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Rotationrdrnckund Verlag der Fuldaer Ak- ttendruckerei in Fulda
Fernsprecher Nr. 9.
M 53.
Fulda, Mittwoch den 4. März 1908.
35. Iahraana.
siüeii es •Jätatt.
4« Das neue vo ksschulgejetz
steht mit seiner praktischen Einführung unmittelbar bevor. Nach den Vorgängen, deren Schau» plan das Rathaus in Bochum gewesen ist, wo d>e Katholiken kurzerhand durch brutalen Majori- lätsberchluß vergewaltigt worden, eröffnet sich ein wenig erfreulicher Ausblick aus die Zukunft.
Die wichtigste Ausgabe aller interessierten Kreise, und dazu gehören nicht bloß die Mit- oliever der Schulkommitsionen, fondern alle E lern überhaupt, wird und muß es sein, sich m t dem Inhalt des neuen Gesetzes bekannt und vertraut zu machen.
Der Grund, weshalb eS so wichtig ist für christliche Eltern, sich mit dem Geietz vertraut zu niachen, liegt in der Tatsache, daß in dem neuen Geutz der Einführung der Simultanschule d e Wege bereitet sind. Die Freunde der Simul'an» schuld Die nur eine Station ist auf dem Weg zur sogenannten konfessionslosen, in Wirklichkeit aber kon'esstons» und religionsfeindlichen Schule, haben das größte Jnterefle daran, die Entscheidung über den Charak er einer Gemeindeschule der politischen Gemeinde zuzuweisen. Wo die Liberalen auf den Rathäusern die Herren sind, sind sie entschlossen, den Herrenstandpunkt mit aller Rücksichtslosigkeit und der giöß^en Intoleranz auszuüben. Darüber ist kein Zweiiel möglich brt jedem, der die Herren Lide- ralen mit ihrer Kulturkämpserei kennt. Und das Geietz, üb>r das seinerzeit ein so großes Geschrei erhoben worden ist, weil es den konfessionellen Chirakler der Volksschule festlege, hat in Wirk- lichteit breite und große Tore, durch welche die Simultanschule etngesührt werden kann.
Mit Hinweis auf die Bestimmung, daß neben dem bloßen Zahlenoerhältnis der einer Konsession änqehöiigen Kinder auch noch „besondere Gründe" die Einführung einer Simultanschule gestatten und diee „besonderen Gründe" näherhin nicht bezeichnet werden, sagt Oberjustizrat Rintelen in ie.nem vortrefflichem Buche: „Die Volksschule Preußens nach Erlaß des Volksschulunterhaltungs. geseyes":
„Bei der Urrbestimmtheit dessen, rvas im einzelnen Fall unter „besonderen Gründen" zu verstehen lei, fehlt es an jeder Rechtssicherheit, daß nicht im Lucke oer Zeilen in bezug nur die Notwendigkeit, die Kinder zur Religion zu erziehen, dir Anschauungender die Behörden bildenden Beamten und selbst der Mitglieder des Oberverwaltungsgerichtes sich ändern, so daß die Zahl ber bewnderen Gründe ins Ungemessene sich Neigern und schließlich die Errichtung von Simul- tumchuien zur Regel werden, insbesondere in den giößeren Släoten, in denen die Mitglieder der städtischen Behörden schon jetzt vielfach den „liberalen" Parteien unv Freunden der Simultanschule angehören. Ja. selbst das Bestehenbleiben der bisherigen Kon- fessionsjchulen ist gefährdet; sie können mit Genehmigung oder auf Anweisung des Unterrichtsministers ausgehoben iverden § 65 Abs. 2 und ist die Gefahr dessen dann drohend, wenn ein künftiger Unlerrichisminrster für die Simultanschule sympathisch gestimmt ist." (6. 279» .... „Als Grundfehler bleibt, daß der Ent. Wickelung der Simultanschule durch das Geietz freie Bahn und daß damit der Zugang zur religionslosen Schule geschaffen und für das Bolk die Gefahr der weiiereu Enichristlichung herbeigeführt ist." (S. 281.)
Wie das alles so gekommen ist, wie die Regierung, welche das Gesetz ohne Mitwirken des Zentrums zustande bringen wollte, vor den
Liberalen zurückgewichen ist, kann man in Rin- lelens Buch im einzelnen nachlesen.
