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35. Jahrqanq.

Fulda, Freitaa den 18. Februar 1908,

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* Seefisch-Konsum. Rund 455 Mill. Kilo» gramm Seefische gelangten im Jahre 1907 auf den deutschen Markt. Die deutsche Seefischerei

<• Abbe 8oi|| rniö je!» aeaefies Werb.

ES kann nicht geleugnet werden, daß daS päpstliche Rundschreiben über den Modernismus in Deutschland anfangs Befremden erregt hat. Man wußte eben nicht gleich, worum es sich han­delte. Nicht alle Theologen Hattert etwas von Loisy gelesen; und man ahnte nicht, in welchem Umfange Loifysche und verwandte Ideen in man­chen Ländern, besonders aber in Frankreich Ver­breitung gefunden hatten. Bei uns in Deutsch, land ist eben Gottlob der ModecniSinus nicht besonders verbreitet, aber in Frankreich hat er doch schon erschreckend tief und weit Wurzeln gefaßt.

Der Bannerträger des französischeit Moder­nismus ist der Abb« Loisy. Er ist es, der eigentlich daS päpstliche Rundschreiben durch seine neuen Methoden heraufbeschworen hat und mehr als irgend einer zu dem vom apostolischen Stuhl zusannnengestellten neuen Syllabtis gegen den Modernismus beigetragen hat.

Soeben hat er ein neues Werk über die drei ersten Evangelien (Matthäus, Markus, Ltlkas) geschrieben. DaS Buch zeigt, daß Loisy mit den Grundwahrheiten unseres Glaubens zer- fallen ist. Er betrachtet Christus als einen „Dorfhandwerker, naiv und begeistert, der an daS „nahe Ende der Welt, an den Beginn eines Reiches dec Gerechtigkeit, an die Ankunft GotteS auf Erder« glaubt, und der, stark durch diese erste Einbildurrg, sich selbst die Hauptrolle in der Or­ganisation dieser unausführbaren Stadt zu­schreibt; dec sich aufS Prophezeien verlegt und alle seine Landsleute zur Reu« über ihre Sür«- der« auffordert, damit sie den großen Richter ver­söhnen, dessen ftomnten bevorsteht und plötzlich

nehmen fortwährend alle Postanstalten, Landdriefträger, ZeitungSträger und dir Expedition (Harmonie) Bestellungen auf die ,F«ldaer Zeitung' zum Preise von 50 Pfsnnig (ohne Be­stellgeld und Brmgertohn entgegen)

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Otranto Bebafttor: M

Larl Schütte;

w»chmb«llag«: Illustrierte Sonntagsjcitung

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Die Vorgänge an den bayerischen und außer­deutsche» Universitäten, wie Graz, Innsbruck, Wien, geben doch allmählich zu ernsten Betracht­ungen Veranlassung.

WaS man in letzter Zeit unter dem Deck­mantel „akademischer Freiheit" zur Schau trug, war nichts andere-, als der regelrechte Holz- konunent, mag man nun an die Tumulte in Graz denken, wo man mit Stöcken und Schir­men den PromotionSakt eines angesehenen aber katholischen Gelehrten verhinderte, oder an die jüngsten Krawalle in München, wo ein Trupp johlender, schreiender Studenten den Hörsaal eine» katholischen Theologieprofessors stürmte und so die Vorlesung verhinderte. Ein schlim­merer Hohn auf di« akademische „Freiheit" läßt sich wohl kaum denken. Wa» Torpedopfeifen, schirme und Stöcke in lebhafte Bewegung ge­setzt, sowie die Kraft der Lungen beim Pereat- rufen und Johlen mit der „Wissenschaft" zu tun haben sollen, ist nicht recht klar.

3d) erinnere mich nicht, daß man früher so viele und so eigentümliche Bekundungen der aka­demischen „Freiheit" zu hören und zu sehen be­kommen hätte, und doch ist diese „Freiheit" zu jederZeit, auch in den Zeiten unserer Väter und Großväter sicherlich ebenso hochgehaltea worden wie jetzt. Aber heutzutage ist man „feinfühliger" geworden, besonder- wenn es gegen die — Ka­tholiken geht. Was da nicht alles al» der aka­demischen Freiheit zuwider gedeutet rvird, bad ist schon nicht mehr zu denken. Bon der Bekänchf- ung der Freiheit, sich zu katholischen Verbänden zusammenzuschließen, ist inan schon jetzt auf die Vertreibung der Professoren aus ihren Hörsälen gekommen.

