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35. Ialirnan^
Fulda, Dienstag den 3. März 1908.
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Stellung Pre Stütze findet?
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Rotationrdruckunb Verlag der Luldaer At- Üendnukerei in Fulda Zrrnsprecher Nr. y.
Preußischer Larrvtag
Abgeordnetenhaur.
Sitzung vom 2. Märrz 1908.
und Wert ist zu legen auf Regierungsarbeiten und Landeskulturarbeiten.
Regierungskommissar Kröhne: Tie ruckfallr- gen Verbrecher unschädlich zu machen, wird Same der Zukunft sein. Die Ansätze hierzu srnden sich schon in Amerika; wie sich bei uns die Sache gestalten wird, kann man noch nicht Voraussagen. Bevor man die Gefangenen zu Außenarbeiten verwenden kann, müssen sie erst an die strenge Zucht der Strafanstalten gewöhnt werden.
Der Rest des Etats wird ohne erhebliche De» batte erledigt: ebenso einige Petitionen.
Dienstag: Enteignungsvorlage, Etat der Sechandlung.
macht und Herrin und Dienerin vom Schlafen abgehalten, sodaß diese nun das Versäumte nachholten?
Einen Moment lauschte Ottavio Rionero an der verschlossenen Tür, allein auch nicht das leiseste Geräusch ließ sich vernehmen, und ungeduldig geworden dur chdaS lange Warten, «neuere er seine Versuche, doch mit dem gleichen Mißerfolg.
Jetzt ergriff ihn eine unbestimmte Angst, die ihm fast den Atem raubte: er stemmte sich gegen die Tür, an der er vorher so heftig geklopft hatte, daß Giovanna auch aus dem tiefsten Schlafe hätte dadurch aufgeschreckt werden müssen.
Die feste Tür ließ sich jedoch nicht so leicht aus den Angeln heben.
Der Marchese eilte nun zurück, um seinen Kammerdiener herbeizurufen, der ihn auf der Reise begleitet hatte.
Pietro kam diensteifrig herbei, um nicht wenig zu erschrecken, als er in das bleiche, verstörte Antlitz seines Herrn blickte.
Ohne weiter noch ein Wort zu verlieren, machten die beiden Männer sich ans Werk und ihren vereinten Anstrengungen gelang es, die Türe aufzustoßen.
Rionero stürzte in das Gemach. Auf den ersten Blick hatte er erkannt, daß hier der Schauplatz einer entsetzlichen Tat gewesen sei.
Die Dienerin geknebelt, an den Pfosten ihres Bettes festgebunden — er hielt sich nicht damit auf, das Mädchen von ihren Banden zu befreien, sondern stand im nächsten Augenblick in dem Zimmer der Gattin.
„Albina — Albina l" keuchte er, „gib Antwort — wo bist Du?"
Nur matt drang das Morgenlicht in das Ge- mach, die Ampel war erloschen, vielleicht hatte der Windhauch sie verlöschen gemacht. Es flimmerte lhm vor den Augen, er vermochte die Gegenstände zuerst kaum zu unterscheiden, dann bemerkte er doch, daß das Bett Albinas leer war.
, W fort — ist geraubt I" murmelte er halblaut vor sich hin. wie um sich von etwas zu
Abg. Stadthagen (Soz.) beklagt das gänzliche Fehlen von Bestimmungen über die Arbeitszeit männlicher Arbeiter.
Abg Erzberger (Ztr.) protestiert gegen die Be- hauptung, daß die Heimarbeiterausstcllung eine tendenziöse gewesen sei. Die großen Hoffnungen, die man auf die Organisation der ttt der Heimarbeit tätigen Personen gesetzt habe, seien nicht erfüllt worden, weil die Organisaion der Herm- arbeiter ungeheuer schwer sei. Erst nach der Ein- führung der allgemeinen Rcgästerpflicht werde eine Organisation möglich sein. Don der Einführung von Registern, die auch öffentlich ausgelegt werden müßten, verspricht man sich mit Recht eine Einschränkung der sogenannten „bet- schämten Hausindustrie", d. h. der hausindiistriel- len Betätigung der Angehörigen der „besseren" Stände und vor allem aber einen Anrerz zur Organisation der Heimarbeit. Die Anschauung, daß nur ein völliges Verbot der Heimarbeit die Mißstände und Gefahren beseitigen könne, teile er nicht. Eigenartig sei das Verhalten der Negierung in der Frage der technischen Angestellten. Die Ausdehnung der Bestimmungen der Gewerbeordnung auf die technischen Angestellten sei absolut notwendig. Die Lösung der Konkurrenz- klauselfrage sei bedauerlicherweise ebenfalls nrcht erfolgt.