Die Windkhorst'sche Weissagung, daß die Zukunft im Zeichen deS Kampfes um die Schule stehen werde, Hal bereits begonnen, sich zu erfüllen. Der Kriegsschauplatz verschiebt sich aus den Parlamenten in die Rathäuser, und den Gemeindewahlen werden die Katholiken mehr als je die größte Aufmerksamkeit zu schenken haben.
* * *
Soeben ist auS der Feder des Herrn Abge- ordneten Oberlondesgerichtsrats Marx, des besten Kenners des neuen Schulgesetzes, als «Flugschrift der Rheinischen Zenli umspartest Heft 3 ein Kommentar zu dem am 1. April d. Js. in Kraft tretenden Schulgesetze erschienen, der in ganz vorzüglicher Weise in das neue Gesetz einführt. In g meinverständlicher, populärer Weise werden, im Anschluß an die einzelnen Abschnitte des Gesetzes, die wichtigsten Bestimmungen unter genauester Berücksichtigung der bisher erschienenen Aussührungsbestimmungen und der bei den Beratungen des Gesetzes im Parlament seitens der Negierungsvertreter gegebenen Erläuterungen erklärt. Gerade dies Letztere ist wichtig, da manche Bestimmungen des Gesetzes durch die Erklärungen der Regierungs- Vertreter eine wichtige Auslegung erschien haben. Im allgemeinen bekundet Herr Marx in der Auslegung und Bewertung des ganzen Gesetzes einen großen Optimismus, den wir freilich nicht in demselben Maße teilen können. Ob er z. B. mit feiner Behauptung recht bai oder vielmehr recht behält, daß nach dem 1. April 1908 „die Umwandlung einer bestehenden konfessionellen Volksschule in eine Simultanschule unm öglich" sei, wird von verschiedenen Seilen angezweifelt. Jeden- falls werden die Freunde der Simultanschule auch schon ein Hintertürchen finden, um nach dieser Richtung ihre Wünsche zu befriedigen.
Der Vorzug des Werkes besteht darin, daß eS sich nicht auf langweilige Erklärungen und Auslegungen verlegt, sondern klipp und klar in den einzelnen Abschnitten den Tatbestand klarlegt, io daß jeder, der sich mit dem Gesetze befassen muß, sofort seine Pflichten und Befugnisse erkennen kann.
Besonders Hinweisen möchten wir noch aus die als ^Anhang" beigesügten Bestimmungen über die Selbstverwaltungsorgane (Kreisausschuß, Bezirksausschuß, Provinzialausschuß u. s. w.) mid Das Beschwerdeverfahren. Zum Schluß ist der Wortlaut des Gesetzes angeführt und ein ausführliches Sachregister. Der Preis des Buches (110 Seilen) beträgt nut 8, > Pfg. Es ist zu beziehen durch das Generalsekretariat der rbein. Zenlrumsparlei, Köln, Allenbergerstraße 4.
Deutsches Reich.
* Die 26. Rcichstagskommissivn muß dieser Tage zur Vorbereitung der großen Gewerbe- n o b e I le gebildet werden, die gestern an eine 28gliedrige Kommission verwiesen wurde. So zahlreiche Kommissionen wie in dieser Tagung haben selten bestanden.
-T- Kriegervcreiiispolitik. Durch eine Reihe von Kriegervereinszeitungen geht folgende Notiz: „Höhere Löhnung für Unteroffiziere und
Mannschaften. In der Budgetkommission des Reichstages teilte General Sixt von Arnim mit, daß die Erhöhung der Unteroffiziersbezüge geplant sei und gleichzeitig mit der Besoldungsaufbesserung der Beamten eintreten solle, ebenso eine Erhöhung der Bezüge der Offiziere unteren Grades. Es sei für die Folge auch in Aussicht genommen, den Mannschaften Putzzeug und andere Bedarfsartikel unentgeltlich zu liefern. Abg. Dr. Wiemer (freis. Vp.) beantragt hierauf eine Resolution, in der der Reichskanzler ersucht wird, eine Erhöhung der Löhne der Gemeinen einschließlich Spielleute, Oekonomiehaudwerker und Sanitätsmannschaften baldtunlichst, spätestens vom nächsten Jahre ab, Herbeizuführen.. General Sixt von Arnim und Unterstaatssekretär Twele sprachen sich für den Antrag Wiemer aus, der auch von konservativer und nationalliberaler Seite unterstützt und schließlich angenommen wurde." — Das ist eine unehrliche Darstellung. Wie war dec Sachverhalt? Ein Antrag der Zentrumsabgg. Gröber und Erzberger ging dahin, daß die Erhöhung der Löhnung der Unteroffiziere und Mannschaften gleichzeitig mit der Gehaltsaufbesserung der Offiziere und Beamten erfolgen sollte; das hat der Block ab gelehnt. Tann erst kam der Antrag Wiemer, für den dann auch das Zentrum stimmte.