Die Leitung der Universitäten geht gegen die­sen TerroriSmuS der jungen Flegel leider häufig nicht mit gebührender Energie vor. In Graz hat ja der Rektor sich offen außer stände erklärt, die groben Ausschreitungen «rnd Angriffe auf katholische Studenten in und vor dem Uniberfi- tätsgebäude zu verhindern, und auch in Inns­bruck bleiben die liberalen Studenten, die mit Stöcken über katholische Studenten herfiele««, un­behelligt.

Die jungen Helden, die sich in so schneidiger Weise der „Freiheit" annehmen, find allerdings die richtigen dazu. Dem Komitee der Protest- bcrfammlung in München gegen den Professor Bardenhever gehörten nicht weniger al» 4 Studen­ten des ersten (!) Semesters an. Andere hatten 4 oder 5 Semester. Und diese Herren, die also im höchsten Falle 20—23 Jahre zählen und — wie die „Augsb. Postztg." bemerkw — kaum die Universität in München finden tonnen, wollen

Da» Verhängnis wollte eS, daß Albina Streich empfing, welchen sie ihrem Kinde stimmt wähnte, und da das lose Gewand, . leicht geschlossen, sich durch ihre Bewegung vorn geöffnet, so drang der scharfe Stahl ihr in die Brust.

Schweigen zu bringen, loar durch der Marches« plötzliches Erscheinen selbst ganz fasiungslos ge­worden, sodaß er nicht mehr d«e Zeit fand, di« Hand mit der Waffe zu senken oder selbst Seite zu springen.

über einen Gelehrten von Weltruf zu Gericht sitzen! DaS ist zum Lachen.

Bei Betrachtung dieser Vorgänge darf man vor allem nicht vergessen, — und das ist wohl der ernsteste Punkt, — daß diese jungen Herren zum großen Teil einst hohe und höchste Richter-, Be­amten- und Vertrauensstellen einnehmen sollen. Kann da» Volk, das solche Ausschreitungen sieht und weiß, daß die antikatholische Stimmung bei diesen Leuten alles beherrscht, Vertra«len zu fol- chen Männern haben? Man wird niemanden weiß machen können, daß diese Herren über Nacht ihre Gesinnung wie einen Rock gewechselt hätten. Und wenn das Volk sieht, wie jener Teil der Gesellschaft, der sich mit Recht an erster Stelle zu den „Gebildeten" rechnet, gegen alle Sitte und Anstand schlimmer als der Straßenpöbel sich be­tätigt, Hörsäle erstürmt und Professoren drang­saliert, waS soll es da denken von der „Bildung", die sie dort genießen, und von dem Gerechtig­keitsgefühl, das sie einst in ihrer Beamtensteüung dem Volke gegenüber betätigen sollen?

Und was sagt zu alledem die liberale Presse? Mit hämischer Freude sieht sie dem Treiben zu. Ach. eS geht ja gegen einen katholischen Professor. Wir kennen kein liberales Blatt, das eS über sich gebracht hätte, die groben Pöbeleien zu rügen. Man denke sich aber einmal den Fall, katholische Studentenkorporationen würden das Kolleg eines protestantischen Professors, gar eines Theologieprofessors, stürmen; welch ein Geschrei würde da die liberale Presse erhebe», «rnd wie würden die Parlamente widerhallen von den Brandreden eines Müller-Meiningen, Friedberg, Casselmann usw.!> Und die katholische Presse wäre die erste, die solche Rowdi-Politik aufS Schärfste verurteilen würde. Daß die liberale Presse sich dazu nicht anfraffe» kann, wo eS gilt liberale Studenten in ihre Schranken zurückzu- weisen, beweist ihre konfessionelle Voreingenom- menheit.

nen erhoben hatte, um sie zu beruhigen, eben erst schwankend einige Schritte gemacht hatte, da ein heftiger Schwindelanfall sie nötigte, sich an die Lehne eines nahestehenden Stuhles anzuklam- mern.