Hierauf schließt die Diskusiion. Die Vorlage geht an eine Kommission von 28 Mitgliedern.
Dienstag: Etat des Reichsamts des Innern.
gelehnt. Somit war nur ein Torw angenommen, der in der Gesamtabstimmunq abgelehnt wurde Damit ist der ganze Sprachenparagraph 7 vollständig adgelehnt. Die erste Le'nnq ist somit beendet. Die zweite Lesung beginnt am 11. März.
1. Der Abt von Maria Laach, Fidelis von Mötzingen, wurde am Montag mittag um 1'2 Uhr vom Kaiser in Audienz empfangen. Er legte dabei nach der,Germ.' dem Riona, chen gemäß dcss--n Wunsche Entwürfe zur Mosaik-Ausschmückung der Hauptapside bet Kirche von Maria-Laach vor.
--- Reich und Einzelstaaten. Offiziös wurde es auf die oldenburgiiche Beschwerde so hinge- stellt, als sei das Reich gegenüber den (Smreift aalen denkbar fuiant. Das Dementi traf aber den Kern der Sache nicht. Dasselbe sagt auch der Syndikus der Oldenburger Handelskammer in einem Oldenburger Matte:
„Was wir bemängelten, war, daß das Reichsamt des Innern bei der Vorbereitung von Bundee-ratsvor- tagen sich zunächst nur mit Preußen und vielleicht noch mit einigen anderen größeren Bundesstaaten ms Einvernehmen setzt, nachdem so eine B-rewbaiung zustande gekommen ist, den Entwurf zum Abschluß bringt und ihn dann erst, allerdings gleichzeitig, als Bundesratsvorlage allen Bundesstaaten zuichüt. Es ist klar, daß auf diese Weise dte tlemeren Bundes» itaaten um jeden Einfluß gebracht werden. Aber auch die Handelskammern in den Heineren Bundesstaaten werden dadurch in Mitleidenschaft gezogen, denn ihr Gutachten verliert bet einem solchen Beifahrer, natürlich jede Bedeutung. . . . Aus der Auslassung der,9torbD. Allg. Zig.' geht hervor, dap daS Reichsamt sich vorher „nur" mit der preußischen Regierung in Benehmen gesetzt habe. Das ist es, was wir bemängelt hatten, und ich glaube, jeder wird uns darin zustimmen, daß eine solche bevorrechtigte Stellung Preußens in unserer Reichsverfassung keine
überzeugen, bas er im Grunde nicht zu hoffen wagte. Denn wenn die Räuber die junge Frau als Geißel mit fortgeschleppt hätten, um ein hohes Lösegeld zu erpressen, wie das wohl vorzukom» men pflegte, dann war ja die Hoffnung auf eine Rettung nicht ausgeschlossen.
Die Totenstille, welche im Zimmer herrschte, ließ nur zwei Deutungen zu: Albina und das Kind waren ermordet — oder man hatte beide geraubt.
Da strauchelte Ottavio, sein Fuß war auf dem Teppich ausgeglitten — das geschah an der Stelle, wo Albina niedergesunken war, wo der Strom des Lebens sich ergossen hatte aus der klaffenden Wunde.
Mit schauderndem Entsetzen erkannte der unglückliche Gatte, daß es Blut sei, welches die Rosen des Teppichs purpurn gefärbt hatte und dann, zu Stückchen geronnen, an denselben haftete. Und wie er so von Schreck gelähmt darauf hinstierte, da sah er, nahe dem Fenster liegend, die regungslose Gestalt, und mit einem markerschütternden Schrei stürzte er sich auf sie und sank bewußtlos neben der Leiche seiner Gattin nieder.
