Fulda, Donnerstag den 5. März 1908.
M 54.
35. Jahrgang.
und UNS in den Stand zu setzen, den Slaatsauf- gaben ohne steigende Belastung der Staatsbürger zu erfüllen."
Abg. Dr. Friedberg (natld) kritisiert dieFinanz- gebahrung beim Eijrnbahnetat und wünscht die Festlegung eines bestimmten Beitrages aus den Eisendahueinnahmen für die allgemeinen Staats- zwecke.
Finanzminister Freiherr ». Rheinbaben führt ans, daß die Ursache sür den unbejriedigenden Stand unserer Staatspapiere die alljährliche Geld- inansprukl)nahme durch dar Reich sei. Im übrigen gibt der Minister die beruhigende Erklärung ab, daß er nicht gesonnen fei, der Eisrnbahnverwaltnng die Mittel vorzuenthalten, deren sie für ihren Betrieb bedürfe.
Abg. Freiherr ». Zedlitz (ft) erblickt die Ursache der Verschlechterung des Etats in dem Umstande, daß man die Einnahmen zu günstig geschätzt habe. Tie Abgabe der Eisenbahnüberschüsfe an die allgemeine Staatskasse mfifie auf einen bestimmten Satz normiert werden.
Abg Eyßling (srf. Vp.) fürchtet, daß die Eiscn- bahnverwaitung durch den Abschluß des Vertrags mit dem Kohlen'yndikat über die Kohlensteferung in eine zu große Abhängigkeit von dem Syndikat komme und verlangt die Abschaffung der Fahr- kartensteuer. _
Minister Breitmbach: Was den Abschluß der Kohlenverträge anlangt, fo glauben wir, die Interessen des Staates durchaus gewahrt zu habe». Wir haben nämlich etwa 2,5 Millionen gespart. Die Verhandlungen über die freizügige Benutzung der Güterwagen haben teilweise schon zu einem Ergebnis geführt, zum Teil schweben sie noch mit Aussicht auf guten Erfolg. Die Regierung werde darauf hinwirken, daß die Härten der Fahrkartensteuer vermieden würden. (Beifall.)
Abg. Pachnickr (frs. Vgg.) fordert gänzliche Beseitigung der Fahrkartensteuer, ferner Herabsetzung der Tarife, und tadelt den Abschluß des Vertrags mit dem Kohlensyndikat.
Morgen Fortsetzung.
Kostbarkeiten zn verstecken und alle Spuren feines nächtlichen Ausfluges verschwinden zu machen.
Vergebens erwartete er in den nächsten Tagen Pisani bei sich. Dieser erschien nicht. In einer Beziehung war dies dem Notar erwünscht.
Der Mord, welcher in der Villa Nionero begangen war, hatie, wie sich vorausseben ließ, so großes Aufsehen, so allgemeine Entrüstung erregt, daß von den Behörden außerordentliche Anstrengungen gemacht wurden, deS Raubmörders habhaft zu werden, der Liese verruchte Tat verübt hatte.
Es war anzunehmen, daß alle der Polizei verdächtigen Subjekte — und zu diesen gehörte Antonio außer Zweifel — strenge überwacht wurden. Zum mindesten konnte Basileo durch den Umgang und die Gemeinschaft mit Pisani blosgestellt werden.
Anderseits hätte der geizige Notar gern seinen Anteil an der reichen Beute gehabt, denn er hatte nicht Lust, sich mit dem Golde und den allerdings kostbaren Geräten, die Pisani ihm übergeben hatte, zu begnügen.
Die Summe war nicht groß genug, und die Geräte konnten nicht verwertet werden, ohnestlen Verkäufer in Gefahr zu bringen.
Mit dem Schmuck war das etwas anderes, La die kostbaren Steine sich ausbrechcn ließen.
Von Giovanna hatte Basileo keinerlei Nachricht erhalten.
Erst durch eine Zeitungsnotiz erfuhr er. Laß die Dienerin der Gemordeten, welche man gefesselt und geknebelt in ihrem Zimmer aufgcfun- den, zwar am Leben erhalten worden sei aber dem Irrsinn rettungslos verfallen wäre.