Vermischtes.
*Rixdorf will nicht mehr Rixdorf heißen. Man ist in einem Teile der Bevölkerung für „Her- mannstadt", zur Erinnerung an den verstorbenen Oberbürgermeister Hermann Boddin, dessen Verdienste um die Hebung des einstigen Dorfes zur schönen Nachbarstadt Berlins unbestritten sind.
* Während der Vorstellung wahnsinnig geworden. Der Rezitator Konrad Feldmann, der m einer Berliner Singspielhalle auftritt, ist während der Vorstellung plötzlich wahnsinnig geworden. Feldmann trug gerade seine Glanznummer vor, als er einen gellenden Schrei ausstieß, wirres Zeug redete und von der Bühne entfernt werden mußte. Wie verlautet, soll der Unglückliche dem Alkohol im Uebermaß gehuldigt haben.
* Das Lawinenunglück von Göppenstei» ist eines der schwersten, die sich in neuerer Zeit ereigneten und illustriert gleichzeitig die Gefährlichkeit der Lötschberglinie auf der Südseite. Das Portal des großen Tunnels liegt unmittelbar unter einem Lawinenzuge und der Zugang mußte durch Schutzgallerien gesichert werden. Trotzdem hat vor einigen Tagen schon eine Lawine drei Arbeiter verschüttet, von denen der eine tot blieb. Tas ganze enge Tal ist von beiden Seiten mehr oder weniger gefährdet, so daß die vor dem Tunnel errichteten Werkstätten und Unterkunftsräume alle in der Gefahrzone liegen. Die Ortschaft Göppenstein zählte früher nur wenige Bewohner, muß aber heute 500 Arbeiter mit ihren Familien beherbergen. Der Raum zur Aufstellung von Häusern ist sehr begrenzt, sodaß diese zu- sammengdrängt werden mußten. In Fachkreisen herrscht die Ansicht, daß gegen dieses außergewöhnliche Unglück keine Sicherung möglich gewesen wäre. Die Tunnelarbeiten, die wegen der Inanspruchnahme der Arbeiter zu den Rettungsarbeiten bis jetzt eingestellt waren, werden sofort wieder aufgenommen werden. Auf der Südseite inb zurzeit rund 1200 Arbeiter beschäftigt. Etwa 3% Kilometer des Lötschbergtuimels sind gegenwärtig durchbohrt. — Die niedergegangene Lawine war, wie gemeldet, eine Staublawine. Man unterscheidet bei den Lawinen Grund- oder Schlaglawinen und Staublawinen. Die ersteren bilden sich meist bei Tauwetter oder an Wintertagen bei Föhn, wenn durchweichter Schnee an teilen Berglehnen abrutscht und als feste im Sturz
sich verdichtende Masse ins Tal stürzt. Die Staub latoinen entstehen bei kaltem Wetter, meist sch» während des Schneefalls, wenn feinkörnige trockener Schnee auf kahlem Berghange abgleitt und als stäubende Schneewolke ins Tal fährt Die Staublawinen sind weniger durch ihre Masst als durch den orkanartigen Luftstrom gefährlich den sie vor sich Vertreiben.
— Em Mißverständnis. Leutnant zu einer schläfrigen Schildwache: „Warum präsentieren Sir nicht! Ich bin ber Leutnant da jour!" Soldat: „Ja was wollen Sie dann in ber Nackt hier?"
Marktberichte.
