HuldaerW Zeitung
35. Jahrqan^
Fulda, Samstaq den 7. März 1908.
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ARZtlge»: xne et» fpaltige petitjeile otat bereit Baum 15 psg. ReNamendiepetttzeU» 25 Pfg-, bei wieder« Holungen wird enispr. Rabatt gewährt.
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P tränt». Redakteur:
Carl Schütte;
tivbeizer so lange auf Anstellung als Lokomotivführer warten müssen. Grün- zu Klagen hätte hie Verteilung der Teuerungszulage gegeben.
Minister Breitenbach: Die Verwaltung habe daS protzte Wohlwollen für die Arbeitervereini- aungen, aber eine Grenze müsse ne ziehen- Alle Vereine müssen sich von ordnungskcindlichen Bestrebungen fernhalten. Ordnungswidrig sei das Bekenntnis zur Sozialdemokratie, aber auch die Forderung, durch Massenstreik wictichaftlilbe Ziele durchzusetzen. Hoffentlich wird der große Trierer Eisenbahner-Verband sich dieser Auffassung an- schlietzen. Alle Wünsche der Beamten lictzen sich nicht erfüllen. In den Forderungen nach Lohnerhöhungen solle man vorsichtig sein. Jede Zehn- ptennig-Erhöhung bedeutete eine jährliche Mehrausgabe von 10 Mill. Mark. Die Avancements- Verhältnisse der Lokomotivführer seien genau geregelt und würden genau inne gehalten. Tie Lokomotivheizer würden mit 26 Jahren angestellt und mit 34 Jahren Lokomotivführer.
Abg. Heisig (Ztr.) bespricht ebenfalls Einzelheiten der bisherigen Debatte und bittet Vorsorge zu treffen, daß die Eiscnbahnbeamten gegen übertragbare Krankheiten geschützt werden.
Abg. König-Krefeld (Ztr.) wünscht Unterstütz- UNI Von Witwen und Waisen.
Minister Breitenbach gibt eine kurze entgegenkommende Antwort.
Abg. Schröder-Kassel (ntl.) tritt für Fahr- preisermätzigungen für Krankenkassenmitglieder ein.
Abg. König-Krefeld (Ztr.) befürwortet die Pflege der Wohlfahrtseinrichtungen, Wohnungs- fürforge, sanitäre Einrichtungen, Alkoholbckämp- sung. Auch die Geselligkeitsvereine sollten gefördert werden und die höheren Beamten sollten nach Möglichkeit Fühlung mit diesen Vereinen behalten.
Abg. v. Savignh (Ztr.) hofft, daß der gegenwärtige Minister sich über den Trierer Verband vom Ministcrtische sich ebenso günstig anssprecl)en werde, wie der vorige. Der Trierer Verband verdiene wegen seiner Loyalität alle Förderung. Zu wünschen wäre, daß die Arbeiter nach 10—15 Jahren den Beamtencharakter erhielten. Zum Schluß bittet Redner den Minister, die Vertretungen der Organisationen der Handwerker und Arbeiter doch ruhig in Verbindung treten zu lassen. Darin könne keine Gefährdung der Disziplin erblickt werden.
Minister Breitenbach: Der Verbrauch alkoholfreier Getränke durch das Eisenbalmpersonal steige in erfreulichem Maße. Der Trierer-Verband habe während feiner Amtszeit keinen Anlaß zur Mißstimmung gegeben. Der Minister erklärt deshalb, daß er dem Verband durchaus nicht unfreundlich gegenüber stehe. Bedenklich würde eS sein, wenn es zugelassen würde, daß die Arbeiter- ausschüsse unter sich in Verbindung treten.
Hierauf begründet Abg. v. Koru (k.) einen Antrag: Tie Regierung zu ersuchen, gegenüber den herrschenden Mißständen aus dem Kohl en markt im Rahmen dec Staatseisenbahnenverwaltung Maßnahmen zu treffen, welche geeignet sind, für die Zukunft eine Schädigung des Inländischen Kohlenverbrauchs möglichst zu verhüten.