®in Lächln des Triumphes erhellte das Ge- sicht Basileos wahrend er das Zeitungsblatt zu- sammenfaltcte, dann murmelte er:
. "Das Geschick ist mir günstig; denn es hat mich von einer Mitschuldigen befreit, deren An- foroerungen mir bald lästig geworden wären.
Basileo war einen Moment gelähmt, indes sein Gefährte einen Zaun übersprang und hinter demselben verschwand.
Ein scharfer Pfiff ward gehört. Der Eigentümer des Gehöftes, an welchem sie gerade vor- beikamen, aufmerksam gemacht durch das Bellen seines Wachthundes, machte sich bereit, das Haus zu verlaffen, um die Ursache dieser nächtlichen Störung zu ergründen; vielleicht brachte er so- gar eine Laterne mit, und dann war es um Ba- sileo geschehen. Wenn man ihn erkannt hätte! Ein Zufall konnte dies zuwege bringen. Aber selbst wenn dies geschah, mußte die Anwesenheit eines Mannes zu so später Nachtzeit Verdacht erregen. Man würde ihn anhalten, einer Untersuchung unterwerfen — und wehe ihm, wenn man das Gold und die Silbergcräte in dem Tuche fand — er wäre unrettbar verloren!
Die Schlußfolgerung, welche der Notar blitz- artig gemacht hatte, gab ihm den Mut, einen Kampf mit der Bestie einzugehen, die sich auf ihn stürzte, als er jetzt einen Schritt nach vorwärts tat.
Aber ehe der Hund seinen Gegner am Halse packen konnte, stieß ihm Basileo seinen Dolch, den er in Bereitschaft gehalten, bis an das Heft in die Brust. Möglich, daß die scharfe Klinge das Herz des Tieres getroffen, denn dieses sank winselnd zurück und waird sich in Todeszuckungen am Boden.
Ein zweiter Pfiff ertönte — Tommaso stürzte öQbon wie ein abgeschossener Pfeil und hatte nach kurzem »udjen die nach Neapel führende Straße viedergefunden, auf der er eiligst weiterschritt, .cts in der Hoffnung, seinen Genossen einzu- jolen.
Diese Erwartung wurde indesten getäuscht, Basileo erreichte ohne weitere Abenteuer seine düstere Behausung in der Vorstadt Loreto zu Neapel, wo es {eine erste Sorge war. die aeraubten
gebet durch törichte Verordnungen fortwährend belästigt. Auch wir haben für den Graten Posa- dowsky die größte Bewunderung. Aber leider hat er dabei die Fühlung mit dem praktischen Leben verloren. Deshalb danken wir dem neuen StaatS- sekve'är. daß ei wi-der die Fühlungnahme mit den Arbeitgebern gesucht hat. Der Redner polemisiert dann gegen die „Resolutionsflut", bespricht die Kartcüfrage, hält den Rusen nach Ab- Hilfe in der Arbeitslosensrage entgegen: „Schicken Sie die Leute aufs Landl", protestiert dagegen, daß die Arbeiter wegen „jeder Lumperei" zum Neichsvcrfichcruugsamt liefen, und trägt dann noch eine Reihe von Wünschen vor.
Vizepräsident Tr. Paasche erteilt dem Abg. Gamp einen Ordnungsruf wegen seiner Aeußerung über die törichten Bundesratsverordnungen.
Äbg. Gamp verlangt das Wort zur Geschäftsordnung.
Vizepräsident Tr. Paasche: Ich gebe cs Ihnen nicht und am allerwenigsten in Sachen des Ord nungsrufes. Sie können sich schriftlich über den Ordnungsruf bcschivcren, und das Haus wird morgen früh darüber entscheiden.
Abg. Frhr. v. Gamp: Ich wollte den Vorwur nur zurücknehmen. (Stürm. Heiterkeit.)
Abg. Raab (wirtsch. Vgg.) protestiert gegen die Beurteilung der Einbringung von Resolutionen von Seiten des Abg. Gamp. Hoffentlich werde sich der Staatssekretär von Herrn Gamp nicht beeinflussen lassen. Der Befähigungsnachweis müsse allgemein cingeführt werden; man könne ihn vielleicht zunächst für einzelne Gruppen von Beschäftigungsarten cinführen. Redner fordert weiter schärfere Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs, die Einrichtung eines Reichsarbeitsamts, ausreichende soziale Fürsorge für die Binnenschiffer, Seeleute und Hafenarbeiter.