* Frankfurt <u M.. 2. März. 1908. Amtliche No- lierung der Brehmarkt-Preise. 8um Verkauf standen 455 Ochien, 44 Bullen, 828 Kühe und Rinder (Stiere und Färsen), 334 Kälber, 260 Schafe und Hammel und 1925 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfd. Schlachtgewicht- Ocksen: a. voll fleischige, ausgemästele höchsten Schlachtwertes bis zu 6 Jahren 76—80 M., b. junge fleischige nicht ausgemästele und ältere ausgemästete 71—73 c. mäßig genäyrte junge, gut genährte ältere 62 -66 M., d. gering genährte jeden Alters 00—00 M. Bullen: a. vollfleischige höchsten Schlachtwertes 66 —68 Mark, ». mäßig genährte jüngere und gut genäyrte ältere 60- 62 M., c. gering genährte 00.00 M. Kühe und Färsen «Stiere und Rinder): a. vollfleischige, ausge- mäftete Färsen «Stiere und Rinder) höchsten Schlacht- wertes 70—72 M., b. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 64-66 tvt. c. ältere ausgemästele Kühe und wenig gut entwickelt« jüngere Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 48 bis 50 3)1, d. mäßig genährte Kühe und Färsen (Stier« und Rinder) 38—40 M., e. gering genährte Kühe und Färsen lStiere und Rinder) 00—00 M. Bezahlt wurde für 1 Psd. Schlachtgewicht: Kälber: a. feinste Mast« Bollmast) u. beste Saugkälber (Hannov.) 92—94 Psg^ b mittlere Mast- und gute Saugkälber 76—84 Pfg. o. geringe Saugkälber 60-65 Pfg., d. ältere gering genährte Kälber (Fresser) 00—00 Pfg. Schale: a. Mastlämmer und jüngere Masthämmel 80—82 Pfg, b. ältere Masthämmel 72—74 Psg., c. mäßig genährtt Hämmel und Schafe (Merzschafe)00—00 Pfg. Schwein» a. vollfleischtge der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu l1/« Jahren 58 —59 Psg., b fleischige 56 -57 , ,g,o. gering eiilwickelle, sowie Saue» und Eber 48—51 P,g„ u. ausländische Schweine tzunte» Angabe der Herkunft) Uu—uu Psg. Bezahlt wurde für l Pfd. Lebendgcw.chi: Kälber: a. «a—«6 *,g., u. 44 bis 49 Psg. Schweine: a. 46—60 Pfg., b. fleischige 48 Psg- Geschäftsgang in Großvieh mittelmäßig, lieber» stand gering, in Kleinvieh gut, Ueberstand gering. Aul Oesterreich standen 89 Ochsen zum Berkaus, welche über Notiz be.ahlt wurden.
Reklame»- und Anzeigenteil.
■„Tussiculin“ p,lÄSsd" “ vielfach bewährtes Linderungsmittel bei Blauen Husten, Keuchhusten, Stickhusten etc.
„Anwendung Äusserlich“
Hergestellt aus je 3,5 der feinsten äther: Oele der Melaleuca, Leucadendion, Serpyllum, Persica vulgaris und 45,0 Alcanna tinctoria. Flasche 2.50 Mk. Zu haben in den Apotheken, wo nicht durch k Dr. Wasserzug * Co., Frankfurt a. M. ▲
Kleines Feuilleton.