Minister Breitenbach verweist auf seine in den letzten Tagen abgegebene Erklärung über den Abschluß mit dem Syndikat. Er habe demselben nur das als Preiserhöhung zugestanden, was es ihm als Erhöhung der Selbstkosten nachgewiesen habe. Mit Oberschlesien habe er nur auf ein Jahr abgeschlossen, weil ihm die geforderten Preise zu hoch waren. Bezüglich der Mittel zur Abhilfe, meinte er, erscheine es tatsächlich umnög- sich, den Bedarf der Eisenbahnen durch Ausschret- bung zu decken. Es würde wahrscheinlich kein Offerent da fein. Die reinen Kohlenaussuhr- tarise nach Frankreich, Italien oder Schweiz werden beseitigt werden.
Samstag: Fortsetzung.
* Ergebnisse der Uorrfesfiomzahlung.
$>er Jesuitenpater Krofe, der aus dem (Gebiete der Statistik zu Hause ist, hat jüngst die Hauptergebnisse der Konfessionszählung im Deutschen Reich vom 1. Dezember 1905 in einem interessanten Artikel der Lascher Stimmen zusammengestellt.
Die Frage wegen der Konfession erregt sowohl bei Katholiken, wie bei Protestanten und Inden das größte Interesse; dessenungeachtet haben die amtlichen Stellen gerade diese Zahlen nicht immer im Jnteresie der Gesamtheit verwertet und verarbeitet. Für das Jahr 1905 jedoch hatte der Bundesrat eine allgemeine Auszählung der Angaben über das Religionsbekenntnis im ganzen Reich angeordnet.
Erschwerend für die statistischen Zentralbehörden wirkte die Mannigfaltigkeit der Religions- befenntniffe; waren es doch im Fahre 1900 nicht weniger als 222; es mutzten daher Zusammen- sassungen mehrerer Religionsgemeinschaften zu einer Gruppe vorgenommen werden, was manches Mißliche mit sich bringt. Unter die Katholiken sind z. B. auch katholische Christen gerechnet,worden, welche nicht streng zu den römisch-katholischen 8u zählen sind, aber Krose hält den Prozentsatz für so minimal, daß er an dem großen Bilde nichts ändert. Als zu den „Evangelischen" gehörig sind 49 verschiedene Bezeichnungen ange- Uen worden. Zu der Gruppe der „anderen Christen" wurden 107 Gruppen aeretfjnet; sie zahlt 259,717 Anhänger. Tie 607.862 Israeliten tnepen keine Unterabteilungen auf. Als Bekenner anderer nicht christlicher Religionen kMuha- medaner, Buddhisten, Brahmanen, Sintoisten, Parsis usw.) werden nur 909 gezählt. Die Zahl der Personen ohne Angabe des Religionsbekennt- nisses ist von 5938 auf 4270 gesunken.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 6. März 1908.
Die zweite Beratung des Eisenbahnetat» toirb fortgesetzt. — Zunächst wird ein Antrag Gaa-p beraten, die Regierung zu ersuchen, bei den Wahlen »um Abgeordnetenhause den Wahlmännern freie Fahrt nach und von dem Wahtorte zu gewähren und ihnen auch, wo die regeliiiäßigen Züge keine angemessene Verbindung bieten, Extrazüge zu stellen.
Abg. Frhr. v. Gamp (fit.) begründet kurz den ^"Äichfalls für dm Antrag sind die Aba. Kirsch (Z), Goldschmidt (>rs. Vp.), Röchling (nl.), d Quast (t) und Muller-Sagau (frf. Vp).
Minister Breitenbach erklärt, die Entscheidung über dm Antrag stehe beim Staatsministerium, vom Ressortstaudpunkt habe er gewisse Bedenken.
! Der Antrag wird a« die Budgetkommission verwiesen.
Abg. Busch (Z.) führt Beschwerde über einen Fall von Wahlbeeinflussung durch einen Eisenbahn- Ingenieur in Opladen, Bezirk Elberfeld. Der Ingenieur solle die Werkstättenarbeiter beeinflußt und in den Werkstätten Flugblätter »erteilt haben.
Minister Breitenbach erklärt, es sei festgestellt, daß der Beamte sich mehrere Stunden während dm Stadtverordnetenwahlen im Wahllokal ausgehalten habe, also der Verdacht nahe liege, daß er eine Kontrolle über die Arbeiter habe ausüben wollen. Wenn Flugblätter verteilt worden seien, so würde er das auch nicht billigen können.
Atg. Sielermauu (t) wünscht Erweiterung der Sonntagsruhe und Berücksichtigung der Wohnung», verhälimffe. Ter Beamte, der außerhalb der Station ein Häuschen besitze, sollte auch dort wohnen dürfen.