Doch al» die scharfe Klinge des Dolches, von der Hand de» Räubers gezückt, das Haupt ihre» angebeteten Kindes bedrohte, da wichen im Nu Schwäche und Furcht vor Albina. Die Mutter besiegte in ihr da» schwache Weib und dieses nahm den Kampf auf gegen den Mörder.

Halb wahnsinnig gemacht durch die Angst, $n spät zu kommen, stürzte sich Albina auf Antonio Pisani in der Weise, daß sie sich über das niedrig« Bettchen de» Kindes Warf, dieses so mit ihrem Leibe, gleich einem Schilde, deckend. ____

Der Räuber, welcher gar nicht die Absicht ge­habt, dem kleinen Mädchen ein Leides zu tun, und nur bezweckt hatte, es durch Drohung zum

Mit leisem Stöhnen sank sie am Bette ihre- Kindes nieder, die Arme noch schützend über das­selbe gebretfenb haltend.

Angiolina hatte sich indesien sofort beruhigt,, als sie die Mutter nahen gesehen, und das Köpf­chen tiefer unter die Decke steckend, um der ihr widerwärttgen Nässe zu entgehen und sich vor dem häßlichen Manne zu verbergen, schlummerte sie bald wieder ein, ahnunglos, daß dicht neben ihr die Mutter mit dem Tod« rangt

(Fortsetzung folgt.)

zurückwendend, barschen Tones: „Wo befindet sich der Schlüssel zu diesem Schranke?"

„Dort", stammelte Albina, mit der Haud nach dem Fenster weisend, „in meinem Arbeitskörb- chen. Er ist au einem silbernen Ringe fest ge­macht."

In zwei Sätzen hatte Pisani daS Fenster er­reicht; den Dolch stets in der Hand haltend und den Blick drohend auf die Marchesa gerichtet, durchwühlte ec den Inhalt de? ihm bezeichneten AicheitskorbeS und bemächtigte sich des Schlüssels, -er sich wirklich an dem ihm bezeichneten Orte vorfand.

Mit großer Eile und Geschicklichkeit öffnete der R-'Uber sodann den Schrank und seine gieri­gen Blicke, welche die Fächer desselben durch- forschten, hatten bald dre Schmuckkassette unb neben dieser einen Beutel mit Gold entdeckt.

Schnell prüft« Antonio den Inhalt des letzte- ren und sich der Marchesa zuwendend, die, von Fieberschauern geschüttelt, unbeweglich auf ihrem Platze saß, dem Tun deS Räubers zuschauend, fragt« er kurz und strenge:

„Dies kann nicht alles fein — wo haben Sie Ihr Gel- verborgen?"

„Es ist alles, war wir hierher Mitnahmen."

«Sie lügen!"

„Bei -em Leben meines KiirdeS, ich sprach die Wahrheit! In unserem Palast« zu Neapel sind größere Geldsummen vorhanden, hier habe ich nichts weiter verborgen."

Traute nun Pisani den Worten der Marchesa nrcht und wollte er sich selbst davon überzeugen, -aß sich keine Wertpapiere noch Banknoten, die für ihn besonder» großen Wert gehabt hätten, tn dem Schranke befanden — genug, er stellte das Säckchen mit den Goldstückchen und die Kas­sette auf einen kleinen Marmortisch, der vor -em Bettchen AngiolinaS stand, und begann mit bei­den Händen die Fächer des Schrankes zu durch­wühlen.

sein wird wie da» Kommen eines Diebes in der Nacht; -er eine kleine Anzahl ungebildeter An­hänger um sich sammelt, da er keine anderen finden kann, und im niederen Volke eine Be­wegung hervorruft, die wenig tief ist; der end- sich von den öffentlichen Gewalten angehalten werden mußte und einem gewaltsamen Tod nicht entgehen konnte." , , „ , _ .