Abg. Dove (fr. Vgg.) kritisiert die Einführung der in Preußen eingeführten Lcgitimationspa- picre für ausländische ländliche Arbeiter.
Donnerstag: Fortsetzung.
| l- In der Budget-Kommission deS Reichs I tageS legte am Mittwoch der StaatsfekretLP l Dernburg in Erwiderung auf die Ausführung iaen des Abg. Erzberaer, der auf die Auf« I standsgesahr infolge der Requisitionen der Kara« I wanen hingewiesen batte, in eingehender Weis« l die Verhältnisse in Kamerun und feine wirt« I fchaflliche Entwickelung dar. Er wies besonders I darauf bin, daß die Weltkonjunktur in Glimmt ein Gummifieber erzeugt habe und beim Rück« I aange der Preise ein Raubbau nicht nur an I Gummi, sondern auch an Negern eingeheten fei. I Die eingeborenen Neger hätten ihre gewohnte Be« I ichäftigung verlaffen und ISaen auf den Straßen. Es sei eine Karawanen» und Trägerverordnung erlaffen worden, die insbesondere den Requisitio« nen der Karawanen in den Negerdörfern ein End« wachen solle. Es seien aber wieder Eisenbahnen I erforderlich, denn ginge die Sache so weiter, so ständen wir vor einem großen wirtschaftlichen Zusammenbruch in Kamerun, dessen Folge ein Aufstand sein werde. Die Ausführungen des Staats« sekreiärs finden bei den Rednern der Kommission im großen und ganzen Zustimmung. Gegen Ende der Sitzung wandte sich Abg. Tr. Paajch« gegen die Art, in der der Staatssekretär den Plantagenbau in den Kolonien sür unrentabel ^llärt habe. Staatssekretär Dernburg führt« Bejchmerde über die allzu große Oeffentlichkeit der Kommiffionen, wurde aber vom Vorsitzenden darauf aujmerstam gemacht, daß, wenn er etwas
):( Graf v. Posadowsky fall nach einer I Blättermeldung zum Oberpr äsidenten der Pro« I oinz Posen ausersehen fein. Wir halten di« I Meldung nicht für richtig. Nach der Art und Weise, wi« der verdienstvolle Staatssekretär I jeinerzeit „gegangen* wurde, dürste für ihn wohl der Wiedereintritt in die Staatskarriere nicht mehr in Frage kommen.
* Zur Beamtenbrsoldnngsvorlage. Die Re» gierung hat mit der Erklärung des preußischen, Finanzministers zn dem Stande der Besoldung^ Vorlage etwas schönes eingerichtet. Zentrum, Konservative, Nationalliberale und Freisinn ha» den im Abgeordnetenhaus zu dieser Angelegenheit Interpellationen cingebrrcht, nunmehr ist vonseiten dieser Parteien ein gleiches im Reichstag geschehen. Tie Interpellationen des Abgeordnetenhauses sollen bereits am Montag zur Besprechung gelangen, ob die Regierung ! sie beantworten wird, steht dahin, und wenn sie es tut, wird man eine klare Antwort wohl auch nicht erhalten, denn die Schwierigkeiten liegen int Reich, und cs ist nicht abzusebcn, daß diese bald behoben sein würden. Im ,.Berl. Tagcbl." und in der „Boss. Ztg." wird weidlich auf die Regierung wegen der Verschleppung dieser Angelegenheit geschimpft. Tie Blätter sollten lieber den Block hochnehmen, denn dieser ist doch schließlich wegen seiner Unfähigkeit in der Steuerfrage der Sündenbock.