Der Marchese wußte nicht, wie lange er in diesem Zustande zugebracht, die Arme um die leblose Gestalt des geliebten Weibes geschlungen und das bleiche Marmorantlitz Albinas, dessen rührende Schönheit nie so siegend zur Geltung gekommen, an seine Brust gelehnt haltend.
Die Stimme des treuen Pietro weckte ihn, der gut« Mensch weinte und jammerte laut und rieb die Schläfe seines Herrn mit einer stark duftenden Effenz, die er dem Toilettentisch entnommen.
Jäh schnellte der Marchese empor, das Bewußtsein feines Unglücks war ihm geblieben.
„Einen Arzt, Pietro — schnell, vielleicht ist noch Hilfe möglich."
„Ich habe schon nach dem Doktor Bentrami gesendet," meinte der Diener und setzte zögernd hinzu: „nicht weil ich hoffte, daß hier noch Kettung möglich, sondern wegen der Signora An- giolino "
Gewährung von Dienstwohnungen gefordert, wobei der At-g. Schulze-Pelkum (ff.) einen Wunsch auf Gewährung von Kuhställen neben der Dienstwohnung damit begründete, es bestehe vielfach der Aberglaube, daß die Kühe keine Milch mehr geben, wenn man ihre Milch an die Gendarmen lieierc.
Abg. Busch (Ztr.) trat für eine Reorganisation der Gendarmerie ein, die dem Landrat oder Regierungspräsidenten unterstellt werden müsse. Außerdem verlangte er mehr Bewegungsfreiheit für die Beamten in politischer Beziehung
Abg. Faßbender (Ztr.) ging auf die Für- sorgeerziehung ein und wünschte größere Berücksichtigung der Familienentziehung, wobei das Land die Bevorzugung haben müsse. Außerdem bemängelte er, daß die Fürsorgeerziehung zu spät eingeleitet werde, und verlangte eine Aende- rung des preußischen Gesetzes nach dem Muster des Hamburgischen. — Die Redner der übrigen Parteien schlossen sich seinen Klagen an, wobei noch
Abg. Hackenberg (nl.) für einen gemeinsamen Unterricht der Geschlechter in den Erziehungsanstalten eintrat.
Abg. Dittrich (Ztr.) betont demgegenüber, daß in der gemeinsamen Erziehung der beiden Geschlechter keineswegs der Höhepunkt der pädagogischen Weisheit zu erkennen sei. Auf dem Gebiete der Fürsorgeerziehung aber sei sie direkt zu Veriverfen.
Abg. Tourneau (Ztr.) bemerkt beim Kapitel Gefängniswesen, daß die Zahl der rückfälligen Verbrecher bedeutend steige, und erklärt dies zum Teil aus dem Strafvollzug. Es sei notwendig, daß der Jugend wieder mehr Religion eingeflößt werde. Das Unternehmertum ntuß aus der Gefägnisarbeit ganz ausgeschaltet werden
Im Dunkelem
Roman von Ernesto Selva. '' Nach einer wahren Begebenheit erzählt.
IS] (Nachdruck verboten.)
Das fahle Licht eines nebligen Wintermorgens begann allmählich die Dunkelheit zu verscheuchen, als das Rollen eines Wagens sich vernehmbar machte.
Der Wagen hielt am eisernen Gittertore und der Wächter, den Schlaf abschüttelnd, kam herbeigesprungen, das Tor zu öffnen, da er den Wagen des Marchese erblickte.
Dieser wickelte sich aus seinem Pelze und eilte dem Diener voraus in den Oberstock, woselbst auch seine Zimmer gelegen waren. Einen Moment blieb er überlegend stehen.
. Es war noch früh am Morgen und Albina wie die Kleine schliefen sicher noch, er würde eine Störung verursachen, wenn er sie aufsuchte: vielleicht war es besser, wenn er nach der anstrengen- den Fahrt in der Nachtkälte sich selbst noch einige Stunden der Ruhe gönnte. Aber schon im Begriff, sich angekleidet auf sein Bett zu werfen, um den entbehrten Schlaf nachzuholen, wandte Rionero sich entschloffen der Türe zu. Die innere Unruhe, welche ihn hergetrieben und veranlaßt hatte, feine Heimreise zu überstürzen, bewog ihn auch jetzt, dem Drange seines Herzens zu folgen.