Abg. Heckenroth (L) tritt ebenfalls für die Sonntagsruhe ein, empfiehlt Schaffung von Ar» beiterausschüffen auch aus kleineren Bahnhöfen imb regt au, die Arbeiterpensionen etwas zu verbessern.
Abg. Goldschmidt (frf. Vp.) fordert mehr freie Tage für die Unterbeamten und bespricht einige Fälle allzu langer täglicher Dienstzeit von Lokomotivführern. Er tadelt auch, daß die Lokomo-
_ .. fienbrnderei In julba
rnonakbeüage: „Huldaer Seschichtrblatter Lenssprecher Nr. 9.
wenn auch die Steuergesetze zustande kommen, dann ist nicht sofort Gelb da und vollends nicht für Rückzahlungen; man muß froh fein, wenn die laufenben Ausgaben gedeckt werden können. Wer also die Beamten aus den Herbst vertröstet, beweist nur seine Unkenntnis beS Etats. Wir streben dahin, daß die Beamten sofort eine Aufbesserung erhalten. Die Unfähigkeit des Blocks ist das Hindernis. , .
.. Zum Vereinsgesetz haben bte freisinnige» Kommissionsmilglieder für die zweite Lesung m der Kommission eine ganze Reihe von Ab- änb erungS an trägen gestellt und Resolutionen eingebracht. Zu dem Sprachenparagraphen aber haben die Freisinnigen dagegen noch keinen Antrag eingebracht. Sie trauen sich noch nicht!
a. Kostspielige Bauten. Die Budgetkommission des Reichstage- beschäffigte sich am Freitag mit dem wiederholt erörterten Entwurf für einen Reubau des Reichsmilitärgerichts. Wie das bei uns nun einmal nicht anders geht, soll ein kostbarer Prachtbau ausge- führt werden. Der erste Entwurf für diese» Zweck war so kostspielig, daß man ihn gegenüber den Protesten der Kommttsion nicht gut aufrecht erhalten konnte. Nunmehr wurde ein zweiter der Kommission vorgelegt. Nach diesem neuen Entwurf betragen die Gesamt kosten für den Neubau noch immer 2 458 620 Mk. Dasind allerdings 400 000 Mk. weniger, al« der erste Entwurf forderte. Von diesen 2Ve Mill. Mark ist eine Million als erste Rate in de» neuen Etat eingestellt worden. Bei der Beratung in der Kommission bemängelte Abg. Erzberger (Ztr.) die Höhe der für die Bauleitung eingestellten Summe von 174 000 Mk., darin 67 000 Mark für die staatliche Bauleitung und 107 000 Mark für Architektenhonorare. Die Regierung suchte diese hohe Summe natürlich zu verteidigen; zur Beiuhigung wurde noch darauf hmgewiesen, daß bei einer Ueberschreitung des Kostenanschläge« eine Erhöhung des Honorars nicht eintreten könne. Der Entwurf, dessen Ausführung im Jahre 1910 beendet fein muß. weil dann der Mietvertrag für das jetzige Gebäude abläuft, wurde schließlich genehmigt.
::: Der Stapellauf des neuen Linienschiffe» „Nassau" findet heute auf der Werft in Wilhelmshaven statt. Auf Einladung de« Kaiser« wird ihr auch der Oberpräsident unserer Provinz Hessen-Nassau beiwohnen. Es ist das erst* Mal, daß ein deutsches Panzerschiff von so großen Dimensionen seinem Elemente übergeben wird. Es handelt sich um eines der Schiffe nach dem Muster der englischen ^Dreadnought"; es hat nämlich über 18000 Tonnen Wasserverdrängung, während da« »ächstgrößte Schiff nur 13200 Tonnen hat. Zurzeit fehlen dem Schiffe noch die wichtigsten Organe, die Maschinen, Kessel, Geschütze und der größte Teil der Panzerung. Erst 1910 wird daS Schiff zum Frontdienst in der Flotte bereit sein.