Also von einer Gotthelt Christi kerne Spur und die Apostel Leute mit felbftcinge- redeten Einbildungen!

Da das Buch Loisys in Frankreich großes Aufsehen macht, begab sich Tery, ein Bericht­erstatter der Zeitung „Matin" zu Loisy und fragte ihn einiges. Nach der „Franks. Ztg." entspann sich (im Auszug) folgendes Ge,prach:

Tery: Sie scheinen, wie Renan, in JesuS nur einen Menschen zu sehen. — Loisy: Ich sehe ihn als Historiker unb die Geschichte zeigt ihr mir nur alS Menschen. — Tery: Wie Eie Jesus geschildert haben, glauben Sie nicht, daß mehr Autosuggestion in ihm war, al» übernatürliche Jnspirauon? Ebenso erklären Sie die Auferstehung Ctznsti durch Suggestion der Ätpostel. Wenn alles, was der Historiker Sony sagt, richtig ist, dann kann der Geistliche Loisy nicht mehr glauben, daß Christus von den Toten auferstanden ist! — Loisy: In der Tat, wenn mau unter Auferstehung versteht, daß der Leichnam Jesu wieder zum Leben zurnckgekehrt ist, dann ist dieS weder bewiesen, noch beweisbar; aber eS bleibt wahr, daß Christus wieder erweckt worden in, indem Sinne, daß er wieder lebte, oder, wenn Sie wollen, wieder auflebte tu seiner Kirche. — Tery: Führt «ine solche Geschichtschreibung nicht zur Leugnung der Gottheit Christi? — Loisy: Warum sollten wir diese Gottheit behaupten wenn Jesu »selb st nichts von thrgewußt Hal?

DaS dürfte für eine Charakteristik des Loisy- schen Werkes genügen, daS natürlich auch in Deutschland demnächst ganz oder in Auszügen massenhaft verbreitet werden wird.

Itn Dunkeln.

Roman von Ernesto Teloa.

Nach einer wahren Begebenheit erzählt.

Vj (Nachdruck verboten.)

Die Marchesa wollte einen Hilferuf auSstoßen, bett Glockenzug zu erreichen suchen, um ihre Leute herbeizurufen — doch von alledem geschah nichts. Die Kehle war ihr wie zusammengeschnürt, sie brachte kein Wort über die zitternden Lippen und vermochte kein Glied zu betoegen.

Leise, schleichenden Trittes näherte sich ihr der Einbrecher.

Jedenfalls war Antonio schon durch seine Hel­fershelferin davon unterrichtet worden, daß die Marchesa, durch einen Traum beängstigt, da» La- ger verlasien habe und höchst wahrscheinlich so- gleich aus dem leichten Schlummer, der sie auf dem Ruhebette umfangen, erwachen werde, wenn er in ihr Gemach einbringe. Es galt daher für ihn, der jungen Frau möglichst viel Furcht ein- zuflößen, um sie vor allen Dinget» daran zu ver­hindern, Lärm zu machen.

Deshalb hatte Pisani auch das Dolchmesser auS der Scheide gezogeit und seinem ohnehin widerlich häßlichen Gesicht den Ausdruck wilder Grausamkeit gebend, sprach er, dicht vor die Mar- chesa bin treten b, mit dumpfer Stimme:

„Ein Laut — ein Notschrei — unb Sie finb dem Tode geweiht, wo hingegen Ihnen nichts zu leide geschehen soll, wenn Sie mein Vorhaben nicht zu hindern fachen."

Albina nickte stumm, bann faßte sie allen Mut zusammen unb hauchte: „Nehmen Sie alles — Gelb, Schmuck — nur lassen Sie mir unb meinem Kinde baS Leben. Ich schwöre. Sie nicht zu verraten, noch Hilfe herbeizurufen."