Einige Zimmer durchschreitend, klopfte er leise an die Tür des Gemaches, in welchem, wie vor- her verabredet worden war, Giovanna während seiner Abwesenheit schlafen sollte.
Nichts rührte sich, selbst ein stärkeres Poche» blieb ohne Erfolg.
Jetzt tief der Marchese des Mädchens Namen, wut und immer lauter — keine Antwort erfolgte!
®Q5 war geschehen? War die Kleine in der acht unruhig gewesen, hatte sie Störung ge-
Deutsches Reich.
□ Der Sprachenparagraph abgelehnt.
Der Kampf um das Verbot des Gebrauches fremder Sprachen in Versammlungen, wie es im 7 des neuen Reichsvereinsgesetzes vorgesehen ist, ist. weniastens vorläufig, zu Ende. Er hat eine Niederlage der Regierung herbei- geführt. Der Freisinn hat nicht mehr mitgetan, und damit ist dann der Paragraph in der Kom- Mission gefallen.
Bei der Fortsetzung der Debatte schickte das Zentrum gestern, von dem Gesichtspunkte geleitet, daß an dieser Frage die Arbeiter am stärksten interessiert seien, verschiedene gewerkschaftlich interessierte Mitglieder vor. Abg. Schirmer, der süddeutsche Gewerkschaftler, ging, vom Stand- punkte des sreihestltch veranlagten Süddeutschen au», sehr scharf gegen die preußische Regierung vor, kennzeichnete den Antrag Gräf (Wntsch. Bereinigung), der rein gewerkschaftliche Versammlungen auS dem Bereich des § 7 heraus» nehmen will, als eine indirekte Auslieferung der Polen an die preutzitche Polizei und brandmarkte den freisinnigen Antrag als das, was er ist, eine versteckte Verräterei der VolkSintereflen. Abg. Becker-ArnSberg (Ztr.) stand ihm lebhaft bei mit dem Hinweise, daß die Arbeiterverhältniffe im rheinisch-westtSlischen Industriegebiete unsäglich traurige werden würden. Abg. Graf OpperSd orf f (Ztr.) schilderte noch einmal die traurige Entwickelung der Verhältnisse im Osten, wo alles den Haß schürre, niemand für den Frieden arbeite.
Von der Gegenseite kämpfte man sehr erregt. Abg. Dr. Müller-Meiningen suchte seine Wichtig- keit wiederum gebührend ins Licht zu stellen. Er erklärte: im Süden gelte ich als Unitarier, in» Norden als Partikularist; ergo muß ich doch verständig fein. Die Konservativen ließen wiederum beteuern, die Agitation der Polen sei Derart, daß es ganz unmöglich sei, ohne derartige Krafimrltel auszukommen. Die Konservativen halten einen Abg. Edler zu Puttlitz vorgeschickt, der bisher parlamentarisch noch nicht hervor- getreten ist und der zu den strammsten der konservativen Rückgratsesten gehört.
Bei der Abstimmung wurde zunächst der polnische Antrag über die Auslegung deS Wortes „Deutsch" mit den 15 Blockstimmen gegen 12 Anliblockstimmen abgelehnt. Der Gewerkschafts- antrag Gräf wurde mit 14 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Darauf wurde ein Teil des freisinnigen Antrages Müller-Meiningen, die Absätze 2—5 mit 15 gegen 12 Stimmen angenommen; hier bestand die Mehrhest aus den Fim sinnigen und dem Anliblock. Dagegen wurde der erste und letzte Absatz bet freisinnigen Antrags ab
„Meine Tochter 1" schrie der Marchese auf, sich schwankend erhebend, „ist sie auch verwundet?"
Pietro schüttelte den Kopf.
„Nein, Herr Marchese, aber ein Krampfanfall, wahrscheinlich durch Schrecken verursacht, hat die Kleine in einen Zustand tiefer Ohnmacht versetzt. Marietta hat sich vergeblich bemüht, sie daraus zu erwecken."