Brutale Wünsche der ostafrikanischen Ansiedler. Der Bezirksamtmann von Moscht hat im September v. I. folgendes berichtet: „Der .Wirtschaftliche Verband von Kilimandscharo' erlaubt sich auf die große wirtschaftliche Gefahr der zahlreich entstehenden Kaffee« und Kautschuk- Anlagen der Eingeborenen hinzuweisen und ersucht das Kaiser!. Bezirksamt dringend um strengstes Verbot jeglicher Neuanpflanzung refp,; Vergrößerung schon vorhandener genannter Kultur-' bestände." Weiter haben die Ansiedler von West- ufambata eine Eingabe an die Kolonial-Verwal-j tung gerichtet, in der e« heißt: „Wir halten eine Förderung neuer Eingeborenen - Kulturen durch das Kaiser!. Gouvernement im hiesigen Bezirke für unsere Interessen schädlich, weil hierdurch die für unsere Unternehmungen dringend benötigt« Arbeitskraft der Eingeborenen in unwirtschaftlicher Weise vergeudet wird. Außerdem bringt die Ausbreitung neuer Eingeborenen-Kulturen dl», Gefahr der Verbreitung von Pflanzerkrankheiten und bei einigen Kulturen die Gefahr des Anreize« zum Diebstahl, die für Kautschuk so groß ist,, daß besondere Maßregeln zum Schutze der Kaut-, schukproduktion der Europäer notwendig erscheinen.' Wir halten es für zweckmäßig, allen Farbigen sämtliche bereit« gepflanzten Kautschuk» bäume abzukaufen, sie an Europäer weite* zu verkaufen oder zu vernichten, und allen farbigen, die Inder eingeschlossen, die Anlage und den Ankauf von Kautschuk-Pflanzungen zu verbieten und dm Handel mit wildem Kautschuk für das Gouvernement zu monopolisieren. Ein» dritte Serie von Wünschen geht dahin, daß keine Ansiedler mehr zngelaffen werden sollen, weil nur für die vorhandenen Raum fei. — Alle« dahat Dernburg in der Budget-Kommission mitge- teilt, ist also authentisch. Nette Kulturträger!
|| Gera, 6. März 1908. Auf „Befehl de« Erbprinzen" stellt die .Geraer Zig/ amtlich fest, daß am 1. März in der Schloßkirche zu Öfter» stein eine vollgiltige evangelische kirchliche Trauung des Fürsten von Bulgarien vollzogen worden ist. Die entgegengesetzten Ausführungen anderer Blätter enthielten keine völlige Entstellung der Tatsachen und kennzeichneten sich als dreiste Erfindung. (Wer rff denn der „Erbprinz", auf desien ^/Befehl dies» „amtliche Feststellung" erfolgt? Der Erbprinz von Bulgarien. Prim Boris, der am 18. Januar
JSiXS*. wochmkuage:,Illustrierte Somtagszeitung"
Mehr al» 98 Prozent der gesamten Reichsbevölkerung hat sich zu den beiden Hauptgruppen der Evangelischen und Katholiken bekannt. ^ie Zahl der P r o t e st a n t e n ist von 35,231,104 tm Jahre 1900 auf 37.646,852 gestiegen, diejenige der Katholiken von 20,321.441 auf 22,091,492. Eine genauere Betrachtung der Zahlen ergibt nach firofe, daß der Anteil der P r o t e st a n t e n int Reich im ganzen und fast in allen einzelnen Bundesstaaten abgenommen, derjenige der Katholiken fast überall zugenommen hat: nur Baden und Schaumburg-Lippe machen eine Ausnahme. Die Abnahme der Evangelischen beträgt 0.23 und die Zunahme der Ka- tholiken 0,25 Prozent. Das ist keine Kleinigkeit, da Yi Prozent der Bevölkerung des Reiches mehr als 150,000 Seelen ausmacht. Die Verschiebung ist noch in keiner Periode so auffallend gewesen, wie gerade in den letzten 5 Jabren. In diesem kurzen Zeitraum ist der Anteil der Katholiken um vier Zehntel Prozent gestiegen: das bedeutet eine Summe von 242,565 Menschen.
Krose führt dicken beträchtlichen Zuwachs auf die Zahl der im deutschen Reichsgebiet, lebenden Ausländer zurück. Von 778698 im Jahre 1900 ist sie nämlich auf 1028 560 im Jahre 1905 gestiegen. Die Vermehrung der Ausländer entspricht also fast genau der Mchrzunahme der Katholiken seit der letzten Zählung. Genau läßt sich dies nicht erweisen, da das Religionsbekenntnis der Ausländer nicht in der Statistik berücksichtigt ist.
