr lebensgefährlich seien.

Abg. Hauptmann (Ztr.) fordert bessren Schutz von Kunstdenkmälern beim Eisenbahnbau.

Minister Breitenbach bestreitet, daß die Eisen- bahnverwaltung kunsthistorische Denkmäler zer­störe. Beim Bau der Eisenbahnen stände daS Verkehrsinteresse alledings im Vordergrund.

Abg. Funk (frs. Vp.) erklärt, in weiteren Krei- Jen habe es Enttäuschung hervorgerufen, daß für en Erweiterungsbau des Ostbahnhofes in Frank­furt im diesjährigen Etat nur 200 000 JC ent- halten seien. Mit der diesjährigen Rate seien im ganzen nur etwa eine Million aufgewendet wor­den. In Frankfurt befürchte man, wenn der Bau in diesem Tempo fortgeführt werde, er erst in langen Jahren zu Ende geführt werde.

Minister Breitenbach führt aus, es seien noch aus den früheren Raten Mittel vorhanden, sodaß keine Sorge über Geldknappheit vorhanden sei. Aus diesem Grunde sei auch die jetzige Rate so gering ausgefallen.

Roch eine große Anzahl von Rednern bringt lokale Wünsche vor.

Dienstag: Handel und Gewerbe.

Deutsches Reich.

L Die Kommission des Abgeordnetenhauses zur Vorberatung des Polizei kosten« Gesetz es fceaann am Freitag ihre Beratung. Der Minister hält die Vorlage für eine glückliche Lösung der Frage der Aufbringung der Polizeikosten. Ein vationalliberaler Abgeordneter sprach sich gegen die Vorlage au«, die durch die Quotisierung den Gemeinden stets schwankende Kosten auferlege, wobei die Gemeinden selbst nichts über die Höhe der Kosten zu bestimmen hätten. Redner begrün« bet sodann einen Antrag, die Kosten der Polizei« Verwaltung auch fernerhin nach Kopfzahlen der Bevölkerung zu berechnen und den Gemeinden daS Recht der Anfechtung der Kostenverteilunq vorzubehalten. Ein Mitglied de» Zentrums wendet stch ebensalls gegen die Borlage. Im äußersten Falle würde man da» Gesetz annehmen, wenn den Gemeinden statt zwei Fünftel nur ein Drittel der Polizeikosten auferle^t würden und man sie an den Einnahmen teilnehmen laste. Redner empstehlt daher die Annahme eines dahinzieleuden Anträge» des Zentrums. Nach weiterer Debatte wird der nationalliberale Antrag mit 11 gegen 8 Stimmen abgelehnt. Freitag den 13. März Fortsetzung.

X Ein Besuch der deutschen Geistlichen in England soll in nächster Zeit geplant sein. In bett Mitteilungen, die über diesen Besuch kürzlich in der Presse auftauchten, wurde auch erwähnt, daß auß« den Vertretern der evangelischen Kirche auch solche der katholischen, sowie Repräsen« tonten der jüdischen Religion und der Sekten zur Teilnahme aufgefordert werden würden. DaS geht natürlich dem fanatischen ,ReichSboterft wider den Strich und er wendet stch entschieden gegen ben .Versuch, katholische Priester zu betei­ligen". Dadurch würde der Zweck de« Besuch- ganz verfehlt. Eine ernsthafte, verständnisvolle Begrüßung könne nur zwischen englischen und deutschen evangelischen Ehristen stattstnden. Die Amvesmheit von Katholiken bei solchen Be­grüßungen könne nur für beide Teile störend wirken. Der .Reichsbote' ist aber so gnädig, den

Katholiken zu gestatten, daß sie ihrerseits auch eine Begrüßung-reife unternehmen.