* In der Gehaltsvorlage sind nach der „Deubi scheu Postzcitung" für die Postbeamten folgende Sätze vorgesehen: Oberpost- und Telc- graphcnsckretäre 2100 bis 4500 Post- und Telegraphensekretäre 1800 bis 4000 M, Oberassistenten, Assistenten und Postverwalter 1050 bis 3300 «M. Für Oberassistenten und Po st Verwalter sollen außerdem erhöhte Mittel zu Stellenzulagen gefordert werden. Dadurch würden die Anfangsgehältcr der Obersekretäre gar nicht, die der Sekretäre um 100 M und der Oberasiisten- ken um 150 otl aufgebesiert. eine Erhöhung, die in Len Kreisen der Postbeamten als nicht genügend angesehen wird. ;
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 4. März 1908.
AuS Anlaß des 68. Geburtstages deS Präsidenten Grasen Stolberg prangt auf dem Präsi- Lentcntifch ein großer Blumenstrauß. Ter Präsident drückt in herzlichen Worten seinen Dank aus.
Tie Beratung über den Etat des Neichs- a m t s des Innern wird fortgesetzt.
Abg. Kämpf (frs. Vp.) bedauert, daß der Reichskanzler trotz seines Gedankens von der konservativ-liberalen Paarung in Preußen bezüglich des Wahlrechts nicht entgegenkommend sei und verurteilt es, daß Leute, welche für Angehörige, die sich in Krankenhäusern befinden, eine Armen- Unterstützung gefunden haben, nicht berechtigt sind zu wählen. Er erblickt darin eine Verletzung i>c§ menschlichen Gefühles.
Staatssekretär v. Bcthmann-Hollwkg erwidert,^ daß er auf die letzte Angelegenheit in den nächsten Tagen zuriickkommcn werde. Zu seinem Bedauern sei der Minister noch nicht in der Lage, die Denkschrift über die Versicherung der Privat» angcstellten vorznlcgen. Es werde das erst in einigen Monaten geschehen können; die am Dienstag gestellte Frage, ob das Hilfskassengescb zurückgezogen werden solle, verneint er. Bezüglich des Invaliditätsalters unter den Arbeitern stellt der Minister fest, daß cs von 49 öu f 44 Jahre zurückgegangen sei. Diese Mitteilung ruft im Hause eine große Be- weaung hervor, welche den Minister veranlaßt zu erklären, daß auch er davon überrascht sei, und die feierliche Versicherung abzugeben, daß er alles Mögliche tun werde, uni die Urfache dieses bedauerlichen Alterrückganzes aufzudecken, um so das Ucbcl zu bekämpfen. Inbezug auf Sie Ar- bcitskammern lehnt der Minister die sozialdemokratische Behauptung ab, daß er sich durch das Scharfmachcrtiim habe beeinflussen lassen. Er suche sich auf beiden Seiten zu unterrichten. Be- züglich der Arbcitskammcrn selbst entscheidet sich der Minister für die berufliche Organisation. Sie habe den Vorteil, daß alle Arbeiter damit umfaßt würden, daß eine sachgemäße Vertretung der beruflichen Interessen des betreffenden Arbeits- Zweiges geschaffen werde und daß man der histo- rischcn Entwickelung gerecht werde. Tie örtlichen Interessen würden allerdings dadurch etwas zu kurz kommen, aber dieser Nachteil werde dadurch uisaeglichcn, daß der Sitz der Arbeitskammern in der Hauptsache am Orte komme, wo die Industrie am stärksten vertreten sei und daß man später aus den beruflichen Arbeitskammern örtliche Ausschüsse bilde. Was die Anlehnung der Arbcitskammcrn an Berussgenassenschaften betreffe, fo solle diese Anlehnung keine sklavische sein. Ich denke mir beispielsweise, daß für das • Buchdruckergewerbe zwei Arbcitskammern genügen werden, deren eine vielleicht in Leipzig, die andere in Stuttoart ihren Sitz haben könnte. Hinsichtlich des Wahlverfahrciis bin ich selbstverständlich von der Ansicht ausgegangen, daß die Arbciterausschüsse weiter ausgestaltct werden können. Ich wünsche, daß in die Acbcitskamniern Arbeiter hineinkommen, die von dem Vertrauen ihrer Mandanten getragen sind; ich will durchaus nicht Leute haben, die zu allem Ja und Amen sagen. Ich bin gern bereit, bezüglich des Wahlvcrfahrens Vorschläge zu hören.