In dieser Mehrzunahme will der Verfasser aber keinen Vorteil vom katholischen Standpunkt erblicken. Denn als Ganzes gewinnt zunächst die katholische Kirche sicher nicht. Aber selbst die katholische Kirche Deutschlands kann diesen Zuwachs als keinen erfreulichen bezeichnen. Wenn die fremden Einwanderer ausschließlich oder vorwiegend in katholischen Gegenden sich niederlie- ßen und sich an die dort ansässige Bevölkerung anschlössen. könnte ja dadurch eine Erstarkung des katholischen Elements herbeigeführt werden. Tas trifft aber nicht zu. Sie wenden sich nach den protestantischen Gegenden, wo sie im Protestantismus untergeben. Ist cs doch, wie Krose hervor- hcbt, der protcstantisck)cn Propaganda gelungen, seit 1900 allein im Königreich Sachsen 5772 Katholiken zum Abfall zu bewegen. Solange die protestantischen Staaten (von Preußen abgesehen! durch ihre intolerante Gesebgebung den Katholiken eine ausreichende kirchluhe Versorgung und eine katholische Erziehung ihrer Kinder unmöglich machen, tonnen die deutschen Katholiken eine zahlreiche Einwanderung von Glaubensgenoffen aus dem Ausland nicht als erwünscht ansehen.
Aus den Ausflihrungen des Statistikers Krose ergibt sich, daß oz ganz ungereimt ist, wenn gewisse protestantische Hetzer die Zunahme des ka- tholischen Elementes in protestantifchen Provinzen Preußens infolge von Zuwanderung als „römische Propaganda" brandmarken.
Deutsches Reich.
Daß Staatssekretär Krätke feinen Ab- schied nehmen wolle, wird dementiert. — Also noch immer nichts, Herr Paasche!
Die Frage der staatlichen Wertzuwachs- steuer. Die Gemkindekommiision des Abgeordnetenhauses verwarf die Petition des Bodenreformers Damaschke um Einführung einer staatlichen Besteuerung des unverdienten Wertzuwachses am Boden. Die Regierung erklärte: Man solle diese Steuer den Gemeinden überlassen, damit sie ihre hohen Einkommensteuern ermäßigen können. Dadurch würde die Einkommensteuer für den Staat belastungsfähiger. Die staatliche Wertzuwachssteuer könne unmöglich auf die berechtigten örtlichen Verschiedenheiten Rücksicht nehmen, und sie würde daher an zahl- lösen Orten, wo eine den lokalen Verhältnissen Rechnung tragende kommunale Wertzuwachs- steuer willig getragen wird, als unbillige Härte empfunden wird. Die Kommission stimmte im allgemeinen diesen Ausführungen zu.
V Entschuldigungen wegen der Verzögerung der Gehaktsaufbefferung erhalten die Beamten von der Blockpreffe in überreichem Maße. Die Führung übernimmt die ,F>s. Zig.', aber nicht mit sehr viel Glück. Das Blatt anerkennt die schlechte Finanzlage, auch meint es zu den Vertröstungen im Abgeordnetenhause:
.Die Teuerungszulagen laufen auch hoch in die Millionen und müssen doch gleichfalls gedeckt werden. Wenn aber eine Nachzahlung der Gehaltserhöhung stattfinden soll — woher will man dieses Geld nehmen? Es ist kaum denkbar, daß der Reichstag im nächsten Winter Steuern auf Vorrat bewilligen wird, aus denen man diese Nachzahlungen beftreilen könnte. Unter allen Umständen also entsteht eine außerordentliche Ausgabe, für die das Reich auch eine außerordentliche Einnahme beschaffen muß. Und da bleibt wohl unseres Erachtens kaum etwas anderes übrig, als die Matri. kularbeiträge entsprechend zu erhöhen. Denn daß Herr Sydow aus dem Handgelenk irgend eine neue Steuer dem Reichstage zur Deckung präsentieren könnte, glaubt doch niemand, und ebensowenig wird man zu dem Mittel einer Anleihe greifen dürfen. Wir wiffen ja sehr wohl, daß auch jetzt schon an die Einzelstaaten im Etat 1908 bei der Ansetzung der Malrikularbeiträge große Anforderungen gestellt werden. Aber es ist «u erwägen, daß diese Beiträge zunächst auf 2 Jahre gestundet werden. Die eigenen Einnahmen des Reiches werden sich voraussichtlich günstiger gestalten, als der Etat annimmt, so daß schon dadurch eine Verminderung der Matriku larbeit-äg e später ein tritt Außerdem kann man ja bei der Reichsfinanzreform im nächsten Herbst auf die gegenwärtige Lage Rücksicht nehmen.