„Wir werden ja sehen, ob Sie ihr Wort hal­ten, Madonna", grinste der Buckelige, und sich dem Schranke nähernd, von dem ihm dec schuc- ttsche Notar Basileo erzählte, fragte er, den Kopf

einer Sitzung des Herrenhauses vom 18. Mai 1876 zum Ausdruck gebracht hat, heute nicht mehr geeignet, den doktrinären Lobrednern der alleinseligmachenden aka­demischen Bildung vorgehalten zu werden? Heute mehr denn je. Wir wollen uns nicht überbeben, aber wir dürfen unser Licht auch nicht unter den Scheffel stellen und muffen uns nach Kräften dagegen wehren, daß wir verunglimpft werden und uns der akademisch, Stiesel zertritt"

Nach Sage der Sache ist nicht viel Hoffnung gegeben, daß diese Gedanken, die in anderer Form bereits verschiedentlich ausgesprochen woc- den sind, einen Erfolg haben werden. Die Ver­waltung will eS, und da wird sie wohl auch ihren Willen durchsetzen, zumal ihr ja jetzt ein „natio­naler" Reichstag zur Seite steht, der alles „na­tional" ansieht, was die Regierung will.

* Die Kriminalstatistik für treusten weist eine fortschreitende Abnahme der Zahl der Sltafgefangenen in den beiden letzten Jahrzehnten auf, verhältnismäßig und absolut. Der amtliche Bericht läßt die Frage offen, ob die Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse oder eine Steige­rung deS RechtsgesühlS in bett breiten Masten deS Volkes hierbei maßgebend ist. Die sehr auf­fällige, unverkennbar fortschreitende Verminderung der neu hinzukommenden Zuchthausgesangenen legt den Gedanken nahe, daß die Urteil-» sprüche der Gerichte milder geworden sind. AuS der Erfahrung ist jedenfalls bekannt, daß die Richter, wenn sie nicht genötigt sind, da- ZuchthauS in neuerer Zeit nur denen zudiktieren, die bereits vo> her schwere Freiheitsstrafen erlitten haben,' jüngere Elemente sucht man grundsätzlich mit Zuchthau» zu verschonen.

a. Zur Betriebsmittelgemeinschaft wurde von der Regierung in der Budgetkommisfion des Ab« geordnetenhaufeS mitgeteilt, daß mit Mecklenburg ein dahin gehendes Abkommen getroffen fei, da­mit dem 1. April in Kraft trete; mit Baden und Württemberg feien aussichtsreiche Verhandlungen angeknüpft. Die Organisation müsse unter preu­ßischer Leitung stehen, da Preußen 80°/® bei gesamten Wagenparks stelle; im Übrigen werd« die Freizügigkeit der Wagen für den Verkehtz durchaus vorteilhaft feilt.

Der Erlaß des Gouverneurs von Süd« wrstafrikav.Schuckmann betressendAufhebung der Kriegsgefangenschaft der Herero-, deflm Inkraftsetzung für KaiserS-GeburtStag ge­plant war, ist nicht in Kraft getreten, da in letzter Zeit viele HereroS entlaufen waren. Witz finden eS begreiflich, wenn die Neger davon­laufen; denn die Rechtsordnung ist für sie so ungünstig wie nur denkbar. Die Arbeiternot wird daher in Südwestafrika immer größer werdet!.

* Stuttgart, 26. Febr. 1908. Die Ernennung deS Herzogs Albrecht zum kommandierenden General des württentoergischen Armeekorps hat im Laude überall Befriedigung hervorgerufen, um so mehr, als man, mit Recht ober Unrecht, bei Preußen bisher einen gewissen Widerstand gegen die Übertragung -er Führung b«S toürt- tembergischen Korps an Württemberger au »»ahm. — Herzog Albrecht ist in Wien am 23. Dez. 1865 geboren, er gehört bekanntlich der katho­lischen Linie an. Seit bem 22. Sept. 1906 war er kommandierender General des 11. Armee­korps in Kassel.

Deutsches Reich.