Der Marchese erwiderte nichts, völlig gebrochen mußte er sich auf den Arm seines Dieners stützen, um bis zu dem Bettchen Angiolinas gelangen zu können. Die Frau des Gärtner-s hatte sich bemüht, bisher aber ohne Erfolg, die Kleine zu erwecken.
Gelblich blaß, einem Leichnam ähnlicher als einem lebenden Geschöpfe, die zarten Glieder verdreht, den Körper gleich einem Knäuel znsam- mengeballt, lag Angiolina mit geschlossenen Augen da, unter denen tiefe blaue Ringe sichtbar waren.
„Das Herzchen schlägt noch, wenn auch kaum merklich," sprach tröstend die Frau des Gärtners, indem sie mit sanster Gewalt die verrenkten Glieder des Kindes zu lösen strebte.
«Mein Kind — mein süßer, kleiner Engel," jammerte der Marchese, laut aufschluchzend, und bedeckte das starre, bleiche Antlitz AngiolinaS mit Küssen und Tränen.
Aus dem Nebenzimmer drang ein lautet Stimmengewirr. Rionero erhob den Kopf. „Kommt der Arzt?" fragte er.
Auf der Schwell« der Tür wurden einige Gestalten sichtbar. Es waren der Wächter und der Gärtner: mit erschreckten, bleichen Gesichtern flüsterten sie einander di« furchtbare Kunde zu; die Marchesa Albina war ermordet worden unä die kleine Angiolina schien dem Tode nahe.
Die Leute waren ganz außer sich über diese- ihnen unglaublich erscheinende Begebnis, denn nj waren sich bewußt, keine ihrer Pflichten vernacht lässigt zu haben. In der Tat hatte es 16 jnt§| an der nötigen Obsorge gefehlt.
(Fortlelluna folgt.)
DaS Abgeordnetenhaus beendigt endlich Etat des Ministeriums des Innern, wobei zunächst eine Anzahl Redner für die Besserstellung der Distriktskommissare und der Gendarmen eintrat, vor allem wurde
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 2. März 1908.
Das Haus setzt die Beratung der „großen" Gewerbeordnungsnovelle fort
Abg. EnderS (fr. Vp.) bezeichnet den Versuch, die Heimarbeit zunächst einmal auf dem Gebiete der Tabakindustrie gesetzlich zu regeln, als einen ersten Schritt ins dunkle Land und bemängelt die im vorigen Jahr in Berlin veranstaltete Heimarbeiterausstellung, indem er meinte, die ganze Ausstellung sei „tendenziös angelegt" gewesen.
Abg. Dr. Burckhardt (wirtsch. Dgg.) bestreitet, daß die Ausstellung für Heimarbeit einseitig und tendenziös zusanlmengestellt gewesen fei.
Abg. Naumann (fr. Dgg.): Ueberall sonst geht's vorwärts: die Löhne steigen allmählich und die Preise der Lebensmittel werden teurer, nur in der Hausindustrie ist der Lohn seit Jahrzehnten stationär geblieben. Jedes Warenhaus »st ein« Hausindustrieausstellung, denn überall da, wo zu fabelhaft niedrigen Preisen billiger Schund angeboten wird, lauern im Hintergrund« die «lenden Löhne der Hausindustrie. Jeder, der diesen billigen Schund kauft, hilft diese elenden Lohnverhältnisse konservieren, und die beste Gesetzgebung kann nicht gut machen, was der Mangel an gutem Geschmack und an sittlichen Bewußtsein im Publikum auf diesem Gebiete sündigt. Der Gedanke, ein radikales Verbot jeder Hausarbeit zu erlassen, ist kein sozialistischer, aber ein allgemeines Verbot ist unmöglich. Da wäre wohl der Gedanke zu erwägen, ob nicht die Schaffung einer Gewerbebehörde möglich ist, die sich auf die Selbsttätigkeit der beteiligten Kreise aufbaut. Tie aussichlsvollste Bestimmung der Vorlage scheint mir die Forderung des Registers zu sein. Dieses wird die einzige Möglichkeit sein, die sog. verschämte Hausindustrie einzudämmen. Das Register würde weiter den Arbeitern in der Haus- industrie die Möglichkeit geben, sich zu organt- sierden.