Es ist ganz klar, daß an eine Rückzahlung im Herbst gar nicht gedacht werden kann, denn
Krstes ZMatt.
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Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 6. März 1908.
Die zweite Beratung de« ReichSamt» de« Sfnnetn wird fortgesetzt.
Staatsrat v. Burckhardt: ES ,st gestern be- bauptet worden, der bayerische Finanzmiuistet habe sich für die Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf Kinder ausgesprochen; das ist nicht der Fall; das gerade Gegenteil ist der Fall. Ich hoffe, daß wenn der neue Reichsschatzsekretär seine Vorlagen hier unterbreitet habe, alle einmütig zusammenarbeilen, um den unhaltbaren Zuständen ein Ende zu machen.
Abg. Hoch (Soz.) hält die Maßnahmen gegen die Kartelle für unzureichend. Dr. Spahn möge seinen Gesetzentwurf, den er schon länger angekündigt hat, hervorziehen. Die Regierung sei nur bet Ausschuß bet Großindustriellen. Redner spricht sich für die Arbeiterkammern aus und ist gegen gemischte Arbeitskammern. Ein freies und geheimes Wahl- persahren ist erforderlich, um dieses zu erzielen. Der publizierte Gesetzentwurf ist arbeiterfeindlich.
Staatssekretär v. Belhmann-Hollweg will auf die Kritik über die Arbeitskammern nicht eingehen; die Sozialdemokraten erblicken in jeder Tat bet Regierung eine arbeiterfeindliche Maßnahme. Die Klagen übet zn große Strenge bei Renlenanträgen ist unbegründet. Die Nachprüfung bet Invaliden- real en mußten wir vollziehen, ba in einzelnen Gegenden Renten auch festgesetzt wurden, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen nicht zutrafen. Arbeit- Siber und Arbeiter aber haben ein gemeinsame» nteieffe, daß nut solche Arbeitet die Rente erhalten, die die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen. (Seht richtig! rechts.) Eine Folge dieses Vorgehen- wat eine gewiffe Strenge in der Neubewilligung bet Renten; eine solche Reaktion ist nur natürlich, ,bem Simulantenwesen wurde entgegengetreten. Der Reichstag hat sich im vorigen Jahr dafür ausge- .sprachen, daß die Armenunterstützung keinen Einfluß .ans die ReichstagSwahlen haben soll; ich bin jetzt mit bet Sache beschäftigt. Meine Ansicht geht dahin, daß die Armenunterstützung vom Wahlrecht nicht ausschließen soll. Was die Legitimationskarten der Arbeiter betreffe, so hält Redner eine inländische Legitimation für ausländische Arbeiter für nötig. Tie Verordnung stehe nickt tm Widerspruch mit den Handelsverträgen und erstrecke sich nut auf /diejenigen ausländischen Arbeiter, die preußisches Staatsgebiet betreten. Die Verfügung des preußischen i Ministers wolle durchaus nicht den Paßzwang ein- 'führen. Es ist nicht zu leugnende Tatsache, daß wir '»u viele Beamte haben; ich bin dem Abg. Naumann aufrichtig dankbar, daß et auf diesen Punkt hinwie». Der Reichstag aber ist es ja selbst, ;bet die Statistiken fordert; also müffen wir sie auch machen! In jeder Session werden eine Reihe von Reso utionen eingebracht, die sich mit Statistiken befassen. Das erfordert Beamte.
Abg. Mngdan (frf. Bp.) erklärt sich für freie Aerztewahl bei den Krankenkassen, da bei dem System der fixierten Kassenärzte eine sorgfältige Behandlung nicht möglich fei.
Abg. Schack (wirt. Vg.) hält die Einsetzung einer beständigen Kommission für Sozialpolitik für notwendig. Die Altersgrenze bei der Versicherung müsse herabgesetzt werden. Die Kausmamisgerichte ließen noch manches zu wünschen übrig. Man solle auch Techniker- und Kausmannskammern einrichten.
Dienstag: Resolutionen zum Beamtenbesoldungsgesetz.