□ Die Verteuerung bet höhere» Postlauf, bahn. Für die höhere Postkarriere ist bekannt­lich die Einführung des akabemifchen Stu­diums beabsichtigt. Für die künftigen Anwär- ter bringt daS eine ganz erhebliche Verteuerung ihrer Laufbahn mit sich und die Folge davon wird fein, was der Abg. Gröber im Reichstage so dra­stisch aussprach: höhere Vorbildung: kürzere Ar- beitszeit: höhere Gehaltsanspcüchel Daß wir bisher nicht tadellos mit -er Laufbahn ohne akademisches Studium zu einer guten Postver- toaltung gekommen wären, das wird kein Mensch behaupten. Die Post ist doch, WaS ihre Leist­ungen betrifft, unser Glanzinstitut; und dazu haben wir die akademische Bildung nicht nötig gehabt. Auch unter den höheren Postbeamten selbst herrscht diese Ausfasiung. So schreibt ein Postbirektor der „Niederrhein. Volksztg." u. a. folgeirdes:

„Dir hötzer«Ä Postbeamten sind sich benutzt, daß sie nach ihrer allaeinrme« und sachliche« Borbilduvg auch gegenwärtig durchaus m bet Lage sind, ihr« S*,tb lung auszustUken. Wir nehme« den Standpunkt ei«, daß die akademtsche Bildung heute varwiegend eine Fachbildtmg ist. Alles, mal die Hochschule den künftige« Ännedttern bet höheren Postlanfbahn bietet, haben die Angehörigen bet jetzigen Laufbahn sich auch meist durch mühevolle- Tetbststuoium erringen mitffeu, bi- die jüngst eingegangene Post- und Teleg->od schule geschaffen wurde. Diese Schule konnte sich mit ihre«« Lehrgang« und hinsichtlich der Znfammenstchuu- ihre- Lehrkörpers getrost den anderen sachliche« Hoch­schule« (Bergakademie, Forstakademirs an die Seite stellen, «der bevor noch die Schule in» Lede« trat, genoß die Fachbildung der höhere« Postbeamten große» Ansehen auch in Steifen, die mit der Post in keiner Weise in Berührung standen. Wir frage« un» nur: Sind die hohen Anschauungen, die Nichtsachleute von der Verkehr-iviffenschast hatten und vor allem auch die Wertschätzung der Ausbildung, die Fürst BtSmarck i«

Da fiel etwas klirren- nieder: eS war ein goldenes Kreuz mit einem großen Brillanten in -er Mitte, an einem schvarzen Samtband« be­festigt. Die junge Frau hatte den Schmuck, tod- eben sie besonders lieb hatte, am heutigen Tage getragen, unb dies war der Grund, warum da- Kreuz sich nicht bei den Juwelen befand.

Begierig bückte sich Pisani, um daS kostbare Geschmeide auch noch in seinen Besitz zu bringen, aber die Hast, mit -er dieS geschah, ließ ihn nicht darauf achten, daß der zierliche Marmortisch mit der Kassette ihm int Wege stand; er stieß denn auch so heftig mit Kopf und Schulter gegen die Platte desselben, daß ein darauf stehender Glas mit dem Nachttrunke der kleinen Angiolina, -en daS Kind heute nicht zu sich genommen, herab- geschleudert wurde.

Unglücklicherweise fiel daS GlaS nach der Seite deS Bettchens, in welchem bisher das kleine Mädchen ahnungslos und friedlich geschlummert, und überschüttete die Polster mit dem nassen In­halt. Jäh erweckt und höchst unangenehm berührt durch die kalte Flüssigkeit, welche ihr Haar uni Stirn benetzt, begann Angiolina zu weinen.

Pisani erschrak, raffte schnell die Wertsachen zusammen, um sie in ein Tuch zu knüpfen, und sich zu dem Kinde wendend, rief er barsch:

„Schweig, Du dummes Ding, oder er geht Dir schlimm!"

Doch diese ungewohnt rauhen Worte, die ab- schreckende Gestalt des finsteren Manner brachten die entgegengesetzte Wirkung von der hervor, welche Pisani beabsichtigt. Di« Kleine stteß einen gellenden Schrei ans und verzog den Mund zu lautem Weinen, als der Räuber, wütend gemacht durch den Lärm, der ihm leicht verhängnisvoll werden konnte, wenn die im Erdgeschoß schlafen- den Dienstleute dadurch erweckt wurden, daS Dolchmesser gegen daS Kind zückte.

DaS alles war so schnell gekommen, daß Al­bina, welche sich ber dem ersten Baute der Klei»