— lieber das Treiben der Mäbcheiihäudler teilt Tr. Wilhelm Liese im Februar hefte der „Sozialen Kultur" allerlei Einzelheiten mit, die tu wissen nicht schadet, denn nur durch die Offenlegung dieses Treibens kann dem abscheulichen Menschenhandel borgebeugt werden. Die Mädchenhändler rekrutieren sich ans allen möglichen Berufen: besonders scheinen viele verunglückte Existenzen darunter zu sein. In Wien sollen fast 200 Händler wohnen, die zum Teil den stolzen Titel führen: „Exporteur für den Orient". Tie besten Helfer für die Mädchenhändler sind manche Inhaber und Inhaberinnen von Stellenvermitt- lungsbureaus; es kann das nicht wundernehmen, wenn man weiß, wie viele unzuverlässige Elemente sich unter diesen befinden. Besonders gefährlich sind all jene Vermittelungen, die Mädchen nach dem Ausland oder an Wirtschaften, Theater und umherziehende „Künstler" vermitteln. Tie Händler,suchen ihre Opfer selbst mit Hilfe solcher Leute, die unter dem Schein der Religiöfität oder Nächstenliebe kommen, zuweilen sogar in geistlicher Gewandung. Wiederholt sind in christlichen Hospizen reisende Damen abgestiegen, die dann um so leichter das Vertrauen der Insassen fanden; und doch gingen sie auf nichts anderes aus, als auf Mädchenhandel. Die „Servants homes" in London, in denen die Vermittler Mädchen unterbringen, falls gerade keine Stelle für sie frei, werden als förmlicher Unterschlupf für den Mädchenhandel bezeichnet. In Paris werden sehr oft die Krankenhäuser besucht, um die dort liegenden Mädchen zu „trösten" und zugleich fiix schlechte Zwecke nach der Entlassung zu gewinnen. Beliebt? Tricks zur Gewinnung von ganz unschuldigen Mädchen, besonders auf dem Lande, sind Heiratsversprechen, denen die meisten nicht widerstehen, da die „Herren" außerordentlich
nobel und liebenswürdig aufzutreten verstehen. Die Hochzeit soll natürlich stets in einer fernen Stadt, der Heimat des Agenten oder Händlers stattfinden. Manche Händler haben sich auf solche Weise wohl zwanzigmal verheiratet. Wieder andere geben sich auch als Direktoren von Sänger- ober Theatergesellschaften ans, die gegen gutes Gehalt Mitwirkende suchen. Auf dem letzten internationalen Kongreß gegen den Mädchenhandel ward erzählt, daß z. B. in Paris die Mehrzahl der kleinen Theater nur von der Uu- sittlichkeit lebe. Damit die Händler stets wissen, wo sie ihre Opfer am vorteilhaftesten absetzen können, haben sie eigene Adreßbücher; dort werden Adressen für alle Hauptstädte mitgeteilt. Auch stehen die Händler in den verschiedenen Ländern stets miteinander in Verbindung. Für die Korrespondenz gebrauchen sie derVorsicht halber eine Geheimsprache,, z. B.: 5 Faß Ungarwein, oder 5 Ballen Seide, langen am.... in Warna an, womit die Ankunft von 5 schönen Ungarinnen gemeldet wird; sind die Mädchen nicht besonders hübsch ober schon gefallen, so heißt es etwa: 3 ■sad Kartoffeln. Die Preise für bie Mädchen belaufen sich meist zwischen 300 und 500 Franks:
wird für besonders hübsche bis zehnmal so vlel bezahlt. Wie es scheint, sind Rußland und ^^siorreich-Ungarn die Hauptlieferanten. Aber «n-i.^^'dutschlanb liefert verhältnismäßig viel Mädchen, besonders die östlichen Gebiete, aber nW aHein. Wohin geht die Ware am ga i» Mädchen werden hauptsäch-
iQn„53tI!ranIä.nöcr und nach Egypten ge- bE, 1905 sollen in ben erstem zirka 25,000 fern, übrigen ist der Haupt- a^a^hmer Südamerika, darunter wieder besou- ders Argentinien und Brasilien; auch bie Hafeu- ftabfe m Holland-Belgien, ferner London, Paris, Newyork scheinen stark m Betracht zu kommen.