. Abg. Frhr. v. Gamp (Rp.): Auch in der Sozialpolitik heißt es: Erst wägen, dann wagen. Wenn alle diese Resolutionen hier angenommen 1 würden, dann müßten wir in der Sozialpolitik ein Tempo einschlagen, das wir unter keinen Um- ständen mitmachen könnten. Wenn alle Wünsche der Resolutionen erfüllt werden sollen, dann brau-
^'^.siicht weniger als 44 bis 46 neue Gesetze. (■Port, hort!) Und wie werden unsere Arbeit- ।
Sluf das Geplapper einer Wahnsinnigen kann man nichts geben, selbst wenn Giovanna meinen Namen aussprechen sollte; aber ich werde dafür Sorge tragen, daß fie einer Irrenanstalt übergeben wird."
Der Verdacht Basileos, daß sein Genosse ihit um die Frucht des Naubcs betrügen wolle, war ungercchfertigt, Pisani wagte nur nicht, sich in Neapel sehen zu lassen. Bei seiner Flucht vor dem Hunde hatte der Bucklige es vermieden, die Richtung nach Neapel einzuschlagen, sondern war in der Dunkelheit stets weitergceilt, ohne Rast noch Ruhe.
Als der Morgen heranzudämmern begann, beschloß er, totmüde wie er war, in einem seitab von der Fahrstraße gelegenen Torfe zu rasten, Tie Kunde von dem begangenen Verbrechen war gewiß noch nicht bis hierher gedrungen, und er durste daher hoffen, sich mindestens auf Stunden tn Sicherheit zu bringen. Ten Tag verbrachte er, rndcm er sich durch Speise und Trank stärkte und im Schlafe Vergeffen fand; als cs aber Aoend geworden, machte er sich neu gekräftigt auf, um nach Neapel zu wandern. Ec hoffte, daß c,er Notar ihm zu einer Scbiffsgelcgenheit t*er« pclfen werde, die es ihm ermöglichte, Italien zu verlassen, um in der neuen Welt die Früchte feinet Frevel zu gemeßen.
Auf dem einsamen Wege, allein mit feinen Gedanken, suchte er die schrecklichen Erinnerungen zu verscheuchen, indem er sich die Zukunft in rosigem Lichte ansmalte. Wenn er erst in Amerika festen Fuß gefaßt hatte, dann wollte er die Seinen nachkommen lassen. Sie würden natürlich denken, daß der erlangte Wohlstand der Lohn seiner Arbeit sei und anstandslos sich dessen freuen — so wäre durch das vergossene Blut wenigstens diesen Unschuldigen, die bisher unverdient gelitten, ein freundlicheres Geschick erkauft toorbett
(Fortsetzung folgt.)
Deutsches Reich.
f: Der Freisinn fällt um.
lieber den in erster Lesung von der NeichS- tagSkommisfwn abgelchnten Sprachenpara- qraph des Reichsvereinsgesetzes wird ein Kompromiß angefttebt, daS auf folgender Grundlage zustande kommen dürste: Die Freisinviqen erklären sich vannt einverstanden, daß die Regelung ter Frage der Landesgesetzgebung übertragen wird und begnügen sich mit der reichs- gcsetz ichen Festlegung einiger Punkte, an welche die Einzelstaaten gebunden sein folten, wie Befreiung der Wahlveriammlungen vom Sprachenzwang und dergleichen.
Wenn die Re elimg der Sprachensrage der Landesgesehgebung überlassen bleibt, fo ist nicht daran zu zweifeln, daß Preußen gegenüber; btn Polen die Sache so regeln wird, wie es die Reichsregierung bei ihrem Vorschläge ursprüng. sich wollte. Die Regierung eireicht also, was sie wollte — dank dem Freisinn — denn für die übrigen Bundesstaaten kommen die Polen ja gat nicht inbelracht.—Der Freisinn ist es, der seitJahren nach einer freiheitlichen und einheitlichen Ge-1 ftallung unseres Vereinswesens gerufen hat. I l nd nun ist er es gerade, der eine fo wichtige I Angelegenheit wie die Sprachenfrage auS dem I Reichsgesetz heraushebt und damit den Einzel-1 floaten wieder zu einer buntscheckigen Gestaltung I der Bestimmungen die Hand bietet. |
Am Dunkeln.