Abg. Schiffer (Ztr.): Die Heimarbeiter hatten mehr erwartet, als ihnen die Vorlage bringt. Besonderen Wert legen sie auf die hauptamtliche Gewerbeaufsicht. Wirkliche Gesundung wird nur erfolgen durch Schaffung staatlicher Einrichtun- geu, u. a. sog. Ausschüsse für Heimarbeit. Eine unserer Hauptforderungen ist die Einführung des lOstündigen Maximalarbeitstages. Tas Ausland ist uns in diesem Punkte über, und was die ausländische Industrie kann, das kann auch die deutsche Industrie tragen. (Sehr richtig im Zentrum.) Dringend zu wünschen ist weiter, daß die Arbeitszeit der verheirateten Arbeiterinnen in den Fabriken abgekürzt wird. Der Schutz der Wöchnerinnen muß aus 8 Wochen ausgedehnt werden. In der Frage der Arbeiterausschüsse hat sich eine erfreuliche Aenderung der Ansicht dieses Hauses vollzogen, die meisten Redner haben sich für die Einführung von Arbeiterausschüssen ausgesprochen. Bezüglich der Gewerbeinspektion möchte ich Vorschlägen, den Gewerbeinspektionen in den Gegenden, wo keine Gewerbegerichte bestehen, die Funktionen dieser zu übertragen. Zum Schluß beantragt Redner, die Vorlage an eine Kommission von 28 Mitgliedern zu überweisen. <Lebh. Beifall.)
Abg. Everling (nl.): Die Mißstände in der Hausindustrie übersehen wir ganz gewiß nicht, aber es ist nicht so schlimm, wie die Sozialdemokraten und wie der Abg. Naumann es hingestellt haben. Ich bin überzeugt, daß wir auch mit dieser Vorlage ein gut Stück weiter kommen.
Abg. Günther (fr. Vp.) warnt vor einein allzu rigorosen Vorgehen auf dem Gebiete der Heimarbeit.
* Eiu deutsches Marokko-Weißbuch zur Widerlegung französischer Hetzereien wird erscheinen.
1. Unter den Steuerplänen des neuen Schatzsekretärs wollen verfch,ebene Blätter auch eine Erhöhung der Postgebühren für Zer- lungsbeförderung und eine Erhöhung der Worttaxe für inländifche Telegramme entdeckt haben. Wie die,Deut,che Tageszeitung' von gut unterrichteter Seile erfährt, entbehren die Mitteilungen vollkommen ieder Begründung.
V Graf Wilhelm Hoensbroech, der Vorsitzende der sogenannten „Deutschen Vereinigung", hat im Herrenhause s ü r die Euieignung der Polen gestimmt, lieber diese Tatsache könnten wir mit Achselzucken zur Tagesordnung über* geben, wenn nicht viele unserer Gegner auf dieselbe „Deutsche Vereinigung" gewaltige Hoffnungen für den nächsten Wahlkampf setzten. Sv erhält jeder Beitrag zur Kennzeichnung dieser Gesellschaft eine gewisse Bedeutung. Wer diese tut- glückselige Entergnungsmaßregel unterstützt, der steht unfern alten Zentrumsprogramm vollständig fremd und feindlich gegenüber. Wer jemals die Parole „für Wahrheit, Freiheit und Recht" nicht bloß in den Mund, sondern in fein Denken, Fuhlen und Wollen aitfge* nommen hat, der kann nicht dazu Mitwirken, daß Leute, denen keine ungesetzliche Handlung zur Last fällt, aus ihrer Heimatstadt vertrieben werden. Für die Zenfrumspartei ist es ein? wahre Freude, daß sie mit einer Politik, die in solche Ungerechtigkeit und Unvernunft entartet, gar nichts zu schaffen hat und seit dec Wendung vom Dezember 1906 auch von dem S ck a t t e n einer mittelbaren Beteiligung befreit ist. Tie Deutsche Vereinigung ließ verküudcii, sie wolle den Frieden unter den Konfessionen befördern. Es wurde ihr geantwortet, dann möge sie den EvangelischenBund und sein Zubehör b->
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