** Ein neuer Nordostseekanal. Der Kaiser Wilhelmskanal, der 176 Mill. «M kostete, soll be­kanntlich mit einem Aufwand von 225 Mill. M erweitert werden. Kapitän a. D. Selentin ver­wirft die Verbreiterung des Kanals und agitiert für einen zweiten, sehr breiten Kanal. Ferner plant man in Dänemark den Limfjord zu einer neuen Wasterverbindung zwischen Ost- und Nord­see auszubauen. Schließlich beschäftigen sich zur Zeit weitere Kreise in der Nordmark mit der Frage eines neuen Nordostseekanals, der lediglich der Handelsschiffahrt dienen soll. Man geht von der Ansicht aus, daß der Kaiser Wilhelmkanal nach seinem Erweiterungsbau immer in erster Linie den militärischen Zwecken zu dienen hat, und daß der Kanal aus diesem Grunde nicht der Handelsschiffahrt gerecht werden könne. Vertre­ter der Städte Schleswig, Eckerförde, Husum und Flensburg haben beschlossen, an das Reichsamt des Innern sowie an sämtliche Mitglieder des Reichstages die Bitte zu richten, die ausgearbei­teten neuen Projekte durch eine Sonderkommis­sion prüfen zu lassen. Diese neuen Kanalprojekte beziehen sich auf folgende Linien: Flensburg- List, Eckernförde-Husum und Eckernsörde-Nor- dernflicht. Auch der Deutsch-Nautische Verbands­tag, der am 26. März in Berlin tagen wird, wird sich mit dieser Kanalfrage zu beschäftigen haben. Es darf als ausgeschlossen gelten, daß das Reich die Mittel für einen weiteren Kanal zur Ver­fügung stellt: ein Bedürfnis nach einem solchen besteht nicht.

* Dresden, 7. März 1908. AuS der sächsi­schen Wahlrechtsdeputation verlauten Gerüchte, welche bie Lage der Wahlreform in Sachsen als ä u ß e r st s ch w i e r i g erscheinen lassen. Nach biefen hat bie Deputation bisher alle möglichen Vorschläge erörtert, den Regierungsentwurf aber gar nicht beabsichtigt. Mit Rücksicht hierauf soll Minister Graf v. Hohenthäl bie Erklärung ab­gegeben haben, daß er ben Sitzungen nicht mehr beiwohnen werde, wenn der Regierungsentwurf nicht ernstlich erörtert werde. Hierauf hat sich die Wahlrechtsdeputation vertagt und die Er­klärung des Minister« den gesamten Abgeord­neten brieflich mitgeteilt.

Anstatt-.

* Die Entwickelung des Schießens in der englischen Marine. Nach einem Aufsätze in der ,Marine - Rundschau' hat da« Schießen mit Ge­schützen in der englischen Marine feit 1904, als bie Erfolge des damaligen Kapitän» zur See Percy Scott bekannt wurden, von Jahr zu Jahr sich vervollkommnet. Im September 1907 wurde im Beisein des Königs Eduard an Bord der „Dreadnought" ein Schießen abgehalten, hierbei wurden au» den beiden achteren Türmen (je zwei 30,5 Ztm.) innerhalb 2Vi Minuten 12 Schuß abgegeben und 11 Treffer erzielt.

* Die Koste« des Marokkofeldzugs. Bei der Beratung des Nachtragskredits für Marokko im Senat erwiderte Kriegsminister Picquart auf eine an ihn gerichtete Frage, der Truppenbestand in Marokko fei nach und nach nach auf 1300 0 Mann erhöht worden. Der Unterhalt der Trup­pen einschließlich derjenigen von Uschda und im Gebiete der Beni Snassen, und die Erneuerung des Materials habe bisher einen Aufwand von ungefähr 16 Millionen erfordert. Marine- minister Thomson erklärte, von der Marinever­waltung feien außerdem noch ungefähr vier Millionen verausgabt worden, nicht gerechnet die Reparatur der Schiffe» die noch nicht be- endigt fei.____________________________

Iahnslmicht dkl §MdklskW»m ;u fjmuui fil das Jahr 1907.

IV.

Die Fuldaer Wachswarenfabrika­tion, welche in der Hauptsache Luxuskerzen, Kirchenkerzen, Jlluminationslämpchen, Weih­nachtslichte, künstliche Waben und Bohnermasse herstellt, konnte auch im Berichtsjahre einen er­freulichen Geschäftsgang nicht verzeichnen. Na­mentlich sind die Preise aller Roh- und Hilfs- stoffe (Bienenwachs, Kohlen, Dochte, Kartons, Blechemballagen rc.) weiter gestiegen, und infolge

des letzten nassen Sommers ist auch für das nächste Jahr eine weitere erhebliche Verteuerung des Hauptmaterials, des Bienenwachses, zu erwarten. Andrerseits vermochten die Fabrikatpreise sich nicht zu einer ausgleichenden Höhe zu erheben. Trotz dieser ungünstigen Verhältnisse steigerte sich der Umsatz, die beteiligten Betriebe hatten na­mentlich in den letzten und haben auch für die nächsten Monate reichlich Aufträge.