Roman von Ernesto Selva.
Nach einer wahren Begebenheit erzählt.
14] (Nachdruck verboten.)
„Höre", sagte er dann mit bewegter Stimme, indem er, dicht neben Basileo hinschreitend, die nach Neapel führende Straße zu erreichen strebte. „Höre, wenn ich Dir das Versprechen gebe, selbst auf dem Blutgerüste Deinen Namen als den mei- nes Mitschuldigen, zu verschweigen, dann mußt auch &u nur schwören, Dich meiner armen Familie ^öunehnwii. Wenn möglich, soll meiner ar- men alten Mutter, soll Weib und Kindern die Schmach erspart bleiben, ihren Sohn, Gatten und ^QU^.moJi)cr gerichtet zu sehen. Schwöre mir, daß Du die Armen nicht verlassen, daß Du ihnen belstehen willst in ihrem Unglückl
ich schwöre cs!"
"Zut, ich will Dir dertrauen.-
u'cht der Fall zu sein", meinte Baiileo mit einem Versuche zu lächeln, „denn nt$l 6en kleinsten Teil der B-ute, welche Du gemacht, gegeben."
Meiner Treu, daran habe ich in Wahrheit Hf*.nS> ohbaL „.d" "imm den Beutel mit Gold das Kästchen mit den Juwelen trage ich; hier ist auch noch ern Tuch, in welches Gold- und Silbergerate erngeknupft sinh — nimm auch dieses."
Basileo grift gierig zu; et hätte gern auch noch das Kästchen mit den Juwelen gehabt, wagte aber nicht, seinem Verlangen Worte xu neben um den Argwohn des Gefährten zu wecken.
Die Straße, welche nach Neapel führt lag nun bor den beiden, und sie verfolgten diejelbe eine vtrecke weit.
Da verhinderte sie Plötzlich ein Hund am Wei- (ergehen, indem er Basileo „stellte" unb die stätme fletschend in ein wütendes Gebell ausbrach
Preußischer Landtag.
Abgeordneten haus.
Sitzung vom 4. März 1908.
Das Haus erörtert den Eisrnbahnetat.
Abg. v. Hkydebrand (konf.) übt scharfe Kritik an der jetzigen finanziellen Lage unserer Eisenbahnen, warnte msbefonbere davor, die Wagengcmemschafi eine societas loonina, zu deutsch Eselsgesellschaft, >ür die preußische Eisenbahngeselischaft werden zu lassen, sprach aber doch zum Schluß dem Eiftn- bahnminifier das volle Vertrauen der Konservativen aus.
Abg. Wallenborn (Ztr.) fürchtet, daß auch in diesem Jahre wieder die Eisenbahnemnahiiien hinter dem Voranschläge zuiückbleiben würden; aber im allgemeinen befände sich unser Eiseilbahmoesen in guter Entwickelung, so daß ein Grund zu Pessimismus, nicht vorhanden sei. Eine Ausdehnung der Belrievsnnitel-Gemeinschaft wünschen auch seine Freunde, dadurch könnten unsere Eiscnbahnfinanze» nur gehoben werden. Sparsamkeit am rechten Orte könne er der Eisenbahnverwaltung nur dringend empfehlen, aber hierunter dürften die sozialen Aufgaben der Verwaltung, die Sicherheit der Bahnen und die Bedürfnisse des Verkehrs nickt leiden. Auch er empfehle dringend eine weitere Ausgestaltung der Personen- und Tarifreform zur Erleichterung des Verkehrs, auch eine Reform der Relchssahrtartensteuer in Verbindung mit einer Ein- chränkung der ersten Wagenktasse dürfte den finanziellen Erträgen des Personenverkehrs nur dienlich ein. „Wir wollen," schloß der Redner, „unser Eisenbahnwesen weiter ausg, stallen, damit es seine großen Aufgaben erfüllt, dem Verkehr zu dienen
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Carl Schütte;
wochenbkllag«: „Illustrierte Sonntagszeitung"