— Tas Wohnuugskluua. Das Wohnunas- klima ist dasjenige Klima, das wir uns innerhalb der bewohnten Räume künstlich schaffen. Da ein sehr großer Teil der Menschen die überwie-
-genbe Zeit ihres Lebens in geschlossenen Räumen zubringt, so ist es erklärlich, baß bieses Klima für unser ganzes Leben von außerordentlicher Bedeutung ist. Beim Wohnungsklima hat man zu unterscheiden zwischen Sommer und Winter. Während im Sommer bie Außentemperatur innerhalb 24 Stunden großen Schwankungen unterworfen ist, sind die Unterschiede ber Jnnen- temperatur sehr gering. Da nun bie Wärme ber Zimmer im Sommer besonbers bes Nachts häufig eine Quelle des Unbehagens ist, so fragt es sich, bei welcher Lage der Zimmer kühlen sie sich am leichtesten ab. Es zeigt sich nun, daß wir die günstigsten Bedingungen für die Abkühlung während der Sommernächte in den Zimmern nach Nord und nach Süd haben. Daß die Südzimmer diese überraschende Eigenschaft besitzen, erklärt sich wohl daraus, daß bie Sonnenstrahlung ber nach Süb gelegenen Zimmer, wenn auch stärker, so doch nur kurze Zeit anbauernb ist. Jnsolge- bessen wirb hier nur bie Luftschicht erwärmt, nicht aber bie Mauern, welche außerordentlich starke Wärme- unb Kältespeicher dar stellen. Da- gegen werden die Mauern der nach Ost und West gelegenen Zimmer länger beschienen unb geben nun in ber Nacht bie Hitze nach ben Zimmern zu weiter. So stellen West- unb Ostzimmer reine Wärmereservoire bar. Man sollte baher Schlafzimmer wählen, bie nach Süden gelegen sind, ja, es ist sehr ratsam, sich überhaupt eine Wohnung mit der Richtung nach Süden zu suchen, denn sie hat auch im Winter eine sonnige Lage. Woh- nungen nach West empfehlen sich weniger, im Sommer sind sie sehr heiß, in ben schlechteren Jahreszeiten sind sie allen Witterungseinflüssen ausgesetzt. Infolgedessen sind solche Wohnungen immer unbehaglich, im Sommer wegen der Hitze, im Herbst und Frühjahr wegen ber naßkalten Luft.
— lieber berühmte Junggesellen. Eine erstaunlich große Anzahl berühmter Männer hat bem Junggesellenstanbe angehört, unter ihnen Dante. Petrarca. Tasso. Alerander v. Sumbolbt.
Leibniz, Isaac Newton. Aus nuerer Zeit Hamer« ling, Grillparzer, Gottfried Keller, Nietzsche unt Brahms. Ein echter Junggeselle war vor allenf Kant. Bezeichnend für sei» Urteil über bU Frauen ist bie Antwort, bie er in einer Geselle schäft ber Gräfin Königsmarck gab. „Können Sie, ber Sie ein so großer Menschenkenner sind/ sagte die Gräfin, „wenn Sie ein Haus betreten, schon erkennen, ob der Mann ober bie Fran dis Herrschaft führt?" „Gewiß", erwiderte Kan^ „wenn ich eine tiefe Stille im Hause wahrnchn« unb gar keinen Widerspruch bemerke, so nehm« ich sicher an, daß die Frau darin herrscht." Eine- der hübschesten Geschichtchen hat aber Newton hinterlassen, weil er die Kühnheit hatte, sich sogar seine Mahlzeiten zuweilen selbst zu bereiten. Einst hatte er seine Haushälterin zu einer Bestellung ausgeschickt. Bei ihrer Rückkehr sand sie ihren Herrn am Herde stehen; seine kostbare Taschem uhr hatte er ins heiße Wasser geworfen, während er das Ei in der Hand hielt und betrachtete.
” ®“t abgefertigt. Der alte Herr Brummer gehört seit langem zu den angenehmen Leuten« die ihrem lieben Nächsten so wenig wie möglich ^trauen und fest überzeugt sind» daß keiner I?^r Slufträge. richtig besorgt wird, wenn sie die Ausführung nicht persönlich überwachen. Eines schönen Tages muß Herr Brummer eine Geschäftsreise nach Amerika machen und daher seinen Liebling, einen Papagei, seinem Schwager zur Verpflegung übergeben. Kaum in Neuyork an gelangt, fabelt er voll innerer Unruhe sofort an diesen: „Vergiß nicht den Papagei zu füttern 1* unb erhält prompt auf bemfelben Wege zur Antwort: „Ist geschehen, er hat aber schon wieder Hunger. Was nun?" t __
— Aus ber guten alten Zeit. Major der Bürger» wehr (beim Nachtmanöver): „Doppelposten hast du ausgestellt am Galgenberg, Hauptmann! Glaubst du, daß der Feind dort an' Angriff plant?" — Hauptmann: „O bewahre! Aber fei' solch Hasenfuß mag dort allein Posten stehen!"