Im Gegensatz zu anderen Branchen ist trotz aller Schwierigkeiten und trotz der fühlbaren Nachteile einer übertriebenen Konkurrenz bisher in der Wachsindustrie eine Vereinigung der maß­gebenden Firmen noch nicht geglückt, welche na­mentlich eine Beseitigung der Ueberproduktion und eine Preisvereinbarung zum Ziel haben müßte. Man hofft aber auf ein baldiges Ge­lingen und alsdann auf eine nachhaltige Besse­rung der Lage dieser Industrie.

In der in Fulda ansässigen Fabrikation von Schuh st offen, Teppichen und Möbel­stoffen konnte im Jahre 1907 die Produktion ge­gen das Vorjahr noch etwas gesteigert werden. Der Absatz verlief günstig, ließ allerdings gegen Ende des Jahres nach. Der Export gestaltete sich nach England, den britischen Kolonien, China und Japan befriedigend: er ist dagegen nach Frank­reich, Spanien und den Vereinigten Staaten we­gen der hohen Einfuhrzölle unmöglich geworden. Auf die Preisbildung wirkte die Verteuerung der Rohmaterialien nachteilig ein.

Die ebenfalls in Fulda betriebene Fabri­kation von Filztuchen hatte unter einer ausgesprochenen Ueberproduktion zu leiden, und bisher haben die Konventionsverhandlungen, die unter den deutschen Filzfabriken seit Jahren schon gepflogen werden, noch zu keinem Resultat ge­führt. Die Rohmaterialien, besonders Wolle, haben auch int Berichtsjahre eine fortgesetzte Stei­gerung erfahren, und erst am Ende des Jahres ist ein Abschlag erfolgt. Aber selbst unter Be­rücksichtigung dieses Abschlages sind die Herstel­lungspreise immer noch nicht in einem annähernd richtigen Verhältnis zu den Verkaufspreisen, die zufolge der Ueberproduktion sehr gedrückt sind.

Die ungünstigen Zollverhältnisse für Filzaus­fuhr nach den Vereinigten Staaten, sowie nach Canada mit seinem Strafzoll auf deutsche Waren, ferner nach Oesterreich, Rußland, machen den Ex­port nach diesen Ländern fast völlig unmöglich.

In der Fabrikation von wollenen Damenklei- derstoffen bewegten Produktion und Absatz für 1907 sich im Rahmen der günstigen Vorjahre. Das Rohmaterial blieb andauernd so teuer, daß die dafür aufzuwendenden Mehrkosten sich beim Verkauf nicht wieder einbringen ließen. Die Löhne haben eine ansehnliche weitere Erhöhung erfahren, teils in Form höherer Tageslohnfätze, aber auch infolge von Mehrleistungen in der Akkordarbeit.

In der Fuldaer Baumwollweberei blieb im Jahre 1907 die Produktion, da Störun­gen nicht vorkamen, die gleiche wie in den vorher- gegangenen Jahren.

Die Absatzverhältnisse waren im Frühjahr und Anfang Sommers trotz der enormen Preissteige- rung ziemlich günstig, da man mit weiteren Stei­gerungen rechnen zu müssen glaubte und sich für lauere Zeit eindeckte. Das Herbstgeschäft dagegen war durchaus schlecht, eine Folge des Rückganges der Rohbaumwollpreise (dem die Preise für fer­tige Waren nicht folgen können, da die Spinner die hohen Preise halten) und der infolge der all­gemeinen schwierigen Lage noch gefüllten Läger der Abnehmer. Dabei erfolgten Zahlungen außer­ordentlich langsam und kamen Verluste vor durch Fallimente. Das Auslandsgeschäft war dagegen bedeutend angenehmer, speziell nach dem Orient und nach Kreta bei wachsenden Umsätzen.

Schon seit Beginn des Jahres 1907 besteht eine außerordentliche Teuerung, die trotz Rückganges der Rohpreise eine nennenswerte Abschwächung nicht erfahren konnte, da die Spinnereien infolge sehr flotter Beschäftigung ihre Preise lediglich nach der Nachfrage einrichten konnten unb können.

Für die Fuldaer Seinen- und G e- bildweberei gestaltete sich der Absatz sehr lebhaft. Hauptsächlich zu Anfang 1907 war schon große Kauflust vorhanden, sodaß es nicht schwer fiel, die Gesamtproduktion des Berichtsjahres un- ierjitbringen und auch schon für 1908 größere Ab­schlüsse zu tätigen. Bedeutend schwieriger stellte sich der Einkauf sowohl in Leinengarn als auch in Baumwollgespinnsten. Die von den Spinnereien geforderten Preiserhöhungen waren derartig, daß es trotz der lebhaften Nachfrage nach fertigen Ge- weben nicht möglich war, fertig gewebte Ware zu entsprechend den Garnprei^nMsteigerten Preisen

unlerzubringen. Bis zum Herbst machte sich ehf Arbeitermangel bemerkbar, welcher aber sehr rasch fein Ende erreichte, da die Ordres verschiedener Industrien ausblieben. Die in Fulda bestehende Vereinigung der Arbeitgeber hat, durch ihr ruhi- ges Arbeiten eine befriedigende Wirkung sowohl auf den Arbeitsmarkt als auch auf das Verhält­nis zwischen Arbeitnehmenn und Arbeitgebern ausgeübt.

Die allgemeine Lage der Zellstoffabri- k a t i o n war int Berichtsjahre als günstig zu bezeichnen, da die Fabrikate bei etwas erhöhten Preisen schlanken Absatz fanden. Allerdings wurde der geringe Preisauffchlag durch die höheren Kohlen- und Holzpreise, sowie durch die höheren Löhne wieder ausgeglichen. Der Import in Zellulose ist ziemlich bedeutend und dürfte, nach­dem in letzter Zeit große ausländische Fabriken gebaut sind und jetzt ihren Betrieb aufgenommen Hahn, sich noch vergrößern. Es besteht die Ge­fahr, daß die Preise auf dem Jnlandsmarkt dann einen kleinen Rückgang erfahren, was um so be­dauerlicher wäre, als, wie bemerkt, die Produk- tionskostei gestiegen sind. Die Aussichten für die Zukunft sind deshalb nicht besonders günstig.

Die Produktion der Hanauer Papier­fabrikation machte im Berichtsjahre hin­sichtlich der Betriebseinrichtungen wie der Er­zeugnisse Fortschritte, und Beschäftigung lag in ausreichender Menge vor. Die Spesen haben sich allerdings weiter erhöht infolge der Verteuerung aller Rohstoffe und Betriebsmaterialien und in­folge Steigerung der Arbeitslöhne. Ganz beson­ders machten sich die hohen Kohlenpreise als fehr empfindliche Belastung der Fabrikation bemerk­bar. Der Absatz eines Spezialartikels, Perga- ment-Ersatz, wurde ungünstig beeinflußt nament­lich durch die Konkurrenz skandinavischer Papier­fabriken, welche dieses Papier infolge bedeutend niedrigerer Rohstoffpreise und Fabrikationsspesen billig herzustellen vermögen, weshalb auch der be­stehende Einfuhrzoll dem ausländischen Papier den Eingang in Deutschland nicht hinderte.

Die im Kreise Hünfeld betriebene F a • brifation von Pack- und Umschlag- sowieAktendeckel-Papier berichtet über eine der vorjährigen gleiche Erzeugung. Jedoch gingen die Aufträge langsamer ein und ebenso die Zahlungen, besonders gegen Ende des Jahres. Die Preise konnten gehalten werden.

Die Fabrikation technifcher Gum- miwaren und pneumatischer Reifen für Fahrräder und Automobile war im Berichts­jahre wieder sehr stark beschäftigt. Sie mußte ihre Produktion wesentlich erhöhen und konnte ihren Umsatz weiter vermehren, obwohl unter dem nassen Sommer der Absatz in Pneumatiks etwa» zu leiden hatte.

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„rieta Heiner Erich war nach Cberftanbenem BimpenCataert l» >>»n «rasten gekommen, bah er saft ba« Bauten verlernt halte, unb Ich fftr sein Lebin ,u furchten anstuo, da er s» schwach und appetttto« war. Zu dieser Zett st»« ich bet »em Kleinen mit dem Gebrauch von Scott# Emulsion an, ur.b in kürzester Zett besserte sich sein Allgemelnbestubcu ganz bebet» tenb, er bekam «ppetit und rote Bückchen, bte weichen Knochen mürben nach und nach fester, und setzt mit «V, Aahren. nimmt « es an Kräften mit feinem um 1 Jahre Stern »ruber auf ®r ist ein frisches, fröhliche« Kind, ein richtiger Wildsaug unb etn tü.ttiaei Ester geroorbm unb hat während bet Ge­brauch« von Seottt Emulsion tun 7 »tun* »»genommen. Scott« Emulsion nimmt er s» gern, daß leine Augen leuchten, wenn er m» bie Flasche sieht.-

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